Sette 4» rvrorgen-NuSgabc. Erstes Blatt.
der Hauptsache dürfte es genügen, wenn beide Teile, auf Berufung des einen, verpflichtet sind, sich wenigstens einer Verhandlung vor dem Einigungsamt zu unterwerfen. So viel ich mich orientieren konnte, haben sich bereits in vielen Städten so eingerichtete Einigungsämter gut bewährt.
Eine zweite Aufgabe der Stadt wäre, einen Hilfsfonds zu schaffen, um besonders Hausbesitzern, die durch den Krieg in eine vorübergehende Rotkrge gebracht sind, gegen genügende Sicherheit beizuspringen, um zu verhüten, daß die momentane Verlegenheit, die sie ja unverschuldet, -lediglich infolge höherer Gewalt, trifft, womöglich einen völligen, endgültigen Ruin hevbeiführt. ES liegt zweifellos im Interesse der Stadt selbst, daß nicht Hausbesitzer an einer ersten, mündelsicheren Hypothek — nur weil dieselbe infolge des Krieges nicht rechtzeitig zu beschaffen ist, zugrunde gehen. Es ist sowieso schon bekannt genug, daß die Hypothekenbanken sowie andere derartige Institute Wiesbaden als Belerhungs- gebiet durchaus nicht bevorzugen —, im Gegenteil! Es bedarf keiner weiteren Begründung, daß der Grundwert, damit auch die Steeurkrast und das Renommee Wiesbadens wesentlich herabgesetzt wird, wenn sich nicht mal Mittel sinden, um eine Subhastation erstklassiger Objekte für mündelfichere Hypotheken zu verhindern!
Während die eben erwähnten Aufgaben mehr von momentaner, relativ kurz dauernder Bedeutung sind, hat die — ich möchte fast sagen: Gunst der Verhältniffe die Stadt vor eine Aufgabe gestellt, die dauernd die Entwicklung und das Gedeihen Wiesbadens beeinflussen kann. Der Krieg wird zweifellos das Resultat haben, daß uns für absehbare Zeit die oben erwähnten unerwünschten Ausländer, die den Ruf Wiesbadens als vornehmen Kurort nur geschädigt haben, ferngehalten werden. Umgekehrt werden sich unsere deutschen Landsleute wieder auf sich selbst besinnen, von der Vorliebe für das Ausland, das sie doch nur als willkommene Ausbeutungsobjekte betrachtete, kuriert sein. Sie werden in Wiesbaden den „vornehmen" Badeort, als welcher er groß und von Weltruf geworden ist, wieder finden können. — Wiesbaden ist in neuester Zeit nochmals „Residenzstadt" geworden, und zwar nicht nur eines kleinen Bundesfürsten, sondern des deutschen Kaisers selbst. Und wenn diese Eigenschaft auch weniger praktische als ornamentive Bedeutung hat, so beweist doch die ständige Hervorhebung dieser Eigenschaft durch die städtischen Behörden zweifellos, daß sie das Bedürfnis haben, möglichst herauszukehren, daß Wiesbaden ein erstklassiger, vornehmer Kurort ist.
Baden-Baden, Kiflingen, Homburg, Nauheim gelten als teure Bäder, ebenso und in noch höherem Maße Scheveningen, Ostende, die Rivierakurorte, — aber ich habe nie bemerken können, daß dieser Ruf dem Besuch geschadet hätte. Im Gegenteil! Unwillkürlich verbindet man mit hohen Preisen auch den Begriff einer besonders guten Qualität. Billig und schlecht gilt noch meist und oft nicht mit Unrecht als identisch. — Die Kurverwaltung müßte endlich aufhören, lediglich durch die Zahl imponieren zu wollen, sie müßte die Qualität der Quantität voranstellen. Es müßte stets und ständig in den Reflameu sowie in gelegentlichen Zeitungsnotizen, feuilleton- artigen Aufsätzen zum Ausdruck gebracht werden, daß Wiesbaden eben ein vornehmer Kurort ist, daß es sich gerade auf den guten Mittelstand, der ja heutzutage kaum noch nach oben hin abzugrenzen ist, eingerichtet und eingestellt hat, daß dieser auch unter seinesgleichen ist und nutzt zu fürchten hat, durch minderwertiges Publikum belästigt und beeinträchtigt zu werden. In dieser Beziehung würde es auch wesentlich sein, einen Teil der öffentlichen Veranstaltungen im Kurhaus nur persönlich zugängig zu machen, ihnen einen mehr privaten Charakter zu verleihen, z. B. besonders den Ballfestlichkeiten.
Endlich wäre es, um dauernd wieder besseres Publikum als Rückgrat einer gesunden Entwicklung Wiesbadens an sich zu fesseln, unbedingt notwendig, die Neugründung von Hotels, Pensionen usw. von einer Konzession auf Grund der Bedürsnisfrage abhängig zu machen, zugleich nach Maßgabe der moralischen und finanziellen Eigenschaften der Antragsteller. Es ließe sich dies unschwer mit der Moholkonzession Verbindern Wenn die betreffende Behörde nicht rein burvau- kratisch verführe, sondern in wohlwollender Weise die Verhältnisse prüfte und dann die Gründe darlegte, weshalb dem einen oder dem anderen die Konzession nicht erteilt wurde, so bin ich sicher, daß die meisten dankbar sein würden, so vor fast sicherem Schaden und eventuellem Ruin bewahrt worden zu sein. Damit würde ja auch die Unterbretung der Preise und die unfaire Ausnutzung der Pensionsinhaber verhindert werden können, — zum größten Nutzen nicht nur dieser, sondern auch der Stadt und ihrer Bürger und nicht zuletzt auch der Kurgäste selbst.
Hohenbild und Kubat vor, verteilten sich und warfen in den von Franzosen bereits dicht besetzten Graben Handgranaten, deren fürchterliche Wirkung zu sehen war; keiner der Franzosen wagte den Kopf hochzunehmen! Ein Offizier stand aufrecht im Graben und holte durch die Zwischenstelkung immer mehr Leute heran, um sich an der schwach besetzten Stelle festzusetzen und weiter durchzustoßen. Schließlich wurde er durch eine wohlgezielte Handgranate zerschmettert. Daraufhin machten die durch die Zwischenstellnng noch herankommen, den Franzosen Kehrt, und Pionier Roos ging mit Handgranaten bis dicht an den Grabenrand vor. Ein französischer Infanterist rief ihm entgegen: „Pardon, Pardon, 15 Jahre alt", worauf die gesamte noch lebende Besatzung von 34 Mann von den Pionieren gefangem genommen wurde. Roos und Klosterhalfen holten mxh die schwerverwundeten Leute aus dem Graben heraus.
Durch den sofort angefetzten Handgranatenangriff wurden die Franzosen im Graben niedergehalten, die noch andringenden, besonders nach zielbewusster Beseitigung ihres tapferen führenden Offiziers, zurückgeschlagen, -und so der Angriff an dieser Stelle niedergekämpft. Hätte man den Franzosen Zeit gelassen, so wäre der Graben nur unter schweren Verlusten wiederzugewinnen gewesen.
Der Erfolg wurde mit einem Gefallenen (Pionier Kubats und zwei Verwundeten erkauft. Sämtliche Überlebenden wurden mit Ausnahme des Unteroffiziers, der das Eiserne Kreuz 1. Klaffe bereits erworben hat, für den mit Schneid und Kaltblütigkeit durchgeführten Angriff zum Kreuz vorgefchlagen.
IV.
(AuS der Kriegszeitung eines Reservekorps.)
Den Franzosen war eS gelungen, einen Teil des Schützengrabens des Regiments 3L zu nehmen und sich dort einzu»
Wiesbadener Tagblair.
Kus Stadt und Land.
Wiesbadener Nachrichten.
Die Wiesbadener vismarck-Gedenkfeiern.
Gelegentlich der von der Stadt Wiesbaden veranstalteten Bismarck-Gedenkfeiern will nach einem Beschluß der Gesamt- vertretuug der „S ä n g e r v e r e i n i g u n g" diese gesanglich Mitwirken. Da die Feiern heute abend 8 Uhr gleichzeitig im Kurhaus und im Saalbau der „Turngesellschaft" ftattfinden, wird die Vereinigung in zwei Gruppen auftreten. Gruppe 1 singt in der „Turngesellschaft". Sie wird gebildet aus den Vereinen „Concordia", „Wiesbadener Männergesang-Verein", „Männerklub", „Schubertbund", „Quartetwerein", „Friede", „Hilarra", „Neue Concordia". Gruppe 2 singt im Kurhaus. Sie besteht aus den Vereinen „Lehrergesangverein", ,Sänger- chor des Turnvereins", Gesangriege des „Männer-Turnver- eins", „Gesangabteilung^ des Militärvereins", „Hilda", „Union", „Sängerchor", „Scharrscher Männerchor", „Cäcilia", „Frohsinn" und „Fidelio". Mit Rücksicht ans die Bedeutung der Feier wird von allen Vereinen vollzählige Beteiligung erwartet und gebeten, in den bezeichneten Sälen pünktlich um 8 Uhr zu erscheinen. Die Vereinsvovstände haben dafür Sorge zu tragen, daß das Notenmaterial zur Stelle ist.
ttriegs-Gster- und pfingstll arten.
Das von uns mitgeteilte Verbot der Versendung von Oster- und Pfingftkorten bezieht sich nicht, wie vielfach irrtümlicherweise angenommen zu werden scheint, auf die Angehörigen von Kriegern, sondern nur auf die Krieger. Das geht aus dem folgenden Wortlaut der Verordnung hervor: „In gleicher Weise wie die Versendung von Neujahrsglückwunschkarten wird den Angehörigen des Heeres auch die Versendung von Oster- und Pfingstglückwunschkarten unter- s a gt." Auch das Vorstandsmitglied des Schutzverbandes für die Postkartenindustrie, Herr Dr. Feibelfohn, teilt mit, daß die Meinung, Ofterkarten seren von der Versendung durch die Feldpost ausgeschlossen, nicht zutreffend ist. Wie dem Kriegsausschuß für das Deutsche Papierfach im Reichspastamt eröffnet wurde, können Osterkarten genau fo wie an- dereKarten in das Feld versandt werden. Es wird jedoch in Anbetracht der Überlastung der Feldpost, die täglich 8 Millionen Sendungen zu befördern hat, eine weise Beschränkung des Publikums in der Versendung von Ostergrüßen von dem General-Quartiermeifter und der Heeres- und Postverwaltung erwartet.
Scbulberichte.
Der Jahresbericht der städtischen Oberrealschule über das Schuljahr 1914/15, erstattet von Herrn Direktor Dr. H ö f e r, geht in dem Abschnitt „Chronik der Schule" eingehend auf die durch den Krieg hervorgerufenen besonders schwierigen Schulverhältnisse ein. Zu den durch die Einberufung einer ganzen Anzahl von Lehrkräften hervorgerufenen inneren Schwierigkeiten kam Ende November noch eine äußere durch die Notwendigkeit, das Gebäude der Oberrealschule auch der Schwesteranstalt, dem städtischen Realgymnasium, zur Verfügung zu stellen, dessen Räume in eine Kaserne zur Ausbildung von Rekruten verwandelt worden waren. Mit gutem Willen wurde aber auch diese Schwierigkeit überwunden. Ein Jdealzustand ist die Inanspruchnahme eines Schulgebäudes von zwei Lehranstalten natürlich weder für die l'eiden Schulen, inxh auch für manche Haushaltung, die durch die verschiedenen Schulordnungen in ihrem geregelten Gange empfindlich berührt wird, „aber", so sagt der Bericht, „der Krieg, der sich auf so manchen Gebieten als großer und erfolgreicher Lehrmeister erwiesen hat — und hoffentlich in vielen Punkten für die Dauer! —> hat auch hier gezeigt, daß eben alles „geht", wenn es gehen muß; denn es könnte noch viel, viel schlimmer sein!" Der planmäßige Unterricht konnte ohne wirklich tiefgreifende Störungen wenigstens in allen Hauptfächern durchgeführt werden. Die erzieherische und unterrichtliche Aufgabe der Schule war infolge der durch den Krieg bedingten Ablenkungen usw. nicht leicht. Der Bericht teilt auch das glänzende Ergebnis der Goldsammlung der Oberrealschnle mit: 30 215 M., wovon allein auf die beiden Untertertien 10 330 M. entfallen. Eine von Herrn Vorschullehrer Maurer angeregte Sammlung der Schüler der unteren Klaffen für Sanitätshunde ergab 530 M. 66 Pf. Davon wurden 350 M. zum Ankauf eines Hundes verwandt, den Herr Maurer mit ins Feld nehmen wird, während der Rest der hiesigen Ortsgruppe des „Vereins für Sanitätshund«" zugeführt wird. Von den 466 Schülern der Anstalt (ohne Vor» schüler) sind 11 vom Hundert als Kriegsfreiwillige eingetreten. Von den früheren Schülern der Anstalt find 15
richten. Die tapfere Bedienung des Scheinwerfers anti> der Minenfelder hatte treu auf ihrem Posten ausgeharrt und den Heldentod gefunden. Der Graben mußte wieder genommen werden^ Leutnant Froitzheim vom Pionierbataillon stellte den völlig zerschossenen FlankievungSgraben von S Uhr abends bis 6 Uhr morgens mit über tausend Sandsäcken bis zu der vom Feinde besetzten Stelle wieder her. Am Nachmittag griff Vizefeldwebel Oswald vom Pionierbataillon mit einer Sturmkolonne und Handgranaten von rechts cm, während von links Leutnant Froitzheim gegen den Feind drückte. Nachdem der Leutnant die erste Handgranate geworfen hatte, räumte der Gegner das erste Schützenloch, nach der zweiten das zweite Loch. Ein Übersteigen der feindlichen Deckung war nicht möglich, da der Gegner sie von rückwärts unter Feuer hielt. Jetzt gewann aber unsere Infanterie die Feuerüberlegenheit über die obere Grabenlinie, und das weitere Vor. gehen wurde unter Mitwirkung von zwei Infanteristen mög- lich. Inzwischen machte sich auch die Wirkung unserer vor- trefflich schießenden Artillerie und des von den Pionieren ausgeübten beiderseitigen Druckes geltcmd. Von Traverse zu Traverse vorspringend, warf Leutnant Froitzheim mit seinen Pionieven 25 Handgranaten. Das wurde den Franzosen zu viel. Zuerst einzeln, dann gruppenweise stürzten sie aus dem Graben und flohen über das offene Feld im der Richtung ihrer eigenen Gräben zurück. Während dieser regellosen Flucht wurden sie unter starkes und erfolgreiches Feuer aus dem Flankierungsgraben genommen. Gleichzeitig stürzten Teile des Jnranterie-Regiments . . . unter Führung des Hauptmanns Breffem vor, und es gelang, den ganzen Graben unter auffallemd niedrigen Verlusten unsererseits wieder zu erobern. Wir verloren 5 Mann, während die Frairzosen ungefähr 300 einbützten; der ganze Graben lag voll von ihren Toten und Verwundeten. Unsere Pioniere haben hier wieder einmal gezeigt, welch al««ender Mut und Tatendrang in ihnen steckt
Mittwoch, » 1 . März ISIS. _ Nr. ISA.
den Heldentod gestorben und vier mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden. Mit dem Eisernen Kreuz wurden außerdem drei Mitglieder des Lehrerkollegiums ausgezeichnet. Den Heldentod fürs Vaterland erlitt der jüdische Religionslehrer Benjamin Rofenstock.
über die Unterrichtsschwierigkeiten infolge des Krieges und der Unterbringung zweier Schulen in einem Gebäude äußert sich der von dem stellvertretenden Direktor Professor Dr. D i e h l des städtischen Realgymnasiums erstattete Bericht über das Schuljahr 1915 ähnlich wie der Jahresbericht der Oberrealschnle. Herrn Direktor Tr. Walter, der bekanntlich im Anfang des Krieges den Heldentod gefunden hat, wid- nret der Berichterstatter diesen Nachruf: „Die Nachricht von dem Hinscheiden dieses hochverdienten Mannes hat Schüler wie Lehrer mit aufrichtigem Bedauern erfüllt. Noch nicht zwei Jahre hat der Verstorbene an der Spitze der Anstalt gestanden, doch hat er sich nicht nur im engeren Kreffe der Schule, sondern auch in der Wiesbadener Bürgerschaft und bei den Vorgesetzten Behörden Achtung und Vertrauen erworben. Seine Liebe zur Jugend, deren körperliche und geistige Förderung ihm vor allem am Herzen lag, seine umfassende allgemeine Bildung befähigten ihn vortrefflich zu dem schweren Amt, dem er sich mit Eifer und unermüdlichem Fleiß widmete." Als weitere Opfer des Krieges beklagt die Anstalt zwei Mitglieder des Lehrkörpers und neun frühere Schüler. Drei Mitglieder des Lehrkörpers und ein noch vor kurzem der Schule angehörender Schüler verdienten sich das Eiserne Kreuz. Der Betrag der durch die Schüler den öffentlichen Kassen über- mittelten Goldmünzen belief sich auf über 25 000 M. Die Zahl der Schüler belief sich am 1. Februar 1915 auf 630.
Herr Direktor Professor S ch l i t t hat den Bericht des städtischen Lyzeums 1 mit Oberlyzeum und realghmnasialer Studienanstalt erstattet. Am 1. Februar 1915 wurde die Schule insgesamt von 624 Schülerinnen besucht, wovon 394 auf das Lyzeum, 59 auf das Oberlyzeum, 46 auf die Seminarübuugsfchule und 125 auf die Studienanstalt entfallen. Am 15. und 16. Februar d. I. legten 17 Oberprimanerinncn mit Erfolg die Reifeprüfung ab, die erste seit Bestehen der Studienanstalt. Auch im Schulleben dieser Anstalt macht sich der Weltkrieg bemerkbar. Da der Turnunterricht infolge anderweitiger Verwendung der Turnhalle ausfallen mutzte, arbeiteten die Schülerinnen in den in Betracht kommenden Stunden fleißig an Liebesgaben aus Wolle und dergleichen. Die Gold s a m m l u n g der Schülerinnen ergab in 12 Tagen 34 770 M. Den Heldentod fürs Vaterland starben drei Oberlehrer der Anstalt.
*
Der von Herrn Direktor Professor A n a ck e r erstattete Jahresbericht des städtischen Lyzeums 2 kann ebenfalls von einer reichen Fülle von Liebesgaben sprechen, die dem Fleiß der Schülerinnen der Anstalt zu verdanken waren. Ein Mitglied des Lehrerkollegiums starb den Heldentod fürs Vaterland. Der Unterricht war eine Zeitlang erheblich dadurch gestört, daß das Militär einen Teil der Schulgebäude mit Beschlag belegt hatte. Die Goldsammlung der Schülerinnen ergab bis Fertigstellung des Jahresberichts 14 410 M. Der Berichterstatter gibt dem Wunsch Ausdruck, spätestens bis Ostern 1916 den Schulneubau beziehen zu können. Die Zahl der Schülerinnen betrug am 1. Februar d. I. 76.
Das deutsche Buch als lIT'tfcSmpfer.
Es ist herzerfrischend, mit welcher Freude jede Büchersendung von unseren tapferen Kriegern ausgenommen wird, wie sich alle nach guter Lesekost sehnen, und nicht nur überhaupt, sondern das Gute, das Beste lesen wollen. Wenn es einen Beweis dafür gibt, daß unsere gesamte Vokkserziehungs- arbeit chren Zweck erfüllt und ihr Ziel zum guten Teile erreicht, so ist es diese Beobachtung.
Der „Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung", die seit Beginn des Krieges in Verbindung mit dem Gesamiausschuß für Kriegsbüchereien über 150 000 Bücher in sorgsam geprüften und gut zufammenge- stellten Büchereien für ganze Truppenteile und in Sendungen an einzelne Krieger abgegeben hat, gehen fortgesetzt Aner- kennungs- und Dankschreiben zu, in denen die Wertschätzung der Gaben bestätigt wird. Ein Landsturmmann schreibt: „Sie glauben nicht, wie wir uns freuen, wenn Stoff zur Un- tevhaltung kommt. Vor allem auf Vorposten hat ein Buch mir und meinen Kameraden manche Stunde gekürzt." Ein Obergefreiter vom westlichen Kriegsschauplatz: „Unsere Freude über unseren Reichtum an Büchern ist mehr als groß. Alles ist numeriert, der Betrieb in vollem Gange. Als erstes Buch wurde Eichendorff ausgegeben, ihm folgte Faust usw." Ein Unteroffizier vom östlichen Kriegsschauplatz: „Die mir zugesandten Zeiffchriften sind ein ganz prächtiger Lesestoff für uns und unsere Soldaten. Manche Stunde, die sonst vielleicht durch Spiel usw. durchgebracht wurde, wird nun zum Lesen dieser schönen Bücher verwandt." Ein Kriegsfreiwill i g e r, stud. pharm.: „Sie wissen gar nicht, welche große Freude Sie meinen Kameraden und mir mit den Büchern bereitet haben. An den langen Abenden war in unseren be- guemen Unterständen bis jetzt nur Kartenspiel die Hauptbeschäftigung, denn die Zeitungen und Zeitschriften waren bald gelesen. Jetzt sitzt alles bei einem guten Buche und liest. Einer der Kameraden, der hier leider verunglückt ist und im Revier liegen muß, war, als ich ihm ein Buch gab. überglücklich. Durch die glückliche Auswahl aber werden die Bücher nie als gelesen beiseite gelegt werden. Ein gutes Buch ist der beste und treueste Freund, es wird einem immer die Zeit vertreiben und sicher mithelfen zum Ausharren." Aus einem L a z a - rett schreibt uns eine Schwester: „Für die schönen Bücher für unsere Soldaten meinen besten Dank. Sie haben viel Freude daran. Die kleinsten Bücher, die Liederbücher, haben, glaube ich, die meiste Freude hervorgerufen. So viel, wie jetzt, sangen wir früher nie in unserer Station. Selbst die eifrig, sten Kartenspieler lassen sich jetzt durch die Macht des Gesanges von ihren Karten locken."
Das sind einige Stimmen der einzelnen Leser. Daß die Lazarettverwaltungen und die Führer der Truppenabtellun-
