Verlag Langgasse 21
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Donnerstag» 23. März 1915.
Morgen - Kusgabe.
Nr. 141. » 63. Jahrgang.
Der Urreg.
Der Tagesbericht vom 24. März.
Neue Kämpfe in ven Vogesen. — 20 russische Offiziere und 3000 Mann gefangen, drei Geschütze und 8 Maschinengewehre erbeutet.
W.T.-B. Großes Hauptquartier, 24. März. (Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
In der C h a m p a gu e fanden nur Artilleriekämpfe statt.
Im P r i e st e r w a l d e, nordwestlich von Pont-ä- Mousson, wurde der Feind, der uns einen Geländegewinn streitig zu machen versuchte, zurück- geworfen.
Erneute feindliche Angriffe nordöstlich von Badonviller und vom Reichsack er köpf brachen in unserem Feuer zusammen. Am Hart- mannsweilerkopf wird zurzeit wieder g e - kämpft.
Westlicher Kriegsschauplatz.
Unsere nördlich von Memel verfolgenden Truppen machten bei P o l a n g e n 500 Russen zu Gefangenen, erbeuteten drei Geschütze und drei Maschinengewehre und jagten dem Feind viel geraubtes Vieh, Pferde und sonstiges Gut ab.
Bei Laugyzarbcn, südwestlich von Tau- ro g g en und nordöstlrch von Mariampol, wurden russische Angriffe unter schweren Verlusten für den Feind abgeschlagen.
Nordwestlich von Ostrolenka scheiterten mehrere russische Angriffe. Hier nahmen wir dem Feind 20 Offiziere, 2500 Mann und 5 Maschinengewehre ab.
Auch östlich von P l o c z k mißlangen mehrere fein-- lichc Vorstöße.
Das deutsche Heer zollt herzlichen Dank der tapferen Besatzung von Przemysl, die nach vier opfervollen Monaten der Verteidigung nur der Hunger niederzwingen konnte.
Oberste Heeresleitung.
Mitwirkung unserer Flotte bei der Befreiung von Memel.
W. T.-B. Berlin, 24. März. (Amtlich.) Bei den Kämpfen nördlich Memel haben unsere S e e st r e i t- kräfte die Operationen von See aus unterstützt. Da- bei wurden am 23. März, vormittags, Dorf und Schloß P o l a n g e n beschossen und im Laufe des Tages die Straße Polangen-Libau unter Feuer gehalten.
Der stellvertretende Chef des Admiralstabs der Marine: B e h n k e.
Eine amtliche Darstellung des Untergangs des Kreuzers „Dresden".
W. T.-B. Berlin, 24. März. (Amtlich.) Der Kom- mmidant S. M. S. „Dresden", der mit der Besatzung des Schiffes an Bord eines chilenischen Kreuzers in Valparaiso eingetroffen ist, berichtet dienstlich folgendes: Am 16. März, vormittags, kam S. M. S. „Dresden" zu Anker in der Cnmbcrland-Bucht der Insel Inan Fcrnandcz. Hier wurde das Schiff von den englischen Kreuzern „K e n t" und „G l a s - g o w" und dem Hilfskreuzer „O r a m a" angegriffen. Der Angriff erfolgte aus einer Richtung, in der S. M. S. „Dresden" nur ihre Heckgeschütze orr- Wenden konnte. „Dresden" erwiderte das Feuer, bis
alle verwendbaren Geschütze und drei Munitionskammer« unbrauchbar geworden waren.
Um zu verhindern, daß das Schiff dem Feind in dre Hände fiel, wurden Vorbereitungen zur Versenkung getroffen, gleichzeitig ein Unterhändler auf die „Glasgow" gesandt, der daraus hinwirs, daß man sich in neutrale« Gewässern befinde.
Da „Glasgow" trotz dieses Hinweises den Angriff fortsetzen wollte, wurde S. M. S. „Dresden" g e- sprengt und versenkt um 11 Uhr 15 Minuten mit wehender Flagge, während die Besatzung drei Hurras auf Seine Majestät den Kaiser ausbrachte.
Hiernach ist die von englischer Seite gebrachte Darstellung, daß S. M. S. „Dresden" unter Hissen der weißen Flagge kapituliert habe, nicht zutreffend.
Der stellvertretende Chef des Admiralstabs der Marine:
B e h n k e.
von den östlichen Kriegsschauplätzen. Der österreichisch-ungarische Tagesbericht. Fortgesetzte erbitterte Kämpfe in den Karpathen. Iurückweichen der Rufien in der Bukowina.
Zerstörung einer russischen Kriegsbrücke.
W.T.-B. Wien, 24. März. (Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart vom 24. März: Im westlichen
Karpathenabschnitt hat sich an der Front bis zum Uzsokerpaß eine Schlacht entwickelt, die mit großer Heftigkeit andanert. Starke russische Kräfte gingen zum Angriff über. Um die Höhenstellung wird erbittert gekämpft.
Zwischen P r n t h und D n j e st r kam es im nördlichsten Teile der Bukowina zu mehreren Gefechten, in denen der Feind aus einigen Orten vertrieben wurde und gegen die Grenze zurückweichen mußte. Die nördlich Tschernowttz, jenseits des Pruths, liegenden Ortschaften, die dem Feinde als Basis für Unternehmungen gegen die Stadt dienten, sind vom Gegner gesäubert.
I» Polen und Westgalizien keine Veränderung. Die bei Otfinow am unteren D u n a j e c eingebaute Kriegsbrücke der Russen wurde gestern durch unsere Artillerie zerstört.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höf er, Feldmarschalleutnant.
Verwendung der Kriegsgefangenen in Rußland.
Wie die „Birshewyja Wjedomosti" vom 9. 3. erfahren, wurden 7000 Kriegsgefangene zum Bau von Entwässerungsgräben im Gebiet des Romanow-Kanals in der Hunger steppe (in Tnrkeftan zwischen Samarkand und Kokand) und zur Vornahme von Bodenarbeiten dort bestimmt.
Anlage einer nordsibirischen Bahn.
Kopenhagen, 23. März. Nach einer Meldung der „Nowoje Wremja" beschloß die russische Regierung die Anlage einer nordsibirischen Eisenbahn. Das Blatt schreibt, die Bahn bekomme eine gewaltige Bedeutung, weil sie das Schwarze Meer mit der Küste des Stillen Ozeans über Werchne-Uralsk, Tomsk, Jenissejsk, Kerak, Amur verbinde überdies werde die erste sibirische Eisenbahn dadurch vervollständigt. — Die Ost-Amurbahn ist laut „Nowoje Wremja" vom 11. März zwischen den Stationen Kimkan und Birakan verbunden und damit endgültig fertiggestellt worden.
vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.
Die englischen Verluste bis Mitte März.
Br. Brüssel, 24. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Aus verläßlicher Quelle werden folgende englische Verlustziffcrn mitgeteilt, die bis Mitte März
reichen: An Toten 1000 Offiziere, 20 000 Soldaten, an Verwundeten und Kranken 60 000, an Gefangenen 20 000, zusammen über 100000. Die Verluste an Offizieren allein werden auf mindestens 5000 Mann geschätzt. Die Listen der Kriegsmarine sind hier nicht eingerechnet. Die englische Regierung verweigert jede amtliche Auskunft über die Kricgsverluste.
3um letzten Zeppelinflug über dieparkservororte.
W. T.-B. Paris, 23. März. (Nichtamtlich.) Die Agence Havas meldet: Gestern abend wurde ein deutsches Luftschiff , über Tracy-le-Val, Ereil, Villers-Cotterets gemeldet; es kam aber nicht über Paris. Um 11,40 Uhr war der Alarm beendet, die Beleuchtung wurde sofort wiederhergeftellt.
Oie Treffsicherheit der deutschen Schützen.
Genf, 23. März. (H. C.) Das Blatt Clemenceaus veröffentlicht den Brief eines Soldaten aus dem Schützengraben, der die vorzügliche Schußfertigkeit der ihnen gegenüberliegenden deutschen Soldaten hervorhebt. Er vermutet, daß dieselben zum Auflegen der Gewehre Vorrichtungen haben, die genau auf die Mitte der Schießscharten der von den deutschen Gräben etwa 40 Meter entfernten französischen Horchposten eingestellt sind. Die Posten können nur auf eine Sekunde einen Blick durch die Schießscharten werfen, sonst lausen sie unmittelbar Gefahr, getroffen zu werden. Alle Kugeln gehen genau mitten durch die Schießscharten. Was die Franzosen besonders wütend macht, sei der Umstand, daß kein Mittel besteht, um zu sehen, woher geschossen wird. Selbst mit dem Periflop ist es nicht möglich. Da vermutet wurde, daß die Deutschen sich in Häusern verborgen halten, um von dort aus zu schießen, wurden die Häuser von Artillerie zerstört. Doch bald daraus trafen mit derselben Treffsicherheit die deutschen Kugeln mitten in die Schießscharten der Franzosen. Viele Beobachtungsposten werden von deutschen Kugeln getroffen. Ganz besonders seien die englischen Soldaten wegen der Treffsicherheit der unsichtbaren und unauffindbaren deutschen Geschütze, die sie Snippers nennen, irre gemacht. Dieser Krieg zeige mehr noch als der Burenkrieg die Bedeutung des Schießens. Der Treffsicherheit der deutschen Schützen seien übrigens auch die Generale Manourh und Vikar ec zum Opfer gefallen.
Eine Parade vor dem Kaiser.
Berlin, 23. März. Einem ihm zur Verfügung gestellten Feldpostbrief, datiert vor Soissons, 16. März, entnimmt der „B. L.-A." «folgendes: Heute hatten wir, d. h. die nicht in Gefechtsstellung besindlichen Truppenteile des 3. Armeekorps, Parade vor dem Kaiser, in der Gegend zwischen Soissons und Laon, es war eine ziemlich anstrengende Sache. Erst 15 Kilometer Marsch zum Paradeplatz, dann dort der Aufmarsch und die Aufftellung zur Parade. Die Parade selbst und darauf wieder 15 Kilometer zurück zu unserm Standort durch belgisches Gelände; wie gesagt, anstrengend, aber doch ein erhebender Moment. Es ist ganz erstaunlich, wie faszinierend die Persönlichkeit des Kaisers auf unsere Soldaten wirkte. Als er mit dem Generaloberst v. Kluck im Auto angefahren kam und die Front der unter präsentier-, tem Gewehr stehenden Truppen abging, jede Abteilung mit einem herzlichen: „Guten Morgen, Leute!" begrüßend, war jede Spur von Müdigkeit verflogen, wie weggeblasen. Alles reckte sich höher, auch die seit langem nicht mehr geübten Griffe klappten wie auf dem Exerzierplatz, und der Parade-, marsch, mit dem wir vor dem Kaiser vorbeidefilierten, hätte der Garde auf dem Tempclhoser Felde alle Ehre gemacht. Nachdem der Kaiser die Front der Truppen abgeschritten hatte, hielt er an seine Märker eine kurze Ansprache, in der er seiner Freude darüber Ausdruck gab, Teile seiner brcmdenburgischen Regimenter in so guter Verfassung im Felde begrüßen zu können. Er erinnerte daran, daß er bereits vor einigen Tagen bei dein 3. Armeekorps geweilt habe, das damals unter seinen Augen gefachten habe. Er sprach seinen Märkern seine höchste Anerkennung für ihre tapfere Haltung und ihr schneidiges Vorgehen in den erster» Kämpfen bei Soissons aus und schloß mit der Hoffnung, daß es seinen Brandenburgern vergönnt sein möge, bald wieder den schönsten Lohn für den Soldaten, einen Sieg, davonzutragen. Ich habe den Kaiser ja wiederholt bei Parlaments.» eröffnungen sprechen hören, aber ich hätte nie geglaubt, daß seine Stimme einen so vollen metallischen Klang annehmera konnte, wie ich es gestern hörte, und daß seine Stimme sc> weit trage. Wir waren doch etliche Tausend Mann auf fteiem Felde versammelt, die in der Paradeaufftellung einen ganz beträchtlichen Raum einnahuren. Trotzdem war die Ansprache des Kaisers, der seine Stimme nicht einmal besonders anzustrengen schien, bis in das h i n t e r ft e Glied deutlich zu verstehen.
Der französische Kbendbericht.
W-T--B- Paris, 23. März. (Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht von 11 Uhr abends: In Belgien und in der Gegend von N i e u p o r t zerstörte unsere Artillerie mehrere Beob- achtnngSorte und Stützpunkte, von wo wir diejenigen, die sic besetzt gehalten hatten, sich flüchten sahen. Nordwestlich von Arras, bei C a r a n c p, haben wir einen deutschen Schützengraben genommen, welchen wir zerstörten, und haben Gefangene gemacht. Bei Soissons wurde ein „längerer Bombardierungsversuch" durch unsere Artillerie „fast sogleich" aufgchalten. In der Champagne hat der Feind durch uns in den ersten Tagen eroberte Stellungen beschossen.
