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Dienstag, 30. Marz 1015.
Kbsnd-Ausgabe.
Nr. 150. . 63. Jahrgang.
Oer Llrieg.
Insgesamt 46VVRussen gefangen!
Der Cagesbericht vom 30. Marz. Im westen nur Krtilleriekrämpfe. — Bet Tauroggen 1000, bei Krasnopel 3000, an der Schkwa 600 russische Gefangene. Russische Angriffe überall verlustreich abgeschlagen.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 30. März. (Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplay.
Es fanden nur Artillerie- und Sappenkämpfe statt.
Grktlicher Kriegsschauplatz.
Bei den Kämpfen um Tauroggen, die zur Besitznahme die- (es Ortes führte», hat sich, nach Meldung des dort anwesenden Prinzen Joachim von Preußen, der ostpreußische Landsturm glänzend geschlagen und 1000 Gefangene gemacht.
Bei Krasnopel erlitten die Russen sehr schwere Verluste. (Etwa 2000 Tote.) Unsere Beute auS den dortigen Kämpfen belief sich bis gestern abend auf 3000 Gefangene, streben Maschinengewehre, 1 Geschütz und utehrcre Munitionswagen.
An der Schlwalinie wurden bei einem mißglückten russischen Angriff zwei russische Offiziere und 600 Mann gefangen.
In Gegend Olszynh (links dem Omclcwufer) wurden zwei russische Nachtangriffe abgeschlagen.
übergangsversuche der Russen über die untere Bzura wurden abgewiesen. Oberste Heeresleitung.
Der Handelskrieg gegen England.
Neue Gpfer der KI-Voote.
Hist T.-B. London, 29. März. (Nichtamtlich.) Meldung des „Reuterschen Bureaus": Der Dampfer
„F a I a b a" ist aus der Höhe von Milford torpediert und zum Sinken gebracht worden. An Bord befanden sich 260 Personen, von denen 137 gerettet wurden.
W. T.-B. London, 29. März. (Nichtamtlich.) Den Zeitungen zufolge ist am Samstag der Dampfer „A q u 'i l a" aus Liverpool in der Höhe der Küste von Pembridgeshire von einem deutschen Unterseeboot zum Sinken gebracht worden. Zwanzig Mann der Besatzung sind heute im Fishguard gelandet worden.
Einzelbeiten zur Vernichtung des Vampfers „galaba".
Br. Amsterdam, 30. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Dln.) Wer die Versenkung des Danrpfers „Falaba", der Sonntag mittag auf der Höhe von Milford in der Irischen See durch einen Torpedoschuß vernichtet (wurde, meldet „Reuter": Am Sonntagmittag tauchte plötzlich ein 17-Boot dicht vor der „Falaba" auf und be- fahl dem Dampfer, beizudrehen; ehe der Dampfer jedoch stillstand, fuhr ein Torpedo in den Maschinenraum. Schleunigst wurden Boote ausgesetzt. Drei liefen voll Wasser und die Insassen fielen ins Meer. Die „Ellen Mary" rettete 137 Personen aus dem Wasser und aus anderen Booten. Der Kapitän der „Falaba" wurde t o t aus den: Meere gezogen. Der Erste Offizier ist gerettet. Ein Armeeoffizier und ern Sergeant ertranken.
Ein Gefecht zwischen einem deutschen v'Boot und zwei englischen Torpedobooten.
Br. London, 30. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Nach hier vorliegenden Blättermeldungen hat bei den S c i l l y - Inseln in der Nähe von S t. Mary lein Gefecht zwischen zwei englischen Torpedobooten und einem deutschen Unterseeboot statt- gefunden. Die Torpedojäger waren von der Anwesenheit eines deutschen Unterseebootes in der Nähe von St. Mary in Kenntnis gesetzt, sie fuhren mit Voll- dampf dorthin und bemerkten bei ihrer Ankunft tatsächlich ein Unterseeboot, das im Begriff stand, einem großen Dreimaster zu versenken. Die Torpedojäger eröffneten sofort das Feuer, ohne jedoch zu treffen. Das II-Boot tauchte und schon glaubten die Engländer, es vertrieben zu haben, als es zwei Seemeilen ostwärts auftauchte, ein Torpedo zwischen den beiden englischen Schiffen hindurchbalancierte und den Dreimaster zum Sinken brachte. Während der eine der englischen Torpedosäger sich um die Rettung der Mannschaft bemühte, nahm der andere die Jagd auf das I'-Boot auf, mußte sie jedoch nach einiger Zeit als aussichtslos wieder einstellen.
Einzelheiten zur Beschießung der „vosges".
W. T--B- London, 29. März. (Nichtamtlich.) Die Admi ralität gibt folgende Einzelheiten zu dem Untergang des Dampfers „Vosges" bekannt: Der Dampfer wurde 60 Mei. len südwestlich Stannes Head am Samstag durch das Grcmatfeucr desselben Unterseebootes zum Sinken gebracht, das am Sonntag die Dampfer „Aquila", „Dunehin" und „Falaba" auf der Höhe von Landsenü
verfolgte und auch bei Kap Clear gesichtet wurde. — Die Verwundeten der „Vosges" erzählen: Der Kapitän befolgte
nicht das Signal des Unterseebootes und manövrierte so. daß er das Unterseeboot hinter sich hatte, so daß es die Torpedos nicht gebrauchen konnte. Nachdem ein blinder Schuß keinen Erfolg hatte, feuerte das Unterseeboot scharf. Der Dampfer fuhr mit Volldampf, aber das Unterseeboot, das von einem neuen Typ zu sein schien, holte ihn bequem ein. Das Geschütz hatte auf die Entfernung von 300 Meter eine fürchterliche Wirkung. Es wurden insgesamt 20 Granaten abgeschoffen. Der erste Maschinist wurde getötet und alle Offiziere bis auf einen verwundet. Der zweite Steuermann wurde schwer verwundet. Alles auf dem Deck wurde in Trümmer geschlagen. Drei Boote wurden vernichtet. Die „Vosges" setzte ihre Fahrt jedoch fort und das Unterseeboot gab nach zwei Stunden die Verfolgung auf. Ein Schuß schlug ein Loch in der Höhe der Wasserlinie. Das Wasser strömte nach innen. Die Passagiere halfen bei der Punipe arbeiten. Die „Vosges" versuchte das Unterseeboot zu rammen, aber erfolglos. Inzwischen wurden Feuerpfeilsignale gegeben, um Hilfe herbeizurufen. Der letzte Schuß des Unterseebootes nahm die Flagge fort. Nachdem das Unterseeboot verschwunden war, setzte der Dampfer seine Reise unter fortwährendem Pumpen fort und traf nach einer Stunde ein Patrouillenschiff, das ihn in Schlepptau nahm. Das Schiff konnte sich aber nicht länger halten. Die Insassen bestiegen daraus die Boote und begaben sich an Bord des Patrouillen- schiffes.
was die englische Admiralität zugibt.
Br. London, 30. März. (Eig. Drcchtbericht. Ktr. Bln.) Die britische Admiralität hat eine Liste der seit 1. Januar bis 17. März von deutschen II-Booten versenkten englischen .Handelsdanrpfern her- ausgegeben. Die Liste umfaßt jedoch nur <ochiffe von über 300 Tonnen. Aus der Liste geht hervor, daß die deuffchen B-Boote vom 1. Januar bis 17. Februar acht große englische Handelsdampfer versenkten. In der Woche, die dem 18. Februar folgte, dem Tage der deutschen Blockadeerklärung, wurden allein 7 Han-deks- dcmwfer versenkt. In der Woche vom 4. bis 10. März 4 und in der Woche vom 11. bis 17. März 11. Seit der Blockadeerklärung 'hat England nach dieser Quelle also 2 2 große Hand els-dampf er durch deutsche II - B o o t e verloren.
vie harmlose Aufklärung des Falles der angeblichen Beschießung de«? hollä idischen Dampfers „Mecklenburg".
W. T.-B. Haag, 29. März. (Nichtamtlich.) Das Haagei Korrespondenzbuceau meldet: Die von der Marineverwol-
tung über den Fall des Dampfers „M e ck l e n b u r g" ange- stellte Untersuchung hat ergeben, daß die Fischdampfer, von denen der eine in Zwischenpausen von etwa 5 Minuten drei Schüsse auf die „Mecklenburg" abgegeben haben soll, keine Flagge führten und kein Signal zum Anhalten gaben. — Zu gleicher Zeit wurde der englische Dampfer „Teal", der in etwa 4 Meilen Abstand von der „Mecklenburg" ebenfalls nach England fuhr, von zwei Flugzeugen angegriffen, die Bomben auf ihn abzuwerfen suchten. Die Flugzeuge standen mit den Fischdampfern in Verbindung durch Signale; die Flieger gaben Lichtsignale, die Fischdampfer schossen Feuerpfeile ab. ES besteht Grund, anzunebmen, daß das von der „Mecklenburg" wahrgenommene Aufschlagen auf das Wasser nicht durch Kanonenschüsse, sondern durch niederfallende Signalfeuerpfeile verursacht wurde, und daß die Aktion der Fischdampfer nicht gegen die „Mecklenburg", sondern gegen den englischen Dampfer gerichtet war.
Deutsch-holländische Untersuchungen und Berichte.
Von der holländischen Grenze, 28. März. (K. Z.) Auf die
an die deutsche Regierung wegen der Aufbringung von „Zaanstroom" und „Batavier V." nach Seebrügge gerichtete Frage hat der holländische Gesandte in Berlin die Antwort erhalten, die deutsche Regierung verfüge noch nicht über ausreichende Angaben in der Sache. Später wurde dem Gesandten noch mitgeteilt, daß ein Beamter nach Seebrügge gesandt worden sei, um die Untersuchung an Ort und Stelle zu leiten, und daß dessen Bericht abgewartet werde. Andererseits wird mitgeteilt, daß die holländische Regierung ihren Gesandten in Berlin beauftragt habe, die nötigen Ansklärunaen über das Anhalten und Versenken des niederländischen Schiffes „M e d e a" zu erbitten.
Auch eine Folge der Tätigkeit unserer II-Boote.
Berlin, 30. März. (Ktr. Bln.s Nach einer Meldung der ..Köln. Ztg." aus Vigo hätten die Dampfer der s p a n i s ch e n Transatlantischen Gesellschaft aufgehört, ihre Fahrten nach den Philippinen wie früher in Liverpool beginnen zu lassen. Sie stechen jetzt von Vigo aus in See.
Oie Erkenntnis von derVedeutung der Munition in England.
W. T.-B- London, 30. März. (Nichtamtlich.) Unterstaatssekretär Tennart wies in einer Unterredung auf die Bedeutung der Herstellung und des Verbrauches der Munition für den gegenwärtigen Krieg hin und sagte, alle militärischen Sachverständigen seien sich darüber einig, daß jene Macht, deren Mu n i t i on Sh er ste llu ng geordnet sei, die beste Aussicht aus den Sieg habe.
Der Streik der Deckarsseitcr von Birgenhcad.
W. T.-B- London, 30. März. (Nichtamtlich.) „Times" meldet aus Liverpool: Während die Dockarbeiter in Liver-
Pool Kitcheners Aufforderung nachgekommen und am Endo der Woche den Streck ausgegeben haben, feierten rn Birgen- head am Freitag wieder 1000 Mann. Man erwartet, daß dar Kriegsamt energische Matznahnien ergreift. Die Stauung in Birgenhead ist so groß, daß viele Dampfer einen Teil der für sie bereit liegenden Ladung zurücklcrssen mutzten. Mau befürchtet, daß sich die Lage während der Oster- feiertage verschlimmern wird, da die Arbeiter von Karfreitag ab nicht mehr arbeiteir wollen.
„wir brauchen Wahrheit."
Im Anschluß an einen unter dieser Überschrift veröffentlichten Leitartikel der „Times" gibt diese unter demselben fett gedruckten Mahnruf eine Zuschrift aus ihrem Leserkreis wie- 0er, die die Unzufriedenheit mit der ständigen Verschleierungspolitik der Behörden klar erkennen läßt. „Als einen ganz furchtbaren Zustand (a most awfol condition of things) empfinde ich die gänzlich fehlende Aufrichtigkeit von seiten der Zensurbe-- Hörde. Nicht ein einzigesmal seit Beginn dieses schrei lichen Konfliktes ist dem Bocke von irgenv einem Mißglücken Mitteilung geniacht worden. Das erscheint mir das dümmste und gewissenloseste Verfahren. Wenn wir den wahren Stand der Dinge kennen würden, hacken wir sicherlich keine Streiks und dergleichen Dinge mehr im Lande. Wir sind doch ganz gewiß stark genug, di» Wahrheit vertragen zu können. Dies Schweigen, bin ich überzeugt, tut ganz unberechenbaren Schaden. Dieser Tage ging meine Tochter zu einigen Freunden, um ihnen alles zu erzählen, was sie über die Schlacht bei Neuve Chapelle gehört! hatte. Aber kein Mensch hörte ihr zu. Alles Interesse für den Krieg ist erstorüen. Das ewige Siegen kann niemals anregend wirken (besonders wenn es seine eigne Bewandtnis damit hat!), unsere Fehlschläge erst werden uns aufrütteln. Und Fehlschläge hat es gegeben (and diecstem there are), das wissen wir, die wir unsere Lieben im Felde haben. Die Mutter eines verwundeten englischen Offiziers."
Pierpont Morgans Geldgeschäfte mit Lmgiand und Frankreich.
Br. Stockholm, 30. März. (Eig. Drcchtbericht. Ktr. Mn.) Pierpont Morgan ist aus Amerika in England angekommen. Der Liverpooler „Evening Expreß" erklärt aus zuverlässiger Quelle, zu wissen, daß Morgan mit Lloyd George gewisse finanzielle Wmachün- gen von großer Tragweite zu treffen gedenke. Don anderer Seite verlautet, Morgan wolle in Amerika einen neuen englischen Kredit eröffnen, indem eine Anleihe durch Ausstellung von Schatzwechseln ausgenommen werde. Hierdurch werde der Sterlingkurs gestützt, durch dessen Fall die englischen Engagements in den Vereinigten Staaten außerordentlich verteuert werden. Auch Frankreich wolle wegen Eröffnung eines englischen Kredits mit Amerika verhandeln.
vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.
Zünf Millionen Streiter an der Westfront.
Eine holländische Berechnung.
Berlin, 30. März. 'Ktr. Blu.) Aus dem Haag wird verschiedenen Morgenbläitern berichtet: Der Kriegsbericht»
crstatter des „Nieuve Courant" an der englisch-französischen Front teilt mit, rm französischen Hauptquartier habe man ihm Angaben gemacht, wonach die Deutschen augenblicklich ungefähr 2 300 000 Mann an der Westfront hätten, zu denen noch 1/3 Million Mann hinter der Front hinzuttäten. Dia V-rbündeten hätten mit Reserven 2 700 000 Mann. Danach l /trage die Gesamtmenge der Stteiter an der Westfront fünf Millionen Mann.
wieder eine Taube über Calais.
W T.-B. Paris, 29. März. (Nichtamtlich.) Der „Temps" meldet: Gestern überflog.neuerdings eine Taube Calais in 2000 Meter Höhe und warf Bomben auf die Stadt ab, die in den Straßen platzten. Da infolge der frühen Morgenstunde die Straßen menschenleer waren, wurde nur Sachschaden cm- gerichtet.
vie französischen Tagesberichte.
W. T.-B. Paris, 29. 'März. (Nichtamtlich.) Der amtlich- Bcricht von heute nachmittag lautet: Im Gebiete von Dperu sprengten wir eine Mine im deutschen Horchposten. In Ep arges versuchte der Feind die Schützengräben wieder zu nehmen, welche er am 27. d. M. verloren hatte. Nach heftigem Kampfe wurde unser Gewinn in der Gesamtheit behauptet. Der Feind faßte nur in einigen Teilen seiner früheren Schützengräben Fuß, wahrend wir an anderer Stelle vsr- rückten.
W. T-B. Paris, 30. März. (Nichtamtlich.) Amllichrr Bericht von gestern abend: Der Feind beschoß die Stadt Ni«u- port und Bad Nieuport. Er verursachte an der über die User geschlagenen Brücke Beschädigungen ohne große Bedeutung. In der Champagne Artillpriekämpfe. In d«: A r g o n n e u um Beau-Sejour Kanonade. Es wurden Bomben geworfen, so im Gebiet von Bagatelle, wo die Tätigkeit aus beiden Seiten sehr lebhaft blieb. Sonst verlief der Tag ruhig und o h n e 'Jnfänteriekämpse
