Steile
<C?i Mönchs-Indiistrie. Von den Mönchen werden verschiedene Handelsarttkel bereit*!. Der Ligncur der Eliarfhanser in Wn Grand Ehnrfrcuse in der Nähe von Grenobel ist bekannt Der Trappistine. ein Liqnenr ähnlich dem Charfreusc. wird in der Abtei ta Grau Qien im Departement Dond« ge,nacht wahrend d e Mönche des Schivarzwafdcs einen Schimp« brauen, der Kirschwasser heißt. Die Bcnediktniermönche von tot. Mary in Devonshire bereite» Salben und Allen. Die Salbe findet für Geschwüre, Wunden Drüsen und Rheuma Anwendung und die Pillen werken blntreini'aend. Die Mönche von St. Michael de Frigolet tu Sud- srankrcich verfertige» Altarkcrzeu und Wein. Die Trappiste» der Abtei Aignebelle im Departement Drüme machen Chokolade, die beste, die man in Frankreich findet. In Nenville-so»s-Mon renil haben die Charihäuscr eine Druckerei und die Mouche von Mount St. Bernard im Charnwood-Wnld bestellen ein Feld von 400-icker, haben Milchmirthschaft, Werkstätten und ein Gaswerk, das _ die Nachbarschaft mit Licht versteht. Die Doniinikancr von St.Savwur bei Doublin geben monatlich eine Zeitung ,,Das irische Rasenbcct Hera»?. Die Trappisten in Canada betreiben Landban und die russischen Mönche zu Solovetsk besitzen eine Dampsfahre, uin die Pilger von dem Festland- auf die Landzunge zu bringe», auf der das Kloster liegt.
* Den srrcsstoniftiichcn Mcih,»,chtsba,im besingt das „Jllnstr. Extrablatt" in folgenden scherzhaft-farbenblinden Strophen.
L> Tannenbaum, o Tannenbaum,—Wie blau sind Deine Blatter.
Die Aeste rosabell erglüh'», - Die Nüsse strahle» hmmta- arnn ... — D Tannenbaum, o Tannenbalnn, — Wie hast Du Dich verändert! — O Tauueubaum, o Tannenbanm, — Wie gelb sind Deine Blätter! - Die Reiter all' aus Marzipam — Die haben keine Hosen an; — Die Puppe dort an ihrer Schnur Gleicht einer Sektplakatfigur ... — O Tanucnbauin, o Tnnncn- banni, — Wie gehst Du nach der Mode! — O Taunenbalittt, o Taniicnbaimi, — Wie roth sind Deine Blätter! — Sogar Dem Stamm zun. Ganzen stimmt, — Man hat ihn zeitgemäß gc^ krämint; — Jetzt kannst Du kaum mehr aufrecht stehn, — Doch bist Du stilvoll anzuselm ... — O Tannenbaum, o Tannenbauni. — Was bist Du für ein Gigerl!
* Brr schieden« Wittheil,mgen. Von Tizians be
rühmtem Bild in der jetzt vom italienischen Staat angekansten Sammlung Borghese: „Irdische und himmlische Li cbc , »essen Kunstwerth auf vier Millionen Lire geschätzt isst Hut oer begabte Knnsimaler Herr Otto von hier, der setzt des Studiums falber in Madrid weilt und copirt, eine schone Copie angcfcrtigt, welche Professor Kopf, der berühmte Bildhauer m Rom, als die beste bezeichnet, die er gesehen. Diese Copie ist oder wird in diese» Tagen im Kunstsalon von R. Banger, Taunnsstraße, zur Ausstellung gelangen, wo schon kürzlich treffliche Copieen des gleichen Künstlers ausgestellt waren. .
Ein Museum für Kinder ist »u Bedford-Park in New- Aork eröffnet worden. Es ist voll dem Brooklpn-vZnstitnt em-- gerichtet und hat den Zweck, durch übersichtliche Anordnung lehrreicher Schaustücke aus der Botanik, Zoologie, Mineralogie und Geologie das Wissen der Kinder wirksamer zu fordern, als es »u großen Museen geschehen kann.
GerichtssaaU
ch Wiesbaden. 8. Januar. (Strafkammer.) Der 1880 rn Oberrad geborene Schreinergeselle August E. wurde ein paar Tage vor Weihnachten erst von der hiesigen Strafkammer zu einer beträchtliche» Gesängnißstrafe verurtheilt, weil er als Dieb m wiederholtem Rückfall einen frechen Einbrnchsdiebstahl bei seinem ehemaligen Lehrherrn, dem Schreinermeistcr Pfenning von hier, verübt hatte. Jetzt stand er schon wieder vor dem Gericht, als geständiger Sünder zwar, aber auch mit einer ziemlichen Sündenlast beladen. Seine Liebhaberei ist das Fahrräderstehlen. Seme ziemlich vielen Vorstrafen hat er fast lediglich diesem Spleen
zu verdanken. Da kam er — rm Oktober wird s wohl
gewesen sein — durch die Webcrgasse. , Dort hatte er» mnger Kaufmann sein Stahlroß wider eine Wand gelehnt
— die Versuchung war zu groß, August E. setzte sich auf
das Rad und fuhr es zu einem Mechaniker inFraiikfurt. Der schöpfte aber Verdacht und gab den« Dieb nur 1 Pik. als Abschlags-
zahlung, da« übrige Geld wollte er ihm an de sen Wiesbadener Adresse send.». Er that'S aber nicht, sondern jetzt-sich m.t der Polizei in Verbindung und die stöberte den juirae» Laugenicht«
— cs ist ein harte« Wort, aber hier ist cs wirgsch angebracht — auf. Nun hat August E. noch eine Urkundensälschnug, emen Be- trngSversuch und fünf vollendete Betrügerei»» aus dem Gewisse». Am 24. Oktober kam er mit einem großen ©cbteibcbnet zu einer in der Sonnenbergerstraße wohnenden Dame. In dem Brics klagte der Lehrmeister des jungen Menschen u, herzzerreißenden Tönen über seine schreckliche Nothlage und verlangte wenigstens doch 15 bis 20 Mk. znr augenblickliche» Nothlinderung. Die Dame dachte aber: den Schreinermeister Pfenning kenn ich, der ist so keiner! Sie schickte den Briefüberbringcr fort. Der Brief war natürlich gefälscht. BeidenSchreinermeisternErczelms Hanson und Geilfiiß lieft sich der Angeklagte «»tat schwindelhaften Vorgaben ic eine» Hobel geben, welche er in baares Geld mnsctzte, und endlich gelang cs ihm »och. die EisenivaarenhäMcr Frorath und L. D. Jung um je eine .Holzfeile zu prellen. Wie gesagt, der Bmsche, der für sein Alter ein leider allzugroßcs Spitzlmbengenie ciitwickelt, ist geständig. Deshalb werden ihm von der ihn einschlievlich der früher gegen ihn erkannten Strafe treffenden Gesammtstrafc von 2 Jahren 6 Monate» Gefängniß 8 Wochen abgezogen. — ,,^uchhe, es ist Hochheimer Markt," sagten am 6. November d. I. die Orgelspieler von Frankfurt und Wiesbaden, und sie gaben sich ein Stelldichein in dem sauberen Mainstädtchen. Der 1877 n, Frankfurt geborene Georg M.. der 1853 geborene Johann G. uub Ludwig B. von hier - letzterer mit seinem Eheweib - waren auch dabei. Zwische» dem Letztere» und den beide» Erstgenannten entstand, aus häßlichem Brodneid offenbar, ein Streit um die Platzfrage. „Wie," fragte der Georg M., „hat dieser blinde Mann da nicht »lehr Recht, an einer bequemen und einträglichen Stelle zu sitzen als Du?" So fragte er den Ludwig B. mib mit dem blinden Mann meinte er seinen Gefährten St. Dem Johann G. leuchtete das höhere Recht des blinden Mannes auch an, er faßte beu B. an der Brust und drückte ihn mit dem grotztcn Scclcn- frieben ein panr Schritte weiter. Dann drehte er seinen Leierkasten Jetzt sing Georg M. Händel mit B. an und bald lagen beide a.fi der Straße. Als sich die Ehefrau dxs B. in den Kampf mischen wollte, entriß ihr M. die Orgclstntze und benutzte dieselbe als Waffe gegen ihren ohnmächtig auf der Erde liegenden (Satten. Als dieser wieder zu sich kam und sich aus all den hundert Gaffern, welche der kleinen Scene belgewohnt hatten, herausgeschält hatte, sah und fühlte er, büß seine linke Hand blutete. Er ilahm au, dies sei von einem Messerstich. Da icdoch Niemand etwas von einem Messer gesehen hatte, scheint er dw Wunde doch auf irgend eine andere Art erhalten zu haben. Nach einer halben Stunde drehte Ludwig B. feine Orgel und Alles athmete tiefen Frieden. G„ der mit Georg M. der gememschaftlichcn Korwer^ Verletzung angcklagt war, wird frcigesprochen, der letztere jedoch erhält eine sechsivöcheutliche Gcfä»gnißsttafc, von der jedoch in Anbetracht der ganzen Sachlage 4 Wochen als durch die Haft verbüßt gelte». _
Kleine Chronik.
In der Näh- des Dorfes Ziebig bei Bitterfeld feuerte ein Soldat ans Dessau vier Revolverschüsse auf seine Geliebte ab. Das Mädchen wurde tödtlich verletzt; der Soldat erschoß sich darauf selbst. Das Motiv der Thal ist Eifersucht.
In Meidling bei Wien ist infolge Genusses bcrdorbener Fleijchsp eisen, welche bei einem Gastwirth und Fleischhändler gekauft waren, eine Arbcitcrfainikie erkrankt. Der Manu ist bereits tobt, die vierzehnjährige Tochter lebensgefährlich krank; die Frau konnte gerettet werden. , _ „ . . T . ,
Aus Sankt Ingbert (Pfalz). 7. Januar, wird gemeldet: In der Grube „König" bei Mittel-Bexbach wurden durch hcrab- fallendcs Gestein fünf Bergleute berschüttet. Einer ist todt, die übngen find schwer verletzt. ,
Ein Fall von Masscnvcrgiftung ereignete sich m der in der Nähe von Moskau gelegenen Mcttikischcn Fabrik. In den Kessel wo das Wasser zur Bereitung des Thees der Arbeiter gekocht wird, hatte Jemand eine giftige Substanz geworfen, die bei der Appretur Verwendung findet. Nach dem Genuß des Thees erkrankten 26 Arbeiter schwer unter Vergiftungssymptomen. Der Thäter ist noch nicht ermittelt.
wb. London. 8. Januar. Eine amtliche Depesche de, General« Buller aus de»! Lager von Freie, 6. d. M., besagt: Ich empfing um 1 Uhr Nachmittag« von General White von heute Vormittag 11 Uhr die Mitthciluug, daß der Angriff de« Feindes der von Süden Verstärkung erhielt, sortdancrt. General White teilte um 12 Uhr 45 Min. Nachmittags durch Heliographen mit, der Feind sei jetzt zurückgeschlagen. Ich werde aber^noch von großen feindlichen Trnppenmassen ninnngt; be onders m> Süden ist ein neuer Angriff wahrfcheuilich. General Buller fugt Hinzu, da die Sonne nicht mehr scheint, kann ich erst Morgen Weiteres erfahren.
Die Blätter veröffentlichen ein an« dem Laaer von Freie vom 6. Januar datirtcS Telegramm, welches besagt: Heute Nachmittag 2 Uhr verließ die ganze Division des General« Elery das Laaer, um Eolensoe n»zugreife». Der Angriff, wurde behutsam ansgeführt. Um 40- Uhr Nachmittags ruckten die englischen Feldgeschütze gegen das Ccntrum vor und begaimeii die Stellungen der Bure» auf dem flachen Terrain zwischen dem Hangwaihngcl mw Fort Wylie zu beschießen. Um 5'/-» Uhr rückten unsere Truppen vor und gelangten bis zu einem sehr nahe an der Colcnsoebrncke aeleaenen Punkte. Die Lanfgräbe» und Befestigungen des ddciudes wurden von den Schiffs- und Feldgeschützen heftig beschossen. Der Feind erwiderte das Feuer aber mchl.
Eine andere Depesche aus dem Lager von Frere meldet. Die Buren bei Ladhsmith haben sich so nahe an die Vcrtheidigungs- truppen herangeschlichcn, daß die Gordon-Hochlaiider und das Maiichcstcr-Regimeiit sie mit dem Bajonett zurucktticbcn. — „Daily News" erfahre», die Vorbereitungen für^die Entsendimg einer weiteren I n f n n t c r i e - D i v i s i o n nach Südafrika seien Vollender. — Die Daily News" melden, von der Londoner Zollbehörde seien m den Millwnll-Docks an Bord eines Dampfers 2 große Geschütze au gehalten worden, die in großen hölzernen Kisten verpackt und als „Eisenwaaren" nach Christiania consigmrf waren - Dasse be Blatt meldet weiter, es sei kürzlich znr Kenntnis; des KrlegsamtS gelangt, daß die Buren von England ans mit Waffen, sowie mit konservirten Nahru»gs m i t te lu unterstützt wurden die sich an Bord eines im Londoner Hafen liegenden Dampfers befanden. Die Zollbehörden hätten am Freitag an Bord dcsDampfers 6 Maxim- gcschntze entdeckt und das Schiff sei deshalb m den Docks festgehalten worden. - Nach einer Meldung der .^Darly Mail ist der Egrl of Ave, ältester Sohn des Marquis Dnffcrin, bei einem Angriff auf Ladysmith schwer verwundet worden.
wb Kapstadt, 8. Januar. (Reuter.) General Fr euch berichtete am Samstag: Die Lage ist in, Großen und Ganzen iiir- verändert, doch stieß dem 1. Snffolk-Regmient cm ernster Unfall zu Bier Compagnieen diese« Regiments gingen Nachts gegen einen niedrigen, eine Nieile vom Lager entfernten Huge vor und griffen die Buren bei Tagesanbruch an. Obcrstlentnant Wat,on. der d» Abtheilung führte und den Befehl zum Angriff gab, wurde sofort berwundet. Sodann wurde Befehl znin Rnckzug gegeben. Wie Seitens der Buren berichtet wird, zogen Drewiertel der britischen Truppenabtheilung nach dem Lager zuruck. Dre übrigen hretten Stand, bis sie von größeren Masse» des Fcnidcs ubermannt wurden und sich'ergeben mnßtcii. Siebzig Mann, einschließlich stcbcnOffi- zie>e, wurden gefangen genommen. (Es ist dies die amtliche Be slätignnq der b«i»cits gebrachten Nachricht der „Berliner MontagS- Zeitnng". D. R.).
Kaag. 8. Januar. Die niederländische Regierung that bei der englischen Regierung Schritte, u,n für die Weite medettandische Abtheilnng des Rothen Kreuzes, welche sich an Bold de» deutschen Dampfers „Herzog" befindet, freie Passage zu sichern.
Letzte Nachrichte».
Motsta, 8. Januar. Prinzessin Marie von Rumänien wurde heute Früh auf Schloß Friedenstcin von einer Tochter ent- bunden . ^
Uie Mot gen-Attsgabe 5 Beilagen.
darunter die Sonderbeilage
„Amtliche Anzeigen des Wiesbadener Tag blatts Nr. 4.
Beraniwortlich fite di- ««»->-»»» <4 i>!i»Il,-r°> moIottoi<iVvcI»tnDtuii. Berta»
btt i. Schellen brr,'scheu Hos-Bnch-i uckerei in Wiesbaden.
HaniSeistheii dies „Miesfeadesier* Tagbbti“.
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Der handelspolitische Werth Afrikas.
Unter den Grossthaten des 19. Jahrhunderts wird neben der Uosiedelung Australiens die wissenschaftliche und wirthschaftlicho Erschliessung Afrikas jederzeit einen hervorragenden Platz zu beanspruchen haben. So eigentümlich die Thatsache ist, geiade der Erdtheil, auf welchem die erste grossartige Kultur, von der noch heute die wunderbarsten Ruinen sprechen, sich entinltet hat, hat der Erforschung und Eröffnung seines Innern den hartnäckigsten Widerstand bereitet. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts war seine handelspolitische Bedeutung so gut wie null. Das alte reiche Wunderland Egypten befand sich in tiefem Verfall. Seitdem es infolge der Entdeckung des Seewegs ums Kap nach Indien seine Rolle als Vermittler des indischen Handels eingebüsst hatte, war es ein ärmlicher türkischer Vasallenstaat geworden! Die übrigen nordafrikamschen Staaten, einst die reichsten und fruchtbarsten Provinzen und Kornkammern des römischen Reichs, wurden nur noch als Sitz der gBfürchtesten Seeräuber genannt. Für den Welthandel waren sie ohne jede Bedeutung. Die Westküste Afrikas von Marokko bis zum Kap wurde nur von Sklavenhändlern besucht, welche sich hier mit der lebenden Waare iür die amerikanischen Zucker-, Kaffee- und Baumwollpflanzungen versorgten. Die wenigen englischen, französischen,portugiesischen, holländischen und dänischen Stationen führten hier ein trauriges Dasein. Als der Sklavenhandel verboten und gewaltsam tahingelegt wurde, gaben die verschiedenen Besitzer einen grossen Theil dieser Niederlassungen auf, da sie fortan allen Werth eingebüsst zu haben schienen.
Wie ausserordentlich gering war ferner die Bedeutung der Kapkolonie! Die Holländer, welche hier seit 150 Jahren ihre Hauptstation auf dem Wege nach Indien unterhielten, mussten jährlich einige Millionen aufwenden, um die Kosten der \ er- waltung zu bestreiten. Die Einnahme dieser Kolonie belief sich auf wenig mehr als 20,000 £ im Jahre, die Ausfuhr besass kaum mehr als 6000 £ an Werth. Irgend welche für den Handel wichtige Erzeugnisse waren nicht vorhanden. Alle Versuche, im Innern Gold oder andere Mineralien aul- zufinden, hatten sich als fruchtlos erwiesen und die Hon- nung darauf war allmählich aufgegeben worden. Ganz werthlos war endlich die afrikanische Ostküste. In Mozambique hielten die Portugiesen ihre Herrschaft nur noch nominell aufrecht. Nachdem ihre Anstrengungen, hier das sagenhafte Gold- reich Monomotapa aufzufinden, niemals einen Erfolg gehabt hatten, verloren sie mit der Zeit alles Interesse für diesen weit- entlegenen Besitz. Die ganze Küste nördlich von Mozambique öefand sich in den Händen arabischer Sklavenhändler, welche von hier aus Asien mit Negersklaven versorgten. Madagaskar war von den Franzosen nach Jahrhunderte langen vergeblichen Kolonisationsversuchen sich selbst überlassen worden. Für den Welthandel kam es nicht in Betracht. Nur die benachbarten kleineren Inseln befanden sich in der Hand weisser Kolonisten.
Das ungeheure Innere des schwarzen Erdtheils endlich war so gut wie völlig unbekannt. Was davon auf Karten verzeichnet wurde, stammte ausschliesslich aus den Aufzeichnungen des Portugiesen Topez, der im 16. Jahrhundert alle vorhandenen Ueberlieferungen und Schilderungen von Reisenden gesammelt und geschickt verarbeitet hatte. Grosse Ströme wie der Congo waren damals noch völlig unbekannt. Ueber den Lauf des Nu und des Niger, über die geographische Beschaffenheit des inneren Afrika waren die seltsamsten Auffassungen verbreitet, seit Jahrhunderten war es keinem Europäer gelungen, in den tropischen
Gegenden auch nur einige Meilen weit über den Küstongürtel
vorzudringen. . . . ,
Es ist allgemein bekannt, wie sehr sieh das Alles innerliaib des 19. Jahrhunderts geändert hat. Heut ist Egypten wieder ein blühendes Land. Dank dem Suezkanal ist es wieder der Vermittler des ganzen indischen und dazu auch noch des ostasiatischen und australischen Handels. Algier und Tunis sind aufblübende Kolonieen geworden, welche Europa mit einer Reihe werthvoller Erzeugnisse versorgen und lebhaft bemüht sind, ihre Beziehungen mit dem Hinterland auszudehnen. Marokko selbst wird von Jahr zu Jahr mehr erschlossen und beginnt ebenso wie Tripolis, in steigendem Maasse einheimische Produkte auszuführen und europäische Waaren aufzunehmen. Uni den Besitz der west- afrikanischen Küste sind heisse Kämpfe zwischen den verschiedenen europäischen Staaten geführt worden. Um die Wette sind heut England, Frankreich, Deutschland, Portugal und Belgien bemüht, ihre dortigen Besitzungen zu erschlossen. Uoberall hat Pluntagen- wirthscliaft begonnen. Das Hinterland wird, wo nicht Flüsse zur Verfügung sieben, durch Wege und Bahnen eröffnet, und immer mehr Waaren finden ihren Weg dahin als Bezahlung für Elfenbein, Kautschuk uml dergl.
Die Kapkolonie mit ihren Tochterlcolonieen zählen heute zum werthvollsten Besitz Grossbritanniens. Diamanten und Gold sind hier in einer Menge, wie noch nirgends zuvor auf der Erde entdeckt worden. Dazu liefern Schafzucht und Weinbau hier seit Jahren ungeahnt reiche Erträge und stellen einen bedeutenden Theil der Ausfuhrgüter dieser Gebiete Afrikas. Mozambique stellt gegenwärtig, trotzdem seine Grenzen stark eingeschränkt worden sind, einen vielbegehrten Besitz dar. Seine Häfen und Flüsse sind von hoher Bedeutung für den Handel. Sein Reichthum an Kautschuk, seine Mineraisclnitze versprechen ihm eine rasche Entwickelung. In den nördlichen Gebieten ist der Herrschaft der Araber ein Ende gemacht. Friedlich sind hier Deutschland, England, Italien und Frankreich bemüht, das Land zu erschiiessen und seine wirtschaftliche Bedeutung zu steigern. Bahnlinien und Telegraphen werden immer weiter vorgeschoben, überall in den Bergen entstellen Plantagen, der Handel wächst von Jahr zu Jahr. Dasselbe ist in Madagaskar der Fall, wo Frankreich jetzt festen Fuss gefasst hat und keine Anstrengung spart, um die grosse Insel zu einer blühenden Kolonie zu ge-
ünd nicht allein in den Küstengebieten ist diese gesteigerte Thätigkeit zu beobachten. Auch das Innere Atrikas ist heute zum Kolonisationsfelde geworden. Die Räthsel, die es so lange der Geographie aufgegeben hat, sind gelöst. Der Lauf jedes Stromes und sein gesummtes Zufiussgebiet sind erforscht. Die afrikanischen Gebirge und Seendistrikte bergen keine Geheimnisse mehr. Die europäischen Nationen haben die ungeheuren Gebiete des Innern unter sich vertheilt und sind am Werke, sie in ihre Verwaltung zu nehmen. Schon ist der Bau einer lele- graphenlinie, die Afrika von Süd nach Nord durchziehen soll, ernstlich begonnen. Auch Linien, die den Osten mit dem Westen verbinden sollen, sind im Bau. Dampfboote befahren die grössten Binnenseen und die Eisenbahnen werden von verschiedenen Punkten gleichzeitig immer weiter nach dem Innern vorgeschoben.
Unter diesen Umständen ist es von Interesse, einmal zahlen- massig festzustellen, wie gross der Umfang des Handels Afrikas nunmehr etwa ist, welchen Antheil die verschiedenen Völker daran besitzen und welche Aussichten für seine weitere Entwickelung vorhanden sind. Der Versuch soll in einem zweiten Aufsatz gemacht weiden. (Finanz-Chronik.)
Eisenbalm-KIlnnalinii-n. Die Einnahmen der Luxem»
hniuisohon P ri ii c e-H e n r i - B a h n in der dritten Dozember- dekade betrugen: aus äcm Bahnbetrieb: 103,344.09 — IE721/20 Francs, seit 1. Januar: 4,336,109.41 + 436,379.04 Fiancs. Die vorjährige dritte Dekade des Dezember hatte zwei Arbeitstage mehr als die diesjährige.
BSin Orientlmiidflsnuiseinn wird im Laufe des Januar zu Berlin im Hauptgebäude des Lehrter Bahnhofes eröffnet worden. Das Museum wird offizielle, im Auftrag der betreffenden Regierungen zusammengestollte Sammlungen der Landeserzeugnisse der Türkei, von Griechenland, Serbien, Bulgarien und Rumänien, sowie dauernde Muster-Ausstellungen von Privat-
ausstellern umfassen. . T
jB&hidcndcu eng<f$tiies a Banken. Aus London 3 d Mts , wird der „Frankf. Ztg.“ geschrieben: „Soweit sich bis letzt übersehen lässt, sind dio Resultate der englischen Banken für das zweite Semester 1899 recht befriedigend. Die Union Bank of London vertheilt 10 pCt. Dividende wie im Vor- ialir, und ausserdem einen Bonus von o sh (2 pCt.) gegen 1 sh 6 d i. V. wobei 45,000 Lst. (31,000 Lst.) auf neue Rechnung übertragen werden. Die Capital and Countios Bank, Ltd., in weiche das Geschäft der Firma Oakes, Bevan, Tollemaclie u.Co. aufgegangen ist, vertheilt 16 pCt. Die London and Westmmster Bank wendet dem Ponsionstonds 20,000 Lst. zu, trägt 36,000 Lst. (10160 Lst) vor und vertheilt 8 pCt. (7 pCt.) Dividende für das Halbjahr (gleich 15'/, pCt. p. a). Die Direktion der Midland and Counties District Bank, Ltd., schlagt die Verkeilung von 7", pOt. (6 pCt.) vor. Die Halifax and Hudders- field Union Banking Company schüttet 8 pCt. Dividende aus (wie im Vorjahr) und erhöht ihren Vorfrag von 4752 auf 5240 Lst.; die Halifax Commerciul Banking Company vertheilt gleichfalls wieder 8 pCt. und die North and South Wales Bank Ltd zahlt für die letzten sechs Monate 10 pCt. Dividende und einen Bonus von 7 pCt., d. h. 15'/, pCt. p. a. (15 pCt. i. V.). nachdem 6150 Lst. für Grundstückskonto abgeschrieben sind. Die National Discount Company zahlt lOpCt., die London Produca and Clcnringhouse Ltd. 3 sh 6 d auf die Stammaktien, d. h.llpCt. und 20 Lst. 16 sh 8 d per Gründeraktie und die Asseta Realisation Company, Ltd. 10 pCt. Dio Lloyds Bank übernimmt das als Torquay Bank bekannte, im Jahre
1832 gegründete Geschäft der Firma Vivian Kitson u. Co. Dio London, City and Midland Bank, Ltd., bringt für das zweite Semester eine Dividende von 17 pCt. und einen Bonus von 1 pCt. (18 pCt p. a.) zur Vertheilung, fühlt diversen Fonds 40,000 Lst. zu und überträgt 220,240 Lst. auf noue Rechnung. Die Direktion der Laneashire and Yorkshire Bank schlägt für das zweite Halb- iahr eine Dividende von 15 sh. per Aktie (16 /, pCt. p. a.) vor, bei einem Vortrag von 10,251 Lst. für nächste Rechnung dem Reservefonds 5000 Lst. zuführend. Im Vorjahr gelangten 12 pCt. zur Ausschüttung. Die Bank von Bengal hat, nach einem Reuter- Telegramm aus Calcutta, eine Dividende von 10 pCt. erklärt (II. Semester), dem Reservefonds 350,000 Rup. zugeführt und 349,500 Rup. auf neue Rechnung übertrag en.“
Coursberich der Frankfurter Effekten -Societät vom 8. Januar, Abends 5 /, Ohr. Credit-Actien 232.70, Disoonto - Commandit 191.70, Staatsbahn 136—.Lombarden28.70, Gotthardbalin-Actien 141.60,Centralbahn
-Nordostbahn 93.60, Unionhalm —, Laurahütte ^os.oO,
Boehumer 259.—. Gelsenkirchenev ISO.—, Harpener 20.5.50, Italiener 93.40, Türken-Loose 121.—. Tendenz: etwas besser.
