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«8. Jahrgang.

(S-rfcfititU in zwei Ausgaben. - Bezugs-Preis: W den Berlag Pf?. mouatlich. durch die Most' L Mk. ««» Pfg. viertel,ahrllch für beide * Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

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Worgen-AusBabe.

politische Ueii-rgcht.

Der Neujahrstag ist nach altem Brauch der Tag der volitischen Kundgebungen. Von den Kundgebungen, welche dieser Tag diesmal gebracht bat, steht an politischer Bcdeutuml m erster Reihe die Ansprache, welche Kaiser Wilhelm bei der Jahr­hundertfeier im Berliner Zeughaus an di- Offiziere der Berliner Garnison gerichtet hat. Wenn der Kaiser in dieser Ansprache betont hat, daß er ebenso, wie Kaiser Wilhelm!, die Reorganisation des Landheercs durchgeführt hat, auch die der Marine durch­führen wolle, so entspricht das durchaus den Gedankcngaiigen, die auch in den früheren Reden Kaiser Wilhelms !!., in denen er die Nothwendigkeit einer starken Flotte betonte, mehrfach,hervortraten. An dieser Rede des Kaisers ist mehrfach die Kunst der Tcxt- intervrctation geübt und den Worten des Kaisers der Sinn unter­geschoben worden, als ob das Ziel der Verstärkung der Flotte mit anderen Mitteln angestrebt werden solle, als sie der heutige Ver- fassungsstaat an die Hand giebt. Zu einer solchen Auslegung, die m den Worten des Kaisers keinerlei Berechtigung findet, liegt einer­seits kein Anlaß vor und anderseits haben sich im Laufe der letzten fielt keineswegs die Anzeichen vermehrt, als ob es aus Anlaß der Flottcnfrage zu einer scharfen Differenz zwischen der Regierung uild der Mehrheit des Reichstags kommen werde ^ _ .

Die Freunde der Flottenverstärkung haben nnterdeß drei neue Gründe für ihre Forderungen dazu gewonnen, nämlich die drei deutschen Schiffe, welche von den anscheinend eine Art Schreckensherrschaft aus der See anstrebeudeii Engländern be­schlagnahmt worden sind- Man weiß nicht recht, ob man bei diesem'Vorgehen Englands mehr die Rücksichtslosigkeit oder die llnkluqheit bewundern soll. Aber wir möchten die letztere für noch größer halten. Man kann in England unmöglich verkennen, wie gering in Deutschland die Sympathieen für England find. In weiten Kreisen des deutschen Volkes hat man sich nur mit sehr schmerzliche» Gefühlen der Politik unserer Regierung gcsugt, welche nicht nur m dem südafrikanischen Kriege die strengste Unparteilichkeit bewahrt, sondern auch England gegenüber ein wärmeres Vcrhaltniß an- znbahnen bemüht war, als cs in de» letzten Jahren bestand. Es handelt sich hier um weit verbreitete Empfiiidunge», mit denen die Regierung nothwendig wird rechnen müssen, wenn uns durch ein anmaßendes und rücksichtsloses Verhalten Englands Grund zum Zweifel daran gegeben wird, ob der neueste Kurs gegeniiber Eng­land der richtige sei. ... .

Die deutsche Regierung hat unverzüglich diplomatische Schritte eingeleitet, um den Uebergriffen Englands entgegen- Mtreten, und wir zweifeln nicht daran, daß diese diplomatischen Schritte mit dem nöthigen Nachdruck erfolgen werden. Wir hegen auch gar keinen Zweifel daran, daß diese diplomatischen Verhand- lnligen von Erfolg begleitet sein werden; man wird in England schwerlich Neigung haben, die ohnehin höchst prekäre Lage noch dadurch zu verschlimmern. daß man willkürlich neue Konflikte vom fiaun bricht. Man darf in England auch nicht verkenncii. daß es angesichts der verschwindend geringen Sympathiecn. deren sich England überall in der Welt erfreut, ein außerordentlich gefähr­liches Spiel wäre, wenn England den frivol vom Zaun ge­brochenen Krieg gegen die Buren dazu benutzen wollte, Handel und Schiffahrt der unbetheiligten Nationen in den süd­afrikanischen Gewässern lahm zu legen. In gleicher Lage wie Deutschland befinden sich England gegenüber Rußland und Frankreich, welche ebenfalls bereits Grund hatten, über Beschlag­nahme von Schiffen Klage zu erheben. Leider ist das Solidaritats- gcfuhl der Nationen so gering und der Gegensatz der Interessen so groß, daß es in jedem einzelnen Fall außerordentlich schwer fallt, eine gemeinsame Aktion ins Werk zu setzen, um gemclnsame Schädigungen abzuwehren. Wäre dies nicht der Fall, so bestände die Hoffnung, daß sich Deutschland, Rußland und Frankreich, wie einst im chinesisch-japanischen Kriege, z» einer gemeinsamen Aktion vereinigten, um den Uebergriffen Englands und seinen Anschlägen auf die Dclagoabai gemcinsam cntgegeuzutreten. Aber das Interesse des Zweibnndes, einen Konflikt zwischen Deutschland und England herbcizuführen, umso die eigene Machtstellung zu stärken, scheint fiirs Erste leider noch alle anderen Interessen zu überwlegen

Aber was nicht ist, kann noch werden, und fe mehr die Absicht Englands, sich z»m Herrn in Afrika zu machen, allenthalben erkannt werden wird, desto stärker wird vielleicht auch in Rußland

und Frankreich die Nothwendigkeit erkannt weichen den englischen Machtgelüste» einen Dämpfer aufzusetzen. Fürs Erste hat es freilich hiermit ante Wege, denn vorläufig haben die ebenso tapfer kämpfenden wie strategisch geschickt vorgehenden Buren de» Er- obcrnngsqclüsten Englands cinen Damm entgcgengestcllt, der nicht o leicht und so bald durchbrochen werden wird, denn mit der Taktik. Sieqesmeldungeli zu erfinden und kleme Vorposten­gefechte z» entscheidenden Schlachten aufzubanschcn und sie in die Welt hinanszuposaunen, werden die Engländer in Afrika keine Lorbeeren pflücken. Die absolute Leistunasunsahigkclt der eng ischen Landmacht ist denn auch die Ursache davon, daß die englischen Gelüste auf die Delagoabai immer deutlicher uud ungenirter hcrvortrctcn. Nachdem aber mit unzweifelhafter Klarheit festgestellt worden ist, daß der ominöse deutsch-englische Vertrag wenigstens mit den zur Zeit schwebenden Wirren nichts zu thun hat und wenn überhaupt jemals dann wenigstens erst r» spaterer Zeit in Kraft treten wird, darf die Hoffnung gehegt werden, daß die Mächte eine Occupatio,i der Delagoaba, doch nicht ohne Weiteres und ohne Widerspruch hinnehmcn werden. .

In Frankreich freilich ist die Neigung für irgend welche Einmischung in die Fragen der internationalen Politik zur Zeit verschwindend gering, denn alle Gedanken der Franzosen richten sich bereits auf die kommende Weltansstellung, welche der Präsident Loubet in seiner Neujahrs-Ansprache etwas überschwenglich als das große Freudenfest der Nationen gefeiert hat. Diesem Ruhe- bedürfniß der Franzosen entspringt es auch, wenn die aus der Dreyfus-Affaire rückständig gebliebenen Komplott- und Hoch- vcrraths-Affairen mit möglichster Beschleunigung aus der Welt geschafft werden. Das ist der thatsachliche Grund für die unter anderen Umstanden schwer verständliche Milde, mit der der Staatsgerichtshof die Döroulöde, Guärm und Genossen behandelt hat Aber das Rulicbedürsniß und die Sorge, Paris zur Zeit der Weltausstellung nicht im festlich-friedlichen Gewand prasentiren zn können, überwregen zur Zeit in Frankreich alle anderen Gefühle

und ^^,"jM/stark als in Frankreich ist das Ruhebedürfniß in Oesterreich, aber es sucht bisher, vergeblich nach BAriediguiia. Oesterreich ist das Land geworden, in dem mchA von Destandist, als der Wechsel. Kaum hat das Kabinett Wittek sein Amt anqetreten, als cs sich auch bereits anschickt, dasselbe an das koiinncndc Kabinett, das sich bereits im Stadium der Vorbereitung befindet, abzutreten. Mit Sorge muß abgewartctwerden, ob emes und welches dieser „Bcamtenmimsterien der Aufgabe gewachsen sein wird, in dem Lande einen Zustand zu schaffe», in dem das Staatswesen nicht von der Hand in den Mund lebt und alle staacs- rechtlichen Verhältnisse in dem Lande sich in das ominöse Wort zusammcnfassen lassen: Provisorium!

Aus Stndt und Land.

Wiesbaden. 7. Januar.

- Königliche Schauspiele. Die für heute Abend festgesetzte Vorstellung „Robert der Teufel" beginnt um 7 Uhr Ende gegen 10 Uhr, nicht, wie im Repertoire angegeben, Anfang 67* Uhr. Montag „Valentine", Anfang 7 Uhr, Ende 97, Uhr.

- Konzert MiiUer-Zridlrr. Auf das morgen^ Montag, den 8. Januar er., Abends 7V» Uhr. im großen Saale des .Kasino", Friedrichstraße 22, stattfindende Konzert von H-ranlem Elsa Müller-Zeidler, Großherzogl. Opernsäugerin, unter Mit­wirkung des Königl. Kapellmeisters Herrn Professor Franz Maiiiistaedt, sowie der Konigl. Kammermusiker Herren Hoernicke, Krahner, Wetzenstein und Wewerka wollen wir unser musikliebendes Publikum nochinals Hinweisen. Elntritts- karten und Programme find in der Hofmnstkalicnhaudlnng Heinrich Wolfs, Wilhelmstraße 30, sowie Abends an der Kasse zu l-aben.

— Etablissement Walhalla. Eine schöne Feier fand Donnerstag nach der Vorstellung im großen Saal des Walhalla- ThcaterS statt. Die Direktion hatte in Anerkennung der besonders an den arbeitsreichen Feiertagen bewiesenen Tüchtigkeit und Auf­opferungsfähigkeit das gesammte Personal zu einer Wclhnachts- bcscheerung mit Ball geladen, um ihm dre verlorenen Feier­tage nach Möglichkeit zu ersetze». DieFeier legte em schönes fienqniß ab für das herzliche Verhaltniß zwisckien Prinzi- palität und Personal, wie dies auch in beiderseitigen Ansprachen betont wurde. Nach dem gemeinschastlichen Essen fand im Glanze des prächtigen WcihnachtsbanmcS die Beschecrnng statt; an Jeden war gedacht. In der folgenden gemnthlichen Unter­

haltung mit Tanz zeigte es sich, daß das Walhalla-Theater in» Nothfalle auch mal ohne Artisten aiiskommen konnte, so viele Talente zählt es unter seinen Angestellten. Lieder-, Ztwer- »nd humoristische Vorträge wechselten ,n bunter Reihe. Das Virreche", Herr Franz Bossong, der auch ein höchst gelungenes allgemeines Lred verfaßt und gratis gedruckt hatte, gab mit ge< wohnten, Erfolg einige seiner Originalvortrage m Wiesbadener Mundart zum Besten. Ei» Mitglied des Orchesters bewies seine Genialität auf demselben Gebiet durch einige derb-komische Gedichte in „Suinmericher" Mundart. Je zwei Musiker spielten abwechselnd zum Tanz auf und Kellner, Dienst­mädchen, Köche, Büffetdamen, Zapfer, Musiker, Billeteure, Garderobiere, Tyeatermeister. Hausbnrschen rc. (gegen 100 Personen). Alles drehte sich im Takte der Musik. Auch die Direktion und die Artisten machten manches Tänzchen mit. Erst der frühe Morgen endete das Fest, das ein neues Band zwischen Direktion un» Personal geknüpft bat. — Am Sonntag finden wieder in gewohnte! Weise Matinöe unter Mitwirkung von Spezialitäten der freiem Entröe. Nachmittags- und Abendvorstelluna, nach letzterer im Theatersaal Freikonzert und endlich im Walhalla-Keller ab 7 Uhl Militärkonzert statt.

- Km,stsalon Kanger (Taunusstraße 6). Neu ausgestellt: M. Keller-Hermann-München „Rothe Nelken Oskar Bortjer- Karlsruhe i. B. „Ein Mittagsgast". Von nächstem Sonntag ab klangt die schon im Dezember erwartete Kollektion von Professor Wilhelm Triibner (30 Oclgcmälde) zur Ansstellung.

- Wiesbadener Knnstsäle R. Banger (Luisensttaße 9). Ren ausgestellt: E. Ernst-München „Am Weiher",. „Kapelle' .Birken im Herbst". Die Coolsche Ausstellung verbleibt noch brS Donnerstag, da für nächsten Sonntag eine große Aquarell-Aus­stellung mit 90 Bildern geplant ist.

o Die neuen Dostbcstimmuugcn traten nicht, wie ver­schiedene Blätter dieser Tage meldeten, am 1. Januar m Kraft, sondern sie erlangen erst mit dem 1. April d. V v. Gültig­keit. und das Publikum thut, um sich vor Strafporto zu bewahren, gut daran, sich nicht irre machen zu lassen. Erst vom 1. April ab gilt die von 1b auf 20 gv. erhöhte Gewichtsgrenze für einfache Priese zu dem Porto von 10 Pf. Da« Gewicht von 250 ge. für doppelte Briefe zu dem Porto von 20 Pf. bleibt wie bisher. Mit

demselben Zeitpunkt fällt auch das dopvelte Strafporto weg, indem dann nur ein Ziischlagporto von 10 Pf. erhoben wird. Dasselbe ge,äugt auch bei unzureichend frankirten Briefen neben dem Ergänzungsporto zur Erhebung. Privat-Postanstalten dürfen vom 1, April ab nicht mehr betrieben werden. Das gewerbsmäßige Einscnnmeln, Be­fördern oder Vcrtheilen von unverschlossenen Briefen, Karten, Druck­sache» und Waarcnprobcn, die mit der Anlschrift bestimmter Empfänger versehen sind, ist vom 1. April ab verbaten. JDu Hebet- tretung dieses Verbots ist mit Geldstrafe bis zu 1500 Mk. oder Haft oder Gefängniß bis zu 5 Monaten bedroht. Dagegen bleibt die ZcituugSspedilion nach wie vor erlaubt.

© Die Anstch1»postkar1e al» UnfaU-Verstchernna«- schri«. Die Schweizerische Unsallversichernnas-Akt:eiigesell,chast »l Winterthur verbreitet neuerdings besondere, in den Papierhandlungen für 1b Pf. käufliche Ansichtspostkarte» und verpflichtet sich, den Erbe» des auf der Karte genau zu bezeichnende» Empfängers 1000 Mk. baar auszuzahlen. falls dieser, vom Tage der Abfindung der Karte ab, innerhalb Europa« auf Eisenbahnen, Stragenbahne», Postwagen, öffentlichen Omnibusfahrzcugcn oder Pcrsonendampfern eine Körperverletzung erleidet, die unmittelbar oder binnen drei Monaten seinen Tod herbeisührt. Bei nicht todtUcben Unfällen erhält der Empfänger der Karte während der Ardeitsun -higkelt acht Wochen lang je eine Entschädigung von 10 Mk.

— Leichrn»rrbrennn»g. Die Zahl der im Krematorium zu Heidelberg im vergangenen Jahre vorgenolmnenen Feuer- bestattlnigen betrug 151, gegen 125 im Jahre 1898. 3b Leichen stammten aus Wiesbaden. Es dürfte in nicht allznferncr Zelt eine Herabsetzung der Kosten der einzelnen Fcnerbestattungen möglich sein.

— N-Iiirlieitknnde. Wer hat nicht schon von Wickeln, Packungen und Bädern geredet und nicht selbst dieselben schon angewcndet? Wohl fast Jedermann! Haben aber diese Anwendungen immer den erwünschten Hcilersolg, den sie (durch, kundige Hand ansgeubt) zeigen müssen, thatsächlich gebracht? Vielfach wird die Antwort sein: „Nein!" Die Schuld liegt einzig und allein an der unrichtigen Ausführung, an beut Mangel an praktischem Verständlich. a» un­genügender'oder fehlender Schulung in den Anwendungsformen des Natürhcilvcrfahrcns. Solche wichtigen Dinge lassen sich nicht ledig­lich aus Büchern und dergl. erlernen, sondern nur an praktischen

(Nachdruck verboten.)

Der neneste Sport.

Bon I>r. A. Bunge.

Der neueste Sport, das heißt für unser Vaterland, ist der .Schneeschuh-Sport", der durch Fritjof Nansen auch bei uns el»- gefiihrt worden ist. In den Schaufenstern der Großstädte steht man neben den allbekannten Schlittschuhen auch die „Schneeschuhe stehen. , . . ...

Doch der „Ski", so heißt der Schneeschuh m der norwegischen Sprache, und so wird er in der nordischen Sprache allgemein ge­nannt wird bei uns niemals das werden können, was uns der Schlittschuh ist. Das liegt in unserem Klima selbst. Für die Länder der nördlichen Zone, die fast das ganze Jahr hindurch eine „hohe Schneesaison" besitzen, ist der Schneeschuh schon sett Jahr­hunderten ein unentbehrliches Verkehrsmittel geworden. Die Un­möglichkeit, bei tiefem Schnee sich auch nur von Haus zu Hau« zu begeben, zwang den Nordländer, auf Abhülfe zu sinnen. So kam man schon vor undenklichen Zeiten auf den Gedanken, die eigenen Sohlen zu vergrößern. Zuerst nahm man runde Holzplatten, dann ovale Reifen, um schließlich bei dem eleganten und praktischen Schnee- schuh anzukommen, bei dem norwegischen Ski. Er ist gefertigt aus Ulmen-, Eichen- oder Tannen-Holz und erreicht, je nach dem

S iche des Trägers, eine Länge von 1'/» bis 27» Metern bei einer reite von 9—10 Centimetern. Nach oben zu biegen sich diese Holz­schienen schlittschuhartig aufwärts. Wo mau den Fuß Hinsehen muß, da befindet sich ein Stück Fell oder eine Gummiplatte, damit man sicheren Halt hat und der Schnee sich nicht zwischen Fuß und Schneeschuh festsetzt. Die Befestigung am Fuße geschieht mittels Riemen. Zum Ski- oder Schneeschuhlaufen gehört als unentbehr­liches Requisit auch der .Skistab", ohne den man bei einem Hni- fallen hilflos wie ein kleines Kind wäre. Dieser Stab ähnelt unserem Alpenstock, nur daß er oberhalb der Spitze noch eine scheibe besitzt, die verhütet, daß der Stab bei einem Unglücksfall zu tief m den Schnee hineingeräth.

Der Anfänger lernt an zwei Laufstäben. Die Fortbewegung beim Schneeschuhlaufen gleicht einem gleitenden Gehen, wob« man den Körper leicht nach vorn neigt. Je größer die Gewandtheit wird, desto mehr geht das Fortbewegen in ein gleitendes Laufen über, ohne sich aber, wie beim Schlittschuhlaufen, abzustoßen. .

Bei sehr steilen Bergen bewegt mau sich im Zickzack oder in Schlangenwindungen. Beim Bergabfahren dient der Skistab als Bremse. Der Ski'sinkt selbst auf der weichsten Schneedecke niemals mehr als zehn Centimeter ein, sodaß er also niemals das Fort­kommen hindert. Dieser Umstand ist für den hohen Norden von höchster Wichtigkeit, weil dort oft monatelang der Schnee,chuh das einzige Verkehrsmittel bildet. _ . ., ... ..

Auf Schneeschuhen durcheilen die Postboten Stadt und Land, auf dem Ski wandern selbst die Kinder zur Schule. Ohne Sk, könnte der Arzt nicht zum Kranken, der Priester nicht zum sterbenden

0Clat <ld)cm beim Beginn dieses scheidenden Jahrhunderts kaiinte man in Norwegen und Schweden eine Art Schneeschuh. Der Schwedenkönig Karl XII. hatte sogar in seiner Armee „Schnee,chuh- läufer", die den Feind beobachten und beunruhigen inußtcn und welche ihm gute Dienste thaten. ^ .

Auch das deutsche Heer hat in neuester Zeit Versuche gemacht, den Schneeschuh militärisch zu verwerthen, als winterlichen Ersatz des Fahrrades. . . ,

Selbstverständlich wird seine Anwendung bei uns sehr beschrankt bleiben müssen, da unser gemäßigtes Klima Schneedecken nicht allzu häufig kennt. Doch Fritjof Nansens Vorträge und sein Werk „Auf Schneeschuhen durch Grönland" haben den Sn auch bei uns populär gemacht, und wir werden ihn wahrscheinlich ans unsere» Eisbahnen mit den Jahren immer zahlreicher finden und noch mehr auf Schneeflächen. Was schneeechte Skiläufer in der Geschwindigkeit leisten können, das ist manchmal wnnderbaw Ein geübter Schneeschuhläufer des Nordens soll in einer Stunde 10 Kilometer zurücklegen könne». Der Sieger des „Ski-Wett- laufens" im vergangenen Winter, welches bei Christlama stattfand, legte 1b Kilometer in einer Stunde und 22 Piinuten zuruck.

Eine ganz besondere Spezialität des Skilaufens ist der Sprung. Man versteht darunter aber keinen Luftsprung, sondern den Tief­oder Wcitsprnng. Für solche Sprungübuugen werden in Skandinavien eigene Schnccschanzen errichtet. Im vollen Lauf naht sich der Springer, duckt sich am Rand der Schanze ein wenig, springt hinab in die Tiefe, macht eine kleine Kniebeugung, wenn er unten den Boden berührt und fährt dann flott weiter. Richtige Sportsmänncr sollen Sprünge von 20 bis 2b Meter Weite fertig bringen. So ist es erklärlich, daß Nansen den Schneeschuhlaus den .Sport aller Sporte" nennt. Natürlich kann er dabcr nur sein Vaterland im Auge habe», wenn er sagt: „Das Schneeschuhlanfeil verdient den Namen: „Sport aller Sporte", den» nichts stahlt so sehr die Muskeln, nichts macht den Körper elastischer und ge­schmeidiger. Nichts verleiht eine größere Umsicht und Gewandtheit, nichts stärkt mehr den Willen und macht so frisch wie das Schnee- schuhlaufen. Verwächst doch der Norweger gleichsam mit de» von Jugend auf gewohnten Schneeschuhen, mit denen er sich eins suhlt, wie mit der Natur, di« er auf deufrtdeu durcheilt, schnell wie ein Vogel über die bewaldeten Abhänge dahingleitend, wahrend Wlnter- lnst und Tannenäste ihm die Wange streifen. Auge, Gehirn und Muskel üben sich, unbekannte Hindernisse zu erkennen und ihnen rechtzeitig auszuweichen. Dieses Bestreben entwickelt Nicht allein den Körper, sondern auch die Seele." . ^ , . .

Ein ähnliches Loblied ertönte vor wenig Jahren in den wärmere» Zonen aus berufenen Kehlen über den Radfahrsport. Und es ist nicht zn leugnen, daß dieser Sport für uns stets wichtiger bleiben wird als der „Skilauf", da uns die Grund­bedingung, die „sichere Schneesaison", fehlt, um letzteren genügend ausüben zu können. Der Nordländer, der Schnee aus lernen Berqeshöhe» im ganze» Jahre kennt, der besitzt eine angeborene und anerzogene Geschicklichkeit zum Schneeschuhlauf, in der er eine flugartige Geschwindigkeit erreichen kann, weil seine Terrain- und Klima-Verhältnisse cs erlauben.

Wir werde» wohl niemals ein „Ski-Wetllaufen" oder gar ein „Spningivettrennen" kennen lernen, welche Veranstaltungen in Skandinavien an der Tagesordnung find.