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Wiesbadener Tsgblatt.

48. Jahrgang.

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Montag; den 6. Marz. Fernsprecher No 52 1900.

Fernsprecher No. 52.

KÜsnÄ-KusNaK«, _

Die Reichstagsnoth mrd ihre AüsteUung.

b. Kerlin, 3. März.

Die Verschleppungen der Neichstagsverhandlungen infolge fortdauernder Bcschlußunfähigkeit des Hauses läßt allmählich auch die frömmsten Gemüther in Aufregung gerathen. Das Gefühl ist allgemein, daß es so nicht weiter gehen kann. Der Reichstag hält unendlich lange Sitzungen ab, in denen das Dreifache von dem erledigt werden könnte, was that- süchlich erledigt wird. Die Sitzungen können aber nicht abgekürzt werden, weil es keine Möglichkeit giebt, durch Schlußanträge eine Beschleunigung der Arbeiten zu erzielen. Da in der Regel nur 40 bis 60 Abgeordnete anwesend sind, so braucht sich Niemand, der zu sprechen wünscht, ein Abschneiden seiner Redelust durch einen Schlußantrag gefallen zu lassen. Zuweilen wird ja der naiv­kühne Versuch unternommen, eine Debatte ans solche Weise zu Ende zu bringen, aber der unternehmungslustige Abgeordnete, der es wagt, knickt sofort beschämt zusammen, wenn mit der Bezweiflung der Beschlußfähigkeit gedroht wird und so geht die eintönige Rederei weiter, so lange es irgend einer Fraktion beliebt. Sollen wichtigere Vorlagen auf die Tagesordnung gesetzt werden, so muß immer erst ein ganzer großer Apparat von Bitten und Beschwörungen arbeiten. Der Seniorenkonvent tritt zusammen, dieFraktions- vorstände schicken Briese und Depeschen an ihre politischen Freunde, Dutzende von Abgeordneten, die infolge ihrer gewohnheitsmäßigen Abwesenheit zuweilen selbst den Haus­dienern mit ihren geübten Blicken als Fremde erscheinen, fühlen sich plötzlich ungeheuer wichtig und haben die Empfindung, daß sie Wohl und Wehe des Reiches und des Reichstags in Händen halten. Manchmal kommen sie, wenn es durchaus sein muß, manchmal aber auch nicht einmal dann. In dieser Woche sollen die dritten Lesungen der Gewerbenovelle und der lex Heinze, wie die zweite Lesung der Fleischbeschauvorlage stattfinden. Selbstverständlich be­darf es zu diesem Zweck eines beschlußfähigen Hauses. Wie aber es beschaffen? Natürlich wieder durch Bitten und Ucberreden, auch durch sanfte Mahnung an die mit dem Mandat übernommene Ehrenpflicht. Ob es nützen wird, weiß man noch nicht; vielleicht ja, vielleicht nein; jedenfalls darf dies nicht so bleiben, und es gehört zu den Unbegreiflich­keiten unseres politischen Lebens, daß die verbündeten Re­gierungen sich immer noch hartnäckig gegen die Einführung von Diäten sträuben, die in der That als einziges Mittel erscheinen, aus diesem geradezu unwürdigen Zustande herauszukonnnen. Freilich giebt es ein zweites Mittel, die Herabsetzung der Beschußfühigkeitsziffer nach englischem Muster. Aber dieser Weg kann nach näherer Prüfung nicht empfohlen werden. Er setzt geschlossene, festgeordnete Parteiverhältnisse voraus, Verhältnisse, in denen die Rechte und die Linke ihre Kräfte

(Nachdruck verboten.)

Mn vierfacher Meister.

Zum 425. Geburtstag Michelangelos, geb. am 6. März 1475.

Bon A. Peitz.

Michelangelo Buonarotti war ein Künstler in der Bildhauerei, ein Künstler rn der Malerei, du Künstler in der Architektur und in jedem dieser Fächer ein Meister. In dieser Hinsicht steht er m der ganzen Welt einzig da. Es hat Maler gegeben und giebt deren noch heute, die in der Unsterblichkeit erngegangcn sind und noch entgehen werden; es hat Bildhauer gegeben und giebt deren noch heute, die in ihren Werken fortgclebt nnd noch heute fortlebcn und forileben werden; es hat Architekten gegeben und giebt deren noch heute, di- »"ich in ihren Bauten Denkmäler gesetzt haben und setzen und setzen werden; aber es giebt und wird geben nur einen Michelangelo, der in seinen Malereien, in seinen Skulpturen und seinen Bauwerken zugleich fortlcbeu wird -

In der Bildhauerei wie in der Malerei bezeichnen seinen Stil nicht, wie bei der Antike, stille Größe und Erhabenheit, sondern ungebandiqte Gewalt und Leidenschaft. Das gesamnite^Schaffen Michelangelos ist ein unablässiger Kampf erhabenster Ideen, die aus der wunderbaren Tiefe seines Seelenlebens zu Tage streben, und deren Erscheinung daher allcSpurcn dieser gewaltigen inneren Erschütterungen in sich trägt. Vor seinen Werken, g-ebt es kein ruhiges Genießen. Sie reißen uns unwiderstehlich in ihr leiden­schaftliches Leben hinein und machen uns, wir mögen wollen oder nicht wollen, zu Genossen ihrer tragischen Geschicke. Das ist der Eindruck, welcher die Zeitgenossen veranlaßt hat, ihn den „tenibile“ zu nennen, wenn sie von seineil Werken sprachen. Sein Hang zum Außerordentlichen und Wunderbaren, sein tiefes gründliches Studium der Anatomie, wodurch er vollkommene Sicherheit und Richtigkeit in der Zeichnung erlangte, trieben ihn zu kolossalen Darstellungen. Durch rhu erreichte die Schule des mittleren Italien den höchsten Gipfel ihrer ursprünglichen Richtung auf Form und Linie und den kühnsten Schwung. Den geistigen Ausdruck hat Michelangelo nicht selten bewunderungswürdig gegeben. In der Gewandung hat er Großartiges geleistet. Das Großartigste aber ist seine Darstellung des Nackten, m welcher er der Vorgänger aller Zeiten und Schulen geworden ist. Seine Fleischfarbe ,st kernig und wahr; seine Zusammenstellung rn den Farben der Ge­wänder ist geschmackvoll, und ferne perspektivischen Verkürzungen, wie seine Perspektive überhaupt, reißen zu offener Bewunderung hin.

Als Architekt wurde er von seinen Zeitgenossen nicht minder für einzig und klassisch gehalten, wie als Maler und. Bildhauer.

Ja, auch als Dichter hat der seltene, der einzige Mann ge­glänzt, und wenn er hierin nicht viel dem Umfang nach geleistet.

hinreichend kennen, sodaß Jeder vorher weiß, wie unwahr scheinlich das Zufallsspiel von Uebcrraschungen ist, und wie schnell es unter Umständen durch die nachfolgende Lesung in seinen möglichen Wirkungen ausgeglichen werden könnte. Wenn in England die Konservaliven oder aber die Liberalen am Ruder sind, so legen es die jeweiligen Gegner garnicht darauf an, gelegentliche Erfolge durch Ueberrumpelung zu er­zielen, sondern eS wird der Umschwung in den Parteiverhältnissen von innen heraus, eben durch Aenderungen in den Grund- stinimungen des Volkes, erwartet, und wenn diese Aendcrnng einmal eingetreten ist, dann ist die natürliche Konsequenz, daß das Parlament die neue Sachlage widerspiegelt. Bet uns würde von alledem nichts zutreffen, und wenn früher zuweilen der Gedanke einer Herabsetzung der Beschluß- fähigkeitszahl angeregt worden ist, so dürfte heute wohl Niemand ernstlich glauben, damit noch eine Wirkung erzielen zu können. Was sich gegen Diäten vormals allenfalls sagen ließ, das trifft längst nicht mehr zu. Weder ist es gelungen, durch die Verweigerung von Tagegeldern den Parteien, die die Negierung möglichst gering an Zahl haben möchte, die Auf­stellung und die Wahl von Kandidaten zu erschweren, noch hat die Nichtzulassung von Diäten zur Folge haben können, daß das sogenannte Berufsparlamentarierthum von der Schwelle des Hauses ferngehalten tvurde. Von unserem Standpunkte ans betrachten wir dies „Berufsparlamentaricrthum" als etwas sehr Nützliches, aber wenn man der entgegengesetzten Auffassung auch das Zugestündniß machen wollte, daß sie ihre subjektive Berechtigung hat, so kommt es schließlich auf Eins hinaus, indem die Sache selbst, ob man sie nun wünscht oder verwirft, doch bleibt, wie sie ist: Die Zahl der Abgeordneten, die aus der Beschäftigung mit der Politik ihre Lebensaufgabe machen, ist trotz der Diätenlosigkeit ge­stiegen und wird sich gewiß nicht verringern. Man hat beinahe den Eindruck, daß die vcrbüirdeten Regierungeir nur noch darum gegen die Diäten sind, weil sie die Kosten scheuen, und eine ansehnliche Belastung des Reichsetats würde durch Tagegelder allerdings entstehen. Aber die Summe ließe sich wenigstens fixircn. Auf Diäten als solche braucht man sich ja nicht zu versteifen, sondern es könnte ein besserer Modus gewählt werden, indem die Mitglieder des Reichstags eine feste jähr­liche Abfindung erhielten, sodaß der sonst vielleicht mögliche Anreiz, die Session hinauszuzögern, vollständig fortfiele. Die Ersetzung der Diäten durch gesetzlich geregelte Jahresbezüge würde sich auch für das preußische Abgeordnetenhaus dringend empfehlen. Es ist doch ein wahrer Jammer, daß beispiels­weise wegen der Vereinsrechtsnovelle vor zwei Jahren wochen­lang täglich 6600 Mk. Diäten gezahlt werden mußten, während das Hans nothgedrungen Ferien hielt, und daß im vorigen Jahr diese Zahlungen ins Unheimliche an­schwollen,' als die Verschleppung der Kanalfrage eine monatc- lange Verlangsamung der Session zur Folge hatte. Aber zum Wesen unserer Zustände im Reiche wie in Preußen gehört es nun leider, daß selbst die einfachsten Dinge, bei denen gar keine politischen Grundfragen mitsprechen, ungeordnet bleiben.

so hat er doch auch auf diesem Gebiet der Kunst Bleibendes

Berber Betrachtung seiner Kunstwerke können wir natürlich nur die allerbedcutendsten hervorhebcn, da ihre Gesammtzahl zu groß ist, als daß wir sie auf dem uns bemessenen Raum genügend

würdmen Konnten, r ^ j d)0U | n seinen ersten uns bekannten

Arbeiten Bedeutendes. Die Reliefs eines „Centaurcnkampfes und einer „Madonna" vor einer Treppe in Florenz waren es mit welchen er die Reihe seiner Skulpturen begann. Bekannt durfte seine Dupiruna des Kardinals Riario mit dem „scqlasenden Cupido sein. Diese Statue hatte er eine Zeit lang in der Erde vergraben, um ihr ein antikes Aussehen zu geben. Sie rst auch nur dieses Kniffes wegen — der übrigens doch nicht gelang — berühmt ge­worden Die edelste, an tiefer nnd doch maßvoller Empfindung reichste plastische Schöpfung ist eine „Madonna mit dem tobten Christus", die sogenannte ,,l>iotä« in der Peterskirche. Ans einem seit langen Jahren in Florenz liegenden Marmorblock mntzclte er das' kolossale Standbild des „David", welches zunächst bei den Zeitgenossen seinen Ruhm begründete. Emen neuen Wirkungs­kreis fand' Michelangelo bei der Throilbe»te>gli»g des Papstes Julius II., welcher kunstsinnige Kirchenfürst ihn ISO» nach Rom rief und ihm den Entwurf zu einem neuen Grabmal auftrug, Nach mehreren Monaten trat der Künstler mit einem Entwurf hervor, der an Schönheit und Großartigkeit selbst die bis dahin bekannten Denkmäler des Alterthnms übertraf. Die Statue des »Moses ist der vorzüglichste Schmuck dieses Monuments. Unter den Medrcaern schuf er dann noch die herrlichen Statuen des „GmUano und Lorcnco de Medici", von denen besonders die letztere, von den Italienern „il pensiero“, der Gedanke, genannt, als Meisterwerk allerersten Ranges zu betrachten ist. — Sein letztes Marmorwerk war ein „todter Christus in den Arnien des Nicodemus von zwei Frauen gestützt". Er hat ihn nicht mehr vollenden können

Als''Maler hatte er zunächst den Versammlungssaal der florentinischen Regierung durch Gemälde einiger, in den Feldzügen gegen Pisa erfochtenen Siege zu schmücken. seinen Auftrag, er­ledigte er an seinem Theile durch die Kolo»salüarsteUung eines „Ueberfalls badender florentinischer Soldaten durch die Feinde . §Ku diesem seinem ersten größeren Malerwerke machte er Epoche. Sein tiefes, gründliches Studium des Nackten feierte hier den ersten großen Triumph, den ihm keiner seiner Zeitgenossen streitig machen konnte. — Seine unsterblichen Werke sind aber die kolossalen Fresken an der Decke der Sixtinischen Kapelle, weiche er in 22 Monaten herstellte, und das 19 Meter hohe Gemälde an der Hauptwand in derselben Kapelle, welches „da? jüngste Gericht dar­stellt. Dieses Bild kam erst 1541 unter dem Papst Paul III. zur Vollendung. Beide Schöpfungen sind in ihrer Vereinigung als ein

Deutscher Reichstag.

G Kerlin, 3. März.

Das Hau« ist sehr srhivach besetzt. Tagesordnung: Fortsetzung der Etatsbcrathung, Etat der Zölle und Verbrauchssteuern, zunächst derjenige der Zölle. Hier beantragt die Kommission eme Resolution zu Gunsten der Anfhcbung der für Schiffs-Ausrnstungsgegenftande bestehenden Zollfreiheit. - Abg. Speck (Centr ) bespricht das neue Regulativ für Ailsfnbrverfüguiigen bei Muhlenfabrikaten. Ans Mehl ans sehr gutwerthigem Getreide mit mehr als 65 vCt. AuS- beiltung bis zu 70 pCt. werde Bonifikation nur gewahrt, wem, Garantie dafür gegeben werde, daß nicht mehr als 65 vCt. der Ausbeute zur Ausfuhr gelangt. Da nnn aber die Inden diese Garantie nicht geben könnten, so könnten sie solches Mehl überhaupt .nicht ausführen. Redner beklagt weiter die an Spanien gewahrte Meistbegünstigung iiiid empfiehlt lebhaft die Resolution der Kommission. - Abg. Graf Schwerin-Lowitz (kons.) ist von den, neuen Mühlen-Regulativ und dessen Wirkungen sehr be­friedigt Dasselbe werde allen irgendwie berechtigten Forderungen gerecht. Völlige Aufhebung oder doch jedenfalls Einschränkung der Mühlen-Conten oder der gemischten Transitläger sei dringend wünschenswerth. Er und ein großer Theil seiner Freunde, sowie das Centrum hätten nur auf die vom Jahr 1896 von der Regierung zuqesagte Prüfung hin damals für die Aufhebung des Jdentüats- Nächweiscs gestimmt. Er bedauere, daß Fürst Hohenlohe ebenso wie me Aufhebung des Vcrbindungsverbots so auch die der TransitlageL ausdrücklich versprochen habe. Das Verhalten der Regierung itt dieser Frage sei völlig unerklärlich, wenn man nicht besondere llm- stände als Grund annehmen wolle, vielleicht irgendwelche aus­wärtige Beziehmiaen. - Abg. Bröm.et (frei! Ver) nimmt die Transitläger in Schutz, sowie die Einrichtung der Zollkredite und bekämpft alsdann die Resolution der Kommission. Die Zollfreiheit für die Schiffs-Ausrüstungen rechtfertige sich einfach durch die Thatsache, daß die Schiffe selbst bei uns zollfrei emgehen Die Resolution sei mit solcher Hast in der Kommission beantragt und beschlossen worden, daß die Vertreter der beibeiimten Jndustrleen des Schiffsbaucs noch nicht einmal Zeit gehabt hatten, Einspruch zu erheben. Rhedereicii und überseeischer Handel batten sich »nt der Sache noch gar nicht befassen können. Wie koime man denn die zollpolitische Grundlage, auf der sich unser Schiffsbau so entwickelt habe, mit einem Schlage vernichten wollen. Der Reichs­tag solle sich hüten, einen solchen Beschluß so m Eile zu fassen. Er bitte dringend, das Haus niöge die Resolution ablehnen. — Abg v. Kardorff (Relchsp.) sucht, im Gegensatz zum Vorredner, ans der starken Beschäftigung der Werften den Schlug zu ziehen, die Sache liege heute ganz anders als 1879. Heute könne sehr wohl die Zollfreiheit für Schiffs-Ausriistmigsg-genstaude fallen. Der Vulkan werde nicht ruinirt werden, sondern das Material ziemlich, ebenso billig in Deutschland erhalten.. Eine Resolution sei doch noch lange kein Gesetz. Die Sache sei doch gar nicht so ängstlich, wie Br'ömel sic darstelle. Redner wendet nch dann scharf qegen die Negierung in der Frage der Mn sien-Konten. —- Abg. v. Wan gen heim (kons.) konstat.rt, dapocr L-chatzsekretar auf Anfrage seiner Partei wegen der Transitlager rc. keine Ant­wort gegeben habe, woraus jedenfalls zu schließen sei, daß oeiM Abschluß künfiigcr Handelsverträge auch kein besserer Schutz dev Landwirthschaft zu erwarten sei. — Schatzsekrctar Th lelman« erwidert, er habe seiner Zeit nur an dem russischen Theile der Handelsvertrags-Verhandlungen theilgenommcn. Die Herren rechts wünschten eine Antwort. Er, Redilcr, könne aber keine andere geben, als die im Vorjahre. Was wünschten also die Herren eigentlich? (Zuruf rechts: Bessere Antwort Der Staats­sekretär setzt sich achselzuckend) Der Titel wird jetzt be­willigt. Die Abstimmung über die Resolution der Kom­

mission wird bis zur dritten Lesung vertagt — folgt der Titel Zuckersteuer. Hier beantragt die Kommission eine Resolution, betreffend Veckauf künstlicher Süßstoffe nur in

Epos in Farben zu betragen und zeigen „Die Schonung des Menschen und der Welt", „Den Sündensall" imt.. seinen Folgen, „Die Vertreibung aus dem Paradies „Die Sundfluth , „Dt« wunderbare Errettung des auserwählte» Volkes , »Die Annäherung der Zeit der Erlösung durch die Darstellung der Propheten und zuletzt „Das Weltgericht". „Die Sündfluth" ist vielleicht die be- - oeutendste unter diesen Schöpfungen. Doch haben alle.diese groß­artigen Meisterwerke heute sehr durch die Feuchtigkeit gelitten, odatz sie setzt keinen sehr erfreulichen Eindruck mehr machen, aber trotzdem ahnen lassen, welche Größe ihnen früher inne gewohnt haben mag.

Als Architekt verdient Michelangelo den Stützten Ruhm durch seine Erbauung der Riesenkuppel der imposanteii Peterskirche.. Er verwarf alle früheren Pläne und führte das Wert ganz nach seine« Ideen aus, wenn er auch die Vollendung desselben nicht mehr erlebte. Doch besitzt Rom auch noch andere Baudenkmale von dieses wunderbaren Mannes Hund. So leitete er die Bauten des Kapitoliums, sowie des Hofes des Palastes Farnese mit den heir» lichen drei übereinander gestellten Saulenordnnngeti, der Kirche Lanta Aaria degli Angeli, der Porta pia und anderer Pracht-

gcbäude^ 6eWun j )et „ Ujr Michelangelo in seinen „Sonetten'.

Ein gewaltiger, packender Zng trüben Schnurzes und ruhigerEnt­sagung zieht sich durch dieselben hm. Die Sprache ist eme blühende und erinnert an Dante und Ariosi. Sie wurden auch wiederholt herausgegeben, namentlich von seinem Reffen m Florenz un Jahre 1623 und wurden von Witte 1823 auch -ms Deutsche übersetzt

Als zuletzt das Alter zu mächtig über den Körper dieses Riesen» qeistes hereinbracch übertrug Michelangelo die Vollendung vie.er von ihm begonnener Bildbanerwerke seinen Schülern, und selbst bei der Anfertigung von Zeichnungen und Modellen mußten chm dieselbe« zur Hand gehen. Als 90-jähriger Greis starb der Einzige bau« am 18. Februar 1564 in Rom, indem er noch in den letzten Augen­blicken vor seinem Scheiden seine Schüler um sich versammelte und sie ermahnte, allezeit der Kunst treu zu bleiben und dem Ideal nachziistreben, wie bunt auch die Geschicke jedes Einzelnen „unter ihnen sie führen sollten. Papst Pius IV bereitete ihm eine prachttg« Bestattung in der Kirche der heuigen Apostel. Auf Befehl CostmoS de Medici wurde jedoch die Leiche heimlich nach Florenz geschafft, wo man ihm in der Familiengruft in Santa Croce em würdiges

~ en ®ie ^Michelangelo fast ohne Lehrer und nur Autodidakt ge­wesen war, so blieb er auch ohne eigentliche Schüler. Er hatte aber desto mehr Nachahmer, die aber in dem Streben, ihn zu er­setzen oder wohl gar bei der Nachwelt auszustechen, ins Plumpe und damit gerechter Weise der Vergessenheit verfielen.

Michelangelo hatte keinen Vorgänger, keinen Konkurrenten.und wird auch keinen Nachfolger haben. Er steht einzig da jur alt» Zeiten,