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«8. Jahrgang.

Ersäieint in zwei Ausgabe». — Bezugs-PreiSr durch den Verlag &o Pfg- durch die

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Verlag: Langgasse 27.

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Der Aufwand für die englische Marine.

Unser Londoner u.-Korrespondent schreibt uns:

Je höher die Voranschläge für die englische Alarme steigen, umso bescheidener und liebenswürdiger wird der Ton in dem Mr. Goschen vom Unterhaus die Bewilligung der nöthigen Kredite fordert. Filr das neue Jahr im Staatshaushalt werden beinahe zwanzig Millionen Mark mehr als im vorigen für Verstärkungen der Manne ver­langt, und doch nimmt Mr. Goschen kein größeres Verdienst für sich in Anspruch, als auf „regelmäßigen Fortschritt bedacht zu sein. In 1899 überstieg der Voranschlag den von 1898 um sechzig Millionen Mark, und der in letzterem wiederum den von 1897 um vierzig Millionen. In 1895/96 belief sich der Aufwand für die Marine auf 383,000,000 Mk., und ur 1900/1901 soll er. abgesehen von 10 Millionen für Knstenanlagen, 563 500,000 Mk. erreichen. Seitdem die gegenwärtige Regierung ans Ruder kam, stiegen diese Ausgaben also im Jahre durchschnittlich um 40 Millionen, und das ist es, was Herr Goschen regelmäßigen Fortschritt nennt! Ver­möchten Goschen und seine Kollegen noch vier Jahre wie bisher, weiter zu wirthschaften, so würde sich also der Marine-Etat, der zur Zeit ihres Amtsantritts bestand, ver­doppeln. Wie die Regierung zugab, hätte ste dieses Mal einen wesentlich größeren Mehrbetrag gefordert, wäre ste nicht genöthigt gewesen, ihr Programm der Leistungösahigkelt der Schiffswerften des Landes anzupassen. Im vorigen ^ahre konnten 28,000,000 Mk. nicht zur Auszahlung kommen, weil die Schiffsbauer nicht im Stande waren, ihren eingegangeuen Verbindlichkeiten völlig gerecht zu werden. Dahinzu kam noch, daß die Anwerbungen sür die Marine nm tausend Mann hinter der vorgesehenen Zahl zurückblieben. Die Politik, die England gegenwärtig in Bezug auf seine Marine verfolgt ist die, so viele Schiffe als möglich zu bauen, denn wenn Mr. Goschen auch erklärte, daß die obwaltenden Umstände es ihm ersparten, etwas zur Rechtfertigung des geforderten Mehrkredites vorzubringcn, so ging doch aus seinen Aeußerungen gleichzeitig hervor, daß derselbe eine natürliche Folge der feststehenden Grundsätze der eng­lischen Marincpolitik bildete. Dieselben laufen bekanntlich darauf hinaus, die Flotte Großbritanniens den ver­einigten Flotten der beiden nüchstgrößten Seemächte gleich zu erhalten. Dabei giebt aber Goschen zu, daß England bereits weit mehr als daS erreicht habe. Für Schiffs,icubau sollen in diesem Jahre etwa 173,000,000 Mk. oder, wenn man die relativen Herstellungskosten in England und dem Aus­lande gebührend berücksichtigt, neununddrelßig Millionen mehr als von Rußland und Frankreich ausgegebcn werden. Mr. Goschen sprach übrigens auch noch von den Opfern, die dem Lande auferlegt werden würden, wenn es auch noch einen Vor­sprung vorDeutschland. den Vereinigten Staaten undJapan ge­winnen müßte, und das Haus der Gemeinen antwortete nur init einem gravitätischen „hört, hört!" England faßt also bereits die Möglichkeit ins Auge, sich eines Tages einer Welt m Waffen als Widersacher gegenüber zu sehen. Was die allgemeine Anfeindung hervorgerufen, darüber macht man sich kein besonderes Kopfzerbrechen und schreibt cs einzig und allein dem Neide und der Mißgunst zu, mit der Jeder­mann des Wohlstandes und Ncichthumes John Bnlls wegen erfüllt ist. Seine zusammengeraubten Besitzungen aber unter allen Umständen sestzuhaltcn und stetig zu vergrößern, hält er als der Freiheitsapostel der Welt für seine Pflicht der Menschheit gegenüber, zumal er. wie seine Geistlichkeit nicht müde wird zu versichern, all die glänzendcit irdischen Erfolge seinem hohen christlichen Sinne zu verdanken hat.

Deutsches Deich.

L. Krrlin, 2. März.

Der Geheimerlaß des Freiherrn v. Rheinbaben (siehe unten Deutsches Reich) erregt das unangenehmste Aufsehen, da er störend in die schwebenden Handels­vertrags-Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten ein­zugreifen droht. Londoner Telegramme behaupten, das Auswärtige Amt in Washington habe die Verhandlungen bereits abgebrochen, weil es sich von ihrer Fortsetzung nichts verspreche, nachdem die Rcichstagskommission für die Fleisch- beschauvorlage das Verbot der Fleischeinfuhr vom Jahr 1903 ab beschlossen habe. DieNachricht vom Abbruch der Verhandlungen entbehrt bisher jedoch der Bestätigung und ist auch aus inneren Gründen nicht wahrscheinlich; denn man wird in Washington zuletzt doch abwarten wollen, ob die deutsche Regierung dem Beschluß der Kommission beitritt. Der peinliche Eindruck des vertraulichen Erlasses des Herrn v. Rheinbaben wird noch dadurch verstärkt, daß der ehemalige Regierungspräsident von Düsseldorf dieses Aktenstück nicht ohne Anweisung von oben geschrieben haben kann. Entweder wird der Handels- Minister oder der Ministerdes Innern die betreffende Verfügung

veranlaßt haben, und es wird in politischen Kreisen die Frage auf geworfen, ob das Auswärtige Amt um die Sache gewußt oder ste gar angeregt hat. Ueber diese Frage wird im Reichs­tage bei der Berathung der Fleischbeschau-Vorlage, die Ende der nächsten Woche stattfindet, Auskunft verlangt werden. Die Annahme der Kommissionsbeschlüffe durch die Konservative» und das Centrum scheint gesichert. Die Regierung wird damit vor eine sehr ernste Frage gestellt werden Das Ostelbierthum will die Gelegenheit zu eurer Machtprobe benutzen. Es will, daß dieRegierungFarbe bekennt in Bezug auf ihre Wirthschaftspolitik und besonders in Bezug auf die Grundsätze, nach denen die neuen Handelsverträge abgeschlossen werden sollen. Insofern gewinnt die Frage erhebliche Bedeutung auch für die wirthschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und den europäischen Nachbarstaaten, ganz abgesehen von der unmittelbaren sachlichen Wichtigkeit, die ein allgemeines Verbot der Fleischeinfuhr vom Ablaut der Handelsverträge an für die Landwirthschaft dieser Staaten haben muß. ^ *

* Hof- und Personal Unch»ichten. Der Kronprinz und die PrinzenEitel Friedrich und Ad alber t haben, nach der „Post", bei den Prüfungen, welche in der Zeit vom 14. bis 24 Februar d. I. in Plön abqehaltcn wurden, durchweg mit „ant , thcilweise mit „vorzüglich" bestanden. Die Relfeprufnilg, bestand Kronprinz Friedrich Wilhelm am 22. Februar, feine Bruder, die Prinzen Mel Friedrich und Adalbert, die Fahnrichspmfung am 24. Februar.

* Ein Gchrim-Ertatz. In der gestrigen RelchstagSsitzung hat der socialdcmokratischc Abgeordnete Kunert zur Kennzeichnung unserer handelspolitischen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und der Leuchelei der Agrarier, die ausländischen, namentlich amerikanischen, Gcnußartikeln alle möglichen Gesnndsschädlichkeiten andichtct. einen Erlaß des früheren Regicrungsprafidentcn von Dnsscl- dorf.desletziaen Ministers des Innern, Frhrn. v. Rhci»baben, verleieii. Der Erlaß ist als „geheim" bezeichnet, dattrt vom 24.Juli v.^. und bezieht sich znm Thetl ersichtlich ans die in den Vereinigten Staaten ausgetretenen Bestrebungen, die Einfuhr gewisser Artikel ans Deutsch­land (Weine, Spiclwaarcn rc.) aus gesundheitlichen Gründen zu verbieten. Der Erlaß sollte dem Anschein nach verhüten daß durch amtliche AiiSkünfte an amerikanische Konsularbeamte Material für diese, der deutschen Ausfuhr nachtheilige Bestrebungen beschafft werde. Anders verhält es sich mit dem Verbot von Mi »Heilungen über Trichinen- und Finnenfunde. Hierdurch sollte wohl der Nach­weis verhindert werden, daß diese Schmarotzer mich der dem dent chen Vieh Vorkommen und ihre saiiitaren Nachtheile sich trotz der Fleisch­beschau nicht immer vermeiden lassen.

* Nniidschar, im Reiche. Wegen des Hcirathserlasses dc4

Posener Generalkommandos hat das „Pos.Tagebl. an zuständiger Stelle angcfragt und die Antwort erhalten, dag von den Angaben des Berichterstatters nichts zntrifft. Es ist lediglich die Bestimmung in Erinnerung gebracht worden, daß die Chargirtcn a»f die Ei- theilung des 'Hcirattzskonseiises nicht rechnen konnten, wenn be­züglich des sittlichen Vorlebens der Braut gravirende Umstande Vorlagen. .— . _—

haven den ganzen Baggerbetrieb an Privatunternehmer verpachte, weiche billigere holländische Arbeiter beschäftigten. — efreti«:

Tiruib erwidert, die Gesammtausgabe der jetzigen Dienstaliers- zulagen betrage jetzt über 100,000 Mk., während sie unter dem früheren Modus nur 20,600 Mk. betragen hatte, und die Arbeiter hätten jetzt ein Recht, statt einer Gabe - Abg Singer (Soc.) wendet, sich nochnials gegen solche Art de« Wohl- thuns durch sparzwang. Man solle doch lieber die Arbeiter durch höhere Löhne in die Lage versetzen, selber zu sparen. -- Staatssekretär Tirpitz entgegnet, die Arbeiter selbst seien mit den Dienstallerszulagen znsriedm. Die Arbeiter-Ansschnssc halten den Werftvcrwaltungen ihren Dank ausgesprochen. . log. Rick e r t (freist Vcr.) bemerkt, daß auf der Danziger Werft bezüglich der Lohnherabsetzung in jedem einzelnen Fall nnt größter Rücksicht­nahme vorgeganaen werde. Fragen wolle er noch, wie es sich m» einem durch die Presse gegangenen Gerücht verhalte, daß Accord- arbeiter nicht mehr als 30 pEt Ncbc»verd,cnst über den Taqeslohn haben dürften. — StaatssekrAar 1 r ü i S pe» zeichnet dieses Gerücht als falsch. Die Debatte wird geschlossen. Das Ordinarium wird gemäß dem Koin»nssions- Antrag genehmigt. Bei den einmaligen Ausgaben, -virel Bcihulfe an Ellerbeck und Gaarden 25.000 Akk.. wird die obenerwatiuik Resolution der Kommission mit zur Berathung Mellt. - Abg. Stock mann (kons.) befürwortet enie von ihm beantragte Resolution, betreffend Vorlegung eine? Gesetzentwurfes, durch welchen die Beitragspflicht der Rcichsbetriebe zu den Kommuna- lasten grundsätzlich anerkannt und gleichzeitig der Maßstab für die Beitragspflicht festgestellt wird. Redner empfiehlt die Re,»l»t>on, dabei die Verhältnisse in Gaarden schildernd. Er hebt hervor wie die Steuer-Verhältnisse der dortigen Civil-Bevolkerung beeiiitrachttgl werden durch die von der Werft getroffenen Wohlfahrts-Ein­richtungen, nämlich durch das Waaren-Vcrkaufsgcschaft der Werkt. — Gehcimrath Plath erwidert, die Werften seren keine Gewerbe und nicht auf Erwerb gerichtet. Es fehle also drc Voraussetzung, die Reichsbetriebe ähnlich zur Kommunalbesteueruug hcranzuziehen, wie das in Preußen mit den Staatsbetrieben geschehe - Abg Graf Stotberg (kons.) erklärt sich Namens seiner Freunde für die Resolution der Kommission zu Gunsten von Gaarden und Ellerbeck. Die Resolution Stockmann lehnten ste ab. — Aba. Kirsch (Centr.) erklärt, seine Freunde wurden gegen die Resolution Stockmann stimmm, weil der Ausdruck Rmchsbetricb zu allgemein gefaßt sei. Es sei nicht einmal gesagt: Reichsgemerbc und ähnliche Betriebe. — Abg. Sattler (nat.-lib.) schlagt vor, die Resolution an die Kommission zu verweisen. Nach wcuerer Debatte werden sowohl die Resolution der Kommlsston wie die Resolution Stockmann angenommeii. Gleichfalls angenommen wird die Resolution der Kommission, betreffend Umaestallung von Schiffe», und der Antrag Richter auf Verweisung des Kiautschou- Etats an die Kommission. Morgen 1 Uhr: Etat der Zolle und Verbrauchssteuern und Stempel-Abgaben. Snfluß 5'/« Uhr.

* * *

Berlin. 2. März. JnderWahlprüfungs-Kommissiou des Reichstags wurde die Wahl der Abgg. Boltz (nat.-lib.) und Dr stwick (stets. Volksp.) beanstandet nnd diejenige des Abg. Müller-Rndolfstadt (nat.-lib.) für gültig erklärt.

Deutscher Reichstag.

© Berlin. 2. März.

Auf der Tagesordnung steht der Marine-Etat. Die Budget- Kommission beantragt unveränderte Genehmigung u»id hat nur bei einem AuSgabepostcii für den Sicherheitsdienst auf den Werften von 7768 Mark (Gehalt für drei Schntzleute) dessen Ab etzuug beschlossen. Außerdem beantragt die Kommission zwei Resolutionen, die eine dahingehend, daß kiinstig Umgestaltungen von Schiffen, wie die des KUstcnpanzerschiffes „Hagen", nicht ohne vorherige besondere ctatsmäßigeBewilligung vorgenoiinnenwerden. DiezwetteResolutioii wünschtErhöhungderBeihülfenfür die Gemeinden Gaarden und Eller­beck den Bedürfnissen entsprechend. In Verbindung nnt dem Marine- Etat wird der Etat für Kiautschon zur Berathmig gestellt - Aba Eickhoff (freist Volksp.) beantragt, den Etat für Kiautschou an die Blldget-Kommission zu verweisen^ Redner geht dann auf allgemeine koloniale Fragen, auf das Schutzgebiet Ostafnka, auf Usambara und den Usambara-Kaffee ein. (Präsident Graf Ballestrem unterbricht den Redner, bemerkend, daß dieser Kaffee aber nicht in Kiautschon gebaut werde. Große Heiterkeit.) Abgeordneter Eickhoff, fortfahrend, erzählt, seine Freunde seien mit dem Erwerb von Kiautschon emverstande», machten sich aber keine Illusionen über die Entwickelung in der nächsten Zukunft. Redner geht ausführlich auf die Kraut -hon be­treffende Denkschrift ein, welche er in Bezug auf die Gesundhelts- verhältnisse zu optimistisch halte. Sie verschleiere auch rn dieser Beziehung Manches. Bezeichnend se'auch, daß der Etat für ein zweites Lazarcth in Tsingtau 200.000 Mk fordern »msse. - Staatssekretär Tirpitz bemerkt in Bezug auf die Ableistung der Dienstpflicht in Kiautschou. es sei das so gemeint, daß Leute, die längere Zeit dort sind, bemüht sein sollte», dort ihrer Pflicht zu aennqen Was die Krankheitsfälle in Kiautschou anlange, so sei er bereit, das diesbezügliche Listenmaterial in der Kommission vorzu­legen, man brauche aber die Hoffnung nicht aufzugeben, daß sich Kiautschou sür uns als geeignet erweisen werde. Es sei eine gute Wasserquellc gestinde» worden, ganz in der Nahe von Tsing­tau, was von außerordentlicher Wichtigkeit sei. - Abg. Hasse nat.-lib.) kann einer Verweisung des Etats für Kiautschou an die Budget-Kommission nicht zustimmen und bittet gleich um Wetter- bcrathung im Plenum. - Abg. Graf Arnim (Reichsp.) ist der gleichen Ansicht. - Abg. Richter (freist Volksp. meint er habe ' ion Manches hier erlebt, aber daß noch nicht einmal solche Etats an die

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Abg. Graf Roon (kons.) spricht sich Namens ferner Partei gegi den Antrag Eickhoff aus. Die Debatte wird geschlossen. Der Titel Staatssekretär wird bewilligt. Ueber den Antrag Eickhoff bleibt die Abstimmung Vorbehalten, bis der Marme-Etat erledigt ist. — Beim Kapitel Instandhaltung der Flotte und der Wersten bemerkt Abg. Singer (Soc.), daß es früher auf den Wersten Gratifikationen von 100 Mk. nach 2o-jahriger Dienstzeit gegeben habe. Heute gebe man den Arbeitern sogenannte Dienstalterszulagen, nach 5 Jahren 6 Mk. und dann steige es jährlich um 1 Mt. Die Zulage werde aber nicht ausgezahlt, sondern gesperrt an eine Sparkasse

Prenhischer Kandtttg.

Abgeordnetenhaus.

Kerlirr, 2. März

In der heute fortgesetzten Berathung des Eisenbahnclats er­klärte sich Abg. Wacco (nat.-lib.)Namens seinerPartci gegen den AutragWiemcr wegen Ermäßigung der Personentartfe; so ivunschens- werth eine Reform auch sei, so halte er daS ftiianz>cUe Ristto zur ^ doch für hoch. Eine richtige, Gutertarifirmig erleichtere den

Amerikas nnd Frankreichs sollten Stellen für Lokomotiven-Prikfungen eingerichtet, auch Versuche »nt elektrischem Betriebe angestellt werden. Hoffentlich werde die Eisenbahnverwaltung der Verkehrs­politik der Konservativen nicht folgen, wie sie sich am schärfster bei der Kanalvorlage gezeigt habe. Den Natioiialliberalen werfe man vor, sie seien auf Kanäle eingeschworen, lvahrend ste doch den Verkehrsintercffen deö Landes in jeder Weise Rechnunq traget wollen. Seine Partei halte dessen ungeachjct die Eisenbahnen sü. das wichtigste Verkehrsmittel und werde in seiner Ansgestaltuug und Stärkung die Negierung immer unterstutzcm (Beifall.) — Abg. De. Rewoldt (freikons.) führte aus, seine Freunde wollten auch eine Vereinfachung der Personentanfe, aber einer Aufhebung der Klassenunterschiede könnte» sie nicht beitreten. Zur Beförderung der Kohlen müßten größere Wagen gebaut werde». Die augenblickliche Kohlcnnoth verlange dringend ein E»ischre:ten des Liaates. — Minister v. Thielen erwiderte, mit der Vergrößerung der offenen Güterwagen fei man schon vorgegangen; eine allgeinelue Vergroße- ruiig des Ladegewichts habe aber ihre Bedenken. Die großen Wagen seien keine Erleichterung, sondern eine Erschwerung des Betrieb-. Wollte man allgemein zu Wagen »nt einem Ladegewicht von 30 Tonnen übergehen, so würden dazn größere Aufwendungen nöthiq sein, als die ganze Kanalvorlage beanspruche. — Abg. Frhr. v Dobencck (kons.) befürwortete Relsevergunstigungen sur Taub­stumme zur Theilnahme an gemeinschaftlichen Gottesdienstcil und Versammlungen. Die Strecke Berlin-Jadickendorf-Wriezen muffe eine schnellere Zugverbindung erhallen. — Abg. Schmitz-Düssel­dorf (Centr.) erklärte den Antrag Wiemer für nicht annehmbar; weder die Verwaltung noch die gesetzgebenden Körperschaften konnten auf die Einnahmen aus dem Personenverkehr verzichten. Den Soldaten müßte allerdings einmal freie Reise in die Hennath gewahrt werden, damit sie die Verbindung mit dem Geburtsorte austecht er­hielten und dann bei der Entlassung dorthin wieder znruckkehrten. — Minister v. Thielen erwiderte, die Gewährung freier Eisenbahn- fahrt kür die beurlaubten Soldaten sei eine Reichssache und gehöre infolge dessen vor den Reichstag, ganz abgesehen von den finanziellen Bedenken. — Abg. Freiherr o. Wangenhelin (kons.) führte Be­schwerde darüber, daß der Staat die, Kleinbahnen zu wenig unter­stütze, besonders werde der Anschluß an die Vouvahnen sehr er­schwert. - Minister v. Thielen erklärte, die Staatsbahn- verwaltung erkenne die Bedeutung der Klernbahnen für die Land­wirthschaft wohl an und habe auch schon bedeutende,Mitlel für die Förderung der Kleinbahnen bewilligt. Rheinland sei nichts dafür geschehe», und doch haben sich die Kleinbahnen dort vorzüglich ent­wickelt. lieber die Wirkung der Zuckertarife und ihre Beurtheilung durch die Interessenten solle eine Enquete aufgerwmmen werden - Abg. Rickert (steif. Ver.) meinte, der Minister nehme auf dm

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