Einzelbild herunterladen
 

Ro. loa. 48. Jahrgang.

Wiesbadener Taqblatt (Abeud-AnSgabe). Verlag: «anggasse »7.

I. März 1000. Sette ».

aus London: Die Engländer hielten die ganze Nacht unter I schrecklichen Verlusten aus. Beim Namens-Aufruf antworteten nur 5 Offiziere und 400 Mann. 252 Mann sind todt oder verwundet.

Land»», 28. Februar. Bullers Meldung über seinen Sieg bei Ladysmith ist aus dein Hauptquartier am Jlangwanebcrge vom 28. ds. datirt und lautet:Vartons Brigade stürmte und nahm gestern Abend den Gipfel des Pietcrsberges und umging so in gewissem Grade den linken Flügel des Feindes. Die 4. und 11. Brigade -unter deni Oberbefehl Warrcns machten einen Angriff gegen die Hauptstellung des Feindes, die bet Sonnenuntergang in glanzender Weise genoinmcn wurde. Es wurden 60 Gefangene gemacht. Der Feind ist nach allen Richtungen zersprengt. Anscheinend blieb noch eine bedeutende Anzahl vom Feinde auf dem Vulwanaberge zurück. Ich hoffe, daß die britischen Ver­luste nicht groß sind?

A Mn Krirf ano Kn-nsmith. London, 27. Februar. Ein in Ladysmith cinacschlossener Kriegskorrespondent sandte soeben die folgende, vom 18. Januar datirtc, interessante Schilderung über das Leven m der belagerten Stadt: Ein Tag ähnelt hier deni andern so ungemein, dag einem zehn Wochen wie zehn Jahre Vor­kommen. Bomben bei Morgengrauen, Bomben zu Mittag und Bomben, wenn die Nacht hereinbricht. Das sind die täglichen Er­eignisse, ausgenommen an Sonntagen, wo uns der Feind in Nutze läßt, vorausgesetzt, sein Verdacht wird nicht durch irgend etwas Be­sonderes erregt. Er hat indeß nichts dagegen, wenn wir Polo und Cricket spielen, denn der Bure ist selbst ein Sportsman, läßt sich aber nur in dieser einzigen Beziehung herab, n»t demvcrdomde rooineü" etwas gemein zu haben. Gutem Vernehmen nach sollen die Buren sogar vom Bulwanaberge ans dem Verlaufe unserer Spiele folgen und auf deren Verlauf Wetten untereinander veranstalten. Nur das Baden verargen sic uns und oftmals, wenn sie die Schaaren Unserer Soldaten am Sonntag Morgen mit ihren reinen Hand­tüchern erblicken lassen sie eine» wuthschnanbenden, brüllenden Donner aus ihrer Riescnkanone ins Thal Hinabrollen. Die Zahl der Opfer, die die Beschießung fordert, ist gering, doch hier und da erleben wir grauenhafte Semen oder an das Wunderbare grenzende Errettungen aus fürchterlichster Gefahr. Am Trauer-Montag (wo General White seinen unheilvollen großen Ausfall machte, der ihn zwei, allerdings nicht vollzählige, Bataillone kostete) verloren wir Alles in Allem 1278 Mann in der Schlacht, Und zwischen dem 1. November und 18. Dezember beliefen sich unsere Verluste auf 269 Mann. An einem Tage fielen 168 Bomben Und Granaten in die Stadt, die aus nicht weniger als sechzig Centner Metall und Sprengmasse bestanden, und dabei wurde durch diese Geschosse kein nennenswerther Schaden angerichtet und nur ein Kaffer getödtet. Wir haben aber auch Ünglückstage, an denen sich die Granaten stets mehrere Opfer holen. Am 23. November z. B. wurden drei Mann getödtet und zehn verwundet, am 18. Dezember fünf getödtet und sechs verwundet, am 22. Dezember neun getödtet und neun, einschließlich vier Offizieren, verwundet, während am 27. Dezember zwei Offiziere getödtet und sieben verwundet wurden. Das Bemerkenswertheste dabei ist, daß das Unheil au jedem dieser Tage immer nur einem einzigen Geschoß zuzuschreiben war. Wir sind aber nachgerade ganz abgestumpft gegen die Beschießung ge­worden, denn die fürchterliche Langeweile macht uns viel mehr zu schaffen. Beinahe drei Monate sind verflossen, seitdem der Feind uns von der Außenwelt abgeschlossen, aber wir erhalten noch immer täglich unsere drei Viertel Pfund Rindfleisch, zu dem man nur eine Säge und einen guten Appetit nöthig hat, um cS genießbar zu machen, ferner ein Mund vorzügliches Brod, ein Drittel Pfund

K rotetes Korn, 60 Gramm Zucker und 30 Gramm Thee. Wer hat, kann auch noch Leckereien haben, denn Whisky ist zu 100 Mk. per Flasche, Eier zu18Mk. das Dutzend, Milch zu 11 Mk. die Büchse, Jam zu 18 Mk. das Pfund und Tabak zu 120 Mk. das Pfund zu haben. Der gegenwärtige Krieg ist oft der Krieg der Millionäre genannt worden, und solche können sich das Leben in Ladysmith noch heute ganz angenehm machen. Eine Folge der hohen Preise war das Ende der Gastfreundschaft. Zu einer Zeit brachten Gesell­schaften. Diners und Soupers noch einige Abwechslung in das Einerlei der Belagerung, doch inzwischen ist das glänzende Elend cingezogen, und Jedermann bleibt fein säuberlich allein daheim, um der schnöden Welt nicht seine rednzirten Verhältnisse zu offenbaren. Der Korrespondent erzählt schließlich noch von der Granaten- sammelwuth, die in Ladysmith grassirt und versichert, die Garnison sei trotz aller Unbilden nach wie vor durchaus hoffnungsvoll gestimmt.

Vom westliche» Kriegsschauplatz, . Kerlin, 28. Februar. DasBerliner Tageblatt" meldet aus Brüssel: Die hiesigen Transvaal-Kreise drucken ihre Ver­wunderung darüber aus, daß Lord Roberts die Anzahl der Ge­fangenen bei der Kapitulation Cronjcs bloß auf 3000 bis 4000 an- giebt, worin noch Frauen und Kinder, welche sich im Lager befinden, mit inbegriffen find. Da Cronje über 10,000 Mann ver­fügte, muß es einem großen Theil seiner Truppen gelungen sein, zu entkommen. Man nimmt an, daß während der Kampfe um Paardeberg 2000 Buren den Heldentod fanden.

. Kerlirr. 1. März. Man vermuthet in Brüssel, daß die ^entkommenen 6000 Buren vom Heere Cronjes zu der Division Botha stießen. Letztere kam zwar nicht zu spät an, war aber zu cschwach, um Cronje zu entsetzen. Hier herrscht die Ueberzeugung,

Republiken berühren. Auch eine Friedensvermitt- lung hält man momentan für aussichtslos. Nur die Initiative des Präsidenten Mac Kinley könnte in London Gehör finden.

Begegnung Roberts und Cronjes. rrb. London, 28. Februar. (Reuter.) Aus Paardeberg vom 27. d. M. wird gemeldet: Die Begegnung Roberts und Cronjes fand vor einem einfachen Wagen statt, der Roberts zum Schlafen diente. Als um 7 Uhr Früh eine kleine Reitergruppe in Sicht kam, die unter Führung des Generals Pretzmann sich auf das englische Hauptquartier zu bewegte, ließ Roberts eine Ab­theilung Hochländer Aufstellung nehmen. Als die Reiter näher kamen, erblickte man zur Rechten Pretzmanns einen älteren Herrn in einfacher Kleidung mit breitrandigem Filzhut, es war Cronje. Roberts und sein Generalstab empfingen die Ankommenden stehend.

t retzmann stellte Cronje mit den Worten vor: Kommandant Cronje.

ronje grüßte militärisch. Roberts erwiderte den Gruß. Die Reiter stiegen von den Pferden. Roberts ging auf Cronje zu, reichte ihm die Hand und sagte:Sie vertheidigtcn sich sehr tapfer." Roberts forderte Cronje aus, Nahrung zu sich zu nehmen. Bis jetzt find 3700 Gefangene, 2 Maxim-und 3 andere Geschütze als erbeutet gezählt. Eine amtliche Depesche Lord Roberts aus Paardeberg vom 28. Februar besagt: Cronje und seine Familie reisten gestern in Begleitung des Generals Pretzmann und einer militärischen Eskorte 'ab. Die Frauen und Kinder wurden nach ihrer Heimath gesandt. Ich erfahre, daß man bei den Buren sehr ungehalten ist, daß Cronje sich geweigert hat, freies Geleit für Frauen, Kinder und Ver­wundete anzunehmcn. 170 der letzteren bleiben hier im Hospital. Ein großer Theil von ihnen befindet sich in schrecklichem Zustande. Ich suchte gestern das Burenlager auf und war erstaunt, mit welchem Geschick und mit welcher Energie sie ihre Stellung zu einer fast uneinnehmbaren gemacht hatten.

* * *

Die Nachricht sw» brr Kapitulation Cronjes hat

namentlich in Paris und St. Petersburg große Erregung hervor­gerufen. Die Pariser Blätter beklagen das Unglück der Buren in tiefempfundenen Worten. George Thiebaut erinnert imGaulois" an die Depesche des Kaisers Wilhelm an den Präsidenten Krüger und sagt, daß dem Kaiser durch diese Depesche eine internationale Pflicht auferlcgt sei. Falls der Kaiser heute intcrvenire, würde das für die deutsch-französischen Beziehungen die glücklichste Rück­wirkung haben, denn man kenne wenig den stolzen Sinn und den so bewundernSwertben Edclmuth der französischen Nation, wenn man annehme, daß dies- uneu.pfindlich bleiben würde, falls Deutsch­land bekräftige, daß an einem Punkte der Welt Recht durch Macht Verdrängt worden sei. Aus St. Petersburg wird gemeldet: -Die Nachricht von der Kapitulation Cronjes rst hier von allen

Bevölkerungsschichten mit tiefem Stummer ausgenommen worden. Soweit heute Prcßstimmcn vorliegen, ergreifen alle leiden­schaftlich gegen England Partei. Nmnentlich die leitenden Blätter sprechen die Meinung aus, Europa dürfe der tvcitcrcn Vergcwaltiguirg nicht länger zusehen, der Augenblick zur Intervention sei gekommen und diejenige Macht, welche die Initiative hierzu ergreife, nrerde sich mit unvergänglichem Ruhm bedecken. Einstimmig wird den: uuverglcichlichen Heldenmuth der Buren begeisterte und rückhaltlose Anerkennung gezollt, während in dem schlicßlichen Siege der Ucbcrmacht keine Heldenthat erblickt wird. Ein Blatt meinte, de» Buren gebühre das unschätzbare Verdienst, das Phantom von der Unbesieg­barkeit der Engländer zerstört zu haben; im klebrigen wird die Aussicht ausgesprochen, daß die Kapitulation nicht für den Krieg entscheidend sei. Die leidenschaftliche Parteinahme des Pariser Publikums gegen die Engländer ist so allgemein und tief, daß Cronjes Waffen- firecknng thatsächlich die FascbiugSlustigkeit gedämpft hat. Ab­scheuliches Rcgeuwetter hatte die Pariser nicht gehindert, den Boulevard zu füllen, ihn mit Confetti zu überschwemmen und maßlos zu ulken; erst als die Abendzeitungen mit der von den hiesigen Lesern als Hiobspost empfundenen Nachricht erschienen, verstummte der iibermüthige Lärin vielfach und die Menge lichtete sich, obschon gerade damals der Himmel sich aufhetterte. Der Jntrans." -eröffnet eine Geldsammlung für einen Cronje zu stiftenden Ehreudcgen.

reb. Washington, 28. Februar. 30 Kongreßmitglieder tclegrap Hirten an Cronje: Die Unterzeichneten Mitglieder des Repräsentantenhauses der Unionstaatcn beglückwünschen Sic und Ihre Soldaten zu dem Heroismus und Muth, den Sie bei dem tapferen Kampfe für die Menschenrechte an den Tag legten.

hd. London, 1. März.Daily Mail", welches gestern die Kriegslage in sehr optimistischer Weise besprochen hatte, räth heute Morgen, die Erfolge der Generale Buller und Roberts nicht zu überschätzen. Auch die übrigen Blätter sind derselben Ansicht und beginnen die Frage zu diskutiren, ob die Buren sich nunmehr voll­ständig unterwerfen werden. Die konservativen Blätter fordern die Besetzung von Pretoria und die vollständige Niederwerfung der Buren, bevor man an Frieden denken könne.Daily Chronicle", Daily News" undMorning Leader" sagen, es sei unmöglich, jetzt Frieden zu schließen.Morning Leader" erklärt, eine Annexion der Buren-Republikcn sei sehr gefährlich.

hd. London, 1. März. Nach Meldungen aus Buren-Ouellen sind die Präsidenten Krüger und Steijn entschlossen, den Krieg bis aufs Aeußerste sortzusetzcn. Die Buren haben, nachdem sie den größten Theil des Belagerungsparkes vor Ladysmith in Sicherheit gebracht, freiwillig Pctershill geräumt. Dieselben ziehen sich jetzt auf die Pässe, welche die Uebergänge nach Transvaal und den Oranje-Freistaat bilden, zurück. Dort sollen dann die letzten Kämpfe stattfindcn.

v. Wiesbaden, 28. Februar. Bekanntlich hat vor einiger Zeit der Präsident Mac Kinley dem Lord Pauncefote, englischen Botschafter in Washington, eine Mediation in der Transvaalsache vorgeschlagen. Lord Pauncefote hat die Antwort gegeben, daß seine Negierung dies als einen unfreundlichen Akt betrachten würde. Das verdient beachtet zu werden. Die Weisung, welche Lord Pauncefote zu einer solchen Antwort bekoinmen, ist in direktem flagranten Widerspruch mit dem Wortlaut des nachstehenden Paragraphen der Unterzeichneten Haager Konvention.Den neutralen Mächten bleibt bas Recht, gute Dienste und Vermittlung anzubicten (auch während des Verkaufs der Feindseligkeiten), ge­wahrt. Die Ausübung dieses Rechts soll nie von einer der streitenden Parteien als ein unfreundlicher Akt angesehen werden."

a land hat diesen Paragraphen genau so unterschrieben wie die gen Mächte, dennoch faßt es die Sache so auf, als wüßte es nichts mehr davon. Das bedeutet aber nichts Anderes als einen Wortbruch.

Ans Kunst und Keden.

* Verschiedene MitthrUnns»». Man schreibt derFranks. Ztg." aus Cassel vom 26. Februar: Unsere Hofbühne hat die Zurückhaltung, welche sie den Zbsenschcn Dramen gegenüber früher beobachtet, endlich erfreulicher Weise aufgegcben. Sie ließ den schon gegebenen SchauspielenDie Stützen der Gesellschaft",Die Frau vom Meere ,Der Volksfeind"Nora" folgen. Die Auf­führung war sehr wohl vorbereitet.

LauffsEisenzahn" kam. wie gemeldet, am Dienstag im Kgl. Schauspielhaus in Berlin zur Aufführung. Der Kaiser wohnte, dem Publikum nicht sichtbar, in der Orchcsterloge der Vor­stellung fast bis zum Schluffe bei. Der Autor »vurde acht- bis zehnmal hervorgerufcn und Fr. Mauthner konstatirt imBerl. Tagebl.", daß er mit dem Erfolg zufrieden sein könne. Die Kritik der Berliner Blätter spricht sich in ähnlicher Weise aus, wie bei der Erstaufführung in Wiesbaden. Rach der Aufführung des Eisenzahn" wurden Herr Matkowsky und Fräulein Poppe zu Königlichen Hofschauspielern ernannt. Den übrigen Darstellern der Hauptrollen ließ der Kaiser werthvolle Geschenke überreichen.

Nach schwerem Leiden ist der älteste Sohn Albert Lortzings, der Fabrikant Theodor Lortzing, im 70. Lebensjahre gestorben, nachdem ihm seine Schwester Charlotte vor wenigen Tagen (23.) an den Folgen der Influenza zu Schwerin i. M. im Tod vorausgcgangen. Von direkten Nachkommen des Komponisten existiren jetzt nur noch die älteste Tochter Karoliue Krafft, geborene Lortzing, zu Wien und der jüngste Sohn (des VatersBubi"), der Schauspiel-Regisseur und Darsteller Hans Lortzing zu Berlin.

Aus Stadt und Zand.

Wiesbaden. 1. März.

o. Gerichts-Personalien. Herr Gerichts-Assessor vr. W cd dig e n von hier ist dem Kgl. Landgericht hier als Hülss­richter überwiesen worden.

Zs. Residenz-Theater. Die drei reizenden EinakterDer Tischgast",Liebesträume",Zum Einsiedler", welche unter dem GcsammttitelNovitäten-Einakter-Abend" das Publikum bis jetzt aufs Höchste erfreut haben, werden am Freitag auf vielfachen Wunsch wiederholt. Bis jetzt haben sie eine ungeahnte Zugkraft ausgeiibt. Sie werden wohl noch oftmals auf dem Spielplan erscheinen. Ueber kein Stück hat man wohl so viel Gutes und Einstimmiges gehört als überLa Dame de ehez Maxime von G. Feydeau. Dieses Stück gelaugt am Samstag zur Erstaufführung. In den Hauptrollen sind neben Fräulein Erlholz und Herrn Wieske noch die Herren Mauussi (der den General spielt), Kienscherf, Sturm, Schultzc und Widmann, sowie die Damen Fräulein Krause, Ferida, Kollendt, Schenk und Tillmann be- )äftigt. Zu diesem wirksamen Schwank, um den sich alle Bühnen reißen, und welcher auch hier das größte Zugstück der Saison zu werden scheint, sind die eifrigsten Proben unter Leitung des Herrn D>-. Rauch, welcher das Stück in Scene setzt, im Gang. Das Stück wird nach der Einrichtung des Berliner Residenz-Theaters gegeben.

Etablissement Walhalla. Bei einem außerordentlich starken Bcsuä> ist der von Seiten der Direktion derWalhalla" veranstaltete Fastnachtdienstag-MaskcubaÜ auf das Prächtigste ver­laufen. Die wertbvollen Herren- und Damenpreise bildeten wohl für eine Menge Besucher einen Hauptanziehungspunkt und den Preisrichtern war bei der Menge eleganter und humoristischer Masken eine schwere Aufgabe gestellt. Die Damenpreise fielen auf folgende Masken:Edelweiß",Veilchen" undEmpire"; in die Herrcnpreise theilten sich einKolonialmensch", einLump" und emIndianer". In den Rcstaurationsräumen herrschte ein so tolles Karnevaltreiben, daß zeitweise die Thüren für weitere Be­sucher geschlossen werden mußten, die großen Räume waren alle total überfüllt und es mögen ca. 2400 Personen gewesen sein, welche sich an dem fröhlichen Treiben bctheiliaten. Erst um S Uhr Morgens verließen die letzten Masken dasWalhalla-Cafö".

KtraSrndahn. Wegen des Gleisumbaucs in der Wilhelm­straße wird der Pferdebahnbetrieb von den Bahnhöfen bis zum

Grubweg auf die Dauer von ca. 14 Tagen eingestellt. Der Dampf- bahnbetricb erleidet nacki dem bcstehcnben Fahrplan keine Unter­brechung; nur muß am Donnerstag au der Burgstraße und am Freitag au der Ecke Wilhclmstraße umgesticgen werde».

o. Schwurgericht. Zur Verhandlung gelaugt ferner am Samstag, den 17. März c., die Anklage gegen den früheren Kreis- Vollzichiingsbcanitcn Hermann Adolf Schmidt von Griesheim wegen Untcrsdilagung im Amte. Die Vertheidiguug wird Herr Rechtsanwalt Äojanowski führen.

o. Tödtlicher Sturz. Der Maurergeselle Freitag von Bierstndt ist am Montag Vormittag von einem Neubau in der Weinbcrgstraße aus der Höhe des vierten Stockes abgestürzt und hat dabei mehrere Knochenbrüchc, insbesondere am Brustkorb, da- vongetragen. Der Verunglückte, der im 56. Lebensjahr stand und als ein solider, fleißiger Arbeiter geschildert wird, wurde in seine Wohnung nach Bicrstadt gebracht, wo er gestern Nachmittag seinen )weren Verletzungen erlegen ist.

Handelsregister. Die im Firmenregister eingetragene FirmaC. A. Hetze? zu Wiesbaden wurde gelöscht.

o. Kesthwrchsrl. Herr Tiinchermeister Franz St reim hat sein Haus Luxcmburgstraße 4 an Herrn Rentner Wilhelm Külpp hier verkauft. Die Erben des verstorbenen Herrn Rentner Anton Hugo Koch haben ihre Villa Ncubcrg 1 an Herrn Kapitän zur See Freiherrn v. Lynckcr verkauft. Die Vermittelung erfolgte durch die Junuobilien-Agentur I. Äeier, Taunusstraße 28.

Kleine Notizen. In der Kneippversammlung heute Abend 8'/-Uhr hält Herr A. Kunz im unteren Saale des Gcsellcnhauses, Dotzheimcrstraße 24, einen Vortrag überIn­fluenza". Gäste und Freunde haben freien Zutritt. Hierdurch sei nochmals aufmerksam gemacht auf den Vortrag, den Herr Di-, mod. Leop. Laquer aus Frankfurt a. M. Donnerstag Abend 8'/-Uhr im Schützenhof überUeberbürdung und Schul­reform" halten wird. Eintritt für Jedermann frei. Auch Damen sind willkommen. An den Vortrag des Herrn Oberlehrer De. Bob ewig aus Oberlahnstein über Bra ubach in prä­historischer, römischer und späterer Zeit imVerein ftir nassamsche Älterthumskundc und Geschichtsforschung" am nächsten Samstag, den 3. März, imTivoli" (Luiscnstr. 2), Abends 6 Uhr, seien die Mitglieder des Vereins hierdurch erinnert. Auch Gäste sind, wie immer, willkommen. Die Vakanzenliste fürMtlitäranwärter Nr. 9 ist in unserer Expedition unentgeltlich einzuschen. Dem Anfängerkursus der Stenographieschule können am Freitag Abend, 8 Uhr (Lehrstraße 10), noch Theilnehmer bcitreten.

A Mainz, 1. März. Rheinpegel: 2 m 24 cm Vor­mittags gegen 2 m 30 cm am gestrigen Vormittag.

Letzte Nachrichten.

g°ntinenlol-Telk,ravden-Comri>»nli.

Kerlin, 1. März. Gegenüber einer anderweitigen Meldung kann dieDeutsch-Tageszeitung" über das Schicksal der iex Heiuze aus sicherer Quelle mitthcilen, daß' eine Einigung über den Theater-Paragraphen längst erfolgt ist, daß derWortlaut desselben festgestellt ist, daß der entsprechende Antrag für die dritte Lesung von der Mehrheit des Reichstags unterschrieben ist und daß be­gründete Aussicht auf die Verabschiedung des ganzen Gesetzes, mit Ausnahme des Arbeitgeber-Paragraphen und der Hinaufsetzung des Schutzalters für Mädchen, vorhanden ist, und darf man an- nehmcn, daß die verbündeten Regierungen der neuen Formulirung ihre Zustimmung nicht versagen werden.

f >ien, 1. März. (Von einem Privatkorrespondenten.) Der r. Pr." zufolge hat die Deutsche Volkspartei beschlossen, gegen die Rckrutenkontingentsvorlage zu stimmen. Demselben Blatt zufolge hat der ungarische Mrnister am kaiserlichen Hoflager, Graf Szechenyi, aus Gesundheitsrücksichten um die Ent­hebung von seinem Posten gebeten. Das Gesuch sei vom Kaiser bewilligt worden.

»eaelchenbüreau Lerold.

Kerlin, 1. März. Oberbürgermeister Kirschner ist durch Allerhöchsten Erlaß vom 12. Februar nach der Seitens der Stadt Berlin erfolgten Repräsentation in das Herrenhaus be­rufen worden.

Uew Uork, 1. März. In Venezuela wurde auf den Präsidenten Castro ein A t te nta t verübt. Es fielen zwei Schüsse. Der Präsident blieb unverletzt.

NolksrvirttzschafMches.

1. März. 100 Kilo- Pf. 100 Kilogramm 100 Kilogramm Gerste

Frachtmarkt zu Wiesbaden vom

gramm Weizen Mk. Pf. bis Mk.

Roggen - Mk. - Pf. bis - Mk. - W. * _

Mk. - Pf. bis - Mk. Pf. 100 Kilogramm Hafer 14 Mk.

Pf. bis 14 Mk. 60 Pf. 100 Kilogramm Richtstroh 3 Mk. - Pf.

bis 3 Mk. 40 Pf. 100 Kilogramm Heu 6 Mk. 50 Pf. bis 7 Mk.

Pf. Angefahren waren: 12 Wagen mit Frucht und 24 Wagen mit Heu und Stroh.

Krurlstmarkt zu Limburg vom 28. Februar. Die Preise stellen sich: Rother Weizen (neuer) pro Malter 13 Mk. 04 Pf., pro 100 Kilo 16 Mk. 30 Pf., Weißer Weizen pro Malter Mk.

Pf., pro lOOKilo 16Mk. Pf., Korn (neues) pro Malter 10 Mk. 88 Ps., pro 100 Kilo 14 Mk. 51 Pf., Gerste pro Malter 9 Mk. 20 Pf., pro lOOKilo 14Mk. 15 Pf., Hafer (neuer) pro Malter6Mk. 96 Pf., pro 100 Kilo 13 Mk. 92 Pf., Erbsen pro 100 Kilo - Mk.

Pf., Kartoffeln pro 50 Kilo Mk. Pf.

Geldmarkt. Coursbericht der Frankfurter Börse vom 1. März, Mittags 12'/- Uhr. Credit-Aktien 236.60, Disconto - Commandit 199.40, Staatsbahn 141., Lombarden 29.80, Gotthardbahn - Aktien, Centralbahn, Nord­ostbahn., Union-Bahn, Laurahütte-Aktien 275.50, Gelsenkirchener Bergwerks - Aktien 214.70, Bod-unier 277., Harpener 232.50, 3-proc. Mexikaner, Italiener 94.80, Dresdener Bank., Darmstädter Bank, Berliner Handels- Gesellschaft, Deutsche Bank, 4-proc. Spanier 68.20, 3-proc. Portugiesen. Tendenz: fest..

Wien, 1. März. Oesterr. Credit-Aktien 236.50, Staats­bahn-Aktien 137.70, Lombarden 27.10, Marknoten 118.30.

Geschäftliches.

Moderne Ernährung.

Unter den neueren Nährpräparaten, die von der Wissenschaft Erholuugsbedürfligc» und Schwächlichen zur Kräftigung dargeboten werden, nimmt die Somatose eine hervorragende Stellung ein. Somatose enthält 98°/° leichtlösliche Eiweißstoffe (Albumoien), die aus Fleisch gewonnen werden und vor anderen Eiweißstoffcn den Vorzug haben, daß sie vollständig vom Organismus ausgenommen und ausgenützt werde». Durch Somatose-Zusatz zur spärlichen Krankenkost werden deni Körper die zur Kräftigung nöthigen Eiweißstoffe zugesüürt, der Appetit wird in hohem Maße angeregt, der erschlaffte Organismus mit neuer Kraft versehe». Aus Suppe, die bisher rm Wesentlichen nur eine Leimauskochung war, wird durch Zusatz von Somatosc eine eiweißreiche Kraftbouillon; sic enthält nunmehr den Nährwerth eines Beefsteaks resp. mehrerer Eier. Der Geschmack der Speisen wird durch Somatose-Zusatz nicht im geringsten beeinflußt, sodaß mau sie Patienten auä) ohne deren Wissen dar­reichen kann. F120

Die Abend-Ansgabe enthält 1 Beilage.

Verantwortlich für ocn paltttfd^er und feuiüe'an. Theil: W. @«Kulte vom rvruhi, für den übrigen Theil und die Anjngen: E Röt Herdt; Beide in Wiesbaden Druck und Verlag der L. ScheNenberh^chen tzof-Buchdruckerel in