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a *8. Jahrgang.

eint in zwei Ausgaben. - Bezugspreis: den Verlag S« Pfg. m.natlich, durch die Pvu » Mk. «« Pfg. viertel,ahrlich für beide

Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

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Ahend«>usiinhe.

Soldaten oder gemeine Mörder?

Es wird uns von einem mit den Verhältnissen Süd­afrikas sehr vertranten Herrn, dem wir schon mehrfach inter­essante Mitteilungen zum südafrikanischen Kriege verdankten, Folgendes geschrieben, das zum Theil großes Aufsehen und berechtigte Entrüstung in der ganzen gebildeten Welt machen tvird: „In meine Bitte an die Friedens-Vereine, welche Sie so gütig waren zu veröffentlichen, hat sich ein Druck­fehler eingeschlichen. Ich sprach nicht von der Rathsamkeit die „Gründe" der Opposition (in England) durch das vor- geschlngene Memorandum zu stärken, sondern davon, die „Hände" der parlamentarischen Opposition, welche den Frieden wünscht, zu stärken.

Dieser Partei ist natürlich jegliches brauchbare Material wfflkommen, welches sie in anständiger Form vor das Publikum legen kann, um die Fehler des jetzigen Kabinetts klar zu machen. Die Namen edler Männer, wie die Morleys, Laboucheres rc. sind mit jener Partei verknüpft. Labouchere selbst ist sogar der Besitzer einer weitverbreiteten Zeitung, „Truth" (die „Wahrheit") genannt. Die vorgeschlggene Denkschrift, ob sie nun an die Königin oder an die Führer der Friedenspartei in England gerichtet würde, dürfte dem besseren Theil der britischen Presse nicht unsympathisch und nebenbei als eine Erklärung für die in Deutschland zu Tage getretene Erregung gegen das Britenthum aufzufassen sein. In keinem Land der Welt tvird mehr in Adressen und Petitionen gearbeitet, als in England und seinen Koloniecn; somit wird auch eine solche Eingabe den Eng­ländern nicht fremdartig erscheinen. Es sollte auf die Thatsache hingcwiesen werden, daß die Buren gute Nach­barn gewesen sind; daß sie sich gerechten englischen An- sinnen gefügt und oftmals sogar ungerechten Forderungen von der Seite nachgegebcn haben. Sie würden gewiß auch noch im Oktober letzten Jahres' keine Schwierigkeiten hin­sichtlich der Suzeränitäts- und Wahlrechtfragen erhoben haben, hätten nicht die britische Regierung und die Aus- I an der parte i in Transvaal alles Anrecht auf Ver­trauen durch ihre Handlungen verscherzt. Ich war persön­licher Zeuge der frechen, herausfordernden Haltung britischer Unterthanen in Transvaal, und zwar schon Ende 1887, als gerade erst die Bauplätze der geplanten Stadt Johannesburg verkauft worden waren und das Wahlrecht der Republik noch auf liberaler Grundlage stand. Bekanntlich genügte ur­sprünglich ein Aufenthalt von 6 Monaten, um das Bürgerrecht erlangen zu können. Dann wurde die Bedingung allmählich bis zu 15 Jahren hinaufgeschraubt. Wenn Sie gestatten (Gerne. D. R.), werde ich Ihnen gelegentlich einen Beitrag zur Vorgeschichte des Krieges liefern. In diesen sich großen- theils auf meine eigenen Beobachtungen stützenden Mit­theilungen würden Ihre verehrten Leser den Schlüssel zu Manchem finden, was ihnen bisher in den Beziehungen der Buren und Engländer zu einander noch nicht recht klar gewesen ist. Henke nur ein kleines Seirenstück zu Ihrer Mittheilung über die amtlichen Angaben hinsichtlich der Er­

mordung verwundeter Buren durch britische Soldaten Mein Vorwurf trifft britische Offiziere.

Im Jahre 1883 machte ich in Kapstadt die Bekanntschaft eines englischen Herrn, welcher dort Beamter in einem der höchsten Bürcaus der Kapkolonie war. Er hatte den Krieg gegen die Gaika-, Amakosa- und Tembu-Kaffern mit- gemacht, der in der zweiten Hälfte der 70er Jahre stattfand. Wir sprachen über den Krieg. Zufällig sagte ich zu dem Herrn: „Sagen Sie einmal, was haben Sie denn eigentlich mit den gefangenen Kaffern gemacht? Ich habe nie von größeren Gefangenen-Transporten gehört". Der Herrwar durch dieFrage etwas verdutzt und sein Gesicht nahm einen verschmitzten Ausdruck an, als er erwiderte: „Sie brauchen gerade nicht zu sagen, daß ich es Ihnen mitgetheilt habe, aber die Sache ist sehr einfach: »vir haben sie tobt geschossen!! Hatten wir Gefangene gemacht, so fragten die Leute: „Oberst . . ., da sind ca. 30 oder 40 gefangene Kaffern, was sollen wir mit ihnen machen?" Die Antwort lautete regel­mäßig: „llaks tbsm to the rear!“ (Bringen Sie sie nach hinten.) Und das geschah. Die 'Kaffern wurden nach hinten, d. h. hinter eine Anhöhe geführt und zusaminengeschossen.

Herr Redaktem, ich übernehme die volle Verantwortung für diese Mittheilung. Ich kann Ihnen den Namen und alle näheren Umstände bezeichnen; ich veröffentliche sic nur nicht mit Rücksicht auf die erwähnte Persönlichkeit. Bedenkt man die Wuth, welche die britische Soldateska gegen das sieg­reiche Hirtenvolk der Buren hat, und wie sic auch bei Elands- laagte in dem famosen Feldgeschrei: „Majuba!“ ihren Ausdruck fanb, dann wird man ermessen können, wie manchem ver­wundeten, wehrlosen. Burcn-Familienvater da bereits von den britischen Horden ein Ende gemacht wurde! Wahrlich, das ganze Gefühl eines ehrlichen Menschen bäumt sich ans bei dem Gedanken an solche Rohheit und an das Unglück und Elend, welches nach Beendigung dieses ruchlosen Krieges in jene dünn bevölkerten Länder einziehen wird! Ihre Bewohner waren ein glückliches, zufriedenes, wohlhabendes Volk, bis ihm Rhodcs, Chamberlain und Genossen die Kriegs- und Brandfackel in die Gefilde warfen. Und Priester, ein Kardinal und einige Bischöfe, welche noch zur Weihnachtszeit den Menschen den Frieden des Himmels verkündeten, sie entblöden sich nicht, heute Bcttage für den Sieg der britischen Waffen, für die Fortsetzung der Menschenschlächterei zu veranstalten! O Friedenskonferenz o Mcnschennatur! Das ist dasselbe Volk, welches noch vor wenigen Monaten so entrüstet über den Ausgang des Dreyfus-Prozesses schien. Das sind dieselben Menschen die vor nicht so vielenJahren dieTürkei ob der armenischen Gräuel in Stücke reißen wollten. Bei dem Urtheilsspruch in Rennes konnte man noch ein gewisses Prinzip bemerken, nämlich, die Armee und verdiente Generale vor Schmach zu chützen. Bei dem Morden von Armeniern schäumte der religiöse Wahnsinn eines halbwilden Volkes über —, welche Veranlassung aber lag dem Vorgehen der britischen Re­

Ueder Christi Herkunft.*)

Ein Zeichen der Zeit ist es, daß sich das Interesse für- religiöse und ethische Fragen auch in den Kreisen etwas lebhafter zu regen beginnt, die in keine Kirche mehr gehen und durch keine Lockmittel und -Mittelchen mehr hinein­zubringen sind. Selbst in den Massen der „religionslosen" Socialdemokratie bricht sich die Erkenntniß Bahn, welche Bedeutung auch die entkirchlichtste Religion als „Privatsache" noch für die Zukunft der Menschheit hat. Namentlich ist es die Person Jesu Christi, welche, natürlich vom Partei- standpunkt aus betrachtet, bei ihr wieder größere Beachtung zu finden scheint. So berichtete die „Frankfurter Zeitung" am 11. April v. I. aus Brüssel: „Vor einigen Tagen besuchte der klerikale Präsident des belgischen Senats, Baron t' Kind de Roodenbeetz, die neue Maison dn peuple. Ein socialistischer Deputirter spielte den Cicerone und führte ihn durch alle Räume. In einem Saale hängt an der Wand ein großer Christus, und der Baron schien sich zu wundern, Christus hier bei den Socialdemokraten so geehrt zu finden. Dazu bemerkt nun heute der „Peaple“, „Christus ist hier bei uns durchaus am richtigen Platze. Viel zu länge schon haben die Sociuldemokraten die Naivität besessen, diesen großen Vorläufer der Demokratie von Denen ausbeuten zu baffen, die er verleugnet haben würde, wenn er sie gekannt hätte, und die seine Lehre gefälscht haben. Christus gehört uns mehr als jeder anderen Gruppe, und deshalb haben wir ihm einen Ehrenplatz in unserer Aaison du peuple

*) Wir veröffentlichen diese Auslassungen eines Theologen, o«nen gegenüber wir uns unsere Stellung natürlich sreihalten, als einen interessanten Beitrag zu den Meinungsäußerungen über das bedeutsame Hackclsche Werk, dessen Lektüre wir Jedem dringend empfehlen. D. R.

gierung gegen Transvaal zu Grunde? Einen ungerecht­fertigten nationalen Haß zu kühlen und nebenher noch ein Geschäftchen zu machen! O, du psalmensingendes, frömmelndes England! Wäre es nicht am Platze, daß sich die Friedens­vereine energisch aufrafften und das Banner des edlen, reinen Menschengeistes jenen gottvergessenen Priestern entgegenhielten? Morley, Parlamentsmitglied und früherer Minister, bezeichncte den Krieg schon bei der Debatte über die Adresse, im Oktober, als einen Krieg des Hasses, der nicht geführt werden dürfe. Die ganze gesittete Welt außerhalb Englands charakterisirte den Krieg als einen schmachvollen. Wenn es also jemals eine Gelegenheit für die Friedensvereine gab. zu zeigen, daß sie nicht bloß reden, sondern gegebenen Falls auch handeln können, so ist es die gegenwärtige Zeit. Liegt cS an der Thatkraft der Mit­glieder oder an ungenügender Organisation der Gesellschaft, wenn wir so wenig oder gar nichts über ihre Schritte hören? Ich fürchte, auf diese Gesellschaft paßt nicht das Wort, daß „diejenige die beste ist, von der die Welt am wenigsten hört". Ihre Sache ist wohl eher, ihr Licht leuchten zu lassen, die Herzen zu begeistern und mit sich zu reißen im Kampfe um Recht und Moral. An der Socialdemokratie, an der Heilsarmee kann man lernen, was eine zielbewußte Organisation vermag, lind das Feld dieser Vereinigungen ist ungleich schwieriger zu beackern, als das der Friedens- Vereine, deren Streben den meisten Menschen sympathisch ist.

Graf von Marillac.

Deutsches Reich.

Zur bevorstehenden Interpellation.

Morgen wird im Reichstag die bisher hinanSgeschobene Debatte über den zwischen Deutschland und England ent- staudcnen Konflikt stattfinden. Wenn wir anch, wie lvir erst kürzlich auseinandersetzten. keinen Anlaß haben, daran zu zweifeln, daß die deutsche Regierung die von England bedrohten dentschcn Interessen mit der' erforderlichen Ent- schiedenheit wahren werde, so begrüßen wir doch die Aus­sprache im Reichstag mit Befriedigung. Es kann nur von Vortheil sein, wenn die Regierung bei diesem Anlaß ans dem Mund der Vertreter des deutschen Volks erführt, wie dieses über das Verhalten Englands gegenüber Deutschland denkt. Und von noch weit größerem Vortheil wird es sein, wenn man bei dieser Gelegenheit anch in England mit aller Deutlichkeit vernimmt, welche Stimniung die englische Politik der Anmaßung und Ueberhebung überall in Deutschland er­zeugt hat. Um die Verschiebung der Aussprache im Reichstag bis zuni Freitag hatte die Regierung deshalb ersucht, weil sie hoffte, daß der Konflikt mit England bis dahin ent­sprechend den deutschen Forderungen erledigt sein würde. In Bezug auf drei deutsche Schiffe haben die Eng­länder unterdeß eingestehen müssen, daß sie in blindem Eifer schwere Mißgriffe begangen haben. Zur Zeit handelt es sich noch um die Affaire des „Bundesrath", auf dem die Engländer glücklich einige Jagdflinten entdeckt und diese Entdeckung freudestrahlend in die Welt hinaustelegraphirt haben. Die Furcht vor der Lächerlichkeit hat man in Eng­land offenbar gründlich verlernt, sonst würde man sich dort

] gegeben". Aehnliche Steuerungen in socialistischen Ver­sammlungen werden heutzutage von den verschiedensten Seiten berichtet. Sie bedeuten wenigstens, daß der früher ignorirte Christus wieder mehr in den Gesichtskreis der Massen tritt, daß er ihre Aufmerksamkeit erregt und daß man sich wieder ernstlich mit ihni zu beschäftigen beginnt. Darüber muß sich jeder Menschenfreund aufrichtig freuen; denn wie unvollkommen die Vorstellungen von Christus in diesen Massen noch sein mögen, cs wird doch ivenigstens wieder von ihm gesprochen, er ist nicht mehr tobt, er lebt wenigstens! Dasselbe zeigt sich heutzutage auf einem anderen Gebiet, auf dem Gebiete der Wissenschaft. Auch hier schien ja in der überwältigenden Mehrheit ihrer Ver­treter die religiöse Weltanschauung ein überwundener Standpunkt zu sein. Die materialistische oder monistische Auffassung der Dinge beherrscht sogar die moderne Geschicht­schreibung. Sie läßt überall nur natürliche und menschliche 6-aktoren wirksam sein. Für einen Gott ist in ihr kein Raum. Da ist es denn erfreulich, zu sehen, daß die wichtigste Erscheinung in der Welt und in der Geschichte auch von der „weltlichen" Wissenschaft wieder mehr gewürdigt und wenigstens als ein Räthsel empfunden wird, dessen Lösung unseren Verstand reizen muß. Philologen, Juristen, Mediziner und Naturforscher sehen wir in größerer Anzahl, als das sonst der Fall war, mit dem Problem des geschichtlichen Christus beschäftigt und dabei zur Erforschung desselben unabhängig von der zünftigen Theologie neue Wege be­schreiten. Daß es dabei auch nicht an bedauerlichen Slb- wegen fehlt, ist nicht zu verwundern. Wie groß aber das Mißtrauen gegen die bisherige Behandlung des Problems durch die kirchliche Forschung ist, das hat in drastischer Weise die begeisterte Aufnahme bewiesen, die vor zwei Jahren Wolfgang Kirchbach mit seinen angeblichen neuen Ent­

deckungen über Jesus in der Presse gefunden hat. Interessant ist anch die Hypothese auf diesem Gebiet, die kein Geringerer als der berühmte und hochverdiente Zoologe an der Jenenser Universität. Prof. vr. F. Hückel, in seinem Buch „Di, Welträthsel", Bonn 1899, vorträgt. Bei dem großen und berechtigten Ansehen, welches dieser berühmte Gelehrte genießt, können seine viel gelesenen Ausführungen gerade über das, was dem Weihnachtsfest zu Grunde liegt, Ver­wirrung anrichten. Nach ihni können die Slngabcn, welche die apokryphen Evangelien über das Leben Jesu machen, besonders über seine Geburt und Kindheit, ebenso gut (oder vielmehr größtenteils ebensowenig!) Anspruch auf historische Glaubwürdigkeit erheben, als die vier kanonischen. Nun findet sich aber in einem jener apokryphischen Evangelien eine historische Angabe, die auch durch den Sepher Tholedoth Jeschua bestätigt wird, und die wahrscheinlich das „Welt­räthsel" von der übernatürlichen Empfängniß und Geburt Christi ganz einfach und natürlich löst. Jener Geschicht­schreiber erzählt mit trocknen Worten in einem Satze die merkwürdige Novelle, welche diese Lösung enthält: „Josephus Pandera, der römische Hauptmann einer kalabrcsischen Legion, welche in Judäa stand, verführte Mirzam von Bethlehem, ein hebräisches Mädchen, und wurde der Vater von Jesus. Ja, Hackel, der Vertreter der Darwinschen Vererbungslhcorie, will nicht,wie „jenerGeschichlschreiber",in diesem Umstand den Grund zu einer sittlichen Degeneration, sondern gerade zur geistigen Größe Jesu sehen. Schon die Meinung, daß in einem der apokryphischen Evangelien — gemeint ist wohl das Evangelium des Nikodemus — eine der obigen ähnliche historische An­gabe sich finde, ist irrig. Dagegen enthält in der That der Sepher Tholedoth Jeschua die angeführte „merkwürdige Novelle". Aber dies „Buch der Ursprünge Jesu" ist eine Mische Schmähschrift aus dem 13.Jahrhundert, also eine