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Montag, 29. März» morgens.
Sonder-Ausgabe.
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1915.
Insgesamt 2330 Gefangene an der Ostfront.
Oer deutle e Tagesbericht vom 28. März, hartnäckige Rümpfe aut den Maasqöhen und in der lvoevre-Ldene zu unseren Gunsten entschieden. — Mehrere russische Slngriffe abgeschlagen. 900 Nüssen gefangen.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 28. März. (Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
Südöstlich von Verdun wurden französische Angriffe aus die M a a s h ö h e n bei C o m b r e s und in der W o e v r e - Ebene bei M a r ch 6 v i l l e nach hartnäckigen Kämpfen zu unseren Gunsten entschieden.
In den Vogesen am Hartmannsweiler Kpof fanden nur A r t i I le r i e kämpfe statt.
Destlicher Kriegsschauplatz.
Ruffische Vorstöße im Augustower Walde wurden abgeschlagen. Zwischen P i s s ek und Q m u l e w erfolgten mehrere russische Angriffe, die sämtlich in unserem Feuer zusammenbrachen.
Bei Wach nahmen wir 900 Ruffen gefangen.
Oberste Heeresleitung.
Oer österreichisch - ungarische Tagesbericht.
Abweisung weiterer russischer Angriffe.
1430 Russen in den Rarpathen und der Bukowina gefangen.
W. T.-B. Wien, 28. März. (Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart vom 28. März: Dir russischen Angriffe im Ondav a- und Laborczatale wurden blutig a b g r w i r s e n. Der Kampf auf den Höhen beiderseits dieser Täler ist seit gestern abgeflaut. Tagsüber und während der Nacht Geschützkämpfe und Ge- vlänkel.
In den übrigen Abschnitten der Karpathenfront auch weiter hartnäckige Kämpfe. 1230 Ruffen wurden gefangen genommen. Verfolgungsgesechte in der nördlichen Bukowina brachten weitere 200 Gefangene ein.
Die Situation in Russisch-Polen und W e st- galizien ist unverändert.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö s e r, Feldmarschalleutnant.
vom Russeneinfall in Memel.
Von unserem zum Lstbeer entsandten Kriegsberichterstatter
Tilsit, 26. März. Auf die Nachricht von dem russischen Einfall in Memel, der nach russischer Darstellung, die ich in S u w a l k i hörte, als besondersstrategischer Erfolg der russischen Armee gefeiert wurde, fuhr ich heute von der deutschen Linie östlich Suwalki nach dem nördlichsten Zipfel Preußens, der von russischen Kräften, vornehmlich Reichswehr, bedroht fein sollte. Wer die Gefechtstätigkeit der ruffischen Reichswehr je beobachtet hat, konnte von Anbeginn überzeugt sein, daß mit diesem planlosen Ein, fall nur der Versuch gemacht wurde, durch billige Lorbeeren auf einein Gebiete, das für Operationen nicht in Betracht kommt, die gesunkene Stimmung der benachbarten 10. russischen Armee zu heben. Über einen kurzen Plünderungszug ging die Tätigkeit der Russen auch nichp hinaus. Auf langer Autofahrt, die mich wieder recht den Unterschied zwischen deutscher und russischer Kriegsführung bei überschreiten der Grenze lehrte, kam ich bis Heydekrug. Große Scharen der Landbevölkerung kehrten schon wieder nach dem Landkreis Memel zurück. Alle Gerüchte, die von russischem Eindringen in diese fast völlig unberührten Teile Ostpreußens sprechen, sind törichte Übertreibung. Ich konnte mich überzeugen, daß überall unter dichtem Früh- jahrSregeu die junge Saat kräftig und ungestört emstorsprießt.
Bei Tauroggen und weiter nordöstlich der Straße von Tilsit nach Memel war lebhaftes Gefecht. Die Ruffen hielten unseren Säuberungstruppen, die aus der Linie nordöstlich von Tauroggen oorgingen, noch stand. In der Nacht vom 25. zum 26. erdröhnte dann auf russischer Seite ein Kanonenschuß, der das Signal zum allgemeinen Rückzug dieser ruffischen Kräfte gab. Die Verfolgung der sich eilig nach Nardosteu zurückziehenden geschlagenen russischen Truppen wurde ausgenommen. Es sieben also auch aus diesem nördlichsten Zipfel des östlichen Kriegsschauplatzes unsere Kräfte überall, von Podangen bis Tauroggen, auf russischem Boden.
Die unsinnigen Gerüchte, die in den ostpreußischen Städten hinter der Front herumschwirrten, werden mit diesen klaren Tatsachen wohl endlich zum Schweigen kommen; ebenso werden dieNuffen nach dieser schnellen und gründlichen Erledigung ihres Beunruhigungsversuches einsehen, daß man ungestört auch deutsche Städte, die außerhalb des Operationsgebietes liegen, nicht plündern darf.
Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.
Nach dem Fall przemq-ls.
Br. Budapest, 28. März. (©Lg. Drahtbericht. Ktr. Bln.) „Rußkoje Slowo" meldet, baß die militärische Besatzungsarmee von Przemysl und die A r - beiter vorläufig in der Festung verbleiben. Die militärische Besatzung wird zum Unterschied von der Zivilbevölkerung als Ge f a n g e n e betrachtet, alle Offiziere werden als Gefangene nach Lemberg gebracht werden. In den nächsten Tagen wird der russische Ober st kommandierende Großfürst Nikolai Nikolaje witsch in der Festung erwartet. Der Name der Festung Przemysl ist von den Russen in P e r m y s abgeändert worden.
Oer Bericht des letzten Fliegers aus przemysl.
W. T.-B. Wien, 28. März. (Nichtamtlich.) Die „Grazer Tagespost" veröffentlicht einen Bericht des Leutnants Stanzer, welcher als letzter Flieger Przemysl verlassen hat. Bei seiner Ankunft, welche am Vorabend vor dem Falle der Festung unter erheblichem Schrapnellfeuer der Russen erfolgte, war mit der Zerstörung der militärischen Objekte begonnen worden. Stanger brachte der Besatzung die letzte mit begeisterter Freude aufgenommene Post. Der Oberkommandierende General v. Kusmanek zeigte unter Tränen dem Leutnant das Telegramm des Kaisers anläßlich des letzten Ausfalls aus der Festung, in dem er sagte: Sehen Sie, das ist der Erfolg unserer fünfmonatigen Kämpfe bei Tag und Nacht. Nicht durch den Feind werden wir bezwungen, sondern wir mußten dem Hunger weichen. Indem der Oderkommandant Stanger die Hand zum Abschied reichte, sagte er ergriffen: Sie sind
jedenfalls der einzige von uns, der- hoffentlich aus der Festung entkommen wird. Erzählen Sie, was Sie hier gesehen haben, damit die Leute wissen, was wir gelitten haben, und daß sie überzeugt sind, daß wir b i s z u m letzten Augenblick gekämpft haben, um unsere Pflicht zu erfüllen.
Die letzte Nacht war entsetzlich, die Sprengung der Festungswerke und das Geschühfeuer hielten die ganze Nacht an. Von den Staubwolken, die aus den zerstörten Werken aufstiegen, war die Festung im ganzen Umkreis erfüllt. Inmitten dieses unendlich scheinenden Feuermeeres stieg Leutnant Stanger vor 6 Uhr morgens auf und überflog rn 600 Meier Höhe die russischen Linien, ohne von den Kugeln getroffen zu werden, mit dem Rittmeister Lehmann als Passagier, der ihn nach glücklicher Landung zum Dank für seine Rettung aus der Gefangenschaft umarmte und küßte. Über das Schicksal des Feuerwerkers M e n t s ch , welcher vor dem Leutnant Stanger um 4 Uhr früh ungeachtet der herrschenden Dunkelheit aus Przemysl aufftieg, liegt keine Nachricht vor.
Die russischen Greuel gegen die Rumänen in der Bir'oro'no.
W. T.-B. Bukarest, 27. März. (Nichtamtlich) In zwei langen Artikeln beschreibt der „Universul" in seiner gestrigen und heutigen Nummer die Greuel der Russen in der Bukowina und sagt: Das gesamte veröffentlichte Material ist höchst belastend für die russische Besatzungsarmec. Eine ganze Stufenleiter von Schandtaten, von der Plünderung und Einäscherung an bis zur bestialischen Behandlung der rumänischen Bewohner, inSbesodere der Frauen und Mädchen, ist darin vertreten.
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Die Seuchen kn Serbien.
Berlin, 28. März. (Ktr. Bln.) Der „Neuen Zürcher Zeitung" wird aus Sofia geschrieben: Ganz Serbien ist verseucht. Das serbische Amtsblatt berichtet, daß am 3. März 12 000 Soldaten an Flecktyphus in den Spitälern lagen. Die Krankheiten greifen rasend um sich. Die serbische Regierung nahm der bulgarischen Bevölkerung Mazedoniens Kirchen, Schulen und Arbeitskräfte. Täglich flüchten Greise, Weiber und Kinder, um nur ihr nacktes Leben zu retten, nach Bulgarien.
vom französisch-belgischen Rri< gsschauplatz.
Oie französischen Tagesberichte.
°W. T.-B- Paris, 27. März. (Nichtamtlich.) (3 Uhr nachmittags, amtliche Mitteilung.) Der Feind hat diese Nacht A r r n S mir Granaten aller Kaliber beschossen. Ein Brandausbruch wurde schnell gelöscht. Der M i n e n k r i e g dauert bei La Bo i f c11e unter guten Bedingungen für uns an. In den A r g o n n e n gab es m der Gegend von Bagatelle Bombenwürfe von einer Linie zur anderen, aber keine Jn- fanterieangrifse. Im Elsaß haben wir nach einer energischen Aktion von mehreren Tagen den Gipfel des Hartmannsweilerkopfes erreicht, welchen wir dem Feinde
genommen haben. Zur gleichen Zeit sind wir auf den nord- östlichen umd südöstlichen Abhängen des Vogesenmassivs vorgerückt, indem wir zahlreiche Gefangene machten, darunter mehrere Offiziere. Die Deutschen haben ein bedeutendes Material und zahlreiche Tote auf dem Gelände zurückgelassen. Unsere Verluste sind wenig erheblich. Ein deutsches Flugzeug schleuderte mehrere Bomben auf Weiler, nordwestlich von Thann. Drei klein« Kinder wurden getötet.
W. T.-B. Paris, 27 März. (Nichtamtlich.) (Um 11 Uhr abends. Amtliche Mitteilung.) Auf der gesamten Front war der Tag ruhig. 5t e i n e Tätigkeit des Feindes. Ein deutsches Flugzeug, welches in der Gegend von Manonviller Bomben gewürfen hatte, wurde von uns heruntergeschossen und der Pilot und der Beobachter wurden zu Gefangenen gemacht.
Oie Einberufung des Jahrganges 1917 in Frankreich genehmigt.
W. T.-B- Lyon, 27. März. (Nichtamtlich.) Der „Lyon Rspublicain" meldet ans Paris: Der Heeresausschuh der
Kammer hat den Regierungsvorschlag, betr. Einberufung des Jahrgangs 1917 und ärztliche Untersuchung aller zwischen dem 1. August und dem 81. Dezember 1914 als untauglich Befundenen sowie der Zurückgestellten der Jahrgänge 1913 bis 1915, angenommen.
Lin verbot der Einführung schweizerischer Zeitungen nach Frankreich.
Br. Lausanne, 28. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Wie die „Gazette de Lausanne" aus Paris meldet, ist dort eine Order ergangen, der zufolge schweizerische Zeitungen nicht mehr nach Frankreich gelangen können.
Lin gutes schweizerisches Urteil über die französischen Greuellügen.
W. T.-B. Basel, 28. März. (Nichtamtlich) In den „Basler Nachrichten" bespricht der Baseler Universitätsprofessor W e r n l e die massenhafte Versendung der Berichte der französischen Untersuchungskommission über angebliche deutsche Greueltaten in den besetzten Gebieten. Er zikiert zwei tzklatante Fälle, nach welchen er genug gehabt hätte von all den absolut unkontrollierbaren Schauergeschichten, für die weiter keine Zeugen vorhanden seien, und bemerkt dazu: So etwas wird von der Unter
suchungskommission als bare Münze genommen und dem Ministerpräsidenten vorgelegt. Am Schluß stellt der Professor zwei Punkte fest. Einmal den, daß der ganze offizielle Bericht psychologisch und historisch nur den Wert besitze, uns zu zeigen, was alles ein erhitztes Volk in Kricgszeiten, in denen es den Feind am eigenen Leibe habe spüren müssen, in seiner Phantasie dem Feinde zuzutrauen imstande ist, und was alles gebildete, mit dieser Untersuchung beauftragte Männer sich von dieser ansteckenden Phantasie v o r m a ck> e n lassen. Unser primitivstes Rechtsempfinden sagt uns, daß zu einer beweiskräftigen Untersuchung die Anhörung des anderen Teiles und die Ausschaltung aller bei dieser Untersuchung feindlichen Gefühle und den Tatbestand beeinflussenden Färbung gehören. Von alledem ist hier keine Rede. Man gewahrt im Gegenteil eine Sucht, dem Feinde alles denkbar Gemeine zuzutrauen und die Masse unge- h e u e r l i ch e r Anklagen mit allen Mitteln zu vermehren. — Der Zweck aber dieser Versuche, durcki Verbreitung von angeblich offiziell festgestellten Greueltaten, um deren Wahrscheinlichkeit cs so m i s e r a b e l bestellt ist. dem Feinde seinen Kredit zu entziehen und so die Herzen der Neutralen für sich zu gewinnen, das verdient die Bezeichnung „dreckrge Propaganda".
Neue französische Kredite zur Verproviantieruug der Zivilbevölkerung.
W- T-B. Paris, 27. März. (Nichtamtlich.) Nach dem
Temfs" haben der Finanzminister und der Handelsminister in der Kammer einen Gesetzentwurf eingebracht, laut dessen Ergänzungskredite zum Ankauf und Wiederverkauf von Lebensmitteln durch das Handelsministerium zur Verproviantierung der Zivilbevölkerung bewilligt werden sollen. Die Regierung schlägt hierfür den Betrag von 150 Millionen Franken vor, von denen 70 Millionen in Form eines Kredits sofort flüssig gemacht werden sollen. Der im Februar für denselben Zweck eröffncte Kredit von 26 Millionen ließ nur eine beschränkte Operation zu.
Der Unterfeebaotskrieg.
Ein neues Opfer unserer II-Boote.
Amsterdam, 28. März. (Ktr. Fkft.) „Reuter" meldet aus Liverpool: Das Dampfschiff „Vosges" ist an der Küste von Cornwall vermutlich durch ein Unterseeboot in den Grund gebohrt worden. Der Chef- Maschinist wurde getötet und drei Mann der Besatzung schwer verwundet. 30 Mann der Besatzung wurden in Nowquay gelandet. Das englische Dampfschiff „Vosgcs" mißt ungefähr 1500 Tonnen und gehört nach Liverpool.
Einem v-Boot entkommen.
Br. Amsterdam, 28. März. (Eig. Draihtbericht. Ktr. Mn.) Der Dampfer „Niagara", von New Nock kom» inend, mit der Mannschaft des bei Newport-
