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Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in kurze» Zwischenräumen entsprechender Nachlaß.

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Mittwoch» 7. April 1915.

Abend-Ausgabe.

Nr. 160. ♦ 63. Jahrgang.

Der Krieg.

vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.

Wiederaufnahme der Schlacht am pserkanal.

Br. Haag, 7. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Eine Depesche des „Rotterd. Courant" aus Sluis meldet: Wäh­rend der Ostertage ist an der Uferftont sehr heftig gekämpft worden. Der Geschiitzkampf, der anfangs der Woche geschwiegen hatte, wurde mit erneuter Heftigkeit aus­genommen.

Lin englischer Kngriffsversuch auf Seebrügge.

w. T.-B. Amsterdam, 6. April. (Nichtamtlich.) „Tijd" meldet aus Sluis: Gestern waren den ganzen Dag über englische Kriegsschiffe zu sehen-. Die Deutschen unternahmen mit Flugzeugen Aufklärungsfahrten. Abends um 6I/2 Uhr eröffneten zwei feindliche Kreuzer das Feuer auf den Hafen, wahrscheinlich auch auf die Koksfabriken, lösten aber nur einige Schüsse. Die Deutschen unterhielten mit den Küstcmbatterien ein heftiges Feuer.

Sechs deutsche Tauben über velfort.

W; T.-B. Paris, 6. April. (Nichtamtlich.) Das „Journal" meldet aus Montbeliard: In der Nacht vom Donnerstag zum Freitag überflogen sechs Tauben Belfort und warfen sechs Bomben ab, ohne Schaden (?) cmzurichten.

Ein deutsches Flugzeug über den Argouue«.

Bon der holländischen Grenze, 6. April. (K. Z.) Nach einer Meldung des „Matin" vom 6. flog eine Taube über La Grange-Clermont in den Argonnen, wo sie 24 Bomben abwarf, angeblich ohne Schaden anzurichten.

Die französischen Fliegerbesuche im tvberelsah.

Br. Basel, 7. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Ostermontag frühmorgens erschienen vier französische Flieger über MüIlh cim und Neuenburg. Zwei abgeworfene Bomben richteten keinen Schaden an. Bon drei Seiten wurde gegen die Flieger ein schreckliches Schrapnellfeuer eröffnet. Sie wandten sich hier­auf Mühlhausen zu. Zwei in der Nähe des Bahnhofs abgeworfene Bomben fielen neben dem Bahngleis nieder. Weder Personen wurden verletzt noch Materialschaden angerichtet. Drei über Markirch abgeworfene Bomben explodierten sämtlich außer­halb des Bahnhofs. Gegen Abend erschienen vier französische Flieger auf dem Gelände der neutralen Zone, dicht an der schweizerischen Grenze. Min­destens fünf deutsche Flieger nahmen die Verfolgung der Gegner auf. Eines der französischen Flugzeuge mußte, wie gemeldet wird, auf schweizerischem Boden niedergchen.

Zur Landung eines französischen Fliegers in der Schweiz.

W. T.-B. Bern, 6. April. (Nichtamtlich.) Das bei Pruntrut niedergegangene französische Flugzeug kam in zwei Etappen aus Paris. Es sollte wahrscheinlich das Geschwader im Elsaß verstärken, verirrte sich aber im Nebel. Der Führer verwechselte den Fluß Allaine mit dem Fluß Doubs. Beim Niedergehen glaubte er französische Soldaten zu er­blicken. Dieser Irrtum ist aus den grauen Mantel zurückzu- fiifcxii. Mit deutschen Flugzeugen kam der französische Flie­ger überhaupt nicht in Berührung. Das Flugzeug überflog die Landschaft Ajoie und insbesondere Pruntrut. Der Appa­rat trägt die Buchstaben „M. F. 361" (Maurice Farman"). Der Flieger hatte infolge des Nebels die Orientierung ver­loren. Beim Überfliegen der Schweizer Grenze wurde er von schweizerischen Truvven beschossen. Vor der Landung verbrannte der Flieger alle Papiere.

Der französische Tagesbericht.

W- T.-B. Paris, 6. April. (Nichtamtlich.) Amtlicher Be­richt vom Dienstagnachmittag: Dem gestrigen Abendbericht ist nichts Wichtiges hinzuzuftigen. Südöstlich Vau- auois faßten wir in einem feindlichen Schanzwerk Fuß. Bei einem Erfolge im Walde von A i l l h, südöstlich St. Mihiel. machten wir zahlreiche Gefangene und erbeuteten ein Maschinengewehr sowie einen Mineirwerfer. Wir rückten im Bois Brule, östlich des Waldes von Aillh, vor. Nordöst­lich Regniöville wurde das eroberte Gelände behauptet.

Frankreichs letzte Reserven.

Reuters Schönfärbereien über Frankreichs Stärke be­leuchtet „Standard" vom 1. April wie folgt: In der Cham­pagne zeigte sich die angebliche französische Überlegenheit nicht. Selbst angenommen, daß das deutsche Menschen­material sich erschöpfe, so zehrt doch Frankreich bereits nach „Humanite" vom „Vorrat und Reichtum der Zu­kunft". Grell beleuchtet dies die nach anfänglichem Schwanken nun doch erfolgte Berufung des Jahrgangs 1917 zu den Waffen!

Heranziehung der Auslandsfranzosen zum Heeresdienst.

IV. T.-B. New Orleans, 7. April. (Nichtamtlich! Die „Associated Preß" meldet: Zwischen der französischen Kolonie und dem französischen Kon s u I herrscht große Spannung, da her letztere von drei französischen Hilfsgefellschaften verlangt, haß sch ihm albe Mitglieder in militärische-m

Alter Nachweisen sollten, die sich nicht bei ihm zum Dienst­antritt gemeldet hätten. Der Konsul erklärt, daß im Aus­land geborene Franzosen von der französischen Regie­rung bis zum 32. Lebensjahre als französische Bürger be­trachtet werden.

Lin neuer französischer Justizmord?

Berlin, 7. April. (Ktr. Bln.) In der „Kreuzztg." liest man: In ihrer Nummer vom 13. März bringt die „Daily Mail" ein Bildnis, das befurchtem läßt, die Republik der Justizmorde habe sich eines neuen Verbrechens schuldig gemacht. Das Bild zeigt einen toten deutschen Soldaten, der ausgestreckt liegt, zu seinem Haupte die Pickelhaube und dar­unter die Erklärung: „Ein deutscher Soldat von Franzosen erschossen wegen des Gebrauchs von Dumdum- Patrone -n." Wäre es nicht angebracht, Nachforschungen anzustellen und, wenn nröglich, zu ermitteln, wie sich die Sache verhält. Ist die Angabe des Londoner Blattes richtig, so kann es sich nur um einen neuen Justizmord handeln.

Zur französischen Stimmung gegen Deutschland.

Die „Depöche de Toulouse" vom 18. Akirz schreibt ivört- lich: Daß die Infamie des Deutschen nicht alle Völker in Auf­ruhr bringt, ist das, was unbegreiflich ist. Eine Bestie, vom Blutbad toll geworden, bedroht die Welt. Die Diplomaten verhandeln! Sie begeht Ungeheuerlichkeiten, vor denen die Welt sich entsetzt. Und die gesamte Menschheit rührt sich nicht, um diese Bestie zu zermalmen. Hier nur ein neues Beispiel der Verworfenheit der Boches!, Rach dem Bombardement von Lille zündeten die Soldaten Wilhelms die Häuser an. Als die Einwohner dann löschen wollten, nahmen sie ihnen die Lösch­geräte fort, so daß die armen Einwohner ihr Eigentum ver­brennen sehen mußten, während die deutsche Kanaille Freudenschreie ausftieß.

Deutsche Anerkennung für Frankreich beweist Angst,

so führt ein Leitartikel „La Pensce Allemande" des „Lyon Republicain" vom 28. März aus. Der Gedanke, daß Frank­reich einen Sonderfrieden schließen könnte, ist erniedri­gend für Frankreich. Deutschland versucht durch Schmeichelei und Anerkennung französischer Tapferkeit (?) die öffentliche Meinung Frankreichs für einen Sonderfrieden zu beeinflussen. Alle diese Bestrebungen beweisen aber nur die Angst Deutsch- lands.

Trunksucht und Kriegsmüdigkeit bei französischen Arbeitern.

Genf, 5. April. (M. N. N.) Joseph Reinach gibt im „Temps" eine offizielle Statistik über den Alkoholverbrauch der Dockarbeiter wieder. Danach sind die meisten Dockarbei­ter am Nachmittag betrunken, weil sie von 8 Uhr früh bis 8 Uhr nachmittags fünfmal alkoholische Getränke zu sich nehmen. Die große Sterblichkeit der Verwun­deten ist nach Aussage von Militärärzten aus die frühere Trunksucht der Verletzten zurückzuführen, die die Heilung meist unmöglich mache, zum mindesten sehr erschwere.. Das­selbe Blatt polemisiert heftig gegen die Syndikalisten, die beständig eine Friedensschließung erörtern und dabei für Deutschland große Rücksicht zeigen. Frankreich wolle den Krieg nicht nach 10 Jahren wieder beginnen. Jetzt müsse gründlich gesiegt werden, das weitere werde sich finden.

vie neue englische Rutomobil-Maschinengewehr- Truppe.

Berlin, 7. April. (Ktr. Bln.) Uber die Bildung einer eng­lischen Automöbil-Maschinengewehr-Truppe, die sich durch große Beweglichkeit auszeichnet, melden die „Hamb. Nachr." aus dem Haag: Es handelt sich um Motorfahrräder, cm deren linken Seite sich kleine Wagen befinden. Vorn auf dem Wagen befindet sich ein Maschinengewehr und hinter einem Schutzschild die Bedienung. 400 dieser Räder mit Ge­schützen seien jetzt cm der Front angekommen. Ihre Zahl soll bekanntlich bis zum 15. Mai auf 1200 gebracht werden.

Eine schamlose Lügennachricht.

Zürich, 6. April. (Ktr. Bln.) Die bayerische Gesandtschaft in Bern teilt folgendes mit: Die. „Gazette de Lausanne" brachte am 12. Februar d. I. eine Notiz des „Eft Republicain" in Nancy, nach welcher der Kronprinz von Bayern während seiner angeblichen Einquartierung in dem Schloß des Schwei- zerbürgers Dürrns in Blamont mit seinem Generalstab dessen Keller geleert und mehrere tausend Kilogramm Zucker, Kakao und Schokolade requiriert hätte, um sodann die Schokolade-» fabrik seines Gastes plündern und niederbrennen zu lassen und diesen selbst mit Exekution zu bedrohen. Der Kronprinz von Bayern ist, stellt nun heute die Gesandtschaft fest, während des ganzen Feldzuges niemals in Blamont einquartiert gewesen. Die Nachricht des „Est Republicain" bezw. der „Gazette de Lausanne" ist daher falsch.

Verhaftung eines Schweizers in Paris.

W- T.-B. Paris, 6. April. (Nichtamtlich.) Wie der „Matin" meldet, ist der Berichterstatter des „Berliner Lokal-Anzeigers", Behrens, der Schweizer ist, in Paris verhaftet worden wegen eines Artikels über einen Zeppelinflug über Paris.

Der Unterseebootskrieg.

Neue Gpfer.

Ein englischer Segler versenkt.

W. T.-B. London, 6. April. (Nichtamtlich,, Mel­dung des Reuterschen Bureaus.) Aus Blyth wird ge­

meldet, daß der englische Segler „Acantha gestern in der Nordsee aus der Höhe von Longstone torpediert worden ist. Die gesamte Mannschaft von 13 Mann wurde durch einen schwedischen Dampfer gerettet.

Der wankend« Glaube der Engländer an ihre vollständige Seeherrschaft.

Tic „aufreizende Einförmigkeit" der D-Boots-Tätigkeit.

IV. T.-B. London, 6. April. (Nichtamtlich.) Der Flottenkorrespondent der „Morningpost" schreibt: Die Verheerungen der deutschen Unterseeboote dauern mit aufreizender Einförmigkeit von der Nord­see dis nach Finistdre fort. Es ist eine seit s am e Lag e. Einerseits sagt man uns, daß die englische Flotte die vollständige Seeherrschaft aus- üde, andererseits lesen wir t ä g l i ch von Verlusten eines oder mehrerer Schiffe in den heimatlichen Ge­wässern. Unsere große Flotte befindet sich irgend­wo, und Tatsache ist, daß sie sich irgendwo befindet. Sie nötigt Deutschland zur Seerä-ubevei , unter See. Das Blatt fährt fort: Was nützt es, ein Schiff zu bauen, das 2 y 2 Millionen Pfund kostet, wenn es nicht in See gehen kann, außer in großer Entfernung der Basis der Tauchboote. Wenn der Feind so entgegenkommend wäre, uns zu einer Schlacht in der Mitte des S t i l l e n O z e a n s einzuladen, wäre alles schön. Unterseeboot und Mine haben tatsäch­lich jetzt die. Flotte zwischen Wind und Wasser gefaßt, und es hat keinen Zweck, anzunehmen, -daß diese neuen Elemente etwas Vorübergehendes oder Unbedeutendes wären. Die Lösung des Problems mag durch Wasserflugzeuge.möglich sein, aber das liegt mehr in der Zukunft als in der Gegenwart. Laßt uns alle von Herzen hoffen, daß eine Lösung kommen wird.

Näheres zur Versenkung der „Lockwood".

Haag, 6. April. (Ktr. Bln.) Die Besatzung des vorgestern torpedierten Dampfers „Lockwood" berichtet nach der „Times", daß das Unterseeboot im Gegensatz zu den sonstigen grau angestrichen und daß seine Rümmer übermalt war. Der Dampfer „Lockwood" versuchte, unter Volldampf im Zickzackkurs zu entkommen. Dadurch wurde die Verfol­gung über eine Stunde ausgedehnt. Zwei Torpedos verfehlten ihr Ziel, ein drittes sprengte das Schiff in die Lust.

Die Arbeitseinstellungen in England.

Die technischen Arbeiter von der Untergrundbahn in London haben laut „Daily Chronicle" vom 1. April be­schlossen, am 10. April ihre Arbeit einzustellen, wenn ihnen nicht bis dahin gewisse Lohnzugeständnisse gewährt würden.

Ein drohender Streik von Militärschneidern.

Amsterdam, 6. April. (Ktr. Bln.) In Walsall droht un­ter den Umformschneidern ein Streik auszubrechen. Die Schneider verlangen bedeutende Lohnerhöhungen. Vorläufig kommen etwa 3000 Mann in Betracht.

Der englische Rekrutierungswirrwarr.

Ein Leitartikel der „Times" vom 29. Dtärz nimmt auf den in gleicher Nummer veröffentlichten Brief eines Rekrutie­rungsoffiziers Bezug, der bestätigt, daß sich die ft eiwillige Rekrutierung erschöpft habe. Alles, was jetzt geschieht, dient dazu, den Wirrwarr zu erhöhen. Man wendet Verfah­ren an, die nur dazu geeignet sind, willige Leute a b z u h a l - t e n oder den Unwilligen einen stichhaltigen Vorwand zu geben, sich zurückzuziehen. Ein Beweis dafür ist die Bildung eines Abwehrkorps gegen Flugzeuge, dessen Hanpterfölg sein wird, junge Leute vom Militärdienst abzuhalten. Ebenso sträuben sich sowohl Staats- als Gemeindebehörden, Dienst­taugliche fteizugeben. Die Nation verlangt eine Führung, sie ist darin vorgeschrittener als die Regierung. Das Land hat wohl M u t, aber der Regierung fehlt es daran. Halbe Maßregeln, wie Aufstellung der Hauslisten, können auch nicht die gewünschten Ergebnisse zeitigen. Außer der ersten Depe­sche von Fr ench ist in amtlichen Berichten durchaus nich ts enthalten, was zu der Ansicht verleiten könnte, daß unsere militärischen Operationen von Erfolg zu Erfolg fort­schreiten. Bis nicht ein richtig organisierter, ein offener und mutiger Versuch von der Regierung gemacht wird, das Rekru­tierungsproblem zu lösen, wird den Heeresbedürfnissen nicht in der richtigen Weise Genüge geleistet.

Der Kriegsdienst der englischen Frauen.

Haag, 6. April. (R. W.-Z.) Nach der „Times" haben sich nunmehr 30 000 englische Frauen zum Heimatskriegsdienst angemeldet, 20 000 find bereits eingeschrieben und verschiede­nen Betrieben überwiesen worden. Sie sollen namentlich bei der H e r st e bl u n g von K r i e g s z e u g (insbesondere der Geschoßanfertigung) verwandt werden. Die endgültige prak­tische Anstellung erfolgt jedoch erst für einige Hundert.

wie England den Urieg vorbereitete und wollte.

Die soeben erschienene Nr. 14 der „Fischerei-Zeitung" bringt unter der Überschrift „Silberne Kugeln" folgende höchst bemer­kenswerte Mitteilung: Ein englischer Minister sagte eines

Tages an einer Stelle irgend einer seiner welterschütternden Reden: „Wir haben schon manchen Krieg durch silberne Kugeln gewonnen!" Das Schießen mit diesen geräuschlosen, glitzern­den Geschossen setzte bereits lange vor dem Kriege ein. Wir leichtgläubigen, friedseligen deutschen Michel sahen wohl bte