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Verlag Sanggasse 21

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12 Ausgaben.

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Montag, 29. März 1915.

Kbenö-Kusgabe.

Nr. 148. ♦ 63. Jahrgang.

Der Krieg.

Tauroggen im Sturm genommen!

Der Tagesbericht vom 29. März.

1300 Russen, darunter eine Eskadron Garde- Ulanen mit Pferden, gefangen. — Generaloberst v. Kluck bei Besichtigung der vorderen Stellungen leicht verwundet.

W. T.-B. Großes ©austquartier, 29. März. (Amtlich.)

westlicher Kriegsschauplatz. *

Der Tag verlief auf der ganzen westlichen Front ziemlich ruhig: nur im Argonncrwalde und in Lot h ring en fanden kleine, für uns erfolgreiche Gefechte statt.

Generaloberst v. K l u ck wurde bei Besichtigung der vor­deren Stellungen seiner Armee durch einen Schrapnell­schuß leicht verwundet. Sein Befinden ist zufrieden­stellend.

Mestlicher Kriegsschauplatz.

Tauroggen wurde von unseren Truppen im Sturm genommen: 3 0 0 Russen gefangen genommen.

An der Bahn Wirballen-Kowno brach bei Pil- w i s ck i ein russischer Angriff unter schwersten Berlustcn zu­sammen.

In Gegend Krasnopel machten wir über 1000 Ge­fangene. darunter eine Eskadron Garde-Nlanen mit Pferden, und erbeuteten fünf Maschinengewehre.

Ein russischer Angriff nordwestlich von Ciechanow wurde abgewiesen. Oberste Heeresleitung.

Don den östlichen Kriegsschauplätzen.

Line Umgrupp erring der russischen Streitkräfte?

Aller Bahnverkehr im Dienst der Militärverwaltung.

Berlin, 29. März. (Ktr. Bln.) In Süd- und Mittelruß. land ist fant „Tägl. Rundschau" der Bahnverkehr völlig in den Dienst der Militärverwaltung gestellt. Wie ver- Tccutet, findet eine Umgruppierung der russischen Streit­kräfte statt.

Tauweiter an der Memel und Her Narew.

Berlin, 29. März. (Ktr. Bln.) Dem „B. L.-A." zufolge neidet die „Times" aus Petersburg, datz das Eintreten wärmeren Wetters in den Tälern des Njemen und Narew die Sch w i e r i g k e i t en der Operationen in jenen sumpfigen Gegenden vermehrt habe. Mam erwarte zunächst dort keine ausgedehnten Operationen.

Das völlige Scheitern der Mission des Generals pau beim Großfürsten Nicolai Nicolajewitsch.

Br. Bukarest, 29. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.)

Tie Mission des Generals Pan, der von den Verbündeten be­auftragt war, dem Großfürsten Nikolajcwitsch als Berater zur Seile zu stehen, ist gescheitert. Der Großfürst hat den französischen General außerordentlich schlecht empfange« und ihm zu «erstehen gegeben, datz es ange­brachter sein würde, wenn Joffre und Fr euch zeigen würden, wie man die Deutschen aus Frankreich und Belgien vertreibe, er würde mit den Deutschen in Rußland schon allein fertig werden. Er wolle eine derartig schätzens­werte Kraft, wie Pau, den Verbündeten im Weste n, die sicher keinen Überfluß en guten F L hr e r n hätten, nicht ent­ziehen. Wtt weiter verlautet, wird General Pau auf der Rück-' reise sich zu dem Expeditionskorps der Verbündeten nach den Dardanellen begeben, um dort die Oberleitung der Landoperationen zu übernelMe«.

Revolte gegen die Rekrutierung in Sibiren.

W. T.-B. Hamburg, 28. März. (Nichtamtlich.) DaS „Hamb. Fremdenblatt" meldet: DaS Stockholmer „Aftonbladct" ver­öffentlicht einen Brief auS Tomsk in Sibirien über Revolten bei der Rekrutrnaushebung. Die Bevölkerung der drei Städte Bernanl, Omsk und Rikolajewsk leistete in Barrikadenkämpfen Widerstand gegen das Militär. In den Straßenkämpfen konnten dir Trirppen nur mit Hilfe von Kanonen- und M a s ch i n e n g e w e h r f e u r r die Ankrübrer bezwingen. Große Erbitterung herrscht gegen die ruffischen Unterdrücker.

Ein neuer russischer Zolltarif.

W. T.-B. London, 28. März. (Nichtamtlich.) Nach einer Meldung de? „Daily Telegraph" aus Petersburg hat die Regierung einen neuen Zolltarif eingeführt, in welchem Zollerhöhungen von durchschnittlich 25 bis 30 Proz. vorge­sehen sind. Der neue Tarif wird als vorübergehende Maß­regel angesehen, bis nach dem Krieg die Zeit für neue Handelsverträge gekommen ist.

Drutfchfeindliche Beschlüsse des russischen Adelskongresses.

W. T.-B. Petersburg, 28. März. (Nichtamtlich.) Der Kongreß des vereinigten Adels wurde nach Annahme folgen­der Resolution geschloffen: 1. Es soll Ausländerin unter­sagt sein, sich an Unternehmungen zu beteiligen, die der Nationalverteidigung dienen; 2. alle Deutschen gehörigen Kolonien in Rußland sollen eingezogen, und Landgüter, die sich im Besitz von Deutschen, Österreichern und Ungarin be­finden, sollen Veteranen aus dem Offiziers- und Sol­

datenstande übergeben werden^ es sei denn, daß die ursprüng­lichen Besitzer Slawen sind. Weiter sollen' alle den ge­nannten Nationalitäten gehörigen Immobilien in Dörfern und Städten sowie alle ihre Güter und Waren beschlagnahmt werden, und zwar auch dann, wenn die Besitzer sie bereits an vussische Untertanen überschrieben haben.

Die Leiden Ruffisch-Polens.

Aus Kopenhagen, 27. März, meldet die „Franks. Ztg.": DaS Warschauer Bürgerkomitee stellt statistisch fest, daß D r e i v i e r t e l von ganz Polen durch den Krieg betroffen worden sei. Keines der 10 polnischen Gouvernements sei seinem Schicksal entgangen, 73 Prozent der polnischen Be­

völkerung litten direkt unter dem Krieg. 5500 Dörfer seien zerstört. Der Verlust der polnischen Bevölkerung beziffere sich auf 1 Milliarde Rubel.

Eine neue französische Handelsagentur bei der Peters­burger Botschaft.

W. T.-B. Zürich, 27. März. (Nichtamtlich.) Die „Nene -Zürcher Ztg." meldet aus Petersburg, daß Frankreich bei der dortigen Botschaft eine Handelsagentur errichtet hcche. Als Handelsagent inurde der bisher bei der Botschaft in Athen be­schäftigte Botschaftssekretär erster Klasse Du Halgonet berufen und ist bereits eingetroffen.

przemrssls Untergang.

Die Schilderung des entkommenen Fliegers.

Berlin, 29. März. (Ktr. Bln.) In einer Schilderung des Unterganges von Przemhsl beschreibt der Fliegerleutnant Stanzer das Schauspiel als ein solches von großer Schaurigkeit, aber doch von unvergleichlicher Schönheit. Der Untergang von Herkulanum und Pompeji hätte sich großartiger nicht darbielLn können. Überall begann cs zu dröhnen und zu krachen und zu bersten. Von allen Seiten stiegen Berge von Rauch, Feuer, Erde und Bcnnn- werkstrümmern empor. Schließlich schien die Stadt in ein unendlich großes Feuermeer getaucht.

Der Fluggast des Leutnants Stanger in Audienz bei Kaiser Franz Joseph.

W. T.-B. Wien, 28. März. (Nichtamtlich.) Der Kaiser empfing heute vormittag in Schönbrunn den Rittmeister Lehmann in längerer besonderer Audienz. Lehmann, der bekanntlich als letzter Offizier mit Leutnant Stanaer mittels Flugzeugs Przemhsl verließ, erstattete dem Monarchen Bericht.

Niederträchtige russische Verleumdungen unserer tapferen Bundesgenossen.

W. T.-B. Wien, 27. März. (Nichtamtlich.) Aus dem Kriegspresseguartier wird berichtet: Ein Comrnunigus des

russischen Generalftabs aus den letzten Tagen brachte u, a.

die Meldung, daß die in den Karpathenkämpsen eingebrachten österreichisch-ungarischen Kriegsgefangenen in großer Zahl Wunden am Rücken aufweisen, welche von Revalverschüssen herrühren, die auf sie von den eigenen Offizieren bei der Flucht abgegeben worden seien. Diese Nachricht ist natürlich von Anfang bis zum Ende erfunden, und nichts anderes als eine niederträchtige Verleumdurrg unserer trotz aller schwierigsten Derhältniffe so unvergleichlich tapfer kämpfenden Truppen. Durch solche infamen Darstellun­gen soll ofsenlbar unsere Armee in den Augen des neu» traten Auslandes herabgesetzt werden. Diese tendenziös« Publikation des russischen Generalstabes bedarf wohl keiner Widerlegung. Der beispiellose Heldenmut unserer

in den Karpathen und in Galizien kämpfenden Streitkräste ist eine notorische Tatsache, an die Verunglimpfungen der vorliegenden Art überhaupt nicht heranreichen. übrigonS tragen die Ausstreuungen des russischen Coirnnnniques das Gepräge einer, plumpen Lüge deutlich auf der Stirn. Uni Zurücksliehende mit Gewalt zurückzuhalten, muß ihnen von vorne entgegengetreten werden. Durch Nachschießen werde» weichende Soldaten kaum zu einem neuerlichen Vorgehen be­wogen. Der ungeschickten Lügenmeldung dürfte die Absicht zugrunde gelegt sein, die Aufmerffamkeit von der be­schämenden Wahrheit abznlemksn-, daß die Russen ihre eigenen .Truppen mit Maschinengewehren vor, Zutreiben gewohnt stnü.

Günstiger Saaten stand in Österreich-Ungarn.

W. T.-B. Wien, 28. März. (Nichtamtlich) Aus beiden Staaten des Reiches liegen sehr günstige Nachrichten über den Saatenstand vor. Die übevlvinterung der Saaten dürfte keinen irgendwie nennenswerten Schaden gebracht haben. Die Entwicklung der Saaten ist der Jahreszeit vollkommen ent­sprechend. Der FrühsahrSanbau ist überall im vollen Zuge. Witterung und Bodenbeschaffcnheit sind überall günstig. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß große FWHen, beson­ders in Böhmen und M ä h r e n, infolge der Einschränkung des Rübenbaues überwiegend mit Brotgetreide und Gerste bestellt werden. Auch Arbeitskräfte sind überall genügend vorhanden. Nach menschlicher Voraussicht sind günstige Grundlagen für eine gute neue Ernte in den wichtigsten Getreidegattungen vorhanden.

Ei» Wechsel in der Statthalterschaft von Böhme».

W. T.-B. Wien, 27. März. (Nichtamtlich) Der Kaiser Hai den Statthalter von Böhmen, Fürsten von Thun, auf sein« Bitte wegen eines ernsten Augenleidens von seinem Posten enthoben und in den Ruhestand versetzt. In einem Handschreiben gedenkt der Kaiser mit besonderer Anerkennung und wärmstem Danke der hervorragenden Dienste, die dev Fürst in arbeitsreichen und verantwortungsvollen Stellungen dem Kaiser und dem Staat geleistet hat und insbesondere