i
I
1. Anlage Mn Mesbaüener Tagdlatt.
86. Morgen-Ansgare.
Mittwoch, den 21. Februar.
48. Jahrgang. 1960.
(13. Fortsetzung.)
(Nachdruck verboten.)
Zertreten.
Erzählung von K. Schönen.
Dem Norwegische» »acherzählt von Hmit Aonas.
(Autorisirt).
Die Studenten standen in Gruppen vor der Universität und sprachen darüber. Die jungen Damen, die zur Mittagszeit geputzt in der Karl-Johann-Straße zu promeniren pflegten, schwatzten darüber. In den Kaufläden gab es während des Anprobirens von Hüten und Mänteln Veranlassung zur Unterhaltung zwischen Käufern und Verkäufern.
Auf der Fischerbrücke tranken die Fischweiber aus ihren Kaffeetöpfen und wunderten sich darüber, daß so etwas in Len feinen Häusern geschehen könne. Ja, wenn es zum Klappen kommt, dann sind die feinen Leute auch nicht besser als wir!
Die Droschkenkutscher saßen auf den Kutscherböcken und lasen darüber in der Zeitung.
Und in den besseren Kreisen, in den reichen Villen außerhalb der Stadt war es ein stehendes Gesprächsthema. Die Kinder sperrten Ohren und Augen auf vor Neugierde, während die Eltern entsetzt den Kopf schüttelten.
Ein paar ältere Fräulein, welche sich in der ganzen Stadt wegen ihrer giftigen Zungen gefürchtet gemacht hatten und deren Freundschaft gleich den Liebeszeichen des Tigers gefährlich war, schwelgten förmlich in der Behandlung dieser Geschichte. Sie begaben sich vom Morgen bis zum Abend von Haus zu Haus, tranken Chocolade, aßen Kuchen und schwatzten, bis die ganze Geschichte schließlich zu einem Märchen wurde.
Der Arzt hatte freilich erklärt, daß sie am Herzschlag gestorben sei. Allein, das könnte durchaus nicht der Fall sein, meinte man. ■
Es klang ja auch ganz unglaublich, weil man zuvor nicht gehört hatte, daß die Famlie an irgend einem Herzfehler litt.
O nein, da lag gewiß ein Geheimniß zu Grunde! Allein das durfte man nicht laut werden lassen, denn sonst würde sie sicherlich nicht in geweihter Erde begraben worden sein.
Was war es also? .
Das wagte man nicht zu erzählen. Man hatte feierlich gelobt, es niemals zu verrathen.
Solörs Gewissenlosigkeit hatte sie getödtet. Früh und spät war er mit Frau Sinding zusammen gewesen, und Jeder konnte begreifen, daß dies endlich mit einem Skandal enden würde.
O, das hatte er aber nur gethan, weil seine eigene Frau gauz unmöglich im häuslichen Leben gewesen sein sollte. Sie hatte ihre Verbindungen in Paris und deshalb hätte ihr Mann ihr nicht erlaubt, ihm dahin zu folgen. Und dann war dieses Geheimnißvolle geschehen.
Solör war am Tage nach der Beerdigung ins Ausland gereist. Wenn etwas zwischen ihm und Frau Sinding vorgekommen wäre, dann würde die letztere sicherlich mit ihm
gereist sein. Statt dessen hatte sie sich mit ihrem Manne versöhnt und sie lebten jetzt im besten Einverständniß.
Ja, die Schuld war schließlich nur die Mathildes!
VIII.
Indessen war das Verhältniß zwischen den Eheleuten Sinding nicht ganz so geebnet, wie die Welt glaubte.
Dieser Mann mit dem magern, vertrockneten Gesicht und dem zugeknöpften Wesen hatte freilich seine Frau wieder in Gnaden ausgenommen. Allein seine Gefühle für sie waren längst verdunstet unter der harten Prüfung, welcher sie täglich unterworfen worden waren. Aus Rücksicht auf seine Kinder hatte er die Hausthür wieder geöffnet, während das Herz verschlossen blieb.
Dies erfuhr sie täglich. Wenn bei irgend einer Gelegenheit die Rede von Familienleben, Mutterpflichten und ehelicher Liebe die Rede war, fand er Veranlassung, sie mit scharfen Worten zu peinigen.
Ja, wenn man so dumm gewesen ist, an ein Weib zu glauben, dann muß mau auf Enttäuschungen gefaßt sein.
Sie ließ ihn auf Antwort warten.
Ein anderes Mal sagte er: Wenn man sein ganzes Leben lang gesucht hat, die Ehre seines Namens zu schützen, dann ist es wirklich hart, eine Frau ohne Erziehung zu bekommen.
Und endlich: Ich spreche von zarten Franenuaturen und nicht von solchen wie Tu.
Da erhob sie sich plötzlich und eilte aus den, Zimmer. Ach, wie sie diesen achtungswerthen Mann haßte, welcher nicht das emfernteste Verständuiß von menschlichen Gefühlen und Leidenschaften hatte!
Eines Tages konnte sie seine Verachtung nicht länger ertragen. Sie packte in Eile ihren Koffer, versah sich mit all dem Geld, das sich im Schreibtisch ihres Mannes befand — und reiste ab.
Solör hatte sich in Paris niedergelassen.
Er hatte ein Atelier im tzuartier latin gcmiethet, um so fern wie möglich der Stelle zu sein, wo er früher gewohnt hatte.
Der Gedanke, weshalb er dies that, peinigte ihn fortwährend. Weshalb konnte er denselben nicht aus seiner Phantasie reißen? Der Anblick: blaß, leblos auf dem Sopha — eine stumme entsetzliche Anklage verfolgte ihn Tag und Nacht.
Er wollte Frau Sinding nicht Wiedersehen, um keinen Preis in der Welt wollte er sie jemals Wiedersehen.
Alle Teppiche und kostbaren Felle, womit er sein Atelier geschmückt hatte, waren in Norwegen zurückgeblieben, und in seinem Arbeitsraum befanden sich jetzt nur die allernoth- wendigsten Sachen, ein Sopha, ein Schreibtisch und einige Stühle. Neben dem Atelier lag ein kleines Zimmer mit einem schmalen, eisernen Bett, ein Waschtisch und ein Bücherregal.
Solörs Bilder aus dem norwegischen Volksleben machten verdientes Aufsehen in der Ausstellung, und die Folge war eine Reihe von Bestellungen von Kunsthändlern und reichen Privatleuten. Aber die Göttin des Glückes fand nur einen kühlen Empfang bei ihrem neuen Günstling.
Solör war seelenmüde und befand sich in sehr gedrückter Gemüthsstimmung. Er suchte zu arbeiten wie der Kranke zu seinen Mahlzeiten geht und die Nahrung zu sich nimmt, um das Leben aufrecht zu erhalten, aber ohne daß irgend etwas ihm schmeckt oder die Freude des Genusses verleiht.
Eines Tages schellte es an seiner Thür, und mit der Palette in der Hand ging er, um zu öffnen.
Guten Tag, sagte Frau Sinding lächelnd, und trat ein, ohne eine Aufforderung dazu abzuwarten.
Inga! — Du hier? — Sie hier? Er blieb erstaunt stehen.
O, sage wie in alten Tagen nur Du zu mir, sagte sie. Du mußtest es ja wissen, daß ich Dir folgen würde.
Wie konnte ich das denken nach dem, was geschehen ist?
Geschehen ist? Wie meinst Du das? Ich weiß wirklich nicht, daß etwas geschehen ist, das uns zur Trennung Veranlassung geben könnte. Im Uebrigen, wenn zwei Menschen fühlen, daß sie einander bedürfen und zusammen zu sein wünschen, dann müssen sie auch selbstständig genug sein, allen diesen dummen Vorurtheilen zu trotzen.
Ja — ja! — Solör aihmete tief, das kam wirklich unerwartet.
Er legte die Palette fort und wischte die Farbe von seinen Fingern. Sie warf Hut und Sonnenschirm auf den Tisch, zog die Handschuhe ab und begann all die Skizzen, die an den Wänden hingen, zu besehen. Endlich setzte sie sich vor sein letztes Werk, das halb fertig auf der Staffelet stand.
Du arbeitest mit Deiner gewöhnlichen Ausdauer, sagte sie. Das freut mich. Ich liebe die Menschen nicht, die von dem ersten Sturm geknickt werden. Aber es ist hier nicht so comfortabel wie in Deinem Atelier in Christiania. Du mußt Dir wirklich eine feinere Ausstattung leisten. Ich werde Dir beim Einkäufen helfen. Antike Möbel vor allen Dingen, das macht das Atelier stilvoll.
Sage mir nur, Juga, was beabsichtigst Du eigentlich mit Deinem Erscheinen hier? fragte er, indem er sich neben sie setzte. Er bot ihr eine Cigarette an, und nun rauchten sie beide.
Ich will malen, antwortete sie; und da unser größter Meister ins Exil gegangen ist, reiste ich ihm nach, um meine Studien unter seiner Leitung fortzusetzen.
Und Dein Mann?
O, er war schließlich wirklich so unerträglich, daß ich es unmöglich länger mit ihm aushalten konnte. Er sprach jeden Tag von Dir. bis ich mich so entsetzlich nach Dir zu sehnen begann und Deine Abwesenheit nicht länger aushalten konnte.
Solör wurde unruhig.
(Forttetznng folgt.)
Preis-Liste.
Landarbeit
Mk. 18.— tt 3 ®» n 25.—
70.-
Kleiderschräuke, 1-th.
do. 2-th.
Küchenschränke I
Spiegelschränke, Nnßb., matt ». bl.,
Eleg. Büffets, reich geschnitzt, innen ganz Eichen,
Cleg. Eichen-Flurtoiletten Verticows mit hohen Aufsätzen Nußb.-Kommoden mit 4 Schubladen und Vorban Wasch-Console und -Kommode» Ausziehtische Ottomanen, )
Einzelne Sophas, / eigene
Eleg.Salongarnitnren,) An- Sopha u. 4 Sessel, \ fertiguug in Plüsch, '
Compl. Betten und Zimmer-Einrichtungen m großer Auswahl außerordentlich preiswerth.
Alle Arten Spiegel, Stühle, Tische,
Lnxnsmöbel re. 1646
Garantie für mir prima Fabrikate.
Ferd. Marx Nachf.,
_ 8. Kirchaasse 8.
145.—
50.—
30.—
23 — 18.— 25 — 35 — 35.—
180 —
Zwiebeln
Pfand « Pf. Tchwalbacherf
Und 85 Pf.
Kür
3 * Msktientiler- u. MMnllvOr-Mndler. ^
i Flaschenkasten $
§ aller Är-sten mit Leder-, Eisen- u. Lochgriffen sind zu »
’S bezieht» zu Fabrikpreisen durch
Franz Hunger,
Arantensiraffe 15.
§
Hns Getränk fies neuen Jahrhunderts:
St. Raphael -Wein!
Quinquina
Ein aus altem spanischen Wein und den auserlesensten Vegetabilien erzeugtes Getränk Frankreichs, dessen wunderbare Wirkung auf den Körper allgemein anerkannt ist.
Reizt den Appetit! Fördert die Verdauung!
Regt die Kräfte an!
General-Vertreter für Wiesbaden: Bt. Heilt®, Neugasse 2.
Wie neu wird Jeder
mit Bechtel's Salmiak-Gallseife gewaschene Stoff jeden Gewebes, vorräthig in Pack, zu 20 und 40 Pf. bei
Louis Schild, nur Langgasse 3, E. Mocims,
Ed. Brecher, W. H. Birk, I Lendie, Hielt. Scyb. Auch ,um Teppichreinigen sehr bewährt! 1937
Din la Ia Thee’s der Firma
1 ». E. Thuer6, Utrecht (Holland),
in Wiesbaden nur zu haben bei
Apotheker Otto Siebert, Drogerie,
neben dein Iionigl. Schloss. 12681
Bad haus zum Kranz,
I.an^gasse 50, liehe UrnnzylaU.
Thermal-Bäder ä 60 Pf.,
grunz neu eingerichtet. 15493
Jlöblirtc Zimmer I. Etage.
Prima Kochbirnen
per Pfund 15 Pf., per Centner 14 Mk. 1998
«ehr. Hattemer, Friedrichstrabe 47, Laden.
Irr» Sturmschritt
jagen sich die Erfindungen. Im Wettlauf der Waschmittel ist Ist. ToilipSOlTS M«II- nUlver, Marke Schwan, das erste aller Beifenpulver, unerreicht an der Spitze ge- geblieben, weil es, alle Fortschritte der Technik nützend, noch heute von derselben gleich- massigen, unübertrefflichen Güte ist wie damals, als es das ein*!»» Seifenpulver war.
Alleiniger Fabrikant: Krnat biegli», Püneldorf.
(Ho. 817) F11»
