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a Morgen-Seilage des Wiesbadener Tagblaltr. e_-„ »>

Nr 73.

Samstag. 27. Mar;.

1915.

(8. Fortsetzung.)

2ll§ sie gegen Morgengrauen ohne Unfall auf dein Landenhauberg mit ihren Warenhallen angekommen waren, hatte Wilmsen höhnisch über die Worte des alten Narren gelacht. Wer jetzt, da er älter wurde, fiel ihm die Warnung oft wieder ein, wenn er sich auch selbst verspottete.

Der Wagen ratterte über die breite Holzbrücke, welche Uber den schilfbestandenen Wurtgraben zum Hauberg führte. Der „Setzwirt", wie der Verwalter genannt wurde hatte das Nahen des Wilmsenschen Gefährtes schon bemerkt und stand harrend vor der Tür. Die Schimmel hielten, der Setzwirt eilte zum Wagen und -half dein alten Herrn beim Aussteigen.

<* ' ,<3 £$r in r öeu ® orten ' Grethenfraucke", wandte sich ' Herr Wilmsen an seine Enkelin und begab sich mit dem ^^hss^rns Haus, um Geschäftliches zu besprechen und die Wirtschaftsbücher zu prüfen, während der Kutscher die Pferde ausspannte.

Das Mädchen aber eilte in den schattigen Garten

Der Setzwirt, übrigens ein tüchtiger Landmanii. verteidigte immer wieder schroff die Behauptung, daß .er seine Leute für die Landwirtschaft brauche, und wenn man den Garten pflegen wolle, möge man einen , Gärtner damit beauftragen.

Auf den Wegen lag es voll welker Blätter und -dürrer Aste, Grethenfraucke ober waren diese Steige welche^ unter dem dichten Kroneudach geheimnisvolles' Dunkel füllte, viel lieber, als die sauber geharkten Wege des Freihauses, und gerade, wo das welke Laub sich häufte schritt sie uinher und freute sich über das Rascheln und Knacken.

Hier und da öffnete sich der kaum erkennbare Ein-

- gang eines Seltenpfades, in dem die Büsche von recht« und links sich mit zahllosen wilden Schößlingen be-

- rührten.

^spannt und ein wenig bang näherte sich Gl ethensraucke dem zugewachsenen Eingang der dusteren Lindenlaube. Dornröschen, Schneewittchen kamen ihr in den Sinn, und ihr Atem ging schneller, als sie die schlanken Zweige zur Seite bog und in die , Laube treten wollte.

... Das Holz der Bänke war feuchtschwarz, mit Moos überwachsen der Tisch neigte sich schräg zur Seite, am Boden wucherten breitfchirmige Pilze In einer der Lrnden ober, kaum in Brusthöhe, hatte ein kleiner Sommersänger sein Nest gebaut, und das Mädchen soh entzückt, daß vier eigelbgeränderte Schuäbelchen sich öffneten.

Grethenfraucke unterdrückte einen Ausruf freudig- » Ar Überraschung. Still, still, sie wollte die reizenden i Tiere nicht erschrecken uiid trat leise auf den Weg

zuruck.

Auf den Rasenflächen wucherte der Löwenzahn, der hatte und jetzt rings in kugeligem Wollkleids stand. Sw pflückte einen Stiel und blies, und wie entfesselte Ballons stoben die Federkrönchen mit der Friicht davon.

Dar adlige Keihauz.

Roman von Albert Petersen.

Nachdruck verboten.

- An den knorrigen Stämmen der alten Bäume klef. terte dunkelgrüner Efeu hinan. Am Boden blühten weiße Sternblumen. Grethenfraucke band sich einen Strauß und sah plötzlich, daß sie ganz vom Wege abge» kommen war. Drüben, hinter einem Stechpalmen- « ro M hell der Sonnenstrahl in das rings Herr- schende Halbdunkel. Ein erfrischend kühler Hauch ^hte. rauschender Schilf wiegte die dunkelbraunen Buschelkopfe.

Mühsam drang das Mädchen dilrch.das dichte Unter» Holz vor lurd befand sich schließlich am Groben, welcher die Wirrt rings umschloß. Weiße Mummeln hoben sich von her grünen Algenschicht ab, dann und wann hüpfte ein Frosch plumpsend ins Wasser. Am Grabenrand standen hohe Wasserhahneiifußpflanzen mit glänzend gelben Bruten.

Grethenfraucke beugte sich weit vor, um einige der, leuchtenden Blumen zu pflücken.

. Erficht, Fräul'n, nicht fallen", rief von der Femic wnserts des Grabens ein Mädchen, welches beim Mel­ken war.

Aber Grethenfraucke ließ sich nicht stören. Me Stengel waren so fest, so zäh, wollten sich gar nicht knacken kisien. Und die Kleine riß uud zerrte.

Plötzlich em Schrei. Sie war auf dem schrägen. glitAigen Boden ansgerutscht. Das Wasser spritzte aus.

Die Magd in der Fennen sah sich ratlos um.

Da lag eine lange Stange niit schweren: Eisen» haken, welche Uian bei Wassermangel brauchte, um die Eimer tref in den Sot hinabzulassen.

Sie ergriff die Stange, eilte zum Groben und stieß an der Stelle, wo die Kleine hinabgesunken sein mußte.

Wasser- Einmal, — noch einmal — schließlich suhlte sie Widerstand — und endlich, nach verschiedenen vergeblichen Versuchen, zog sie mühsam das triefende ohnmächtige Kind an dem Grabenrand cinpor.

„Hallo — Peter — Karsten —"

Knechte rannten herbei.

„Niete, du Schaf, was fischst dr: mit dem Haken, konntest du nicht so lange warten, bis der Körper wie­der hochkam , rief ein Knecht uud zeigte auf die Ge- rettete.

Die Magd starrte ratlos auf.das Kind, dessen Ge- sicht von denk Eiseuhaken an mehreren Stellen getroffen war und stark blutete.

,, -Jetzt kamen auch der alte Herr uud der Setzwirt erleud herbei. Mau trug Grethenfraucke ins Haus .itnd wusch die klaffende Wunde und legte dem leise wimmernden Kind einen Notverbaud am Klirze Zeit darauf jagte der Wagen mit schäumenden Pferden nach Gardby zurück.

Der alte Herr hielt seine Enkelin zärtlich im Arm und sprach ihr zärtlich tröstend zu.

Lorenz Waldsen Wilmsen ließ die Schimmel vor den: Kaufhaus am Zingel halten. Er kannte ja sein« Schwiegertochter, sie, würde ihr Kind unter diesen Um- standen nicht im Frevhause lassen.