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$reitog, 26. März 1915.
Kbend-Ausgabe.
Nr. 144. ♦ 63. Jahrgang.
Oer Krieg.
Der Tagesbericht vom 26. März. Abweisung französischer Angriffe auf den Maashöhen. — Russische Angriffe bei Augustow zurvckgeschlagen.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 26. März. (Amtlich.)
westlicher Rriegsschauplay.
Auf den Maashöhen, südöstlich von B e r d u n, versuchten die Franzosen bei C o m b r c S erneut in einem st a r k e n Angriff sich unserer Stellung zu bemächtigen» wurden aber nach hartnäckigem Kampfe zurückgeworsen.
Die Gefechte auf dem Hartmannsweiler Kops dauern noch an.
Destlicher Kriegsschauplatz.
Russische Angriffe auf die Seecngtn östlich von • Augustow» wurden abgeschlagen.
Oberste Heeresleitung.
Noch einmal Ursprung und 3iel des Krieges.
Eine deutschamtliche Abfertigung Greys.
W. T.-B. Berlin, > 26. März. (Nichtamtlich.) Die „Nordd. Allg. Ztg." bemerkt zu der Rede, die Sir Edward Grey vor einigen Tagen über den Ursprung des Krieges gehalten hat: Die Rede liegt im Wortlaut noch nicht vor, schon die übermittelten telegraphischen Auszüge aber lassen erkennen, daß der Minister sich einer Sprache bediente, die seinem guten Geschmack w e n i g E h r e macht, und die ganz der Tonart ent» spricht, in welcher auch andere englische Minister nach Ausbruch des Krieges die schlechte Sache durch hochtönende Worte zu verteidigen suchten. Es darf nur daran erinnert werden, daß der englische Premierminister die loyalen Vorschläge der deutschen Regierung, die bezweckten, einen Krieg zwischen den beiden stammverwandten Völkern Deutschland und England zu v e r m c i d e n, als infamous pro- posals (niederträchtige Vorschläge) zu kennzeichnen, sich nichts scheute. Grey behauptete, daß der Krieg durch die Zurückweisung des englischen Vorschlags entstanden sei, den Streitfall zwischen Österreich und Serbien einer Konferenz der Mächte zu unterbreiten oder vor das Haager Schiedsgericht zu bringen. Soviel Worte, soviel Entstellungen. Den Konferenzvorschlag lehnte Deutschland ab, weil es sich um eine nur die beiden beteiligten Staaten berührende Angelegenheit handelte und weil es mit der Würde des österreichisch-ungarischen Bundesgenossen u n v e r - e i n b a r war, Maßnahmen, wie er für die Abwehr der verbrecherischen Übergriffe des kleinen Nachbarstaates notwendig fand, Iwn dem Placet anderer, -dabei nicht beteiligter Großmächte abhängig zu nmchen. Grey selbst sprach es in einer Unterredung mit dein Fürsten Lichnowsky am 24. Juli aus, daß, solange das österreichische Ultimatum an Serbien nicht zu Reibungen zwischen Rußland und Österreich führe, ihn die Sache nicht berühre. (Englisches Blaubirch Nr. 11.) Außerdem hätte Deutschland, wenn es den Konf-erenz- gedanken Greys aufnahm, sich der Gefahr ausgesetzt, sich plötzlich einer erdrückenden Übermacht an seiner Ost grenze gegenüber zu scheu. Der englische Konf-erenzvorschlag stammt vom 26. Juli (Englisches Blaubuch Nr. 36). Aus dem Telegramm des Zaren an den Kaiser vom 30. Juli geht aber hervor, daß Rußland bereits am 2 5. Juli seine militärischen Maßnahmen -beschlossen hatte. Die Beratungen der Konferenz wären damit unter dem Drucke der russischen Mobilmachung vor sich gegangen. Als sich infolge Einmischung Rußlands, das durch seine diplomatischen Vertreter wie die offiziellen panslawisti- schen Agenten_ zu der rein provokatorischen Haltung Serbiens gegen Österreich-Ungarn geführt hatte, was der englischen Regierung sehr Wohl bekannt ist, die Angelegenheit tatsächlich zu einem Konflikt zwischen Österreich und Rußland auszuwachsen drohte, suchte die deutsche Regierung mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln eine direkte Verständigung zwischen Rußland und Österreich- Ungarn herbeiznsuhren. Grey selbst bezeichnete dem deutschen Botschafter am 29. Juli eine solche Verständigung zwischen Österreich und Rußland als die denkbar beste Lösung (Englisches Blaubirch Nr. 84). Er trug aber in keiner Weise zur Förderung dieser direkten Verständigung bei, er tat vielmehr an demselben Tage den verhängnisvollen Schritt, dem französischen Botschafter zu verstehen zu geben, daß im Falle eines europäischen Krieges England sich auf die Seite der Ententemächte stellen würde (Eng- Üsches Btaubuch Nr. 87). Damit schüttete Grey Öl in
die Flammen. Am 31. Juli mobilisierte Rußland seine gesamte Streitkraft und bereitete damit dem direkten Meinungsaustausch, der dank der angestrengten Bemühungen und energischen Vorstellungen Deutschlands in Petersburg und Wien tatsächlich eingeleitet worden war, ein jähes Ende. Durch diesen Schritt Rußlands rvar die Mobilisierung der deutschen Armee und damit der Krieg unvermeidlich geworden, denn Jbic deutsche Heeresleitung konnte Rußland nicht Zeit lasten, seine überwiegenden Streitkräfte an seiner Ostgrenze zu versamrneln.
Die einzige Möglichkeit, den Krieg zu vermeiden, bestand in der Einstellung der russischen Mobilmachungsmaßnahmen, wie sie Deutschland in seinem Ultimatum an Rußland gefordert hat. Die russische Regierung hatte die Forderung abgelehnt. Es ist bezeichnend, daß Grey diese Tatsache wie die Tatsache der Mobilmachung der gesamten russischen Armee in seiner Rede überhaupt nicht erwähnt. Das gibt einen Anhaltspunkt für den historischen Wert auch seiner weiteren Darlegungen.
Der Minister hat ferner ausgeführt, England habe Deutschland wiederholt die Versicherung gegeben, daß es keinen Angriff auf das Deutsche Reich unterstützen werde, daß es aber abgelehnt habe, zu versprechen, im Falle eines aggressiven Vorgehens Deutschlands gegen seine Nachbarn neutral zu -bleiben. Welchen Wo r t diese Versicherungen Englands haben, ergibt sein Eingreifen in den gegenwärtigen Krieg, trotz der weitgehenden Erklärungen, welche die deutsche Regierung bezüglich Frankreichs und Belgiens in London für den Fall abgegeben hat, daß -der Krieg nrit Rußland nicht zu vermeiden sein würde. Die Erklärungen taten un zweideutiger weise kund, daß Deutschland aggressive Absichten gegen Frankreich und Belgien durchaus fernlagcn. Der englischen Regierung aber war die Erklärung u n b e- quem und unerwünscht und sie behandelte sie daher als „inkamons proposals". Von deutscher Seite ist überdies n i e an England -das Ansinnen gestellt worden, wie Grey behauptet, auch im Falle eines deutschen Aggressiv-Krieges neutral zu bleiben. Grey hat vielmehr die langjährigen Bemühungen der -deutschen Regierung, mit England zu einer Verständigung zu gelangen und die Gefahr eines kriegerischen Konfliktes zwischen beiden Ländern auszuschließen, weil es für sie nur ein Ziel gibt, die sogenannte „A-ufrechterhaltu-ng des Gleichgewichts der Kräfte", stets zurückgewiesen, das heißt mit anderen Worten, die Niederhaltung Deutschlands durch die russisch-französisch-englische Koalition gewollt. Zu diesem ZwÄe traf England geheime politische und militärische Abmachungen mit Frankreich tmb Rußland, deren Bestehen die englischen Minister vor dem englischen Parlament immer ab geleugnet haben und die erweisen, welch weitgehende Vorbereitungen England mit seinen Bundesgenossen für den jetzigen Vernichtungskrieg gegen Deutschland getroffen hat. Die Abmachungen, deren Vorhandensein der deutschen Regierung bekannt war, sind der Grund für die immer steigenden Rüstungen zu Lande und zu Wasser gewesen, wozu Deutschland in den letzten Jahren gezwungen gewesen war. Die deutschen Maßnahmen bezweckten die A b w e h r des d r o h e n -d e n A n - arifss und nicht einen Angriffskrieg, wie Grey angesichts der Tatsache zu behaupten -wagt, daß Deutschland und Österreich-Ungarn die einzigen Großmächte sind, die in 44 Jahren nicht zum Schwert gegriffen -haben.
Was die Ausführungen Greys iiber Belgien betrifft, so sei n o ch m a l s festgestellt, daß D e u t s ch- l a n d der englischen Regierung die Integrität Belgiens garantierte und daß Grey die Frage des Fürsten Lichnowsky verneinte, ob England neutral bleiben werde, falls Deutschland die belgische Neutralität respektiere. Wenn Belgien in einen Krieg hineingezogen wurde, so trägt hierfür die Verantwortung einzig und allein Grey, der die belgische Regierung aussorderte, sich dem Einmarsch der deutschen Truppen zu widersetzen (Eng- lisches Blaubnch Nr. 155), während der König der Belgier lediglich um eine. diplomatische Intervention zur Sicherung der belgischen Integrität bat (Englisches Blaubuch Nr. 153). Der englischen Regierung, von der es dann militärisch ganz u n- zureichend unterstützt wurde, sowie der Haltung seiner Bevölkerung, die den deutschen Truppen mit bewaffneter Hand entgegentrat und die furchtbarsten Greuel selbst an deutschen Verwundeten verübte, hat Belgien sein Schicksal zu verdanken. An England, nicht an Deutschland, werden sich einmal die Geschädigten zu halten haben. Grey behauptet, DeuffGaud erstrebe die H«rschaff über die Völker
des Kontinents, um -diesen nicht die Freiheit, sondern die Dienstbarkeit unter Deutschland zu bringen. Das deutsche Volk kämpft um zw ei Dinge, einmal um den ihn: aufgezwnngenen Verteidigungskampf zur Erhaltung seiner Unabhängigkeit und gegen die ihm von England angedrohte Vernichtung; es kämpft aber auch um ein ideales Ziel im Interesse der ganzen Welt, es kämpft um die Freiheit der Meere, es kämpft um die Befreiung aller' Völker, insbesondere aber -auch der kleinen und schwachen Staaten von der Ge w a l t h e r r s ch a f t der englischen Flotte.
Oer Unterseebootskrieg.
Deutsche Zliegerwacht über dem «anal.
Der englische Flaggenbrtrug.
Berlin, 26. März. (Ktr. Bln.) Der in Portsmouth ange- larigte Dampfer „Black Fron" berichtet, im Kanal vier anscheinend den Kreuzerdienst versehenden deutschen Flugzeugen begegnet zu sein. Der Dampfer hißte die norwegische Flagge und blieb unbelästigt.
Englische Mißachtung der neutralen argentinischen Flagge.
Sr. Kopenhagen, 26. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Reuter meldet, daß der Dampfer Stroms a", der unter argentinischer Flagge vom La Plata nach Norwegen mit einer Ladung Leinsamen unterwegs war, gestern noch Queen st o w n gebracht wurde. Der Dampfer wurde an der Westküste Irlands von einem englischen Kreuzer angehalten. In Queenstawn kam eine militärische Wache an Bord, die vier Mann der Besatzung, die Deutsche sinh, v e r h a s. t e t e und an Land brachte.
Tic Begegnung der „Botnia" mit „U 29".
B*. (Kristiania, 26. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Die Reederei des Danrpfers „B o t n i a“ in Bergen hat von dem Kapitän Christensen einen Brief folgenden Inhalts erhalten: 20 Minuten nördlich Casquets Rocks wurde ein englisches Transportschiff, das drei Minuten der „Botnia" voraus war, von einem deutschen Unterseeboot torpediert. Ms der Dampfer versenkt war, steuerte das „I7-Boot" auf uns zu und signalisierte „beilegen". Es zeigte sich „II 29". Sein Kapitän Weddigen bat mich, die englische Mannschaft mitzunehmen. Sie wurde, 28 Matrosen stark, in Brix-Ham gelandet." Der torpedierte Cardiff- dampfer war, wie gemeldet, die „A d i w e n".
Ein holländisches Schiff versenkt?
Be. Amsterdam, 26. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Nach der „B. Z." meldet der Lloyd: Der holländische Dampfer „Medea" wurde gestern morgen von dem Unterseeboot „U 28" etwa 12 Meilen seitlich von Beachyhead. versenkt Den Mannschaffen wurde fünf Minuten Zeit gelassen, das Schiff zu verlassen. Sie wurden von einem britischen Kreuzer ausgenommen. „Medea" gehörte der Königlich holländischen Schiffahrtsgesellschaft und war von Saloniki nach London unterwegs.
Eine deutschfeindliche holländische Erzählung und ihre Richtigstellung.
W. T.-B. Amsterdam, 26. März. (Nichtamtlich.) Ein hiesiges Blatt hatte aus Missingen gemeldet, daß am Dienstagmorgen 9 Meilen nordwestlich von West-Capelle aus den nach England abführenden Postdampser „Mecklenburg" dreimal geschossen worden sei. ES sei dieses von einem bewaffneten Fischdampfer, der keine Flagge und keine Kennzeichen geführt habe und der von Seebrügge gekommen sei, geschehen. Der Postdampser hätte infolge seiner größeren Geschwindigkeit entkommen können. Hierzn teilt die Dampfergesellschaft Zeelanb mit. daß allerdings auf den Dampfer „Mecklenburg" geschossen worden sei, es sei aber ganz unsicher, wer die Schüsse gelöst habe. Man hätte infolge des Wetters nichts unterscheiden können. Da ein Wasserflugzeug sich in der Nähe befunden hätte, so sei cs möglich, daß die Schüsse diesem gegolten hätten. An Bord des „Mecklenburg" sei weder wahrzunehmen gewesen, wer die Schüsse gelöst habe, noch daß sie von einem Fischdampfer aus Seebrüggc herrührten.
Zur Aufbringung des holländischen Dampfers „Zaanstrom".
W. T.-B. Amsterdam, 26. März. (Nichtamtlich) Die holländische Damvsergesellschaft erhielt ein Telegramm des Kapitäns des aufgebrachten Dampfers „Zaanstrom", in welchem dieser mitteilt, daß das Schiff nicht beschlagnahmt, sondern vorläufig nur aufgebracht worden sei. Der Beschluß des Prisengerichts sei abzuwarten.
Oie Ieppelinfurcht in London.
Nr. Wien, 26. März. (Eig. Drahibericht. Ktr. Bln.) Ein aus englischer Gefangenschaft Zurückgekehrter erzählt, daß auif dem Dach des Königspalaftes in London ein Metallgerüst errichtet sei, aus dem ein elastisches Drahtnetz zum Schutz gegen Fliegerbomben ruht. Viele Häuser reicher Londoner sind mit Kupferplatten eingedeckt worden. Die Wohnungen in den oberen Stockwerken stehen leer, alles will im Erdgeschoß wohnen, um rasch in die Keller Lik entkommen.
