Einzelbild herunterladen
 

Maye mm Mieskaüenkr TagblaN.

Ko. 2. Morgen Ausgabe

(7. Fortsetzung.) (Nachdruck verbalen.) ^

, Der Geheimpolizist.

Kriminalerzählung von H. v. Grwakd.

Inspektor Marschal bestimmte Vater Halbundhalb zu diesem Posten, zu dem ein besonders fähiger Mann nöthig gewesen wäre. Weltli erhob indessen keinen Widerspruch; schließlich war ihm Vater Halbundhalb, auf dessen Ehrlich­keit wenigstens er sich verlassen konnte, immer noch lieber, als wenn man Jemanden geschickt hätte, der vielleicht, die Eifersucht MarschalS theilend, oder in dem Bestreben, diesem einflußreichen Vorgesetzten einen Gefallen zu erweisen, die Pläne des jungen Beamten zu Schanden werden ließ.

Von hier ging er wieder nach dem Polizeiposten an der Barriere d'Jtalie, wo er ein Quantum des Staubes sammelte, der hier den Bodeü der Gefangegienzelle bedeckte.

Ohne sich Ruhe zu gönnen, trotzdem er nun schon länger als vierundzwanzig Stunden ununterbrochen im Dienst war, begab er sich auf die Suche nach dem Kutscher, der die beiden Frauen gefikhren halte. Der Wagen war leer znrnck- gefahren, also mußte die Stallung jenseits der „leeren Felder"

liegen. _ n> ,, _

In den Vororten gab es deren eine große Anzahl. Er­suchte einen nach dem andern auf. Bei einigen war über­haupt kein Kutscher mehr .so spät noch auf der Fahrt gewesen, bei anderen waren die betreffenden Kutscher wieder im Dienst, fuhren irgendwo in Paris herum — es war nicht leicht, die Ermittelungen zu Ende zu führen, Nach mehrstündiger Arbeit endlich hörte er in einem der Ställe, daß ein Kutscher Namens Collet auf der Heimkehr m der Nue de Patay angerufen worden sei und noch eine Tour habe machen müssen. Derselbe war gerade damit beschäftigt, sein Pferd einzuspannen, ein älterer Mann mit blanrothcm Gesicht, dessen Färbung wohl nicht allein Wind und Wetter verursacht hatten, und weißem Henriquatre, namens O'scl

Er frug denselben, ob er in vergangener Nacht zwei Damen in der Nue de Patay aufgenonimen und wohin er sie gefahren habe.

„Welches Interesse hat der Herr daran, das zu wissen? - frug der Alte ruhig.

Weltli zeigte ihm seine Karte. „Sie wurden der Justiz einen großen Dienst erweisen," sagte er eindringlich, „wenn Sie mir eingehende Mittheilungen machen könnten. Jene beiden Damen sind an dem dreifachen Mord in der Anis­kapelle betheiligt, von dem Sie ohneLweifel gehört haben!"

,An dem Mord! Ah! Und jch habe ihnen zur Flucht verholfen! Hätte ich das ahnen können! Darum gaben sie mir einen Louisdor Trinkgeld! Solche Bande! Gewiß will ich Ihnen Alles sagen, was ich weiß — leider ist es nicht viel!"

„Zunächst — wo haben Sie di« beiden abgesetzt?'

„In der Rue de Bourgogne!"

„Welche Nummer?" „

„Das weiß ich nicht mehr. Aber das Haus finde ich wieder!" , _, ,

„Leider werden sie nicht so dumm gewesen sein, sich nach ihrer Wohnung fahren zu lassen!"

„Hm! Aber geklingelt haben sie, das habe ich gesehen Soll ich Sie hinfahren?"

Mittwoch, de« 3. Januar.

„Vorwärts!" Weltli sprang in den Wagen und derselbe setzte sich in rasche Bewegung.

Es war nicht wahrscheinlich, daß die Flüchtigen sich auch nur in die Nähe ihrer Wohnung halten fahren lassen, und ebensowenig, daß sie unvorsichtig genug gewesen waren, dem Kutscher gegenüber sich eine Blöße zu geben, die zu ihrer Entdeckung führen konnte. Aber für Kriminaluntersuchungen ist ein Grundsatz voy.höchster Wichtigkeit: der, daß man dem Wahrscheinlichen Mißtrauen entgegenbringe und auch das Unwahrscheinlichste nicht für unmöglich halte.

Diesem Grundsatz folgend, begann Weltli unterwegs den Kutscher ausznfragcn.

„Wie kam die ganze Sache?"

„Ich hatte am Sonntag wider Erwarten einen recht schlechten Tag gehabt. Um Mitternacht hatte ich erst vierzig Sous Trinkgeld eingenommen. Dabei regnete es halb, halb schneite cs, mein Pferd war auch erschöpft — ich hielt es für das Beste, nach Hause zu fahren. In der Rue de Patay sah ich zwei Frauen an eine Mauer gedruckt stehen. Na, so etwas kommt öfter vor. Sie rufen mich an: Futscher! Kutscher!" — ich thuc, als ob ich es nicht höre, denn die Art, die sich so Nachts auf den Gassen herum- treibt, die fährt wohl gerne, hat aber meistens kein Geld zu in Bezahlen. Früher wäre es mir ja gar nicht darauf angekommen, auch einmal ein hübsches junges Dämchen so mitzunehmcn ..."

„Weiter, weiter!" drängte Weltli.

Nun gut. Also ich thue, als ob ich schlafe, da ruft eine von den Beiden: „He! Kutscher! Einen Louisdor Trinkgeld!" Ich hielt mein Pferd an, aber mißtrauisch war ich immer noch. Das ist doch begreiflich, nicht wahr?"

„Gewiß!" antwortete Weltli, mühsam seine Ungeduld bezähmend.

„Also ich sagte: „Gut, aber Vorausbezahlung, anders fahre ich bei Nacht nicht!" Und sieh, die Eine, die Kleinere, zieht ein Portemonnaie heraus, in dem eine ganze Menge Goldfüchse zu sein schien, nimmt zwei davon, gibt sie mir: „Einen für dies Fahrt, einen Trinkgeld! Nun aber flott vorwärts, Rne de Bourgogne . . ." Sie nannte auch die Nummer, die ich wieder vergessen habe. Damit waren sie schon im Wagen. Daß ich meinen Gaul tüchtig antraben ließ, daö versteht sich doch von selbst. Na, und so fuhren wir dann hin." & „ ... ‘

„Und dort?"

„Dort stiegen sie aus und klingelten. Als die Lhnr ausgemacht wurde. drehte ich um und fuhr zurück. Weiter weiß ich nichts an der Sache."

„Uud wie sahen die beiden aus?"

Der Kutscher kratzte sich hinter den Ohren. „Hm, bei solchem Wetter, in der Nacht, da ist nicht viel zu sehen. Ich habe auch nicht so genau darauf Acht geg:ben. In meinem Atter ... Ja, wenn ich gewußt hätte, wo sie Herkommen, gerade nach der Polizcipräfektur hätte ich sie gefahren, trotz ihres Trinkgeldes!"

„So können Sie sie gar nicht beschreiben?"

„Die Eine, die Kleine, war sehr blond, auffallend starkes blondes Haar, kraus, das sah ich, als die Kapntze zurückglitt. Sie war°nicht übel, recht hübsch sogar, nur ein bischen zu zart, für unsereinen wenigstens!"

„Und die Andere?" .

„Das kann ich nicht sagen, die habe ich gar nicht m» Gesicht gesehen. Aber Halt! Die Kleine sagte zu der Andern Du, und die Große zu ihr Sie! ES muß wohl Herrin und Dienerin gewesen sein!"

Dieser letztere Umstand war von äußerster Wichtigkeit. Es bestätigte die Ansicht Weltlis, daß es sich hier um Personen handle, die der vornehmen Welt angehörten.

Mehr war trotz aller Fragen aus dem Kutscher nicht herauszubringen, offenbar weil er selbst nicht mehr wußte. Plötzlich hielt er sein Pferd an.

„Hier ist das Haus!" rief er.

Im Augenblick halte Weltli sein seidenes Halstuch ab. gerissen, zusammengelegt und in die Tasche gesteckt. Dann sprang er aus dem Wagen und trat in die Portierloge des Hanfes, in der eine alte Frau saß.

„Jch bringe einer ihrer Mietherinnen etwas, das sie verloren hat!" sagte er, das Halstuch aus der Tasche ziehend.

„Welcher?" — „Das weiß ich nicht!"

Sie glaubte, man wolle sich über sie lustig - machen und sing an, sich in diesem Sinne hestig zu äußern, als Weltli sic, sich höflich entschuldigend, unterbrach.

„Mir liegt nichts ferner," sprach er in höflichstem Tone, als mit einer so würdigen Dame Scherz treiben zu wollen. Die Sache verhält sich folgendermaßen: Sonntag Abend, oder vielmehr, es war schon Montag Früh, kam ich von einem Zusammensein mit Freunden nach Hause, als zwn Damen hier klingelten. Die eine verlor dabei dieses Tuch ohne es zu bemerke». Als ich herangekommen war und es aufgehoben hatte, war die Thür schon geschlossen. Heute hatte ich den ganzen Tag über zu thun, daher kann tch erst

jetzt kommen und das Tuch zurückbringcn!"

„Von unfern Mietherinnen," antwortete die Alte nicht ohne Stolz, „kommt Keine so spät nach Hause!" a

„Aber ich habe doch mit eigenen Augen gesehen . . .

„Richtig, jetzt fällt cs mir ein! Das hatte ich^gauz vergessen! Sonntag Nacht läutete eS. ich ziehe den Strick, die Thür geht auf . . . ich höre Niemanden d,e Treppe hmcmfgeheir, werfe rusch einen Siocf über, zünde ein an, gehe auf den Hausflur hinaus — da huschen zwei Damen eben zur Thür hinaus und werfen sie mir vor der Nase zu! Bon denen muß es Eine geivesen sein. Daß ste ihr Tuch verloren hat, geschieht ihr schon recht; warum foppt sie alte, ehrliche Leute!"

„Wohin die Beiden sich wandten haben Sie nicht gesehen?

„Uninöglich! Ich sage Ihnen ja, sie schlugen mir die

Thür vor der Nase zu!" .

Weltli dankte höflich für die ihm crtheibte Auskunft und ging. „Es ist, wie ich dachte," rief er dem Kutscher zu, „sie wohnen nicht hier!"

Da es mittlerweile recht spät geworden war, entließ er den Kutscher und ging nach seiner Wohnung, um endlich auch einige Stunden zu ruhen.

Am nächsten Morgen zeitig aufgestanden, begab sich Weltli erst nach der Polizeipräfektnr. um zu hören, ob etwas Neues bekannt geworden sei, und als man ihm gesagt, daß dies nicht der Fall, nach dem Leichenschauhause.

(Fortsetzung folgt.)

Putz- mul WewiiiiRiiliiius Hag« Asdmer.

_ Q/l Wilhelm Strasse 84.

Wilhelmstrasse 84.

Von Montag, den 8. Jannar, an erster grosser

Inventur ^Ausverkauf

„„d zwar vom S. Januar M. Incl. 14. Januar: Seidene and wollene JliponS, eeidene und wollene BlOUSeil, sarnirte

und ungarnlrte Hüte, Baby-Hüte,

15 21. „ Spitzen, Tülle, Schleifen, Schleier, Echarpes,

22 . B n 28. , Bänder, Blumen, Federn, Boas, Gürtel.

Es gelangen nur die neuesten Sachen zum Ausverkauf und werden die

Preise bedeutend reducirt.

Näheres folgt an dieser Stelle.

tacbr. Lendle, Milchkur-Anstalt,

Wiesbadener

erstes bürgerliches Möbelmagazill

empfiehlt nur bestgearbe.itete Polster, und «astenmöbel aller Art zu den billigst gestellten Preisen.

Große Auswahl in completen Betten verschiedenster Preis^ lagen, sowie einzelne Theile. u rY 500

Änfarbeiten von Betten und Modeln schnell und billigst.

Webergasie 3. W. Kgenolf.

Wein-Etiquetten

Jos. Ulrich, Friedrichstrasse 39,

uke der »irclujas.e.

15214

Bleichstlatze 26, Telephon 362,

empfehlen:

Kiadn-Milch, «»Milch, Sah«, Istk. Tajellnttcr rc,

in nur ersten Qualitäten zu billigen Preisen frei'ins Haus geliefert. 10698

Trocken-Füttermig.

Unfere Milchkühe stehen unter Controlle des Herrn Br. Christmann.