grftg »._Mbntv-AuStz^se. Erstes Blatt._ Miesbadener (LGgblntt. Dienstag, 30. NMrz I9ia. Nr. 150k
Flugzengbornben auf ein englisches Kriegsschiff.
W- T-B. Kimstantin-pel, 30. März. (Nichtamtlich.) Das Hauptquartier meldet: Gestern warf eines unserer Flug
zeuge Bomben auf ein englisches Kriegsschiff, das außerhalb der Dardanellen kreuzte.
Ein neuer Angriff auf Smyrna.
Sr. Rom, 30. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Nach einer Meldung aus Malta gingen vier englische Panzer nach der Burla-Bai gegenüber Chios ab, inan Smyrna zu beschießen.
Zum Bluffen der Russen am Bosporus.
W. T.-B. Konstantinopel, 30. März. (Nichtamtlich.) Die russische Motte unternahm, wie die Agenoe Milli mittcilt, gestern einen Vorstoß in der Richtung auf dm Bosporus. (Wir teilten dazu in der Morgen-Ausgabe schon Eingehenderes mrt. Schrift.) Admiral Eber Hardt beglückwünschte ^wie gemeldet) bei dieser Gelegenheit die Flotte zu der Aktion und stellte sie als einen Erfolg dar, der es verdiene, eine der glänzendsten Waffentaten im der Geschichte der Flotte genannt zu werden. Demgegenüber stellt die Agence Milli fest, daß nicht ein einziges russisches Geschoß die Küstenbefestigungen am Bosporus erreichte, denn die russische Flotte.hielt sich außerhalb des Bereichs dieser Befestigungen. Nach der Beschießung türki- i scher Wachfahrzeuge, die vor dem Bosporus kreuzten, entfernt? sich die russische Flotte mit einer Schnelligkeit, die wohl zu verstehen sei. Das ganze Vorgehen des russischen Ildmirals sei ein Bluff gewesen, darauf berechnet, sich den Erfolg zuzirschveiben und darzutun, daß die russische Flotte im Schwarzen Meere große Rührigkeit entfaltet. Auf diese Weise ^sollen die Alliierten vor den Dardanellen zur regeren Tätigkeit angespornt und die Balkanstaaten beeinflußt werden.
Der russische Raukasus-^vericht."
W. T.-B. Petersburg, 29. März. (Nichtamtlich.) Der Generalstab der Kankasusarmee meldet vom 27. März: In
«der Schlucht des Tschorokh schlugen die russischen Truppen die !Türken aus der Gegend von A r t w i n auf das linke Ufer [beS Tschorokh zurück. Die Türken steckten Artoi in Brand. Auf den übrigen Fronten erfüllen unsere Truppen !ihre Aufgaben erfolgreich.
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Mekines und Fez in den Händen der Aufständischen.
Mailand, 29. März. „Sera" meldet aus Madrid: Die aufständischen Muselmanen haben am 19. März die von den Franzosen geräumten Städte Mekines und Fez besetzt.
Grenzmarodäre an der indischen Grenze.
W. T.-B. London, 80. März. (Nichtamtlich.) Das Reuterbnreau meldet aus Calcutta: Während der letzten
Tage wurde eine starke Abteilung Grenzmarodäre cm der Mirajftah - Grenze mit schweren Verlusten zurück- geschlagen. Die Briten hatten zwei Verwundete.
Die Neutralen.
Bulgariens feste Neutralität.
W. T.-B. Sofia, 29. März. (Nichtamtlich.) Die Session der Sobranje ist geschloffen worden. Vor der Verlesung der Schliehvngsverordnung erklärte der Ministerpräsi- d e n t, er lege Wert daraus, seine frühere Erklärung zu erneuern und glei^eitig zu unterstreichen, daß di« Regierung bisher die strengste Neutralität beobachtet habe und weiterhin beobachten werde. Sie werde keiner Pression nachgeben und sich durch keinerlei eitles Versprechen fortreißen lassen, weil sie der Ansicht sei, daß die wirklichen Interessen Bulgariens Erwägungen ssntimentaler Art Vorgehen müßten. Das bulgarische Volk könne Vertrauen zu seiner Regierung haben, deren Politik dem Lande nur nützlich sein werde. Bulgarien habe niemand gegenüber Verpflichtungen. Es könne sich nicht voreilig binden, denn es sei sicher, in diesem Falle zu verlieren. Die bulgarische Regierung müsse sich vor jeder Verlockung, von welcher Seite auch immer, hüten. Sobald die Interessen Bulgariens verletzt werden sollten, werde die Regierung mit der gesamten Nation die notwendigen Beschlüsse fassen müssen. Indem er die sozialistische These von der Balkanföderalion zurückwies, sagte Radoslawow: Diese Föderation ist unmöglich, weil es schwer ist, die Interessen der Balkanbölker zu versöhnen, die Bulgarien auflauern, um ihm den letzten Bissen zu entreißen. Der Ministerpräsident schloß mit folgenden Worten an die Deputierten: Sie kennen das letzte Wort der Reaie- rung, die Bulgarien den Frieden durch die Neutralität geben will. Wenn es andere gibt, die mutiger und kühner sind, und ihm dem Krieg geben wollen, mögen sie kommen, um umfeken Platz mnzunehmen. (Beifall.)
Bulgariens Fiel: Mazedonien.
W. T.-B. Sofia, 29. März. (Nichtamtlich. Meldung der Atzence Bulgare.) Anläßlich des Jahrestages der Einnahme Adrianopels schreibt das offiziöse „Echo de Bulgarie": „Wir können nicht vergessen, daß jene, die den Sturm auf Adrianopel wollten, ein einziges Ideal hatten: Mazedonien. Da sitzt nun die brennende Wunde, die die Zeit niemals wird heilen können. Bulgarien wäre der Freiheit und Unabhängigkeit unwürdig, wenn es dieses Land opfern könnte, das alle Martern ertragen hat, um dem Rassenideal treu bleiben zu können."
Italiens wirtschaftliche Maßnahmen.
W. T.-B- Bern, 29. März. (Nichtamtlich.) Nach dem „Berner Bund" hat der italienische Ministerrat beschlossen, da§ am 31. März ablcmfende Moratorium für Wechsel- und Depositengelder nicht mehr, zu verlängern. Die Verfügung über die Schließung der Börsen und das Verbot der Termingeschäfte wird dagegen bis zum 30. Juni erneuert. Ferner werden alle Beschränkungen für Rückzahlung und Einlagen bei den Postsparkassen ausgehoben.
Eiu Duell zwischen einem italienischen Neutralen und einem Kriegshetzer.
Br. Mailand, 30. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Zwischen dem Chefredakteur des sozialdemokratischen „Avanti", dem Abgeordneten Claudio T r e v e s, und dem früheren Direktor des „Avanti" und jetzigen Herausgebers von „Popolo d'Jtalia", Professor Mussolini, fand gestern ein Duell statt. Die Duellanten wurden beide verletzt. Mussolini hat die Leitung des „Avanti" niedergclegt, weil er mit der neutralitätsfreundlichen Haltung der sozialdemokratischen Partei nicht einverstanden war. Er hat darauf den „Povolo d'Jtalia" gegründet, in dem er jetzt eifrig den Krieg prSigt.
Das ostasiatische wirrsal.
Der Konflikt zwischen Japan und China verschärft sich weiter, vielmehr Japan dringt zur Entscheidung, es will China unter allen Umständen unter seine Botmäßigkeit bringen. Wenn man von einem Konflikt spricht, so pflegt es sich um ein Verhängnis zu handeln, das zum Teil von dem Willen der beteiligten Parteien unabhängig ist und seinen Weg mit tragischer Notwendigkeit geht, und zwar auch dann, wenn die Parteien es gar nicht zum Äußersten treiben wollen. Mit dem lapariisch-chinesischen Problem aber steht eS anders. Japan will etwas ganz Bestimmtes, es läßt sich nicht durch die wechselnden Umstände treiben, es hat b e schl o s s e n, die Hand aus China zu legen, und daraus lassen sich die entscheidenden Linien dieser Vorgänge auch ganz deutlich bereits ziehen.
Japan will seinen Willen durchsetzen.
Wir Deutschen sind, wie wir an dieser Stelle schon mehrfach ausgesührt haben,
lediglich Zuschauer, wenn auch selbstverständlich nicht uninteressierte. Aber wir müssen uns damit begnügen, zu beobachten, und wir können das um so leichter tun, je angenehmer das uns Vorgesetzte Gericht
durch die Beigabe von Schadenfreude ge- würzt wird. England hat jetzt seinen Lohn dafür.
Es erlebt die Folgen seines Bündnisses mit Japan am eigenen Leibe, es steht im Begriff, in Ostasien mehr zu verlieren, als es durch den Krieg im Falle eines Sieges in allen übrigen Weltteilen zusammen jemals gewinnen könnte. Soll uns das nicht vergnügte Stunden bereiten? Wir haben jedes Recht zur heitersten Befriedigung über einen Verlauf der Dinge, der nebenbei die nützliche Wirkung hat, das legendarische Gerede von der überwältigenden Klugheit und Geschicklichkeit der britischen Staats- funft ganz gehörig zu zerfetzen und zu zerzausen. Die schäbige Pfiffigkeit der englischen Diplomaten, die wir ja nicht leugnen wollen, hat sich hier wieder einmal im selbstgesponne- n e n Netz verfangen. Den Japanern trauen wir zu, daß sie sich die Geschichte mit aller Sorgfalt überlegt und auch für den Fall eines späteren Zusammenstoßes mit England Vorkehrungen getroffen haben, leichtsinnig jedenfalls werden sie an das gewaltige Unternehmen der Ägyptisierung Chinas nicht herangetreten sein, wie sie denn zunächst offenbar wirklich die Sicherheit haben, daß Amerika ihnen nur mit allerlei Noten und heftig auftrumpsenden Worten, nicht aber mit Schiffen und Kanonen in den Weg zu treten suchen wird.
Was später zwischen Japan und England vor sich gehen wird, das weiß heute niemand, aber es könnte wohl sein, daß die Engländer das Nachsehen haben werden. So groß ist ihre Flotte nicht, daß sie beherrschend in Ostasien auszutreten vermöchte, sobald sie durch näherliegende Verpflichtungen zum größten Teil in den europäischen Gewässern festgehalten wird, und dafür wird unser Verhältnis zu Großbritannien, wie dieser Krieg auch auSgehen mag, ganz gewiß sorgen. Einstweilen beobachten wir mit Interesse, wie eifrig man in Tokio bestrebt ist, dem „Zwischenfall" von Tsingtau keinen dauernden Einfluß auf ine Beziehungen zu uns einzuräumen. Die japanischen Blätter sind voller Artigkeit zu uns, voller Bedauern über die kriegerische Episode. Wie wir uns hierzu stellen müssen, ge- fühlsmäßig zunächst, daS ist eine Frage für sich. Hier soll ja auch nur festgestellt werden, daß die Japaner zeigen, sie könnten uns in der Zukunft wohl brauchen.
Der Gegensatz zwischen London und Tokio muß sich beträchtlich verschärft haben, wenn an der Themse schon gefordert wird, die Börse sollte für Japan verschlossen bleiben. Dem fernen Jnselreich soll also bereits der Kredit abgejchnitten werden, es soll finanziell ausgehungert werden. Man wird ja sehen, ob und wie die Drohung wirkt.
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Ablehnung der japanischen Korderungen durch rjuanschtkai?
Berlin, 29. März. Die „Rjetsch" meldet aus Peking: Der e inberufene Pcrrlmnentscmsschuß hat beschlossen, dem Präsidenten Nucmschikai die WWhnung <der japanischen Forderungen vorzuschlagen.
Wachsende Erregung in China gegen Japan und England.
Haag, 29. März. (K. B.-Z.) „Daily Chroniole" berichtet aus Hongkong: Im ganzen Südchina ist ein Wachsen der Gärung gegen die Japaner bemerkbar, deren Waren boykottiert und deren Dampfer in chinesischen Häfen nicht mehr gelöscht werden. Gleichzeitig ist auch eine feindselige Haltung der Bevölkerung gegen die Engländer bemerkbar, weil man der Ansicht ist, daß England die japanischen Forderungen unter st ütze oder wenigstens gutheiße. Ein Geschwader von vier englischen Kreuzern kam in Hongkong an, um nach den mittelchinestschen Gewässern in See zu gehen. Auch französische Kriegsschiffe werden erwartet. Der Wegzug der Japaner aus China dauert an.
ver japanische Zustrom nach Tsingtau.
Br. Berlin, 30. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die neuesten hier eingetroffenen ostasiatischen Blätter bringen Einzelheiten über die japanische Verwaltung von Tsingtau. Der japanische Zustrom nach Tsingtau hat seit teilweiser Wiedereröffnung des Hafens für den internationalen Handelsverkehr mit großer Heftigkeit, sowohl über See, wie zu Land mit der Bahn, von Tsinaufu eingesetzt. Nach Angaben der japanischen Zivilbehörde sind seit dem Fall der Stadt 400 0 japanische G e sch äs t s tr e i b e nd e und Arbeiter, 8000 Chinesen und 50 nichtdeutsche Fremde dort eingewaudert.
weiteres zu Beveribges Unterredung mit Tirpitz und tzindendurg.
In der schon erwähnten Unterredung mit Staatssekretär v. Tirpitz äußerte, laut „Voss. Ztg.", der ams- ritanische Exsenator Beveridge, die Amerikaner ständen unter dem Eindruck, Deutschland suche die Weltherrschaft zu erlangen. „Wie wollten wir denn dies erreichen?" fragte Tirpitz. „Etwa mit Gewalt? Wir sind keine Narren. Die Deutschen haben die englischen Märkte erobert, weil die Engländer »hre Zeit mit Sport, Luxus und Feiertagen ausfüllten. England konnte sich die Märkte auf zwei Wegen erobern: entweder durch Arbeit und durch ein Leben, wie wir
es führen, oder durch unsere Vernichtung. England hat den letzteren Weg gewählt. Wer w i r werden gewinnen." Tirpitz sagte weiter, er müsse Englands kolossale Fähigkeit in der Erfindung von Lügen bewundern, und fügte hinzu: Es ist merkwürdig, daß die Amerikaner, dieses klügste Volk der Welt, Englands Bshauptung glauben, Deutschland tue nur, was dumm und schlecht ist, und niemals, was vernünftig und gut ist. Tirpitz klagte dann die Amerikaner wegen der Waffenlieferungen an die Verbündeten an und sagte, Deutschland habe, was es brauche, aber der Krieg wäre schon jetzt vorüber, wenn Amerika die Waffenausfuhr verboten hätte.
Senator Beveridge sprach mit Hindenburg. England, so sagte dieser, hätte den Krieg verhindern können. Rußland hätte nicht angefangen, wenn England nein gesagt hätte. England aber wollte den Krieg. England glaubte, mit Rußlands und Frankreichs Hilfe Deutschland vernichten zu können. Wir haben Rußland nicht ungern, Frankreich haben wir gern, England hassen wir! Beveridge sagte: Es heißt, Deutschland habe eine Millitärpartei, die auch den Krieg herbeigeführt habe. Hindenburg antwortete: „Alles Unsinn, genau so wie die Behauptung Unsinn ist, der Kaiser sei für den Krieg verantwortlich." Hindenburg schloß: „Wir werden
selbstverständlich gewinnen, wir zweifeln nicht daran. Zweifeln Sie?"
Frhr. v. d. Goltz auf der Reise ins Hauptquartier
Berlin, 30. März. (Ktr. Bln.) Der „Berliner Lokalanzeiger" meldet: Feldmarschall Freiherr v. d. Goltz ist
gestern abend in Berlin eingetroffen und wird heute vormittag seine Reise rns Große Hauptquartier fortsetzen.
Zur Versteuerung der Rriegsgewinne^
Br. Berlin, 30. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Der „L.-A." schreibt: Entgegen dem von dem Regierungsvertreter in der Budgetkommiflion des Reichstags eingenommenen Standpunkt, wonach die von verschiedenen Seiten angeregte Besteuerung der sog. Kriegsgewinne erst nach dem Friedensschluß erfolgen solle, hatte ein Blatt gemeldet, daß ein darauf bezüglicher Gesetzentwurf dem Reichstag schon am 28. Mai zugehen werde. Wie wir erfahren, ist diese Meldung unbegründet. Die Regierung steht vielmehr nach wie vor aus dem Standpunkt, daß die Regelung dieser schwierigen Frage, bei der es nicht nur darauf ankommt, die Gewinne aus den Kriegslieferungen allein zu treffen, soiwern auch die Kriegsgewinne, die sich aus der Steigerung der Lebensmittelpreise und dergleichen ergeben, erst nach dem Friedensschluß erfolgen könnte.
Bernrtcilong eines deutschfeindlichen cvanzelisi^n Pfarrers im Reichslande.
W. T--B. Strahburg, 30. März. Von der Strafkammer in Z a b e r n wurde der evangelische Pfarrer Herzog an» Waldersbach im Preuichtal, von Geburt Schweizer, aber seit 1894 naturalisiert, wegen Vergehens gegen den Kan- zelparagraphen, im besonderen wegen wiederholter Bekundung deutschfeindlicher Gesinnung mit zwei Monaten Festungshaft und zur Tragung der Kosten verurteilt.
6u§ §tadt und Land.
Wiesbadener Nachrichten.
Oer 100. Geburtstag v smarcks.
Zur 100. Wiederkehr des Geburtstags des Alt-ReichSkanz- lers Fürsten Bismarck finden morgen abend auch hier zwei größere Gedächtnisfeiern statt. Die eine wird im großen Saal des Kurhauses, die andere im Festsaal der „T ur n gesellsch a ft" abgehalteii. Im Kurhaus spricht Herr Professor S p a nt e r, während das Kaiserhoch von Herrn Stadtverordnetenvorsteher Justizrat Dr. A l b e r t i ausgebracht wird; im Festsaal der „Turngesellschaft" hält Herr Pfarrer Beckmann die Festrede und Herr Oberbürgermeister Geh. Obersinanzrat Glässing bringt das Kaiser-
