*8. Jahrgang.
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Verlag: Langgasse 27.
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Uo. 6.
Fernsprecher N». 52.
Freitag» den 8. Januar.
Fernsprecher N». 52.
I960.
Morgen «»M&isgaBi®.
Das Jahr 1899.
Italic»
hat im neunzehnten Jahrhundert einen der Entwickelung Deutschlands ähnlichen politischen Werdegang durchgemacht. Zn Beginn des Jahrhunderts ein ans einer Reihe von Kleinstaaten bestehendes Staatengebilde, in dem außerdem das Ausland Provinzen besaß, führte es das vom Hanse Savohcn beherrschte Königreich Sardinien im Verein mit dem Einhcitsdrange hervorragender Volksmänner zur Verjagung der fremde» Herrscher und zur Begründung eines die ganze Apcnnincn-Halbinscl umfassenden Königreichs Italien, die im Jahre 1870 durch die Besetzung des päpstlichen Kirchenstaates ihren Abschluß fand. — Im letzten Jahr hat sich trotz starker Bekämpfung Seitens der Opposition, die zuweilen zu dem Mittel der Obstruktion griff, das Ministerium des Generals Pclloux am Staatsrnder gehalten. Eine infolge innerer Wirren am 3. Mai atlsgebrochcnc Ministerkrisis endete mit der Wiederbcrufuna Pellonx', in dessen Kabinett niedrere Freunde des einflußreichen Abgeordneten Sonnino und des Visconti di Venosta als Minister des Aeußern eintratc». Das Parlament war und ist fortgesetzt der Schauplatz heftiger Kämpfe. — Der Papst hatte anfangs Mai eine schwere Erkrankung dnrchznmachcn, die sein Ableben vorhersehen und die Kardinale alle Vorbereitungen zur Papstwahl treffen ließ. Wunderbarer Weise erholte sich der greise Kirchenfürst wieder vollständig. Er cröffnete persönlich anl 25jDcz. das sogenannte „heilige" Jahr.
Spanien
hat ebenfalls im neunzehnten Jahrhundert mannigfache Wandlungen durchlebt und ist erst französischer Vasallenstaat, dann Königreich unter bonrbonischer Herrschaft, Republik, dann wieder Königreich, immer aber der Schauplatz erbitterter Bürgerkriege und Aufstände. Es war im Jahre 1699 der Schauplatz schwerer innerer Wirren und Kämpfe. Der Zusammenbruch des spanischen Kolonialreiches durch den Krieg mit Amerika hatte auch den Sturz der sogenannte» liberalen Negierung Sagastas zur Folge. Der nunmehrige konservative Führer Silvela übernahm am 4. März die Regierung und ließ am 16. April Neuwahlen zu den Cortes vornehmen, die wie üblich eine starke Regierungsmehrheit ergaben. Silvela vervollständigte die Liquidation der spanischen Kolonial- herrlichkcit durch den am 2. Juni abgeschlossene» Koloninlvertrag mit Deutschland, durch den dieses die spanische» Südsecinsclii (Karolinen, Marianen und Palaos) für 16 Millionen Mark erwarb. Die Nothwcndigkeit, die Einnahmequellen des Staates durch neue Steuern zu vermehren und die Ausgaben im Heerwesen zu vermindern, veranlaßte einerseits vielfach Auflehnungen der ausgesogenen Bevölkerung, namentlich in Catalonien, wo es tut September und November zur Steuerverwcigerung und zu offenem Aufruhr kam, andererseits Ende September eine Miuisterkrisis, entstanden durch die Weigerung des Kriegsministers Polavieja, Ersparnisse im Heerwesen zuzngcstchen. Es wurde am 1. Oktober ein neues Ministerium Silvela gebildet, in dem der mit der Sparpolitik einverstandene General Azcarraga das Kricgsministerium übernahm. Ob sich Spanien von seinem schlveren finanziellen und kolonialen Zusammenbruche unter der jetzigen Parteiwirlhschaft erholen wird, ist stark zu bezlveifeln.
Nutzlaud
beendet das Jahrhundert, wie es dasselbe begonnen hat: als selbstherrlich regiertes Kaiserreich ohne Verfassung und Parlaincnt. Auch Rußland betheiligte sich anfangs des Jahrhunderts an der Besiegung Napoleons und setzte seine Eroberungspolitik in Asien, seine stillt Minirarbeit im europäischen Orient unermüdlich fort. Heute ist es nach Außen hin der mächtigste Staat der Welt, aber im Innern sieht es faul ans. Eine gefährliche Partei, die Nihilisten, arbeitet mit allen Mitteln an der Erlangung einer Verfassung, und um den Wohlstand und die Bildung des russischen Volkes ist es schlecht bestellt. Während in Europa die russischen Eroberungsgeliiste in der Türkei im Jahre 1856 durch den von England, Frankreich und Italien geführten Krimkrieg, nach dem russisch-türkischen Kriege von 1878 durch die im Berliner Kongresse vereinigten übrigen Großmächte Europas vereitelt wurden, hat Rußland große Ländcrmassen in Jnnerasien unter seine Herrschaft gebracht und in China festen Fuß gefaßt. Im vergangenen Jahre hielten die Nihilisten zwar Ruhe, aber es scheint fast, als herrsche in Rußland Stille vor dem Sturme. Eine große Ucberraschuna bereitete der Czar der Welt durch seine zu Pfingsten erlassene Kundmachung, in der eine Abrüstung der Heere und Flotten angeregt war und die Veranlassung zn der bereits erwähnten Haager Konferenz wurde. — Durch den am 10. Juli erfolgten Tod des Großfürsten Georg ging die Thronfolge auf einen jüngeren Bruder des Czaren, den Großfürsten Michael Alexandrowitsch, über. (Fortsetzung folgt.)
Aus Kunst und Leben.
Dr. T. Das Keben unter der Temperatur des flüssige» Wasserstoffs. Bei dem im Dezember abgehaltenen Jahresfestmahl der Royal Society brachte deren heriihmter Präsident, Lord Lister, das Hoch auf die Wissenschaft ans und erwähnte in der voraufgehenden Rede eine Reihe von Experimenten, die zu den allermerkwürdiqsten des letzten Jahres im scheidenden Jahrhundert gezählt zu werden verdienen. Man weiß Allerhand von der schier unglaubhaften Lebenszähigkeit der Samenkörner zn erzählen, man kennt die Geschichte von dem „Mumicnweizen", der nach jahrtausendelangem Schlaf in einem egyptischen Pyrami'deii- grab wieder zu keimendem Leben erweckt werden konnte, und unser Vertrauen in die Widerstandsfähigkeit des Zustandes, den man als Leben bezeichnet, ist dadurch mit Bezug auf die Pflanzen- samen sehr gekräftigt worden. Die neuesten Thatsachen iibcr- treffen aber doch Alles, was man nach dieser Richtung hin überhaupt vcrmuthen konnte. Eine der folgenreichsten Errungenschaften der letzten Jahre war ohne' Zweifel die Verflüssigung sämmtlicher bekannter Gase und die dadurch ermöglichte Erzielung außerordentlich niedriger Temperaturen. Der größte Pfadfinder auf diesem neuen Tnümphweg der Wissenschaft, Professor James Dewar in London, that sich nun vor einiger Zeit mit einem bedeutenden Botaniker, dem Direktor der Kgl. Garten in Kew, zusammen, um die Wirkung der niedrigsten bisher bekannten Temperaturen auf das Leben zu erproben. Es sei nur kurz an frühere Versuche dieser Art erinnert, wie sie Romanes, De Candolle, Pietet u. A. Vornahmen, wobei Pflanzensamen großer Hitze und großer Kälte, einem Abschluß in völlig luftleeren Röhren oder der
Aus Stadt und Land.
Wiesbaden, 5. Januar.
— Verlonal-Uachrichten. Mit dem 1. Januar ist Herr Polizeirath Höhn in den Ruhestand getreten. Die Vertretung des Polizei-Präsidenten liegt nnnmchr zunächst Herrn Assessor Rumpfs ob. Herr Polizei-Präsident Prinz v. Ratibor ist nvrigens wieder von seinem Urlaub zurück und hat die Dienstqeschäfte wieder über- uommen. — Zum städtischen Accise-Jnspck'tor ist Herr Ober- Stenerkontrolteur Kiel erwählt worden. Derselbe tritt am 1. Februar d. I. in sein Amt.
— Königliche Kchauspiele. Wegen Erkrankung des Herrn Kammersängers Müller kommt am Samstag, den 6. Januar c., im Königlichen Theater anstatt der Oper „Der Wildschütz" „Der Sommernachtstraum" im Abonnement B zur Aufführung.
— Theater-Variete Kürgerlaal. Mit Anfang 1900 hat die Direktion, wie nicht anders zn erwarten, ein hübsches Programm znsammengcstellt. welches sich dem letzten würdig zur Seite stelle» kann. Abgesehen von Fräulein Anicln Koncewicz, der eleganten deutsch-polnischen Soubrette, welche, wie auch Herr Charles Hentsch, Mimiker und Komiker (ebenfalls prolongirt), ihre Schlager ins Feld führen und allabendlich neue Lorbeeren ernten, haben wir die interessante Solo-Schauspielerin und Soubrette Fräulein Rosa Wellike vor uns — eine zierliche, schlanke Dame mit großen, schwarzen Augen und heiterem Temperament, deren Vorträge, verbunden mit deutlicher Aussprache, sehr gefallen und applaudirt werden. Ein anderes Bild zeigt uns Signor Emilio, Bravour- Gymnastiker.derseincjchrhnbscheArbcitainhänaendenNingevorAugcn fuhrt, deren einzelne Trics das Publikum zn ivrederholtem Dank verpflichten. Während die Direktion in Herrn Karl Klar cinen vorzüglichen Humoristen und Imitator verschiedener Instrumente gewonnen hat, dem das Publikum nicht genug Beifall zn zollen vermeint, so soll es aber in den Two Pnulys als Steifdrahtkünstlcr eine Nummer vor sich haben, die als eine großartige Attraktion gelten darf. Auf einem langen, steif gespannten Draht arbeiten diese Leute (l Herr, 1 Knabe) mit solcher Sicherheit und Eleganz, daß darüber das Publikum i» tosende Dankesbezeugnngen ansbricht. Erwähnen wir ferner »och das Damen-Trompcter-Corps, welches nach wie vor dem Publikum imponirt, so dürfte man wohl Veranlassung nehmen, dem Theater einen Besuch abznstatten, da es an Abwechselung in keiner Weise fehlt.
o. Die Lalschmünzerbande, die am Ncnjahrstag hier im Wcllritzviertcl entdeckt und zur Haft gebracht wurde, ist eine Gesellschaft notorischer Zuhälter und Dirnen, von denen die crstcrcn Scheller und Stengel, die letzteren Ruprecht und Strauch heißen. Die Ruprecht treibt sich schon jahrelang hier herum, sie ist schon sehr häufig bestraft, u. A. wegen der Theilnahmc an einem Diebstahl von 1700 Mk., der s. Zt. in einer Wirthschaft an einem Zimmermann aus einem Nachbarort verübt wurde.
— Kleine Uotizen. Ani Montag, den 1. Januar, feierten die Eheleute Maurer Johann Marx und dessen Ehefrau, geborene Krissel, das Fest ihrer silbernen Hochzeit. — Heute, de» 5. d. M., feiern die Eheleute Hermann Trog und Frau, geborene Moog, Aarstraßr 11. das Fest der silbernen Hochzeit. — Da das bisherige Arbcitsloknl des H a n d a r b e i ts k r än z ch e n des Augusta-Victoria- Stifts in der König!. Regierung für Vercinszwccke nicht mehr verfügbar ist, findet das erste Kränzchen heute Freitag, den 5. Januar, 3 Uhr Nachmittags, tut Restaurant „Tivoli", Loustenstraße 2, statt. Die Lokalfrage soll alsdann näher berathcn werden und deshalb wird um recht zahlreiches Erscheinen der Damen gebeten. — Es sei hiermit darauf aufmerksam gemacht, daß das berühmte Kaim- Orchestcr aus München, untcr persönlicher Leitung des genialen Hofkapellmeisters FelirW ei n g a r t n e r, Donnerstag, den II. Januar, in der Stadthalle in Mainz ein großes Konzert absolvirt. — Heute Freitag, den 5. d. M., Vormittags 11 Uhr, wird bei dem Accise- amt ein wegen Accisedefrandaliön konfisc ir tcr Ha se öffentlich gegen Baarzahlnng versteigert.
— Konnenberg, 4. Januar. Das am Nenjahrstage von dem Männergesang-Verein „Gemiithlichkeit" veranstaltete Konzert unter Leitung des Herrn Kapellmeisters Karl Berghof war überaus zahlreich besucht. Die zum Vortrag gcbrachtcic Chöre zeugten von gutem Studium und wurden von der Sängerschaar frisch vorgetragen. Am meisten gefielen die größeren Chöre: „Das Kirchlein" von Becker, „Morgenlicd" von Rietz, sowie „Hymne an die Musik" von Lachner; aber auch die Volkslieder batten einen durchschlagende» Erfolg. Die Solisten des Abends, Herr Scheib und Herr Kratz, erledigten ihre Aufgabe aufs Beste. Der humoristische Theil des Programms war überaus reichhaltig und hielt die Besucher in steter Heiterkeit. Das zum Schluß zur Darstellung gebrachte Theaterstück „Rezept gegen Schwiegermütter" wurde flott gespielt. Den Schluß der Veranstaltung bildete ein Ball.
* Ans dev Umgebung. I» Frankfurt a. M. sind in der Sylvesternacht 220 Verhaftungen vorgenommcn worden. Ei»
Gegenwart verschiedener Gase oder Dämpfe ausgesetzt wurden. Dann kam die flüssige Luft heran, die eine Temperatur von —183 bis —192 Grad zur Verfügung stellte. Brown und Escombe stellten in dem Laboratorium Detvars fest, daß die Keimkraft von Samen verschiedener Pflanzen, z. B. von Gräsern, Schirmbliithlcrn re. durch einen Aufenthalt von 110 Stunden in so niedriger Temperatur nicht gelitten hatte. Nachdem aber Dewar die Entdeckung des flüssigen Wasserstoffs gemacht hatte, konnte eine Temperatur von unter —250 Grad erzeugt werden, die dem sogenannten absoluten Nullpunkt der Temperatur, unter den herunter eine Abkühlung überhaupt nicht mehr möglich ist, bis auf wenige Grade nahe liegt. Es lag nahe, das Leben de« ruhenden Pflanzenkcimes im Samenkorn auch mir flüssigem Wasserstoff und bei seiner ungeheuren Kälte zu prüfen. 'Es wurden folgende Samenprobcn dazu ausgewählt: Weizen, Gerste, Senf, Erbsen, Kürbis und Moschnskraut.' Man achtete sorgfältig darauf, überhaupt keimfähige Samen ausznwählen. Der erste Versuch bestand nun darin, daß deren einige eine halbe Stunde laug bis auf die Temperatur von 'flüssigem Wasserstoff abgekühlt wurden. Professor Dewar schloß ' sie in kleinen Staniolpäckchen in eine Glasröhre, kühlte sic erst in flüssiger Luft ab und brachte sie dann in den flüssigen Wasserstoff, d. b. in eine Temperatur von —250 Grad. Spater erhielt dann der Direktor der Gärten von Kew dieselben Samen, die auf gewöhnliche Weise gesät wurden und ganz normal aufgingen. Ein noch schtvierigerer Versuch wurde mit fünf anderen Sameuartcn unternommen, die 6 Stunden lang geradezu in flüssigen Wasserstoff hinciugelcgt wurden, sodaß sie die'enorm kalte Flüssigkeit ohne jeden Schutz auffogen. Nach den Begleitworten
Schutzmann ist durch einen Hieb mit einem schweren Gegenstand verwundet worden, verlor das Bewußtsein und mußte fortaetragcn tverden. — Dein praktischen Arzt Herrn Dr. med. Wilhelm Herr zu Wetzlar ist der Titel Sanitätsrath verliehen worden. — Die ans dcm Gcfängniß in Fulda entsprungenen drei Sträflinge lvurden auf ihrer Flucht bei Schlüchtern wieder ergriffen. — In Usingen wurde dieser Tage der vor 2 Jahren beim Ausgraben eines Weihers verunglückte Bürger Karl Steinmetz 2r zur letzten Ruhestätte geleitet. Man hoffte stets, den Verunglückten, der innerliche Verletzungen durch Ueberschüttung erlitten, wieder her- znsteUen, doch gelang dies den Bemühungen der Herren Aerzte nicht; er verfiel in Siechthnm. — In der Sylvcsternacht hat in Ems ein Bürschchen in ein mit Gästen angefülltes Lokal geschossen, ohne gliicklicher Weise Jemanden zn verletzen. — In Wölferlingen erhängte sich ein bereits 70 Jahre alter Mann. — Die Gemeinde Weidenhahn beabsichtigt den Bau einer Hochdruck- wasserleitung. — In Mainz hat sich ein 16-jähriger junger Mann, der schwermüthig war, erschossen. — In Montabaur starb nach eintägiger Krankheit der Rathskassirer a. D. Herr Jos. Kunst im eben begonnene» 88. Lebensjahre. Der Verstorbene hat fast 50 Jahre den Posten eines Stadtrcchncrs bekleidet. — Ju Maricnfels kaufte vor etlichen Tagen ein Vertreter der Kgl. Regierung von der Gemeinde und eine»! Privatmann ein Stück Land, welches um den Mineralbrunncn liegt. Der Brunnen soll im kommenden Frühjahr renovirt, die Quellen frisch gefaßt werden. — In Eppstein wurde am Sonntag der Lehrer a. D. Gottfried Göbel zu Grabe getragen. Der Verstorbene, noch einer von der alten Jdsteiner Garde, wirkte seit 1851 nacheinander in Löhnfeld, Hilgert, Mittclfischbach, Heftrich und Wallan, wo er nach 44-jähriger segensreicher Thätigkeit in den Ruhestand trat. — Infolge der vielen Niederschläge sind der Neckar und der Rhein stark in: Steigen begriffen. Der offizielle Wasscrstandsnnchrichten- dienst wurde deshalb wieder anfgenommen. Die Schiffahrt ist in vollem Betrieb. — Der Maurer Reinhard Splittdors zu Erbcn- heim kaufte einen Bauplatz an der Gartcnslraßc daselbst, die Ruthe zu 100 Mk. — Am 2. d. M. verstarb in Erbenhcim der Landwirth Heinrich Peter Ulrich. Er erreichte ein Alter von 95 Jahren. _•
Dermischtes.
* Giu Todesnrtheii antgehoben. Vom Schwurgericht in Ostrowo ist am 29. November o. I. der Maurergeselle Maximilian Chmielewski ans Posen wegen Ermordung seiner Geliebten zum Tode verurtheilt worden. Er hat die That am 12. August v. I. begangen und am 15. August ist die Verletzte gestorben. Sic ist am 12. August als Zeugin eidlich vernommen worden. Das über die Vernehmung anfgenommcne Protokoll wurde in der Hauptverhandlung verlesen. Hieran knüpfte sich eine Rüge, welche der Angeklagte in seiner Revision erhob. Er machte nämlich geltend, daß die Ermordete seine Braut gewesen sei, was sich aus dcm Vorhandensein von Verlobnngsringen ergebe, und daß er die Absicht gehabt habe, sie zn heirathen. Habe aber sonach ein ernsthaftes Vcrlöbniß Vorgelegen, so sei es nothwendia gewesen, die Zeugin vor ihrer Vernehmung auf ihr Recht, die Aussage oder wenigstens die Beeidigung derselben abznlehncn, hinzuweisen. Dies sei dem Gesetz zuwider unterlasse» worden. — Das Reichsgericht hob das Ilrtheil auf und verwies die Sache an das Schwurgericht zurück, da der gerügte Verstoß in der That vorliege »nd die Möglichkeit nicht zu bestreiten sei, daß das Uctheil auf demselben beruhe.
* Die Hinrichtung der Iniinue Hummel. Man berichtet ans Wien, 2. Januar: Juliane Hunimcl, die im Vereine mit ihrem Manne ihr fünfjähriges Töchterchcn Anna zu Tode gemartert, hat heute Morgen ihr ninnenschlichcs Verbrechen ain Galgen gebüßt. Bis zum letzten Moment hoffte die elende, unglückselige Frau ans Begnadigung. Kein Wort der Reue kam über ihre Lippen, und noch angesichts des Richtpflockes suchte sic wiunnernd und klagend den Anschein zu eriveckcn, daß sie nicht de» schmachvollen Tod verdient habe. Es dämmerte noch, und grauer Nebel hüllte
- die Stadt ein, als im dreieckigen, von hohen Kerkermanern umschlossenen Hofe des LandeSgenchtes die letzten Vorbereitungen zur Exekution getroffen wurden. Im Winkel, wenige Schritte von der schweren Thür, die den zur Armensünderzelle führenden Korridor abschließt, stand der Galgen; ein Doppclspalier von Justizsoldaten theiltc den Hof, und hinter dem Spalier durfte ein Häuflein von Zuschauern, einige Gerichtsbeamte, Aerzte. Offiziere und die Vertreter der Presse sich aufstelle». Die Nacht hatte Juliane Hummel sehr ruhig verbracht. Am Morgen kam der Seelsorger des Landesgerichts, P. Fuchs, und betete mit ihr; gierig hörte sie auf den Trost, den der Geistliche ihr spendete, und legte sich dann wieder erschöpft nieder. Ihr Vcrtheidigcr fand sie, als er um V<6 Uhr bei ihr erschien, ganz apathisch; sie erwiderte seinen Gruß, blieb aber mit geschlossenen Augen liegen. Der Advokat verließ sie nach einiger Zeit, ohne mit ihr gesprochen zu haben. Nach einer halben Stunde kam er wieder, P. Fuchs begleitete ihn. Der Geistliche
Dewars an die Gartenverwaltung in Kew hätten diese Samen ge- tödtet sein müsse», wenn Kälte ihn überhaupt tobten könnte. Nichtsdestoweniger keimten sie in schönster Weise. Es geht ans dieser Thatsache der weittragende Schluß hervor, daß der als Leben bezeichnetc Zustand des Protoplasmas durch Kälte überhaupt nicht aus seinem Gleichgewicht gebracht werden kann. Lord Lister bc- zcichnete diese Erkenntniß als ein unerhörtes Faktum, das für die ganze Auffassung des Lebens in seiner allgemeinen Bedeutung von der größten Wichtigkeit wäre.
* Verschiedene Mittheilnngeu. Ein französisches Theater wird, wie das „B. T." mcttheilt, im kommenden April und Mai im Friedrich-Wilhelmstädtischen Theater in Berlin spielen. Das Ensemble soll sich aus den ersten Kräften der besten Pariser Bühnen znsammensetzen und jede Vorstellung durch „Conferences" französischer Schriftsteller eingelcitet werden.
Gerhart Hauptmanns „Versunkene Glocke" ist auch von einem jungen russische» Komponisten, Alcxei Dawidow, als Oper komponirt worden und gelangt in Petersburg zur Aufführung.
Die Galleria Borghese soll gegen eine Entschädigung von 3,6 Millionen Lire, die in zehn Jahresraten zu zahlen sind, Eigcn- tbnm des italienischen Staates werden. Der Vertrag liegt der Kammer zur Genehmigung vor. Der mittlere Werth der Schätzungen, die von verschiedenen Fachleuten ausgeführt wurden, beträgt 7,2 Millionen Lire. Tizians „Irdische und himmlische Liebe" wurde dabei mit 4 Millionen, Raphaels „Grablegung" mit 2'/- Millionen, Correggios „Danae" mit 1 Million Lire geschätzt.
Auch in Madrid soll am 1. Februar eine Journalisten» schule eröffnet werde».
