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Mittwoch, 31. März 1915.
Morgen - Ausgabe.
Nr. 151. ♦ 63. Jahrgang.
Der Krieg.
Der österreichisch - ungarische Tagesbericht, tzeftige ttämpfe am Lupkower- und Uzsoker- patz. — Selagerungstruppen von przemysl bei Dwernik.
T.-B. Wien, 30. März. (Nichtamtlich.) Amtlich wird vcrlautbart vom 30. März: In der Karpathen- frvnt entwickelten sich gestern im Raum südlich und östlich Lupkow wieder heftigere Kämpfe. Starke rusiische Kräfte gingen erneut zum Angriff vor. Bis in die Nacht dauerte der Kampf an. Der Feind erlitt große Verluste und wurde überall zuruck- geschlagen.
Zwischen dem Lupkow-Sattel und dem Uzsoker- Pasi wurde ebenfalls hartnäckig gekämpft.
Bon den vor PrzemysI zuletzt gestandenen russischen Kräften wurden bei den Angriffen südlich Dwernik die Truppen einer Division konstatiert.
Im Südoste» Galiziens im D » u a j e c und in Russisch-Polen ist die Situation unverändert.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
Vas Zortschreiten der Angriffe in der Bukowina.
Budapest, 29. März. (Ktr. Bin.) Tschernowitzer Meldungen zufolge schreiten die österreichisch-ungarischen Angriffe fort. Die Truppen uiachten bereits in Bojan Ge-
Ö ;ene. Die Artillerie beschießt feindliche Stellungen bei o Sielica.
Weitere ostpreutzische Rreise freigegeben.
W. T.-B. Königsberg i. Pr., 30. März. (Nichtamtlich.) Der Landeshauptmann der Provinz Ostpreußen gab als Staatskommissar für das FlüchtlingAvesen mit Öienehmigung des Oberbefehlshabers im Osten zu den früher freigegebenen Gebieten mit Bekanntmachung vonr 24. März auch die Kreise Lätzen, Darkehmen, Angerburg und Gumbinnen Flüchtlingen für die Rückkehr frei. In diesen Kreisen ist aber eine Reihe von Ortschaften so z e r st ö r t, daß Flüchtlinge, die dort wohnen, wegen mangelnder Unterkunst nicht dorthin zurücstehren können. Da nicht die Sicherheit besteht, daß diese Flüchtlinge in Nachbarorten würden Unterkunft finden können, werden sie von der Rückkehr vorläufig absehen müssen. Die zerstörten Ortschaften sind im Kreise Lätzen: die Ortschaft Marrzinawolla: im
Kreise Darkehmen: Jodszuhnen, Tautschillen, Kell-
mienen, Wich elmsberg-Torf, Auerfluß, Strooken, Puck- tvallen, Wesdern, Bisznhnen, Grünwalds, Kl. Gro- bienen. Gotchardsthal, Brofzaitschen, Osznagoren, Gr. Sobrost, Kl. Sobrost, Ds-kchmen, Stoeringen und Rom- berg; im Kreise A n g e r b u r g: Rosengarten, Gr.
Gustl, Kl. Dombrowken, Buddern, Gr. Strengeln, KI. Sterngeln, Possessern, Kruglanken sowie WenAen-Dorf und -Gut; im Kreise Gumbinnen: Worupoenen, Sodinchlen, Jodzuhnen, Ribinnen, Warschlagen, Äarczanupehnen und So dehnen.
Berhaftungen unter Spionageverdacht in Petersburg.
W. T.-B- Kopenhagen, 30. März, (Nichtamtlich.) Ans Petersburg wird gemeldet, daß eine Anzahl der frecheren Angestellten des Polizeidepartements, welches von der rassischen Gendarmerie übernommen wurde, unter dem Verdacht der Spionage verbaftet worden sind, was großes Aufsehen in Petersburg erregte.
vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.
Der Lappenkrieg in den Argonnen.
Eine amtliche stauzösische Darstellung.
Br. Genf, 30. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mm) Wie aus Paris gemeldet wird, gibt eine amtliche Note Einzelheiten über den Sappenkrieg in den Argon- n e n. Die deutschen und französischen Schützengräben, so heißt es darin, sind einander so nahe, daß nur mit Handgranaten und Bomben gekämpft wird. Die unterirdischen Galerien lausen kreuz und quer und begegnen sich oft. Jeder sucht die Sappe des anderen zuerst zu sprengen. Zwischen Four de Paris und der A i s n e führten die französischen Sappeure bereits^ über 3000 Meter Galerien aus und brachten 72 Minen- herde zur Explosion, wozu über 7000 Kftogramm Spreugstoftk benötigt wurden.
Eine neue englische Osfiziersverlustlistc. — Das australische Kontingent.
W. T.-B- London, 30. März. (Nichtamtlich.) Die gestern veröffentlichte britische Verlustliste enthält die Namen von 68 Offizieren. — Das Angebot der australischen Regierung, weitere 10 000 Mann Truppen zu beschaffen, das bon der Reichsregierung angenommen worden ist, bringt die Stärke der australischen Truppen auf W 000 Mann.
Der Handelskrieg gegen England.
Eine Wendung im Unterfeebootskrieg.
Nach englischer Ansicht ein neuer deutscher Tauchbootthp.
Br. Haag, 30. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Die englischen Blätter stimmen darin überein, daß seit deni Ende der vorigen Woche eine Wendung im Urster- seebvottvisg eingetreten sei. Es müßten größere, schnellere und besser ausgerüstete deutsche Tauchboote in Dienst gestellt worden sein. Die „Times" weist auf den Umstand hin, -daß seit kurzem 17-Boote mit höheren Zahlenbenennungen in Verwendung sind, so versenkte „17 32" die „Delmira" und „17 36" brachte zwei holländische Dampfer auf. Der neue Typ scheine erheblich verbessert zu sein und mit der bereits 1914 durch Marmesachblätter besprochenen Gattung übeveinzustimmen, wonach die neuesten deutschen I7-Boote etwa 70 Meter lang und 7 Bieter breit sind, bei Überwasserfahrt 750 Donnen Wasserverdrängung, bei Tauchfahrt eine solche von 900 Tonnen haben. Die Schnelligkeit soll über Wasser 20 Knoten, unter der Oberfläche 10 Knoten betragen. Das Blatt hält es für wohl möglich, daß seit >deni letz- Soinmer 12 solcher neuen Boote gebaut seien. „Daily Chronicle" meint: Me neuen deutschen Unterseeboote schienen außer vier Torpedobootelancierrohren mit einem neuen Geschütz (14-Pfünder) bestückt zu sein. Nach einer Reuter-Meldung von Sonntagnacht lagen bei Lloyds Depeschen vor, wonach im Kanal an der fran- zäsischen Küste und im Meerbusen von Bisk-aya fünf englische Dampfer von deutschen Unterseebooten verfolgt wurden.
Die Liste der englischen Admiralität über die Versenkungen vom 17. bis 24. März.
W. T.-B. London, 30. März. (Nichtamtlich.) Die Admiralität gibt bekannt, daß in der Woche vom 17. bis 24. März drei britische Schiffe von zusanrmen 11650 Tonnen Gehalt von Unterseebooten versenkt worden sind. Ein viertes Schiff würbe torpediert, erreichte jedoch den Hafen. Die Zahl der in der Woche angekommenen und ausgefcchrenen Schiffe von über 350 Tonnen Gehalt betrug 1450.
3ur Torpedierung der „Zakaba".
W. T.-B. London, 30. März. (Nichtamtlich. Reuter.) Gestern abend sind einige Fahrgäste der „Falaba" hier auf der Paddington-Stafton eingetroffen. Einer davon erzählte: Am 27. März verließen wir Liverpool. Am folgenden Miftag sahen wir etwa 70 Seemeilen von dem Milforder Hafen ein Unterseeboot. Der Kapitän versuchte, zu entkommen, aber das Unterseeboot war sehr groß und schnell. Es forderte uns auf, beizudrehen. Es wurde besohlen, die Boote klar zu machen, aber n u r drei scheinen von dem Schisse fretgekonimen zu sein. Von den übrigen ging eins entzwei, ein anderes schlug um. Von den auf dem Schiff befindlichen 250 Personen wurden ungefähr 130 bis 140 gerettet. Das Unterseeboot gab uns 15 Minuten Zeit, aber es befanden sich noch Fahrgäste an Bord, als ein Torpedo aus 200 Meter Abstand abgeschossen wurde. Es traf den Dampfer mittschiffs, der in 10 Minuten sank. Fast unmittelbar nach dem Schuß tauchte das Unterseeboot unter und kam 10 Ministen später eine viertel Seemeile weiter entfernt wieder hervor, verschwand aber, als es sah, daß die „Falaba" schon gesunken war. Wir wurden von dem Fischdampfer „Eni ma" ausgenommen, der uns nach Milsord brachte. Auch andere Fischdampfer kamen zur Hilfe. Me „Falaba" war ein Paketboot von 4803 Tonnen und nach Weftafrika 'bestimmt.
Zur Versenkung der „Aquila".
Die Admiralität teilt weiter zur Versenkung der „Aquila". der auf der Fahrt von Liverpool nach Lissabon auf der Höhe von Pembroke torpediert worden ist, mit, daß 83 Mann von der Besatzung und 3 Passagiere vermißt werden. Der Kapitän und 10 Mann sind in Fishguard gelandet worden.
Lin Protest in der „v)ilhelmina"-Angelegenheit.
W. T-B. Washington, 30. März. (Nichtamtlich.) Der Vertreter des Besitzers der Ladung der „Wilhelmina" protestierte beim Staatsdepartement gegen die Verzögerung beim Verkauf der Lebensmittel, die der Dampfer an Bord führte. Er wandte sich in der gleichen Angelegenheit an den britischen Botschafter.
Ein holländischer 'Dampfer auf eine Mine aufgelaufen.
W- T.-B- London» 30. März. (Nichtamtlich.) Das Reuterbureau meldet: Die Admiralität gibt bekannt, daß
der bolländische Dampfer „Amstel" auf der Fahrt von Rotterdam nach Goole am Montag früh 4 Uhr auf der Höhe von Flamvorough auf die Mine eines deutschen Minenfelds (?) lief. Die Besatzung wurde am Humber gelandet.
Der drohende Hafenarbeiterstreik ln Liverpool.
Sr. Mailand, 30. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) „Unione" meldet aus Liverpool: Die Besprechung der Vertrauensleute der englischen Hafenarbeiter am Sonntag er
klärte sich einstimmig für die Weiterverfolgung der den Reedereien am 15. März eingereichten Mindestforderungen unter Androhung des allgemeiner» Hafenarbeiterstreiks.
Der Krieg im Grient.
Grotze Vorbereitungen der Verbündeten:
Alexandria als Ersatz für das gesperrte Saloniki.
Br. Rom, 30. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Aus Kairo und Tenedos berichten die Blätter von umfassenden Vorbereitungen zu einem neuen kombinierten Land- und Seeangriff auf die Dardanellen. Im Hafen bon Alexandria seien als Folge der Neutralitätserklärung Griechenlands 22 Transportschiffe bereit zur Ausnahme von 60 000 indischen, australischen und neuseeländischen Truppen, die für siebentägige Seefahrt und 10 Tage Landmarsch Proviant hätten. Für die nächste Woche werden 60 000 Mann algerische Truppen erwartet, die als Reserve dienen und für die drei große Zeltlager bei Alexandria vorbereitet seien.
Die griechischen Trauben, die zu hoch hängen.
W. T.-B. Petersburg, 30. März. (Nichtamtlich.) , Der „Rjetsch" schreibt: Die griechische Krisis kam Rußland sehr gelegen, denn in der griechischen Presse kam deutlich zum Ausdruck, daß die Griechen ihrerseits Konst-antili o p e l beanspruchen und niemals daran denken, Rußland don Besitz Konstantinopels zu verschaffen. Jeder, der die Ansprüche Rußlands aus den Besitz der Dardanellen kennt, kann sich Kürzest nur Glück wünschen, daß sich Griechenland nicht an der Eroberung beteiligt.
Zwei ftanzösischc Großkampfschiffe auf dem Wege zu den Dardanellen.
W. T.-B. Mailand, 30. März. (Nichtamtlich.) Dem! „Secolo" Zufolge sind gestern in Neapel die französtschen Dreadnoughts „Bretagne" und „Provence" eingetrossen, die den „Bouvet" und den „Gaulois" bei den Dardanellen er- setzen sollen.
Niederlage eines euglandfreundlichen AraLerscheichs.
Br. Wien, 30. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Über eine Schlacht Zwischen den beiden Fürsten des Innern Arabiens-, Jbn Rischid und Jbn Said, bei der der letztere 2000 Mann verlor, erfährt die „Politische Korrespondenz" Einzelheiten aus Palästina: Das Heer Jbn Saids erlitt eine entschiedene Niederlage, bei der alle Fahnen verloren gingen. Daß der Fürst an der Sache des Islam Verrat begangen und sich in Englands Dienst gestellt hat, beweisen die unter den Gefallenen befindlichen englischen Offiziere iu ihrer englischen Uniform.
Me ägyptischen Finanzen.
W- T.-B- London, 30. März. (Nichtamtlich.) „Mo» ningpost" meldet aus Kairo: In einem Interview sagte Lord Edward Cecil, der Finanzberater der ägyptischen Regierung, das Budget sei befriedigend. Ägypten könne froh sein, daß die Lage nicht schlimmer sei. Es seien trotz äußerster Sparsamkeit doch neue Steuern einzrfführen.
Der Krieg über See.
Die Gärung in Indien.
Aus Angst geborene englische Bereitwilligkeit zu Zugeständnissen.
XV. T.-B. Kopenhagen, 30. März. (Nichtamtlich.) „Ber- lingske Tideude" meldet aus London: Trotzdem man die 'deutsche Meldung eines unbekannten Kaufmanns aus Indien mit Vorsicht ausuehmen muß, so besteht doch kckri Zweifel, daß sich eine bedeutende Gärung in Indien vorbereitet. Gelegentlich der Einbringung der Gefetzesvorlage, betreffend scharfe Vorsichtsmaßregeln für die öffentliche Sicherheit und der Verteidigung der britischen Interessen in Indien, erklärte Craddock, -daß viele Inder in der letzten Zeit mit verderblichen Anschauungen nach Indio» zurückgekehrt seien. In Bengalen kam es zu einer Aufruhrbewegung im westlichen Pendschab unter dem Druck der englischen Wirtschaft und zu Plünderung und Brandstiftung sowie zu Kämpfen zwischen Mohammedanern und Hirwus. Die „Weft- minster Gazette" bestachtet mit Sorgen diese Zustände, insbesondere die Schwierigkeiten, die das englische Oberhaus der Einführung einer indischen Verfassung durch die kürzlich beschlossene Vertagung macht. Das Matt schlägt vor, daß man zur Beruhigung der Inder ihnen Versprechungen macht hinsichtlich der Erweiterung der indischen Reformpolitik nach dem Kriege, da die Inder jetzt als Mitkämpfer in Europa ein Recht auf bessere Behandlung als vorher durch die Engländer hätten. Die patriarchalische Art. womit Indien das 19. Jahrhundert hindurch regiert worden sei, sei nur ein Übergang und müsse jetzt durch eins andere Regierunysform abgelöst werden. Die großen Be- schräntungen, die man den Eingeborenen stets cmferlegt, könnten unnröglich .noch aufrecht erhalten werden, da sie «ur auf dem Unterschied der Rasse beruhten und der zivilisierten indffchen Nation der heutigen Zeit unwürdig sei. Eine neu« G e n e r a t i a n, die in politischer Beziehung nach Westen sähe und die politische Kultur Europas und 'des Auslandes kenne, fei ausgewachsen. Durch den europäischen Kampf nahm die Bewegung einen neuen Aufschwung, woran Indien teilnehmen mußte, da das bisherige System sich in Indien völlig überlebte.
