i
♦ Kmlllge nun Miesdaümer Tagdlalt.
Ua. 90. Worgen-Ansgabr.
(Schluß.) (Nachdruck verboten.)
Zertreten.
Erzählung von <5. Kchöyen.
Dein Nortvegische» nachklzähtt von tzmil )»»as.
(Autorisirt).
Er starrte wie wahnsinnig mit funkelnden Augen umher. Er war im Staude, sie wie einen Hund niedcrzuschießen, sie >vic eine giftige Schlange unter den Füßen zn zertreten.
Schlange! Skorpion!
Er ballte die Fäuste und stürmte mit laugen Schritten auf und ab.
Er ergriff einen Stuhl nach dem andern und schleuderte ihn zu Boden, sodaß die Splitter nach allen Seiten flogen.
Stühle, Tische, Stasfeleicn, Zeichnungen durcheinander, bis der Raum zu einem Chaos geworden war. lind mitten in denselben stand er selbst aufgerichtet und stöhnend wie nach einem fürchterlichen Kampf.
Als das erste fürchterliche Aufbrausen der Leidenschaft sich gelegt hatte, fand er die Seelenruhe wieder, um sich in Schmerz vertiefen zn können. Seine Gedanken wurden wieder klarer.
Mit einem einzigen Blick schaute er auf seine Vergangenheit zurück — von der ersten Begegnung mit Mathilde bis zu diesem Augenblick.
Noch stöhnend mit schleppenden Schritten ging er in sein Schlafzinnner.
lieber dem Bett hing eine Photographie von drei Kindern.
Er nahm sie herab und küßte sie.
Aber dann überkam ihn plötzlich ein Schreck. Wie durfte er diese unschuldigen Wesen — er, der —!
Er legte die Photographie ans das Bücherregal. Dort stand ein länglicher Metallschrein, worin sich ein halbes Dutzend Bilder seiner Frau befand. Seit Frau Sinding nach Paris gekommen war, hatte er sie dort verborgen.
O Du mein Gott, ist es denn möglich, sich so vernichtet zu fühlen, so entsetzlich verloren! Das kann nicht wieder gut gemacht werden, nicnials, niemals gesühnt werden! Sie ist ja todt.
Solör war plötzlich erwacht. Er blickte auf die erste Zeit seiner Ehe zurück, und wie gut hatten sie es damals gehabt. Später hatte er sie mehr als. einmal verletzt — aber sic war stets zur Versöhnung bereit gewesen.
Ihr Wesen war so zart, ihre Lebcnsansichteu so mild und herrlich. Die Treulosigkeit ivar ihr stets als eine fast unverständliche Niedrigkeit vorgckommen, und als sie sie selbst traf, wurde sie davon vernichtet.
Verrathen! Zertreten! Vernichtet!
Arme Mathilde!
Solör verließ Paris. Er reiste durch Spanien und Afrika, den Orient, Italien und Deutschland. Gleich einem Friedlosen zog er von Stadt zu Stadt. Er suchte nach
Freitag, den 23. Fedrnar.
neuen Eindrücken, welche ihn zur Arbeit inspiriren könnten, aber es war ihm unmöglich, sein Gemnth zu sammeln und seine Phantasie auf eine größere Aufgabe zu richten.
Und er verging vor Sehnsucht, sehnte sich, gleichviel ob er in Afrika oder Europa sich befand, er sehnte sich nach seinen Kindern, ihrem Fleisch und Blut, Theil ihrer Seele.
Allein er fürchtete, sie wiederzusehen. Ein Aussätziger, der ein Heiligthum beschmutzen will.
Nein, ich kann nicht! Und doch, sie sind die Einzigen, die mich ans Leben fesseln.
Er reiste und sehnte sich. Er sehnte sich und reiste.
IX.
Endlich ging es der Heimath zu.
Es war spät an einem kalten Herbstabend, als Solör nach Christiania kam. Er ging in ein Hotel, und obgleich er sich todtmüde fühlte, war es ihm dennoch nicht möglich, zu Bett zu gehen.
Er hatte ans norwegischen Boden den Fuß seit dem Tage nicht gesetzt, an ivelchem seine Frau zu Grabe getragen worden war. Wie gepeitscht von tausend Furien war er an demselben Tage von dort entflohen.
In vieler Beziehung war er erschlafft. Aber dieses Entsetzliche — ihr Tod — hatte tiefe.Furchen in seine Seele gegraben. Das Leben lag vor ihm gleich einem langen Weg, eingetheilt durch Meilensteine. Dort war ich glücklich. Dort begann das Vergessen, dieser fanatische Rausch, der Alles Umstürze, was die Vergangenheit an Gutem und Schönem anfgebaut hatte.
Wenn ich auch jeden Tropfen meines Herzblutes hingeben würde, ich würde doch nie zurückkehren und aufs Neue beginnen können.
Aber vielleicht, vielleicht könnte die Zukunft auf einem besseren Grunde erbaut werde». — Die Kinder! Die Kinder!
Als Solör etwas genossen hatte, ging er aus und nahm einen Wagen.
Die Hauptstadt schlief, die Gaslaternen brannten trübe, die Flammen flackerten im Winde hin und her.
Die Straßen waren fast ansgestorben.
Außerhalb der Stadt auf dem Landwege standen die Bäume blattlos und das welke Laub raschelte unter den Wagenrädern.
Der Wagen hielt vor der Gartenpforte, und Solör stieg ans.
Dort lag das Haus, aus welchem er sie geholt hatte. Hierher war er einst gekommen mit einem Herzen, erfüllt von Freude und Erwartung. Hier war er wie ein Sohn mit offener Herzenswärme empfangen worden. Von hier hatte er sie zu einem Leben hinausgeführt, dessen Blumen er selbst geknickt hatte.
Hier war es so still! Ob die Alten schon schliefen?
Kein Licht zu sehen. Doch die Schlafzimmer lagen ja nach der andern Seile.
48. Jahrgang. 1900.
Da öffnete Jemand die Thür und kam heraus. Es war ein altes Mädchen, welches der Familie seit vielen Jahren diente.
Wer in Jesus Namen ist das? rief sie, als er die Steinlrcppe heransgekommen war und ihr jetzt gegenüber stand.
Sie kennen mich vielleicht nicht wieder, sagte er. Ich bin Solör.
Ach so! machte sie, indem sie die Laterne hoch hob und ihm ins Gesicht sah.
Ist Jemand zu Hause? fragte er.
Nein! Ja! Das heißt, der Slaatsrath ist zu einer Spielpartie ansgegangen und die Staatsräthin ist nicht ganz wohl.
Aber die Kinder? fragte er gespannt.
Die haben es gut. Sie schlafen schon seit mehreren Stunden.
Führen Sie mich zu ihnen, befahl er.
Sie zögerte ein wenig.
Aber er war ja doch ihr Vater.
Und dann öffnete sie die Thür und bat ihn, zu folgen. Sie führte ihn die Treppe hinauf in ein großes luftiges Zimmer mit schrägen Wänden.
Drei Betten standen in einer Reihe. Eine Lampe brannte auf dem Tisch in der Nähe des Ofens. Das Mädchen ging vorsichtig über den Boden, schloß die Thür zum Alkoven daneben' ab und zog sich zurück.
Er stand allein zwischen den schlafenden Kindern.
Die beiden jüngsten lagen mit dem Gesicht im Schotten, sodaß es ihm schwer wurde, ihre Züge zn unterscheiden. Aber das älteste hatte das Gesicht der Lampe zugekehrt.
Solör schlich von einem Bett zum andern, zitternd wie ein Dieb, der einen kostbaren Schatz rauben will.
Spannung und frohe Ueberraschung.
Wie sie Mathilde glich!
Dieses Helle seidene Haar über der Stirn, die gebogenen Augenbrauen, der kleine feine Mund und die gerade Nase.
Das Kind schien etwas zu träumen, das seine Phantasie in starke Erregung versetzte. Es erhob ein paar Mal den Arm und murmelte etwas Unverständliches.
Aber nein, er wagte cs nicht.
Solör beugte sich hinab, um es zu küssen.
Er siel auf die Knie, seine Hände strichen zitternd über die kleinen Finger.
Ich vermag es nicht, Dich zu wecken. Schlaf süß, mein Engel, schlaf, Du mein schönes Kind!
Da strahlte ihr Gesicht. Sie sprach: Mama, stehst Du da? Mama, Du lächelst so süß!
Solör verbarg sein Gesicht in die iveiche Daunendecke und brach in gewaltsames Schluchzen aus. Es war, als beivege sich der' Flügelschlag der weißen Taube in der Luft.
Diese Thränen wurden für ihn der Pact mit einem neuen Leben.
Möbel, Betten, complete Einrichtungen
in gediegener Ausführung; 211 massigen Preisen.
Eigene Werkstätten. — 830 (juadr.-Mtr. Ausstellungsräume. — 25 listerziniuier.
48. Friedridistr. 48,
nahe Sehwalbaelierstrasse.
48. Friedriehstr. 48,
nahe Schwalbaehcrstiassc.
2073
I
»o*
x x Cotillon-Orden * *
grösste Auswahl bei
C. Schellenberg, Goldgasse 4.
15021
Flechten,
Rothe, Mitesser, Sommersprossen haben Sic nie bei Gebrauch von «uhn'S Glycrrin-Schwefelmilch- seife, 50 u. 80 Pf., empf. «tto Sieb^rt, Drog., Marktstraße 9, Cli. Tauber, Drog., Kirchgasse 6, Droa. bnnitaa, M ouritinsstr. _ F182
(»o. 48b) F192
Gutschein!
Reflectirenden Palles bitte aus schneiden.
TJeberbringer Dieses
ist in unserem Geschäfte beim Zahlen berechtigt, an der Kasse vom Betrage
IO °lo
in Abzug au bringen, auf alle Baar-Einküufe bis 28. Februar 1900.
Gültigkeit hat dieser Rabatt nur bei Vorlage dieses Gutscheins jedoch auf alle, auch auf die nn Preise reducirten im Erker ausgestellten, sowie auf die bei der Inventur aurückgesetaten Haaren. Bet Auswahlsendungen fällt der Rabatt weg.
Fett iV Co.’s
Frankfurter Schuh -Bazar,
38. Langgasse 38 f nächst dev Webevgasse.
