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„Tagblatt-Haus" Nr. 6650-53.
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Donnerstag. 8. April 1913.
Morgen - Kusgabe.
Nr. 161. . 63. Jahrgang.
Oer Urieg.
Der Tagesbericht vom 7. April. Französische Angriffe in den Krgonnen und bei Verdun unter außergewöhnlich schweren Verlusten gescheitert. — Im Gsten ein russisches Bataillon durch unsere Navallerie vernichtet.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 7. April. (Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
Die von uns vorgestern besetzten Gehöfte von Drie- Grachten, die der Feind mit schwerster Artillerie und Minenwurffeuer zusammenschoß, . wurden deshalb gestern abend aufgegeben.
In den Argonnen brach ein französischer Angriff im Feuer unserer Jäger zusammen.
Nordöstlich von Verdun gelangte ein französischer Vorstoß nur bis an unsere Vorstellungen. Östlich und südöstlich von Verdun scheiterten eine Reihe von Angriffen unter außergewöhnlich schweren V e r l u st e n. An der C o m b r e s - H ö h e wurden zwei französische Bataillone durch unser Feuer auf gerieben. .Bei Ailly gingen unsere Truppen zum Gegenangriff vor und warfen den Feind in seine alte Stellung zurück. Auch bei A p r 6 m o n t hatte der Feind keinen Erfolg. Ebenso sind andere französische Angriffe bei Flirey vollständig gescheitert. Zahlreiche Tote bedecken das Gelände vor unserer Front, deren Zahl sich noch dadurch vermehrt» daß die Franzosen die in ihren eigenen Schützengräben Gefallenen vor die Front ihrer Stellung warfen.
Am Westrande des P r i e st erw ald es fchlug eines unserer Bataillone im Bajonettkampf starke Kräfte des 13. französischen Infanterieregiments zurück.
Am Hartmannsweilcr Kopf wurde gestern nachmittag trotz starken Schneesturms gekämpft.
westlicher Kriegsschauplatz.
Bei einem Vorstoß im russischen Gebiet nach A n- d r z e j e w o, 30 Kilometer südöstlich von Memel, vernichtete unsere Kavallerie ein russisches Bataillon, von welchem der Kommandeur, fünf Offiziere und 360 Mann gefangen genommen, 120 getötet und 150 schwerverwundet wurden. Ein anderes Bataillon, das zu Hilfe eilte, wurde zu rück ge- schlagen. Wir verloren 6 Tote.
Russische Angriffe östlich und südlich von K al- w a r i j a sowie gegen unsere Stellungen östlich von Augustow wurden abgewiesen.
Sonst ereignete sich auf der Ostfront nichts Besonderes. Oberste Heeresleitung.
Die russischen Verluste bei Memel.
W. T.-B. Berlin, 7. April. (Amtli ch.) Die Russen geben in ihrem Generalstabsbericht vom 4. April an, daß sie bei dem Plündernngszug nach Memel nur 149 Tote, Verwundete und Vermißte verloren hatten. Es wird hiergegen folgendes festgestellt: Bei Memel
wurden 300 Russen begraben, ber Memel und P »langen 505 Russen gefangen. Hiervon wurden 3 Offiziere und 430 Mann nach Tilsit befördert. Der Rest ist noch in Memel und wird zum Teil zum Arbeitsdienst verwandt und liegt zum Teil verwundet im Lazarett.
Die Zabl der erbeuteten Geschütze im ersten Viertel,abr 1915
beträgt 445, und zwar: 80 französische und 365 russische.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht. Fortdauer der Narpathenschlacht. 930 Gefangene und große Kriegsbeute. — Line neue Vergeltungs- Beschießung von Belgrad.
W. T.-B. Wien, 7. April. (Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart vom 7. April, mittags: An der Front in den Karpathen dauern die Kämpfe fort. Dle Zahl der auf den Höhen östlich des Laborzcatales Gefangenen hat sich noch um weitere 930 Man» erhöht. In den Kämpfen wurden auch 3 Geschütze und 7 Maschinengewehre erobert und zahlreiches Feldmaterial erbeutet, darunter über 5000
^F^Südostgalizien nur stellenweise Geschütz- kämpfe. In W e st g a l i z i e n und Russisch- Polen keine Veränderung.
Am südlichen Kriegsschauplatz wurde die am 6 April erfolgte neuerliche Beschießung der offenen Stadt Orsova durch ein kurzes Bombardement Belgrads beantwortet.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höser, Feldmarschalleutnant,
Die Verhältnisse in Lemberg.
Der „Kurjer Wiedenski" veröffentlicht interessante Mitteilungen über die Verhältnisse in Lemberg von einem Ge- währsmann, dem es nach mehreren mißlungenen Versuchen geglückt war, sich durchznschlagen und nach Wien zu gelangen. Die betreffende Person teilte mit. daß in Lemberg die berüchtigte russische O ch r a n a ihre Tätigkeit eifrig entwickele. Lemberg ist von der Umgebung vollkommen abgeschnitten. Niemand darf sich aus der Stadt entfernen. Der Gewährsmann erzählt, daß alle Ortschaften, die er durchwanderte, von den Russen geplündert worden waren. Die Bevölkerung kehre langsam aus den Wäldern und anderen Verstecken nach den Ortschaften zurück. Das Städtchen T u r k a wurde von den russischen Soldaten total ausgeplündert, desgleichen D h n a o w, wo die Kosaken den 70jährigen Rabbiner mit Nakajkahieben zwangen, am Ringplatz zu tanzen. Überall wurden von den Russen Geiseln weggeführt. Die Leute wurden bedroht, um zu erpressen, wo Vorräte, Wertsachen, Geld und dergleichen versteckt sei. Nachdem schon alles ausgeplündert und verschleppt war, erschien ein Erlaß des Gouverneurs, wonach es den Bahnverwaltungen und Postämtern verboten wurde, von Offizieren oder Soldaten Geld oder Wertsachen zur Weiterbeförderung zu übernehmen. Die Plünderer aber hatten ihren Raub schon in Sicherheit gebracht. Ganze Eisenbahnzüge mit geraubtem Gut waren bereits nach Rußland abgegangen. Wohl wurden allen russischen Regimentern Befehle gegeben, sich jeglicher Plünderungsakte bei sonstiger Todesstrafe zu enthalten, aber an diesen Befehl hielt sich niemand.
General ttusmanek in der Gefangenschaft.
Br. Wien, 7. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der Verteidiger von Przemysl General v. Kusmanek, der im Kiewer Generalgouvernements-Gtzbäude vier Zimmer bewohnt, trägt nach wie vor Säbel und Orden, darunter das Eiserne Kreuz.
Günstige Grnteaussichten in der Donaumonarchie.
W. T.-B. SStett, 7. April. (Nichtamtlich) Den Blättern zufolge lauten die Nachrichten über den Saatenstand gün- st i g. Es kann gesagt werden, daß die Saaten ohne nennenswerten Schaden überwinterten. Die Frühjahrsarbeiten roerden, falls das gute Wetter anhält, b a l d b e - endigt sein. Infolge der Tätigkeit der Behörden ist anzunehmen, daß die Anbaufläche voll ansgenutzt wird. Die im Laufe der Osterfeiertage aus dem ganzen Lande und Budapest eingetroffenen Berichte bezeichnen die Ernteaussich- ten in U n g a r n als ganz ausgezeichnet. Falls die günstige Witterung anhält, sind Aussichten auf eine Rekordernte vorhanden.
Die Auffassung der Tschechen.
Die Ansicht der Tschechen ist, so schreibt „Humanste" vom L7. März, nach Aussage eines ihrer bekanntesten Führer, daß sie den Sieg der Österreicher wünschen müssen. Eine Unabhängigkeit ist nicht zu erreichen, da sie nur Pufferstaat weichen würden. Österreich sei sür sie nötig: es wäre ein Unglück, wenn es aufhörte, zu bestehen. Jedenfalls möchte niemand russisch werden.
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Ein polnischer Kriegsausschuß in Südamerika.
In Curityba (Staat Pardna, Brasilien) erscheint laut Nieuwe Rotterd. Courant" vonr 30. März ein besonderes polnisches Blatt, „Wiadomoszi Wojny" (Kriegsberichte), welches Aufruf zum Kampf gegen den Z a r e n, den Unterdrücker, und die moskowitische Sklaverei en.hcrlt. Auch werden große Geldsummen für die Befreiung Polens gesammelt. __
vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.
ver französische Sbendberichl.
W- T--B- Paris, 7. April. (Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht von gestern abend. Der Tag war durch beachtens- »verte Fortschritte unsererseits gekennzeichnet. Östlich Verdun besetzten wir das Dorf G u s s a i n v i l l e und die Bergkämme, welche den Lauf des Orneflusses beherrschen. Werter südlich rückten wir in der Richtung ans Maizeray vor. Im A i l l Y w a l d und B r u l e w a l d behaupteten wir unsere Gewinne und eroberten neue Schützengräben. Im Priesterwald wurden neue Fortschritte erzrelt. Aus Aussagen Gefangener geht hervor, daß im Laufe der letzten Angriffe im südlichen Woevre sechs Bataillone nacheinander vernichtet wurden. Südöstlich H a r t m a n n s w e 1 1 e v. nahmen wir die Kuppe ein, welche dem die Brigade befehligenden deutschen Oberst während des Kampfes am 26. März als Kommandoposren diente. Wir rückten jenseits der Kuppe vor und machten Gefangene. (Man vergleiche mit diesen erdichteten Erfolgen der Franzosen den Bericht aus dem Großen Hauptquartier im gestrigen Abendblatt. Schrift!.)
Tie Friedensstimmung französischer Sozialdemokraten
ist, so schreibt „Figaro" vom 31. März, in letzter Zeit bemerkbar. Auch diese wollen zwar eine Entscheidung herbeiführen, aber mit ber Maßgabe, daß man den Sieg nicht mißbrauchen darf. Eine unüberwindliche Schranke oarf zwischen beiden Völkern nicht anfgerichtet werden.^ Zu derartigen Sophistereien ist es — so meint Capus im „Figaro" —
jetzt zu spät, da die bestehende Schranke nie wieder zu be-l
seitigen ist. Der Militarismus sitze dm Deutschen im Blut und könne -nur zusammen mit ihnen selbst vernichtet werden.
Ein wirtschaftliches Bündnis der Alliierten?
Im „Echo de Paris" vom 31. März fordert der Deputierte Marquis de Ludre, daß das Bündnis der Alliiertem auf die Wirtschaftspolitik ausgedehnt wird und daß ein Ursprungszeugnis der Alliierten geschaffen werde, d. h. alle Waren, die aus den Ländern der Alliierten stammen, mit einem gleichen Ursprungszeugnis versehen seien. Dadurch würde nach dem Frieden der Eingang deutscher Waren in die Länder der Alliierten verhindert werden.
Oie Behandlung der deutschen Tauchboot-Besatzungen in England.
Die deutsche Regierung hat durch Vermittlung des amerikanischen Botschafters in London angefragt, ob es zutreffe, daß die Behandlung der T a u ch b o o t- Besatzungen eine andere sei als die der übrigen Kriegsgefangenen, und bejahenden Falls eine härtereBe- Handlung der in Deutschland gefangenen Engländer in den: entsprechenden Zahlenverhältnis angedroht.
Wird die Antwort Sir Edward Greys auf die >deutsche Anfrage vom Reuterschen Bureau zutreffend wieder- gegeben, dann macht England in der Tat einen derartigen Unterschied: es hat sowohl unsere Offiziere wie unsere Mannschaft in den „Straflokalen" der Marinekasernen untergebracht, behandelt .. sie also als „V erbreche r". Grey hat sich die Begründung dieses Verfahrens, insofern äußerst leicht gemacht, _ als er frischweg von der „Notwendigkeit" ausgeht, die Tauchboot-Besatzungen von den übrigen Kriegsgefangenen zu sondern. Daß ein solches Vorgehen nur -der Absicht Englands entspringt, womöglich dem deutschen Unter- seebootskampse dadurch ein E n d e zu machen, daß deren gefangene Besatzungen als Verbrecher behandelt werden, darf sür zweifellos gelten. Selbstverständlich verbirgt Grey diese englische Absicht auf das sorgfältigste, indem er einfach behauptet, daß die Tauchboot-Besatzungen nicht als ehrenhafte Gegner, sondern als Leute betrachtet werden müßten, die auf Befehl ihrer Regierung völkerrechtswidrige und unmenschliche Handlungen begingen.
In England selbst hat diese Auffassung, dre ein neues Beispiel englischer Heuchelei ist, den öffentlichen Widerspruch des Bischofs von Birmingham hervorgc- rufen. Unter Verweisung auf ihm bekannt gewordene Äußerungen britischer Seeleute und Soldaten v e r- urteilt der Bischof jene Behandlung der deuffchen Tauchboot-Mannschaften als einen verächtlichen Racheakt. Das ist ein Standpunkt, der nicht nur dem militärischen, sondern auch dem bürgerlichen Rechtsempfinden vollkommen entspricht. Denn unter kernen Umstünden dürfen militärische Untergebene, die b e- dingungslos zu militärischem Gehorsam verpflichtet sind, für die Ausführung von Befehlen ihrer Vorgesetzten bestraft werden. Andererseits aber stehen die Befehle, die die deutsche Admiralität dm Unterseebooten erteilt hat, durchaus im Einklänge mft dem Völkerrecht. Nachdem England durch ferne Nordseesperre ein neues Element in >das Seerecht eingeführt hat, war es das gute Recht Deutschlands, die Nordseesperre mit der von: 18. Februar ab gültigen Kriegsgebieterklärung zu beantworten, inzwischen aber sind von englischer Seite eine Reihe Maßregeln getroffen worden, die selbst das schärffte Vor- gehen unserer Tauchboote rechtfertigen wurden Dahm gehört die Weisung an die Handelsdampfer, dre deutschen Tauchboote nach Möglichkeit zu rammen, die Aussetzung von Prämien für das erste gerammte deutsche Unterseeboot, die Bewaffnung von Han- dels dampfe rn mit Geschützen. Diese «vgli- scheu Anordnungen hatten den Erfolg, daß laut dem „Daily Chronicle" alle in den letzten vierzehn Tagen in Kanada einqetroffenen englisch-kanadischen HandÄs- schiffe mit Geschützen und Maschinengewehren versehen waren Auch ist bereits wiederholt von Angriffen englischer Handelsdampfer auf deutsche Unterste- boote berichtet worden. Schon die Ausrüstung von Han- delsschisfen aber läuft ans die Bewaffnung der bürgerlichen Bevölkerung hinaus und stem- pelt die Bemannungen der beteiligten Handelsdampfer zu Freischärlern. Es entspricht vollkommen dem Völkerrecht, wenn die deutschen Tauchboote gegen die Freischärler zur See mit der größten Ruck sicht s- l o s i g k e i t Vorgehen. Daß jedoch unsere Unterfee- boote soweit als irgend möglich Menschenleben geschont haben, ist selbst vom Reuterschen Bureau regel- mäßig berichtet worden. Im übrigen genügt die deut- sche Kriegsqebietsevklärung, um die Verantwortung für den Verlust an Menschenleben, der im Ver- laufe des deuffchen Untersesbootskampsts einirftt, Ä re
