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#8. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: durch den Verlag so Pfg. monatlich, durch die Post L Mk. «o Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

Avormruleu.

Sl»»zeige,»-Preis:

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cZTL tHtrtltMiK für die Abens-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags.

-(ÄlllinijmE nächstcrscheineuden Ausgabe wird kein« Gewähr übernouuneu, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

— Für die Aufnahme später cingcreichter Anzeigen zur

U». 18.

Fernsprecher No. 52.

Freitag, den 12. Januar.

Fernsprecher No. 52.

1900.

Morgen-Ausgabe.

Deutschlands

Rechtssysteme im XIX. Jahrhundert.

Am 1. Januar 1900 trat das neue bürgerliche Gesetzbuch im «anzen Deutschen Reich in Kraft, und damit wurde ein Zustand beendet, der di: Kritik nicht nur im Auslände, sondern auch m Deutschland selbst oft genug hernusgefordert hat. Es gab, abgesehen von dem in vielen Städten gültigen „Lübischen" und „Bremischen Stadtrecht", nicht weniger als 11 verschiedene Rcchtssysteme. Diese

Berichterstatter des „Standard" berichtet vom 9. Januar ans dein * Laaer von Frere: Ich erfahre aus guter Quelle, daß Präsident Krüger nach dem Hauptquartier der Buren eine Botschaft mit der Anfrage sandte, »vesbalb Ladysmith nicht angegriffen lverde. Die Antwort lautete: „Man lvürde zu viele Menschen verlieren." Präsident Krüger erwiderte, diese Entschuldigung sei von den Freistaatlern eingcgebcn. Dieselben sollten an die Spitze beim Angriff gestellt werden." Man ließ sich dies gesagt sein und griff an. Krügers Rath war insofern gut, als die Verbündeten sich besser benahmen, als die eigenen Burghers. Die Frcistaatler mußten einen Hügel besetzen; während die Transvaalburen sich vor dem Gegenangriff des Generals White unter dem Hohn der Kaineradcn zurückzogen, hielten die Freistaatler in ihrer Stellung aus, bis sie mit dem Bajonett angegriffen wurden.

verschiedenen Systeme, welche in ihren Gültigkeitsgcbieten in unserer > Karte durch besondere Signatur (siehe die Zeichenerklärung) kennt- I «ch gemacht sind, »varen die folgenden:

Das „Allgemeine Landrecht für die Preußischen Staaten, mit Gesetzeskraft vom 1. Juni 1794, in den Provinzen, Ost- und Wcst- prenßcn, Pofin, Schlesien, Pommern (außer Neuvorpommcrn und Rügen), Sachsen, Westfalen, in Ostfrieslaud mit Harlingcrland, in der niederen Grafschaft Lingen, sowie in den Kreisen Essen, Duisburg, Ruhrort, Mühlheim a. d. Ruhr und Rees vom Rhein­land. Außer in Preußen gilt es in den 1806 und 1807 abgetretenen Fürstcnthümern AnSbach und Bayreuth; das „Bürgerliche Gesetzbuch für das Königreich Sachsen", seit 1. März 1865 gültig nur im König­reich Sachsen; der.voäs civil“ gültig in sämmtlichcn linksrheinischen Theilen des Reiches, sowie in dem zum ehemaligen Herzogthum Berg ge­hörigen Theile des Rhetnlandcs; das„Landrccht für Großherzogthum Baden", seit dem 1. Januar 1810 in Krafi, und gültig in Baden; das „Oesterreichische bürgerliche Gesetzbuch von 1811" in einigen Gemeinden Oberfrankens und der Pfalz; das „Dänische Gesetzbuch Christians V." von 1685, gültig in den 1864 von Dänemark ab­getretenen Theilen Schleswigs; das „Friesische Nordstrander Land­recht" von 1572 in einigen Distrikten an der schleswigschen West­küste; das „Jütische Low" von 1240 in den noch nicht genannten Theilen von Schleswig (mit Fehmarn), aber ohne Eiderstedt, Simousberg und Husum; das „Gemeine Recht" oder Pandekten­recht, gültig im übrigen Deutschen Reich.

An dem neuen bürgerlichen Gesetzbuch, welches nun am 1. Januar 1900 in Kraft getreten ist, ist seit dem Jahre 1864, also fast ein Vierteljnhrhundert, gearbeitet worden und sind an der Herstellung desselben die bedeutendsten Juristen und Rechts- lehrer betheiligt gewesen.

Der Krieg in Südafrika.

wb. Modder River» 8. Januar. Neuesten Meldungen zu­folge kamen die Buren nicht nach Douglas. Hier ist ein Artillerie- gepläukel im Gang.

wb. London. 11. Januar. Das „Reutersche Büreau" meldet aus R e n s b u r g vom 8. Januar: Seit dem Unfall des Suffolk- Regiments fanden keine britischen Operationen von Bedeutung statt. Die Stellungen werden gehalten. Verschiedene Erkundlgungs- züge wurden vorgenommen. Der Feind bewacht die Verbindungswege nach Norden scharf. — Der Berichterstatter des „Standard m Durban telegraphirt: 1200 indische Krankenträger sind Montag Rächt nach der Front abgcqangcn. Ihr Abmarsch deute, wie man rnnahm, auf eine unmittelbar bevorstehende Bewegung Bullers hin.

— „Daily Mail" meldet, es bestehe leider kein Zweifel, daß Lord Methuens Gesundheit vollständig untergraben sei. — „Daily Telegraph" meldet vom 9. Januar aus dem Lager von Freie: Aus den Stellungen der Buren rund um Lady­smith wurde früh Morgens zu feuern begonnen. Das Feuer dauert noch an, jedoch ist das Geschützseuer unregelmäßig. Der

Die Buren.

Ueber „Transvaal und die Entstehung der siibafrikanischen Bauern-Republiken" sprach unlängst der Geh. Medizinalrath Professor Gustav Fritsch in der Berliner „Urania'. Derselbe hat drei Jahre in Südafrika zugebracht und ist daher gewiß berechtigt, ein kompetentes Unheil über Land und Leute zu fallen. Die politischen Verhältnisse daselbst, so führte er etwa aus, sind an­scheinend etwas schwierig zu verstehen. Erst an der Hand der historischen Entwickelung läßt sich ein Ueberblick über sie gewinnen und die Frage nach der Berechtigung des englischen Vorgehens und den Folgen des jetzigen Krieges für das Land beurthellcn. Gegründet wurde zunächst die Kaprolouie im Jahre 10r>2 als eine Erfrischungsstntion für die Ostindienfahrer. In einem hier an­gelegten Garten wurden Geinüse gezogen, deren frischer Genuß den Schiffern als Vorbcugnngsmittel gegen den so gefürchteten Skorbut diente. Der Aufenthalt in jener Gegend war zu damaliger Zeit durchaus nicht ganz ungefährlich; tnsbesonder wegen der vielen wilden Thicre, welche oft bis rn die menichlichen Niederlassungen eindrangen. Zur Bevölkerung der Ansiedelung wurden den Kolonisten aus Holland Waisenmadchen als Frauen geschickt, denen sich auch freiwillig eine Anzahl Holländerinnen an­schlossen, und es ist charakteristisch für jene Gegenden daß v. Riebeck in den nächsten Jahren von einem fel)r. großen Kliiderreichthum berichten konnte. Bald wurde versucht, in der Nahe der ersten Niederlassung Ackerbaukolonicen anzulegen, die sich jedoch nicht Hallen konnte», da Getreide hier nicht fortkommt, was heute noch van vielen übereifrige» Kolonialschmärmeru nicht begriffen wird. So wandten sich die Leute in ausgedehntem Maße der Viehzucht zu, und nirgends haben die Ochsen in der hohen Politik so viel mitzusprechen gehabt, wie in Südafrika." Es wnndertcn bald auch Deutsche ein, zu denen etwa 30 Jahre nach Gründung der Kolonie aus Frankreich die Hugenotten kamen. Die Stämme der dortigen Namen sind, wie aus zahlreichen Bei­spielen hervorgeht, holländisch, deutsch oder französisch; englische Namen finden sich nicht darunter. Schon damals bezeichneten sich die Kolonisten als Afrikander gegenüber den Uitlanders, zu denen sogar die einwandernden Holländer gerechnet wurden. Die Er­forschung des weiter nach dem Innern gelegenen Gebiets machte anfangs nur geringe Fortschritte, erst durch die Einführung des bekannten Ochsenwagcns erhielt der Reisende eine genügende Selbst­ständigkeit und so hat sich dies Verkehrsmittel bis auf den heutigen Tag erhalten. Später wurden Pferde eingefübrt und bald bildeten sich die „Boeren" zu hervorragenden Reitern und Schützen aus, sodaß die Redensart von den mit Gewehr und Pferd zur Welt konimenden Buren aufkam. Sie schießen nicht aus dem Sattel, sondern werfen sich vom Pferd, das als sogenanntes „Schießpferd" bei einem leichten Druck auf den Hals wie angewurzelt stehen bleibt, auf die Erde, schießen, schwingen sich auf und jagen wieder davon. Ihre Kampfe richteten sich damals gegen die nach Südwest ziehenden Kaffern. Im Jahre 1795, zur Zeit der französischen Revolution, bildeten die Kavländer sieben Provinzen, die sich als Republiken erklärten.

Bald jedoch wurden sie von den Engländern unterdrückt, um 1802 zunächst an Holland zurückgegeben zu werden. Bereits 1806 kamen sie aber wieder an England, unter dem Vorwand, England müsse die Kolonie für das Haus Oranien erhalten, und ivurden 1814 endgültig Englaiid zugesprochen. Letzteres entwickelte nun eine richtige Schaukelpolitik zwischen den Eingeborenen und den Buren, wodurch für letztere bald ein unerträglicher Druck entstand. Die von de» Bure» gehaltenen Sklaven mußten fast ohne Entschädigung freigelassen werden, dieHottcntottcn, alsArbeiter nur brauchbar unter strengem Regime, wurden in Missionen gesteckt und rebellirtc« unter der ihnen zu Thcil werdenden Behandlungsweise häufig, und den in Nord-Ost wohnenden Kaffern wurde, nachdem sie von den Buren erfolgreich zurückgedrängt waren, durch die englische Regierung der Wiedereintritt in das strittige Gebiet gestattet. Kein Wunder, daß unter solchen Verhältnissen eine Anzahl Buren mit ihren Ochseuwagen nach Nord-Ost auswanderten, sie „treckten". Zunächst aeriethen sie in erbitterte Kämpfe mit den Matabeli, wo­bei sie oft gezwungen waren, aus ihren Wagen die bekannte „Festiiiig" zu bilden, in der sie sich, unterstützt von ihren Frauen, die ihnen die geladene» Gewehre zureichten, stets erfolgreich ver- thcidigtcn. Dc.nii zogen sie über die Drakeuberge in das Gebiet der Zulus, das spatere Natal. In furchtbaren Kämpfen schlugen sie hier unter der Leitung des „Bismarcks von Südafrika", Andrieß PrätoriuS, die Zulus und gründeten mit ihrem blutigen Schiveiße 1840 die Republik Natal. Schon im Jahre -1842 schickte England ein militärisches Detachement dorthin, das sich anfangs durch glänzende — Mißerfolge auszeichnete. Auf die Dauer aber konnten die militärisch wenig geschulten Buren, denen wohl auch nicht die erforderlichen Vorräthe zur Ver­fügung standen, sich nicht halten, und so unterwarf sich ein Thcil von ihnen in der Konvention von Pietermaritzburg. Unter dem be­treffenden Schriftstück stehen 12 holländische, 9 deutsche und 4 französische Namen, englische fehlen auch hier. Wieder „treckte" der Nest der Buren unter Prätorius' Leitung. Sie gingen über die Drakenbcrge zurück und gründeten den Oranje-Freistaat. Alsbald wiederholte sich hier dasselbe Spiel. Unter dem Vorwand, daß die Bevölkerung selbst den Wunsch hege, sich unter englischen Schutz zu begeben, rückten englische Truppen ein, die sich recht schlecht schlugen. Schließlich aber mußten die Buren unterliegen. Ein Theil von ihncn zog weiter über den Vaalfluß und gründete Transvaal. Die Engländer aber, welche den Freistaat lediglich des Verdienstes wegen trotz aller anderen hochtönenden Phrasen geuonimcn hatten, gaben ihn, als er sich nicht rentirte, wieder ab, um die Kosten zu sparen, behielten aber die Diamanten­felder. Der Republik Transvaal wurde die völlige Unabhängigkeit ausdrücklich garantirt. In allen diesen Staaten finden sich zwei Klassen der Bevölkerung, die Farmer, welche das Land bebaut und zu dem gemacht haben, was cs ist, und die „Winkelicre", zu- gezogene Ausländer, welche einen Kaufmaunsladen (einen „Winkel ) besitzen, nur danach streben, in möglichst kurzer Zeit recht reich zu werden, um dann mit dem Gelbe der Buren von dannen zu ziehen. Letztere gaben den Engländern stets den Vorwand, sich in die An­gelegenheiten der Staaten einzumischen. So auch wiederum 1874 in Transvaal. Aber lange ertrugen die Buren den Druck der cnqlischeii Herrschaft nicht; im Heidelberger Manifest von 1880 er­klärten sic, indem sie die Gleichberechtigung aller Bürger anerkannten, ihre Unabhängigkeit, zugleich schon damals den Gedanken einer südafrikanischen Konföderation aussprechcnd. Ueberhaupt hat das Heidelberger Manifest mit den heutigen Kuudgebungcii der Buren die allergrößte Aehnlichkeit. Im Jahre 1881 wußten sic auf dem Schlachtfeld von Majuba und an andere» Orten diese Unabhängigkeit glänzend zu vertbeidigen, zumal sie jetzt mit Hinterladern bewaffnet waren. Das Feuer der Buren richtete damals oft geradezu entsetzliche Verwüstungen in den Reihen der Engländer ä». Zum Schluß fügte der Vortragende der großen Zahl von Lichtbildern, mit denen er seinen Vortrag illustrirte, noch eine Reihe Aufnahmen vom östliche» und westlichen Kriegsschauplatz an. In, Osten bergiges Terrain mit engen Pässen, im Westen Buschsteppe, ringsum eine Reihe zu Unruhen neigender Völker­schaften. Fürwahr, die Engländer werden schwere Arbeit hnbenl Wie aber der Krieg auch ausschlagen möge, das Laud wird auf Jahrzehnte hinaus' verwüstet und die Bevölkerung dccimirt. Das Phantom einer „Afrikaudernation", von dem die Engländer jetzt spreche», wird niemals, auch unter englischem Regime nicht, aus­gerottet werden. Hoffentlich wird bald ein Mittelweg zur Erhaltung von Land und Bevölkerung gefunden, denn beide sind gut, beide verdienen erhalten zu werden.

Aus Stndt und Kund.

Wiesbaden, 12. Januar.

— Grfchichtskalender. 12. Januar. 1890: f Minna Peschka-Leutner zu Wiesbaden, bed. Koloratursängerin (* 25. Oktober 1839 zu Wien). 1880: t Jda Gräfin Hahn-Hahn zu Mainz, Schrittst'llerin (* 22. Juni 1805 zu Treffow). 1871: Prinz Friedrich Karl besetzt Le Mans. 1746: * Joh. Heinr. Pestalozzi zu Zürich, der. Pädagog. 1582: ff Herzog Alba zu Thomar, span. Staatsmann und General (*1508). 1562: *Karl Emanuel I. der Große, Herzog von Savoyen (ff 26. Juli 1630). 1519: ff Kaiser Maximilian l. zu Wels.

— Theodor Fliedner. Nicht allein in Evpstein, sondern in vielen Städten in Nähe und Ferne rüstet man sich zur Fliedner, Feier, lind das niit Recht. Denn Fliedner ist der Begründer von zahlreichen Werken der inneren Mission, die jetzt in allen Städten großen Segen bringen. Fliedner wurde bekanntlich am 22. Januar 1800 in Eppstein geboren. Hier war sein Vater seit 1795Ptarrer. In dieser Zeit herrschte in den Taunusdörfern infolge der damals von Napoleon über England verhängten Handelssperre großes Elend, denn die Wollindustrie lag vollständig brach. In Gemein­schaft mit anderen wackeren Männern in der Gegend von Eppstein, so namentlich mit dem evangelischen Lehrer Roth in Niedernhausen, suchte Pfarrer Fliedner das Elend der Bevölkerung zu lmdcrn. Mit inniger Theilno hme mag der junge Fliedner die Thaten seine« Vaters bewundert haben, und in ihm wurde der Wunsch wach, auch Pfarrer zu werden. Durch die massenhaften Einquartirungen von Franzosen, die Ende 1818 in der Taunusgegend stattfanden, herrschte m denselben in schrecklicher Weise der Typhus. Der Pfarrer Jakob Ludwig Christoph Fliedner erkrankte auch an dieser Krankheit erlag der­selben zu Anfang des Jahres 1814 und hinterließ eine Wrttwe mit 11 unerwachfenen Kindern. Trotzdem konnte Theodor FuednerS Wunsch erfüllt werden, Pfarrer zu werden. Er besuchte das Gymnasium zu Idstein, dann die Universitäten zu Gießen und Göttingen und endlich das theologische Seminar zu Herborn. Nach beendiateu Studien wurde er Hauslehrer zu Köln und dann Pfarrer