Einzelbild herunterladen
 

e mm Mesbaüener Taablalt.

Verlaß Deine Werkstatt nicht,

So wird Deine Werkstatt Dich auch nicht verlassen.

Franklin.

f ***'*'* * ** * *4*****4Htw4i* v490 ,i 4 rf

(26. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten).

„Die Gurasierrn".

Roman ans der indischen Neuzeit von Karl Hanera.

Nun trat ihre Großmutter, ebenfalls mit einem Ver­mögen von Edelsteinen behängt, ein. Sie blieb vor ihrer Enkelin stehen, klatschte in die Hände und rief begeistert: „Wie schön, wie wunderschön Du bist. Jetzt erst bist Du ganz meine Dindigal Lackschmi. Welch ein Glück, daß ich diese Tag noch erlebte! Es ist der erste Sonnenschein in meinem Herzen, seit vielen, vielen Jahren. Nun wollen wir zu den Königinnen gehen."

Damit hing sie sich in den Arm des Mädchens und führte es aus dem Gemach. Jranamadu folgte sofort nach, dann kamen die Dienerinnen.

Durch eine ganze Reihe von Gemächern, eines bunter und phantastischer als das andere, gelangte mau nach der großen Audienzhalle. Hochrolhe Säulen mit blauen und goldenen Schnitzereien und äußerst reich gezierte Capitöls trugen ein aus lauter Spiegeln, welche in Goldrahmen ruhten, gebildetes Spitzbogengewölbe, die Rückwände der nach der Gartenseite offenen Halle bestanden ebenfalls aus mächtigen mit Goldarabesken umgebenen Spiegeln. Daran zogen sich breite, rothseidene, mit bunten Blumen bestickte Divans entlang und auf diesen lagen und hockten die fünf Königinnen, d. h. die fünf noch lebenden Wittwen des letzten Radschah von Tanjore, der selbst schon 1855 gestorben war. Vor den Fürstinnen kauerten auf Tigerfellen und Kaschmirteppichen zahlreiche ebenso wie ihre Herrinnen kostbar geschmückte Dienerinnen. Eine Masse von Krystalllüstern, herabhängenden indischen Ampeln, herumstehenden Kunstgegenständen rc. erhöhten das märchenhafte Bild des Ganzcn. Man konnte wirklich glauben, eine Scene aus Tausend und eine Nacht zu er. leben.

Nun zog Aruwati mehr als sie sie führte ihre Enkelin vor die älteste der Königinnen, welche etwas erhöht auf einem goldenen Kissen saß. Natürlich verstand Alice von der tamulischen Rede ihrer Großmutter keine Silbe. Als aber diese sich vor der etwa neunzigjährigen Greisin tief verneigte, machte es das Mädchen mit angeborener Grazie nach und wurde dafür durch ein gnädiges Lächeln der alten Königin belohnt.

Jetzt wurde Alice von ihrer Großmutter vor die nächste Königin geschoben, eine etwa zweiundachlzigjährige Frau. Einen tamulischen Zuruf Aruwatis übersetzte Jranamadu sofort auf englisch: „Das ist Deine Urgroßmutter, die Mutter meines Gatten, des Jaghirdar Shivadschi."

Eine tiefe Verneigung der Urenkelin gewann auch das Herz dieser Greisin. Sie schien in dem Gesichte des jungen Mädchens nach den Zügen ihres gestorbenen Sohnes zu suchen und sprach dann in gebrochenem Englisch: „Sie sind schön, so schön wie Shivadschi war. Ich freue mich, Sie zu sehen."

„Und ich bin glücklich, die Vorfahren meiner Mutter noch so frisch zu erblicken."

„Es wird mir ein Vergnügen sein, Sie täglich bei mir begrüßen zu können."

Alice verneigte sich wieder und wurde dann auch den drei anderen Königinnen vorgestellt. Die jüngste war etwa

fünfundsiebzig Jahre alt. Hierauf setzte sich Aruwati links neben die Königinnen auf den Divan und machte Alice ein Zeichen, neben ihr Platz zu nehmen. Als diese dem Wink gefolgt war, kauerten sich Tarli und die andern Dienerinnen zu den Füßen ihrer Herrinnen nieder, und Jranamadu stellte sich neben diese.

Jetzt traten Bajaderen und indische Musiker in die Halle und zeigten ihre Künste. Von einem Tanz nach europäischer Art war keine Rede. Die mit Edelsteinen und Gold­stickereien wie besäten Tänzerinnen machten nach dem Takte der Musik pantoniimische Bewegungen und sangen dazu in zwar monotoner, aber nicht unschöner Art indische Liebeslieder. Zwischen diesen Vorführungen wurden Süßig­keiten und Limonaden herumgereicht, einzelne der Frauen rauchten arabische Schihschehs, andere europäische Cigaretten, und so saß man, ohne zu sprechen, über zwei Stunden auf den Divans. Anfangs hatte Alice mit Interesse das bunte Bild um sich betrachtet. Bald sehnte sie sich. aber nach ihrem Zimmer, um an Westfeld zu schreiben. Sie durfte aber nicht aufstehen. Das wäre gegen das Cercmoniell gewesen. Endlich trat der rothgekleidete Hofmarschall, den das Mädchen schon bei der Ankunft gesehen hatte, mit einer Schaar von Dienern in die Halle. Die einen trugen goldene Sänften, die andern große, buntbemalte Palmen- blätter an langen Stielen oder mächtige Wedel aus Pfauen­federn. Nun hob man eine der Königinnen nach der andern in eine Sänfte; hinter diesen schlossen sich Aruwati mit Alice, nach letzteren Jranamadu und die Dienerinnen an. Hierauf wanderte der ganze Zug durch die schönen ausgedehnten Gärten nach der großen Pagoda. Das war eine eigenartige Anlage. Zunächst zog man durch ein etwa fünfundzwanzig Meter hohes Thor. Es machte den Ein­druck eines ägyptischen Pylonen und wirkte von fern sehr gut. Als aber Alice näher kam, erkannte sie, daß Träger, Wände, Arckitrav, kurz, Alles in jener merkwürdigen, häßlich naiven Figurenskulptur ausgeführt war, welche für die Hindubauten seit Jahrtausenden maßgebend war und es jetzt noch ist. Männergestalten mit übertrieben aufwärts gedrehten Schnurrbärten, Tänzerinnen mit unheimlich schlanken Taillen und ganz unmöglichen Arm- und Bein- verschlingungen, Elephanten, Affen rc. waren bunt durch­einander gemischt.

Als man das Thor passirt hatte, sah man einen Tempel mit einem aus dem Naturstein ausgehauenen Riesenbullen vor sich. Dahinter stand die große Pagoda. Es war ein mächtiger, über 60 Meter hoher Pyramidcnbau von gelbem Sandstein, über und über mit jenen kleinen Menschen- und Thierfiguren bedeckt. Das sah Alles aus der Entfernung gut, in der Nähe aber häßlich aus. In einem Ncbenlempel gewahrte Alice so unästhetische Figuren, daß sie sich scham- roth abwandte. Der Zug der Königinnen galt dem Tempel, in welchem die Bildnisse der früheren Könige aufgehängt waren. Gemälde, welche von Gold und Edelsteinen strotzten und weibisch aussehende dicke Männer darstellten, wurden von Aruwati ihrer Enkelin gezeigt und als die Abbildungen hrer königlichen Vorfahren erklärt. Es waren unschön aussehende Gestalten, die trotz ihrer Schätze einen widerlich sinnlichen Eindruck machten. Die Königinnen aber schienen besonders beim Anblick des Bildes des letzten Radschah, ihres Gatten und Gebieters, tief ergriffen, und etwa zehn Minuten lang mußte der ganze Zug stillschweigend das Porträt eines feisten, weibisch anssehenden Lebemannes bewundern. Nun wanderte man durch eine lange Reihe von Kapellen, in denen buntfarbige, wenig schöne Fresken den Hauptschmuck bildeten. Alice war von Herzen froh.

als sich der Zug wieder nach dem Hauptthor zurückbegab, sie hatte eine durch die riesige Ausdehnung und die Massenbauten imponirende, keineswegs aber erhebende Tempelanlage kennen gelernt.

Endlich befand sie sich wieder allein in ihrem Zimmer. Nun konnte sie an ihren Bräutigam schreiben und ihm ausdrucken, mit welch getheilten Gefühlen sie hier in Tanjore lebe. So sehr es ihr Herz berührt habe, ihre Großmutter und Urgroßmutter kennen zu lernen, so fühle sie sich doch durch die merkwürdige Mischung von echter und nachgemachter Pracht, durch das lächerliche, aber sehr lästige Cercmoniell und durch den deutlich erkennbaren unästhetischen Götzen­dienst abgestoßen und sie sehne sich schon jetzt wieder un­endlich nach der lieben Tante Gertraud und vor Allem nach ihrem theuren Enrico zurück.

Jranamadu brachte den Brief sofort zur Bahn. Kaum er , ll, ' e ^ er lm Palast ein, so erschien Aruwati im Zimmer ihrer Enkelin und bat sie zum Tiffin zu kommen. Alice folgte und wurde in einen hübschen kühlen Saal ge- führt, der in ähnlicher, wenn auch nickt so reicher Art wie der Audienzsaal der Königinnen, ausgestaktet war. Hier kamen noch sechs andere Prinzessinnen mit ihren Dienerinnen zusammen. Es waren dies ebenfalls Wittwen nachgeborener Söhne des Radschah Sharabhodschi oder andere Verwandte der königlichen Familie. Da Aruwati als einstige Gattin des zweiten Sohnes des Radschah hier den höchsten Rang einnahm, setzte sie sich an die Mitte der Tafel. Alice mußt« ihrem Rang nach am unteren Ende zwischen zwei sehr alten Nebenprinzessinnen sitzen. Die Unterhaltung mit denselben war eine sehr ermüdende, schon aus dem Grunde, weil ja Jranamadu jedes Wort übersetzen und den schwerhörigen Prinzessinnen oft dreimal vorsagen mußte. Zudem wußten sie nur von indischen Göttern und Göttinnen, die Alice einmal dem Namen nach kannte, zu sprechen, aber sie stellten so naive Fragen über Europa, daß große Geduld dazu ge­hörte, immer ruhig zu antworten.

Endlich war die Tafel vorüber.

Aruwati ging mit Alice in deren Zimmer. Diese alte Dame schien die einzige, welche einer lieferen Empfindung fähig sein konnte. Es machte einen rührenden Eindruck, mit welcher Zärtlichkeit sie fortwährend ihre Enkelin streichelte und wie sie unaufhörlich bemüht war, ihr Angenehmes zu erweisen.

„Sag ihr," rief sie nun Jranamadu zu, „sie müsse jetzt eine Stunde ruhen. Sie soll auf jenem Divan schlafen. Ich will vor ihr sitzen und sie ansehcn. Du bist mir er­schienen," damit wandte sie sich wieder direkt an Alice, wie eine himmlische Apsarase,*) welche Indra tapferen Kriegern und frommen Brahmanen zusendet, um ihnen das höchste Glück zu verleihen. Deine Mutter hat von der holden Gattin Wischnus nur den Namen Lakschmi erhalten. Du aber hast die Schönheit der erhabenen Göttin geerbt. Glücklich sind meine Augen, daß sie Dich noch erblicken, gesegnet ist meine Hand, die Dich streicheln kann, und selig ist mein Mund, der Dich küssen darf. Komm holde Sri, lege Dich jetzt zur Ruhe."

Alice war rief bewegt von der ihr entgegengebrachten Liebe der alten Frau und umarmte sie. Nun mußte Tarli ihrer Herrin den Schmuck und die Oberkleider abnehmen; dann führte Aruwati die Enkelin zum Divan, drückte sie sanft auf denselben nieder, legte die Kissen zurecht und machte ihr Zeichen, sie solle nun schlafen.

*) Soviel wie Lakschmi, Gemahlin der Wischnu», Göttin der Schönheit.

(Fortsetzung folgt.)

Optisches Specialgeschäft I. Ranges.

Anerkannt billige Preise.

R. Petitpierre,

Lieferant des Konigl. Hof-Theaters,

Wiesbaden,

5. Häfnergasse 5, -WA

zwischen Webergasse u. Bärenstrasse.

Special-Institut

für wissensehaftüch correcte Augen­gläser jeder Schleifart.

Academisch

ausgebildeter

Fachmann.

Streng reelle Bedienung-.

17259

Steppt»ecken werden nach den >mleiten Mustern u. billigsten

H en angefertigt, sowie Wolle geschlumpt. Näh. Michelsbcrg 7, orbtaden 12409

Qummi-

EEetteinlag'en,

Luft- und Wasserkissen, Gesundheitsbinden etc.

empfehlen billigst

ßaeumcher & Co.,

ä

-j- e <

Egl. Hoflieferanten,

Ecke d. Schützen­hofstrasse und Langgasse.

Wer ein gutes kräftiges Brod effen will, versuche es

in »er Consumhatle, Jnhustr. 2 u. Moritzstr. 1«.

. Kornbrod, lang, Laib 36 Pf.

Gemischtes, „ „ 38 „

Weistbrod, „ „ 42 „

feBfttT Haarausfall.

Nachdem ich verichledeiie durch Reclame en™ pfohlenc Mittel für mein Haar gebraucht, welche pdoch zwecklos waren, und da ich infolge dessen befürchtete, mein Haar ganz zu vertieren, begab ich mich fast hoffnungslos zu Herrn Wielisci, in Behandlung; schon nach den ersten Tagen hörte der Haarausfall auf und jetzt, nach genau 7 Wochen, bemerke ich auch kräftigen Nachwuchs, so, vor einem kahlen Kopf geschützt, kann ich Jedem die Behand­lung von Herrn «Vielisch nur empfehlen.

A. I.üll'ler.

Sprechst. von 10 bis 5 Uhr.

Parfumenr l-nni Wieiisci«, SBärenfttafit2, I.

Spezialist für Haarleidende.

Erfinder d. einzig dastehenden u. absol. fichcr wirkenden Heilmethode gegen .Haaraussast u.

Kahlköpfigkeit.

Flein Lager in

kiinsti. Blumen und Blattpflanzen

befindet sieh jetzt

SYtedrichMtrasse 31, Part.

(Ecke der Neugasse).

Empfehle Blumen. Trauben, Hopfen etc. für Costüma

B. V. Santen,

_früher Schillerplatz 2, jetzt l’rieilriclolrasiic 81, Pa rt.

Butter-Abschlag.

Frische Land-Butter per Pfd. 8« Pf.

K. «Teckel, 4. Saalgasse 4.

Zimmer-Teppiche

Ton Mk. 6.— bis zu den feinsten empfehlen in Answahl bei billigen Preisen

J. & F. Suth,

Museumstrasse, Ecke Delaspeostrasse.

14726