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Wiesbadener Tagblatt

«8. Jahrgang.

Erscheint in zwei SlnSaalien. — BezngZ-Preis: durch den Verlag so Pfg. monatlich, durch die Post > Mk. «o Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

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21. Fernsprecher No. 52.

Abend-Ausgabe.

Deutsches Deich.

Aus dem Reichstag.

L. Krrlin, 12. Januar.

Das Caprivische Rezept, das Gute zu nehmen, woher es kommt, sollte in der Politik ohne jede Einschränkung gelten. So darf denn der Abg. v. Stumm aufrichtiger Zustimmung zu seinem Antrag gewärtig sein, mit dem sich (in Verbindung mit einem entsprechenden Centrumsautrag) der Reichstag heute beschäftigte, nub der eine Wittwen- nnd Waisenversicherung als Krönung der bestehenden Ver- sichcrungSgcsetze in Aussicht nimmt. Wenn freilich der Antragsteller meinte, daß lieber die Pensioniruug der Arbeiter, wie er die Unfallrenten nennt, aufgegeben werden möge, damit die Wittmen und Waisen ausreichend unter­stützt werden können, so wird er selber nicht erwarten, mit solcher Meinung jemals durchzudringen. Jenes ist gut und dieses ist gut, also wollen mir das Eine behalten und das Andere erstreben. Der Antrag Stumm verdient den Vorzug vor­dem Ccntrumsantrag, der die Wittwen-und Waisenversicherung zunächst nur auf die Industriearbeiter ausgedehnt wissen will und später erst auf die ländlichen Arbeiter. Graf Posadowsky hatte es sehr bequem, sich gegen diese Trennung zu wenden und dabei ein paar Bravos der Konservativen eiuzuheimsen. Auch hat er in der Sache vollkommen Recht, wenn er besorgt, daß die etwa reichsgesctzlich gewährleistete Sicherstellung der Hinterbliebenen der Industriearbeiter die Landflucht noch steigern würde. Soll auf diesem Gebiet vorgegangen werden, so muß es also gleichmäßig geschehen. Wir werden die Wittwen- und Waisen-Versicheruug nicht morgen und nicht übermorgen bekommen, aber kommen wird sie. In dieser Erwartung wird man sich auch durch die Berechnung des Grafen Posadowsky nicht abschrecken lassen, wonach es sich dabei um neue jährliche Aufwendungen von 95 und mehr Millionen handeln würde. Allerdings ist vorher noch einiges Andere zu thnn, was kaum weniger wichtig und jedenfalls billiger durchführbar ist, nämlich der Ausbau der bestehenden Versicheruugsgesetze und ihre zweck­mäßige Reform auf der Grundlage der gemachten Er­fahrungen.

K r n p p.

Die bedeutsame Mittheilung der „N. A. Z.", wonach Krupp an der Lieferung von Waffen, Geschützen, Munition oder anderweitigem Kriegsmaterial „an eine der beiden kriegführenden Parteien" verhindert worden ist, bestätigt zu­nächst indirekt, daß die Firma Krupp in der That die Lieferung von Stahlgranatcn für England übernonimcn hatte. Man ersieht hieraus wieder einmal, was Ableug­nungen auf sich haben. In der bestimmtesten Form ist von London aus frech in die Welt gelogen worden, daß Krupp keine Aufträge für England erhalten habe. Das einzig Wahre an dieser irreführenden Darstellung war, daß der Auftrag offiziell nicht von der britischen Militärverwaltung, sondern von einer Privatfirma ertheilt worden war. Für die Sache selbst mußte diese Einzelheit selbstverständlich gleichgültig bleiben. In der offiziösen Mittheilung wird gesagt, daß das be-

Sainstag, den 13. Januar.

treffende Ersuchen unserer Regierung andieFirma Krupp „als­bald" nach dem Erscheinen der bezüglichen Angaben gerichtet worden sei. Wenn dcui so ist, so wirkt es auffallend, daß noch reichlich vierzehn Tage nach der ersten Enthüllung, die das socialdemokratische Blatt in Essen gebracht hatte, er­neute und noch genauere Mittheilungen über die Fortsetzung der Herstellung von Stahlgranaten verbreitet werden konnten. Das Wort „alsbald" mag dann wohl einen ziemlich dehn­baren Begriff in sich schließen, etwa nach dem Muster des berühmten Puttkamerschen „sofort". Jedenfalls wird es sich empfehlen, einen bestinimten Zusamnienhang zwischen der Beschlagnahme deutscher Schiffe durch englische Kreuzer und dem an Krupp ergangenen Verbot anzunehmen. Die Engländer können aus der prompten Belehrung, die ihnen durch dieses Verbot ertheilt wird, zu ihrem Nutzen entnehmen, in welche unangenehme Lage sie sich durch jene Uebergriffe gebracht haben, und ihre materielle Schädigung würde noch empfindlicher sein, wenn sich eine soeben aus London eingegangene, allerdings nicht genügend beglaubigte Nachricht bestätigte, wonach Krupp erst jüngst den ferneren Auftrag erhalten haben soll, 40 Battericen mit zusammen 240 Schnellfeuerkanonen zu liefern. Die Verhinderung der Waffen- und MunitionsanSfuhr nach England kommt gerade recht, um der bevorstehenden Reichs­tags-Debatte über die Beschlagnahme deutscher Postdampfcr ihre besondere Farbe zu geben. In welcher Form diese Debatte stattfinden wird, bleibt von untergeordnetem Inter­esse, und es thut nichts zur Sache, ob cs eine Interpellations- Debatte sein wird, oder ob Graf Bülow i» der Etats- berathung die erforderlichen Auskünfte giebt.

* * *

* Gesrlrenlmnrf, betreffend Vermeidung won Doppel- drstrnernngen. Ein Gesetzentwurf, betr. die Vermeidung von Doppelbesteuerungen, ist durch den Finanzminister zur verfassungs­mäßigen Beschlußfassung an das Abgeordnetenhaus gelangt. Unterm 21. Juni 1899 ist zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn ein Vertrag abgeschlossen worden, der in dem grundlegenden Artikel 1 bcstiunnt: Preußische, bczieliungsweisc österreichische Staatsangehörige sollen zu den direkten Staatsstenern nur in dem Staat herangezogen werden, in welchem sic ihren Wohnsitz haben, in Erinangelnng eines solchen nur in dem Staat, in welchem sie sich aufhalten. Preußische, bezw. österreichische Staatsangehörige, welche in beiden Staaten einen Wohnsitz haben, sollen nur in ihrem Heimathsstaat zu den direkten Staatssteucrn herangezogen werden. Ein Wohnsitz im Sinn dieser Vereinbarung ist an dem Ort anzunehmen, an welchem Jemand eine Wohnung unter Ilmstäuden innc hat, welche aus die Absicht der dauernden Beibehaltung einer solchen schließen lassen. Auf diesen Vertrag nimmt der dem Abgeordnetenhaus unter­breitete Gesetzentwurf Bezug, indem er bestimmt: § 1. Der nebst dem Schlußprotokoll bcigedruckte Vertrag mit der k. k, öster­reichischen Negierung vom 21. Juni 1899 zur Beseitigung von Doppelbesteuerungen, welche sich aus der Anwendung der für das Königreich Preußen beziehungsweise für die im Neichsrathe ver­tretenen Königreiche und Länder geltenden Stenergesetze ergeben könnten, wird genehmigt. 8 2. Der Finanzminister ist ermächtigt, mit Bezug auf Personen und Stcucrqucllen, welche der Steuer­hoheit mehrerer Staaten unterliegen, Vereinbarungen zu treffen und Anordnungen zu erlassen, durch die ihre Heranziehung zu den direkten Staatssteuern unter Wahrung des Grundsatzes der Gegen­seitigkeit auch abweichend von den in Preußen geltenden gesetzlichen Vorschriften geregelt wird.

* Eine Ummandlung des GerichtsvoII?iel,crwe»,>s

soll durch den neuen Etat eingeleitet werden in der Weise, daß die Gerichtsvollzieher gegen festes Gehalt angestellt werden unter Ein­ziehung der Gebühren zur Staatskasse. Gegenwärtig sind 1790 Gerichtsvollzieher vorhanden, eine Vermehrung ans 2097 Stelleir ist

Fernsprecher No. 52. 1900.

in Aussicht genommen. Da bei den kleinsten Amtsgerichten die Gerichtsvollzseker eine ausreichende Beschäftigung nicht finden, so sollen diese auch zu dem Dienst der Gerichtsschreiber, Kanzlisten und Untcrbeamten herangezogen werden. Als Gehalt sind in Aussicht genommen 1500 bis 2700 Mk. mit Ansteigen von je 200 Mk. und Erreichung des Höchstgehalts nach 18 Jahre». Bei den nicht voll mit dem GerichtSvoUzicherdicnst beschäftigten Beamten ist ein ge­ringeres Gehalt in Aussicht genommen. Denjenigen Gerichts­vollziehern, welche jetzt ein höheres Einkommen beziehen, wird für 5 Jahre der Fortbczng des bisherigen Einkommens gewährleistet.

* Strafen in den Kalanieen. In Deutsch-Südwest- Afrika sind im Jahre 1898 99 21 Todesurtheile gefällt und 89 Vcrurtheilungcn zu Prügelstrafen ausgesprochen worden. Die Strafrechtspflege in Deutsch-Ostafrika war noch schärfer. Dort wurde nach den Angaben der neuesten Denkschrift in 22 Fällen auf Todesstrafe und in 1508 Fällen auf Prügel- oder Ruthenstrafe im Höchstbetrage von 25 Hieben erkannt. Von den 22 Todes- urtheclen wurden 13 Urthcile, und zwar durch den Strang, voll­streckt. In den übrigen Fällen erfolgte Begnadigung zu mehr­jährigen Freiheitsstrafen, lieber 6 Monate wurde tn Deutsch- Ostafrika in 124 und zu Freiheitsstrafen bis zu 6 Monaten in 3058 Fällen erkannt. Außerdem wurden 344 Geldstrafen auferlegt.

* Rundschau im Uriche. Der Gcmeinderath in Stutt« gart beschloß, ein vierstöckiges Gebäude für Arbeiter- Wohnungen zu errichten. Die Württembergischc Sparkasse soll 550,090 Mk. Herleihen. — In Sachen Pastor Wein gart ist be­schlossen worden, das Gutachten der theologischen Fakultäten der deutschen Universitäten einznholen.

Deutscher Reichstag.

G Koriin, 12. Januar.

Am Bundesrathstische Graf Posadowsky. Auf der Tages, ordnnng stehen zunächst die seiner Zeit zu dem neuen Jnvaliden- Vcrsicherungsgesetz gestellten Resolutionen. Die Resolution v. Stumm (Rcichsp.) wünscht im Anschluß an die Jnvalidcn-Versicherung auch die Wittwen- und Waisen-Versicherung. Die Resolution Schadler- Hitze (Centr.) wünscht das Gleiche mit der Maßgabe, daß die Relikten-Versicherung für die in Fabriken beschäftigten Personen, unter entsprechender Erhöhung der Beiträge (Zusatzmarken) ein­geführt, den übrigen Versicherten aber die Bethciligung im Wege der freiwilligen Versicherung ermöglicht werde. Eine Resolution Albrecht (Soc.) will die Kranken-Versicherung auf alle der Jnvaliden- Pcrficherung unterworfenen Personen ausdehnen, insbesondere also auf land-und forstwirthschaftliche Arbeiter und das Gesinde. Zuerst werden die Resolutionen v. Stnmni und Schädler-Hitze berathen. Die Abgg. Freiherr v. Stumm und Hitze befürworten,ihre Resolutionen. — Staatssekretär Posadowsky bemerkt zunächst, nach der gegenwärtig dem Hans vorliegenden Reform der iknfall- verstcherung werde alsbald die Resorm der Krankenversicherung, besonders die Ausdehnung der Unterstützung von 13 auf26Wochen, an die Reihe kommen. Erst dann könne der Frage einer Reliktcn- versorgung näher getreten werden. Die Kosten derselben solle man ahcr nicht unterschätzen. Die Beiträge würden sich auf circa 100 Miilionen jährlich bclanfen. Gegenüber der Centrums- Resolution wolle er, Redner, jetzt schon bemerken, daß die Regierung sich onf eine exceptionelle Belastung der landwirth- schaftlichcn Arbeiter aus keinen Fall einlassen werde. (Beifall.) Thäte sie dies, so liege die Gefahr des Wegzuges ländlicher Arbeiter nach den Jndüstrieplätzen vor. (Ruf: Sehr richtig.) — Abg. v. Richthofc» (ko»s.) erklärt, seine Freunde stimmten gegen die Resolution, selbst auf die Gefahr hin, unpopulär zu werden.— Abg. H o fm a nn-Dilleiibnrg (nat.-lib.) ist für Annahme der Resolution v. Stumm. — Abg. Molkenbuhr (Soc). erklärt, seine Freunde nähmen die Resolution v. Stumm an, denn eine solche Relikten-Versorgung sei besser, als die jetzige Armenpflege. Diese neuen Lasten könnten auch durchaus von der Industrie ge­tragen werden.— Aba. Rösicke - Dessau (wild-lib.) ist ebenfalls für die Resolution v. Stumm, die das Mindeste dessen fordere, was nöthig sei. — Abg. Richter (freis. Bolksp.) erklärt sich ent­schieden dagegen, in so großen wichtigen Fragen solche Resolutionen zu beschließen, über deren Ausführung die verschiedenen Parteien so verschieden dächte». Er schlage daher vor, die Resolution

(Schluß.) (Nachdruck verboten.)

Schöne Frauen.

Eigener Aufsatz für das „Wiesbadener Tagblatt".)

Von Richard Wnlckow.

Man spricht wunderbarer Weise eigentlich nur von »schönen Frauen", sehr viel seltener von schönen Mädchen. Von diesen sagt man im gewöhnlichen Sprachgebrauch, daß sie hübsch, vielleicht sogar „sehr hübsch sind". Es scheint fast, als ob mit dem Begriff der „Schönheit" eine gewisse Stattlichkeit und Repräsentation verbunden ist, die den Mädchen in den meisten Fällen noch abgeht. Hört man aber wirklich einmal von einem schönen Mädchen sprechen, so sind ihr fast immer jene beiden Eigenschaften beschieden. Nun giebt es ja auch zweifellos schöne Frauen, denen das Epi- thewn der Stattlichkeit nicht beigelegt werden kann, Frauen von zartem Wuchs mit edlen, durchgeistigten Zügen und sprechenden Augen, mit Geist, Anmuth und dem leisen Ab­glanz eines reichen Innenlebens, Eigenschaften, die den feinen Kenner oft unwiderstehlich anziehen. Aber diese zarteren Wesen werden ihre Verehrer meistens in dem kleinen Kreise jener Männer finden, die eben selbst vorzugs­weise geistig angelegt sind und von innerlichen geistigen Interessen beherrscht sind, auch wenn sie eine schöne statt­liche Persönlichkeit besitzen. Der Alltagsgeschmack wird an diesen Damen ohne besondere Aufmerksamkeit vorübergehen und sich ihnen gegenüber mit der nichtssagenden Bezeichnung „interessant" abfinden; für schön werden sie nach der Würdigung der Menge nicht gellen.

Wenn auch in unserer rasch bewegten, von tausend Strömungen und Interessen beherrschten Gegenwart die Lobredner der „alten guten Zeit" einen schweren Stand

haben, so hat es doch seine volle Berechtigung, wenn sich das Auge des Verehrers regen Geisteslebens und wahrer Frauenschönheit sehnsuchtsvoll in die ersten Decennien unseres Jahrhunderts zurückwendet. Damals bildete das deutsche Haus den Mittelpunkt des öffentlichen Lebens in Kunst, Wissenschaft und Litteratur; geistvolle schöne Frauen in reicher Zahl eröffnelen die Schätze ihres Geistes und Herzens den Freunden und machten ihren Einfluß ans Denken und Empfinden der gebildeten Männerwelt in heilsamster Weise geltend. Die Salons einer Rahel, einer Fanny Hensel und Henriette Herz, jene edelen Pflegstättcn verfeinerter Geistes­bildung, in der wahre Frauenschönheit in dem oben dar­gelegten Sinn ihr siegreiches Scepter schwang, sind wohl für alleZeit verschwunden; der mündliche Gedankenaustausch ist vor der immer noch zunehmenden Fluth der Publizistik und Litteratur znrückgewichen; aber die geistige Bedeutung jener eigenartigen Vereinigungen für die Geschichte der deutschen Kultur ist für alle Zeit gesichert, trotz mancher Liebesintrigucn, die ihnen bisweilen einen allzu pikanten Reiz verliehen.

Es kann kaum mehr geleugnet werden, daß die respekt­volle Verehrung schöner und liebenswerther Frauen sich in der heutigen Zeit gemindert hat, daß der veredelnde und sittigende Einfluß derselben auf die Männerwelt gesunken ist. Wie die Zukunft sich nach dieser Richtung gestalten wird, ist schwer voranszusagen; sollten aber die vielfachen unerfreulichen Erscheinungen, die uns Seitens der Frauen in der Oeffemlichkeit entgegentreteu und von Unnatur und schwerer Irrung des Geschmacks zeugen, sich noch vielgestaltiger entwickeln, so wäre unsere Dekadenz besiegelt, denn die Verehrung, welche der Frau von Seiten der Männer gezollt wird, ist ein sehr wesent­

licher Maßstab für die Bcurtheilnng einer bestimmten Zeit­epoche.

Meine wahrhafte und aufrichtige Verehrung der deutschen Frau legt es mir nahe, bei diesen bedenklichen Erscheinungen ein wenig zu verweilen; sie schützt mich auch vor dem Vor­wurf, als wolle ich überflüssiger Weise unseren Frauen etwas am Zeuge flicken. Ich habe zu der großen Mehrzahl derselben daS Vertrauen, daß sie meine unmaßgeblichen Aeußernngcn mit Unbefangenheit aufnehmen und ihren In­halt leidenschaftslos prüfen werden.

Zunächst halte ich die überall wahrnehmbare Erscheinung für unerfreulich, daß die Damen in ihrer Tracht, so weit es möglich, den Männern nachstreben, nicht nur beim Sport-, sondern auch beim Promenadenkostüm. Oberhemd und Krawatte, englischer Hut, ja sogar der Spazierstock ist täg­lich zu sehen. Wie sehr dadurch der frühere Reiz, der in der Mannigfaltigkeit der Frauentoilctte steckte, sinken, wie schwer darunter das eigentliche weibliche Element in der äußeren Erscheinung leiden mußte, das durfte keiner Frau von Geschmack und Feingefühl verborgen bleiben; sie mußte sich sagen, daß diese Uebertragung der Prinzipien der Männertracht auf die Frauentoilettc die weibliche Schönheit entstellt, ihr den eigentlichen Hauch und Duft raubt. Man kann sich dem Gedanken nicht entziehen, daß diese Nach­ahmung der Männertracht eine Begleiterscheinung der Frauenbewegung darstcllt, daß auch sie mit dem Bestreben zusammenhängt, es auf allen Gebieten den Männern gleich- zuthun. Wieviel dadurch der Würde und Eigenart des Geschlechts vergeben wird, wieviel Stoff zu Spott und schlechten Witzen dadurch geboten wird, daran scheint man kaum mehr zu denken.

Und noch ein Punkt muß erwähnt werden, der äugen»