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Sonntag» 28. März 1913.

Morgen - klusgabe.

Nr. 147. ♦ 63. Jahrgang.

Der Krieg.

Der österreichisch - ungarische Tagesbericht. Schwere russische Verluste in den Narpathen.

Ueber 1000 Gefangene in der Bukowina

W. T.-B. Wien, 27. März. (Nichtamtlich.) Amtlich wird vcrlautbart vom 27. März, mittags: Unter

schweren V e r l u st e n des Feindes scheiterten an der Schlachtfront in den Karpathen neuerdings starke russische Angriffe. Ans den Höhen bei Babyn- völgy und beiderseits des L a t o r c z t a l s, südlich Laborczrev, dauern die Kämpfe mit großer Heftig­keit an.

In der B u k o w i n a warfen unsere Truppen nordöstlich Tschernowih stärkere russische Kräfte nach heftigem Kampfe bis an die R e i ch s- grenze zurück, eroberten mehrere Ortschaften, machten über 1000 Gefangene und erbeuteten zwei Ge- schütze.

In Russisch-Polen und W e st g a l i z i e n keine Veränderung.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

Lin russischer Bericht über przemysl.

Br. Christian««, 27. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Aus Petersburg wird gemeldet: Die Kriegsberichterstatter be­kamen gestern die Erlaubnis, Przemysl zu besuchen. Imposante Rauchwolken stiegen empor, und noch immer wurden Explosionen gehört. Überall fand man Leichname, zermalmtes Kriegsmaterial und trostlose Verwüstung. Die gefangenen österreichischen Offiziere, nahezu 3000, haben ihre Säbel behalten. Die Zivilbevölkerung hat ebensoviel gelitten wie die Soldaten. 40 000 Menschen sind während der Belagerung in der Festung bestattet worden. (Die Zahlenangaben bedürfen natürlich einer Korrektur von zuverlässigerer Stelle, als es die ruffischen Berichter­statter sind. Schriftl.)

Der griechisch-katholische Bischof von Przemysl in russischer Gefangenschaft.

Mit dem Falle von Przemysl ist ein zweiter hoher griechisch-katholischer Würdenträger, der Bischof von Przemysl K. Czechowhcz, in die russische Gefangenschaft geraten.

General paus plötzliche Heimreise.

Tiefgehende Meinungsverschiedenheiten im russischen Hauptquartier.

Br. Berlin, 27. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Bon der russischen Grenze wird der „Nationalzeitung" ge­meldet: General Pan hat plötzlich, für weiteste Kreise außerordentlich überraschend, die Heimreise wieder ange­treten. Vor seiner plötzlichen Abreise haben lang dauernde., anscheinend sehr erregte Konferenzen im Großen Haupt­quartier stattgefunden, an denen außer Pau der G r o tz - fürst Nikolai Rikolarjewitsch, General Rußki und eine größere Anzahl russischer Stabsoffiziere sowie der franzö­sische Botschafter in Petersburg teilnahmen. Auch ein Sondervertreter des Zaren wohnte den Ver-> Handlungen bei. Aus einem Gespräch des französischen Ge­nerals mit den französischen diplomatischen Vertreter in Petersburg geht hervor, daß der Großfürst eingehend die augenblickliche st rategische Lage darlegte und die Hoff­nung aussprach, daß die Deutschen in der stark befestigten Linie fe st geklemmt seien und langsam verbluten würden. Allem Anschein nach war General Pau anderer Meinung, so daß tiefgehende Meinungsverschiedenheiten ent­standen. Darauf hin reiste General Pau plötzlich über Rumä­nien nach Frankreich zurück.

Der „Wehrmann in Eisen".'

W. T--B. Wien, 27. März. (Nichtamtlich.) Die im Bereich der 25. Jnfanterietruppeir-Divifion durchgeführte Sammlung für die vom Witwen- und Waisenhilfsfonds der gesamten be­waffneten Macht eingeleitete Aktion, „Der Wehrmann in Eisen", hat das staunenswerte Ergebnis von 18 0 0 0 Kronen ergeben. Der Divisionskommandant, Erzherzog Peter Ferdinand, dankte den Truppen in einem Armeebefehl für das große, edle Werk der Nächstenliebe. Im Namen des ersten operierenden Armeekommandos, welches durch ein« Sammlung im kleinen Kreise für den „Wehr­mann in Eisen" 1000 Kronen aufbrachte, schlug Erzherzog Karl Albrecht gestern einen Nc^el in den Ritter. Auch m den Provinzhauptstädten ist eine ähnliche Aktion für den Witwen- und Waisenhilfsfonds eingeleitet worden.

§ür die hilfsbedürftigen Deutschen in Galizien und der Bukowina.

W. T.-B. Leipzig, 27. März. (Nichtamtlich.) Dem für Ke hilfsbedürftigen Deutschen Galiziens und der Bukowina hier gebildeten Ausschuß sind einige sehr fteundliche Gaben piMgangen. So bewilligten der Rat und die Stadt Mainz 2500 M., Straßburg und Mannheim je 500 M., Fürst Adolf zu Schaumburg-Lippe 1000 Kronen. Die Ober­präsidenten der Provinzen Ostpreußen und Posen sandten 1000 bezw. 500 M. Da die Not in den deutschen Dörfmm Gastzteus nach dem Bericht von Augenzeugen riesen­

groß und die zu lösende Aufgabe schier unendlich ist, sind noch große Mittel erforderlich, die jederzeit gern von der All­gemeinen Deutschen Kreditanstalt Leipzig entgegenge­nommen werden.

Die neue Stundungsverordnung für Galizien und die Bukowina.

W. T.-B. Wien, 27. März. (Nichtamtlich.) Heute wurde die neue Stundungsverordnung, bis Ende Mai gültig, für Galizien und die Bukowina veröffentlicht.

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Einstellung des Schulunterrichts in Serbien.

Br. Mailand, 27. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.- „Sera" meldet aus Nisch: Das serbische Unterrichtsministe­rium hat den Unterricht an allen Schulen eingestellt. Zu dieser Maßregel wurde das Ministerium durch den verheeren­den Ausbruch von Infektionskrankheiten ge­zwungen.

vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.

Oie Stärke des französischen Heeres.

Br. Amsterdam, 27. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) In einem von Reuter verbreiteten amtlichen Bericht über die französische Armee nach den ersten sechs Kriegsmonaten wird gesagt, daß die ftanzösische Armee jetzt 2i/ 2 Millionen an der Front und 1% Millionen in der Reserve zähle. Die Jn- fanteriekompagnien seien mindestens 200 Manin stark, in vielen Regimentern 250 oder mehr. Im Offizier­korps, besonders in den höheren Kommandostellen, sei eine Verjüngung eingetreten. Alles in allem seien die Offi­ziere, vom höchsten biS untersten Rang, äußerst glänzend zu nennen.

Der Arieg und die pariser Presse.

Auch ein Anzeichen des politischen Umschwungs in Frankreich.

Einen sehr verhängnisvollen Einfluß hat der Krieg, wie die „Tägl. Rundschau" schreibt, auf die Pariser Presse her­vorgerufen. Viele Pariser Zeitungen haben schon in den ersten Kriegswocken ihr Erscheinen eingestellt, darunter die „Lanterne", das „Evenement", der „Rapsel", die „Autorite" und der „Gil Blas". Die großen Nachrichtenblätter hoben den größten Teil ihrer Leser eingebüßt. Die Auflage des „Matin" ist von 800 000 aus 300000, die des „Journal" von 1 400 000 auf 500 000 h er abg esu nken, während die Verluste des „Petit Journal" und „Petit Parisien" weniger empfindlich sind. Der Rückgang der „Humanite" hängt mit dem jähen Tode ihres Gründers und HauptmitarbeitcrS zusammen. Bezeichnend für den politischen Gesinrrungsum- schwung, der sich zurzeit in Frankreich vollzieht, ist die Tat­sache, daß nur die konservativ - nationalistisch­monarchischen Zeitungen, wie „Echo de Paris", „Figaro" und „Gaulois", einen Zuwachs an Lesern zu verzeichnen haben; das erstgenannte dieser drei Blätter hat seine Leser­zahl versechsfacht und erscheint jetzt in einer Tagesauf­lage von 600 000 Exemplaren gegen bloß 100 000 vor dem Krieg.

Eine japanische Militiirkommiffion ans der Westfront.

Br. Amsterdam, 27. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) „Daily Chronicle" meldet, daß eine japanische Militärkom- mission am Donnerstag in B o u l o g n e, bestehend aus einem Dutzend Offiziere, die eine Fahrt längs der Westfront machen, eintraf. - In Boulogne - wurden sic von mehreren britischen Offizieren geführt. Auch ein russischer Offizier be­gleitete sie.

Die Zähl der Arbeitslosen in Paris.

Br. Genf, 27. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Wie der Deputierte Honorat in der gestrigen Kammeositzung her­vorhob, beträgt die Zahl der Arbeitslosen in Paris gegenwärtig 343 000 Mann.

*

von der belgischen Xküstengegend.

Immer noch Briefschmuggrl an der belgisch-holländischen Grenze.

Rotterdam, 25. März. Der Berichterstatter an der zee- ländisch-belgischen Grenze des „Nieuwen Rotterdamschen Courant" schreibt seinem Blatte: „In der Nacht von Mon­

tag auf Dienstag ist es zwei Personen gelungen, nach Über­windung unendlicher Schwierigkeiten durch die deutsche Linie durchzuschlüpfen. Sie waren im Besitz einer großen An­zahl Briefe, die sie für hiesige Familien mitgebracht hatten. Wie sie erzählten, herrschte im allgemeinen an den Küstenplätzen kein Mangel an Lebensmitteln, wenn auch alles mit Soldaten überfüllt ist. Die Bevölkerung hat sich mit den deuischen Soldaten ziemlich gut abgefirnden. In ihren Wohnorten können sie sich frei bis zum Abend bewegen, aber an das Meer oder on die Dünen kommen sie nicht heran; das wird jedem streng verweigert. Schaden ist bis jetzt wenig angerichtet. Wohl werden die Bewohner oft durch das Schießen auf Flugzeuge oder sonstige verdächtige Gegen­stände auf dem Meer aufgeschreckt, aber man gewöhnt sich langsam daran. In der Gegend ist ein stetiges Hin- und Herziehen von Soldaten. Früher wurde viel über die Be­schlagnahme von allerhand Sachen geklagt; in der letzten Zeit ist hierin jedoch eine Änderung eingetreten."

3um Wiederaufbau Löwens.

Eine Prändent-Wilfon-Straße.

Rotterdam, 25. März. Zum Wiederaufbau Löwens hat nach einem Bericht der „Tijd" die Gemeindeverwaltung eine Bekanntmachung erlassen, worin sie Gemeindearbei-, t e r für das Aufräumen und Fortschaffen der Trümmer zur Verfügung stellt. Der Arbeitslohn soll 2,50 Franken be­tragen und wird zur Hälfte durch die Gemeinde getragen. Um ihre große Dankbarkeit gegen die Vereinigten Staaten zu äußern, die der Bevölkerung Löwens und Belgiens überhaupr in ihrer Not zu Hilfe kamen, hat die Gemeindeverwaltung .-beschlossen, den hauptsächlichsten neu zu erbauenden Straßen die Namen Präsident-Wilson-Straße, Washingtonstratze und Vereinigte Staaten-Straße zu geben.

Line neue Landstratze in Belgien.

Eine neue große Landstratze wird jetzt von der Eisenbahn» strecke Aachen-Lüttich durch das Gelände der Gemeinden Vise, Mouland und Bevneau nach der Strecke auf Tongern zu angelegt. Sie wird den Weg von Aachen nach Brüssel und Ostende um mehrere Kilometer abkürzen. Die Zeitun­gen weisen darauf hin, daß über diese Landstraße zwischen der belgischen Regierung und der Provinz Lüttich jahrelang her­umgestritten wurde, während die deutsche Verwaltung so­fort die Wünsche der Bevölkerung in dankenswerter Weise erfüllt.

Die belgischen Flüchtlinge in England.

Die Zahl der belgischen Flüchtlinge in England wird in einem Londoner Brief des „Commercio do Porto" vom 11. März auf 180 000 berechnet, dazu kommen 18 000 belgische verwundete oder in Genesung befindliche Soldaten. Die Flüchtlinge setzen sich aus 65 000 Männern, 69 000 Fraueu und 46 000 Kindern unter 16 Jahren zusammen. Die Regie-- rung verweigert die Angabe der Anzahl von Flüchtlingen, die waffenfähig und in dienstpflichtigem Alter sind, sowie der seit Kriegsbeginu wieder an die Front abgegaugenen Ver­wundeten.

Dev Handelskrieg gegen England.

Wieder ein Zlugzeugangriff auf einen englischen Dampfer.

Br. Haag, 27. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Wie „Daily News" meldet, ist vor der Themsemündung der englische Dampfer „S h i d r i ch t" von 1800 Tonnen, der an­scheinend torpediert wurde, gestrandet. Der englische Dampfer „Nordhampton", der in der Themsernündung angekom­men ist, berichtet, daß er 30 Meilen westlich der Insel Wight durch ein deutsches Flugzeug angegriffen wurde, das den Danrpfer mit Stahlp feilen buchstäblich über­schüttete.

Für Wirkung des Unterseebootskrieges.

Der Marineberichterstatter der „Morning Post" vom 22. März findet es bemerkenswert, daß die Regierung, die sich zu Kriegsanfang init dem Schiffseignerverbande rn die Erstattung von Schiffsverlusten teilte ohne Prämien, jetzt aber sehr hohe berechnet. Das muß natürlich die Frachten und damit die Preise erhöhen. Die B-Boot-Mockade wirkt also genau so wie die Zerstörungsarbeit der deutschen Auslandskreuzer, wenn auch in kleinerem Maßstabe.

Einem Unterseeboot entronnen.

W- T.-B. London, 27. März. (Nichtamtlich.) Der Fisch- Kämpfer „A l b r e ch t" aus Boulogne kam gestern aus Dari- mouth hier an. Der Kapitän erzählte, er sei tags vorher 10 Meilen südöstlich vom Royal Sovereign-Leuchtschiff von einem Unterseeboot angegriffen worden. Das Tor­pedo ging in einer Entfernung von 10 Fuß an dem Fisch­dampfer vorüber. Der Angriff wurde einem britischen Patrouillenschiffe, das sich in der Nähe befand, ge­meldet. Als dieses an die Stelle kam, war das Unterseeboot verschwunden.

Explosion auf einem englischen Dampfer.

W- T.-B- London, 27. März. (Nichtamtlich.) Der bri­tische Dampfer „K i l l e l l a n", von Sunderland mit Kohle:» unterwegs, meldet, daß sich während der Überfahrt aus unbe­kannter Ursache eine Explosion im Schiffsraum ereig­nete, wodurch das Schiff stark beschädigt und zwei Mann der Besatzung verletzt wurden.

Strandgut an der Küste von Porthcawl.

\Y. T.-B. London, 27. März. (Nichtamtlich.) Die Küste von Porthcawl ist über eine Meile weit mit ange.- schwemmten Llfässern, leeren Biskuitkisten, Brotlaiben und Betten, wie sie von Mairosen benutzt werden, bedeckt. Man befürchtet, daß ein größeres Schiff verloren ging. Einige Llfässer tragen die Aufschrift: Croß, Cardiff.

Oie Streiks in den englischen Häfen.

W. T.-B. London, 27. März. (Nichtamtlich.) Der Londoner Hafenbehörde ist der Vorschlag gemacht wor­den, die Frage einer weiteren Lohnerhöhung für die Hafenarbeiter einem Schiedsgericht zu unterbreiten. Die Arbeiter beziehen bereits eine Kriegszulage von sechs Pence pro Dag. Die Haßen- behörde erklärte, sie könne nicht weiter gehen, sei aber bereit, die Frage einem Schiedsgericht vorzutragen, wenn die Regierung sich verpflichte, der Hafen- hehördc alle Auslagen, die aus einer eventuellen wen