Berlag Langgaffe 21
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Sonntag, 4. Kpril 1913.
Morgen - Ausgabe.
Nr. 157. . 63. Jahrgang.
Nriegs-Gstern.
Das Fest der Auferstehung kommt uns in diefern Jahre mit seinem Ernst und mit seinen Hoffnum- g e n als ein besonders feierliches und schönes Symbol vor. Nach all dem Leiden und Tod. der Vernichtung und der Verzweiflung, wie sehnt sich da die Menschheit nach Licht und Frühling, nach Erlösung und Auf-
Kl lieyuiiüi .
Im religiösen Leben bedeutet Ostern den Sieg der Gottheit, des Guten über Neid und Hast, Schwäche und Verworfenheit. Das Licht triumphiert über die Finsternis. Und auch im Völker leben muß uns ein Ostern erblühen, ein Aufwecken aller garten und gesegneten Kräfte nach der tiefen Nacht der Völlkerferndschoft, der Aufrüttelung aller giftigen und verderblichen Elemente in der Welt.
Wir Rutschen feiern Ostern in dieseni Jahre mit gutem Gewissen und aufrechtem Sinn. Wir haben die Finsternis des Krieges nicht gewollt, Kaiser und Kanzler haben sich ehrlich bemüht, bis zum letzten Moment, wo die nationale Ehre es zuließ, das Unheil abzuwenden — nicht nur vom eigenen geliebten Vaterlande, sondern vom Erdenrund überhaupt. Denn dieser Krieg, das wußten wir alle, nmßte die ganze Welt in seine zermalmenden Arme nehmen; er mußte Unglück und Vernichtung allüberallhin bringen. Mit verbrecherischer Energie, ohne eine Spur von Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber Völkern, Menschen und Geschichte ist von unseren Gegnern der Krieg heraufbeschworen worden. Die heilige Idee des Friedens und der Eintracht zwischen den Nationen ist geschändet und ans Kreuz geschlagen war- den. Hekatomben von Blut sind über die Schlachtfelder geflossen. Lüge und Verleumdung, Frevel über Frevel sind ausgeheckt und vollsührt. Es schien so, als ob alle schlechten Geister, die je in der Welt- goschichte ihr Unwesen getrieben haben, sich vereinigt hätten, um ihren Unmt und Geifer zu verspritzen gegen Deutschland und seine Verbündeten.
Aber Wahrheit, Licht und Recht setzen sich zuguterletzt doch überall durch. Der Optimismus, der daran glaubt, daß die Kultureniwicklung der Menschheit trotz aller Rückfälle doch sich allmählich aufwärts bewegt, er wird auch angesichts dieses gewaltigen Krieges zu seinem Rechte kommen. Auch hier wird die gute Sache triumphieren über all die Habgier und Niedrigkeit, die dem deutschen Volke seine gesunde Aufwärtsentwicklung mißgönnen und das Deutsche Reich zertrümmern wollen.
Aus Ungeinach und Leiden, Krankheit und Tod wird für unser Volk — des sind wir gewiß — in absehbarer Zeit, nach der ruhmvollen Durchführung der kriegerischen Ziele die Erlösung, der Frieden, die AUfer st e h u n g vom Übel folgen. Und wir glauben, daß für den deutschen Gedanken in der Welt nach der schweren Prüfung, die unser Volk mit Tapferkeit und Geduld, mit freudiger Kraft und sittlichem Ernst durchmachen muß, eine neue Zeit der Blüte heraufkommen. wird. Wir Deutschen wollen wahrhaftig nicht, wie es uns unsere Gegner andichten, die Herrschaft über die Welt erringen; wir gönnen jeder Nation ihren ehrlich erworbenen Platz an der Sonne; aber wir wollen die Stellung inl Rate der Völker erreichen, die uns nachder Höhe unserer Kultur, unserer wirtschaftlichen unh geistigen Erfolge zukommt. Wir wollen nnd wetderr. eine, Auferstehung feiern aus der Kleinheit und Engigkeit unserer bisherigen politischen Ge- samtanffassnng heraus zu einer mehr Welt- politischen Auffassung unserer nationalen Aufgaben und Ziele. Der Krieg wird uns nach dieser Richtung hin zu einem großen und heilsamen E r.
z i e h e r werden.
Zunächst aber regiert noch Mars die Stunde. Und unsere erste und wichtigste Aufgabe ist es, überall der starken und zähen Gegner' Herr zu werden, die uns bedrohen. Unsere Truppen haben, erfüllt vom herrlichsten Geist der Vaterlandsliebe, übermenschliches ge- leistet, und sie werden auch in den künftigen Kämpfen die deutsche Wasfenehre Hochhalten. Der Sieg sei niit ihnen — das ist der tiefste Wunsch, den wir alle zu Ostern für sie hegen, und wir Daheimgebli eb c- nen wollen uns ihrer würdig erweisen durch freudiges Ertragen kleiner Unbequemlichkeiten, durch wirksame Arbeit im Dienste des Allgemeinwohls und der sozialen Fürsorge! ,
Der Grundgedanke des Osterfestes ist der, daß die Liebe, die Aufopferung für die Mitmenschen stärker ist als der Tod. Die Kriegsostern von 1915 predigen in ruhmvollen Worten die Kunde von der Aufopferung Tausender und Abertausender für ihre Wolksgenossen. Auch diese Opfer werden ihre Früchte tragen — in einem größeren und freieren Deutschland):
OerRaubzug der Nüssen nach Tilsit
Aus dem Großen Hauptquartier wird uns über den geplanten Russeneinfall in Tilsit und die im dortigen Grenzgebiet. vom 18. bis 29. März stattgehabten Kämpfe das Folgende geschrieben:
Als die Rüssen gegen Mitte Februar die von ihnen besetzt gewesenen Teile Ostpreußens schleunigst verlassen mußten und dann nach der Winterschlacht die Reste ihrer 10. Armee hinter den Riemen und Bobr retteten, mutzte es sowohl in Petersburg als bei den Verbündeten.peinlich berühren, daß das russische Heer nun überall von Feindes Boden vertrieben war. Da es der neuen 10. Armee nicht gelingen wollte, gegen Ostpreußen Raum zu gewinnen, auch alle gegen die Südgvenze dieser deutschen Grenzprovinz unternommenen Angriffe scheiterten, so verfiel man auf den Plan, sich in Besitz des äußersten Nordzipfyls Ostpreußens zu setzen, um wenigstens durch diese „E r- o b e r u n g" deutschen Gebietes die gedrückte öffentliche Meinung in Rußland neu zu beleben.
Zu diesem Zweck wurde die sogenannte R i g o- Szawla-Gruppe gebildet, die aus dem größeren Teile der 68. Reserve-Division, Reichswehren und Grenzschutztruppen Mlsammengesetzt und dem Befehle des Generals Apuchtin unterstellt wurde, der Mitte Mörz seine Truppen gleichzeitig aus Memel und Tilsit in Bewegung setzte. Die Ereignisse von Memel sind bekannt. Während die Russen dort den Hunnen gleich hausten, waren am 18. März vor Tauroggen, das nur von vierzehn deutschen Landsturmkompagnien besetzt war, die Hauptstreitkräfte des Generals Apuchtin erschienen. ' Gegen die acht russischen Bataillone der durch Reichswehr verstärkten Infanterie- Regimenter 269 und 270 und. rund 20 Geschütze hatte der deutsche Landsturm einen schweren Stand. Als seine beiden Flanken umfaßt waren, mußte er, um der Gefahr, des Mgeschnittenwerdens zu entgehen, sich auf Laugszargen durchschlagen. Ans dem linken Flügel war dabei die Landsturmkompagnie des Grasen Hagen in eine verzweifelte Lage geraten. Obwohl von allen Seiten von den Russen umstellt, durchbrach sie den Ring und machte dabei noch 50 Russen gefangen. Am 23. März stand der Landsturm mit dem rechten Flügel an den I u r a f l u ß angelehnt bei A b- lenken und in der Gegend nordwestlich davon, die Straße nach Tilsit deckend. An diesem Tage gelang es dem Feinde sich in den Besitz von Wlenken zu setzen. Die Gefahr, 'daß der deutsche rechte Flügel völlig eingedrückt und der Landsturm von der Tilsiter Straße nordwärts abgodrängt würde, lag sehr nahe. An die- sem Tage trafen jedoch die ersten deutschen Verstärkungen ein. Es -war ein Ersatzbataillon aus Stettin, geführt von Major von der Horst, das nach dreißig- stündiger Bahnfahrt in Tilsit angekommen war, dort Kaffee trank und sich sofort nach der bedrängten Stelle in Bewegung setzte. Nach einem Fußmärsche von 24 Kilometer, näherte sich das Bataillon gegen Abend Zlb- lenken und warf die Russen in glänzend durchgeführtem Nachtangriff nach Norden zurück.
Die Krisis war 'dadurch auf deutscher Seite überstanden und -als in den nächsten Tagen weitere Verstärkungen eingetroffen waren, konnte General v. Pappritz, der die Operationen leitete, zur Offen- live übergehen. Das inzwischen eingetretene Tau- Wetter erschwerte die Bewegungen auf den Neben- wegen aufs äußerste. Hier stand das Wasser derart hoch, daß aus einem solchen Wege die Geschütze stecken blieben und die Infanterie bis zum Knie teilweise selbst bis zum Leib im Wasser watete; ein Artillerie- pfevd ertrank buchstäblich auf dem Wege, der in einen wahren Sumpf verwandelt war. Als die Russen die gegen sie eingeleitete Umfassung erkannten, gingen sie hinter die Jura auf Tauroggen zurück. Unsere Truppen, die zum Teil die von den Russen in Memel verübten Greuel dort gesehen oder erfahren hatten, verfolgten, erfüllt von unbeschreiblicher Erbitterung, den Feind, der sich bei Tauroggen verschanzte und vom dortigen hochgelegenen Kirchturme sein Ar- tilleriefeuer gegen die deutschen Verfolger leitete. Diese mußten, uin die eigene Artillerie heranzubringen, zu- nächst einen tragfähigen Übergang über die Jeziorupaschluchr Herstellen, wodurch viel Zeit verloren ging, die der Feind seinerseits zur Verstärkung seiner Anlagen und zum Ban von Hindernissen ausnützte. In der Nähe des Gutes Tauroggen wurde durch die deutsche Infanterie, angeleitet dnrch Pioniere, bei eisiger Kälte — es war inzwischen wieder Frostwetter eingetreten — unter schwierigsten Verhältnissen ein erster Steg hergestellt. Bis zum Abend des 28. wurde ein zweiter Lieg fertig, der als Schnellbrücke über das inzwischen zu Eis. gewordene Master der Jura hinübergeschoben wurde.
Am 29. März, 3 Uhr morgens, waren die Erkundungen beendet. Um diese Stunde begann der Sturm unter Führung .des schon bei Memel vortrefflich bewährten Majors v. Nußbaum, dessen ausgezsicks- netes Bataillon das Zeichen zum Vorgehen auch für die anschließenden Landwehr- und Landsturnrbataillone gab. über das Eis des Flusses hinweg stürmten die deutschen Truppen die feindlichen Schützengräben und setzten sich in Besitz der Stadt Tauroggen. Von drei Seiten angegriffen, gaben die Russen nach schwersten Verlusten ihren Widerstand aus und flüchteten nach Zurllcklassen von mehr als 500 Toten und 600 Gefangenen in die Wälder, nachdem sie in den vorhergehenden Tagen dieselbe Zahl von Gefangenen in deutscher Hand gelassen hatten. So fand der geplante Russencinsall auf Tilsit ein für die deutschen Waffen ruhmvolles Ende. Kein Russe steht mehr auf deutschemBoden.
ver österreichisch - ungsrifche Tagesbericht, vlutigettämpfe in denttarpathen; alleprzemysler
Selagerungstruppen an der Zront.
W.T.-B: Wien, 3. April. (Nichtanitlich.) Amtlich wird verlautbart vom 3. April, mittags: An der Front in den Ost b e s k i d e n sind seit gestern nur im o b e r c n Latorcza-Tale und auf den Höhen südlich Birama Kämpfe im Gange.
Neu eingesetzte russische Verstärkungen zwangen uns, die beiderseits Z i s n a und Be r e z h n h kämpfenden exponierten Truppen etwas zurnckzn- nehmen. Angriffe auf die Stellung nördlich des U z s o k e r- P a s s e s wurden blutig a b g e w i e s e n. Von den vor P r z e m y s l gestandenen ruffischen Kräften sind nun alle Divisionen an der Karpathenfront konstatiert. In Sndostgalizien nnr Artilleriekämpfe.
Vor unserer Stellung zwischen Dnjestr »nd Pruth herrscht nach den erfolgreichen Kämpfe» am 1. April Ruhe.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
Die schweren «arpathenkämpfe.
Br. Berlin, 3. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Über die Kämpfe in den Karpathen enthalten die Berliner Abendblätter erneute ausführliche Mitteilungen ihrer Berichterstatter im österreichisch-ungarischen Kriegspresiequartier. Der Berichterstatter des „B. T." betont, daß jeder durch die Russen an einzelnen Punkten erreichte T e il er folg un er- meßliche Verluste an Menschenleben bedeutet, so das; diese Kampfesweise der Russen, die fortwährend neue Kräfte einsehen, schließlich trotz ihrer großen Menschenvorräte doch dahinführe muffe, daß die Lücken nur mit minderwertigem Material ausgefüllt werden können. Die Teilkämpse seien unendlich heftig. Die Russen konzentrierten jetzt alle ihre Kräfte aus das Zentrum der Kampffront, wo die österreichischen Truppen unter schwierigsten Umständen standhalten müßten, insbesondere müssen sie ihre Stellungen oft wechseln, auch solche, die unmittelbar nicht bedroht seien, aber beim Vordringen des Feindes in einzelne Abschnitte nicht mehr ausreichende Deckung gewährten. So entstehe an der Front eine fort w ä h r en d e S ch w a n k u n g. Die Truppen leisten unter diesen schweren Verhältnissen Wunder an Tapferkeit und stoischer Ausdauer. Der Berichterstatter de? „L.-A." schildert den Schauplatz der großen Kämpfe als in stetem Wechsel begriffen. Ter Angreifer hat es in der Hand, übermächtige Kräfte gegen einzelne Positionen zu' senden. Hier müsse also em- Stelle starren Festhaltens in einer großen Kmnpfftont die Abwehr der feindlichen Offensive in einer nach rückwärts r a umgew in n e nd en (? r - müdungstaktik gesucht werden. Die damit verbundenen Raumverluste werden durch Einbuße der feindlichen Stoßkraft reichlich ausgewogen.
Zur Auszeichnung der Führer der österreichischen Südarmrr.
\y. T.-B. Wien, 3. April. (Nichtamtlich.) Der Armee- oberkommandant Feldmarschall Erzherzog Friedrich richtet an den General der Infanterie v. L e n s i n g und an den General -der Kavallerie Freiherrn v. Blanzer-Balten anläßlich der Verleihung der Auszeichnungen durch Seine Majestät Glückwunschtelegramme. Das an den General v. Len; ing gerichtete Telegranun hat folgenden Wortlaut: Es freut mich auftichtig, Ew. Exzellenz mitteilcn zu können, daß Seine apostolische Majestät, unser Allerhöchster Kriegsherr, in huldvollster Anerkennung der hervorragenden Leistung der unter Ihrer bewährten Führung stehenden und mit uns in brüderlicher Eintracht vereint kämpfenden Südarmee, Ew. Erzellenz das Großkreuz des Lcopoldordens mit Kriegsdekoration und Ihrem Generalstabschef das Militär- verdienstkreuz zweiter Klasse mit Kriegsdekoration zu ver- leihen geruhte. Ich beglückwünsche die tapfere Südarmer zu der allerhöchsten Auszeichnung ihrer Führer nnd ihres Generalstabschefs und hoffe zuversichtlich, daß sie ihre heldenmütigen Anstrengungen mit dem endgültigen Erfolg gekrönt sehen wird." — DaS an den Freiherrn v. Manzer- Balten gerichtete Telegramm lautet wie folgt: „Mit auftich- tiger Freude teile ich Ew. Exzellenz mit, daß Seine apoftol-sch.-
