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Beilage zum Wiesbadener Tagblatt.

Mo. 39. Akend Ausgabe._ Miltmoch, den 24. Januar.

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Mein Bestes, schwur einst Frau Natur,

Im Weibe mögt ihr's schauen:

Mit Lchrlingsband schuf ich den Mann,

Mit Meisterhaud die Frauen.

R. BurnS.

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(34. Fortsetzung.) (Nachdruck dcrboteu).

„Die Gnrasierin".

Roman aus der indischen Neuzeit von Earl Tanera.

Eine wahre Purpurröthe übergoß das schöne Gesicht. Dann drückte sie ihm zärtlich die Hand und sagte: „Ge­liebter Mann."

„So ist es schön, Du holdes, wonniges Wesen, Du meine theure, angebetete Frau! Also höre! Ich will Dir heute, am ersten Tage unserer Ehe, das herrlichste Kunstwerk zeigen, das die Erde kennt, den Tadsch-Mahal. Es ist die großartigste Moschee, welche es giebt, umgeben von einem zauberhaften Garten und so gut erhalten, als ob der ganze Bau erst in diesem Jahre vollendet worden wäre."

„Und er steht schon lange?"

„Ueber 260 Jahre. Er ist der Grabpalast der Lieblings- Gemahlin des Schahs Jehan, einer Perserin Namens Ardschmand-Bann. Sie erhielt aber den Ehrennamen Tadsch-Mahal, das heißt: Schatz des Palastes. Der Schah hat kolossale Summen auf diesen Bau verwendet, aber auch wirklich ein bis da unerreichtes Kunstwerk geschaffen."

„Er hat sie also sehr geliebt?"

„So wie er nur lieben konnte. So wie ich Dich, wie wir uns lieben. Macht es Dir nicht eine Freude, gerade heute ein Werk zu sehe», welches einem solchen Grunde seine Eilistehuttg verdankt?"

„Eine unsagbare Freude. Wie sinnig hast Du Dir das amsgedacht. Wir sehen also jetzt das schönste Liebes- denkmal der Erde."

„Ja, und da die Liebe die herrlichste Gottesgabe ist, die wir Sterbliche besitzen, und keine Empfindung die Menschen zu solchen Kunstwerken begeistert, wie gerade die Liebe, so ist es überhaupt der schönste Ban der Welt ge­worden. Dort siehst Du das Thor vor uns."

Gleich darauf hielt der Wagen vor einer langen, rolhen Sanvsteinmaner, in deren Mitte eine hohe Kuppelhalle die Stelle des Eingangsthores vertrat. Der Graf warf Jranawadu die Zügel zu, sprang zur Erde, hob seine Frau aus dem Wagen und schritt mit ihr in die Halle. Dieselbe machte durch ihre gewaltige Höhe, durch die schönen Formen und die reizenden Marmoreinlagen einen imponirenden Ein­druck. Als aber Westfcld seine Gattin durch die Kuppel hindurch nach dem jenseitigen Ausgang führte und mit den Worten: „Der Tadsch-Mahal" vorwärts zeigte, da blieb Alice stehen und blickte lautlos auf das Wunderwerk, das sich vor ihr enthüllte. Auch der Graf sprach kein Wort, um ihr Zeit zu lassen, sich zu fassen. Endlich rief sie: „Das ist ja zauberisch, so märchenhaft, daß mich ein wahrer Schauer ergriffen hat, daß mir einen Moment der Athem >u stocken drohte. Das ist ja überwältigend."

„Ja, wahrhaftig; es ist überwältigend. Mit Recht rennen die Mohammedaner diesen ihren herrlichsten Bau sinen „Marmortranm". Ich sehe nun den Tadsch zum »irrten Male. Aber sein Anblick ergreift mich wieder mit ier gleichen Macht wie das erste Mal."

„Und mich, mich hat er wirklich erschüttert. So etwas haben Menschen geschaffen! — Das ist ein Denkmal der Liebe! — Ich weiß gar nicht, wie ich Dir danken soll, Du heißgeliebter Mann, daß Du mir am ersten Tage unseres Eheglücks ein solches Kunstwerk zeigst! Daß wir hier umhergehen, erscheint mir wie ein Wandeln in einem

Heiligthuni. Es hat mich ein tiefes Gefühl der Andacht erfaßt!"

„Du kleine, liebe Schwärmerin. Nun komm, nun wollen wir das herrliche Werk und den Zaubergarten näher be­trachten."

Sie schritten über die Stufen der Eingangshalle hinab und traten in einen der schönsten Gärten, den Alice je in ihrem Leben gesehen. Er zeigte zwar nicht die tropische Ueppigkeit der Anlagen von Ceylon. Aber er gewann da­durch sehr an Reiz, daß in ihm auch die dunkleren Schatten­linien subtropischer und nördlicher Bäume, vor Allem von Cyprcssen und Steineichen vorkamen. Kurz, was die nörd­liche heiße Zone an Prachtbäumen hervorbringt, was Kunst und Natur in dem gesegneten Klima Nordindiens vermögen, das sahen der Graf und seine junge Gattin vor sich. Ueberall grünte, blühte und duftete es. Bunte Papageien schwirrten durch die Luft; Singvögel zwitscherten in den weiten Marmorbassins unter großblättrigen Wasserpflanzen dahin. Wie in einem Liebcshain wandelten die Glücklichen in diesem Garten umher. Jetzt richteten sie die Blicke vor­wärts. Das stolzeste Marmorwerk der Erde, der Tadsch- Mahal erhob sich vor ihnen.

Grün und farbig die Umgebung, dunkelblau der Hinter­grund des wolkenlosen Himmels, und darin die weiße leuchtende Moschee mit ihren Minarets, Kuppeln, Aufsätzen, Thürmchen, alle mit vergoldeten Spitzen besetzt! — Das war ein unbcschreibbarer Zauber.

Alice hielt ihren Gatten immer wieder zurück, um sich ganz dein Eindruck dieses Märchenbildes hingeben zu können. Dann rief sie in höchster Begeisterung aus: „Sieh' nur, ge­liebter Mann, welch ein Reichthum an Marmor- und Edelstein-Anlagen, an Marmorgitterarbeiten und Marmor- Reliefs! Wie verschwindet dagegen Alles, was wir bisher gesehen!"

Ihr Erstaunen erreichte den höchsten Grad, als sie er­kannte, daß dieser Tadsch-Mahal nach allen vier Seiten gleich reich, gleich prächtig ausgeführt, und daß ebenso das Innere von oben bis unten aus reinstem, tadellosestem Marmor hergestellt worden war. Als sie allein mit ihrem Gatten in der Halle neben dem Marmorgiller stand, welches das Grabmal der Tadsch umschließt, da schmiegte sie sich wieder an ihn .und flüsterte leise: „Wie unsagbar muß der Schah Jehan diese Frau geliebt haben! Der Bau hat jedenfalls viele Jahre beansprucht?"

„Zmeiundzwanzig Jahre."

„lind in der langen Zeit hat er sie nicht vergessen?"

„Nie. Er hat selbst die Arbeiten überwacht und nicht eher geruht, bis das Liebesdenkmal vollendet war."

„Eine solche über das Grab hinansgehendc Liebe giebt es doch selten."

„Das will ich nicht sagen. Freilich kam hier dazu,, daß sie jung starb und daruni nur in der schönsten Eriitilcrung bei dem Schah blieb."

„Glaubst Du, er hätte sie eher vergessen, wenn sie in späteren Jahren oder ganz alt gestorben wäre?"

„Man kann das nicht so ohne Weiteres entscheiden. Im Allgemeinen ist es naturgemäß, daß sich auch die feurigste Liebe im Lauf der Jahre etwas ernüchtert. Sicher bewahrt man an eine junge in ihrer Vollblüthe gestorbene Gemahlin eine schwärmerischere Erinnerung als eine schon dem körper­lichen Verfall zuneigende. Freilich tritt dann oft an die Stelle der schwärmerischen, leidenschaftlichen Trauer die durch die Dankbarkeit und die langjährige Gewohnheit des Zusammenlebens erzeugte. Ein Gatte, der seine angebetete junge Frau verliert, ist trostlos und wünscht sich den Tod, weil ihm ein Stück seines Herzens herausgcrissen wird. Ein Mann aber, der nach etwa 30 oder 40 Jahren eine geliebte Frau verliert, ivird mehr hülflos als trostlos sein. I Die treue Lebensgefährtin wird ihm überall fehlen; er wird I

48. Jahrgang. I960.

nicht mehr die Einsamkeit ertragen können, und mehr aus diesem Grunde, als weil sein Herz getroffen wurde, ihr nachtrauern."

„Da wäre es ja das Schönste für eine Frau, jung zu sterben."

„Oft mag das zutreffen. Dann hat sie die Wonne eines kurzen LiebesglückcS genossen und bleibt von den hier und da im Leben eintretenden Enttäuschungen, vor dem Berklingen der Liebe bewahrt. Aber der Schah Jehan hätte seiner Tadsch vielleicht auch ein Dauerglück bereitet. Es läßt sich also in diesem Falle doch schwer beurtheilen, was für die Perserin Ardschmand-Bauu das Glücklichere geivescn wäre."

Hinzutretende Fremde verhinderten den Grafen, weiter zu sprechen. Er führte Alice um das Grabgitier herum zum Ausgang zurück. Die junge Frau dachte noch einige Augenblicke über das letzte Gespräch nach, und wie ein Refrain für dasselbe stieg in ihr der Gedanke auf: „Lieber jung sterben, als ein Verklingen der Liebe erleben."

Sobald sie aber aus dem prächtigen Portal schritt und wieder den herrlichen Garten vor sich sah, da war es vorbei mit allem philosophischen Grübeln, da genoß sie den Anblick dieser zauberhaften Natur und genoß im vollsten Maße die Wonne, ein solches Märchenland an der Seite ihres Enrico als dessen angebetetes Weib durchwandern zu können.

Das junge Paar besah sich noch von der Terrasse aus die Landschaft jenseits des Flusses Dschumma, beobachtete einzelne große in der Dschumma umherschwimmende Schild­kröten und promenirte dann langsam zum Gartenthor. Dann kehrte es im Tilbury im flotten Trab nach Agra zurück.

Am Nachmittag besahen sich Wcstfeld und Alice Sikan- dara, und am folgenden Morgen fuhren sie auf den Wunsch von Alice wieder nach dem Tadsch-Mahal. Sie waren fast ebenso wie beim ersten Sehen entzückt und begeistert. Auch am folgenden Tag kehrten sie nach diesem Glanzpunkt von Agra zurück. Bald waren sie mit allen Gängen und Wege« des Gartens, mit allen Details des Tadsch-Mahal selbst vollständig vertraut. Daher konnte auch der Graf bei der dritten Besichtigung einem ihn um Auskunft bittenden jungen Engländer und dessen Gemahlin sehr guten Bescheid geben. Dies bildete die Ursache, daß sich sowohl beide Herren als auch die jungen Damen eingehender über den Bau mit­einander unterhielten und sich hierdurch näher kennen lernten. Bald stellte es sich heraus, daß sich auch das englische Paar ans der Hochzeitsreise befand und mit Westfeld und seiner Gattin ini gleichen Hotel wohnte. Nun machten sich die Herren gegenseitig bekannt, und der Graf erfuhr, daß der Engländer ein Lord Currie sei. Man spazierte noch einige Zeit im Garten zusammen auf und ab, dann kehrten West­feld und seine Gattin nach Agra zurück, das englische Paar wunderte nochmals zum Tadsch-Mahal.

Beim Dinner fügte cs der Zufall, daß die beiden jungen Paare gegenüberliegende Plätze bekamen. Man unterhielt sich ausgezeichnet und fand immer mehr Gefallen an einander. Daher verabredeten die beiden Herren für den folgenden Tag eine gemeinsame Wagenfahrt nach Fatepnr-Sikri. Die Partie fand unter den günstigsten Verhältnissen statt, und Westfcld bemerkte es mit größter Freude, daß seine Gattin von dem Lord und seiner Gemahlin mit ausgesuchtester Höflichkeit behandelt wurde. Am folgenden Morgen traf die Baronin ein. Auch diese schloß sich bald an das reizende englische Paar an, und beim Tifsin Tags darauf wurde verabredet, daß von nun an an den Vormittagen sowohl die Baronin als jedes der jungen Ehepaare seine eigenen Wege gehen sollte, an den Nachmittagen aber gemeinsame Partieen unternommen würden.

(Fortsetzung folgt.)

Uom Kiichertisch.

— Vom Musikalicnmarkt. Von dem 1896 verstorbenen Paul Kuczynski sind neuerdings in verschiedenen Musikstädten

— wie s. Z. auch hier in Wiesbaden — größere Chorcompositioncn zu Gehör gebracht worden. Da die Aufmerksamkeit auf de» sympathischen Tondichter gelenkt blieb, hat die Vcrlagshandlung von P. Denekc, Berlin W., Recht daran gethan, auch einige kleinere nachgelassene Werke auf den Markt zu bringen; sie sind geeignet den Namen Kuczytlski auch in weiteren Kreisen bekannter zu machen. Namentlich gilt dies von einem Heft „Ländler" f. Clavier zu 4 Händen — sehr feine und liebenswürdige Musik. „Andante und Scherzo" f. Clavier zu 2 Händen athmct so etwas wie Schnbert'schc Lyrik und sei ebenfalls bestens empfohlen. — Der seit Kurzem in Wiesbaden ansässige To-.,instier I. tz. Bonawitz hat während feines langjährigen Aufenthalts in England und Amerika eine Anzahl grauerer Werke geschrieben und ausgesührt, die sehr wohl verdienen auch in Deutschland gehört zu werden. „Stabat Mater" op. 48 und „Requiem" op. 50 erfreuen durch natürlich empfundene Tonsprache, und cs sind besonders alle zarteren Parthieen, welche einen angenehmen und wohl auch tieferen Eindruck hinterlassen. Ueber eine Oper „Irma" läßt sich nach dem Clavier-AuSzug selbst­redend kein abschließendes Urtheil fällen; aus Anlage und Technik spricht jedenfalls auch hier der feingebildete Musiker. — Ein auf- kliminender junger Autor Antonio Müller-Herneck ist schon wiederholt an dieser Stelle genannt: seine neue Tenor-Ballade „Das Glück von Edcnhall" (Verlag von Stcyl und Thomas, Frankfurt) verrätst ebenso viel Talent als guten Wille». Ein tieferes Eindringen in die Gesetze der Kunst und damit eine mehr selbst­ständige Entwickelung wird noch von der Zukunft zu erwarten sein.

— Die Firma Breitkopf & Härtel versendet soeben No. 60 ihrer „Mitthcilungcn": Wir erfahren, daß die Gesammt-Ansgabe der Werke von I. S. Bach mit dem 46. Bande nunmehr zum Abschluß gelangt ist; demnächst beginnt man mit einer Gcsamint- Ausgabe der Werke von H. Berlioz, für deren kritische Redaktion u. A. auch Felix Weingartner gewonnen ist. — Die Firma F. E. C. Leuckart in Leipzig versendet ein in Wiesbaden gewiß interef- sirendes Heft: „Vcrzeichniß der Compofitionen von Nie. v. Wilm". Der beste Thcil allen Talentes ist der Fleiß: für die umfangreiche Thätigkeit, die sich in den Zahlen und Titeln dieses Bändchens offenbart, giebt es kein besseres Motto. An 200 Werke auf allen Gebieten der mnsikalischcn Composition! Wir siudeu Kammermusik

(darunter das bekannte Strcichsextett op. 27), Pianoforte-Musik — als das Feld, auf welchem Wilm feine eigentliche Bedeutung erlangte (es fei erinnert an die beliebten „Schneestocken", die „F-moll- Phantaste" und die „Suiten" für 2 Hände, die „Nordlandfahrt" und sonstigen Werke für 4 Hände) und endlich eine große Reihe von Gesaugs-Compositionen, unter denen besonders die „Mehr­stimmigen geistlichen Motetten" op. 40 und „Frauen-Terzette" op. 80 und viele Einzel-Lieder (an 20 Hefte) Beachtung fanden. Das mit dem Bilde Wilms geschmückte „Verzeichniß" wird nicht verfehlen einer immer weiteren Verbreitung der Compofitionen wirksam nachzuhelfen. — Der „Kunstgesang", Zeitschrift für Berufssänger und Gcsangsfreunde (Herausgeber Prof. Schultze- Strelitz, Berlin Vf.) hat seinen 4. Jahrgang begonnen, und behauptet iu der musikalischen Tagcslitteratur seinen festen Platz. Zn der ersten Nummer beginnt ein Leitartikel „Sprachgesang" von Jitl. Hey. Die für Sänger und Gesangsfrennde hier nicdergelegten Ansichten des Berliner Gcsangmeisters verdienen allseitigc Beachtung. Besprechungen neuerer Werke schließen sich an. Scbultze-Strebtz bringt ein Mahnwort gegen die jetzt so beliebten mechanischen Hülfs- mittel beider Tonbildung: „Kehlkopf mit der Hand herunterdrücken" und wie die neumodischen Torturen alle heißen. Rückkehr zur Natur — predigt der „Kunstgesang" mit Recht. 0. 1).

* Die Grundlchren der Elektricität und ihre moderne Verwendung. Gemeinverständlich dargcstellt von P. Gallus Wenzel, Professor und Adjuuct der Sternwarte in Kremsmüuster. Mit 38 Abbildungen. (8 Bogen. Octav. Geb. 1.50 Mk. A. Hart- lebeu's Verlag in Wien.)

* Die im Verlage von Alfred Schall in Berlin Vf. erscheinende, von Prof. Oe. A. Kirchhofs herausgegebene „Bibliothek der Länderkunde" ist ein monumentales Werk, würdig des höchsten Interesses und Unterstützung nicht nur der Fachgelehrten, sondern aller Gebildeten. Nach dem letzten Prachtbande „Italien" erscheint als Band V/VI mit Unterstützung der Kolonial-Abtheilung des Auswärtigen Amtes, der Ncu-Guinea-Compagnie und der Deutschen Kolonial-Gescllschaft soeben ein Werk über das neue Neichsschntz- gcbiet Nen-Gui»ea von Maximilian Krieger, ehemal. Kaiserlicher Richter im Schutzgebiet der Neu-Gninea-Compagnie und Sekretär des Kaiser!. Landeshauptmanns. Mit Beiträgen von Pros. Dr. Freiherr v. Danckelmann (Klimatologie und Meteorologie), Prof. Dr. von Luschau, Ritter pp. (Anthropologie und Ethnologie), Paul Matschie, Kustos rc. (Zoologie), Prof. D>. Otto Warbnrg (Vege­tation). Preis kartonnirt jOriginal-Umschlag) 11 Mark 50 Pf. Der Band ist in Anbetracht der demnächst im Deutschen Reichstage

beginnende» Verhandlungc« eine höchst zcitgeinäße und lehrreiche Veröffentlichung, welche für jeden Gebildeten hohen Werth besitzt, da es die erste und einzige auf authentischen an Ort und Stelle gesammelten Beobachtungen beruhende Darstellung de« australischen Schutzgebietes ist. Die hohe Bedeutung dieses Werkes erhellt am besten aus der thatkräftigen Unterstützung seitens der Kolonial- Abtheilung des Auswärtigen Amtes, der Neu-Guinca-Kompagnie, der deutschen Kolonial-Gesellichaft und der genannten Gelehrten. Wir empfehlen das schöne Werk allen Kolonial-Jnteresseuten auf das Beste.

* Das mit dem 1. Januar dieses Jahres in Kraft getretene

Bürgerliche Gesetzbuch ruft allenthalben eine große Umwälzung in unseren bisherigen Rechtsanschauungen hervor. So macht das „Jllustrirte C o n v e rsa ti o n s - L ex i kon der Frau" (Verlag von Martin Oldenbourg in Berlin) in den uns soeben zngehenden Lieferungen 24 und 25 darauf aufmerksam, daß dev Rechtsbegriff der Mitgift in dem Verhältniß der Ehegatten zn einander dem Bürgerlichen Gesetzbuch vollständig fremd ist. In klarer, jedem verständlicher Sprache, die glücklich zu dem verwickelte» Satzbau des Bürgerliche» Gesetzbuches kontrastirr, setzt das „Jllustrirte Conversations-Lexikou der Frau" auseinander, wie das Vermögen der Frau nnr dem VerwaltungS- und Nutznießungsrccht des ManneS unterliegt und erst durch besonderen Vertrag Gütergemeinschait re. cingeführt wird. Neben der Rechtsstellung der Frau sind auch die Gchiete der Hauswirthschast, Toilette, Frauenerwerb, Gesundheits­pflege 2 t. nicht vernachlästgt, wir erwähne» hier besonders die aus­führlichen Artikel: „Mode", „Massage", „Mädchenerziehung".

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