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Wiesbadener Tagblatt (Abcud-Ansgabe). Verlag: Langgasse 27 ,

No. 37. 48. Jahrgaüg.

0 . Stadta««sch»st. Sitzung vom 23. Januar. Vorsitzender: Herr Buraerinclster Heß. Beisitzer: die Herren Stadtrath Stein, Stadtältcstcr Wagemann und das an Steile des ausgeschiedenen Herrn Stndtaltcstcu Beckel neugewahlte Mitglied Herr Stadtrath Brück. Es liegt nur eine Streitsache vor, welche das Gesuch um die Erlaubnis; zum Betrieb eines feinen Cafes in dem Hause Taunusstraße »3 zum Gegenstand hat. Die Polizeibehörde hat das Gesuch befürwortet, die Gemeindebehörde dagegen hat dasselbe unter Verneinung der Bedürfnißfrage auf Ablehnung begutachtet. Der Stadtausschuh erkennt ans demselben Grunde auf Abweisung der Klage und Verweigerung der nachgcsuchten Erlaubniß.

Wirsdndrnrr Karneval. Der vom Karneval-Verein WieSbadcusia" am Sonntag in der geschmackvoll dckorirten halle der ,,Turngcsellschaft" arrangirte erste süddeutsche Reduer- Vcttslreit für auswärtige Karneval-Vereine verlief aufs Veste, zu- mal mit demselben eine Damcnfitzung verbunden war. Für die Hprcchklassc A. war von den Preisrichtern als Thema: Das

Taschentuch" bestimmt, während für Klasse B.Ein Zukunftsbild vom Ende des 20. Jahrhunderts" als Thema diente. Es erhielten Herr L.Jeckcl von der Frankfniter Karneval-Gesellschaft, gegründet 1874, den 1. Preis in Klasse A. und Herr Kratz von der alten Oberrad er Karneval-Gesellschaft den 2. Preis, während in Klasse B. die Herren Klops-Frankfurt den 1. und Herr Werne, Vorsitzender des Karneval-VereinsPierrette", den 2. Preis erhielten. Die Preise bestanden in prächtigen Humpen und silbernen Tafelaufsätzen nebst entsprechenden Ordensdekoratiouen. In der Ehrcnklnsse mit dem Thema:Ein Glas Wasser" ivurde Herr Jeckel-Frankfurt Sieger und erhielt einen silbernen Orden mit Widmung. Der Ehrenpreis selbst, ein dreistufiger Tafelaufsatz, geht an den VereinAlte Frankfurter Käwcrngescllschaft". Durch humoristische Vorträge re. wurde der Damensitzung Rechnung getragen, die Chorlicder waren verfaßt von den Herren Heideckcr, Mchcr-M., Jeckel-Frankfurt, Kratz-Obcrrad, Vorträge hielten die Herren Essers (Rathsmitglied), Schlegelmilch, Goebel, Gcora-Franksurt und die Jungfer, Reichs­kanzler Vogelfang. Herr Kapellmeister Hofmann brachte einen neuen, derWicsbadensia" gewidmeten Marsch zu Gehör. Eine besondere Ehrung wiirde derWiesbadeusia" noch durch die Anwesenheit des Alt-Reichskanzlers vomDeutschen Karneval-Verein" in San FranziLco in Kalifornien, Herrn Kaiser, zu Theil. Dem Präses des Vereins, Herrn Heidccker, der sich seiner Aufgabe mit Geschick und Umsicht entledigte, wurde von dem Frankfurter Käweru- und dem Düsseldorfer Karneval-Verein eine OrdensaiiSzeichiiung zu Thcil. Ein Tänzchen mit einer Blnmenpolonaise hielt die zahl­reichen Theilnchmer noch lauge zusammen.

Ciin großes KrandunsUickr wüthete in Rhens in der Nacht von Sonntag auf Montag. GegenM2 Uhr brach in dem Anwesen des Johann Gries in der Neugasse zwischen dessen Scheune und Stallung ein Brand aus, der niit rasender Schnelligkeit um sich griff. In kurzer Zeit hatte das Feuer eine Ausdehnung angenommen, die befürchten ließ, daß ein ganzes Viertel des Ortes eingeäschert werden würde. Obwohl so schnell als möglich Hülfe zur Stelle war, konnte doch nicht verhindert werden, daß zwölf Häuser und fünf Scheunen den Flammen zum Opfer fielen. Die Geschädigten sind Georg Bach, dem zwei Häuser abbranntcn, Ph. Graf, Anton Wagner, Joh. Volk, Job. Capellen, Gg. Gras, Bäcker, F. Capellen, Jakob Gärtner, Agnes Theis und Eva Görres. Alle stehen trostlos vor den rauchenden Trümmern ihrer Besitzungen. Im Ganzen sind, derBoppardcr Ztg." zufolge, durch den Brand sechzehn Familien obdachlos geworden.

Giubvuchsdirbstahl. In der Nacht vom Sonntag zum Montag wurde in dem Neubau der Tcigwaaren-Fabrik von Vater u. Co. zu Biebrich ein Einbruchsdiebstahl verübt. Der Dieb drang durch drc von ihm erbrochene Thür des Kesselhauses in das Haupt­gebäude und öffnete die in diesem befindliche Äüreauthür. Aus dem Büre,au entwendete er etwa 100 llo dort aufbcwahrtcr Kupfer­formen, die nicht nur an sich schon einen bedeutenden Werth rcpräscn- tiren, sondern auch für den demnächst zu eröffnenden Betrieb noth- wendig sind. Die Firma bat bereits Anzeige erstattet und eine Belohnung für Ernnttelung des Thätcrs ausgcsetzt.

Krsttzwechstl. Frau Fritz Merkelbach Wwe. hat ihr Haus Jahnstraße 20 an die Eheleute Josef Herber hier verkauft. Die Vermittlung geschah durch Herrn Karl Schmidt, Zimmermann- straße 4. Herr Architekt Philipp Maurer hat sein Haus Kaiser Friedrich-Ring 83 für 08,000 Mk. an Herrn Schreinermeister Karl Müller hier verkanft und von den Herren Privatier Wilhelm Fischer und Steinhaucrmeister Georg Fischer, sowie von Frau L. Wirth und Miteigeuthümcr einen Bauplatz an der Wall Uferstraße für zusammen 31,065 Mk. gekauft. Herr Maurermeister Wilhelm Becker III. kaufte von Herrn Stcin- haucrmeister Georg Fischer zur Arrondirung seines Bauplatzes an der Walluferstraße 3 a 6,50 qm für 10,454 Mk., desgleichen hat Herr Tünchermcister Ph. Hasselbach hier von Herrn Steinhauer- meister Georg Fischer 4 a 53,50 qm zur Arrondirung seines Bauplatzes an der Schierstcinerstraße für 15,468 Mk. gekauft. Herr Bauunternehmer Heinrich Hartmann, Mainzcrstraße 64, verkaufte sein HauS Kapellenstraße 88 an Herrn Rentner

I. A. Hauff hier. Die Vermittelung und der Abschluß des Geschäftes erfolgte durch die Jmmobilien-Ageutur von C. Weyer, Kapcllenstraße i, Hierselbst.

A Main?, 23. Januar. Rh einpegel: 2 m 83 cm Vor­mittags gegen 2 m 94 cm am gestrigen Vormittag.

Sport.

* Aipen-Ucrein. Am 13. d. M. fand im Dameusaal des Monncnhof" dre Generalversammlung statt. Ehe wir auf den Verlauf derselben eingehen, sei den Mitgliedern mitgetheilt, daß das diesjährige Älpenfest am 17. März wieder in den Räumen der Walhalla" abgehalten werden wird. Mitglieder-Versammlungcn mit Vorträgen sind für den 6. und 20. Februar, den 6. und 27. März festgesetzt und finden statt Abends 8'/- Uhr im Damen­saal desNonnenhof". Die Themata werden stets einige Tage vorher durch die Presse mitgetheilt werden. Eraebuiß derGeneral- vcrsammiung: Aus dem Jahresbericht des Schriftführers ist hervor- znhcbcn, daß die Zahl der Mitglieder gegen das Vorjahr uin 26, d. h. von 285 auf 311 gestiegen ist. Tue bergsteigerischen Unter­nehmungen sind ohne jeden Unfall verlaufen. Die deutschen und österreichischen Alpen sind, wie bisher, bei Weitem am meisten das Ziel der Reisenden gewesen. Nach dem Bericht des Hüttenwarts war die herrlich gelcgcneWiesbadener Hütte wieder von fast 400 Personen bedacht, von welchen 127 die Hauptspitze ihrer Umgebung, den Piz Buin, bestiegen. Die Bewirthschäftung der Hütte durch den Führer Ignaz Lorenz hat sich sehr bewährt, sodaß der Kontrakt mit ihm auf 3 Jahre erneuert wurde. Die Finanzen der Sektion sind in bester Verfassung, sodaß die Ausloosung von 25 Antheilschcinen hat stattfinden können. Die Beträge sind beim Kassenwart, Herrn Ludw. Heß, Webergasse 10, in Empfang zu nehmen. Das Beispiel einiger Mitglieder, auf die Auszahlung zu Gunsten der Hüttenban- Kasse zu verzichten, wird der Nachahmung empfohlen. Ausgcloost wurden folgende Numniern: 8, 22, 28, 81, 50, 91, 99, 110, 180, 193, 195, 293, 294, 299, 306, 307, 319, 353, 362, 363, 891, 394, 386, 398, 400. Dem Kassenwart wurde Decharge ertheilt. Die Eintragung des Vereins in das Vereins-Register wurde beschlossen und die Satzungen einer Revision unterzogen. Die Vorstandswahl ergab die Wiederwahl des bisherigen Vorstandes.

* Gislauf. Die Europa-Meisterschaft im Kunst­laufen ist Sonntag für das Jahr 1900 auf dem Halcnsee bei Berlin zum Austrag gebracht. Im Kunstlauf um die Meisterschaft von Europa wurde der Meistertitel wieder dem Meister des Vor­jahres, Herrn Salchow-Stockholm, zugesprochen. Der Zweite des Vorjahres, der Wiener Hügel (Weltmeister von 1899) wurde auch diesmal Zweiter. Im Junior-Kunstlaufen wurde das Mitglied des Berliner Schlittfchuhklubs Syers Erster, Herr Steiner vom Training- Eisklub Wien Zweiter und der Berliner Brabant Letzter. Im Paarlaufen der Herren und Damen errangen die Wiener Geschwister Bosnisch den ersten Platz. Die übrigen drei Paare waren Mit­glieder des Berliner Schlittschuhklubs. Im Paarlaufen für Herren «schienen nur die Wiener Gebrüder Euler am Start.

Gerichtssnal.

<i. Wiesbaden, 23. Januar. (Strafkammer.)So will ich's denn gewesen sein", sagte dcr1862 in Oberwalluf geborene Taglöhncr Johann Scha: und schüttelte seine Mähne.Gut, und ich hab'n dann gestohlen", versetzte daraus der neben ihm stehende Mitangeklagte, der 1867 in R üdesh ci m geborene Nikolaus Schn. Es handelte sich um einen Hundertmarkschein, welchen die beiden Angeklagten am 27. Dezeniber vorigen Jahres in betrunkenem Zu­stande einem ebenfalls betrunkenen Fuhrknccht in einer Wirlh- jchaft in der Bahilhofstraße gestohlen haben sollten. Durch das Geständniß der beiden Leute kam es dann heraus, daß Schn, den blauen Schein gestohlen und Scha. denselben in einer anderen Wirthschnft hatte wechseln lassen. Als man sie am andern Morgen verhaftete, hatte der Eine garuichts mehr und der Andere noch 67 Pfennig, und da in einer tollen Nacht also das Corpus delicti verschwunden war, dachten die beiden Männer, es sei das Beste, Alles zu leugnen. Auf eindringliche Ermahnung hin änderten sie jedoch, wie gesagt, ihren Plan: Sic gestanden. Beide erhalten sie der Eine wegen Diebstahls, der Andere wegen Hehlerei eine Gefängnißstrafc von je 4 Monaten. Der 1873 in Fürth geborene Kaufmann Hans Sch. war als Kommissions­reisender für das hauptsächlich in wollenen Decken und Taschenuhren machende Abzahlungsgeschäft von Friedrich Ricdlcr in.Zürich thätig. Hans Sch., der rnnner eine Partie seiner zum Verschleiß gelangenden Artikel nüt sich führte, bereiste die Schweiz. Eines Tages bekam er Sehnsucht nach der Hcimath; er nahm die Siebensachen, welche er gerade in seinem Musterkastcn hatte, mit auf die Reise nach Deutschland. Er hatte noch eine Dame bei sich, eine Freundin, welche die Reise erheblich theuerer, den Geldbeutel aber nicht runder machte, deshalb versetzte er Alles, was ihm entbehrlich erschien, zunächst aber die Sachen der Firma Ricdler in Zürich. Dieser schickte er zwar die Pfandscheine, auch schrieb er ihr, er wolle in Raten bezahlen, was die Geschichte werth sei, damit war aber Ricdlcr nicht einverstanden. Er ließ den Durchgänger in Wiesbaden verhaften und aus diesem Grunde allein hatte sich die hiesige Strafkammer mit der Angelegenheit zu befassen. Das Urtheil lautet: 2 Monate und 1 Woche Gefängniß, wovon aber 2 Monate als durch die lange Untersuchungshaft verbüßt gelten. Die unzählige Male vor­bestrafte Ehefrau Anna G. von hier, eine Prostituirte, hatte am

2. Januar ein Techtelmechtel mit einem armen, ältlichen Hand­langer. Dabei stahl sie dem Manne das Portemonnaie mit 9 Mk. Inhalt, wofür sie jetzt aufs Neue ein Jahr ins Zuchthaus wandern muß. Wegen Uebertretung eines Paragraphen des Sittengesetzes bekommt sie außerdem noch eine Woche Hast.

Der Krieg in Süd «fr!kn.

DieFranks.Ztg." erhält au? Johannesburg ein Schreiben vom 16. Dezember, in welchem bestätigt wird, daß dre Koffern vom Khama-Stamme, angereizt durch Engländer, die Weißen in Derde- port (an der Nordwcstgrenze von Transvaal) überfallen haben. In einem aus dem Burcnlaqer bei Dcrdcport stammenden Berichte heißt cS: Eine Anzahl Bauersfrauen und Mädchen, darunter welche von 12 Jahren, wurden durch die Koffern gefangen. Nach einem Marsch von 60 Meilen Frauen und Mädchen mit Kindern auf dem Rücken wurden dieselben von vier Kaffern gehalten, damit die englischen Soldaten ihre Gelüste befriedigen konnten. Einige davon liegen jetzt hier im Hospital krank an Syphilis, ich habe sie selbst gesehen. Die Regierung wird die Affidavits (gerichtlich protokollirte Änsfagen) veröffentlichen, aber wenn es durch die ganze Presse geht, wird cs mehr helfen. Unter uns gesagt, die Engländer werden keinen Pardon mehr erhalten." Dazu bemerkt der Briefschrciber in Johannesburg:Unter all den Grausamkeiten, die sich die Engländer schon bisher gegen unsere Verwundeten und Aerzte haben zu Schulden kommen lassen, steht dies doch einzig da, und Sie können sich die Erbitterung vorstcllen, die dies hier hervorruft. Die Engländer behaupten, diesen Krieg zu führen, um uns von einerbarbarischen" Regierung zu befreien, und cs ist unser aller Wunsch, daß wir vor solcher Civilisation bewahrt werden." Abgesehen davon, daß das Geschäft natürlich ganz daniederlicgt, befinden wir uns hier alle wohl und sicher. Lebens­mittel sind nur wenig theurer wie im Frieden, durch die ins Leben gerufene Bürgergarde ist Leben und Eigenthum vollständig gesichert. Von Jedem wird hier anerkannt, in welch großartiger Weise die Regierung sich ihrer Aufgabe gewachsen gezeigt hat. Dies wird auch die' Welt überzeugen, daß unsere Regierung fähig ist, zu regieren, sobald sie nur mit einer friedlichen Äusländerbevölkeruug zu thun und nicht zu befürchten hat, heimlich und hinterlistig von ihren inneren und äußeren Feinden überfallen zu werden. Mit großer Beruhigung sehen wir jetzt der Zukunft entgegen, die Trans­vaal feiuf vollständige Unabhängigkeit bringen wird. Ohne einen Fricdcnsbruch von außen befürchten zu müssen, wird die Regierung sich mit aller Lkraft der Wohlfahrt der Bewohner dcs Laudes widmen können." Aus Aden wird der Pariser Ausgabe desNew Bork Hcrald" unterm 8. Januar gemeldet, daß amerikanische Reisende aus Transvaal, die mit dein DampferKönig" in Aden angekommen sind. Folgendes erzählen: Die gesammten Verluste der

Buren übersteigen nicht 800. Weniger als die Hälfte der er­wachsenen männlichen Buren befinden sich unter Waffen, da die Regierung noch nicht die Dienste Aller verlangt hat. (Soll mittler­weile geschehen sein. Red.) Die Buren haben Munition für 3 Jahre und Pretoria ist mit Proviant für 1 Jahr versehen. Alle Siege der Buren sind gegen an Zahl überlegene britische Truppen ge­wonnen worden. Der Fcldzugsplnn der Buren ist ein rein defensiver. Die britischen Verwundeten und Gefangenen werden sehr freundlich behandelt.

* * *

wb. London, 22. Januar. DasReutcrsche Büreau" meldet aus Kiinberley vom 17. d.: Der Feind beschoß uns heute heftig aus allen seinen Stellungen von Morgens bis 8 Uhr Abends. Das Feuer war hauptsächlich gegen dieRcdouten gerichtet. Bezüglich der Operationen BnllerS war heute bis Abends kein Telegramm vom Kricgsamt veröffentlicht worden. Buller telegraphirte, daß in dem gestrigen Gefecht 1 Offizier und 5 Mann getödtct, 3 Offiziere und 75 Mann verwundet wurden und 8 Mann vermißt werden.

. London, 23. Januar. In der Schlacht am Sonntag er- öffneten die Buren das Artillerieseuer bei Tagesanbruch. General Warren ging um 5 Uhr mit seiner Infanterie vor. Die Artillerie nahm Aufstellung im Rücken und in der Ebene. Die Infanterie rückte bis auf 100 Meter an die Stellungen der Buren heran. Es war vor Allem ein Artitteriekampf der Engländer, bei dem die Buren ihre Truppen mit großer Zähigkeit hielten. Sie hatten an­geblich nur 10 Geschütze im Feuer. General Buller meldet den Verlust eines tobten und eines verwundeten Offiziers und von 21 Mann. 6 Mann werden vermißt. Die Admiralität befahl die Indienststellung von vier Kriegsschiffen für die australische Station, drei für China und eines Kreuzers zum Transportdienst.

London, 22. Januar. DieTimes" veröffentlichen in ihrer zweiten Ausgabe folgende Meldung aus SpearmanS Farm vom 21. d.:'Die Laufgräben wurden von den Buren geräumt und bei Tagesanbruch von den Engländern besetzt; der Feind nimmt eine andere halbkreisförmige Stellung ein. Zweck des britischen Hanptangrisss ist, die feindlichen Truppen durch denVormarsch des rechten Flügel Hildjards in zwei Hälften zu theilen. Die Eng­länder nehmen eine gedeckte Stellung eine halbe Meile von dem Feind entfernt ein.

. London, 23. Januar. Obgleich man in der letzten Nacht ein Telegramm über die Kriegs-Operationen des Generals Buller erwartete, ist ein solches vom Kricgsamt nicht veröffentlicht worden. Dasselbe ließ gestern eine Note anschlagen, in welcher mitgetheilt wird, daß außer der Verlustliste vom Sonntag keine Nachrichten im Laufe des gestrigen Tages eingetrosfen sind. Auch bei den Tclegraphen-Agenturen waren bis heute Morgen keine neue

8$. Januar 1000. Seite S?

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Meldungen eingegangen. Di- Ungeduld des Publikums wächst infolgedessen stündlich.

. London, 22.Januar. Aus Durban wird gemeldet, daß von den Krankenträgern 10 Mann direkt in das Burcnlager marschirten. Dasselbe soll bei Colensoe passtet sein.

. London, 23. Januar.Daily Mail" veröffentlicht ein Telegramm ans Durban, wonach die Offiziere des Freiwilligen- Regimcnts abgedaukt haben wegen der Uuzuträglichkeiten, welche sich zwischen ihnen und den Offizieren der regulären Armee hcraus- gestellt haben. Die znrückqetrctenen Offiziere werden sich nach Kapstadt , begeben, um ihre Klagen der Kap-Regierung zu übermitteln.Daily Mail" drückt die Meinung aus, daß der Konflikt durch die strenge Disziplin bei den regulären Truppen hervorgcrufen wurde, und glaubt, daß Millncr und Roberts den Zwischenfall bald beilegen werden.Daily- Telcgraph" berichtet aus K a p st a d t: Der Transportdampfcr,welcher gestern mit 2600 Mann englischer Truppen in Kapstadt eingetrosfen ist, erhielt Befehl, unverzüglich nach Durban weiter zu fahren. Daily-Telegraph" meldet ferner ans Johannesburg, daß der Gruben - Kommissar Befehl gegeben hat, die Goldmiiien zu schützen.. Die Geschäfte in den Minen gehen bedeutend besser und der Handel nimmt einen neuen Aufschwung. Ein Spezial-Alisschuß ist neuerdings damit beschäftigt, die Papiere der hier weilenden englischeii Unterthanen zu untersuchen. Morning Leader" meldet aus Rew-Aork, daß mehrere Offiziere, welche sich im cubauischen Krieg ausgezeichnet haben, zwei Com- pagnieen bildeten, die binnen Kurzem zu den Buren nach Trans­vaal gehen. Mehrere Blätter bringen die -Meldung, daß ein Beamter des Kriegsministerium erklärt habe, nian erwarte stündlich eine wichtige Meldung vom Kriegsschauplatz.

. Kerstin, 22. Januar. Nach einer Meldung ans Durban ist das deutsche SegelschiffMarie" von den britischen Behörden bedingungslos frcigegeben worden.

. Kerstin, 22. Januar. Wie dieRational-Zeitung" hört, hat die deutsche Negierung sofort Protest gegen die Beschlagnahme der BarkMarie" sowohl des Schiffes wie der Ladung eingelegt. Die Frage, ob und wenn Getreide Kricgs-Contrebande ist, gehört zu den in den englischen Versicherungen an Deutschland offen ge­lassenen Fragen.

. g?anrtf, 23. Januar. Gestern wurde hier ein Meeting zu Gunsten der Buren abgehaltcn. Zahlreiche Redner drückten ihre Bewunderung über die Haltung der Buren aus und beglück­wünschten den französischen Oberst Villcboi, den französischen GencralstabSchef der Buren, zu seinem Erfolg.

Washington, 22. Januar. Gestern Abend fand im Opern­haufe eine zum Zweck einer Sympathiekundgebung für die Buren eiubcrufcne Versammlung statt. Unter der großen Zahl der Anwesenden befanden sich hervorragende Persönlichkeiten und mehrere Kongreßmitglieder. Es wurden verschiedene Reden ge­halten rmd Resolutionen gefaßt, worin erklärt wird, die süd- asrikaiiischen Republiken müßten frei und unabhängig sein mid worin den Buren die Sympathie der Versammlung ausgcdrückt und Mac Kinley aufgefordert wird, seine Vermittelung anzubieten. Weiter wird in denjclben gegen die Verschiffung von Kriegs- muuirion aus den Vereinigten Staaten zu Gunsten Englands protcstirt. Auch in Buffalo fand zu dem gleichen Zweck eine Versammliing statt.

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* Krieg nnd Papier. Die Londoner FachzeitungPaper and Pulp" konstatirt eineHiingersnoth" in Papier infolge der enormenNachfrage, die wegen des Krieges von den Zeitungen auS- geht. Die meisten der großen Londoner Tagesblätter verbrauchen 20 bis 100 Procent mehr Papier, als vor zwei Monaten! Die TagesauSgabc derDaily Mail" z. B. ist von 620,000 Exemplaren im Oktober auf 1,052,000 gestiegen. Die große Papierfirma von Ediv. Lloyd Ltd. erklärt sich außer Stande, neue Aufträge an­zunehmen. Ihre Fabriken arbeiten Tag und Nacht und sie hat Extradampfer gennethet, mm alles erhälttiche Rohmaterial von den Wäldern nach den Fabriken zu schaffen. Die Firma hat ferner die Borräthe kleiner Fabrikanten aufgekauft und erklärt sich im Stande, der Nachfrage noch für ein paar Monate zu genügen. Wenn der Krieg aber länger dauert, wird sie die kleinen Kunden fallen lassen müssen. Aehnliche Berichte kommen aus den englischen Provinzen. Die Papiernoth wird dadurch erhöht, daß kein Papier mehr ans Amerika erhältlich ist, da auch in den Staaten die heimische Nach­frage das Angebot überstiegen hat.

Lehte Nachrichten.

Deve!che»büreau Seroir.

Kerstin, 23. Januar. Die Telephon-Verbindung Berlin-Paris wird vermuthlich Ende Februar dem Betriebe Übergeben werden können. Der Postdirektor von Nancy hat sich im Auftrag der französischen Negierung nach Metz begeben, um mit dem dortigen Postdirektor die nöthigcn Anordnungen für die Er­öffnung zu treffen.

Pose», 23. Januar. Einer Blättermeldnng zufolge ist den höheren Verwaltungsbeamten in der Provinz Posen ein Rund­schreiben ihrer Vorgesetzten Behörde zugegangen, in welchem eine strenge Ueberwachung der polnischen Vereine an- geordnct wird. _____________

wb. Prag, 23. Januar. Im westböhmischen Kohlen­revier hat sich die Lage wesentlich verschlechtert, da weitere 5000 Bergarbeiter die Arbeit eingestellt haben. Im Brüxer Revier haben die Arbeiter dreier weiterer Werke die Arbeit eingestellt. Gegenwärtig wird nur auf drei Schächten gearbeitet. Ein zweites Bataillon ist in Brüx cingetroffen, auch ist die Gendarmerie ver­stärkt worden. Die Konstituirung des Einigungsamtes erfolgt am 25. d. Zur heutigen Abendschicht ist ungefähr ein Viertel der Belegschaft angesahren. Die Lage ist ruhig.

. Prag, 23. Januar Der Verwaltungsrath der elektrischen Straßenbahn zeigte dem Stadtrath an, daß er wegen Kohlen­mangel den Betrieb einstellen müsse. Der Stadtrath beschloß, den Straßcnbahnbetricb vorläufig mit Pferden aufrecht zu erhalten.

Dolkswirthschaftlichrs.

Lrnchtpveise, mitgetheilt von der Preisnotirungsstelle der Landwirthschaftskammer für den Regierungsbezirk Wiesbaden am Fruchtmarkt zu Frankfurt a. M. Montag, den 22. Januar, Nachmittags 12'/- Uhr. Per 100 Kilogramm gute marktfähig« Waare, je nach Qualität, loco Frankfurt a. M.: Weizen, hiesiger, 15 Mk. 25 Pf. bis 15 Mk. 40 Pf., Noggcu, hiesiger, 15 M.-Pf. bis 15 Mk. 15 Ps., Gerste, Ried- und Pfälzer- (neue), 16 Mk. Pf. bis 16 Mk. 50 Pf., Gerste, Wetterauer-, 16 Mk. - Pf. bis - Mk. Pf., Hafer, hiesiger (alter), Mk. Pf. bis Mk. Pf., Hafer, hiesiger (neuer), 14 Mk. Ps. d:S IS Mk. 10 Pf., Raps,

hiesiger, - Mk. - Ps. bis - Mk. - Pf.

Geldmarkt. Coursbcricht der Frankfurter Börse vom 23. Januar, Mittags 12'/» Uhr. Crcdit-Akticn 234, Disconto - Commandit 193.70, Staatsbahn 136.80, Lombarden 27.85, Gotthardbahn - Aktien 141.60, Ccntralbahn., Nord­ostbahn, Union-Bahn, Laurahütte - Aktien 259.75, Gclsenkirchener Bergwerks - Aktien., Bochumer 267.75, Harpener 206.25, 3-proc. Mexikaner., 6-proc. Mexikaner., Italiener 94.10, Dresdener Bank, Dnrmstädtcr Bank, Berliner Handels-Gesellschaft, Deutsche Bank., 4-proc. Spanier 68.10, 3-proc. Portugiesen. Tendenz: still, Montan- werthe weiter fest.

Wien, 23. Januar. Ocsterr. Crcdit-Aktien 234., StaatS- bahn-Mticn 134., Lonrbarden 24.90, Marknotcn 118.15.

Die Abend-Ausgabe enthalt 1 Krilage.

Verantwortlich für den polnischen und feuilltton. Theil: SS. Schulte vsm Brühl, für den übrigen Theil und di« Anzeige»; C. Lötherdt; Leide in Wiesbaden Druck und Verlag der L. Sch cllenb«Itcn Hs!-Duchdru2erri tu WrrSbadelt.