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Fernsprecher No. 52.

Mittwoch, den 3. Januar.

Fernsprecher No. 52.

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Mor gen-Ausgabe.

Dos Jahr 1899.

Deutschland

Das tun er poli tische L eben unseres deutschen Vaterlandes ist mehrfach durch kritische Entwickelung der Lage beeinflußt worden. Die erste Krisis, die zum Konflikt zwischen Regierung und Reichs­tag zu führen drohte, entstand Ende März, als letzterer die von elfterer eingebrachte, eine bedeutende Hecresvcmiehnnig bedingende Militärvorlage ablehitte. Es gelang mit Hülfe des Centrums, die Krise durch einen Kompromisz zu beendigen. Neue Verwickelungen droht die in Aussicht stehende neue Flottenvorlage zu bringen. In Preußen beherrschte der Kamps um die von den Agrariern an- gefeiudcte Kanalvorlage „wnatelang die innere Lage, und eine Auf­lösung des Landtags schien nach der Ablehnung der Vorlage, zu der es trotz des entschiedenen Eintretens des Kaisers für dieselbe gekonuuen war, unvermeidlich. Indes; drang die Meinung des ton­angebenden Ministers v. Miguel durch, zwar ließ die Krone die widerspenstigen Agrarier ihren Unwillen deutlich suhlen, aber der Landtag wurde nicht heimgeschickt, sondern es wurde ihm für die nächste Tagung eine neue, umgearbcitete Kanalvorlage angekündigt. Auch der erwartete Rücktritt des gesanunten L-taatSministerinms blveb aus, und nur die beiden am Kanalkampfe am wenigsten be­theiligten Minister, der des Innern Frhr. v. d. Recke und der Kultusminister Dr. Bosse, traten am 4. Septeinber zurück und wurden durch den Düsseldorfer Regierungspräsidenten Frhrn. o. Rheinbabcn bcziv. den westfälischen Oberprüsidenten Studt ersetzt. — In Bayer» wurde der Landtag am 12. Jumaufgelöst,worauf am 10. und 17. Zuli Neuwahlen stattfanden; der aus ihnen hervor- gegangene Landtag führte 83 ultramontane, 45 liberale, 4 konser­vative Abgeordnete, 13 Vertreter des Bauernbundes, 11 Socialisten und 4 Wilde ins bayrische Abgeordnetenhaus. Die am 17. Oktober gethätigte Landtagswahl im Großherzogthum Oldenburg führte zu ganz geringen Parteioerschrebungen, während die Landtagswahlen in B a d e n. die am 16. sich gingen, den bisher herrschenden Liberalen brachten und eine aus 23 Nationalllibcraleo,

5 Volksparteilern, 2 Freisinnige«! und 4 Wilden bestehende Kammer ergaben. Die a«n 5. Dezember stattgehabtcn Landtags­wahlen des HerzogthumS Braunschweig führten zu einer Niederlage der Socialisten und Welfen. — Dein Herzogthnm Eoburg-Gotha wurde am 6. Februar, an welchen« Tage auch der früher« Reichskanzler Graf Caprivi starb, der Thronfolger durch den Tod entrissen. Die dadurch entstandene Thronfolgefrage wurde nach dein Verzichte des zunächst erbberechtigten Herzogs von Connauaht in der Weise erledigt, daß dessen ältester Sohn, der Herzog von Albany, zum Thronfolger ausersehen wnrde. — Reichskanzler Fürst Hohenlohe feierte am 31. März unter ehrenden Kundgebungen von nah und fern seinen achtzigsten Geburtstag.

Der Reichstag trat am 10. Januar zusammen. Die Tagung beherrschte zu Anfang der Kampf uin die eine erhebliche Hecres- verstärkung bedingende Militärvorlage, die ain 14. März «n der Regicruugsfassung mit 209 gegen 141 Stimmen abgelehnt und an« 16. März in der von« Centrum durchgesetztcn Komproinißfassung mit 212 gegen 132 Stinnnen angenonimcn wurde. In der zweiten Tagnngshälfte trat der Kainpf um die Znchthausvorlage in den Vordergrund. Die Etatsberathung wurde am 20. März zu Ende geführt. Bon den übrigen gesetzgeberischen Ergebnissen der Tagung sind zu nennen: Das Abkommen, betreffend den internationalen Frachtverkehr; das Gesetz, betreffend die Errichtung eines bayrischen Senats beim Reichs-Militärgericht, durch das die Reform des Militär-Strafprozesses abgeschlossen wurde; der Antrag Ruckert. betreffend Sicherung des Wahlgeheimnisses; die Novelle zum Rcichsdanlgesetz; die Abänderung des Gesetzes, betreffend den Reichsinvaiidenfonds; die Novelle zuin Invalidität«- und Alters - Bersicherungsgesctz, das verschiedenen in der Praxis nothweiidig gewordenen Aenderungen uutcrzogen wurde; die Verlängerung des einstweiligen Handelsabkomincns mit England um ein Jadr; der Vertrag m,t Spanien, betreffend Ankauf der spanischen Sndsee-Jnsel»; die Ablehnung des Gesetzentwurfs,

November vor starke Verluste 22 Klerikalen,

betr den Schutz der Arbeitswilligen, der sogenannten ZuchthauS- vorlaqe, durch die mit ihrer Berathung betraute Kommission. Am 22. Juni wurde der Reichstag bis zum 14. Noveinber vertagt. Er trat an diesem Tag znsainmcn, lehnte ain 20. November die Zucht- hansvorlage mit großer Mehrheit ab, ,«ahm eine umfangreiche Novelle zum Postgcsctz mit einer Reihe zeitgemäßer Neuerungen «m Postwesen, eine neue Fernsprech-Gebührenordnuug, die Gesetze, betr. die gemeinsamen Reck,te der Besitzer von Schuldverschreibnngen, betr. die Gcnehmignnqspsticht von Anlagen zur Herstellung elektrischer Künder und Zündschnüre, betr. dte Verwendung öffentlicher Wege zu Telephonanlagen, ferner Anträge, betr. die Perstchernng der Heimarbeiter und die Bestrafung von Vergehen gegen die Sicherheit der Eisenbahntransporte, an, ferner den Antrag Bassermann, betr. die Ailfbcbung des Verbots der Verbindung politischer Vereine, dem der Blindcsrnth zustiminen zu wollen erklärte, »nd die auch that- fächlich bald erfolgte. Am 11. Dezember wurde mit der Etats- berathnilg begonnen.

Der Preußische Landtag begann seine Thatigkeit am 16. Januar. Fast die ganze Tagung beherrschte der Kampf um die Kanalvorlage, die nach langem Hange» und Bangen am lo. Im» mit 240 gegen 160 Stimmen an die Kommission zuriickverwiesen, am 18. August von dieser aber sowohl bezüglich des Rhein-Elbe-, als auch des Dortmund-Ems-Kanals abgelehnt wurde, aber in der nächsten Tagung wieder auflebcn wird. Die Etatsberathung wurde am 21. März beendigt. Zur Verabschiedung gelangten außerdem die Gesetze, betreffend Synagoaenverwaltnng in Frankflirt a. M.; Ablösung des Bernsteinmonopdl«; Abkommen mit Württemberg in betreff der Flößerei auf dcm Neckar; Flaggenhisfiing der Kauffahrtei­schiffe; Einführung ärztlicher Ehrengerichte; Anstelluilg und Ver­sorgung der Genietildebeamten; Versetzung richterlicher Beamte» in den Ruhestand; Ergänzung des AnsiedelimgsacsetzeS für Posen »nid Wcstp reichen; Bullenhaltüng; Zwischenkredit bei Rentengnts- btldungen; Ausiibnnq der Jagd aus eigenem Grund und Boden; Dienststellnng der Kreisärzte und Einrichtung von Kreis-Gcs»»dheits- kommisfionen; AnSführungsbestimmniigen znm Handels-und bürger­lichen Gesetzbuch; freiwillige Gerichtsbarkeit; Gebühren der Rechts­konsulenten und Gerichtsvollzieher; Gerichtsorganijatwn für Berlin. Die Tagung, die vom 3. Juli bis 14. August unterbrochen war, schloß am 29. August. (Fortsetzung folgt.)

Aus Ktadt «nd Kand.

Wiesbaden, 3. Januar.

— Prrs«na1-Darssrich1e,r. Der Titel Geheimer Regiernngs- rath wurde dem Professor der Geodäsie an der König!. Landwirth- schastlichen Hochschule zu Berlin, vr. Eh. R. Vogler, einem geborenen Wiesbadener, verliehe». Im April 1883 wurde die Geodäsie an der Hochschule in Berlin den anderen Kursen beigcfiigt und Professor Vogler von Bonn dorthin berufen, wo er seither in diesem Fache wirkt und zugleich Vorsteher der sich stets erweiternden gesammten geodätifch-kulturtcchnischen Abthciluug ist. Auch leitet er als Vorsitzender die Staatsprüfungen der Landmesser dortsclbst. — Herr Geheimer RcgierungSraih und Verwaltungsgerichtsdirektor v. Reichenau hat die erbetene Entlassung aus dem Dienste unter Verleit,nng des Rothe» Adler-Ordens 2. Klaffe mit Eichenlaub er­halte».

— «brrst *. Dassel f. Gestern Früh erlag in Berlin langem, schwerem Leiden der König!. Oberst und Komniandeur des Füsilier-Regiments v. GerSdorff (Heff.) No. 80, Herr Paul ».Dassel, Rittei mehrerer Orden und Ehrcnritter des Johanniter Ordens.

— Kurhaus. Die heute Mittwoch Abend 8 Uhr im Kur Hause stattfindende zweite Ouartett - Soir 6 eder Herren: Konzert­meister Hermann Jrrner, Theodor Schäfer, Wilhelm Sadony und Joh. Eichhorn unter freundlicher Mitwirkung des Herrn Direktors H. Spangenberg, verdient wieder die ganz besondere Beachtung aller Freunde dieser edle» Musikaattung. Zum ersten Male im Kurhaus«, wohl aber zum ersten Male in Wiesbaden überhaupt, kommt Cderubinis Streichquartett in v-motl Nr. 3 zur Aufführung. Es ist dies das letzte der drei großen Streichquartette des Meisters, ein in jeder Beziehung bedeutendes Werk, besonders hervorragend I durch seine herrlichen Melodiken und durch den wunderbar

konstruirten zweiten und dritten Satz. Beethoven ist in dem Pro­

gramm durch sein berühmtes b'-<i,ir-O»ortett vertrete». Die Sonate für Klavier und Violine in G-moll von Grieg, mit ihren an- muthenden nordischen Melodieen, wird den Herren Konzertmeister Inner und Direktor Spangenberg Gelegenheit geben, ihre an­erkannte Kunst im Vortrage von Sonaten -ailfs Reue zu bethätigen.

o. Der „Iahichundertmen-e-FeftbaU", dm die städtische Kurverwaltung am Sylvcsterabend veranstaltete, nahm einen sehr glänzende» und, dank des geschickten Arrangements, sehr animirtm Verlauf. Der große Saal prangte in seinem schönsten Fcstschmuck und drei große Wcihnachtsväume verliehen dem Ganzen einen sehr stiininungsvollcn Reiz, einen besonderen, gewissermaßen intimen Charakter. Mit dem sehr zahlreich erschieneneii Frcindenpubliknm ver­einigten sich die besten hiesigen Gesellschaftskreise zu einer großen, froh- gestimmlcn, etwa 800 Personen zählenden Fcsrversammliuig, die sich vor Allem durch einen glänzenden Damcnflor und sehr schöne, geschmackvolle Toiletten anszeichncte. Einzig in ihrer Art waren die Ucbcr- raschungcn. weiche die Kurvcrwaltiing allen Festtheilnehmern be­reitete. ' Bei der großen Polonaise wurde jedem Herrn die bereits erwähnte künstlerisch «usgcfichrtc Erinucrungs-Mcdaille »nd jeder Dame eine Schleife mit Widmung überreicht. /Die Jahreswende wurde höchst feierlich begangen; um 12 Uhr ertönten l2Tam-Tam- Schläge und Hcroldsfänfare», ausgeführt von dem gesammten Bläserchor der Kapelle des Regiments v. Gersdorff. Danach hielt Herr Kurdirektor v. Ebmeyer eine zündende Ansprache, in welcher er einen geschichtlichen kurze» Rückblick auf das verflossene Jahr­hundert warf und allen Anwesenden die herzlichsten Glück­wünsche der Kurverwaltung darbrachte, die von alle» Seiten lebhaft erwidert wurden. Nachdem die „Jnbel- Ouvertüre" von Weber'verklungen, fand eine besondere Dnmen- Polonaise statt, bei welcher jeder Theilnehmerin die ersehnte Medaille überreicht wurde. Dann nahm der Festball unter der Leitimg des Herrn Fritz Heideckcr einen flottm und amüsanten Fortgang und bis zum frilhen Morqm blieb Alles in der gcmüth- lichsten Stimmung vereint. Ueder die Arrangements der Kur­verwaltung herrschte nur eine Stimme des Lobes, nicht minder auch über das Debüt des Herrn W. Ruthe als selbständigen Kurhaus-Restaurateurs. Die vortrefflichen Leistungen haben nicht wenig zu dem guten Gelingen der „Jahrhimdertwendc-FestballS" bei­geträgen, der gewiß allen Thcilnehmern eine angenehme Erinnerung bleibe» wird. _

® Alte Kauer,«rrsel» für den Monat Innnar. Ein schöner Januar bringt uns ein gutes Jahr. — Januar warm, daß Gott erbarm! — Wenn Gras wächst im Januar, wächst es schlecht das ganze Jahr. — Nebel im Januar uiacht ein nasses Fnijahr. — Sind die Flüsse klein, giebt es guten Weil». — Am 10. Januar Sonnenschein, bringt viel Korn und Wein. — Wie das Weiter av St. Vincent war, wird es sein das ganze Jahr. —^Schönes Wetter bringt Gewinn, merk' Dir das tn Deinem Sinn. — St. Paul. schön mit Sonnenschein, bringt Fruchtbarkeit an Gelreid' und Wein. — Ist der Januar naß, bleibt leer das Faß. — Januar muß vor Kälte knacken, wenn die Ernte soll qnt sacken. — An Vincenzi Sonnenschein, bringt viel Korn und Wein. — Morgenroth am 1. Januar deutet auf viel Gewitter im Sommer. — Ist der Januar warm und »aß, bleibt leer das Faß. — Ei» gelinder Januar bringt Kälte in« Februar. — Morgeuroth am 1. Tag, Unwetter bringt und große Plag'. — Wie das Wetter am Mecarius war, so wird's im September truo und klar. — An Fabian »nd Sebastian soll auch der Saft in die Bäume gähn. — Ist Pauli Bekehrung hell und klar, so hofft man auf ein gutes Jahr. — Wenn die Tage langen, kommt der Winter gegangen. — Tanzen im Januar die Mucken, muß derBauer nach dein Futter gucken. — Ist der Januar nicht naß, füllt sich de» Winzers Faß.

f Da» neue |nljv 1000 ist ein Gemeinjahr von 365 Tagen Wochen «nd 1 Tag, darin 52 Sonntage. Unter Anderem ist es das 200ste seit der Einführung des verbesserten Kalender» und da« 199ste seit der Gründung der preußischen Monarchie. Ostern fällt in diesem Jahre auf den 15. April, Pfingsten aus den 3. Juni. Von Himmeiscrschcinungen werden wir im Jahre 1900 nicht viel zu sehen bekommen. Nur eine Sonnenfinsterniß wird bei uns sichtbar werden, und zwar am 28. Mai. Dieselbe beginnt um 1 Uhr 12 Minuten Nachmittag« M. E. Z. und wird in unseren Gegenden die Verfinsterung etwas über die Hälfte des Sonncn-

(Nachdruck verboten.)

Astronom. Erscheinungen im Iannnr I960.

Seit dem 22. Dezember schon steigt die Sonne wieder höher und die Tageslänge nimmt zwar langsam, aber stetig zu. Die Zu­nahme beträgt bis heute schon rund 5 Minuten; am 31. wird sie inehr als eine Stunde betragen. Das Tagesgestirn ist am 1. Januar 19,600,000 Meilen entfernt und gelangt am 20. ins Zeichen des Waffermanns. Es steht heute für Wiesbaden bereit« 16"32'6" über dem Südpunkt, während sein Stand über diesem am 21. v. M. nur 16" 11'18" betrug. Zu Ende des neuen Monats wird die Sonne gegen 6° höher stehen als jetzt. Die Zeitgleichung beträgt am 1. Januar 3 Min. 47 Sek., am 11. 8 Min. 3 Sek., am 21. 11 Min. 27 Sek. und am 31. 13 Min. 38 Sek. Die bürgerliche Dämmerung hält für Wiesbaden heilte 39. die astronomische hin­gegen 121 Minuten an. Der Mond ist zweimal Neumond, am 1. und 31. Er zeigt sich als Vollmond am 15. In Erdnähe steht er am 2., in Erdferne am 19.

Der Pl a n e te n h i mm e l stellt sich glänMdcr dar als in den letzten Monaten. So wird M'rkur, der sich im Bild des Schützen be­findet, in diesen Tagen des Morgens im 80. sichtbar sein. Allerdings beträgt die Sichtbarkeitsdoner nur 15 Minuten, immerhin aber ist der Planet zu sehen und ein geübter Beobachter wird ihn besonders im Opernglas leicht finden. Venns leuchtet in herrlichem Glanz im SW. als Abendstern, befindet sich im Bild des Wassermanns und ist jetzt 1'/,, später 2'fr Stunden sichtbar. Mars wird uns erst im Juni mit seinem Besuch beehren. Jupiter hat seinen Stand im Schützen, steht Früh im 80. und kann zur Zeit 2, zu Ende des Monats 3 Stunden hindurch beobachtet werden. Gegen Ende Januar befindet er sich bei Sonnenaufgang in der MittagS- linie. Die vier größeren Monde kann man im Feldstecher recht gut sehen. Saturn steht jetzt im Schutzen, spater im Steinbock.

Vom 16. an kann er des Morgen« im 80. kurze Zeit bemerkt werden. Uranus befindet sich vorläufig stets im Schützen und ist zu Ende des Monats Früh im 80. sichtbar. Im Opernglas, besser im Feldstecher, ist er nicht schwer zu finden, er fällt durch sein grün­liches Licht auf. Neptun endlich, der die Lichtstärke eines Sternchens 9. Größe hat. kann nur unter Anwendung eines starken Fernrohrs gesehen werden. Gr steht in den Zwillingen. In Mondnähe befinden sich Venus am 3., Jupiter am 26. und Saturn am 28.

Immer schöner entfaltet sich der Fixsternhimmel, der am 1. um 9, am 16. um 8 und am 31. um 7 Uhr Abends folgendes Bild darbietet. Auf der westlichen Hälfte funkeln zum Thcil in der Milchstraße die helleren Sterne der Ka ssiopeja, an die sich südsüdwestlich die Andromeda mit ihrem Nebelfleck lehnt. Dieser zeigt sich, wie der Nebel im Orion, unbewaffneten Augen als kleines Lichtwölkchen, das im Fernrohr als eine große Lichtmaffe hervor­tritt. Oestlich von der Andromeda fällt uns Algol im Bild des Perseus durch die Veränderlichkeit seiner Lichtstärke auf. Nördlich von der Andromeda erkennen wir in der Verzweigung der Milch­straße den Hellen Dencb im Schwan, während nordwestlich davon tief im 17. in der Leier die W e gcr flackert, eine Sonne, deren Lichtstärke 30m>rl so hell als die unserer Sonne ist. Zwischen der Kassiopeja und der Deichsel des Gr. Himmelswagens befindet sich der P o l a r st e r n, ein Doppclstern, der gegenwärtig 1°13'36" voui Nordpol des Himmels entfernt ist. — Bei Weitem prachtvoller gestaltet sich die Osthälfte des Fixsternhimmels. Hoch über uns strahlt die helle K a p e l l a im Fuhrmann. Südlich davon weidet der Stier, dem der helle röthliche Aldebaran, die Hyaden und die Plcjaden oder das Sieben­gestirn, die sogenannte Gluckhenne, angehören. Südöstlich begrüßen wir den Orion, unser schönstes Sternbild, mtt der röthlichen Beteigeuze oben links, der Bellatrix rechts davon, dem Nigel unten rechts, und bem Stern Kappa links davon. Den Gürtel

bilden drei Sterne zweiter Größe, unterhalb deren man den Nebel

mit bloßen Augen bemerkt. Oestlich von Beteigeuze, jenseits der Milchstraße, erglänzt im Kleinen Hund der gelblich« Prokyon; nördlich hiervon blicken die Zwillinge Kastor und der hellere Pollux freundlich auf uns hernieder | östlich schimmert der blänlichweiße Regulus im Lötvcn und nördlich hiervon zicheti die sieben hellen Sterne des Gr. Himmelswagens uns entgegen. Siidpstlich vom Orion funkelt im Gr. Hund Sirius, der hellste Fixstern des ganzen Himmels. Die Milch st r aß e erhebt sich im 80. zwischen Sirius und Prokyon; sie zieht zwischen Orion und Zwillinge in westnordwestlicher, dann zwischen Stier imb Fuhr­mann in nordwestlicher,, endlich bis zu ihrer Verzweigung in nord­nordwestlicher Richtung dahin. An Sternen 1. Größe sind gleich- . zeitig sichtbar Aldebaran, Beteigeuze. Kapella, Pollux, Prokyon, Regulus, Rigcl, Sirius und Wega. — Der Durchgang durch die obere Mittagslinic erfolgt in der Nacht des 1. bei der Mitte der Kassiopeja »nd der Andromeda 6 Uhr 15 Min. Abend», Polarstern 6 Uhr 48 Min., Algol 8 Uhr 30 Min., Siebengestirn 9 Uhr 12 Min., Aldebaran 10 Uhr 2 Min., Kapella 10 Uhr 36 Min., R'gel 10 Uhr 37 Min., Bellatrix 10 Uhr 47 Min., Beteigeuze 11 Uhr 17 Min., Sirius 12 Uhr 12 Min. Früh, Prokyon 1 Uhr 5 Min., Pollux 1 Uhr 10 Min., Regulus 8 Uhr 33 Min., Dubhe, da? obere Hinterrad des Gr. Himmelswagens, 4 Uhr 27 Min., Spika 6 Uhr 50 Min. Durch die untere Mittags- linie ziehen in derselben Nacht Wega 12 Uhr 5 Min. Früh, Deneb 2 Uhr 9 Min. und der Polarstern 6 Uhr 49 Min. Aufgang, Durchgang und Untergang der Fixsterne erfolgen in jeder nächsten Nacht um 3,93, mithin fast um 4 Minuten früher.

Sternschnuppen werden ausgehen am 2. und 3. ziemlich oft vom Gr. Himmelswagen, am 11. vom Bootes, am 17. vom Schwan, am 22. von der Jungfrau, am 25. vom Krebs »nd am 29. von der Deichsel des Großen Himmelswagens. ve. K.