Wiesbadener Ts
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12 Ausgaben.
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„Tagblatt-Hans" Nr. 6620-53.
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Donnerstag, l.Kpril lylS.
Morgen-klusgabe.
Nr. 1S3. ♦ 63. Iahrgang.
Oer österreichische Tagesbericht.
1400 neue Gefangene. Seit 1. MSrz 183 (vffiziere und 34442 Mann gefangen genommen und 68 Maschinengewehre erbeutet.
W. T.-B. Wien, 31. März. (Nichtamtlich.) Amtlich wird Verlautbart vom 31. März, mittags: An der Front in den O st b e s k i d e n ist der Tag ruhig verlaufen.
In den östlich anschließenden Abschnitten dauern die Kämpfe fort. Auf de» Höhen nördlich C i s » a und nordöstlich K a l m i c o wurden abermals blutige Sturmangriffe, die der Feind noch nachts wiederholte, abgeschlagen. Auch nördlich des Uzsoler- Passes scheiterten Nachtangriffe des Feindes uuter schweren Verlusten. Weitere 1900 Mann Gefangene wurden eingebracht.
An allen übrigen Fronten hat sich nichts Wesentliches ereignet. Es fanden nur Artilleriekämpfe statt.
Seit dem 1. März wurden in Summa 183 Offiziere, 39 412 Mann des Feindes gefangen und 68 Maschinengewehre erobert.
Ter Stellvertreter des Chefs des Gcneralstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnaut.
vom gewaltigen Dienen.
(Zu Bismarcks hundertjährigem Geburtstag.)
Bon Pfarrer Fritz Philippi (Wiesbaden).
So jemand unter euch will gewaltig sein. Der sei nur Diener. Matth. 20, 26.
Dem Gedächtnis eines Gewaltigen wollen wir heute ehrfürchtig nahen am hundertjährigen Geburtstag des Altreichskanzlers Bismarck. Die Zeit hat daran gearbeitet, daß wir heute würdiger sind als früher, die Großtaten und die Großen deutscher Vergangenheit richtig zu feiern; nicht laut, aber innerlich. Wir erleben die Großzeit unseres Volkes schaffend nach. Wir sind nicht spätgedorene Nachkömmlinge, wir sind wieder Erben!
Bismarcks Erben! Wenn unsere Feinde uns den Mann auslöschen könnten ar s der deutschen Geschichte. Das Nad der Zeit zurückdrehen möchten sie und noch im Grab Bismarcks Werk vernichten, als hätte er nie gelebt. Deutschland zurückwerfen in die Zeit der Ohnmacht und Kleinstaaterei! So viele Anstrengungen, Hekatonwen von Menschenopfern, Milliarden ihres lieben Geldes ist ihnen Bismarck und fein Werk wert. Darum stürmt jetzt das verblendete England gegen die Dardanellen, für Rußland! Auch den Feinden ist Bismarcks Werk zur Heldensage, zum Symbol geworden.
Bismarck, der Prophet des deutschen Ge» d a n k e n s! Recht hat darin der Engländer: der e n g- lische und der deutsche Weltgedanke haben
nebeneinander keinen Raum. Der englische Großmachtshochmut müßte sich wandeln von Grund aus und Gleichberechtigte neben sich allerkennen. Denn der englische Gedanke bedeutet Weftbeherr- schung als Geschäft. Der deutsche Gedanke will Herrschaft als Dienst an der Menschheit.
Unser lieber Kaiser hat jüngst seinen Da nt fiir die 9-Milliavdengcste seines Volkes durch ein Wort des größten seiner Ahnen abgestattet und sein Stolz bekundet, „der erste Diener" eines solchen Volkes zu sein. Der Alte im Sachsenwald hat, als er zuletzt nachsann, welche Grabinschrift er sich wünsche, sich dies erwählt: „Ein treuer deutscher Diener Wilhelms I." Nicht anders kann Bismarck aus der Ewigkeit heute zu uns reden als:
Vom gewaltigen Dienen!
Wir treiben keine Menschenvergötterung. Bismarck ist uns nicht unfehlbar. Wir brauchen nur an sein Wort zu denken (1887): „Die ganze orientalische Frage ist für uns keine Kriegsfrage." Und wir sehen, daß selbst vor einem Bismarck die Zeit nicht stille steht. Aber wir sind in dieser gewaltigen Zeit innerlich gerüstet, unsere Großen dankbar zu empfangen als das, was sie sind, als Gottesgeschenke. Welch ein Gottesgeschenk ist uns jetzt „unser Hindenburg"! Es läßt sich gar nicht ausdenken, was gefehlt hätte, wenn er uns nicht geschenkt wäre. Scheinbar überraschend, kommen die Propheten und Führer hervor aus dem Unbekannten und doch geboren aus der unver- brauchten Mutterkraft eines Volkes, .dessen Zeit noch nicht vorüber ist. Ohne den Krieg wäre Hindenburg irgendwo in seiner Altersruh hinübergeschlummert und die wenigsten hätten gewußt, welch ein Genius mit ihm zur Grube fuhr. Nun ist er der Erretter Deutsch- lands von der Russensintslut. Und so ging auch Bismarck bis zum Mannesalter die Geleise seiner Vorfahren. Er besuchte die gewohnten Schulen. Er studierte, machte Examen, diente und wurde nach dem Herkommen Reserveoffizier. Er bebaute sein väterliches Gut Kniep- hos in Pommern. Warum sollte er nicht ein gewohntes Bild sein in der Reihe seiner Ahnenüilder?
Da kam über ihn die rätselhafte Gewalt, von der keiner deutet, warum sie den und nicht jenen auserwählt. Aber der Auserwählte taucht auf als Haupt über dem Meer von Köpfen, und die hochgespannte seelische Atmosphäre eines Volkes entlädt sich in ihm als Blitz. Propheten kommen nicht, außer wenn sie müssen, und wenn eine Not die Sftmme erhebt unablässig, Mittag und Mitternacht: Mich jammert des
Volkes! Und wenn es die Meinung des obersten Willens ist, daß ein Volk noch zu schade sei zum Ster- ben, und daß ihm noch nicht der unwiderstehliche Finger Winke: Gehe hin, deine Zeit ist um!
So ist Hindenburg, so war Bismarck den: deutschen Einhefts- und Freiheitsdrang die leuchtende Offen- barung.
Dem deutschen Volk galt Bismarcks gewaltiges Dienen. Denn zum Volke zählt auch Sei Majestät der Kaiser (1873). Schon als junger Student wettete er in Göttingen mit einen: Amerikaner, daß in zwanzig Fahren die deutsche Einheit gewonnen sei. Er hat die Wette verloren. Es dauerte doppelt solange. Aber, so sagt er von seinem Werk (1881): „Für mich hat immer nur ein einziger Kompaß, ein einziger Polarstern bestanden: 83.1 u8 publica (Gemeinwohl). Ich habe mich immer der Frage untergeordnet . ., was ist für niein Vaterland, für meine Dynastie, für die Nation das Richtige, das Zweckmäßige?" So faßte _ er _ seine Lebensaufgabe auf, aus 39 Einzelstaaten ein einiges Deutsches Reich zu schaffen.
Da Hub ein gewaltiges Dienen an. Nicht auf ern- mal kam sein Neuen zum Ziel. Wer er war der Mann von Eisen, ausgegossen in allen _ Adern wie von Erz und unbekümmert um das Geschrei der Gasse, ja auch um die Feindschaft alter Führer abgelebter Sonderinteressen. So einsam war er oft und unbeirrt. 1851 als Gesandter auf dem Bundestag zu Frankfurt am Main ist er „überrascht von der dünnen Wassersuppe", die ihm als deutscher Einheitsgedanke vorgesetzt wurde. Wer er diente gewaltig! 1864, 1866! Als Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes ruft er: „Arbeiten wir rasch, setzen wir Deutschland in den Sattel, reiten wird es schon können." Und dann 1870/71 holt er die deutsche Kaiserkovne aus märchen- tiefer Vergangenheit.
Wir haben es seither nrcht ganz verstehen können, welch gewaltig Dienen dazu nöttg war. Wir verstÄMi es aber heute, da wir an dem Väierplatz nochmals stchen und dienend unser Deutschland uns neu erwerben. Blut und Eisen mußte es schaffen. Denn die großen Fraaen der Zeit werden nicht „durch Reden und Majoritätsbeschlüsse entschieden — das ist der Fehler von 1849 gewesen — sondern durch Blut und Eisen". Der letzte eiserne Wille, das letzte Hingeben an Seele und Leben sprengt das cherne Tor neuer Zukunft. Alles e i n s e tz e n um das deutsche Dasein! .
Jetzt stehen wrr wieder ain gleichen heiligen Ort. Der deutsche Gott macht's uns nicht leicht, Wohl weil er Besonderes vorhat mit uns, läßt er alle Widermächte gegen uns anrennen. Nun wohlan, aus der Ewigkeit steigei: die Großzeitcn und ihre Führer zu uns herab. Bismarck! wir wandeln in seinen Fußtapfen, das ganze deutsche Volk wie ein eiserner Mann! So Gemeingut ist sein Erbe geworden, daß wir junt erstenmal den allgemeinen deutschei: Volkskrieg kämpfen. Wer weiß jetzt nicht, worum es geht? Das gewaltige Dienen eines großen Volkes in Blut und Eisen ist nicht umsonst. Denn es ist Gottesdienst!
Denn das ist das Geheimnis des gewaltigen Dienens Bismarcks gewesen, daß er sich beauftragt fühlte von ewiger Notwendigkeit. In seiner unbeding-
Bismarck.
Von Joseph v. Laufs.
Die Zeit stand am Tor, die Fäuste geballt . . . Und durch die knospenden Hallen,
Da hörten die Eichen im Sachsenwald Zwölf Schläge niederfallen.
Und als verzittert der letzte Schlag,
Verklungen das grausige Wecken,
Da hob sich aus steinernem Sarkophag Der größte der irdischen Recken.
Unter buschigen Brauen der bohrende Blick Umfaßte die dämmrige Ferne;
Den stählernen Helm über Stirn und Genick, Berührte sein Scheitel die Sterne.
So stand er, gigantisch und ohncglrich.
Entstiegen den Grabesbanden,
So wie er vorzeiten für Kaiser und Reich Im Leben auf Wache gestanden.
So stand er, die Faust um den Pallasch gepreßt. Und hörte die Wölfe heulen Und sah im tiefen Osten und West Die lodernden Flammensäulcn.
Ein zuckendes Feuer die weite Welt! Alldeutschland umkrallt und umritten!
Und neben dem Erbfeind zum Kampfe gestellt Die neidische Flagge der Briten!
Und unter der Faust ihm ertönte das Erz Mit wehem Singen und Klingen;
Ihm war's, als müsse das stille Herz Im Panzer noch einmal zerspringen.
Da aber: im ringenden Völkergewftr —
Er ljörte auf fernen Bahnen
Den alten Schritt und den alten Klirr
Und das alte Rauschen der Fahnen.
Er sah den Kaiser in schlichtem Kleid Mit den Seinen kämpfen und siegen;
Er sah die alte Einigkeit Mit Deutschlands Fahnen flicgeu.
Da lachte der Alte mit frohem Mut:
„Nun jauchze, du bängliche Seele!
Nun weiß ich für ewig in sich'rer Hut Das schönste der Kronjuwele!
Und hat gegen ihn sich auf Leben und Tod Die ganze Welt auch verschworen —
In würgenden Schlachten, wie Blut so rot.
Wird Deutschland noch einmal geboren!" —
Und der Recke griff in den knospenden Wald
Und hob die gebrochenen Reiser
Und rief, vom Rauschen der Eichen umhallt:
„Helm ab, — es lebe der Kaiser!"
(Aus dem Aprilheft von „Velhagen u. Klasings Monatsheften".)
Bismarck und unser Krieg.
Von Friedrich Hussoug.
Wir stehen heute mitten auf dem Weg, den Bismarck uns gewiesen und den er uns geführt hat; auf dem Wege aus der Enge in die Weite, aus dein Winkel in die Welt. Der große Krieg, der um diesen Feiertag seines Namens lodert, drängt diesen Namen nicht etwa in den Hintergrund. Er zündet Feuer an zu seiner höheren Ehre. Aus den Quellen, . die Bismarck geöffnet hat, fließen die Kräfte, die uns diesen Krieg führen; auf dem Strome, zu dem er die Quellen sammelte, fährt das Schiff unseres Sieges. Um des Segens willen den sein Werk uns brachte, hat England, der See- räuberstaat, allen Neid der Welt zum meuchlerischen Überfall auf uns gesammelt und gedungen. Und eben desselben Werkes Segen ist es, daß wir in einem Überfall, tvie ihn keine Zeit und keine Zone je sah, unerschüttert stchen und diese hundertste Wiederkehr des Bismarcktages mit einer Zuversicht zum Siege grüßen, die seine höchste Ehrung ist.
Ja, noch stehen wir mitten auf dem Wege Bismarcks. Wir sind ihn bis hierher gegaiigeu nicht mit der Zielsicherheit und mit der Unbeirrbarkeit des Willens, mit der er uns führte. Oft genug haben wir uns in diesem Sinns führerlos gefunden, oft genug haben wir die verantwortlichen Führer
mchr oder minder in starkem Gegensatz zu dem Geist, der
Richtung, den Zielen Bismarckscher Führung gesehen. Aber die Wucht seines Werkes hat bei allem Abweichen und Abirren im einzelnen sich doch im ganzen sieghaft gegen allrs ihr Abträgliche durchgesetzt. Die unerbittliche Logik der weltgeschichtlichen Tatsachen, die Bismarck schuf, hat uns — auch gegen die Willeleien schwächerer Epigonen — in der Richtung seines Willens vorwärts gedrängt. Wie der Steinwurf ins Wasser immer größere größere Kreise zieht, so mußte die deutsche Idee, der Gedanke deutschen nationalen, weltpolitischen Wollens, von Bismarck zu Tat und Wirklichkeit geballt und unter die Nation, die Völker geworfen, immer weiter und weiter seinen Kreis ziehen, vom preußischen Partikularismus zur Einheit Deutschlands, von einer europäisch begrenzten äußeren Politik zu einer Weltpolitik allergrößten Stiles. Und die ersten Schritte auf diesem letzten, neuesten, gewaltigsten Gebiete waren uns noch unter seiner Führung vergönnt. Seither haben wir oft, zu oft gezaudert und gestockt. Und dieser Krieg, diese letzte gewaltigste Auseinandersetzung mit einer Welt von Neidern, so unvermeiduch und unabweislich auf die Dauer sie war, so oft und lebhaft sie als eine naturnotwendige Folge des auf allen Seiten gegen uns wachen Hasses vorausgesagt wurde, kam uns doch ungeahnt und ungewollt, als ein jäher Überfall. Bisniarck hat -s wunderbar verstanden, aus der Not eine Tugend zu machen. Er bat keinen Krieg vom Zaun gebrochen, hat den Kuieg um des Krieges willen verabscheut iind nur solch.,' Kriege gefübrt, die Notwendigkeiten geworden waren. Aber wenn diese Notwendigkeit ihm erst feststand, dann machte er f ( e- zur Seele und zum Inhalte seines Willen.. So kam er, daß er nur Kriege führte, die er wollte. Ihm hat init ledern Ausbruch eines seiner Kriege sich der Sinn einer Epoche seines Werkes erfüllt; seine Kriege waren seine ^gewaltigsten bewußtesten Schritte zu seinem Ziel. Als im Sommer de-.- Jahres 1014 der englische Botschafter mit dem deusichen R-ichskanzler seine letzte Unterredung hatte, da bekannte dieser, daß ihm der Ausbruch des Krieges mit England sein ganzes politisches Streben während eines halben Jahrhunderts zunichte mache. Hier ist der tiefste Unterschied zwischen dein
