48 . Jahrgang.
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Uo. 16
Fernsprecher No. 52.
Do»lnerstag, den 11. Januar.
Fernsprecher No. 52.
1900.
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Der Krieg in Südafrika.
vb. London, IO. Januar. Der NeichSpostdnmpfer „Herzog" ist von den britischen Behörden in Durban frcigegebcn worden.
11. London, 7. Januar. Daß England nicht nur aus dem Kriegsschauplätze, sondern auch in den Grenzeu des Reiches selbst sich durch sein niidesoiinenes Vorgehen gegen Transvaal in eine höchst prekäre Situation gebracht hat, gehl aus einer Aeußerung der leitenden irischen Zeitung „Freemaus Journal" hervor, die die gegen England herrschende Animositüt in Irland umso bedenklicher erscheinen lätzt, als das genannte Blatt zu den gemäßigten Organen gehört. Dasselbe schreibt: „Die Wuth, mit der England es über sich ergehen lassen must, daß das kleine Portugal sich gegen seine Bitten bezüglich der Delagoabai taub stellt, beweist zweifellos am besten die völlige Machtlosigkeit, der das britische Reich durch die Mißerfolge seiner räuberischen Politik in Südafrika auheim- oefallen ist. Würden die Engländer nur mit Portugal allem zu rechnen haben, so wäre für Lord Salisbiirh und seine Kollegen ja nichts einfacher, als der schwerhörigen portugiesischen Regierung em llltimatum zu stellen und sich der Bai zu bemächtigen. Aber England befindet sich zur Zeit durch die Großsprechereien und Prahlereien der Jingos in einer so verzweifelten Lage, daß cs sogar Augst vor Portugal hat." Und so, wie die mnerpolrtischen Verhältnisse sich durch das Verschulden der Regierung zugcspltzt haben, äußern sich auch die Folgen des frivolen Krieges in finanzieller Beziehung, indem man gezwungen ist, statt eine große patriotische" Anleihe von 30 Millionen Pfd. Sterl. aufnehmen zu können, Schatzscheine zu emittiren. Hier sicht man deutlich das Walten der Spekulation, die als eigentliche Ursache des Krieges inmier und imnicr wieder als treibende Kraft sich geltend inacht. Sie brach den Feldzug gegen die Buren vom Zaune, um die Conrse zu heben, und da nun die Aufnahme einer bedeutenden Anleihe einen Rückgang derselben zur Folge haben würde, so müssen eben, um das zu vermeiden, die Gcldbedürfnisse durch die Allsgabe von Schatzbons gedeckt werden. Das wird hier um so schwerer empfunden, als man ja, wie man glaubt, die Anleihe sofort nach Eingang der von den Buren - Republiken zu zahlenden Kriegsentschädigung hätte decken können! Unter diesem Gesichtspunkte erscheint die „verhinderte" Anleihe allerdings wie ein Schick,alswink.
Dir Stärke der Streitmächte auf dem Kriegsfchan- »lak. Rach englischen Angaben stehen jetzt in Südafnka — nach den Etatsstärken — den, dortigen Oberkonnnando msgcsamint zur Verfügung: 1750 Offiziere, 39,860 Gewehre. 7650 Säbel und 206 Feldgeschütze. Hierbei sind die Freiwittigen-Kontiugeute außer Ansatz geblieben. Ihr militärischer Werth hat sich auch bis letzt als so gering erwiesen, daß sie in der Hauptsache nur alsEtappen- trnppen Verwendung finden dürften. Ferner ist nicht mitgerechnct die 6. Division, welche erst im Laufe des Januar in Südafrika emtrifft. Von jener Gesainmtstärke müssen aber obgesetzt werden mindestens 7- bis 8000 Manu Verluste infolge von Tod, Verwundungen oder Gefangenschaft. Ferner 7000 Mann und 42 Geschütze die m Ladq- smuth cingeschlosscn sind. Außerdem 11 Geschütze, welche die Buren in der Schlacht am Tuqela erbentetcn. Es blieben demnach zu Operationen im freien Felde verfügbar 2b- bis 26,000 Gewehre, 153 Feldgeschütze und ungefähr 6000 Sabel. Angesichts der großen Trupvenziffern, mit denen die englische Presse vielfach paradirt, müssen diese Zahlen als recht bescheiden gelte». , Sie sind aber insofern richtig, als sie nur das aufführen, was wirklich Gefechtswerth hat, während es auf der Hand liegt, daß auch, an diesen Etatszahlen noch bedeutende Abstriche gemacht werden müssen, die auf das Conto der Kranken re. entfallen. Man begreift denn auch die fortwährenden Klagen der englischen Generale, daß sie nicht genug Truppen hätten. Im Kriege kommt eben nur das zur Geltung, was wirklich in Reih und Glied und mcht was nur auf denr Papier steht. Die Bureiistrcitkräfte werden selbst nach eiiglischen Berichten auf 50- bis 54,000 Mann geschätzt ohne den Zuwachs, welchen sie aus den sogenannten Aufständlschen der Kap- tolonie und Natals erhalten habe». Die Ziffern über diesen Zuwachs schwanken zwischen 16,000 bis 25,000 Mann. Selbst nur die geringe Ziffer anqenominen. ergiebt sich eine Zahl von 65.0M bis »0,000 Buren, welche den Engländern gegennberstehen. Da die Buren bis jetzt relativ nur wenige Verluste an Todten, Verwundeten und Gefangenen erlitten haben, außerdem der Abgang an Kranken bei ihnen nur gering sein dürfte infolge ihrer Akkliinatistrung. so ist jedenfalls die Ueberlcgenheit an Zahl bis jetzt noch immer auf Seiten der Buren, und selbst, wenn die unterwegs befindlichen englischen Verstärkungen sämuitlich in Südafrika cinqctroffen sind, wird sich immer noch ein Ueberschnß zu Gunsten der Buren ergeben, was die Gesammtzahl der Gewehre" angeht. An Feldartillerie besitzen die Engländer eine erhebliche numerische Ueberlegenbeit, aber auffallender Wei,e hat diese Ucberlegeuheit an Feldartillerie, welche bei einem kontinentalen Krieg ohne Zweifel sehr in die Waagschale fallen wurde, sich in Südafrika — bis jetzt wenigstens — taktisch keine Geltung zu verschaffen vermocht.
Mas ist Keliograpstke? In den Kriegsberichten ans dem Transvaal ist häufig von Heliographie die Rede. Jedermann thiit so, als ob er genau wüßte, was Heliographie ist. In Wirklichkeit ist man nur in eng begrenzten Fachkreisen über das Wesen dieser optischen Telegraphie unterrichtet. Wir halten cs deshalb für nützlich, einer Studie, die Herbert C. Fhfe im „Strand Magazine allen von den Landheeren und der Marine angewandten Signalen gewidmet hat. die wichtigsten Einzelheiten über die Heliographie zu tntnehinen. Die Heliographie ist das einfachste, billigste und das einzig sichere Shstem, dessen sich ein belagertes Heer bedienen kann, um mit den Truppen, die zu seiner Befreiung heranrucken. ,n Verbindung zu treten. Jede von den beiden , Trnppen- abtheilungen stellt einen aus drei beliebigen Stocken oder Stäben zusammengesetzten Dreifuß auf und setzt einen beliebigen Spiegel darauf. Die Spiegel stellt man so. daß sie sich gegenseitig ein Bündel Sonnenstrahlen znwerfen; dann stellt mau bei jeoem Apparat einen Soldaten auf, der die Signale giebt, und einen Offizier, der mit einem Fernrohr versehen ist. Der S>gnal- mann kann den Lichtstrom auffangen und unterbrechen, indem er mit seiner Mütze oder einem Helm den Spiegel bedeckt. Er unterbricht ihn einmal, wenn er den Buchstaben ti. bezeichnen will, zweimal hinter einander bei dem Buchstaben B, dreimal bei dem Buchstaben 0 rc., indem er natürlich zwischen zwei Worten eine kleine Pause inacht. Das ist Alles. Es versteht sich von selbst, daß die Heliographie nicht anwendbar ist. wenn der Himmel bewölkt ist oder wenn es regnet, oder aber — das ahnt jelbsi Einer, der das Pulver nie erfunden hätte — wahrend
der Nacht. Das ist der erste Uebelstand. Der zweite liegt
in der Langsamkeit des Verfahrens; die englische Sprache ist von allen Sprachen diejenige, welche darunter am wenigsten zu leiden hat wegen ihres groben Reichthums an ein- ilbigen Worten und an gebräuchlichen Abkürzungen und wegen hrer prägnanten Kürze. So erklärt es sich, daß die Heliographie eigentlich nur im britischen Heere zur Anwendung kommt. Aber ie bietet andererseits den unschätzbaren Vortheil, das; ste wahrend mehrerer Stunden hintereinander angewandt werden kann, ohne daß der Feind, der zwischen den beiden Signalposten steht die Signale entziffern oder auch nur ahnen kan», daß eine Verbindung besteht. Der Heliographie-Rekord wird bis zum heutigen Tage von Lord Roberts gehalten. Im Jahre 1880, während des Krieges mrt Afghanistan, konnte er, als er zur Befreiung der von dem Emir in Kandahar belagerten Brigade hcranrückte, auf den Hohen von Robat. 75 Kilometer von Kandahar entfernt, in vier stunden eine Botschaft von 207 Worten von der cingcschlossenen Brigade erhalten.
Ans Stadl und Land.
Wiesbaden, 11. Januar.
- Geschick,tskalender. 11. Januar. 1897: ch Asako, Kaiserin-Mutter von Japan, zu Tokio. 1894: t Wilhelm w Frecdcn zu Bonn, der Gründer der deutschen Scewarte (* 12. Mm 1822 -u Norden). 1871: Siegreiche Kämpfe bei La Cbapelle und Combro» 1847: ch die Schriftstellerin Karolrne v. Wolzogcn m Jena. 1829: ch Friedrich v. Schlegel zu Dresden, bcr. Litteratur- historikcr und Dichter (* 10. März 1772 zu Hannover).
— Die Reichs bank stelle zu Wiesbaden löst nunmehr alle Noten der privilegirten deutschen Privatbanken ein. Die Handelskammer hatte einen entsprechende» Antrag gestellt, da bei der letzten Personeiistandsattsnahme die Bevölkerung von Wiesbaden mchr als 80,000 Persoilen zählte.
Die „Amtlichen Anzeigen des Wiesbadener Tag- blatto" von heute kiithalten n. 21.: 1. die Polizei-Verord- nnng über die Selbstfahrer und 2. eine Bekanntmachung der Nass au ischen Land csbank über die bei ihr eingerichtete Hinterlegungsstelle für Mündelgelder rc. Interessenten seien darauf hierdurch besonders hingewiesen.
— Sport. Sonntag, den 14. Jailuar, feiert der „Mcinner- Athlctenverein" sein erstes Sportfest im Saal „Zum Burggraf" Auftreten des Meisterschaftsringers Otto Grandparr mit Herrn Fritz Lindner ans Frankfurt a. M., bester Ringer Frankfurts. Wie verlautet, hat et» hiesiger Weinhandler (Sportgenosse) einen Ehrenpreis gestiftet.
- Das Kransebad an der Kirchhofsgasse wird vor- znnehmeilder Reparatnrarbeiten wegen von Montag, den 15. d. M., ab bis auf Weiteres geschlossen.
— Otto Rentier, der auch hier bestbckannte Humorist, hat in der „Kl. Preffe" seinen Lebenslanf veröffentlicht. Das launige Schriftstück dürfte auch unsere Leser interessircn. Es lautet: „Mein bisheriger Lebenslauf ist kurz und prosaisch folgender: ^ch mn 1870 in Gardclcgcn. einer kleinen altmärkischcn Stadt, geboren, sollte Kaufmann werden, brannte in einigen Lehckn durch, bis ich endlich in Worbis, einer Stadt im Eichsfclde, glücklich auslcrutc. Als 18-jähriger Coinniis reiste ich nach Berlin und nahm eine Stellung an imAmericain-Theater. Dortwar ich Requisiteur,Lampen- piitzer, Vorhangzieher, spielte kleine Rollen, schrieb Couplets, holte den Schauspielern das Slbcndessen und sammelte nach der Vorstellung die Notenbücher. Für diese vielseitige Thätigkeit. welche mit den Funktionen eines Commis allerdings in einigem Widerspruch stand, erhielt ich ein monatliches Honorar von 45 Mk. llcach Schluß der Saison verließ ich das 2ln,ericai»-Theater mit 6 Mk. baarein Geld und den, Bewußtsein, daß ich entschieden noch nicht auf dem Höhepunkt meiner von mir ertrünmtcn Carncre angelangl sei Nun irrte ich rinstat in Berlin herum — es ging nur eine Zeit lang sehr schlecht — bis ich endlich durch Empfehlung nach Karlsruhe berufen wurde zu dem Redakteur einer heute bcretts ein- gegaiigencn Zeitung. Im Auftrag dieses Herrn — Franz schaler heißt er — schrieb ich in kurzer Zeit drei — Dramen, welche zwar nie aufgeführt. aber auf Küsten meines „Prinzipals" gedruckt wurden und deren erste Sluflagc unter seinem Namen noch sehr lange m der Bielefeldschcn Hofbuchhandlnng in Karlsruhe zu haben ist. Da ich nicht länger unter fremder Flagge schreiben und Schillern und Göthen keine Konkurrenz machen wollte, stieg ich vom Pegasus hcruuter, ließ mir die Haare wachsen und dachte ernstlich daran, Schauspieler zu werden. Da ich aber für einen „Romeo" viel zu häßlich und für einen „Richard" etwas zu schön war schwankte ich sehr lang, bis mich endlich ei» empfindlicher Mangel an Besitz dazu trieb, etwas zu treiben, und so wurde ich — Volkssangcr. Rein zufällig wurde ich Mitglied einer „Gesangs- und Spezialitaten- truppe" und schon nach vier Wochen war ich der „Herr Direktor von's Ganze". Stolz und zufrieden — em kleiner „Striese" in der Westentasche - durchzog ich nun mit niemem „Künstler-Ensemble" ganz Baden und die Schweiz, m allen kleinen Städten — und namentlich auf den Dörfern l — ein ungeheueres Aufsehen erregend. Meine Mitglieder waren sehr znfrieden mit mir Wenn ich Geld hatte, bekamen sie auch welches. Da rch aber selten Geld hatte, so fing ich an. Alles zu versetzen — und als ich nichts mehr zu versetzen halte, versetzte ich meine ganze Truppe und wurde Variete-Humorist. Das war im Februar 189o. Mein erstes Engagement war Bern, Metropoliheater, allwo rch am ersten Tag 'rauSgeschmissen, am zweiten Tag geduldet und am dritten Tage prolongirt werden sollte. Ich entschied mich für das letztere und blieb dort mit einer Mouatsgage von 300 Francs. Nun fing ich an, mir meine in der Lehrzeit gesammelten Erfahrungen zu Nutze zu machen; ich betrachtete mich als Maare und verkaufte mich an den Meistbietenden. Der erste Direktor, welcher mir eine — nach meinen damaligen Verhältnisse — ungeheure Gage bot, war mein jetziger Direktor, Herr M. Bruck, der mich bereits im August 1895 für 750 Mk. monatlich
für sein damaliges Essener Theater verpflichtete. Seitdem
stieg meine Gage fortwährend — zur Zeit schwankt dieselbe zwischen 3- und 6000 Mark pro Monat — sodnß ich zetzt — unberufen ! — der bcstbezahlte Humorist Deutschlands bin. So führe ich ein ganz zufriedenes Leben: ich schreibe Couplets, liefere manch
mal kleine Beiträge für Zeitungen und Zeitschriften,'arbeite augenblicklich an einer Berliner Posse und hole nur am 1. und 16. des Monats meine Gage. Daß dieselbe so hoch ist, dafür kann ich wahrlich nichts, denn ich habe noch nie mehr genommen als wie ich bekommen habe. Wenn ich wieder billiger werde, bin ich auch mit weniger zufrieden I"
— Warum steht derGenorallentnant im Uange hoher als der Generalmajor? Oft hört man in — sit venia verbo — militärisch ungebildeten Kreisen der Verwunderung Ausdruck geben, daß der Titel Generalmajor eine niedrigere Charge bezeichnet als der Titel Gencrallciitnant. „Warum ist ein Major mehr als ein Leutnant und ein Generalmajor weniger als ein Generalleutnant?" wird oft gefragt. Die „Straßburger Post" antwortet darauf, daß dieser scheinbare Widersinn sich leicht erkläre. Es gab eine Zeit, in der das Fremdwort Major noch nicht existirte, sondern die betreffende Charge Oberstwachtmeister hieß. (Diese deutsche Benennung ist als Anrede noch bis vor einigen Jahrzehnten üblich gewesen.) Damals war also die militärische Stufenleiter in großen Zügen folgende: Wachtmeister. Leutnant, Hauptmann (bezw. Rittmeister), Öberstwachtmcister, Oberstleutnant, Oberst, Generaloberst- Wachtmeister, Generaloberstleutnant, Generaloberst. Nun erschien wohl das lange Wort Geueralobcrstwachtmcister unbequem, und nachdem bereits das Wort Oberstwachtmeister dem kürzeren, Major, hatte Platz machen müssen, lag es nahe, dcnGeneralobcrstwachtmeister als Generalmajor zu bczeichnen. Das lange Wort Generaloberst- leutnant aber kürzte man einfach durch Streichung des Oberst und sagte von nun ab Generalleutnant. So ist auch hier, wie in vielen Fallen, was unlogisch erscheint, durch den Sprachgebrauch erklärt und dadurch entschuldigt.
— Räuberische Katzen. Weit verbreitet ist die Ansicht — schreibt die „Köln. Ztg."—, daß man berechtigt sei, eine rauberg che Katze zu tobten; die in Folgendem mitgetheilte gerichtliche Entscheidung wird daher Aufsehen und vielfach auch Befremden erregen. Eine Katze pflegte öfters in den Taubenschlag zweier Männer einzndriiigeu und dort werthvolle Tanben zu erwürgen. 2lls man dann die Katze bei ihrem Naubzug iin Taubenschlag vorfand, wurde sic sofort getödtet. Nachdem die Staatsanwaltschaft hiervon Kcnutiiiß erhalten hatte, erhob sie gegen die Katzenmorder wegen vorsätzlicher und rechtswidriger Zerstörung einer fremdelt Sache Anklage. Das Schöffengericht sprach jedoch die Angeklagten frei und erachtete diese für berechtigt, die fragliche Katze zu todten. Die Strafkammer hingegen hob die Vorentscheidung auf und ver- urtheilte jeden der Angeklagten zu einer Geldstrafe. Diese Entscheidung fochten die Slngeklagte» durch Revision beim Kammer- gericht an, welches indessen die Revision als unbegründet abwieS.
— Sechs Gebote für Kescher junger Kunde: 1 . Alles, was vom Mittagstisch an Geflügclknochen übrigbleibt, ist nebst einigen Kartoffeln schon ein gutes Futter für junge Hunde. Daneben empfehle» sich die Sprattschen Hundekuchen für junge .Hunde. Sie sind eingewcicht oder trocken zu geben; unter keinen Umständen darf das Futter warm sein. 2. Junge Hunde sind viermal am Tag zu füttern. Die genaue Futtcrmenge laßt sich nicht angeben, da sie von der Freßlust und Entwicklung der Thiere abhängt. 3. Junge Hunde soll man nicht öfter als einmal in der Woche baden; es muß dafür gesorgt werden, daß sich der Hund beim Baden nicht erkältet. 4. Tagsüber kanii der Hund auch bei kaltem Wetter im Freien gehalten werden; die Nacht muß er indessen im geschloffenen Raum zubriugen. 5. Wenn der Hund oster gekämmt und gebadet wird, muß auch das Hanptungcziefer verschwinde». Einstreuen von gutem Insektenpulver ist zu empfehlen.
6. Junge Hunde müssen sich tagsüber so lange wie möglich im Freieil umhertummeln.
— Uebrrtragung brr Schmindsuchtssieime durch Sr iefmnrsieir. Ein französischer Militärarzt, D,\ Bousquet, hatte Gelegenheit, auf seiner Abtheilnng einen Lungenkranken zu behandeln, der ein leidenschaftlicher Markensammler war und der dm ganzen Tag damit zubrachte, in sein Mbnin und auf Blatter Marken zu kleben, wobei er sich gnmmirter Papierstreifen bediente, die er »nt der Zungeiisp tze befeuchtete. Der Mann stand in lebhaftem Markentaiischocrkehr mit scincii. Kameraden. Da derMund- speichel dieses Mannes von Bazillen wimmelte, wurde natürlich dieser Markenhandcl sofort verboten und die von ihm befeuchteten Marken auf Tuberkel-Bazillen untersucht da ste zu weiteren Infektionsträgern werden konnten. Die Untersuchung von 300 zum Versandt fertigen Marke» ergab das Vorhände»,em zahlreicher Tuberkel-Bazillen. Wenn man bedenkt, mit welchem Eifer Kinder und junge Leute sich dem Markcnsammcln ergeben und viele dieser Sammler in ihr Album eingetaulchte oder vom Händler gekaufte Marken einklcbcn, deren Herkunft durchaus u^ bekannt ist, so ist es nach den mitgetheilten Versuchen klar, daß sich diese Markensammler einer nicht uncrheblicheu Gefahr aussetzcn. Diese Gefahr ist um so größer, als ja nicht nur Tuberkel-Bazillen, sondern auch andere Keime, z. B. jene der Diphtherie, der Lungenentzündung ec.. durch den Mundspeichel übertragen werden können. Wer also Marken einklebt, sollte sich dabei eines Pinsels und Kleisters bediene»!
-Kleine Uotire». Herr Kaiididat Bernstein, dessen seltsame Schicksale wir vorgestern unter dem Titel „Ein moderner Ahasver" veröffentlichte», hat in seiner Angelegenheit noch einmal eine energische Eingabe an das Kultusministerium gerichtet. — Im Etablissement „Walhalla" fallen in Anbetracht der vielen Balle im Monat Februar die Theatervorstellungen aus.
* Au» der Umgebung. Unter Vorsitz der Centrums- abgeordueten vr. Lieber und Caheusly fand am 4. d. M. eine von 22 Winzern des Rhein- und Maingaues besuchte Besprechung des neuen Wein-Gesetzentwurfes statt. Die Versammlung erklärte die Kellerkoutrolle für den Kardinalpunkt und das Gesetz im Falle eines Verzichts ans die Kontrolle für gänzlich werthlos., — Bei Mittelheim ländete Herr Schiffer Weber im Rhem die Leiche eines neugeborenen Kindes männlichen Geschlechts. — Herr Karl Fechncr in Weil bürg ist mit dem 1. Apnl zum Assistenten des Direktors der pflanzen-phystologischenVersuchsstMon m Geisen- hcim berufen worden. — Der 43-iahrige Joh. Phil. Th. Dick von O d e r S b a ch bei Weilburg wurde bei Holzfallungsarbeiten von einem umftürzcnden Baum getroffen und verschied nach wenigen Stunden. - Ein Fortbildungsschüler aus Schierste in wurde die er Tage wegen Beleidigung und Bedrohung des Klassenlehrers zu einer Haftstrafe von 10 Tagen vernrtheilt. - In Rheingauer Blättern wird vor einem Schwindler gewarnt, der sich als Agent des Flottenvercins vorstellt und versucht, Abonnenten für die „Flottenzeitung", sowie Mitglieder für den „Flottenverein zu werben. — Ä)ie seitherigen Herren Bürgermeister Santony zu Mudershausen, Minor zu Sulzbach und Will,. Schmidt zu Niedertiefenbach sind aus weitere 8 Jahre gewählt und bestätigt worden. - In Staffel kaufte ein Konsortium von auswärts, in unmittelbarer Nähe der Bahn, circa 20 Morgen Ländereien. 2luf den, Terrain soll eine Fabrik errichtet werden.-- In Eppstein hat sich ein zweites bürgerliches Kasino gebildet, das sich den „berühmten" Namen „Klub der Harmlosen beigelegt > bat. Der Verein will in erster Linie Musik und Ge,ang pflegen.
