No. 35. 48. Jahrgang.
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Ja. K di? Garderoben des Knchnnscs bei solchem MtS S Unjulaitfliitöt wtrb ntt folctjen Togen hier wieder einmal Ereigniß tuid besonders l>ann, wenn ^l<rtsch>iasse Regenschirme, kothbcspritzte Gummischuhe und feuchte Mantel dabei ein.- Rolle spielen. Rem dies Gedrängel JÄ glaube nicht, daß unsere wackeren KurhauS- dicner für gcwohnllch das Ziel schöner Augen sind, aber so viel flehende Blicke so viel schmeichlerische „Ach bitte" als dann, wenn sie mit unerschütterlicher Ruhe ihres Amtes als Garderobcnhiiter walten, kriegen sie sonst im ganzen Jahr nicht zu genießen. Doch auch an Grobheiten fehlt cs nicht, denn mißlich ist cs, mit dünnen Tanzschuhen auf dem kalten nassen Steincstricht eine Viertelstunde oder mehr zu warten, im fiirchterltchstcn Gedränge geschubst gestoßen, auf die eventuellen Hühncrangen getreten und einen Haufen von Garderobestucken zärtlich im Arm; und niißlicher noch ist dies, wenn man drinnen zu einer bestimmten Frist erwartet wird, wenn ein Er, eine Sic. ein Es jeden Ankommenden mustert mit der stummen Frage, ist Er cs ist Sie es ist Es cs endlich ? Und haben sich die schönen Seelen gefunden un!> sich rn das unheimliche Gewühl hincingcstürzt, sind dicienigcn männlichen! und weiblichen, Abenteurer, die solo auf den MaSken- fang und das Plaifir auSzleheii, kühn in die Menschenivogen gestürzt, dann fangt die Freude und — p-näon — das Schwitzen gewaltig an. Ja, Schwitzen ist Trinnpf, schrecklich zu sagen, denn wo Perrucken, Larven und Kopfaufputz in Aktion treten, da ist'< mit einer kiihlen Denkungsart vorbei, zumal dann, wenn man sich nur mühsam allein oder mit Jemandem am Arm durch die Menschenmenge schieben kann oder gar den Versuch macht, von rechts geschubst, von links gestoßen, von hinten angercnipclt von vorn auf die Zehen getreten, nach dem Klang der Musik rhythmische Bewegungen mit den Gebrüder Beenekens zu machen. Ja schrecklich ist's - aber schön ist's doch, in Sonderheit für den, dem cs glückte, in einem der Scitensäle klucn Tischplatz zu erobern und bei einer Pulle Sekt in das Gcwoge der Masken und Frackträgcr zu schauen, das herandrängt, um auch r,neu Platz zur Atzung und feuchten Erfrischung zu finden und dann zuruckfluthet.
Denn schon besetzt ist jeder Platz
Von Leuten mit und ohne Schatz, fingt Wilhelm Busch. Viel Charakteristisches an Masken sicht man freilich nicht wenn auch das Gesammtbild, nanicntlich im großen Saale, ein farbenfrohes, sehr belebtes ist. Der Domino in jeglicher Gestalt herrscht vor, hier in schwerem Atlas mit allen Chicancn, dort als einfaches Fähnchen", ganz wie Geschmack und Geldbeuteles gestatten. Die Italienerin mit ihrein Tamburin und die Zigeunerin sind nach wie vor sehr beliebt, aber auch an Odalisken fehlt cs nicht, und die Alpen haocn eine Anzahl Vertreter und Berlreterinncn entsandt, von denen einige das Prädikat „fesch" wohl verdienen. Allgemeines Wohlgefallen erregte das eben so decente, als reizvolle Kostüm eines kleinen Elfchcns, halb Rautendclein, halb Schmitter- lingsfcc. Eine schöne Mondfee siel durch ihre gcschmackreiche Toilette auf, nicht minder die prachtvolle Toilette aus der Zeit der DircctoircS. die eine Künstlerin des Residenz-Theaters trug, nachdem man sie kurz zuvor darin im Theater in Schnitzlers „Grünem Kakadu" bewundert hatte. Die beste Charaktepmaske war die, welche, einen alten, vergnügten Herrn vorstellte. Auch an grotesken Erscheinungen fehlte es nicht. Clowns und Nigger zeigten sich ver- riiizelt, Edclhcrrcn, Minnesänger, fahrende Scholaren und Mönche wimmelten allenthalben herum. Ein Herr im Frack hatte sich den Spaß gemacht,die Picdestale zu maskircn, die. schrecklich anzuschcn, als nackte Fuße unter der eleganten schwarzen Hose hervorsahen. Zudem schien er das bekannte Wort Schmul Jtzigs illustriren zu wollen: „Man wascht sich wohl manchmal die Händ', aber doch nienials die Fieß". — Später schien man dem Witzbold aber doch beim Tanz so gründlich auf diese blau-rothen Körpertheile getreten zu haben, daß er cs vorzog, sie abzustrciscn, worauf sie noch eilte Weile, männiglich zuui Entsetzen, Solopartieen im Saal unternahmen. — Die Stimmung war während des ganzen Abends eine außerordentlich sidele, eine echt rheinische Karuevalsstimmung, gehoben auch durch die gute und preiswürdige Mitwirkung der kurhäuslichen Wein- und Speisekarte. Und diese Stimmung hielt au und steigerte sich, wie üblich. Als wir gegen 7*6 Uhr in der Früh den Teüipel der Fidelitat verließen, saßen die Nebeusäle, trotzdem die Musik langst schwieg, noch ziemlich voll, und die Letzten dürften das Schlachtfeld erst am helllichten Tag verlassen haben. Lnün, der „Zweite", der diesmal wohl stärker besucht war, wie je zuvor, hat sriucn alten Ruf einmal wieder glänzend bewährt.
— Geschichtskalrnder. 22. Januar. 1897: f Kardinal Angela Manch,, Bischof von Palcstrina, zu Rom. 1897: f Mar- nrethe, Prinzessin zu Schaumburg-Lippe, zu Bückcburg. 1893: Vlucenz Lachncr zu Karlsruhe, Koniponist und Orchestcrdirigent 19. Juli 1811 zu Rain). 1879: Sieg der Zulus unter Cetewajo über die Engländer bei Jsandula. 1871: Beginn der Beschießung von St. Denis. 1829: * Emilio Marchese Visconti-Vcnosta, herv. Ual. Staatsmann. 1810: * Theodor v. Karajan zu Wien, bedeut. Germanist (-H 28. April 1873 zu Wien). 1788: * Lord Byron zu London, englischer Dichter. 1773: * Droste zu Vischering zu Vorher in bei Münster, Erzbischof von Köln (f 19. Oktober 1845 in Münster). 1729: * Gotth. Ephraim Lcssing zu Kamen;. 1561:
* uekäncis Bacon, Begründer der neueren Erfahrungswissenschaft.
— Personal - Nachrichten. Dem Kaiserlichen General- Konsul in Sofia, Lcgationsrath v. Reichenau, wurde der Rothe Adler-Orden dritter Klasse mit der Schleife verliehen. — Versetzt ist Amtsrichter Ball in Usingen nach Rüdcshcim. — Rcgierungs- rath Schimmelpfennig, welcher im Ministerium des Innern bisher namentlich mit den durch das bürgerliche Gesetzbuch hervor- gcrufencn Aenderungen beschäftigt war, wird ans dieser Thätigkeit knisscheiden und als Bezirksverwaltungsdirektor nach Wiesbaden berufen werden.
WieSbareuer Taablcktt sAbettd-Nnsgade). Berlag: La„ggaffe 27.
22. Januar 1800. Seite S.
Ordens Verleihungen. Bei dem gestern in Berlin ab- gehaltegen Krönungs- und Ordcnsfest haben erhalten den Rothen Adler-Orden zweiter Klasse mit Eichenlaub: Dr. v. Strauß und Torney, Ovcr-Verwaltungsgerichtsrath zu Berlin (früher Polizei- Präsident in Wiesbaden); den Rothen Adler-Orden dritter Klaffe mit der Schleife: Pulch, Oberst und Kommandeur des Infanterie- Regiments Nr. 98, Rabe, Geheimer Regicrungsrath und Landrath Pi Limburg, Völker, Oberst und Kounüandeur des 1. Nassauischen Jnfanterie-Regts. Nr. 87; den Rothen Adler-Orden vierter Klasse: Blau, Forstmeister zu Oberscheld im Dillkreise, Brommundt, Hauptmann im 1. Nassauischen Infanterie-Regiment Nr. 87, v. Estorff, Fürstlich waldeckschcr Schloß-Amtmann und Kreis- Deputirter zu Schanmburg im Unterlahnkreise, Freyschmidt, Hauptmann im 1. Nassauischen Infanterie-Regiment Nr. 87, Gehn er, Major z. D. und Bezirks-Offizier beim Landwchrbezirk Wiesbaden, Hein, Steuer-Inspektor und Ober-Steuer-Konirollcur
Domdekan zu Limbnrc Haiiptmaun im 2.
Freiherr inssauischcn
zu Wiesbaden, Hilpisch,' v. Meycrn-Hohcnberg
Infanterie-Regiment Nr. 88, ö.~ Mosqua, Hauptmann beim Kadcttcnhause in Oranienstein, Mott an, Major im Nassauischen Feld-Artillerie-Regiment Nr. 27, kommandirt als Adjutant bei der Feldzeugmcistcrei, Mo umalle, Rcchnnngsrath und Regierungs- Sekretär zu Wiesbaden, Schilling, Forstmeister zu Äillcnburg im Dillkreise, Schw ei cka rbt, Hauptmann im Nassauischen Feld- Artillerie-Regiment Nr. 27, Dr. phil. Wagner, Archivrath, Staats-Archivar und Archiv-Direktor zu Wiesbaden, W iß mann, Dekan und evangelischer Pfarrer zu Kettcnbach im Untertaunus- kreise; den Königlichen Kronen-Orden erster Klaffe: Magdeburg, Wirklicher Geheimer Rath, Chef-Präsident der Ober-Rechnungs- fmmner zu Potsdam; den Stern zum Königlichen Kronen-Orden zweiter Klaffe: Knaus, Ludwig, Professor, Genremaler, Mitmied des Senats der Akademie der Künste, zu Berlin; den Königlichen Kronen-Orden dritter Klasse: Bartling, Stadt- wath zu Wiesbaden, v. Regel ein, Oberstleutnant z. D. und Kommandeur des Landwehrbczirks Oberlahnstcin; den Königlichen Kronen-Orden vierter Klasse: Werner, Schloffcrmeister zu Ems, Ilnterlahnkreis; das Allgemeine Ehrenzeichen in Gold: Kleemann, Archivdiencr zu Wiesbaden; das Allgemeine Ehren- -zeichen: Den her, Förster zu Wehen im Untertaunuskreise,
Diefenbach, Fcldaerichtsschoffc zu Niederhadamar, Kreis Limburg
.Duchmantt. Königlicher Bademeister zu Ems Gucker Regierungsbote zu Wiesbaden, Hammer, Polizei- und Gemeindcdicner zu Miitelheim tm Rycingaukreise Tieft I Gememdcreckmcr zu Ehlhalten im Obcrtaunusk?cise, K >f»z, Bürqer- mctiter zu Algenroth int llntertaunuskreise, Mildcbrath. Sck'iitz- MUU Im?' Poschmann, Feldwebel im 2. Nassaiiischcn
n. fa nt er > c-R eg i nie n t Nr. 83, Scelbach, Königlicher Brnnncn-
t Z u * V Kanzleidiener bei dem Konsistorium zu Wiesbaden, U n k c l b a ch. Postpackmeister zu Wiesbaden.
, ^7 Wohl dem bedeutendsten Klavier-Abende,
n^-k"^"^"'"^"^ttb!»stem hier erlebten, sehen wir am Donnerstag un Kurhanse entgegen. Moriz Rosenthal tvird überall, wo er anf- tritt, diesseits und MseitS des Occans, als der erste Pianist unserer Zeit gefeiert. Die vielen uns vorliegende» New-Aorker Blätter 8°Uen ihn, über PadcrewSki. - Heute sprach der Impresario des Herrn Kainz bei der Kurverwaltung vor. um ihr mitzutheilen, daß »eit Sfain j m Frankfurt an einer leichten Lungenentzündung cr- Uukt darnieder liegt die ihm bis auf Weiteres jede künstlerische Thätigkeit verbietet und ihn auch zwang, das Gastspiel in Frank- furt abzuvrecheu.
B-stdr>»r-Th<at«r. Zn der Sonntag-NachmittaqS- ^.orstelluiig „Der Probekandidat zu halben Preisen gab es eine wahre Völkerwanderung nach den, Residenz-Theater. Der Kassirer konnte cm total ausvcrkauftes Hans registriren und Viele, die ge- kommen waren, um sich den Probekandidaten anzusehen, mußten enttäuscht umkehren da kein Plätzchen mehr vorhanden war. Auch die zur Abcndvorstellnngkangcs-tzten drei Schnitzlerschen Einakter fanden ein volles Haus und wiederum den Beifall des Publikums welcyes für die drei Einakter das höchste Jnteresfe zeigte. Dieselben gehen am Dienstag wiederum in Scene.
m . «-„Kirchliches. Nachdem Ihre Kgl. Hoheit die Frau Prinzessin Heinrich von Preußen von einem Prinzen glücklich entbunden ivorden ist, hat das Kgl. Konsistorium die Geistlichen seines Amtsbezirks angewiesen, nin gestrigen Sonntag eine kirchliche Dank- sagiina dem allgemeinenKirchengebet cinzusüqcn. — Die ai»5. Nov.v. I.
(Ncformationsfest) in den evangelischen Gemeinden des Konsistorial- bezirks Wiesbaden erhobene Kirchensammlung zu Gunsten des HguptvereittS Wiesbaden der evangelifchen Gustav-Adolf- Stiftiing 248 c°,F u - 91 Pt- ergeben, wovon auf Wiesbaden 303 Mk. 25 Pf. entfallen. — Herr Pfarrer Otto Neu zu Langen- vach lst vom 1. Februar d. I. ab zum Pfarrer der evangelischen Gemeinde zu Bergebersbach ernannt.
— Die Flugblätter des Herrn Predigers Melker,
welche als Anzeigen im September und Oktober v. I. durch das „Wiesbadener Tagblatt" veröffentlicht und von der Staatsanwaltschaft seiner Zeit belchlagnahmt worden waren, find durch Beschluß des Königlichen Landgerichts, Straskainmer I, wieder frcigegcbcn worden. Ebenso wurde die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen die Herren Welker und Genossen wegen Vergehen gegen §§ 166 (Beschimpfung der christlichen Kirchen und deren Eiiirichtlingen) und 47 deS Str.-G.-B. sowie 20 des Preßgesetzcs unter Belastung der Staatskasse mit den Kosten des Verfahrens abgelehnt.
. — Alterthmnsi-.nndc. In der Anthropologischen Sektion
des AlterthumsScreins wird nächsten Mittwoch, den 24. d. M., Abends 6 Uhr, , im „Rothen Haus", Kirchgaffe 60. Herr E. Schierenbel-g im Anschliiß an den neulichen Vortrag des Herrn Di-. SchmittheiMer eingchendcre Mittheilungen über die Persönlich- kert und das Leberr deT Allemannen-Königs Maktiau bringen, der Mser Land von der Römertzkrrschaft befreite und nebenbei dadurch für uirs interessant ist, daß er als erster bekannter gekrönter Kurgast Misere Bäder benutzt hat. Im Anschluß an diese Mitikeilnngcn wird Di-. Florschutz eine kurze Demonstration des typischen germanischen Schädels der damaligen Zeit, wie wir diese in Hünengräbern entnehmen, anfügen. Gäste willkoimnc».
— Miesbadrrrrr Hnvneva!. Der Karneval-Verein „Narrhalin" hielt am Sonntag in der mit närrischen Einblcmen reich geschniückten Turnhalle Hellmundstraße 25 seine zweite Damen- sitzung ab, welche im Allgemesiien einen wohlgelungenen Verlauf uahm. Der mit dem,üblichen Ceremonicll vollzogene Einzug deS ComiteS entfachte die für solche Veranstaltungen unentbehrliche Stimmung. Herr Glücklich, der langjährige erste Präsident, croffnete die Sitzung durch eine schwungvolle Begrüßungsrede, welche in einem dreifachen Hoch auf Sc. Majestät den Kaiser ansklang, worauf die Anwesenden die Nationalhymne sangen. Nach Verlesung des närrischen Protokolls der ersten Sitzung durch Reichskanzler Gärtner und nachdem ein neues „Virreche" seine Jungfernrede gehalten, gedachte Präsident Glücklich der Manen Bethges, Klebers und Rückers und widmete ihnen einen tief empfundenen, poetischen Nachruf. Das nun zur Ausführung kommende Programni brachte in Bezug auf Inhalt und Vortragsweise durchweg nur gut pointirte imd beifällig anfgenommcne Nummern. Um das Gelingen des Abends machten sich u. A. die Herren Brüning, Ebert, Hüneke, Kunze und Meyer besonders verdient. Herr Plaie sang einige gut gewählte Lieder für Tenor und erntete für seine noblen, künstlcrisckicn Darbietungen wohlverdienten Beifall, der sich bei dein Vortrag eines von Chr. Glücklich gedichtete» Liedes zu wahrhaft stürmischem Applaus für Sänger nnv Dichter steigerte. Lobend sei hier auch der verständnißvollen Klavierbegleitung gedacht. Die gemciiischaftlich gesungenen Lieder hatten die Herren Glücklich, Ebert, Kuhn und Frau Unkelbach zu Verfassern. Der stets gern gesehene Verein „Schminkkastcn" war, wie sein Präsident Ebert mittheilte, leider am Erscheinen in oorpors verhindert, stellte dies jedoch für die am 11. Februar in der „Walhalla" stattfindend- große Gala-, Fremden- und Damen-Sitzung bestimmt in Aussicht. Rasch schwanden bei dem äußerst fröhlichen karnevalistischen Treiben die Stunden dahin, und Mitternacht war vorüber, als die so schön verlaufene Sitz,mg schloß und der angekündigte Ball begann. Möchte dem am 11. Februar im „Walhalla"-Saale stattfindenden Karnevalfeste der „Narrhalla" ein gleich günstiger Erfolg beschiedcn sein.
* Die Uachrsicht vor» drm »tarnt Siege der Buren, nachdem sic anscheinend schon unterlegen, erregt in der Stadt die größte Freude und Begeisterung. Die Dopcschciitafeln des „Tagblatt" waren heute von einer, sich wild drängenden Menschenmenge umlagert und hin und wieder machten ein paar Leser ihren freudigen Gefühlen durch ein Hurrah! Luft.
- posiurrkrstr. Als unbestellbar ist zurückgekommen ein am 12. Dezember vorigen Jahres bei dem Postainte 4 hier eingelieferter Einschreibbrief an Herrn Otto Aergling in Eisenach, bahnpostlagernd.
. Eine blutige Eifers»chtssccue hat sich in der verflossenen Nacht bei einer Kindtaufsfeier im Wellritzviertel ereignet. Ein als Gast anwesender junger Mann, Manrergehülfe, wurde in sehr vorgeschrittener Stunde etwas zu zärtlich gegen die Ehefrau des Ber- anstalters des Festes, worüber dieser so in Wuth gerieth, daß er ein Bierfläschchen ergriff und damit auf den Maurer losschlug. In dem Durcheinander, das darob unter der Fcstgesellschaft entstand, trug der Maurer außer nichreren Schnittwunden an Armen und Händen Kratzwunden im Gesicht und am Hals davon. Er nmßte ärztliche Hülfe in Anspruch nehmen.
o. Schudenfeuer. Heute Vormittag gegen '/S Uhr ist in dem Dachstock des Hinterhauses Rödcrstraße 6 dadurch ein Schadenfeuer ausgcbrochen, daß ein Kind, das mit einer Lampe einen Kleiderschrank durchsuchte, so unvorsichtig zu Werke ging, daß sich die Kleider an der Lampe entzündeten. Den Bewohnern selbst und einigen hülfsbereiten Nachbarn gelang cs, des Feuers bald Herr zu werden, sodaß die alarmirte Feuerwache nicht mehr in Thätigkeit zu treten brauchte.
— Kleine Dotizen. Der offizielle Theil des „Deutschen bends" war nach der Erklärung des Herrn Vorsitzenden um a /tl Uhr beendet. Alsdann fand noch bis gegen 2 Uhr zwangloses Zusammensein der Theilnehmer statt.
— Frrmbrn-Nkrkrlir. Zugang in der verflossenen Woche nach der täglichen Liste des „Bade-Blatt" 207 Personen.
o. An« >rm Nh»l«ga«, 21. Januar. Während im vergangenen Jahre an« verschiedenen Gründen, hauptsächlich wegen des schlechten Ausfalls der Obsternte, eine Obstausstelliing im Rbeingau nicht stattfindcn konnte, will der „Nbeingauer Verein für Obst-, Wein- und Gartenbau" eine solche im nächsten Herbst veranstalten, wenn der Obstertrag dieses Jahr nur einigermaßen zufriedenstellend anssällt. Mit dieser Obstausstcllmig soll auch ein Obstmarkt verbmiden werden, in der Art ctiva, wie er im letzien Herbst im „Nomienhof" zu Wiesbaden und in Wallau statifand. Als Ort ist vorläufig Eltville in Aussicht genommen, doch wird man wahrscheinlich besser einen Ort wählen, der näher an Wiesbaden liegt, da der finanzielle Erfolg der Ausstellung zmn großen Theil von dem Besuch Seitens der Bewohner dieser Stadt abhänat. Hoffen wir zunächst, daß ein guter Herbst die erste Grundlage für das Gelingen dieses Planes schafft. ^
or .□ . 19 - Januar. Einer Einladung des geschäftsführendcn
Auslchusies snr Errichtung einer Bisniarcksänle waren gestern Abend viele Bürger der Stadt gefolgt und hatten im „Schützcnhos" die bisher geschehenen Schritte des Ausschusses genehmigt und dem auf 40 Personen erhöhten Ausschüsse die erforderlichen weiteren Schritte übertragen. Herr Oberlehrer Dr. Hofm an n hielt ein« von lebhaften Beifallsspenden begleitete Rede über Bismarcks Politik und im Besonderen die Einigung Deutschlands, und Tocrr Generaldirektor Linkend ach gab zu den von Herrn Bauführer Müll angefertigten Skizzen und Entwürfen zu der Säule die erforderlichen Erläuterungen. Danach wird die Bismarcksäule auf der „Klopp" an der „Bismarckpromenade" errichtet werden, eine Hohe von 12V- Meter erreichen, größtentheils ans Gestein aus hiesiger Gemarkung bestehen und einen Kostenaufwand von etwa 12,000 Mark erfordern.
, A Main;, 22. Januar. Rheinpegel: 2 m 94 «m Vormittags gegen 3 m — cm am gestrigen Vormittag.
Kshte N,rchr!chtrn.
Continental-Telegraphen-Comvagnsi. pi-ag, 21. Januar. Nachmittags gingen zmn Schutze der a r b e l t e ii d e ii B e r g l cu te 3 Jufauteriebataillone in das Kladnocr und Schlauer Ausstandsgcbiet. Morgen gehen 4 Bataillone in das Aussig-Teplitzer und Dux-Brüxer Kohlenrevier.
veveildenbürea» Derol».
KrrUir, 22 Januar. Wie die „Berliner Montags-Zeitung' zu berichten weiß, wurde bei dem neulichen Empfang der Präsidien der beiden Hauser des preußischen Landtages die Unterhaltung vom Kaiser auch auf politische Fragen gebracht. Nachdem der Kaiser zuerst über Fragen ökonomischer Natur mit den Herren gesprochen hatte, drehte sich die Unterhaltung auf die kriegerischen Vor- gange in Südafrika. Der Kaiser äußerte sich über den Krieg in durchaus objektiver Weise. Er rühmte die erfolgreiche Taktik der Buren, drückte aber auch sein lebhaftes Bedauern darüber aus, daß auf englischer Seite so zahlreiche Offiziere gefallen, und daß viele der besten Familien Englands durch den Heldentod ihrer Angehörigen in tiefe Trauer versetzt seien. Endlich beklagte der Kaiser die Haltung der Presse in der Transvaalfrage, die es ihm unendlich erschwere, Reibungen mit England zu vermeiden. — Zur Mission des belgischen Ministerpräsidenten Becrnaert erfährt das „Berliner Tageblatt" von belgischer Seite, die Affaire Kirn wäre im Prinzip beigelcgt. Jede Macht bestehe auf ihren. Recht. Um aber zu einer freundschaftlichen Regelung der Differenzen zu gelangen, wird sich eme gemischte Kommission an Ort und Stelle'begeben, um eine neue Grenze aufzustellen, derart, daß weder Deutschland noch der Congostaat an Territorillin Einbuße erleidet.
„ Drag, 22. Januar. Graf Jaroslaw Thun, der Bruder des früheren Minister-Präsidenten, ist als Statthalter von Mähren in Aussicht genommen worden. Es werden demnächst überhaupt außerordentlich interessante Personal-Veränderungen bei den obersten... Verwaltungs-Behörden erfolgen.
Paris. 22. Januar. Politische Kreise halten fest an der Uebrrzcugung, daß nach Beendigung des Transvaalkricges eine d cut sch- fra nzö si sche Int eres s e n -G e m e in sch a st hervor- treten werde. ___
r bä. KerUn, 22. Januar. Im Schnellzuge Berlin-Dresden erschoß Samstag Früh vor der Siaiion Zoffcn ein gewisser Otto Schulz aus Hamburg seine Geliebte, eine etwa 20 Jahre alte Anny Lau aus Berlin, und alsdann sich selbst. — Die Morgcn- blätter melden ans Warschau: Ein entsetzliches Unglück er
eignete sich in der Kohlengrube Graf Frcnard bei Sielce, unweit der preußischen Grenze. Eine Kohlenschicht stürzte ein und verschüttete 7 Bergleute. Die Unglücklichen wurden als Leichen hervorgezogen.
wb. Darmstadt, 21.Januar. In Schönberg (Bergstraße) fit letzte Nacht die oberhalb des gräflichen Schlosses gelegene Schloßkirchc ausgebrannt. Man vermuthet Brandstiftiing.
. bä. Zreslari, 22. Januar. In der Nacht zum Samstag ist, wie der „Breslauer General-Anzeiger" meldet, der 60 Jahre alte Wächter der Firma Hermann Piesoer, Namens Püschel, auf dem Lagerplatz an der Ohlauer Chaussee von noch nicht bekannten Einbrechern ermordet worden.
v.H. Prag, 21. Januar. In den heute zu Chotimschau und Nurschau abgehaltenen Versammlungen beschlossen 2000 Bergarbeiter, morgen die Arbeit einzustellen.
\v1>. Mir», 21. Januar. Der weflböhmische Bergbau-Aktien- vercin gestand seinen Arbeitern eine fünfprocentige Lohnerhöhung zu unter der Bedingung, daß sie sich nicht am' Aus stand be- theiligen. Die Arbeiter zweier Schächte lehnten das Angebot mit der Erklärung ab, sic ivürden morgen nicht einfahren. Die Arbeiter zweier anderer Schächte nahmen das Angebot stillschweigend zur Kemitniß und dürsten zmn Theil einfahren.
wb. London. 21. Januar. Der Herzog von Teck ist Nachts gestorben. — Gestern starb der Novellist Blackmore.
DolksmlrthschafUichrs.
Geldmarkt. Coursbericht der Frankfurter Börffe vom 22. Januar, Mittags 12'/- Uhr. Credit-Aktie» 233.80. Disconlo - Commandit 193.90, Staatsbahn 136.50, Lombarden 27.50, Gotthardbahn - Aktien —, Centralbahn —, Nordostbahn —, Union-Bahn —, Laurahütte - Aktien 259.60, Gelsenkirchener Bergwerks - Aktien —.—, Bochumer 265.50, »arpencr 205.50, 3-proc. Mexikaner 26.10, 6-proc. Mexikaner —, Italiener 94.10, Dresdener Bank —, Darmstädter Bank —, Berliner Handels-Gesellschaft —, Deutsche Bank —, 4-proc. Spanier 65.60, 3-proc. Portugiesen 23.80. Tendenz: fest.
Wien, 22. Januar. Oesterr. Credit-Aktien 233.90, Staats« bahn-Sikticn 183.60, Lombarden 24.80, Marknoten 118.15.
Geschäftliches.
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