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iesbs-kner Tsgbliät.

«s. Jahrgang

Erscheint in zwei Ausgabe». — Bezugs-Preis: durch den Verlast 5« Pfg. monatlich, durch die Bost » Mk. «» Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusainineu.

Verlag: Langgasse 27.

LV,OOO Abormenlim.

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Uo. 32.

Fernsprecher No. 52.

Samstag, den 20. Januar.

Fernsprecher No. 52.

1900.

Gin modrruer Ahasver.

. Zu der jüngst in einem Leitartikel dargclcgten Augelegenheit wird uns noch von dem Betroffenen geschrieben: „Auf Veranlassung des Gencralsuperintendenten vr. Baur in Koblenz habe ich am 15. April 1891 das NatnralisalionSgcsuch erneuert, gleichzeitig aber den damaligen Kultusminister. Herrn Grafen Zedlitz, gebeten, das Gesuch auch seinerseits befürworten zu ivolleu. Ein Vortragender Rath lin Kultusnilnistcriuni, der, persönlich sich für mich'inter- esstrench die Sache in die Hand genommen halte, thcilte mir in klncni Brief vom 24. Juni mit. daß der Herr Kultusininistcr nicinem Wunlch entsprochen habe, daß aber trotzdem der Erfolg noch nicht gnnz sicher sei, weil Russen nicht ohne Genehmignng des Reich«- kanzlers naturalisirt werden dürften. Darauf hin wandte ich mich au Herrn Grafen v. Caprivi mit der Bitte, dcni Herrn Minister des Innern die Ermächtigung hierzu erthcilcn zu wollen, und zwar, um die Sache zu beschleunigen, noch bevor ein diesbezüglicher Antrag von dieser Seite gestellt worden sei. In einem Schreiben vom IO. April 1892 theilte mir der Königliche Kamincrherr und Geh. Ober-Rcg.-Rath Graf Bernstorff abermals mit, dost sowohl er als der Kultusmiuistcr persönlich für die Naturalisation cintraten. Zu mcincin nicht gcriiigcn Erstaunen wurde mir dann am 15. August 1892 vom Konsistorium der Rhetnprovinz eröffnet, daß von meiner Verwendung imKirchen- dicnst der Rheinprovinz ein für alle Male abgesehen werden müsse, weil der Minister des Innern int Einvernehmen mit dem Kultus­minister (vr. Bosse) die Naturalisation desinitiv abgclehnt habe. Als ich dann Herrn Grafen Bernstorff um Aufklärung darüber bat, thcilte nur derselbe in einem Schreiben vom 1. November mit, daß die Naturalisation lediglich in den Händen des Obcrkirchcnraths liege, der überhaupt nicht gewillt sei, mich anzustelle», daß also der erwähnte Erlaß des Konsistoriums vom 15. August einen Schreib­fehler, und zwar einen sehr verhängnißvollen Schreibfehler, enthalte, indem cS so heißen müßte: Nachdem der Ober- kirchenrath Ihre Verwendung im Kircheudienst der iinirten Landes­kirche Altpreußciis definitiv abgelehnt habe, so kann nach 8 8, Nr. 4 des Gesetzes vom 1. Juni 1870, sie Naturalisation vorläufig Ihnen noch nicht gewährt werden. Die Zwickmühle, in o« mich der Obcrkirchenrath hincingedräugt hat, indem er die noch zu erwerbende Naturalisation zur Bedingung meiner Anstellung machte, war also eine künsllich konstrutrte, woraus mich schon Graf Bernstorff in einem Schreiben vom 17. Juli 1892 aufmerksam machte. Anderthalb Jahre hernach führte mich der Weg nach Berlin. Ich stellte mich den beiden Herren Ministern persönlich vor, beide bestätigten persönlich und amtlich das, was Herr Graf Bernstorff mir wiederholt mitthcilte. Als ich am 7. März 1891 das Konsistorium in Koblenz und den Oberkirchen­rath in Berlin auf jenen groben Schreibfehler in dem erwähnten Erlaß, nicht etwa als Sprachlehrer, sondern als logisch Denkender, der stets Anstoß daran Nimmt, wenn Grund und Folge miteinander

-.«a* .v — "Iistwcilige Ueber-

i einem Schreiben _ geistliche Stellen, in welchen meine Verwendung vor Ablegung der zweiten theologischen Prüfung statt­finden könnte, nicht zu Gebote stehen. Aber eben diese Behörde knüpfte ja die Zulassung zu dieser Prüfung ebenfalls nndicNatura- lisatioii, also eine neue Zwickmühle! Erst nachdem die TagcSprcsse abermals die schöne, aber undankbare Aiifgabe sich gestellt hatte, Seelsorge an dem Oberkirchenrath zu treiben, und nachdem ich den Herren der Kirche erklärt hatte, daß die evangelische Christenheit, die ich seit Jahren durch Kanzelredcn und philosophisch-theologische Vorträge im Christenthiini unterwiesen habe, in solchem Verhalten geradezu eine Beschimpfung der evangelischen Kirche sehen, ließen sie endlich mit sich reden. Nach zehnjährigem hartnäckigen Widerstreben übertrug man mir ein Vikariat, um mir dann das­selbe anscheinend durch irgend einen Vorwand wieder zu nchmen. Der Kultusminister konnte in der Sache nichts machen, weil in Altprcußen der Oberkirchcnrath in Berlin die oberste und daher

allein zuständige Kirchenbchörde ist. Vor mehreren Monaten machte ein Vortragender Rath im Kultusminislerium, der Kgl. Kammerherr und Geh. Oberregiernugsrath Graf Bernstorff in Berlin, den Ver­such, mich vorläufig imKlrchendienst der Landeskirche Elsaß-Lothringen uuterzubringen. Die Herren, an die er mich empfahl, antworteten ihm, daß in Elsaß augenblicklich eine Anstellung sich nicht ermög­lichen lasse, er solle doch alsMitglicd des preußischen Kultnsministeriums den Kultusininistcr veranlassen, mich einem Konsistorium der neueren Provinzen Preußens zu überweisen, da diese Konsistorien dem KultiiSministcrium als deren obersten Kirchenbchörde unter- stellt seien. Die Herren im Elsaß, die über dieses traurige Vor- komniniß, ebenso wie jeder rechtlich Denkende, tief entrüstet sind, wiesen Grafen Bernstorff daraus hin, daß doch Preußen in erster Linie dafür verantwortlich sei und daß es einem Lande, welches über 8000 Pfarreien zu verfügen habe, ein Leichtes sein dürfte, mich nuterzubringen. Die Professoren der Theologie in Strnßbnrg haben nur denn auch driiigend geratheu, dem Herrn Kultusminister in Berlin nicht eher Ruhe zu lassen, bis er Wandel i» der traurigen Angelegenheit geschafft habe. Diesen Weg habe ich nun auch bereits betreten und werde denselben nicht eher verlassen, bis er mich zu dem langersehnten Ziele geführt hat. Da die evangelische Kirche ebensowenig als die katholische ein- staatliche Versorgungsanstalt für Theologen sein will, so ist zu erwarten, daß das'Kultus­ministerium nach dem Worte: Wer A sagt, auch B sagen muß, beut Beispiele einer seiner eigenen Räthc folgend, der mich für das Pfarramt nach Elsaß warm ciupfohlen hat, als Christ von der Macht Gebrauch machen wird, welche ihm als Minister in Preußen zu Gebote steht. Indem ich die hochwohllöbliche Redaktion bitte, diese Zeilen veröffentlichen zu wollen, verbleibe ich in der vorzüglichsten Hochachtung P. Bernstein, früher Vikar der evang. Landeskirchen Elsaß, Baden und der Rheinprovinz."

Ans Stadt und §aud.

Wiesbaden, 20. Januar.

— Geschick,tAlmIe»der. 20. Januar. 1870: Siegreiche Arriercgardengefechte unter Werder gegen' Bourbaki am 20. und 21. 1865: * Friedrich Adolf Hermann, Fürst zu Waldeck und Phrmont. 1859: f Bettina v. Arnim zu Berlin, deutsche Schriftstellerin (* 4. April 1785 zu Frankfurt a. M.). 1818: f Christian VIII. König von Dänemark. 1819: ch Johann Hahn zu Sindlingen, schwäbischer Theosoph (* 2. Februar 1758 zu Altdorf). 1813: ch Christian Martin Wieland, herv. deutscher Dichter. 1782: * Erzherzog Johann von Oesterreich, deutscher Rcichsverwcser (t 10. Mai 1859 zu Graz). 1845: f Kaiser Karl VII., Kurfürst von Bayern zu München (* 6. August 1697). 1612: I RudolfII., deutscher Kaiser (* 18. Juli 1552).

— Drutschrv Lorstvrr-rm. In den heutigen .Amtlichen Anzeigen des Wiesbadener Tagblatls" befindet sich ein zum Beitritt in den „Deutschen Forstvercin" einladender Aufruf, den wir hier­durch gerne der Beachtung aller Jutcrcsseuten empfehlen möchten.

— Tstenter-Unrietä Kiit'geesnnl. Wie schon bekannt, hat seit dem 16. d. M. dar Theater ein neues exquisites Programm. Vor Allen ist es Fräulein Lucie Palmer, eine sympathische Er- scheiunug, die sich als Lieder- und Walzersängcrin vorstellt. Ge­wöhnt, in allerersten Verhältnissen ihre Engagements zu suchen und zu finden, ist cs der Direktion gelungen, diese ausgezeichnete mit vorzüglichen Stimmmitteln ausgerüstete Dame unter nicht geringen Kosten zu gewinnen. Und wahrlich, wer sie am 16., als am W-chseltaa, gehört hat, muß ihr wohlverdientes Lob zollen. Sie ist eine Sängerin, die das Prädikat „vorzüglich" verdient. Ein anderes Bild zeigen Elsa und Francois, das allerliebste Geschwistcr- paar, als National-Tänzer. Graziös und mit Chic, das kindlich Naive dabei so recht verrathend, bringen sie ihre mit Bewunderung aufgcnommencn Tänze zu Gesicht, um dann im zweiten Theil des großartigen Programms als Geschwister Ethardos im Duett dem Publikum wahre Beifallsstürme zu entlocken. lieber Karl Klar noch weiter zu berichten, ist unnütz, da über seine Brauchbarkeit schon des Guten so Manches geschrieben worden ist. Sein Graf Dattcnborn ist von zündendster Wirkung. Gebrüder Bramino (es

sind thatsächlich leibliche Brüder), die musikalischen Excentrigues, sind sehr brav und machen entschieden Anspruch auf gutes Gefallen. Ihre spaßhaften Trics werden denn auch reichlich beklatscht. Den Schluß macht Mr. Harris, ein Mensch, der sich Oriainaldreffur- Clown nennt und vermöge seiner ausgesprochenen Komik und seiner dressirtcn Pony, Hunde und Affen, insbesondere aber durch seinen Schlußtric, eine Boxer-Parodie mit der schwarzen Hulda, das Publikum in stetem Lachen erhält.

— Kchulnachrichten. Herr Lehrer Ke spe in Horbach bei Montabaur ist in Ruhestand getreten. Zu seinem Nachfolger wurde Herr Lehrer Müller von der Erzichnngsanstalt in Marienhausen ernannt. Die hierdurch an dieser Anstalt frcigewordene Lehrerstelle wurde durch den Schulamtsbcwerber Herrn I. Schramm aus Frankfurt a. M. wieder besetzt. Die durch Versetzung des Lehrers Herrn Gasteier nach Lindcnholzhausen erledigte Lehrerstelle zu Nomborn wurde Herrn Lehrer Hild von Obersäin übertragen. — Gestorben sind die Herren Lora th in Nentershausen und'Roth in Meudt. — Die alljährliche Hauptversamiulung des „All­gemeinen Lehrervereins im Regierungsbezirk Wies­baden" findet wiederum in der Osterwoche, und zwar in Dtontabaur, statt. Vorträge für dieselbe haben die Herren Klein und Gelhard aus Wiesbaden übcrnomuicu. Ersterer wird über „die Bedeutung einer gesteigerten Volksbildung für die wirthschaftliche Entwickelung unteres Volkes", letzterer über „die körperliche Züchtigung tu der Volksschule" sprechen.

— Kcrg- Nttd Llnriinmen in» Taunno. Im Frank­furter Taunusklub entwickelte Lehrer Cr o n bcrg e r seine Ansichten über Entstehung einer Reihe von Vergbezeichn'ungen in unserem heimathlichen Gebirge. Die Bezcichnuug Taunus führte der Vor­tragende auf das keltische Dun oder Tann zurück. Im Mittelalter nannte man das Gebirge die „Höhe", erst in neuerer Zeit hat man wieder zu der alten Benennung gegriffen. Für den Feldbcrq giebt die große, kahle Fläche seines Gipfels eine hinreichende Erklärung. Der Altkönig darf seine Bciicnnung auf Wotan zurückführen, während der Dänsbcrg wahrscheinlich zu Ehren des Kricgsgottes der Gernianen geweiht wurde. Unter Rossert dürfte eine Vorhöhe, ein Vorberg der höheren Tnunusberge zu verstehen sein. Staufen ist ein im Deutschen häufig vorkominender Bergname, Hcrzberg bezeichnet einen Lieblingsaufenthalt der Hirsche. Vom west­fälischen Wort Nückel rühren her Nickel bei Oberseelbach, Butzuickel bei Schloßborn, Säunickel bei Dillingen, Stcinnickclsdorf; Keller­berg, Kellergrund bei Falkeustein, der alte Keller im Kreise Geln­hausen datirtcn aus jener Zeit, da die Germanen die Erdschätze in nnterirdischen Gewölben von Zwergen bewacht glaubten.

CD Da» riutabnelimc» in der Kälte und im rauhen Sturm ist bedenklich, besonders bei dem, der zu Gicht geneigt ist. Es ist auch eine nichtssagende Sitte, sogar eine Heuchelei.'denn mau entblößt sein Haupt nur des hcrkömnilichen Gebrauchs wegen vor Leuten, deren Diener zu sein man sich sehr verwahren würde. In kalten Geschäftslokalcn vielleicht längere Zeit ohne Kopfbedeckung zu stehen, bat keinen Sinn, weil dem Verkäufer dieses sicher gleich­gültig sein muß. Denn beim Einkäufen bin ich kein Untergebener. Der Werth des Grußes liegt im Wunsch, in den Augen', oder, wenn man elivas mehr thnn will, in einer srcundschaftlichcn Hand- bewegung. _ Doch vielfach wird der Hut gezogen und der Blick ist nichts weniger als freundlich. Der selbstbewußte Amerikaner zieht bntjjnt nicht, und mit Recht. Das Hutziehen hat seinen Ursprung im Sklave,rthlim. Der Unfreie mußte vor seinem Herrn entblößten Hauptes dastehen, um ihm das Merkmal seiner Abhängigkeit, die knrzgeschorenen Haare, zu zeigen.

— Wüste» stch invalide Arbeiter einer Operation unterziclirn? Einem invaliden Arbeiter war von der Ver­sicherungsanstalt die Rente verweigert worden, weil er cs ablehnte, sich, einer Operation zu unterwerfen. Nachdem auch das Schieds­gericht den Antragsteller abgewicscn hatte, hob das Reichsgericht die Vorentscheidung auf und sprach dem Kläger eine Rente zu, indem ausgeführt wurde: Zur Duldung einer Operation, wenn diese auch nicht sehr schmerzhaft und gefährlich sei, erscheinen die versicherten Arbeiter nicht verpflichtet, sobald die Operation in den Bestand oder die Unversehrtheit des Körpers ciugrcife oder die, wie jede Chloroformirnng erheiichcndc Operation, nicht ohne Lcbens-

Ans Kunst nnd Lebe».

* Die Gper „Tosen". Unser römischer m-Korrespondcnt schreibt uns unterm 15. d.: Das Hauptereiguiß der musikalischen Saison bildet die gestern stattgefundene Erstaufführung der Oper »Tosca" des bekannten jugendlichcn Komponisten Puccini im Theater Constanzi. Die Königin wohnte der Vorstellung bei und bekundete lebhaft ihren Beifall, der sich beim Publikum von Akt zu Akt steigerte, sodaß der Mcröstro 21 Mal auf der Bühne erscheinen konnte. Das Libretto ist eine Umarbeitung des gleichnainigen Dramas Sardous, der infolge eines Juflucnza-Anfallcs nicht, wie cr beabsichtigt hatte, nach Rom kommen konnte, wo man sich bereits zu einem festlichen Empfang für ihn gerüstet hatte. Die Tosen ist eine der Glanzrollen Sarah Bernhardts, in der sie Puccini vor mehreren Jahren in Mailand sah, was ihn aus die Idee brachte, das Stück in Musik zu setzen. Dasselbe spielt sich in fünf

Akten auf historischem Hintergrund in Rom ab, der Opern­text ist in 3 Akte zusammengcdräugt. Der erste Aufzug führt uns in die Villa eines Malers Mario Caravadossi, zn dem ein geivisser Angelotti kommt, der ihn um Asyl vor den Verfolgungen der'Polizei bittet. Kaum hat er sich verborgen, so erscheint Tosca. die Geliebte des Caravadossi, die ihn in weiblicher Gesellschaft vermuthet nnd ihm deshalb eine Eifersuchtsscene macht. Der Knoten schürzt sich im zweiten Akt, wo Scarpia, der Präfekt, die Sbirren nach dem Landhause des Malers entsendet, um den Angelotti zu ver­haften. Statt seiner bringen sie jedoch Caravadossi vor Scarpia, der ihn im Beisein Toscas foltern läßt, um das Versteck

des Flüchtlings von ihm zu erfahren. Tosca kann die Qualen ihres Geliebten nicht länger mit anschen und verrät!, es. Darauf­hin verspricht Scarpia dem Mario die Freiheit, wenn sich

Tosca ihm hingeben würde. Diese willigt ein, und als der Henker ihres Geliebten sich ihr nähert, um sie zu

umarmen, stößt sie ihn mit dem Dolch nieder. Das Stuck schließt mit einer Scene von packender dramatischer Wirkung: auf der Plattform eines Schlosses soll Caravadossi erschossen werden, jedoch nur zum Schein, wie Scarpia versprochen hatte, um Tosca zn täuschen. Das Paar hatte Alles zur Flucht vorbereitet, da kracht eine Salve, und Caravadossi — sinkt entseelt zu Boden. ToSca stürzt sich vom Schloß in die Tiefe. Die Handlung des Dramas ist so lebhaft und voll Kraft, daß die Musik ihr an Ge­walt nicht immer gleichkommt, nichtsdestoweuiger gehört die Oper zu den besten Erzeugnissen der letzten Jahre. Von besonderer

Wirkung ist eine Tenor-Romanze im 1. Akt und das symphonische Präludium des 3. Aktes, das unter Glockengelänte das Erwachen Roms begrüßt.

De. T. ©in lebendes Wese« in stochendem Kchmefrl- »virfsc»'. Ein eigenartiges Naturwunder hat der italienische Forscher Galdicri einer genauen Untersuchung gewürdigt. Auf einem Aus­fluge nach der berühmten Solfatare bei Pozzuoli fiel ihm an den zahlreichen dampsaussendendcu Kratern eine grünliche Substanz auf, die inmitten der heißen Dämpfe auf dem Felsen wuchs. Die Be­sichtigung unter dem Mikroskop ergab, daß dieser Stoff aus lebenden Algen, also aus winzigen Pflänzchen, bestand. Das Vorkomnicn dieser Lebewesen war bis dahin merkwürdiger Weise von den vielen Geologen und Botanikern, die fast alljährlich nach dieser allbe­kannter Stätte erlöschender vulkanischer Kraft pilgern, übersehen worden. Sie bilden einen schleimigen Ueberzug von dunkelgrüner Farbe über das Gestein rings um die Fumaroien, wie die dampf- ausströmeudcn Spalten in der Wissenschaft genannt werden, und kleiden deren innere Wände, den Boden und den benachbarten Be­zirk. Die Algen sind mehr oder weniger von einem stark mit Säure versetzten Wasser durchtränkt, wie es durch Niederschlag des ans der Spalte anfsteigenden Dampfes entsteht. Da dies Wasser eine beträchtliche Menge von freier Schwefelsäure enthält, die sich durch Oxydation der mit dem Wasserdampf zugleich aiisgcstoßcnen schwefligen Säure und des Schwefelwasserstoffs bildet, so muß cs eigentlich ganz unbegreiflich sein, wie ein lebendes Wesen unter solchen Verhältnissen cxistircn kann. Dazu befinden sich die Algen dauernd bei einer Temperatur von mindestens 40 bis 60 Grad oder sogar noch etwas mehr. Eine erheblich größere Hitze scheinen die grünen Pflänzchen allerdings nicht anszuhalten, denn im Inneren der Funiarolen bemerkt man nichts von ihnen. Die Algen sind von blaugrüncr Farbe, kugeliger Gestalt und bestehen nur aus einer einzigen Zelle, die von einer zarten glasartigen Hülle um­geben ist. Die Größe eines dieser Wesen beträgt zwischen 3 und 12 Tausendstel Millimetcr. Im Inneren befinden sich farb- stoffhaltige Körper, während der übrige Theil des Hohl­raumes mit farblosem Zellsaft ausgcf'üllt ist. Die Ver- mchruiig dieser Zwerge erfolgt einfach durch Theilung. Nach der sorgfältigen Prüfung Galdieris, die in den Sitzungsberichten der Akademie der Wissenschaften zu Neapel beschrieben ist, gehört die Alge einer bisher unbekannten Art an, die der Forscher mit dem Namen vlsuroeneeua sulziliurai'ius belegt hat. Ein sehr eigcn- thümlicher Unistand ist darin zu scheu, daß in den Zellen nie ein

Kern oder auch nur Stärkckörner nachzuweisen gewesen sind, während im Allgemeiiicu jede Zelle einen Kern besitzt. Galdieri schreibt diese sonderbare Beschaffenheit der Wirkung des säure­haltigen heißen Wassers zu, denn man hat schon auf experimentellem Wege keimlose Zellen dadurch erhalten, daß man sie ungewöhn­lichen Temperatur-Verhältnissen aussetzte. Das Vorhandensein von Schwefelsäure wird auch das Fehlen von Stärkesubstanz er­klären, die sonst bei jeder Pflanze zu finden ist. Die Algen an jenen vulkanischen Spalten haben sich aber nicht nur an die außerordentlichen Verhältnisse ihrer Umgebung gewöhnt, sondern sie sterben sogar nach wenigen Tagen, wenn man sie der Einwirkung der Hitze und des schwefelsäurehaltigen Wassers ent­zieht, zuerst verlieren sie die Farbe und dann schrumpfen sic zn- sammcn. Das Merkwürdigste aber ist, daß diese Algen im Experiment noch viel höbereit Temperaturen widerstehen und sogar im kochenden Wasser ihre Lebenskraft noch nicht verlieren. Dies ist eine bisher ganz unerhörte Thatsache, und man nahm vielmehr an, daß der Tod eines lebenden Wesens bei der Temperatur des kochenden Wassers ans dem Grunde stets erfolge» müßte, weil ein Theil des die lebende Materie zusammcnsctzeiidcn Eiweißes bei dieser Temperatur gerinnt. Die Widerstandsfähigkeit der Algen gegen Schwefelsäure ist nicht viel weniger wunderbar, zumal die ihnen verwandten Pflänzchen gewöhnlich schon gegen die schwächste Ein­wirkung von Säure so empsindlicli sind, daß sie daran sofort sterben. Ein Forscher, der die Wirkung von Schwefelsäure auf Algen früher studirt hatte, kam zu dem Schluffe, daß sic sür diese Wesen ein Gift von höchster Stärke darstellte.

* Die Grundsätze der Desreudenzktzrorie. Aus Jena schreibt man der „Franks. Zig.": Ein nach Ursprung und Zweck- bcltimmuug interessantes Preisausschreiben wird uns soeben be­kannt. Ein Privatmann, der unbekannt bleiben will, hat den Professoren Haeckel hier, Conrad in Halle und Frans in Stuttgart 30,000 Mk. überwiesen, damit sie folgende Preisaufgabe stellen konnten : „Was lernen wir aus den Prinzipien der Desccndenz- theorie in Bezug auf die inncrpolitische Entwicklung und Gesetz­gebung der Staaten?" Als erster Preis ist eine Summe von mindestens 10,000 Mk., als zweiter und dritter von mindestens je 5000 Mk. in Aussicht geiiomnieu, außerdem können weiiere gute Arbeite» honorirt werden. Die Manuskripte müssen in deutscher Sprache abgefaßt und bis spätestens 1. Dezember 1902 an oie Direktion des Zoologischen Instituts, Professor vr. Haeckei, in Jena eingcschickt werden.