Einzelbild herunterladen
 

1. Beilage mm Wieskaüenrr Cagklatt.

Uo. 6. Morgen-Ansgabe.

Freilag» de« 6. Januar.

48. Jahrgang. 1900.

(9. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Der Geheimpolizist.

Krimiiialcrzählung Uoii G. v. tzrwakt».

„Sie sind verdächtig, dazu bcizutragen, daß ein Verbrecher sich der ihm gebührenden Strafe entzieht!"

„Ist cS möglich!"

„In hohem Grade verdächtig sogar! Als die Polizei Sie auf frischer Thal befrag, sind Sie nicht mit der Wahrheit hcranSgekommen!"

„Ich habe Alles gesagt, was ich wußte!"

„So wiederholen Sie es mir!"

Es war von Wichtigkeit, von der Alten eine Darstellung des Thatbcstandes zu erhalten, von der man allerdings von vornherein wußte, daß sie der Wirklichkeit nicht entsprechen würde, die jedoch wenigstens kund geben würde, was in der Nacht auf dem Polizeiposten der Barriere d'Italic zwischen dem Mörder, dem Komplizen und ihr verabredet worden war.

„Die Sache ist ganz einfach," begann sie. „Sonntag Abend sitze ich allein in meinem Etablissement am Herd, als die Thür aufgeht und drei Herren und zwei Damen eintreten."

Es war klar: Der Komplice halte beobachtet, daß die Beamten die Spuren der Flüchtigen verfolgten, und cs erschien deshalb richtiger, die Gegenwart der Frauen nicht mehr zu verschweigen.

„Um welche Zeit war das?" frug der Richter.

„Gegen elf Uhr!"

„Gut, weiter!"

„Sie setzten sich und bestellten Wein. Nachdem ich ihnen denselben vorgcsctzt, ging ich in mein Zimmer oben hinauf und flickte einige Kleidungsstücke meines Sohnes."

„Und Sie ließen Ihre Gäste unten allein?"

»3a!"

„Das ist aber doch viel Vertrauen solchen Leuten gegen­über !"

Sie schüttelte melancholisch den Kopf. „Wenn man nichts hat, kann einem nichts genommen werden!"

„Weiter!"

„Ich mochte etwa eine halbe Stunde wieder oben sein, da ruft es von unten: „He, Alte!" Ich gehe wieder die Treppe herunter und da steht ein großer, bärtiger Mann. Er wollte ein Glas Branntwein. Ich gebe es ihm."

„Und dann gingen Sie wieder hinauf?" frug der Richter in leicht ironischem Tone.

Mutier Clupet^schien es nicht zu bemerken. „Gewiß, Herr Richter," sagte sie. „Kaum hatte ich aber Fingerhut und Nadel wieder in der Hand, da höre ich unten einen schrecklichen Lärm. Nasch springe ich die Treppe wieder herunter, um Ruhe zu schaffen ... da sind die drei zuerst- gekommeuen über den letzten hergcfnllcn und wollen ihn todtschlagen! Ich rufe um Hülfe, Niemand hört ans mich! — Aber der mit dem großen Bart zieht einen Revolver heraus und schießt zwei der Angreifer nieder. Hu, es war schrecklich, so schrecklich, daß ich vor Augst und um nur das Blut nicht zu sehen, meine Schürze über den Kopf warf und mich auf die Treppe setzte! Gleich darauf wurde die Thür eingestoßen und die Polizei kam! Das ist Alles!"

So natürlich gab sie den Schrecken wieder, daß Jeder, der ohne Argwohn ihr zugehört hätte, von der Aufrichtigkeit

ihrer Worte überzeugt gewesen wäre. Sie selbst. glaubte sich schon gerettet, da sich im Gesicht des Richters nicht eine Miene verzog, als er das Protokoll prüfte.

„Sie sind also nicht einen Augenblick mit den Leuten unten allein gewesen?" begann er dann wieder in ruhigstem Ton das Verhör.

„Nein!"

„Diese kamen und bestellten, und Sie brachten das Verlangte und gingen dann wieder nach oben?"

„Genau so war es!"

„Von der Unterhaltung der Leute hörten Sie nichts? Rein gar nichts?"

„Ich werde doch nicht meine Gäste belauschen!"

„Also Sie haben nichts gehört?"

„Nichts!"

Der Untersuchungsrichter zuckte die Achseln. „Sie wollen mir also keine Aufklärung geben?"

„Ich kann nichts weiter sagen, als was ich weiß!"

„Sehen Sie! Alle diese unwahrscheinlichen Sachen, daß Sie sofort immer hinaufgehen, um Sachen für Ihren Sohn zu flicken, unbekümmert darum, ob Ihre Gäste wohl bezahlen oder dnrchbrennen, haben Sie nun zur Begründung Ihres: Ich habe nichts gesehen, nichts gehört, ich weiß nichts!" erfunden. Mit diesem System werden Sie vor dem Gerichts­hof schwerlich durchkommen!"

„Es ist kein System, es ist die Wahrheit!"

„He! Und über diesen elenden Mörder haben Sie mir auch nichts zu sagen?"

„Es ist kein Mörder, Herr Richter!"

„Kein Mörder!"

„Nein! Man suchte Streit mit ihm, er war einer gegen drei, er konnte doch nichts Gutes erwarten von solchen Strolchen, die" .... Sie schwieg plötzlich, als fürchte sie, zu viel zu sagen. Der Richter schien es nicht zu bemerken. Mit der Zange im Kaminfeuer wühlend, sprach er vor sich hin: „Wer bürgt mir dafür, daß dieser Mensch nicht im Gegentheil die drei Andern angegriffen hat?"

„Ich!" rief die Wittwe Clupet.

„Siel"

„Ich kann es beschwören!"

„Sie?" frug langsam der Richter. „Sie, die Sie oben in Ihrem Zimmer waren, als der Streit begann?"

Mutter Clupet antwortete nicht.

„Vielleicht fällen Sie," schien Schund ihr helfen zu wollen, „Ihr Urtheil deswegen, weil Sie ihn kennen, den Verhafteten, und ihn einer solchen That für unfähig halten?"

„Ich kenne ihn nicht, ich habe ihn nie vorher gesehen!"

„Aber er hat schon in Ihrem Lokal verkehrt?"

„Nie!"

„So! Sonderbar! Und gleich als er hercintritt und Sie, die Sie oben in Ihrem Zimmer sind, natürlich nicht sehen kann, ruft er: „He Alte!" Er ahnte also, daß dieses Restaurant einer Frau gehört, er ahnte auch, daß diese Frau alt ist?"

„Er hat nicht so getafen!"

„Sie selbst haben so ausgesagt!"

„Nein, das habe ich nicht gesagt."

„Ich will es Ihnen beweisen! Grasouillet, lesen Sie jene Stelle des Protokolls vor!"

Der Gerichtsschreiber las: „Ich mochte etwa eine halbe Stunde wieder oben sein, da ruft es von unten: „He! Alte! Ich gehe wieder."

„Genug! Sie haben ein schlechtes Gedächtniß, Mutter Clupet! — Und die anderen Trinker kannten Sie auch nicht?"

„Nein!"

„Auch nicht den jüngsten, den als Soldat gekleideten Gustav?"

„Nein!"

„Sie kennen auch nicht einen gewissen Ballandaye?"

Als dieser Name genannt wurde, erschrak die alte sicht­lich. — „Ballandaye? Ballandaye?" stotterte sie. „Ich habe diesen Namen nie gehört!"

Wcltli bemerkte ihr Erschrecken wohl und nahm sich vor, seine Nachforschungen nach dieser Richtung hin baldigst zu beginnen.

„Die Damen kannten Sie auch nicht?" fuhr der Richter fort.

„Nein!"

„Was für eine Sorte von Damen mochten es sein?"

„Von den allerschlcchtcstenl"

„Wie waren sie gekleidet?"

„Wie solche Geschöpfe gekleidet zu sein pflegen, in verschlissene beim Trödler gekaufte Anzüge!"

„Beschreiben Sie die Damen!"

„Sehr genau habe ich sie mir gar nicht angesehen. Sie waren groß und stark wie ein ein paar Kürassiere, mit Händen wie ein Fuß lang, rauhen Stimmen, braun wie Mulattinnen und mit pechschwarzen Haaren!"

„Genug!" unterbrach sie der Richter. „Ich habe jetzt den Beweis, daß Sie lügen!"

„Aber ich schwöre, mein bester Herr Richter."

„Thun Sie das lieber nicht! Ich werde sonst genöthigt, Sie mit einem ehrenhaften Mann zu confrontiren, der beschwören wird, daß wenigstens eine der beiden klein, zart und blond war."

Mutter Clupet schwieg, einen bösen Blick auf den Rechter werfend.

„Was hatten Sie in der Tasche Ihrer Schürze?" frug der letztere.

„Nichts! Sie ist ja in meineml Restaurant geblieben, man kann ja Nachsehen!"

Die Keckheit, mit der sie dies sagte, bewies deutlich, daß der Komplice bei der Unterhaltung auf dem Polizeiposten sie über diesen Punkt beruhigt hatte.

„Sie wollen auch nach dieser Seite hin keine Aufschlüsse geben . . . gut! Ich lasse Sie jetzt abführen. Ucberlegen Sie wohl, was Sie thun. Nur von Ihnen wird es abhängen, ob Sie als Zeugin oder als Mitangeklagte vor Gericht erscheinen."

r- Sie Unterzeichnete das Protokoll und wurde hinausgeführt. Dann sandte der Richter einen Boten mit dem Vorführungs- befehl für Mais nach deni Gefängniß.

Das Verhör der Wittwe Clupet hatte, so geschickt es auch geführt worden mar, doch nahezu gar kein positives Ergcbniß geliefert. Daß sie log, daß sie viel mehr wußte, als sie sagte, war klar; daß ihr der Zusammenhang der ganzen Sache bekannt war, war auzunehmen.

(Fortsetzung folgt.)

Putz- iiihI liotaaraiia« Hugo kiirnsr,

Wilhelmstrasse 34.

Wilhelmstrasse 34

Von Montag, den 8. Januar, an erster grosser

Inventur ^Ausverkauf

und zwar vom 8. Januar bis incl. 14. Januar: Seidene und wollene Jupons, seidene und wollene 1110118011. garnirte

und ungarnirte Hüte, Baby-Hüte,

^ n 21. „ Spitzen, Tülle, Schleifen, Schleier, Echarpes,

22 b v v 28. „ Bänder, Blumen, Federn, Boas, Gürtel.

Es gelangen nur die neuesten Sachen zum Ausverkauf und werden die

Preise bedeutend reducirt.

Näheres folgt an dieser Stelle.

Rutin

färbt graue und rothe Haare unschädlich sofort. Giftfrei, beschmutzt weder Haut noch Wäsche und ist die beste Haar- u.

Barlfarbe der Welt. 3 und 1,50 Mk.

Hier allein bei: A. Herling. Drog., Große Burgstraße, und Dl,. Tauber, Drog., Kirchgasse 6. F183

Aechte holl «indische

Angel-Schellfische,

mittel will» kleine Schellfische,

Cablian tt. Seehecht im Ausschnitt,

keine Isländer Maare. 13983

Adolf Haybach, ■ffiSKW'

Bei und nach gescllschattl. Strapazen

giebt es nicht Besseres als eine Tasse »r. med. Wotfiieim’s Kola-Kaffee. Derselbe wirkt erfrischend aus Körper und Geist, be'eitigt Kopfschmerz u. Migräne. Erhältlich ä 60, 85 u. 110 Pf. das V» Pfd. Sauitäts Kola-Likör, vorzügliches wirksames Fabrikat, k »/«-Liierst. Mk. 2.50.

Depots: Backe & Ksklony, Tauunsstraße 5; Drogerie O. Siche rt, Marklstraße 9.

Hiilsenfrnchte

in großer Auswahl billigst, sowie Nudeln und Snppen- artikel, beste Fabrikate, empfiehlt 15169

Joh. Georg Mollath, Samenhandlung,

Inh.: Heinii. Henemann,

psjT Manritinsplah 7. **PI

Klostermühle

(Inhaber: Fr. Ay).

Den ganzen Winter geöffnet.

Saal, sowie mehrere separate Gesellschaftszimmer. Täglich frische Waffeln und Kaffee. 14743

MF* Teppiche W

sind billig zu haben. Ä 1669s

Georg Hilleslieiiucr, Oramenstraßt 31, Hth. -