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««. Jahrgang.

. heint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: durch den Verlag »rr Pfg. monatlich, durch die Post I Mk. «« Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

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für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingereich,er Anzeigen zur

H». 90.

Fernsprecher N». 52.

Freitag, den 23. Februar.

Fernsprecher No. 52.

1903.

(Nachdruck verboten.)

Eine zweite Mutter.

Von Mad. Alphonse Daudet.

Einzig autorisirte Uebersctznng von Marie Lauer.

Diejenige, die von sich erzählen will, Tochter und zugleich

f attin eines Künstlers, ist eine schöne Person mit rechtschaffenem, ertrauen erweckendem Gesicht und Augen, die klar und offen in die Welt hineinschauen. Nachdem sie ihr einziges Kind kurz nach der Geburt verloren, war sie, um die Leere in ihrem Herzen ans- zufülle», um die sie peinigende Erinnerung zu beschwichtigen, zu dem Entschlüsse gekommen, ein anderes an Kindesstatt anzunehmen. Lange mußte sie sich umschauen, an vielen Orten Nachfragen, ehe sie endlich das kleine Wesen, ein Mädchen, erwarten durfte, dessen Mutter nicht mehr am Leben, dessen Vater längst ver­schollen war. Von gar weit her wurde das arme Ding gebracht, aus irgend einem Provinzorte, wo für den Mangel an Mutter­milch und zärtlicher Elternliebe einzig uub allein die Natur und die heilsame Landluft zu- Retterinnen der lieblos Verlassenen werden. — Sie erzählte uns nun von den Vorbereitungen, die im Hanse getroffen, wie Alles von unterst zu oberst gekehrt wurde, um das Kind auch angemessen zu empfangen. Ein Zimmer, mit Fenstern nach der Sonnenseite, wurde extra für dasselbe her- zerichtet und mit Hellen Tapeten bezogen. „Ob wir nicht bald etwas Spielzeug hineinstellen, um es zutraulicher zu macheni? sagte sie zu ihrem Mann, imb besorgte schnell eine Puppe, eine Puppenwicge und allerhand niedliche Sächelchen, wonach die »einen Händchen gleich greifen sollten. Unzählige Male am Tage betraten die erwartungsvollen Pflegeeltern das noch leere Zimmer, gncrsHöpflich in ihrer Fürsorge, unermüdlich, immer noch etwas Anderes. Neues ausfindig zu mache». Äald rückten sie hier ein

Möbel, bald nahmen sie dort einen Behang fort, nur dou dem einen Gedanken erfüllt: „Wie hübsch und nett wird es das Kleine doch haben."

Da langte es endlich eines Abends an, und das Erste, worein sie sich erst finden mußten, war, das; man ihm doch ansah, woher cs kam. Es trug ein blaues Schürzchen, kleine Holzschiihe nnd ein Faltenhäubchen, kurz, es war so plump und schwer gekleidet, wie eben ein Bauernkind, das vom frühen Morgen bis zur sinkenden Nacht draußen im Freien sich aushält. Doch schnell wird ein schönes Bad zurecht gemacht, das Ziminer durchwärmt unb erhellt nnd die kleine Reisende vom Köpfchen bis zu den Füßchen in die neuen Sachen gesteckt, die schon lange bereit liegen. Die neue Mama kämmt die kurzen Härchen, wäscht noch einmal die kleinen Patschhändchen und bemüht sich auf jede Weise, das Kind, das der Zufall ihr zugeführt, fein nnd hübsch mtb sich zu eigen zu macheii.

Ach wie süß wird das kleine Ding, das erste Mal in seinem Leben an Herzen geschmiegt, die nur in Liebe für dasselbe schlagen, in seinem 'weichen Bettchen schlummern, denkt die junge Pflege­mutter, nachdem sie den armen Findling endlich zur Ruhe ge­bracht. Am andern Morgen kommt der bestellte Hausarzt nnd da? Kind ivird ihm zugeführt. Schon ist es wie auSgetauscht, keine Spur mehr voir Scheu, und die schöne Puppe ans den Aermchcn ruft es in Heller Begeisterung immer auf« Neue: „Aber ist die schön". Wie der Arzt jedoch das zarte .Hälschen sich an­steht, wie er nach dem kurzen, gleich dem eines ausgeschenchten Vögelchens schwachen Athem horcht und lauscht, werben seine Mienen immer ernster und länger und, während die Kleine zu ihren Spielsachen zurückeilt, erklärt er mit Bestimmtheit: „Das Kind könnt Ihr nicht behalten unb erziehen; es hat Geburtsfehler und ist auch schlecht gediehen, Ihr müßt Euch ein anderes suchen Das Kind jetzt wieder fortschicke», wo es zu dem jungen Paare schon „lieber Papa", „liebe Mama" sagt, wo es mit seligem Staunen,

» als ob es ein Fcemnärchen erlebte, als ob es einen zur Wirklichkeit gewordenen Traum träumte, von „ihrer Puppe", „ihrem Zimmer" spricht, dasselbe jetzt wieder auf die Straße hinausstoßen, ohne Schutz, ohne jeden Anhalt in der Familie - - „nein, daran ist nicht zu denken", antworteten einstimmig die jungen Pflegeeltern. „Nun", sagte der Hausarzt, „so laßt den Anstaltsarzt kommen, er ist ein ehrlicher Mensch nnd auch gutherzig, aber Ihr werdet ja sehen, was er sagt". Der Arzt aus dem Krankenhause bestätigte die Diagnose des Hausarztes. „Ja", meinte er, „Sie werden das Kind schwerlich groß ziehe», es ist zu zart und schwach; es wird daraus ankommen, seine ganze Konstitution förmlich umzugestalten, es gewissermaßen ein zweites Mal zur Welt zu bringen 1 .

Aber die mulhige, beherzte Frau scheute die schivere Aufgabe nicht, sie unterzog ihre» kleinen Schützling einer langen Behand­lung mit Bädern nnd Abreibungen, eine strenge Kur, bei der aber die Pflegemutter allmählich zur wirklichen Mutter wurde; zitterte unb bebte sie doch wie eine solche in beständiger Furcht, ihr Liebstes zu verlieren, imd machte sie doch i» den langen Nächten, wo sie die schlaflosen Stunden zählte, dasselbe Bangen, dieselben Mühselig­keiten durch, als ob sie das Kind unter ihrem Herzen aetraaeü. Und so eroberte sie das zarte Wesen sich wirklich wieder allen feindlichen Gewalten zum Trotz. Mit heißer, barmherziger Liebe sühnte sie die Schuld und Lieblosigkeit der ersten Eltern und er­weckte so das kleine Geschöpfchen, noch ehe sie ihm geistige Sorgfalt angedeihen ließ und es in die moralische Atmosphäre der Arbeit Mast zum Lebe». x eifrige l e gesund

Herzen dm „

mein Mann zu mir: „Findest Du nicht, daß sic sehr schnell

„Jetzt ist sie 11 Jahre rzählung. ,,®ie Haben , wie hübsch, wie gesund und wie krästig sie ist. ins von ganzem Herren dankbar und neulich sagte zu mir: „Findest Du nicht, daß sie sehr schnell wächst? Möchten wir nicht gleich noch ein zweites ein ganz kleines für uns suchen?"

einführte, ein zweites Mal zm alt", schloß die wackere Frau ihre eifrige Erzählung, ja eben gesehen, wie fjitbf '

Auch ist sie uns von ganzem

Ans Stadt und Land.

zu

stalendru.

erlin, bekannter

Wiesbaden. 23. Februar.

23. Februar 1897: 4 Waldemar Komponist. 1897: st 0r. Karl

Bargiel ... ...

Menoelssohn-Bartholdy zu Brugg. Historiker, ältester Sohn Fel Mendelssohn - Bartholdh. 1879: st Ge»eralfeldmarschall Kre

v. Roon. '1873: st General o. Hartmann zu Würzburg. 18,, st Johann Gauß zu Götttngen, einer der größten MathematM 1849: Sieg der Ungarn bei Piski und Jüd über General lkrLA. 1834: * Gustav Nachtigal zu Eichstedt, Afrikaforscher. 1828: G- werbung Eriwans durch die Russen. 1685: * Georg Friedlich Händel zu Halle, berühmter Komponist.

— Uolksvorstellnng im Königlichen Theater. Soicnlag, den 25. d. Mts., Nachmittags 27a Uhr, wird „Mi aua von Barn Helm", Lustspiel von Lessing (wicht, wie ursprünglich ab­gegeben war, „Orpheus und Eurydiee") als Volksvorsteilmig m Scene gehen. Den Verkauf der Platzkarten hat wiederum der hiesige Volksbildungsverein übernommen und wird den,'eiben in der bisher geübten Weise handhaben, d. h. die Karte» werden nur

~ " ' ~' ' ‘ ” ' ‘.' ‘ \’?e sind die

fmämnscher ' Frau

Spieß, Hellmundstraße 36 (Krankenkasse für Frauen und Jung­frauen). Die Betreffenden sind gebeten worden, bei der Weiter- vertheilung nicht nur ihre Mitglieder zu berücksichtigen. Die­jenigen, welche ihren Dienstmädchen Karten z». sichern wünschen, mögen sich daher an die Krankenkasse für Frauen und Jnilgfrailen oder die Gewerkschaften wenden. Die Plätze für Parquet, ersten Rang und die Logen werde» den Buchhandlungen von Feller u. Gecks, Juranh u. Hensel, Moritz u. Münzet und Staadt übergeben. Die Zahl dieser Vermittler kann nur dann vergrößert werden, wenn ein Vortheil im Sinne der der Vertheiiung zu Grunde liegenden Prinzipien zu erwarten steht. In älleil anderen Fällen können Angebote wegen der damit verbundenen größeren Abrechnungsarbeit nicht berücksichtigt werden.

- Die römische Schreit» nrt des nrnr» Jahrhunderts.

MDCCCC ober MCM? Wie soll man schreibe»? Die Pariser Akademie hat beide Schreibweisen für zulässig erklärt, jedoch der Bezeichnung MCM für Aufschriften und Medaillen den Vorzug gegeben.

— Der Uame Dukaten für die ehedem weiterverbreitete Goldmünze stammt aus der byzantische» Münzkunde. Die ersten byzantischen Kaiser des 11. Jahrhunderts nannten sich nach ihrem Familiennamen auf ihren stark umlaufenden Münzet! auch „Dukgs". Dies wurde dann die gewöhnliche Bezeichnung der von Kon­stantinopel nach Italien gelangenden Goldstücke. Die deutsche Reichsmüuzordnnna vom Jahre 1559 nahm den Dukaten als Reichs­münze an; seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Dltkaten in Deutschland nicht mehr geprägt.

— ,,Taül-Iatt"-Saim>rluugr». Für die Verw undeten und Hinterbliebenen der Buren: Voit Marie Friedrich

7 Mk., gesammelt zu später Stunde im „EsstghanS" t Mk. 35 Pf., von der „Krakelergesellschaft am Aeppelweintisch" bei Herrn Goebel

8 Mk., A. O. 2 Mk.. von einer alten Abonnentin 3 Mk. Für d te Neberschwemmten in Ostpreußen: Von Marie Friedrich 3 Mk. Bei Veröffentlichung der „Tagblatt"-Sammlnngen in Nr. 86 des „Tagblatt" muß es bei den Gaben für die Verwundeten und Hinterbliebenen heißen statt Dr. E. 2 Mk. — Di-. E. 2 Mk. 50 Pf. Weitere Gaben werden gern entgegengenommen.

(vj) Eine Aufsehen erregende Erfindung auf bem Gebiet der (Meftricität, die sogenannte Tcteplastik, wird gegenwärtig be­kannt. Zwei Berliner Ingenieure sollen einen Apparat erfnnden haben, der plastische Formen von lebenden und tobten Körpern so­wohl in natürlicher Größe als auch in Verkieinernng und Vet- großernng auf weite Entfernungen übertrügt, sodaß die in diesem Apparat' eingestellten Formen am Endpunkte genau so wieder­erscheinen, als sie am Ausgangspunkt vorhanden sind. Ein Rahmen umspannt eine beträchtliche 'Anzahl leicht vcrschiebbarer, dicht aneinander befindlicher Stäbe. Drückt man an diese eine plastische Form, z.B. das Gesicht einer Person, so treten die Stäbe, der Form entsprechend, ans der ciitgegengesetzten Seite vor nnd lassen auf dieser ein genau plastisches Bild der Form' erscheinen. Wirb die Platte mit einer gleichen Platte eines anderen Ortes derart elektrisch ver­bunden, daß die Ansbiegungen jedes Stabes der Aufnahmestation die Ausbiegung der entsprechenden Stäbe der Empfangsstation zur Folge haben, so tritt die plastische Form an dieser Station ebenso hervor, wie an der Ausgangsstation. • Werden die Stäbe in der „telegraphirten Stellung" sixirt, dann läßt sich leicht ein Abguß der Form machen. Von dem Apparat verspricht man sich große

Gefälle überwinden, von den Tbalsperren, die auszuführen sind, soll die im Thale des Rio Grande eine Länge von 640 m und eine Höhe von 25 m erhalten. Die Fahrzeit für Dampfer wird bei einer Dnrchschnittsgeschwindigkeit von 9 km in der Stunde ca. 30 Stunden betragen, die 'Kosten sind auf 125 Will. Dollar veranschlagt.

Für die Benrtheilnng des Einflusses, welchen der interoeeanische Kanal auf die deutsche H andelsschiffahrt ausüben dürste, kommt namentlich die Verbesserung des Verkehrs nach der Südsee in Betracht. Hierzu können die Entfernungen von Liverpool in Anschlag gebracht werden. Nach engliscben Ermittelungen beträgt nämlich'die Entfernung von Liverpool

nach um das Kap Horn über Panama

englische Meilen

Anckland. 12,057 11,549

San Francisco . . 13,719 7,799

Valparaiso .... 10,167 7 349

Die Unterschiede, namentlich in Hinsicht auf San Franeiseo und Valparaiso, sind hier so in die Augen springend, daß die großen Vortheile des Kanals für diese Fahrten klar ans der Hand liegen.

ohne Genehmigung Großbritanniens eine Durchstechung des Isthmus nicht vornehmen. Zur Aufhebung des Vertrags hat sich England nun verstanden. Hierdurch ist die Aussicht auf Erbauung des Kanals ihrer Verwirklichung so nahe gerückt, daß es angezeigt erscheint, etivas näher auf diese neue, mteroceanische Wasserstraße einznaehen; denn dieselbe ist für alle mit Centralamerika und der Westküste des amerikanischen Kontinents, sowie mit dem Stillen Oeean in Ver­bindung stehenden Staaten Europas von allergrößter Bedeutung.

Oben rechts in unserer Zeichnung befindet sich einc Uebersichts- karte, aus welcher die verschiedenen Hauptschiffahrtslinien zu er­sehen sind, die gegenwärtig über den Atlantischen Oeean nach dem amerikanischen Kontinent führen und von diesem westlich durch den Stillen Oeean. Durch starke Strichlinien ist angedcutet, tu welchem Sinne hauptsächlich eine Verschiebung der Schiffahrtslinien ein- treten wird, sobald ein central-amerikanischer Kanal durch den Nicaraguasee gebaut wird. Aus dieser Uebersichtsskizze geht die ganz besondere Wichtigkeit eines solchen Kanals für die Vereinigten Staaten hervor, deren Ost- und Westküste in eine wesentlich nähere Verbindung über See gebracht werden, als dies bisher der Fall

Morgen ■flinsgabe.

(Nachdruck verboten.)

Der zukünftige Nir«rugn»r-Kanal.

Die Vereinigten Staaten von Nordamerika haben sich nunmehr oas alleinige Verfügungsrecht über den Nicaragua-Kanal, bezw. den alleinigen Besitz desselben gesichert, indem sie von England das Aufgeven der ans dem Clayton-Bulwer-Vertrage demselben zu­stehenden Rechte erreichten. Die Aufhebung des genannten Ber- 'rags war für die Union nnertäßlich, wenn sie in der Behandlung der'Frage Fortschritte machen wollte. Die dem Kongreß vorliegende Bill bestimmt nämlich, daß der Kanal im ausschließlichen Besitz der Vereinigten Staaten sein soll, während, wie be­kannt, in dem genannten Vertrag ausdrücklich gesagti st, die Union solle

ist. Man wird sich erinnern, daß im letzten spanisch-amerikanischen Kriege eins der Hauptpanzerschiffe der Union, der „Oregon", den weiten Weg von San Francisco an der Westküste um das Kap Horn, an der Sndspitze Südamerikas, herum machen mußte, um auf dem maritimen Kriegsschauplatz bei Cuba zu erscheinen. Eine jede Durchstechung der eentral-amerikanischen Landenge würde hier also für Nordamerika einen erheblichen Vortheil bringen.

Ucbcr das Projekt des Nicaragua-Kanals, welches auf unserer Hauptzeichnung seinem Verlaufe nach in ziemlich detaillirter Aus­führung dargestellt ist, sei in Kürze Folgendes angeführt: Der Kanal beginnt bei Greytown am Caraibischcn Meere, nördlich der Mündung des Flusses San Juan in dasselbe und wird bei Brito (San Juan bei Sur) in den Stillen Oeean münden. Er soll 273 km lang werden, doch soll hiervon mir eine Strecke von 46 km förmlich auszugraben sein. Die Gesammtzahl der Schleusen ist auf sechs beschränkt worden, die einen Höhenunterschied von 33,5 m überwinden sollen. Eine Schleuse (Nr. 3) soll allein 13,7 m

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