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Verlag Langgaffe 21

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Samstag. 27. März 1915 .

klbend-Ausgabe.

Nr. 146. ♦ 63. Jahrgang.

Der Krieg.

vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.

feindliche Flieger über Metz.

W. T.-B. Metz, 26. März. (Nichtamtlich.) Amtlicherseits wird mitgeteilt: Über Metz erschienen heute mittag mehrere feindliche Flieger, die einige Bomben auf den südlichen S t a d t t e i l warfen, danm aber durch Artilleriefeuer ver­trieben wurden. Drei Soldaten wurden tödlich ge­troffen. Sachschaden wurde nicht angerichtet.

Die Nämpse in den Vogesen.

Zürich, 26. März. Im Elsaß wird, Basler Berichten zufolge, mit wechselndem Erfolg um den HartmannS- weilerkopf gekämpft. Die Franzosen bringen Ver­stärkungen aus dem St. Amarintal herbei, um die wichtige Höhe wieder in ihren Besitz zu bringen. Am Mitt­woch war die Höhe in französischem Besitz, am Donnerstag wurde sie ihnen in einem Nachtgefecht wieder entrissen, über MO französische Alpenjäger wurden dabei gefangen genommen.

Die französischen Fliegerangriffe auf das Gberelsatz.

Weiteren Schweizer Berichten zufolge überflogen am Donnerstagmorgen französische Flieger auch die unterelsässi- scken Städte Saarburg, Hagenau und Z a b e r n. Französische Flieger erschienen auch über Bade n - Oes. wahrscheinlich, um die dortige Zeppelinhalle zu bewerfen, doch konnte die Absicht nicht ausgeführt werden. Ein aus sechs Fliegern bestehendes Geschwader überflog Rastatt und dann in südlicher Richtung den Schwarzwald

Br. Basel, 27. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Nach hier eingegangenen Mitteilungen wurden am Donnerstag­nachmittag >tcht Flieger über Mülhausen gesichtet. Als die Flieger über B r u n st a t t kreisten, fielen die ersten Schüffe von Mülhausen, worauf ein heftiges Feuer auf die Flieger eröffnet wurde, die keine Bomben abwarfen, son­dern weiterflogen und bald über Colmar und Schlett- st a d t erschienen. ?lber auch dort war man gerüstet. Infolge des wiederholten Fliegerbesuches ist die Stimmung der elsässischen Bevölkerung u m g e s ch l a g e n. Ein Elsässer er­zählt, daß die Sympathien fiir Frankreich merklich schwächer geworden sind; selbst in Kreisen, die sonst fiir Frankreick, schwärmten, verurteile man deis Vorgehen der französischen Flieger, die offene Städte und Dörfer beschießen.

Line wirkungsvolle deutsche Bombe auf Pont-L-Monffon.

W. T.-B. Paris, 26. März. (Nichtamtlich.) Der „Temps" meldet: Eine von einem deutschen Flugzeug auf Pont- s - M o u s s o n berabgeworfene Bombe richtete großen S ch a d e n an. An der St.-Laurent-Kirche sprangen sämtliche Fenster, auch das Mauerwerk soll gelitten haben. Verletzt wurde niemand.

Der französische Tagesbericht.

W. T.-B. Paris, 26. März. (Nichtamtlich) Nachmittags $ Uhr wurde amtlich bekanntgegeben: Der 25. März war auf dem größten Teil der Front ruhig. Es herrschte fast unun­terbrochen Regen. Zwischen Maas und Mosel wurden An­griffsversuche des Feindes sofort mühelos zurückgeworfen, und zwar zwei im Walde von Consenvoye und im Walde von C a u r e s, nördlich Verdun, drei bei E p a r g e s und zwei im Priesterwaldc.

Die rrämpfe bei St. Ekoi 30 Stunden ununterbrochen.

Berlin, 27. März. (Ktr. Bln.) Nach einem in der »Times" veröffentlichten Brief aus Frankreich hätten die deutschen Bataillone nahe St. Eloi 30 Stunden ununterbrochen gekämpft. Dann sei ein zweistündiger Waffenstillstand ge­schloffen worden, um die Verwundeten auszulesen.

Die ungeheueren englischen Offiziersverluste von Neuvc Ehapelle und St. Eloi.

Bon der schweizerischen Grenze, 26. März. (K. Z.) Durch die achte Liste der O f s i z i e r v e r l u st e in den Kämpfen bet Neuve Ehapelle und St. Eloi ist nun die Zahl 1000 überschritten. Die „Daily News" behauptet, die Mannschaftsverluste seien diesmal nicht in dem üblichen Ver­hältnis 1 : 55 zu berechnen, sondern überraschenderweise etwas niedriger.

Lngliiäie Anerkennung der deutschen Tapferkeit.

Der Augenzeuge beim britischen Hauptguartier in Frankreich schreibt unterm 23.: Die deutschen Offiziere be­kundeten einen ganz rücksichtslosen Mut. Häufig forderton ffe den Tod geradezu heraus, indem ste vor­ausritten, um den Angriff bis auf einige hundert Schritt innerhÄL unserer Linien zu leiten; keiner, der sich in dieser Weise russetzte, ist entkommen. Ein Jäger, der ein Maschinengewehr bediente, hielt seine Waffe in Tätigkeit, so lange unser ftlrtilleriefeuer währte; als darauf unsere Mannschaften a? 1 ihn zustürzten, erwartete er den Tod ruhig auf der'"'rustwehr des Grabens stehend, wobei er seinen Revolver al sie abfeuerte.

Die Zeppelinfurcht in Paris.

Genf, 26. März. (H. C.) Die ftanzösifche Preffe setzt ihre heftigen Angriffe gegen die verantwortlichen Stellen fort, welche Paris so ungettügend gegen den Zeppelinangriff zu schützen wußten. Es sei zunächst demütigend, daß der­artige Angriffe überhaupt möglich seien, und daß man in Frankreich nicht eine Flotte lenkbarer Luftkreuzer besätze, die logischerweise sich diesen Luftpiraten entgegen stellen sollte. Sodann sei es traurig, daß die Regierung das Ereig­nis und dessen Folgen mit Stillschweigen umgehen wollte, wodurch das Vertrauen der Bevölkerung erschüttert und allen möglichen Gerüchten Tor und Tür geöffnet werde. — Maurice Barres schäumt vor Wut über, die deutsche Luft­flotte in solchem Maße erfolgreich zu sehen. Er fordert die Regierung und die Nation auf, in sich zu gehen, eine sorg­fältige Prüfung ihrer Methoden vorzunehmen und ihre große Schuld zu bekennen. Er begnügt sich nicht damit, daß mar Zeppelinangriffe verhindern sollte, sein Traum ist es, einen dieser großen Kadaver auf Frankreichs Boden niederge­schlagen zu sehen. — Mil bitterer Ironie faßt Clemenceau die Lage auf. Er wirft der Artillerie vor, viel und laut ge­schaffen, aber trotz der vorzüglichen Zielscheibe nicht getroffen zu haben, und den Pariser Fliegern, nicht ihre Pflicht getan zu haben.

Lin neuer völkerrechtsbruch der Franzosen.

Br. Berlin, 27. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Wie die gestrige Verlustliste des „Reichsanzeigers" mitteilt, sind der Leutnant d. R. Bernhard L a m m e r s und der Vizefeld­webel Hans Stiller, beide von der l. Kompagnie des Königin-Augusta-Garde-Grenadier-Regiments, am 14. Sept. v. I. in französische Gefangenschaft geraten und völkerrechts- fvidrig erschossen worden.

3ur Einberufung der 78jährigen in Frankreich.

Die Borsichtsmaßregeln der Kammer.

W. T.-B. Lyon, 26. März. (Nichtamtlich.) „Nouvelliste" meldet aus Parts: Die Gruppe der geeinigten Sozialisten in der Kammer nahm eine Tagesordnung an. in welcher de: Wunsch ausgesprochen !vird, daß vor der Einberufung de-' neuen jugendlichen Altersklassen eine genaue Aufftellung aller bisher einberufenen Altersklaffen und aller Verluste gemacht werde, ferner sofort die Zählung, ärztliche Untersuchung und Verwendung in der Front aller diensttauglichen Mannschaften durchgeführt werde, die augenblicklich in Depots und anderen Dienstzweigen der Heeresverwaltung hinter der Front be­schäftigt sind und durch Hilfstruppen oder Mannschaften älterer Jahresflassen ersetzt Iverden können. Zur Vermeidung von Mißbräuchen sollen diese Maßnahmen unter K ö n t r o l le des Parlaments durchgeführt werden. Endlich müffe in. dem Augenblick, in dem das Parlament die Einberufung der Jahresklaffe 1917 für notwendig -erachte, Vorsorge ge­troffen werden, daß die Auswahl der tauglich befiindenei- Marm-sckasten mit äußerster Vorsicht getroffen werde — Bei der Erörterung de§ Gesetzentwurfs über die Einbe­rufung der Iabresflasie 1917 lehnte der Heerescrusschuß der Kammer einen Gegenantrag ab, wonach die Einberufung erst erfolgen solle, nachdem alle in Depots und in Sektionen be­findlichen Mannschaften an der Front verwendet worden wären. Der Heeresausschuß tritt nochmals, zur Erörterung des Gesetzentwurfes zusammen.

weitere französische kriegsschatzscheine.

DaS französische Kriegskreuz.

W. T--B. Paris, 27. März. (Nichtamtlich.) Der Senat nahm den Gesetzentwurf, betreffend Erhöhung des Ausgabebetrag-es der Schatzscheine auf 4V 2 Milliarden, an. Finanzminister R i b o t legte in der Debatte die Finanz­lage Frankreichs dar und erklärte, Frankreich werde alle Aus­gaben, so schwer sie auch seien, zu bestreiten wissen und an der nationalen Verteidigung nicht knausern. Ribot schloß mit der Versicherung des Vertrauens in den endlichen Sieg. Der Senat nahm ferner nach einer Rede Millerands den Gesetzentwurf auf Einführung eines Kriegskreuzes an, welches bereits von der Kammer angenommen wurde. Das Kriegskreuz soll bekanntlich Offizieren und Mannschaften verliehen werden, welche im Tagesbefehl des Heeres oder der Marine erwähnt werden.

Wo die französische Vorbereitung versagt hat.

Der ftanzösifche Mobilisierumgsplan sowie der Plan der Truppenzusammenziehungen, sagt General Cherfils im „Echo de Paris" vom 19. Mürz, seien ausgezeichnet vor­bereitet gewesen. Dies verdanke man dem Goneralstab. W- geseben hiervon sei aber nichts vorgesehen gewesene In Frankreich, dem Lande der Anarchie, wo die Minister einer über den andern stürzen wie ein cmfgebautes Karten­baus, sei eine Unstimmigkeit geblieben, welche die schlecht in Ordnung gebrachten Räder in einer schlecht aufgestellten Maschine erknirschen lasse. Namentlich sei nicht oder nicht ausreichend für den Offizierersatz vorgesorgt worden. Ein besonderer Mangel herrsche au Unterleutnants bei allen Regimentern, hauptsächlich bei der Infanterie.

Die französischen „Kriegskinder."

Paris, 26. März. (Ktr. Frkft.) Der Minister des Innern hat in der Budaetkommission der Kammer mitgeteilt, daß das Ministerium sich mit der Zukunft der sogenannten Kriegs­kinder, das heißt derjenigen im okkupierten Gebiet zur Welt gekommenen Kinder, deren Vaterschaft deutschen Sol­

daten zugeschrieben wird, beschäftigt habe. Der Minister ist der Meinung, den Unterhalt, die Pflege unld Erziehung dieser Kinder auf Kosten des Staates zu übernehmen, damit ste außerhalb ihrer Heimatsgemeinde in Unkenntnis ihres Ursprungs aufwachfen können. (Franks. Ztg.)

Der König von Sachsen im Felde.

Aus Lambersart wird gemeldet: Ter König von Sachsen begrüßte Abordnungen von Truppenteilen des 19. Armeekorps und verlieh mehreren Offiziereit und vielen Mannschaften zur Anerkennung für den Sturm auf die L'orettohöhe ünd den Kampf bei Neuve Ehapelle Auszeichnungen. Nachmittags sprach der König beim Oberkommando der sächsi­schen Armee und beim Kronprinzen von Bayern vor. Ein Grab bei Lille von Unteroffizieren und Soldaten der Regimenter 139 und 181, das durch ein Denkmal des 139. Re­giments aus schivarzem Stein würdig geschmückt ist, erregte des Königs teilnahmsvolles Interesse. Später wurde ein Stützpunkt des Gouvernements Lille im Süden der Fesfirng sowie ein Genesungsheim für sächsische Soldaten im Schloß G e n e ch in Augenschein genommen. Die Nacht zum Donners­tag verbracbte der König im Korps-Hauptquartier des Gene­rals der Kavallerie v. L a f f e r t.

Oer Handelskrieg gegen England.

Lin weiterer Dampfer versenkt.

Der Fliegerangriff auf einen Frachtdampfer.

W. T.-B. London, 26. März. (Nichtamtlich) Das Reuter- sche Bureau meldet: Das Schiff „Delmira", auf der Fahrt nach Boulogne begriffen, wurde durch ei» deutsches Untersee­boot zum Sinken gebracht. Die Bemannung erhielt zehn Minuten Zeit, um das Schiff zu verlaffcn, und landete bei der Fnfrl Wight.

Über den Angriff eines deutschen Fliegers auf den Dampfer „P a n d i o n" am 22. März wird noch bekannt: Der ..Pandion" fuhr von Rotterdam nach Manchester. Die erste Bombe wurde aus einer Höhe von 500 Fuß geworfen und -chlug die L o g g-l eine weg. Es wurden darauf zwei Feuer- steile gegen den Aeroplan gerichtet, der wcgflog, aber bald zu- cückkehrte und dann aus 1900 Fuß Höhe 6 Bomben abwarf, die nahe dem Schiff itts Wasser fielen. Der Kapitän feuerte ein Gewehr gegen das Flugzeug ab und daraufhin flog dieses weg.

Noch ein englisches Handelsschiff von einem Flugzeug angegriffen.

Br. Amsterdam, 27. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) ..Dailv News" meldet: Das englisch: Handelsschiff „T i al", das gestern in London ankam, berichtet: Am Donnerstag hat ein mit zwei Personen besetztes Flugzeug das Schiffdreißig Meilen von der holländischen Küste aus 200 Fuß Höhe % Stunden lang angegriffen. Die Flieger warfen vier Bomben und eröfsneten daraus Maschin-engewehr­feuer auf das Schiff. Auch Stahlpfeile wurden ge­worfen. Die Bemannung erzählt, daß die Taube von einem Schlepper aus aufgestiegen sei und daß zwischen diesem Fahr­zeug und den Fliegern Signale gewechselt wurden.

Zum Fall der „Medea".

Bon der holländischen Grenze, 26. März. Aus dem Haag wird berichtet, daß heute nachmittag 1 Uhr ein besonderer M i n i st e r r a t über die Behauptung der brittschen Admirali­tät, der niederländische Dampfer „Mede a" sei von einem deutschen Tauchboot torpediert worden, beraten hat.

Line holländische Bitte in Berlin.

YV. T.-B. Haag, 26. März. (Nichtamtlich) Halbamtlich wird gemeldet, daß die niederländische Regierung ihren Ge­sandten in Berlin beauftragt habe, bei der deutschen Regierung um Aufklärung über die Beschießung des niederländischen Handelsschiffes „Z c v e nb e r g e n" durch ein deutsches Flugzeug zu ersuchen und die Anstellung einer amt­lichen Untersuchung zu beantragen.

Wieder eine tägliche Dampserberbindung Englands mit Holland.

Bon der holländischen Grenze, 26. März. (K. Z.) Die Ge­sellschaft Z e ela n d teilt den Blättern mit, daß ihre Dampfen unter den auch für andere Reisen für den Personenverkehr geltenden Ausschließungsbedingungen von nun an auch Sams­tags von Vlissingen und Sonntags von London-Tilbury ab­fahren -werden, so daß wieder eine tägliche Verbindung mit England für den ausschließlichen Verkehr von Personen und Post zustande gekommen ist.

Zwei schwedische Dampfer von den Engländern beschlagnahmt.

W. T.-B. London, 26. März. (Nichtamtlich. Reuter) Die schwedischen Dampfer „Vera" und „Jeanne", die mit einer Reisladung Glasgow anliefen, wurden von den britischen Zollbehörden beschlagnahmt. Angeblich hätten sie für schwedische Häfen bestimmte Ladungen von einem Dampfer bei Vigo empfaitgen.

England sucht in Amerika eine Anleihe von 700 Millionen Dollar.

W. T.-B. Kopenhagen, 27. März. (Nichtamtlich.) „National Tidende" meldet aus New Dork: England sircht zurzeit eine Anleihe von 100 Millionen Dollar in Amerika zur Bezah­lung von Kricgsbedürfnissen aufzunchmen.