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Donnerstag, 1. april 1915. sflUSQöbC» Nr. 154. * 63. Jahrgang.
3m März von uns 55800 Russen gefangen
Der Tagesbericht vom 1. April.
Erhebliche französische Verluste bei Luneville — Die Rümpfe im Priesterwalde noch unentschieden. — Im März 55 800 (mit den von unseren Bundesgenossen gemeldeten 39 942 Gefangenen also insgesamt 95 742) Russen gefangen» 9 Geschütze und bl Maschinengewehre erbeutet.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 1. April. (Amtlich.)
westlicher Rriegsschauplatz.
Bei Fortnahme des von Belgiern besetzten Klosters H o e I, eines Gehöftes und eines kleinen Stützpunktes bei Dix- muiden, nahmen wir einen Offizier und 44Belgier gefangen. Westlich Pont-a-Mousson, in und am Pricsterwalde, kam der Kampf gestern abend znm Stehen. An einer schmalen Stelle sind die Franzosen in unsere vordersten Grüben eingedrungen. Der Kampf wird heute fortgesetzt.
Bei Vorposten-Gefechten nordöstlich und östlich von Luneville erlitten die Franzosen erhebliche Verluste.
In den Vogesen fanden nur Artilleriekümpfe statt.
westlicher Rriegsschauplatz.
In der Gegend von A u g n st o w und S u w a l k i ist die Lage unverändert. Nächtliche Übergangsvcr- snche über die Rawta südöstlich Skier«iewirr scheiterten. Russische Angriffe bei Opocno wurde» zurückge- schlagcn. Im Monat März nahm das deutsche Ostheer i in ganzen 55 800 Russen gefangen und erbeutete 0 G e» schütze und 61 Maschinengewehre.
Oberste Heeresleitung.
Der Handelskrieg gegen England.
Neue Erfolge unserer Rl-Voote.
Zwei britische Dampfer bei den Scilly-Jnseln versenkt.
W. T.-B. London, 31. März. (Nichtamtlich) Das Reuter- sche Bureau meldet: Der britische Dampfer „Flamonian", von Glasgow nach dem Kap unterwegs, wurde Dienstag 50 Meilen von den Srillpinseln entfernt zum Sinken gebracht. Von der Mannschaft wurden 31 Mann von dem dänischen Dampfer „Finlandia" ausgenommen und in Holy Hcad gelandet.
W. T.-B. London, 31. März. (Nichtamtlich.) Das „Rcutersche Bureau" meldet aus Glasgow: Der
Dampfer „Crown o f C a st i l e" ist auf der Höhe der Scilly-Jnseln torpediert worden.
W. T--B- London, 1. April. (Nichtamtlich.) Die Blätter melden: Ein griechischer Dampfer hat berichtet, daß ein britischer Dampfer von 7000 Tonnen 30 Meilen, südwestlich von den Scilly-Jnscln gesunken sei. Die Besatzung befinde sich in den Booten. lAus der Meldung ist nicht ersichtlich, ob es sich um einen gestern als torpediert gemeldeten Dampfer oder um einen neuen handelt.)
18 Stunden von einem Tauchboot verfolgt.
W. T.-B. London» 31. März. (Nichtamtlich.) Das „Reutersche Bureau" meldet: Der Dampfer „Dune
tz i n" ist in Dublin angekommen. Das Schiff wurde 18 Stunden (?) von denrfelben Unterseeboot verfolgt, das den Dampfer „Faloba" zum Sinken brachte. Die „Dunedin" wollte die „Falaba" unterstützen, doch wurde sie selbst verfolgt.
„Rache" für die „Falaba".
W. T.-B. London, 31. März. (Nichtamtlich, Reuter.) Der Sekretär des Vereins der Kapitäne der Handelsschiffe hat erklärt, daß dos Versenken des Dampfers „Faloba" die Kapitäne zn dem Entschlüsse gebracht habe, den Tod des Kapitäns der „Falaba" zu rächen. Die Kapitäne bemühen sich, Kanonen zu erhalten. Ein Kapitän teilte dem Verein mit, daß seine Bemühungen, Kanonen zu erhalten, bisher immer vergeblich waren.
Oer beste Schutz gegen Tauchboote.
Ausweichen und nachts fahren.
W. T.-B. London, 1. April. (Nichtamtlich.) Der Berichterstatter der „Times" schreibt: Das Auftauchen von Unterseebooten mit 20 Knoten Geschwindigkeit in britischen Gewässern läßt neuerlich die Frage nach ausreichenden Verteidigungsmitteln für Handelsschiffe laut werden. Die Ausstattung der Schiffe mit Kanonen sei schwer durchführbar, da die Schiffszahl zu groß sei und die Kanonen außer rn den Gefahrzonen auf längeren Reisen unbenutzt bleiben würoen. Ai'ch Bebl WUllgsmanp schasiM fehlen. Das borge*
schlagen« Konvoisystem würde die Bewegungsfreiheit der großen Handelsflotte zu viel eirrschränken. Der Angriff auf die Unterseeboote und der Versuch, sie zu rammen, ist die wirksamste Verteidigung. Da es aber Glück sei, dem Unterseeboot überhaupt auszuWeichen, wäre es am besten, wenn die Schiffe die verhältnismäßig kurze Strecke, die von den Unterseebooten unsicher gemacht wird, nur bei Nacht zurücklegten.
Jagd englischer Torpedoboote auf deutsche Unterseeboote.
Kopenhagen, 30. Nkärz. Aus Rotterdam wird gemeldet, daß die Besatzung eines holländischen Feuerschiffes in Vmuiden angekammen ist und berichtete, daß sie gestern in der Nordsee ein großes deutsches Unterseeboot unbekannten Modells gesehen habe, wie es von vier englischen Torpedobooten verfolgt wurde. Es entkam tauchend. In Umutden liegen mehrere englische Dampfer mit Lebensmitteln, die n i ch t w a g e n, auszufahren.
Ein neuer Gegner unserer Il-Boote.
Br. Rotterdam, 1. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der englische Vizeadmiral Walker erbat seine Reaktivierung und das Kommando eines Kriegsfahrzeuges, welches damit beauftragt wirb, auf die deutschen Unterseeboote Jagd zu machen. Er erhielt eine Zusage.
Drohender Streik in der englischen BaunUovllindnstrie.
W. T.-B. London, 1. April. (Nichtamtlich.) In der gestrigen Konferenz zwischen den Arbeitgebern und Arbeiterin der Baumwollindirstrie in Manchester weigerten sich die Fabrikanten, den Arbeitern die verlangte lOprozentigc KriegS- zulage zu geben. Da die Baumwollindustrie zu sehr unter dem Krieg gelitten habe, mache es den Fabrikanten Schwierigkeiten, genügende Beschäftigung für die Angestellten zu finden.
Stocken des Zrachtverkehrs zwischen Südafrika und England.
W. T.-B. Amsterdam, 31. März. (Nichtamtlich) Das südafrikanische Blatt „Volksftem" vom 23. Februar berichtet, daß die Ausfuhr von Mais aus Südaftika aufgehort hat: Die
Unwn Castle-Gesellschaft, die ein Abkommen mit der Regierung hatte, wonach sie die Tonne Mais für 10 Shilling von Südafrika nach Europa befördern wollte, kündigte den Vertrag, wozu sie berechtigt ist. Einer der Gründe war die Steigerung des Frachtpreises. Während früher Mais aus Argentinien zu der gleichen Frachtrate beordert wurde, stieg der Preis jetzt auf 45 Schilling. Außerdem hatte die Gesellschaft keinen Schiffsraum zur Verfügung. Jetzt kommt wöchentlich nur ein Schiff nach Südaftika, ftüher waren es zehn. Jetzt wird nur der P o st d i e n st noch auffecht erhalten. „Volksstem" weist darauf hin, daß in Durbon eine Million Malter Mais auf Verschiffung warten, ivährend die südafrikanische Regierung große Schwierigkeiten hat, die Anfuhr der für die Kriegführung notwendigen Vorräte zu erreichen. Auch die Wollausfuhr leidet unter diesen Verhältnissen.
Die Stauung im Hafeu von Liverpool.
W. T.-B. London, 1. April. (Nichtamtlich) In Liverpool sind infolge Platzmangels 35 Dampfer aufgehalten, die nicht ausladen können. Der Handel mit frischem Gemüse, der sofortige Ausladung erfordert, ist nach M a n ch e ft e r abgelenkt.
Die Schwierigkeiten des englischen Offiziersersatzes.
Bon der holländischen Grenze, 31. März. (K. Z.) In einer Zuschrift an die „Times" wird dargelegt, daß eine der größten Schwierigkeiten für die Engländer in dem Offizier- ersah liege. Die Verluste an Offizieren betragen schon seit einiger Zeit über 700 monatlich. Der Ersatz, meint der Schreiber, könne am besten in den groß en Schulen des Landes gewonnen iverdeu. Dazu sei es nötig, die aus diesen Schulen entlassenen Zöglinge nicht gleich in das aktive Heer als Soldaten einzustellen, sondern zunächst in einer R e s e r v c t r n p p e, wo sie ihre Ausbildung zu Offizieren erhalten können.
Amerika erkennt Englands Rriegsgrund.
W. T.-B- Washington, 1. April. (Nichtamtlich.) Die „Washington Post" schreibt: Der Krieg ist der Selbstsucht Großbritanniens zuzuschreiben. Kaufmännischer Wettbewerb und industrielle Rivalität habe» niemals einen Krieg gcrechffertigt, sic sind aber taffächlich die Ursache dafür, das, Großbritannien gegen den eigenen Vetter kämpft.
von den östlichen Kriegsschauplätzen.
Was man in Rußland Hindcnburg zutraut.
St. Petersburg, 28. März. In der letzten militärischen Wochenübersicht der „Noivoje Wremja" vom 25. März findet sich der Passus, es sei nach den üblichen sechs oder sieben Wochen P a u se wieder eine der manövrierten Überraschungen
Hindenburgs fällig. Es sei gar nicht wunderbar, wenn er nun auch eirunal eine Eisenbahnfahrt nach der B L k o w i n a unternähme!
Beschießung Libaus.
Bon der holländischen Grenze, 31. März. (K. Z.) Im russischen amtlichen Bericht vom 30. März heißt es am Anfang: Am Abend des 28. kamen deutsche
Schiffe dicht vor Libau und gaben 200 Schüsse auf die Stadt ab. Ein Einwohner wurde getötet, einer verwundet. keine Militärperson wurde verletzt.
Rücktritt des Generals Ruhki.
Br. Stockholm, 1. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Ern Telegramm aus Petersburg meldet den Rücktritt des russischen Generals Rutzki, der als Kommandant der 3. Armee bei Lemberg, Warschau und P r a s ch n ü s ch hervorragend tätig war. Der Rücktritt ist angeblich aus Gesundheitsrücksichten erfolgt. Der Zar beklagte in einen: persönlichen Schreiben den Entschluß des Generals, der anläßlich seines Abschieds zum Mitglied des Reichsrates ernannt wurde.
Spionenriecherei in Petersburg
Offiziere als deutsche Spione.
W. T.-B: Berlin, 31. März. (Nichtamtlich^ Aus Stockholm kommt die Mitteilung, daß mehrere höhere Gen- darmerieof^iziere in Petersburg als Spione in deutschen Diensten entdeckt worden seien.
W. T-B. Stockholm. 31. März. (Nichtamtlich.) Die Mitteilung, daß mehrere höhere Gendarmerieoffizierc in Petersburg als Spione in deutschen Diensten entdeckt worden feien, wird amtlich bestätigt. Mehrere wurden verhärtet. Die Anzahl der verhafteten Personen steht nicht fest. Unter ihnen befindet sich ein sehr bekannter hochstehender Offizier. Die Affäre erregt peinlichstes Aufsehen in den russischen militärischen Kreisen.
Reise des Zaren nach Odessa.
Br. Bukarest, 30. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Einer Privatnachricht aus Odessa zufolge werden dort große Vorbereitungen getroffen tu Anbetracht der Ankunft des Zaren, der die zur Landung gegen die T ü r k e i bestimmten Truppen besichtigen will.
Die Verfolgung des deutschen ttapitals in Rutzland
Eine warnende russische Stimme.
W. T.-B. Petersburg, 31. März. (Nichtamtlich.) „Rsetsch" führt im Anschluß an einen Artikel des „Petersburger Kurier" aus, daß die Parole des Augenblicks zwar die Ligui- dation und Einziehung des d e u t s ch e n Eigentums sei; der beschrittene Weg sei aber sehr gefährlich, da er das Vertrauen des ausländischen Kapitals Rußland entziehe, nachdem mit der Enteignung deutschen Eigentums ein ungünstiger Präzedenzfall geschaffen sei. Das Schlagwort von der Unterjochung des russischen Wirtschaftslebens durch die Deutschen sei schon deshalb nicht zutreffend, weil 308 Millionen Rubel französisches Geld, 230 Millionen Rubel belgisches umd 20t Millionen Rubel englisches Geld, aber nur 143 Millionen Rubel deutsches Geld in Rußland investiert seien. Es sei beispielsweise nicht verständlich, weshalb die Elektrizitätsgesellschaft von 1886 in Moskau mit Maßregeln verfolgt werde, trotzdem es notorisch sei, daß neben deutschem vornehmlich russisches und schweizerisches Geld in dem llnternehmen investiert lei. Bei konsequenter Durchführung des Nationalitäts- Prinzips im Wirtschaftsleben müßte auch der größte Teil der russischen Banken und sonstigen Unternehmungen liquidiert werden, da auch in diesen deutsche und andere ftemde Gelder investiert feien. Nicht die nationale Leidenschaft und die dadurch hervorgerufene Erregung sollten für derartige Ausnahmen bestimmend sein, sondern nur das Interesse der wirtschaftlichen Zukunft Rußlands.
Die Seuchengefahr in Petersburg.
Br. Chrisiiania, 1. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) „Morgenbladed" meldet: Ein uns Petersburg
heimgekehrter Arzt berichtet: In Petersburg wurden
bis heute 4 00 Erkrankungen an Pocken festgestellt. Die Epidemie scheint außerordentlich schnell um sich zu greifen. Ebenso seien Typhus und Cholera in Petersburg und Umgebung epidemisch aufgetreten.
wie die Russen den Italienern und Rumänen drohen!
W. T.-B. Petersburg, 1. April. (Nichtamtlich.) „Rußkoje Slowo" bringt eine» drohenden Artikel gegen Italien und Rumänien. Falls sich diese Länder nicht den Alliierten a u s ch l i e ß e n und ihre Neutralität ausgeüen werden, würde Italien sofort durch die Flotte der Alliierten ausgehungert und Rumänien von den russischen Truppen übe x,, schwemmt werden.
