«§. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgabe». — Bezugs Preis: durch den Verlag Li» Pfg. monatlich, durch die Post L Mk. Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
Verlag: Langgasse 27.
ZT'MOO Avomrertteir.
Slnzclgen-PreiSr
Die einspaltige Pctitzeile für locale Anzeigen 15 Pfg.. für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Reklamen die Pctitzeile für Wiesbaden 5» Pfg.. für Auswärts 75 Pfg.
Anrrkqen-Attutt!ttue - Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für di- Morgen -Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur
.- p nachstcrscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
US. ^4.Fernsprecher No. 52. KsMttag. &CII 21. IaNNNk. Fernsprecher No. 52. 1900.
UoUtrsche Url»erslcht.
. . Im Ne ich8tag wie im preußischen Landtag bereiten nch allmählich die hochpolitischen Aktionen vor. Jin preußischen Abgeordnetenhaus hat das erste Geplänkel in Sachen des Zankapfels der «esston, der Kanal Vorlage, bereits bei der Etats- beratlmng seinen Anfang genommen, niid im Reichstag diirfte die erste Flottendebatte auch nicht mehr lauge auf sich warten lassen, nachdem jetzt die Flotten Vorlage bereits dem Bundesrath zu- gegangen ist und deshalb in Bälde auch im Reichstag ein- gehcn durfte.
Früher als der Bundesrath ist sehn Nan-.ensvetter. der Rcichs- vstdainpfer „Bundesrath", mit der Flottcnvorlage in Zusainmcn- ang gcrathcn, denn von keiner Seite, auch nicht von den Gegnern der Flottenvorlage, kann bestritten werden, daß das Vorgehen Englands gegen Deutschland, die B e s ch l a q n a h m e d e r d e u t s ch e n Schiffe, welche sich zuletzt noch auf den Neichspostdampfer „Bundesrath" erstreckte, die Stimnunig im deutschen Volke zu Gunsten der Flottcnver,nehrung ganz außerordentlich verstärkt hat. Vor der ungeheuren Entrüstung, die sich überall in Deutschland mit elementarer Kraft geltend machte und der die deutsche Regierung iu ihrer energischen diplomatischen Intervention Ausdruck verlieh, hat die englische Willkür und Anmaßung nicht lange Stand gehalten. Der Ausfall des inquisitorischen Verfahrens, mit welchem die englischen Behörden ungehöriger Weise die deutschen Schiffe belästigten, ist für England ungünstig und blamabel genug, denn auch die hochnothpcinlichste Untersuchung hat nur gezeigt, daß Deutschland die Grundsätze der Neutralität ehrlicher respcknrt, als dies von Seiten Englands im Kriege von 1870 Deutschland gegeniiber geschehen ist.
Daß die englische Regierung in diesem von ihr leichtfertig provozirten Konflikt zum Schluß nachgeben würde, mußte als wahrscheinlich gelten, denn wie direktionslos auch die englische Politik in den letzten Jahren gewesen ist, so unsinnig konnten die englischen Staatsmänner nicht sein, angesichts des gewaltigen Kriegs in Südafrika zu den Gegnern, welchen sich England schon jetzt gcgenübersieht, sich grundlos und durch eigene Schuld einen Neuen gefährlichen Gegner zu schaffen. Wahrlich, die englische Nation verfügt in der Welt über so wenig Syinpathieeu, daß sie keinen Anlaß hat, auch diesen schäbigen Rest noch zu verscherzen. In Deutschland wird man ohnehin nach diescin Nestbestand vergeblich Umschan halten, denn so >veit bei uns den Engländern, deren mancherlei Vorzüge in Deutschland nie verkannt worden sind, Sympathiecn entgegengebracht wurden, sind diese durch das anmaßende Verhalten gegen Deutschland und durch den frevelhaften Krieg, den England gegen die beiden Buren-Republikeu entfacht hat, gründlich zerstört worden.
Wie sehr aber auch iu diesen, unmoralischsten aller Kriege die Sympathiecn aller Deutschen auf Seiten der Buren sind, die nicht nur für eine gerechte Sache fechten, sondern deren Sieg auch für die Position Deutschlands m Afrika von entscheidender Bedeutung wäre, da das ausgesprochene Ziel Englands die Vorherrschaft in Afrika ist, so hat sich doch die deutsche Regierung aus Gründen der höheren Staatsraison gcnöthigt gesehen, den Standpunkt der strikten Neutralität in dem jjidafrikanischc» Kriege festznhalten. Diesem Standpunkt entsprach es, wenn die Negierung das vielerörterte Monitum an die Firma Krupp, betreffend 'das Verbot der Waffenausfuhr, erließ, ein Monitum, von dem wir nur bedauern, daß cs überhaupt erforderlich gewesen ist.
Eine Zeit lang konnte es scheinen, als ob der ominöse deutsch-englische Geheimvertrag als ein Verstoß wider diesen Grundsatz der Neutralität zu betrachten sei. Allein es dürfte jetzt dafür gesorgt sein, daß die englischen Bäume nicht in den Himmel wachsen. Es kann kein Zweifel niehr darüber bestehen, daß der deutsch-englische Vertrag während des südafrikanifcheu Krieges nicht in Kraft trete» wird, und angesichts der Stimmung in Deutschland könnte die deutsche Regierung auch schwerlich den Weg einer solchen Politik cinschlagcn. Aber es kann heute auch bereits als höchst zweifelhaft bezeichnet werden, ob der ominöse deutsch-englische Vertrag überhaupt jemals das Papier verlassen
wird, ans dem er geschrieben steht. Dieser Zweifel ist um so begründeter, als zur Zeit noch Niemand Voraussagen kann, wie sich die Dinge in Südafrika gestalten werden, die sich bisher jedenfalls nichts weniger als günstig für die Engländer anlassen.
Recht bösartige Erfahrungen machen auch die ebenso wie ihre englischen Vettern für die Wcltpolitik schwärmenden Amerikaner aus den Philippinen, auf denen alle ihre kühnen weltpolitischen Pläne elendiglich zu scheitern drohen. Auf die angeblichen Siege, welche die Amerikaner, von denen die englischen Vettern die Kunst des Telcgraphirens gelernt haben, ruhmredig in die Welt hinaus- telegraphirten, ist jetzt eine so entschiedene Niederlage gefolgt, daß die Amerikaner g»t daran thätcn, die Vorsicht als'den besseren Theil der Tapferkeit aiizuerkenncu und auf der ganzen Linie zum Rückzug zu blasen.
In nicht minder gedrückter Stimmung als die Amerikaner und vor die eiserne Nokhwendigkeit gestellt, langsam zum Rückzug zu blase», sind die Tschechen in Oesterreich. Die unerwartete Entschiedenheit, mit der Kaiser Franz Josef den rebellischen Tschechen den Text gelesen hat, als er erkannte, daß die tschechische Wühlerei auch vor dem Heere nicht Halt machte, ist den bisher von der Negierung io unverantwortlich verhätschelten Gesellen arg in die Glieder gefahren, lind der heillose Schreck, den sie hierbei bekamen, ist dadurch noch vergrößert worden, daß auch der Minister des Auswärtigen, Graf Golnchowski, mannhafte Worte fand, um dem anarchischen Treiben dieser Gesellschaft und der von ihr ins Werk gesetzten Hetze gegen den Dreibund entschieden und rücksichlslos cntaegcnzntrctcn. Wir wollen nur hoffen, daß dieser neue Kurs in Oesterreich, auf den man angesichts des dauernden Kabinettswcchscls nicht allzu fest vertrauen darf, von längerer Dauer sein wird, als die augenblickliche Verzagtheit der Tschechen, die über kurz oder lang der alten Kampfstimmung weichen dürfte. Jedenfalls thut cs noth, daß auch die Deutschen ihr Pulver trocken halten.
AttS Ztttdt Mid Lnttd.
Wiesbad en, 21. Januar.
— Geschick,fofcrtkntur. 21. Januar. 1896: Kapitulation des von Galliano vcriheidigten Makalla. 1883: ch Prinz Karl von Preußen, Bruder Kaiser Wilhelms!. (* 29. Juni 1801 zu Charlottenburg). 1872: ch Franz Grillparzer in Wien, deutscher Dramatiker (* 15. Januar 1791). 1871: Eroberung von Pörouse, Eröffnung der ersten Parallele gegen Bclfort. 18ol: ch Albert Lortzing zu Berlin, Opernkomp. („EM und Ziminermann" u. A.) (* 23. Oft. 1803)., 1829: * S8m Oskar II. von Schweden und Norwegen. 1844: * Thomas Jackson, ber. General der konföderirten Staaten (f 10. Mai 1863). 1815: ch Matthias Claudius, der Wandsbeckcr Bote zu Hamburg. 1811: * Roderich Bcnedix zu Leipzig. Lnst- spccldichter (ch 26. Scpt. 1873). 1793: Hinrichtung Ludwigs XVI. von Frankreich. 1337: * Karl V. der Weise, König von Frankreich (ch 16. September 1380).
o. Kaisers Geburtstag wird Seitens der hiesigen Königlichen Schutzmann s ch a f t in der seit mehreren Jahren üblichen festliche,: Weise begangen. Da des Dienstes wegen immer nur die Hälfte derselben fre: hat, so findet die Feier wieder an zwei Abenden, an, 29. und 30. Januar, im „Röniersaal" statt. Für beide Veranstaltungen sind abwechslungsreiche Programins auf- gestellt, die diesmal durch die Mitwirkung des Männeracsang- Vereins „Cacilia" am ersten und des „Süngcrchors der Post- und Telegraphen-Unterbcamtcn" an: zweiten Tage eine besondere Bereicherung erfahren. Den Konzerten und Thcaterauffiihrungcn folgt Ball.
— Uortrag. Uebcr die Fortschritte auf dem Gebiete der Beleuchtungstechnik wird der technische Landessekrctär, Herr R. Bonte, im hiesigen Gewerbevcrein an: nächsten Mittwoch, den 24. d. Pi., Abends 81-- Uhr, einen Vortrag halten. Praktische Vorführungen der neuesten Lichtquellen werden den Vortrag besonders anschaulich gestalten.
— Gtablissemcnt Walhalla. Dar großartige Programm, welches das Walhalla-Theater z. Zt. bietet, hat feine Anziehungskraft auf das Publikum nicht verfehlt. Letzteres folgt den Darbietungen der Artisten in regstem Interesse und gicbt oft durch stürmischen Beifall seiner Anerkennung Ausdruck. Heute Sonntag finden in bekannter Weise Matinöe, Nachmittags- und Abcnd-
(Nachdruck verboten.)
berliner Mmmrmgslrttder.
Von Paul Lindenberg.
Erlvartnng der KricgScreignisse. — Unsere Freundschaftsgefühle siU England. — Die Erkrankung der Kaiserin-Mutter. — Ihre einstigen Aussichten auf den französischen Kaiserthrou. — Vom Ordensfcst.' — Geselliger Abend bei Herrn und Frau v. Podbiclski.
„Neuestes, Allerneuestes vom Kriegs schauplatz!" — Zur Dunk^tunde durchhallcn jetzt wieder täglich diese Rufe Bei lin, und trotzdem man mit großer Bestimmtheit voraussetzcn kann, daß man nichts Anderes als wie in den Abendzeitungen finden wird, tverden trotzdem die drnckfcnchtcn Blätter stark gekauft — so lebhaft ist von Neuem hier die Spannung, welch vielleicht schwerwiegenden Ereignisse sich im fernen Südafrika zngetragen. Ilm die Käufer dieser Extrablätter sammelt sich stets ein kleinerer oder größerer Kreis: „Was giebt's Neues?" hört man erregt fragen. „Haben die Engländer wieder Schläge bekomnicn?", und die Enttäuschung ist sichtlich, wenn diese „neuesten Nachrichten" sich als „olle Kamellen" entpuppen.
Psychologisch merkwürdig ist es, daß sich gerade in den breiten Volksschichten ein so ausgeprägter Haß, eine so scharfe Verachtung gegen England zeigt, umso merkwürdiger, als wir ja viele Geschlechter hindurch nichts Ernstliches von unseren „lieben Vettern" jenseits des Kanals erlitten. Man würde eine derartige Feindschaft gegen Frankreich weit eher erklärlich finden, aber nein, die Abneigung gegen England ist viel kräftiger, ich möchte beinal-e sagen ursprünglicher, eingewurzelter, wie gegen Frankreich, und je größer die Lust zu einer Abrechnung mit den: eingebildeten, ränkesüchtigen Insel- reiche wird, desto mehr erstarken die Sympathiecn für Frankreich and erhofft ninn eine Verständigung mit demselben. Man höre nur einmal unsere Droschkenkutscher, 'unsere Dicnstmänner, unsere Arbeiter über den Krieg sprechen, all die „kleinen Leute", die doch oas große Volk ansuiachen, und man wird überrascht sem, in welcher fast leidenschaftlichen Weise sie gegen die Engländer Partei ergreifen. — Nebrigens sei bei dieser Gelegenheit' erwähnt, daß unsere Regierungsbehörden schon vor der bekannten Erklärung an Krupp andere Waffenfabriken verhindert hatten, die von englischer Seite ergangenen und vorgeblich für südamerikanische Staate,: be
stimmten Waffenlicfernngen anszusühren, es ist bisher davon nur nichts in die Ocffentlichkeit gedrungen.
Mit banger Sorge vernimmt man hier die wenig hoffnungsvoll klingenden Nachrichten über die schwere Erkrankung der Herzogin Friedrich von Schl esw ig-H olsie in, der Mutter unserer Kaiserin. Die jetzt im 65. Lebensjahre stehende hohe Frau, eine geborene Prinzessin von Hohenlohe-Langcnbnrg, ist nur selten an die Oessentlichkcit getreten. Alle aber, di- sie kciuien gelernt, rühmen ihre ausrichtige Liebenswürdigkeit, ihre vornehme Denkart, ihr alle Herzen gewinnendes, offenes Wesen. Im Herbst 1856 vermählte sich die jugendliche Prinzessin mit dem damaligen Erbprinzen Friedrich von Schleswig-Holstein, welche Pe'rbiudmig inniger Neigung entsprossen war; beider Wesen paßte vortrefflich zu einander, sie harmonirten in jeder Hinsicht und hatten die seltene Gabe, Gluck und Zufriedenheit um sich zu verbreiten und sich überall Liebe zu erwerben. Von ihrem Gatten wurde Prinzessin Adelheid nur „Ädda" gennnitt, und wem: er auch bloß einen Tag fern von ihr weilte, auf der Jagd, zu Besuchen -c., jo flogen liebevollste Briefe zu ihr, iu denen er ihr eingehend von Allem berichtete, was seine Stunden ansgcfüllt. Auch die Kleinen wurden mit zärtlichen Kosenainen bedacht, so wurde unsere Kaiserin, die älteste Tochter, „Dona", die Prinzessin Karoline Mathilde (jebige Prinzessin zu Schlcswig-Holstcin-Sonderbnrg) „Falma", die nächste Tochter (Prinzessin Leopold von Preußen) „Jaja" und die noch unvermählte jüngste Feodora „Feo", der Sohn Ernst Günther aber „D:cki" gerufen. Auf das Sorgfältigste überwachte das prinz- liche Paar die Erziehung ihrer Kinder, und früb schon fübrtc d,e Mutter ihre beiden ältesten Töchter an die Betten der Kranken und Siechen, ließ sie zu Ostern und Pfingsten, wo au die Bevölkerung von Dölzig, später von Primkcnan, ganze Knchcnberge vertheilt wurden, tüchtig in der Küche helfen und zun: Weihnachtsfest persönlich die Gaben in die Stuben der Armen bringen.
Wenig bekannt ist, daß, was dem Schreiber dieses gelegentlich von dem Herzog Ernst Günther bestätigt wnrde, die Mutter dejr deutschen Kaiserin leicht — Kaiserin der Franzosen hatte werden können! Als dem Prinzen Napoleon bald nach Antritt der Präsidentschaft der Staatsstreich gclnnaeu war, suchte er als Lebensgefährtin eine europäische Fiirstcntoch'tcr, deren Nanicu und Stellung auch ihn: Glanz und Ansehen verschasst hätten. Zunächst dachte er an die Prinzessin Farola Basa aus dem einstigen
Vorstellung und nach letzterer Freikonzert statt. In: Walhalla- Keller, in dem schon seit längerer Zeit die sonntäglichen Konzerte ausgenommen sind, konzertirt von 7 1 /* Uhr ab eine Abtheilnng der Miinchschen Kapelle.
ü. Uom Wetter. Das ist bis jetzt ein Januarwetter gewesen, von dem die Bauernregeln sagen, daß es die Gottesäcker dünge und daß es zum Erbarmen fei. Darin sind sich die Bauern einig, daß es um einen nassen und milden Januar windig bestellt ist. Der Januar uniß vor Kälte knacken, will mau in, Herbste etwas sacken, sagen sie, aber wenn der Frost nicht in: Januar kommen will, daun koinmt er im März oder April, weshalb viel Regen und wenig Schnee und Frost in: Januar den Saaten und Bäumen weh thnt. Thatsachen haben bewiesen, daß die Furcht vor einen: nassen, gelinden Januar nicht ganz unbegründet ist, denn meisten- thcils pflegt um diese Zeit das milde Wetter nicht anzuhalten, wenn aber zwischen dem Frühling im Januar und den: im März oder April noch ein heftiger Winter eintrüt, dann kann da? für die Landwirthichaft von den nachtheiligsten Folgen sein. Es kann deshalb auch Einer, der in, Besitz eines Paares russischer Gumuiischnhe und eines Gummimantels ist, froh sein, wenn er im Januar wenigstens seine nässeschützendcn Sachen zu Hanse lassen kann. Falb erleidet Niederlage auf Niederlage; nach ihm hätte der Januar bis jetzt wieder trocken verlaufen sollen; normale Temperatur kündigte er auch au. Was ist im Januar norniale Temperatur? Jedenfalls ist auch der ein normaler Januar, der, wie n:an zu sagen pflegt, Stein und Bein zusaimuciifricren läßt, dem: wenn sich der schlimmste Wintermonat gründlich anstobt, so liegt cs eben in seiner Natur, ergo ist die normale Temperatur des Herrn Falb ein ziemlich dehnbarer Begriff. Nun weiß ich immer eins noch nicht, wem eigentlich die sich über Monate erstreckende Wettervoransfagcn dienen sollen, wenn doch vor wie nach es sich mit vollkommener Sicherheit am Morgen noch nicht sagen läßt, wie es an: Abend sein wird.
o. Turnerisches. Der diesjährige Turn tag des Turn- ganeS Wiesbaden wird an: Montag, den 29. d. MtS., Abends 9 Uhr, in der Turnhalle des „Turn-Verein", Hellnumdstraßc 25, abgehalten. Aus der Tagesordnung stehen außer den üblichen Geschäftsberichten: Festsetzung des GaubeitrngS und Gantnrnfcst.
o. Ae«!»,»» der altsiatholischeiiKirche. Die Schreinerarbeiten für den Neubau der allkatholifchcu Kirche sind in engerer Submission wie folgt vergeben worden: Loos 1 (Gestühl) an Herrn Jakob Reu sing und Loos II (Thüren, Fußböden rc.) au Herrn Start Ruß hier als die Mindestfordernden. Die Bau- arbciteu sind in: klebrigen soweit gediehen, daß in etwa 14 Tagen mit den inneren Verputzarbciten begonucu werden kann. Der Thurmbeln: ist fertig eingedcckt und die Holzdeckc des Kirchenschiffes zum größten Theile eingebaut.
— Steuer. Die Steuerpflichligcu der Straßen mit dem Anfangsbuchstaben II find zur Entrichtung der 4. Stcnerrate auf morgen Montag, den 22. Januar, aufgefordert.
— Deutsch-nationale Geflügel-Ausstellung. In den Tagen von: 22.. 23., 24., 25. und 26. Februar er. findet in Frankfurt a. M., veranstaltet vom „Verein für Geflügel- und Vogelzucht" zu Frankfurt a. M. und den: „Klub deutscher' und österr.-ungar. Geflügelzüchter", die 7. deutsch-nationale Geflügel-Ausstellung statt. Der Vorsitzende der Landwirthschnstskammer für den Regierungsbezirk Wiesbaden weist in der ncncstcn Nummer des Amtsblattes der Kammer mit dem Bemerken darauf hin, daß sowohl für land- wirlhschaftliches Nntzgeflügel, als auch für solches nassanischer Zuchtrichtung eigene Klassen errichtet worden sind, in welchen neben der allerdings streng verlangten Rassereinheit solche Eigenschaften besonders berücksichtigt werden, welche ans wirthschaftliche Leistungen schließen ließen. Die Einreihung dieser Klassen (Sammclklasse 391: „Höhere wirthschaftliche Rassen. Landwirthschaftliches Nutzgeflügel". 302 soffen für alle Züchters: „Gänse und Enten, wirthschaftliche Nassen". Extraklaffe 303: Nebhuhnfarbige Italiener nassanischer Zuchtrichtiiug) ist auf speziellen Antrag der Landwirthschaftskammcr bezw. deren Gefliigelzncht-Kommission erfolgt. Aller Voraussicht nach ist dadurch der Anfang zu einem bedeutenden Fortschritt auf den: bisher nur dem Sport bezw. der Raffcznchl gcwidnietcn GeflügelpräinürnngSwesei: gemacht, und wenn auch die diesseitige Landwirthschaftskanimer die Anregung dazu gegeben hat, so muß cS doch anerkannt werden, daß die Gcflügelznchtvcreine, an ihrer
schwedischen Königshause, erhielt aber einen Korb, und die Prinzess:, vermählte sich bald darauf mit dem damaligen Prinzen Albert heutigen König von Sachsen. Napoleon wnrde Kaiser, und seine Wahl fiel mm auf die Prinzessin Adelheid von Hohenlohc-Laiigen- bnrg, wobei er hoffte, daß die Königin von England, die Tante der Prinzessin, seinen Plan fördern würde; er sandte nach London seinen Vertranten Walewski und erbat von der Königin die Hand ihrer Nichte. Lord Malmesbnry schreibt in seinen Erinnerungen unterem 15. Dezember 1852: „Die Königin begann von der beabsichtigten Heirath ihrer Nichte zu sprechen. Ihr p'rinzlicher Gemahl hat einen darauf bezüqlicheil Brief des Fürsten Hohenlohe gelesen, dessen Hauptinhalt darin bestand, daß er viel Schwierigkeiten hierbei sich erheben sehe, und namentlich betonte er die Verschiedenheit des religiösen Bekenntnisses und der Nationalität. Die Königin und Prinz Albert sprachen ohne Leidenschaft von dem Gegenstand, indem sie da? Für und Wider erwogen. ... Die Königin machte dann noch eine Anspielung ans das persönliche Schicksal aller königlichen und kniserlicheu Frauen in Frankreich seit 1789, aber sie schien im Grunde dieser Verbindung doch nicht abhold". Zweimal bewarb sich Napoleon III. um die Hand der Prinzessin, jedoch vergeblich, die Prinzessin Adelheid zog bei der Wahl ihres späteren Gatten ein glücklicheres Loos. Als die Vermählung ihrer ältesten Tochter in Frage kam, da wurde dies nicht mehr in London, sondern in Potsdam (ohne jegliche Hiiieiilziehung des Fürsten Bismarck, wie dies zuweilen verlautet) cut'schiedcu, und an die Herzogin Adelheid als an feine „geliebtestc Tante" richtete der damalige Prinz Wilhelm feine von in'nigstcr Liebs eingegebene schriftliche Bewerbung.
Mit dem am Donnerstag stattgcfundcncu Kapitel des Schwarzen A d lc r o rd ens und dem für Sonntag angesctztcn Ordcnsfest haben die Hoffestlichkettcn ihren Anfang genommen und itt zugleich die Glanzzeit der Linden gekommen, die jetzt wieder an bestimmten Tagen und Stunden von einerdichten, schaulustigen Menge kingcslnnit sind, welche es nicht an bewundernden Ausritten fehlen läßt. In die erwählte Schaar der Ritter des höchsten preußischen Ordens sind diesmal nur drei neue Mitglieder auf- genoimuen worden, desto größer wird die Zahl der neuen Ritter am Sonntag fein, dem: man vermuthet aus Anlaß der Jahrhundertwende einen ausgedehnten Sternschnuppenfall. Es war eine der hübschesten Geschichten uujeres Theodor Fontane, die er stets
