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Viksbsöemr Tsglilsü.

... .J 8 ;!!?"®* Veilaq: Lanaqasse 27. Sk«r-is«.-Prciöt

«8. Jahrgang Erscheint in zwei Ausgabe». — Bezugs-Preis, durch den Verlag SO Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. «o Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusaimneu.

Verlag: Langgasse 27.

IVMOO Abomrenlen.

sür Auswärts 75 Pfg

AmeMLN-AnNüIttNe bis^11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Auögabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur

^ ^ »achsterscheincnden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen. _ 8 u 8

|t0, 40. _Fernsprecher No. 52. IslMerstag, dkN 23. IttNUltr.

Fernsprecher No. 52.

1980.

Morgen»flusgabe.

Das Ministerium Korber.

(Von u n f e r e m Korrespondenten.)

Wien, 22. Januar.

. Im Lande der Provisorien ist ein neues Ministerium cr- ftcmbcn: Das Kabinett Korber, welches das 29-tägige Ministerium Wittek abgelöst hat und dessen Zusammenstellung der Telegraph bereits gemeldet hat. Das Kabinett Korber soll, trotzdem cs ein Beamte,. Ministerium pur excellence ist, den Beruf haben, eine endliche Stabilisirung der inuerösterreichischen Politik auf Grund der endgültigen Versöhnung der Nationalitäten herbcizuführen. Ob ihm dies große Werk gelingen wird, das wird die Frage zeigen. Den ernsten Willen hat das neue Ministerium dazu und in Balde werden die gemeinsamen Konferenzen der Vertrauensmänner sämmtlicher Ncichsraths-Parteien cs erweisen, ob auch die Möglich­keit der Verständigung vorhanden, die das Land, ja, man 'kann sagen, das Reich, sowie die Krone in gleicher Weise erwünscht. Das gestern in der „Wiener Zeitung" verdffentlichre Programm der neuen Regierung klingt kräftig genug, und, was das Erfreulichste an der Sache ist, es verweist endlich auf den Weg der praktischen Vorschläge, die aus den vielen unfruchtbaren Diskussionen hinaus vielleicht auf die Straße der Verständigung führen werden. Vielleicht?! .... Roch oscillircn die kraftvollen Worte, die der Kaiser zu den tschechischen Dclegirten ge­

sprochen. in den Gemüthern der Politiker nach, in der Volks­seele aber, bei den Tschechen zumindest, weckten sie keinerlei bedeutsames Echo, und der Einwand der tschechischen Abgeordneten, daß sie nicht gegen den Willen ihres Volkes handeln können, ent­behrt nicht der Stichhaltigkeit. Der Appetit des tschechischen Löwen ist durch die ihm von den früheren Regierungen vorgeworfenen Bissen geweckt, und wer weiß, ob die Vorschläge Körbcrs diesen Heißhunger so leicht zu stillen vermögen werden. Die Deutschen sind, soweit die Informationen des Korrespondenten der „Corrc- spondance Internationale" reichen, ernstlich bereit, Frieden zu mache», und zwar auf Grund ihres Psingst-Progranims, das bereits eine Annäherung an die Tschechen bedeutete und

noch mannigfach modifizirbar ist. Allerdings enthält dieses

Programm »n Großen und Ganzen aber auch das Maximum der Konzessionen und das Minimum der Forderungen der

Deutschen. Einzelne Mitglieder, vielleicht sogar Fraktionen der Tschechen, wie der Deutschen haben auch von ihrer kriegerischen Stimmung nicht allzuviel eingebüßt. Aber Alle wissen cs, und das ist das Hauptmotiv der Verständigungs-Absicht, daß das Ministerium Körber Seitens der Krone der letzte Versuch zur Herstellung des Friedens ist, und daß, wenn dieser Versuch entweder an dem Widerstande der Vertrauensmänner oder aber an der Arbeits­unfähigkeit des Parlaments scheitert, dieser Schiffbruch zu­gleich der Schiffbruch der österreichischen Verfassung sein wird. Nach besten Informationen kann die „Corr. Int." erklären, daß der Monarch fest entschlossen ist, falls dieser letzte Appell an die Mitwirkung des Parlaments fedlschlägt, ohne Parlament zu regieren und selbst vor drakonischen Maßregeln nicht zurückzuschrecken, um den oft betonten Staatsnothwendigkeiten genügen zu können, und die Grobmachtstellung der Monarchie durch 'die Regelung der inneren Verhältnisse auch nach Außen hin zu stärken. In dieser Absicht wird die Krone auch durch jene militärischen Projekte bestärkt, von denen Eins und das Andere aus den Delegations-Verhandlungen in die Oeffentlichkcit sickerte und die/ mit einer beträchtlichen Vermehrung der Wehrmacht für die nächste Zukunft im Zusammenhang stehend, unter dem Widerstand des österreichischen Parlaments sicherlich viel zu leiden hätte. Dürfte man in dieser Hinsicht der „N. Fr. Pr." Glauben schenken, so wäre auch in diesem Betracht schon für den Monat Mai eine neue Delegations-Session geplant, um die militärischen Projekte ihrerVcr-

wirklichung zuzuführen und auch auf diese Weise der Stellung Oesterreich-Ungarns im Dreibund Rechnung zii trage». Zugleich mit dem Juslebentretcn des Körber-Ministeriums fliegt auch eine Nachricht auf, die von geradezu sensationellster Wirkung ist. Man Hort davon, daß Se. Majestät bei einem der letzten Familien- diners den ältesten Sohn des Erzherzogs Otto, den 12-jährigen Franz Josef Karl, als den Erben seines Thrones bezeichnet hatte. Es heißt, daß die nächsten Thronbercchtiqten, die Prinzen Franz Ferdinand und Otto, zu Gunsten des Erzherzogs Franz Josef Karl auf Wunsch des Kaisers entsagen sollen. Und zugleich wird das Wort des Herrschers kolportirt: „Mein Erbe soll eine neue Zeit, doch alte Ordnung vorfinden. .. ."

Aus Stadt und Land.

Wiesbaden, 25. Januar.

o. Kaisers Geburtstag wird Seitens der hiesigen Garnison in der in den letzte» Jahren üblichen Weise gefeiert, d. h. ohne Parade. An deren Stelle tritt um '/»12 Uhr Mittags ein Regimentsappell auf dem Kaserneubof. Im Ucbrigen finden großer Zapfenstreich am Vorabend (Freitag Abend), und am Festtage selbst Wecken, Kirchgang und die herkömmlichen Festlichkeiten in den Compagiiiecu, bestehend aus theatralischen Aufführungen und Tanz, statt.

— Rrichsbaulr. Aus Anlaß de? Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers ist das Banklokal der Rcichsbank ani 27. Januar nur VorinittagS von 8 bis 12 Uhr geöffnet, wie aus einer Bekannt­machung der Rcichsbank in den heutigen „Amtlichen Anzeigen des Wiesbadener Tagblatts" hervorgcht.

o. Der städtische Dern»alt»««gs-Kericht für 1898 ist gestern erschienen und an die Mitglieder der städtischen Kollegien, sowie die sonstigen städtischen Verwaltungsorgane und die Presse vertheilt worden. Wir werden auf den Inhalt in nächster Nummer zurückkommen.

— NeichshaUru-Thruter. Die älteste hiesige Spezialitäten- bühne, das „Reichshallen-Theatcr" in der Stiftstraße, bat unter der neuen Direktion des Herrn Söllner in jeder Hinsicht einen merklichen Aufschwung genommen. Herr Söllner versteht cs sehr gut, unter dem großen Heer der Artisten nicht nur die beste Aus­wahl z» treffen, sondern auch die einzelnen Programme recht ab­wechselungsreich und interessant zu gestalten. Dabei sind die Ein­trittspreise verhältnißmäßig billig und so kann es nicht fehlen, daß der Besuch von Programm zu Programm lebhafter sich gestaltet. Auch die gegenwärtigen Darbietungen üben eine große Anziehungskraft aus und wer sich einmal herzlich anslachen will, der gehe in die „Reichshallen" und höre sich die originellen und urkomischen Improvisationen des hier von früherem Auftreten her bereits vortheilhast bekannten Adolf Goedicke, genannt „Der Grcifenbcrger", eines Humoristen von altem Schrot und Korn, au. Daneben sorgen noch die Kouzertsängerin Elsa Wiosna, die Gebrüder Donatus als Kraft-Akrobaten an hängenden Seilen, Hermann und Marie Alexandrini mit ihrem Picolo-Thcater, die Schwaiger-Truppe als vielseitige und gewandte Parterre-Akrobaten und Jongleure, das jugendliche Vergißmeinnicht-Quartett mit seinen Liedervorträgen und Tänzen, die Charakter-Sängerin Liesa Mario, die Eldöra- Truppe mit ihrer Schattenpantömime, die jugendliche Soubrette Lime Nanon, sowie die Excentrics- und Boxer-Parodisten Brothers Docson für einen recht amüsanten Abend.

— Strastrnkprrrr. Die östliche Fahrbahn am Bismarck­ring, zwischen der Bertram- und der Äleichstraße, wird zwecks Neupflasterung auf die Dauer der Arbeit für den Fuhrvcrkehr polizeilich gesperrt, ebenso der Reitweg in der Wilhelmstraße zwecks Verlegung auf die Dauer der Arbeit für die Benutzung und der Hauptfahrdamm der Rheiustraße zwischen der Kirchgasse und Schmalbacherstraße zwecks Aufbruchs für bte doppelgeleisige Straßenbahn auf die Dauer der Arbeit sür den durchgehenden Fuhrvcrkehr.

— Kleine Dlotizen. In der Heilsarmee, Franken­straße 13, wird heute Abciid 8'/, Uhr Kapitän Dähn, um vielseitig geäußerten Wünschen nachzukommen, einen Vortrag über „Die Entstehung, Entivickclung und gegenwärtige Ausbreitung der Heils­armee in allen Ländern" halten. Der Vortrag verspricht für die Freunde und bisherigen Besucher der Heilsarmee sehr interessant zi» werden. _

* Aue r Umgebung. Die Weinhandlung Brogfltter ». Finck (Inhaber Gcbr. Brogsttter) in Rüdesheim stiftete für die verwundeten Buren 300 Flaschen Aßmannshäuser Rothwein.— Der Kommunallandtag des Regierungsbezirks Cassel wird zum 19. Februar d. I. nach der Stadt Cassel berufen. — In Hoch­heim trank ein Arbeiter der Champagnerfabrik, Namens Kilb, aus Versehen aus einer Flasche mit Säure und verbrannte sich innerlich derart, daß er unter den furchtbarsten Schmerzen verstarb. — In Waldaubach wurde der seitherige Bürgermeister, Herr August Thomas, nach dreißigjähriger Dienstzeit einstimmig wiedergewählt. — Der Golfsprudel m Homburg hatte in der letzten Zeit sehr nachgelassen. Nach einer Spülung der Röhren mittels Wasserleitung und darauf folgende Abpumpnng des Golssprudels wirft der Sprudel wieder m 24 Stunden eine sehr kohlensäure- und salz­haltige Wassermcnge von 40 Kubikmetern; mithin ebenso viel als sämmtliche anderen Quellen zusammen. — Herr W. Doß in Schaumburg, der am 1. Juni d. I. sein 25-jähriges Jubiläum feiern kann, wurde von Sr. Hoheit dem Fürsten von Waldcck das Patent als „Fürstlicher Rcritcibiichhalter" verliehen. — Der irr Bockenheim in Garnison stehende Husar Martin von Oberems war dcscrtirt, hat sich aber vor einigen Tagen dem Bczirks- kommando in Dietenhofcn gestellt. Martin war von einem englischen Werber in Mainz angeworbcn worden, um gegen die Buren zir kämpfen. Auf einer Station im Großherzogthum Luxei»burg kam ihnen die Polizei auf den Nacken und der Engländer ließ Martin einfach sitzen. Aller Baarmittel entblößt, wandte sich nun M. wieder über die Grenzen zurück und stellte sich den Behörden. — In Ra mb ach wurde am verflossenen Sonntag von Herrn LandeS- sckretär R. Bonte aus Wiesbaden im „Lokal-Gewerbevercin" ein Vortrag über Feucrsgefahr, Feuerschutz und Feuerversicherung nebst Vorzeigung von Feuerwehr-AusrüstungSgegenständen abgehaltcn, der sehr lehrreich, leider aber nur schwach besucht war.

Ans Kunst und Leben.

b. Franlifnrtrr Gprrnhnns. 23. Januar. AlbertLortzings Oper „R c a i n a", welche in der TKumarbeitung von Adolph LÄrrongc jüngst im Opernhause in Berlin ihre Neuaufcrstehung fand, ward heute zum ersten Mal auch bei uns gegeben. Erster und dritter Akt ein Achtungserfolg; und der zweite Akt machte da» Publikum auch warm. Denn in ihm sind wirkliche Perlen Lortziugscher Genialität. Im Allgemeinen hat man den Eindruck, daß starke Kürzungen dem Werke in seiner Wirksamkeit unendlich wohlthätig wären, denn Zopfigkeitcn sind gar so viele recht breit ausgespoiineii. Man wird bei der notorischen Arniuth in der modernen Opernlitteratur das Werk vielfach jetzt anf- führcn. Die Anwesenheit des Herrn Professors Mannstaedt aus Wiesbaden bei der heutigen Premiere läßt darauf schließen, daß auch bei Ihnen die Oper bald gegeben wird. Wir brauchen also Ihrem eigenen Urtheil nicht vorzuarcifen und können uns darauf beschränken, zu sagen, daß unsere Aufführung unter Leitung des Herrn Kapellmeisters Wolfram und Regisseur Kor schön eine durchaus zu lobende war. Von den Solisten brillirte in erster Linie unser stimmgewaltiger Bariton Naw iasky neben den Herren Pichler und Grceff. Die Titelrolle sang Fräulein Bossen- b e r g e r mit schönen Mitteln, aber etwas farblos in der dramatischen Ausgcstaltuiig.

* Verschiedene Mittheilnnge». Frau Kammersängerin Luise Reuß-Bclce absolvirte am letzten Sonntag in Mann­heim ein Gastspiel als Brünnhilde in der „Walküre". Die „Neue

Realismus und Idealismus.

Von vr. v. GroUnan.

I.

Betrachtungen anläßlich der Trübner-Ausstellung.

Die populärste Auffassung vom Wesen der Kunst ist noch heute die des Lessingschen „Laokoon". In diesem zeigt sich der große Kritiker noch völlig von der Idee beherrscht, die Kunst bestehe in der „Nachahmung" und nur in dieser, d. h. in der Wiederholung der Natur im Bilde. Da sie aber gleichzeitig den Zweck hat „zu vergnügen", so muß sie sich auf die Darstellung „des Schönen", d. h. des von Natur aus Schönen, beschränken. Denn es ist klar: wenn der Künstler nichts Neues zur Natur hinzubringt, so kann die Wiederholung de? Häßlichen im Kunstwerk dem Beschauer nicht zur Freude gereichen. Deshalb muß Lessing auch das „Stillleben", da er keinen Sinn für Farbenschönhcit hat, für ebenso unwürdig der „Nachahmung durch die Kunst" erachten wie die Darstellung häßlicher Bauern, die die Niederländer übten.

Die „Erfindung" des Künstlers sah er nur darin, daß derselbe möglichst viele in der Außenwelt vorhandene Schönheiten gewisser­maßen sammle und in einem Bildwerk vereinige.

Nur der Umstand, daß ihm die „Schönheit" als oberstes Prinzip erschien, hinderte ihn, die weitere Konsequenz seines Standpunktes zu ziehen: nämlich, daß das Kunstwerk, das doch nur die Natur „nachahmt", umso höher stehen niüsse, je genauer es die Wirklich­keit vortäuscht, aber sicher hätte er nichts gegen den Satz cinzn- wenden gehabt, daß das schönste Modell, in möglichst täuschender Wiedergabe dargestellt, auch das „schönste" Kunstwerk geben niüsse.

Diese Auffassung, die Kunst nach dem Grade der erreichten Illusion zu messen, hat sogar kürzlich, freilich unter allscitigem Wid rspruch der Aesthetiker, aber ebenso allgemeiner Zustimmung des Publikums — so versichert wenigstens der als Kunsthistoriker hoch angesehene Verfasser — in einem besonderen Buche eine wissen­schaftliche Vertretung gefunden. Der Autor dieses Buches erkennt zwar an, daß die Darstellungsmittel in jeder Kunst eine technisch bedingte Veränderung des Nachbilds gegenüber dem Urbild der Natur verlangen, — so kann der Bildhauer nicht jedes einzelne

Haar im Marmor wicdcrgeben — aber abgesehen davon, mißt er den Werth des Kunstwerks nach der Stärke und Kraft der Illusion, sicht er die Veränderungen, die die Natur im Kunstwerk erfahren muß, damit cs Kunstwerk wird, als objektiv, nicht als subjektiv durch die Natur des Künstlers bedingte an. Er leugnet letztere zwar nicht, aber sie sind ihm nicht das Wesentliche. Folge­richtig bricht er den Stab über dem „Idealismus" und erklärt den „Realismus" als die einzige gesunde Kunst. Den Genuß, den das Kunstwerk gewährt,findet er dementsprechend nur in der angenehmen Täuschung, jener hebt sich nur dann selbst auf, wenn diese so weit getrieben wird, daß sie nicht mehr als solche erkannt wird.

Das Gros der Laien versteht es, beide Standpunkte zu ver­einigen, es sucht den Genuß in der Vortäuschung einer im Leben vorhandenen oder als wirklich gedachten Schönheit: „Wie ähnlich!" und „Wie schön!" sind die beiden Schlagworte, in denen vor Porträts oder Jdealdarstellungcn sich diese Auffassung Luft macht.

. Heute führt uns nun Wilh. Trübner, ein Realist vom reinsten Wasser und einer unserer bedeutendsten Künstler, der sich seit circa 2 Jahren in Frankfurt a. M. niedergelassen hat, in dem Bangerschen Kunstsalon eine große Reihe ferner Werke vor und zugleich ermög­licht er cs uns, den Geist, aus dem sie geschaffen sind, nicht nur aus ihnen selbst zu erschließen, sondern auch durch seine eigenen Worte, die er in einer Broschüre*) niedergclegt hat, zu kontrolliren.

Geht der Realismus nun wirklich auf eine, sei es auch be­grenzte Täuschung, auf möglichst große Illusion aus? Trübner sagt darüber: „Wenn es darauf abgesehen ist, bei der Nachahmung nach der Natur die Täuschung hervorzurufen ..... so kann eine solche Leistling immer nur als Knnststück, nicht mehr als Kunstwerk bezeichnet werden." Freilich, meint der Künstler weiter, stehe man auf dem Gebiete der bildenden Künste mit dieser Einsicht noch weit zurück, sonst wäre es nicht möglich, daß man „die künstlerischen Fähigkeiten des Apelles noch immer dadurch zu beweisen glaube, indem man von ihm erzählt, er habe ein Früchtestillleben gemalt, das nicht nur die Menschen, sondern auch die

Vögel zu täuscheil im Stande gctvesen wäre." Weil solche Dinge aber immer den größten Eindruck beim Publikum machten, käme cs, daß oft die kleinsten Talente, welche über eine gewandte Hand verfügten, „das größte Aufsehen erregen, und um- gekehrt die größten Genies in Ermangelung dieser Eigenschaften fast unbemerkt ihre Laufbahn vollenden könnten". Und weiterhin: Nicht durch die in der Natur der Technik begründeten, erlernbaren Vcrändernngen der wicdergegcbenen Natur, sondern durch die aus der Individualität des Künstlers fließenden, entstünden erst „die Werke höherer, individueller Kunst". Trübner unterscheidet ferner diese äußere Treue als das „akademische Können" ausdrücklich und gegensätzlich von dem „rein Künstlerischen".

Mit anderen Worten: Nicht die Verwirklichung der möglichst großen Illusion innerhalb der durch die Kunst bedingten Grenzen, sondern die möglichst vollkommene Verwirklichung der künstlerischen Anschauungen und Intentionen ist es, welche das Kunstwerk macht. Deshalb werden wir auch in ihm nicht das finden, was wir all­täglich in der Natur zu schauen gewohnt find — was Hütte es auch für einen Zweck, uns das mit doch stets unzuläng­lichen Mitteln zu wiederholen! — nein, nur das werden wir finden, was Ihn in Anschauung derselben bewegte, wodurch sich Ihm ihr Charakter offenbarte und wodurch Er zur künstlerischen Produktion angeregt wurde. Nichtig bleibt es schon, daß der Künstler nach Illusion zu streben habe, weil sein Werk Wirklichkeit nicht minder sein soll wie Idee, nämlich Wirklichkeit, dargestellt im Lichte der gestaltenden Idee, und weil er, wenn er jene vernachlässigt, unglaubwürdig werden muß. Aber die Illusion, die „Aehnlichkeit" ist nicht Selbstzweck der Kunst, sie ist nur Ccmditio sine qua non, die selbstverständliche Grundlage, ohne die sie nicht wirken kann, weil der Künstler ohne sie unverständlich bleibt.

Betrachten wir nun unter diesem Gesichtspunkt die Trübnerschen Werke bei Banger! Sie geben uns freilich nur ein unvollkommne» Bild seines Schaffens, vor Allem schon deshalb, weil die meisten der ausgestellten Sachen nicht seiner jetzigen reifen Höhe, sondern seinem ersten Jugcndschaffen vor 25 bis 30 Jahren angehören. Dennoch zeigt sich der Künstler schon durch die ganze Auswahl der Kollektion, mit der er uns zum ersten Mal entgegentritt, in einer

*) „Die Verwirrung der Kunstbegriffe", 2. Aufl. Preis 2,40 Mk.