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Berlage jum Wiesbadener Tagblatt.

Uo. 21. Aliend-Ansgabe.

Samstag» den 13. Januar.

48. Jahrgang. 1900.

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A Männereitclkcit ist ein häßlicher Götze, dem schon [ S manches trnglose Herz geopfert wurde. DJ

5 Kotzebue. IJ

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(25. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten).

»»Die Enrasteriu".

Roman aus der indischen Neuzeit von ßark Tauera.

Die Menschen sahen zwar hübsch und intelligent aus, aber Ihre Bticke zeigten eine gewisse Hinterlist, und ihr Benehmen war scheu, servil und oft sogar unwürdig devot. Das Alles weckte in ihr den unheimlichen Gedanken, daß auch ihre Vorfahren mütterlicherseits so gewesen sein niochten, und daß vielleicht so häßliche und unschöne Eigenschaften in ihrem eigenen Innern ebenfalls schlummern könnten. Dabei fiel ihr ein, wie absprechend sich ihr Bräutigam über diese Hindus geäußert halte. Dies erschreckte sie, und mit wahrer Todesangst dachte sie daran, daß er vielleicht solche In­stinkte an ihr entdecken und dann aufhören könnte, sie zu lieben.

Andererseits aber erregte es sie doch sehr, endlich ein­mal Verwandte zu sehen und Angehörige ihrer Familie kennen zu lernen. Das deutsche Familienleben, das sie in Stuttgart Gelegenheit gehabt hatte, zu beobachten, war ihr immer als etwas unendlich Poetisches erschienen, und darum fühlte sie schon jetzt eine gewisse verwandtschaftliche Liebe für die alte Dame, welche ihre Großniutter sein sollte, noch ehe sie dieselbe nur gesehen hatte.

Ein Miethswagen brachte sie in kurzer Zeit zu dem alten Königspalaste. Sie trug ein einfaches Helles Kleid und über der rechten Hand das ererbte Armband aus Brillanten und Rubinen. Man mußte lange Höfe passiven. In einem der Durchgänge waren Bilder früherer Fürsten in den buntesten Farben und reich mit Gold geschmückt, angebracht. Nun gelangte sie in den großen Audienzsaal. Welch ein Wirrwarr von Säulen u»»d Pilastern, »velch ein Durcheinander der grellsten Farben, glitzender Gläser und Spiegel, strahlender Lüster 2 c.! Hier standen schöne Bronce- und Silberarbeiten, dort werthlose Machwerke ans Goldpapier und Flitter. Alte kostbare Waffen und moderne Schundwaaren hingen abivechselnd nebeneinander, und über Allem leuchtete das geschnitzte, aber schreiend bemalte Holz­werk der Decke und der Säulen.

Der Rest verschwundener Pracht!"

So dachte Alice, und damit traf sie das Nichtige.

Nun erschien ein Diener und führte sie durch mehrere dunkle Gänge nach dem eigentlichen Frauenpalast, Jranamadu folgte seiner Herrin auf dem Fuße.

Man gelangte in einen kleinen, aus Marmorsäulen ge­schaffenen Vorplatz. Dort stand ein von Kopf bis zu Fuß scharlachroth bekleideter Hofbeamter, der ein reich mit Edel­steinen besetztes Krummschwert an der Seite führte. Er­fragte etwas in der Tamulensprache. Jranamadu machte den Dolmetscher.Der Hofmarschall der Königinnen wünscht zu wissen, welche von ihnen, oder welche Prinzessin Sie zu sprechen verlangen?"

Ich möchte meine Großmutter, die Wittive des Jaghirdar Shivadschi, zweiten Sohnes des letzten Radschah von Tanjore, sprechen."

Der Beamte verschwand. Bald darauf kam er wicder und forderte die Fremde und deren Dolmetscher ans, ihm zu folgen. Wiederum mußte man einen dunklen Gang passiren. Dann aber gelangten Alice und Jranainadu mit dem Hofmarschall in ein mit üppigstem Reichthum aus- gestattetes, freundliches Geinach. Kostbare seidene Divans standen an den Wänden, kunstvolle indische Tischchen, Stühle, Vasen und Bildwerke in Holz, Bronce und Marmor waren überall vertheilt; prächtige Teppiche bedeckten den Boden und zwischen den Säulchen der einen Wand hin­durch genoß man einen prachtvollen Blick auf die riesigen Tempelanlagen der sogenannten großen Pagoda.

Kaum hatte sich Alice etwas umgesehen, so erschien eine von z>vei Dienerinnen begleitete Dame in indischer Tracht und über und über mit Schmuck behängt. Sie mochte zivischen sechzig und fünfundsechzig Jahre alt sein.

In keinesivegs besonders freundlicher Stimmung sprach sie etwas auf tainulisch, ivas Jranamadu wörtlich übersetzte: Du willst das Kind »neiner jüngsten Tochter sein? Ich habe nie gehört, daß ihr Kind sie überlebt habe. Man hat mir nur vor etwa zwanzig Jahren milgetheilt, sie sei ge­storben, und ihr Gatte, der englische Offizier Conninghani, wäre nach Bombay oder Lucknow gezogen. Seit jener Zeit hörte ich keine Silbe mehr, weder von ihm, noch von meiner armen Dindigal Lakschmi. Wie willst Du mir beiveisen, daß Du ihr Kind und somit meine Enkelin bist?"

Alice erhob nun ihren rechten Arm, zeigte ihr Erbstück und wollte Jranamadu beauftragen, ihrer Großmutter zu sagen, ivie sie es erhalten habe. Kaum aber sahen die Ajas, d. h. Dienerinnen, das kostbare Armband, so stürzten sie ans die Kniee und küßten das Gewand des jungen Mädchens, während sie alle nur möglichen tamnlischen Frendenrnfe hören ließen. Auch die alte Prinzessin Aru- »vati fiel sofort Jranamadu ins Wort, stürzte auf Alice zu, umarmte sie und rief mit vor Erregung bebender Stiinme so schnell durcheinander, daß der Singhalese kaum rasch genug Alles übersetzen konnte. Es lautete:

Ja, Du bist eine Nachkommin meines Stammes,_ Du trägst eines der Armbänder, welche mein Gatte seinen Töchtern schenkte und die ganz gleich sind mit Ausnahme des Zeicheirs, »velches rücklvärts eingravirt ist. Dein Arm­band muß eine kleine Lotosblume und die Zahl 5 tragen. Laß es mich näher sehen."

Alice nahm das Armband ab und gab es der Inderin. Diese suchte und fand sofort das erwähnte, ganz versteckt angebrachte Zeichen, welches das junge Mädchen noch nicht entdeckt hatte. Nun umarmte die Prinzessin von Neuem ihre Enkelin und rief abermals in erregtestem Tone:

Kein Ziveifel ist niehr. Du bist das Kind meiner ge­storbenen Lieblingstochter Dindigal Lakschini. Warum habe ich nie von Dir gehört? Waruin hat sich Dein Vater nie um mich bekümmert? Lebt er noch? Wo ist er? Er soll auch zu mir kommen und mir von Dindigal Lakschmi er­zählen."

Jranamadu hatte keine leichte Aufgabe, Alles zu über­setzen, ohne etivas zu vergessen. Aber er löste sie gut und berichtete nun der Priestcrin die Worte seiner Herrin, daß ihr Vater auch schon lange Jahre gestorben sei, daß sie jetzt erst das Armband erhalten, und daß sie nicht eher Gelegenheit gehabt habe, ihre Großmutter aufznsucheu.

Armvati ließ den Dolmetscher kaum aussprcchen, da rief sie schon wieder:Jetzt aber mußt Du lauge bei mir bleiben und mir und den Königinnen erzählen. Eine ist Dir ja auch verwandt, denn Dein Großvater, der Jaghirdar Shivadschi, mein Gatte, war ja der Sohn der dritten Gemahlin des Radschah Sharabhodschi, und Letztere, Deine Urgroßmutter von dieser Seite, lebt noch hier im Palast. Sie ist jetzt die zivcite Königin-Witlwe, die älteste ist gestorben, fünf leben noch. Wenn Du gleich bei mir bleiben willst, so werbe ich selbst Dich in Deine Gemächer führen."

Alice folgte der Aufforderung ihrer Großmutter und be­gab sich mit ihr in die inneren Räuine des Palastes. Nach einiger Zeit hatte Jranamadu das Gepäck vom Bahnhof holen lassen, und damit >var Alice Coniringham vollständig in den alten Königsvalast von Tanjore, in die Stätte, in welcher ihre Ahnen mütterlicherseits einst im größten Luxus, in größter Pracht gelebt hatten, eingezogen.

Unter unaufhörlichem Plarrdern, wovon das Mädchen kein Wort verstand, führte die Prinzessin ihre Enkelin durch bunte, reich geschmückte Hallen nach verschiedenen kleineren Zimmern. Aus einem ivurde schleunigst eine alte Hofdame ausquartiert, und hier sollte nun Alice hausen. Das Gemach zeigte den höchste» Luxus, der denkbar war. Ein kleiner Springbrunnen von Rosemvasser verbreitete Kühlung und herrliche Düfte, Malten, Teppiche, Modarabad-Schalen,

Benares-Arbeiten, Vasen von Labore, Götterbilder aus Haiderabad, geschnitzte Möbel rc. standen überall uin- her, Blumen prangten dazwischen; kurz, es war ein reizendes idyllisches Märchenheim. Jetzt konnte Jranamadu wieder die Worte der Prinzessin Aruwati übersetzen.Das Alles gehört Dir. Hier sollst Du leben. Ich will Dich hegen und pffcgen wie meinen Augapfel, und >venn ich sterbe, sollst Du Alles erben, was ich besitze. Du bist ja die einzige Enkelin, die mir übrig geblieben ist. Wie schön Du bist, wie die herrliche Göttin von Bangalor. Und so sah auch meine thcuere Dindigal Lakschmi aus. Nur Deine Augen sind blau wie Saphire aus Lankadiva*) und Deine Gesichtsfarbe ist im kalten Norden gebleicht Aber Du mußt andere Gewänder tragen. Seide muß Dich umhüllen und kostbare Steine sollen den Glanz Deiner Schönheit erhöhen. Warte hier, ich werde gleich in meinen Truhen Nachsehen und Dir senden, ivas mir für Dich geeignet erscheint."

Damit lief sie fort und ließ Alice mit Jranamadu allein. Kaum hatte Erstere einem Chuprassij d. h. einem Bolen, den Auftrag gegeben, das Gepäck hierher zu bringen, so trat ein niedliches, etwa fünfzehn Jahre altes Hindnmädchen ein und meldete sich als Aja. Jranamadu sprach mit der­selben und erfuhr, daß sie Tarli, d. h. Sardinchen, heiße und vollständig Alice zngclviesen sei. Nun empfahl sich der Singhalese. Seine Herrin konnte sich jetzt etivas Umsehen. Eine entzückeirde Veranda schloß sich an das Geniach an, bot schattige Ruheplätze und zeigte eine herrliche Aussicht auf wunderbare Gärten und im Hintergründe ebenfalls auf die große Pagode. Von Baum zu Baum flatterten u»»d schwirrten grüne und rothbraune Papageien, grüngelbe Chamäleons huschten durch die Büsche und possirliche Affen liefen auf den Wegen umher.

Alice glaubte sich in ein Märcbcnschloß versetzt. Was war das doch Alles überraschend gekomineu! So hatte sie sich ihre Aufnahme doch nicht vorgestellt. Es that ihrein Herzen wohl, endlich einmal Menschen gefunden zu haben, die sie auf Grund der Blutsvcrwairdtschaft uiit offenen Armen empfingen und sie »nit Liebe überschütteten, obwohl sie sie noch gar nicht näher kannten. Aber sie machte sich Vorivürfe, daß sie nicht sofort gesagt habe, sie könne nur einige Wochen bleiben. Allein sie mar ja nicht zu Worte gekoinmen. Auch jetzt ließ man sie nicht ihren Gedanken nachhängen. Zuerst kam Tarli und fragte etivas, das Alice nicht verstand. Durch Geberden machte ihr die kleine Hindu unter Lachen und Kichern klar, daß sie doch das Kleid aus- ziehen solle. Ebenso lachend lehnte Alice ab. Tarli konnte gar nicht begreifen, daß man bei solcher Wärme geschlossene Geivänder tragen könne. Sie selbst halte nichts an, als ein seidenes Röckchen, war aber sonst ganz mit Schmuck bedeckt. Auch durch die Nase trug sie, wie alle Hindufranen, einen hübschen mit Edelsteinen besetzten Ring.

Plötzlich erschienen z»vei alte Dienerinnen und brachten eine Masse von Scidcirkleidern, Ketten, Perlschnüren rc. Da zum Glück auch Jranamadu wieder erschien, so konnte man sich verständigen. Armvati sandte dies Alle?, damit sich Alice schmücken könne, um den Königinnen vorgestellt zu werden. Nach langem Hin- und Herreden wurde ihr klar gemacht, daß die Etiquette verlange, in diesen Ge­wändern vor den königlichen Wittivcn zu erscheine», und daß auch die Prinzessin Aruwati sich bereit mache, um diesen Damen ihre Enkelin vorzustcllcn. Nun sträubte sich Alice nicht länger. Jranamadu mußte auf die Veranda treten, hinter eine Matte stehen bleiben und von dort aus, ohne ins Zimmer zu blicken, den Dolmetscher machen. Nun fand unter Lachen und Kichern Tarlis die Umkleidung der Europäerin statt. N'ach kurzer Zeit stand sie in kostbare Seidengewänder gehüllt und über und über mit Schmuck behängt als Jndicrin da. Nur das Anlegen eines Ohrcn- ringes mißlang gründlich. Einzwickcn war nicht möglich, und gegen ein Durchbohren des linken Nasenflügels ver­wahrte sich Alice feierlich.

*) Tamnlisches Wort für Ceylon.

(Fortsetzung folgt.)

Um» Füchertisch.

* Ueber die Wechselwirkung zwischen Heer- und Morinewesen einerseits und Handel und Weltwirthschaft andererseits wird hent- zuiage wohl kein Zweifel mehr bestehen können, denn mit dein Auf­blühen der Handelspolitik, überhaupt der Kultur, war stets auch eine Weiterentwickelung des Militär- und vor Allem des Flotten- weiens der betreffenden Nationen eng verknüpft. Deutlicher als je haben die« die letzten Zeitereignisse, die jüngste Politik Deutschlands klargelegt, und aus diesem Grunde dürfte ei» Werk, das nuser modernes Heer- und besonders Marinewescn ausführlich behandelt, nicht nur dein regsten Interesse begegnen, sondern direct einem längst empfundene» Mangel steuern. Ein solche« Werk erscheint soeben im Commissionsverlag bei Ernst Wiest Nachf., Leipzig. Es ist betitelt:Deutschlands Wehr zu Lande und zur See" und enthält vor Allem eine zusammcnfassende Darstellung aller deutschen Kriegsschiffe. Besonders sei auf die dem Texlbuche beigc- gebenc Prachtmappe hingewicsen, die 23 wcrlhvolle farbige Litho­graphien unserer bedeiitcndsten Panzerschiffe und Kreuzer in künst­lerischer Ausführung enthält. Sie stempeln das Werk durch ihre gediegene Pracht zu einem Geschenkwerk voruebnister Art. Außer­dem weist die Prachtmappe als eine bisher noch unbekannte Neuheit das zerlegbare Modell eines modernen Kriegsschiffe« auf. das euren Panzerkreuzer en miniature mit greifbarer Anschaulichkeit darstellt. Es ist die« eine ebenso interessante lute originelle Beigabe des Buches und wir glauben sicher, daß sich dasselbe auch i» unserem Leser­kreise zahlreiche Freunde erwerben wird, umsomehr, als der Verfasser Bernhard Deutsch-Lerche» seid als Autorität auf diesem Gebiete anerkannt werden mutz. Das Werk kostet 45 Mk.

* D e r GI o b u s. Die im Verlage von Friedr. Vieweg ».Sohn in Braunschweig erscheinende, von Richard And ree heraus- gcgedene illustrierte ZeitschristGlobus", die sich die Verbreitung des Interesses an der Erd- und Völkerkunde angelegen fein laßt, beginnt soeben ihren 77. Band und tritt damit in das 39. Jahr ihres Bestehens. Wir benutzen diese Gelegenheit, um unsere Leser von neuem aus diese gediegene und sorgsam geleitete Zeitschrift ausmerksam iu machen, die neben der Pflege der wissenschaftlichen Disziplinen

es auch nicht versäumt, durch allgemein verständliche Artikel und Notizen dem Bedürfniß jedes Gebildeten enlgegcnzukommcu und auch den Zeitereignissen, soiveit sie eine Erläuterung vom Standpunkt der Erd- und Völkerkunde herausfordern zu folgen. Sie beschäftigt sich in völlig unabhängiger Weise mit unseren Kolonien und war iu der Lage, eine ganze Reihe von Arbeiten und Aussätzen aus der Feder voll Männern zu bringe», die selbstdraußen" Ihätig sind. Im Ucbrigcn umfaßt der Mitarbeiterkrei« eine Reihe der namhaftesten Gcoaraphcn, Hochschullehrer und Reisenden, deren Rus für den Werik des Inhalts bürgt. Besondere Beachtung verdienen auch die zahlreichen Abbildungen, die jede Nummer schmücken und die Artikel erläutern; auch sic haben dazu beigelrngen, daß derGlobus" sich eine geachtete Sleilnng in der gesammten in- und ausläridischeu geographischen Zeilschristcnlitleratur errungen hat. Für den neue» Baud sind zunächst u. A. folgende zum Theil illustrierte Arbeiten in Aussicht genommen: Professor G. Fritsch: Die Entstehurig der südasriknnischen Staaten; die Tabakpflanzungen auf Sumatra-, Gesscit: Das Land zwischen Jnachab und Bethanien in Deulsch- Südwestafrika; v. König: Echternach und seine Springprozession; Krause: Das Alter der Heidcfelder in den Ostseeländern; Laich: Die Verbleibsorte der abgeschiedenen Seelen der Selbstmörder; Mayr: Die Insel Pantellaria; Neef: Die Paistonisten im Süd­westen der Vereinigte» Staaten; S. Passarge: Reisebriefe aus der Karroo, Johannesburg und Kitnberley; Reinecke: Die wirthschaft- liche Bedeutung Snmoas und die deutschen Pflanzungen; Sapper: Reise zu den Talamancaindianern in Costar-ca; die im Jahre 1990 noch unerforschten Erdgcbiete; Struck: Erforschung und Ausnahme der Königsgräber von Amasia (Kleinasien); Tctzner: Die Polaben im hannoverschen Weitdlande; von Viucenz: Ei» Besuch ans der Insel Delos; Winter: Das Leben in einer Kirgiscnjurte; Zcmmcrich: Die Zustände an der deutsch-tschechischen Sprachgrenze in West- Böhmen. DerGlobus" erscheint i» halbjährlichen Bänden zu je 24 Heften und kostet vierteljährlich 6 Mark. Er ist durch die Buchhandlungen zu beziehen oder direkt durch die Post (Post­zeitungsliste No. 3126).

* Taschen-Kalender für Bierverleger und Bier­händler für das Jahr 1900. Preis Mk. 2.50. (Lübeck, Charles Colemann).

Uermisch-es.

*Anf dem Kerge Ida mar e»." Eine Offenbach- Anekoole erzählt Einest Blum in sc,»ein imGanloiS" veiöffeut- lichtenJoiirnal dun vaudevil liste: Offcnbach hatte in DnpuiS einen Komiker gefunden, der nicht nur ein großer Schauspieler, sondern auch ein vortrefflicher Sänger war. Mit einem wahren Hochgenuß zffelirte er für ih» da« Rondo vomUrtheil auf dem Berge Jdu" in derSchönen Helena". Acht Tage vor der ersten Aufführung aber fand der Componist eines Abends ein anderes Motiv für das berühmte Rondo; er ging »ach Hauie, schrieb er auf und brachte cs Dupni«, der sich klar und bestimmt weigerte, -s zu leinen.Nein", sagte er, seit zwei Monate» wiederhole ich täglich da« andere Rondo, id) habe cs gebüffelt, es geht vortrefflich, ich werde mir also nicht adu Tage vor der ersten Aufführung eine andere Arie in den Kopf setzen, das würde mich nur verwirren.' Offenbach war untröstlich. Dnpuis weigerte std> sogar, das neue Motiv anzuhören. Der Componist führte nun Dupnis !N ein Kabincl cincs der vornehmste,> Restaurants zum Essen. Man sprach von diesem und jenem; von dem neuen Rondo kein Wort. Nach dem Kaffee setzte sich Offenbach nachlässig an das Piano und spielte seine letzte Arie.Was ist denn das?" fragte DupUiS. Das tst hübsch!"ES ist eine Melodie, die ich für später auf- bcwahrc; ich wollte sie nicht in dieSchöne Helena" hinembriiigen, weil sie zu schiver zu singen und besonders zu behalte» ist. Das finde ich nicht," sagte DupuiS,ich sinde im Gegentheil, daß mau sie sehr leicht behalten kann, id, glaube sogar, daß ich sie schon singen kann."Id) Welte dagegen!"Abgemacht! Versuchen wir es also!" lind, von Offenbach begleitet, sang Dupnis die Arie fehlerfrei herulitcr.Sehr gut!" rief Offcnbach,und jetzt können Sie sie andj bei der Premiere singen; es ist nämlich die Arie, die ich Ihnen an Stelle des bewußten Rondos angcboten habe." Dlipuis war , ge­fangen; er beugte den Kops, sah sein Unrecht ein und sang das neue Rondo bei der Premiere.Er sah sein Unrecht dermaßen ein," erzählte mir Offenbach,daß er durchaus das Essen bezahleit wollte."