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Dienstag, 6. 5tpril 1913.
Abend-Ausgabe.
Nr. 158. * 63. Jahrgang.
Der Krieg.
Der Unterseebootskrieg.
Neue Beute unserer Tauchboote.
iv. T--B. London, 5. April. (Nichtamtlich.) Der kleine englische Dampfer „Olvine" wurde zwischen der Insel Guernsey und Calais torpediert. Die Bemannung ist gerettet. — Der russische Segler „Herme s" wurde auf der Fahrt nach Mexiko auf der Höhe der Insel Wight torpediert. Die Bemannung ist gerettet.
W. T.-B. London, 6. April. (Nichtamtlich.) „Central News" melden: Der englische Kohlendampfer „City of Bremen" wurde bei Landsend torpediert und ist gesunken. Bier Mann sind ertrunken.
Br. Rotterdam» 6. April. (Eig. Drahtberichr. Ktr. Bin.) Reuter meldet aus Lissabon: Der 60 Meilen von Kap Finistere durch „U 28" versenkte englische Dampfer war das Schiff »South Point", das 3837 Tonnen mißt und der Norfolk and American Steamshipping Co. angehürt.
Die Furcht vor ven deutschen H-Sooten.
Berlin, 6. April. (Ktr. Bln.) Wie der Londoner »Standard" wissen will, beabsichtigt die englische Regierung cmzuordnen, dass wegen der verschärften Tätigkeit der deutschen Unterseeboote alle britischen Handelsschiffe die englischen Häfen nur des Nachts verlassen dürfen. Holländischen Nachrichten zufolge hätten bereits seit geraumer Zeit alle Schiffe die englischen Häfen nur des Nachts verlass-en.
von Engländern aufgebrachte norwegische Dampfer.
Bruch deS „freien Geleites" für unsere Beamten in Nen- Guinca.
Christiania, 4. April. (Ktr. Bln.) Der Dampfer „Ber- gensfford" der Norske-Amerika-Linie, Bergen, mit der zweiten Abteilung unserer in Australien gefangen gehaltenen Kolonialbeamten ans Deuffch-Neu-Guinea an Bord, war seit 31. März überfällig. Außer den Passagieren hatte der Dampfer auch eine für Norwegen bestimmte reiche Ge- tveideladung mit. Wie nunmehr bekannt wird, wurde der Dampfer von den Engländern aufgegriffen und nach Kirkwall, dem Haupthafen der Orkney-Inseln, cingc- schleppt. Nach dem „Daily Telegraph" ist ein zweiter norwegischer Dampfer mit einer Ladung Lebensmittel von einem englischen Kreuzer in GrimSbh eingebracht worden. ?llso ein neuer Neutralitätsbruch der Engländer.
Der Organisator deS englischen neuen Anwcrbeplanes — ein Deutscher!
Das englische Kriegsministerium hat laut „Morningpost" vmn 27. März einen neuen Soldaten-Anwcrbc§lan genehmigt und den Major Sir Franris Trippel offiziell ehrenamtlich mit der Durchführung beauftragt. Trippel ist nur natura- l i s i e r t e r Engländer, nach Geburt und Erziehung Deutscher und war vor seiner Übersiedelung nach England Offizier im deutschen Heere. „Morningpost" fragt die Regie- rung vorwurfsvoll, ob nicht eine noch ungeeignetere Wahl möglich gewesen wäre.
Anzeichen von Rriegsmüdigkeit in England.
Londoner Stimmungsberichte, die über Havre und Holland in Brüssel eintreffen, lassen kaum noch einen Zweifel darüber, daß die Kriegsstimmung auch in England angesichts der geringen bisher erzielten Erfolge merklich abzuflaucn beginnt. Wie auf ein gegebenes Zeichen haben nicht bloß die Regierungsblätter, sondern auch die Zeitungen des Harm- worth-Konzerns, der die eigentliche Hetzpresse umfaßt, die bisherigen Fansarentöne über die Vernichtung Deutschlands, den bevorstehenden Vormarsch der Verbündeten nach Berlin usw. eingestellt. Nach englischer Ansicht wäre, wie die „Deuffche Tagesztg." meldet, die Möglichkeit von Friedensverhandlungen gegeben, wenn Deutschland auf die Räumung Nordfrankreichs und Belgiens eingehen wollte, aber die dauernde Festsetzung der Deuffchen in dem von ihnen okkupierten westlichen Küstengebiet wäre eine derart ständige Bedrohung Englands, daß dieses einen endlosen Krieg diesem Zustand vorziehen müßte. Das ist die in allen englischen Kreisen verbreitete Anschauung. Es ist weiter zweifellos, daß der unverkennbare Stillstand > n der Rekrutierung, die Wahrnehmung von der Unbesiegbarkeit der Deutschen, die erhebliche Schädigung des britischen Welthandel? durch den deutschen Unterseebootkrieg und schließlich die zunehmende Gärung in der englischen Arbeiterschaft die englische Siegeszuversicht und Kriegslast stark herabgemindert haben.
Der „Urlaub" Greys.
Berlin» 6. April. (Ktr. Bln.) Laut verschiedenen' Morgenblättern meldet der „Corriere dcll! Sera" aus Lissabon das Eintreffen Grehs im englischen Hauptquartier in Frankreich. Greh beabsichtige, sich von dort ins französische Hauptquartier und dann nach Paris zu begeben.
Verzögerung der Abreife der „Lusikania".
Gerüchte über Entweichen des „Eitel Friedrich".
Lr. Amsterdam, 6. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der »Daily Ghronicle" meLöet aus New Dorf: Die Abreffe des großen CunaMampfers „L u s i-
tanlia" ist.hinausgeschoben worden. Das Gerücht, daß der Dampfer „Prinz Eitel Friedrich" aus Newport News entwichen sei, hat g r o ß e Aufregung unter den Passagieren verursacht, die größtenteils auf den Dampser „New Dorf" übersiedelten. Eine Armee von Geheimpolizisten bewacht die „Lusitania". Von der Cunardgeselbschaift ist bekannt gegeben, daß die Verzögerung der Abreise nicht auf das Gerücht von dem Entkommen des „Eitel Friedrich" zurückzuführen ist, sondern lediglich auf den furchtbaren Sch n e e st u r m.
Kein Alkohol mehr am englischen Hofe.
London, 6. April. (Eig. Drahtber. Ktr. Bin.) Nach cmftlicherMitteilung vom 5.April werden am königlichen Hofe künftig Wein, Bier und andere geistige Getränke nicht verwendet.
Erleichterungen zum Ankauf beschlagnahmter deutscher Dampfer in England.
W. T.-B. London, 4. April. (Nichtamtlich.) Die englische Regierung stellte den englischen Reedern, die beschlagnahmte deutsche Schiffe kaufen wollen, frei, die Kaufsumme in vier Raten zu zahlen, die erste bei dem Kaufabschluß, die drei anderen binnen Jahresfrist. Französischen Reedern wird dieselbe Vergünstigung zuteil, sofern der französische Staat die Garantie übernimmt.
vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.
Generaloberst von Rluck auf dem Wege der Genesung.
Berlin, 6. April. (Ktr. Bln.) Die Heilung der Wunde des Generalobersten v. Kluck nimmt, wie der „23. L.-A." berichtet, -einen befriedigenden Verlauf. Der Kronprinz, Prinz Adalbert, zahlreiche Bundesfürsten -und die Attaches neutraler Staaten hätten sich nach dem Befinden des Generalobersten erkundigen lassen.
Lin deutsches Luftschiff über der Reede von Dünkirchen.
W. T.-B. Dünkirchen, 6. April. (Nichtamtlich, Meldung der Agenee Havas.) Ein deutsches Luftschiff überflog gestern nacht -die Reede. Es wurde jeidoch von einem Torpedoboot -bemerkt und kehrte zu ben deutschen Linien zurück.
Deutsche Bomben auf feindliche Drte.
W. T--B- Lyon, 5. April. .(Nichtamtlich.) Der „Nouvcl- liste" -erfährt aus Hazebrouck: Eine Taube hat am Donnerstag Armentihres mit 7 Bomben belegt. Eine Zivilperson wurde getötet, 3 englische Soldaten und 7 Zivilisten würben verwundet. Eine andere Taube überflog am 3. April Haverskcrke und warf Bomben ab, die mehrere Soldaten verwundeten.
\V. T.-B- Paris, 5. April. (Nichtamtlich.) Rach dem „Tcmps" wurde cnnSamstagvorinittcrg S t. D i e zum sechsten- mal von eineni deuffchen gtugjeug bombardiert, das 4 Bomben abwarf. Eine Bomöc verletzte 3 Personen, die übrigen richteten nur geringen Sachschaden an.
Nene feindliche Bombenwürfe auf Müllheim.
Vir. 37 - 15 . Müllhrim, 0. April. (Ktr. Karlsruhe.) Feindliche Flieger warfen am Osternrontag 6 Uhr drei Bomben außerhalb der Stadt ab. Drei auf einem Spaziergange befindliche Damen. Geschwister im Alter von 80 bis 60 Jahren, wurden getötet.
von der pserfront.
Br. Haag, 6. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die „Daily News" berichten aus Dünkirchen: Der Kampf an der Dscrfront nimmt neuerdings das Gepräge eines Artilleriekampfes an. Bon deutscher Seite wird verhältnis- mäßiq sparsam gefeuert, wäbrend namentlich von den Franzosen ziemlich großer Mnnitionsanfwand getrieben wird. Fortgesetzt kommen riesige Mengen Artillerie- munltion hinter der englischen Front an. Man erwartet für April entscheidende Vorstöße in die deutsche Front der südlichen Dserlinie. Man trachtet namentlich Leng, Douai, Ostroucourt, Lille und Roubaix wegen ihrer rn-. dustriellen Bedeutung für die Deckung des französischen Heeresbedarfcs zurückzugewinnen,. Bemerkenswert ist die jetzt erfolgte Bildung einer Automobil- maschin engewehrtruppe, die sich durch große Beweglichkeit auszeichnet. 400 dieser Räder mit Geschützen sind jetzt an der Front angekommen. Ihre Zahl soll bis 18. Mai auf 1200 gebracht werden.
Die Stärke der Berbündeten.
Br. Kopenhagen, 6. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Nach einer Pariser Meldung der „Politiken" hat man im Hauptquartier der Verbündeten die Truppenstärke der Verbündeten mit 2 800 000 einschl. der Reserven berechnet. Die Zahl der deutschen Truppen an der Westfront sei ungefähr die gleiche. Das englische Expeditionskorps wird jetzt auf 700 00 0 Mann gebracht werden.
French weiß nichts zu melden.
Bon der holländischen Grenze, 6. April. (K. Z.) Sir John French hat seine zweimal in der Woche erwartete Mitteilung
über die Kriegsereignisse am Donnerstag nicht herausgegebcn, weil nichts zu melden sei.
Verurteilung eines Frcmdenlegionärs.
Br. Genf, 6. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Das Pariser Kriegsgericht verurteilte den Sergeanten der Fremdenlegion Wilhelm Schönberg aus D a r m st a d t yu 7 Jahren Gefängnis, weil er nach Kriegsausbruch verschwieg, daß er früher deuffcher Offizier gewesen ist.
Französische Unfreundlichkeiten gegen Spanien.
Aus Barcelona wird berichtet: Am 26. März hat sich die englffche Blockadeerklärung zum erstenmal ffir Spanien insofern fühlbar gemocht, als der von Genua kommende italienische Dampfer „Regina Elena" auf hoher See von frcmzösi- schen Kriegsschiffen angehalten und gezwungen wurde, etwa 350 nach Barcelona bestimmte Pakete auszuhälckigeri. Bon der beabsichtigten Beschlagnahme der Post nahm man auf den energischen Einspruch des italienischen Kapitäns hin Abstand. Der Dampfer wurde etwa acht Stunden aufgehälten. Die Beschlagnahme der Pakete geschah zweifellos wider alles Recht, da diese sich schon ein bis zwei Monate in Genua befanden. also lange bevor die Blockadeerklärung von Deutschland abgesandt wurde. Eine große Anzahl spanischer Fabrikanten und Kaufleute hat bereits Beschwerde gegen die französisch-englische Mockadcerklärung bei der Regierung in Madrid eingerercht.
Zwei Deutsche von einem spanische» Dampser weg verhaftet.
W. T.-B. Lyon, 6. April. (Nichtamtlich) Nach einer Meldung des „Nouvellffte" aus Nizza traf der „Gorte" in der Nacht vom 2. zum 3. April den spanischen Dampfer „Theresa Faoregas" auf der Höhe von Kap Camarat an. Der Dampfer wurde nach Nizza gebracht. Bei der Durchsuchung fand man im Gepäckraum zwei Deuffche. die verhaftet wurden.
Belgische Rlagen über Framkreich.
Alles in Frankreich ist sehr teuer, schreibt nach dem „Limburger Koerier" vom 30. Mürz ein belgischer Soldat an seine Frau in Deutschland. 50 Gramm Tabak kosten 50 Cent. „Ich wünschte, daß ich hier fort wäre!" Belgische Soldaten., die vor dem Krieg in Deutschland wohnten, werden in einer besonderen Kompagnie im Camp de Ruchard untergebracht, sind ohne Gemeinschaft mit anderen Soldaten und werden wie Kriegsgefangene behandelt. Belgisches Papiergeld ist in Frankreich nicht gangbar!
Französische Fliegermärchen.
Amsterdam, 3. April. (Ktr. Bln.). Der Berichterstatter des „Tijd" berichtet aus Sluis vom 2. April: „Das amtliche französische Commuuique von gestern meldet unter anderem, daß Mittwoch von einem französischen Flieger Bomben auf den Bahnhof Brügge geworfen worden seien. Es ist gut, daß der französische Heeresbericht das Ziel des Fliegers angegeben hat, sonst hätte -niemand es gewußt. Ohne Schaden anzurichten, sind nämlich die Bomben auf der Rachbarhaltestelle Brü.gge-St. Pieter niedergefallen. die etwas außerhalb Brügges an der Landstraße von Brügge nack Blankenberghe liegt. Nur eine bei einer Mühle stehende Pumpe wurde vernichtet. Da die Bomben so weit vom Bahnhof ab niedergefallen sind, ist kein einziger Brügger auf de» Gedanken gekommen, daß sie eigenllich für Brügge bestimmi waren." Derselbe Berichterstatter wendet sich entschieden gegen die Phantasie Meldungen gewisser niederländischer Blätter, wonach Seebrügge und Umgegend in den letzten Tagen fortlvährend durch feindliche Flieger bombardiert worden seien. Er sagt, an diesen Tagen seien allerdings drei Flugzeuge umhergeflogcn, um Erkundungen zu machen, aber es seien deutsche getvesen und die hätten doch wohl keine Bomben geworfen.
Der Schutz der Kunstwerke in Brügge.
Amsterdam, 3. April. (Ktr. Bin.) Der „Maasbode" berichtet aus Brügge, daß auf Veranlassung der deutsche» Behörden alle dort tu Sicherheit gebrachten Kunstwerke wieder auf ihre alten Plätze in den Museen gebracht worden sind. Die Deutschen haben, wie das. Blatt weiter meldet, den Halleturm als Beobachtungspostcn eingerichtet, um feindliche Flieger im Auge zu behalten, von, denen den Museen Gefahr drohen könnte.
Einfuhrcrlaubnis für Zuckerrrübensamcn nach Belgien.
W. T.-B. Brüssel, 5. April. (Nichtamtlich.) Das durch eine Verordnung des Generalgoiwerneurs am 6. Februar erlassene Verbot der Einfuhr von Zuckerrübensamen nach den besetzten Teilen Belgiens ist aufgehoben worden.
Oie Berliner Presse zum diplomatischen Erfolg in Sachen der Leutnants von Schierstädt und von Strachwitz.
Berlin, 6. April. ,Ktr. Bln.) Zu der Meldung des W. T.-B., wonach die beiden in französische Kriegsgefangenschaft geratenen deuffchen Leutnants v. Schierstädt und Gras Strack Witz vor Deportation bewahrt blechen, schreibt der „Berliner Lokal Anzeiger": Nun ist doch, wenngleich r e i ch l i ch s p ä t, die französische Regierung zu der Erkenntnis gekommen, daß die Behandlung der beiden gefangenen preußischen Offiziere unwürdig und ungesetzmäßig war. Die beiden Leutnants taten vor der Gefangennahme nichts, was der Soldatenpflicht zuwiderlief. Wenn sie trotzdem gleich Verbrechern ins Zuchthaus geworfen wurden, so hat dies der
