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i Der Roman, i

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f.--.z3i Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagblatts. i«!

m 70.

Mittwoch. 24. Marz.

191b

Das aMige Mni< »«totm.

Roman üon Albert Prtersen.

Kein Luftzug regte sich. Die Segelschiffe, welche durch die Windstille am Auslaufen gehindert wunden, lagen mit schrägen Leibern auf dem glatten Schlick und guckten mit kahlen Masten und schlaffen Winrpeln über die grüne Deichhöhe zur kleinen Stadt hinein.

Dann und wann tönte von den Marschfennen her das heisere Brüllen der schweren Rinder, einige Wagen ratterten auf dem holprigen Straßenpflaster, sonst herrschte tiefe Stille ringsum. Die Mittagslonne des heiße,: Julitages brannte vom wolkenlosen Himnwl und schien die ganze Stadt gelähmt zu haben. Auf den hohen Patrizierhäusern mit ihren Erkern und Fach­werk krönten wie dicke dunkle Klumpen die Storch­nester den spitzen Giebel, und reglos stand Vater Adebar inmitten seiner schlummernden Jungen. Unter dem Strohdach der einstöckigen Bürgerhäuser klebten die Schwalbennester, die Kirche reckte ihren gewaltigen Turm empor, und das goldige Kreuz funkelte glänzend über Land und See.

Ein wenig abseits von der großen Straße, durch den neuen" Kirchhof von der Stadt getrennt, lag graben­umgeben das langgestreckte adlige Freihaus mitten in, großen, parkartigen Garten. Das blendende Weiß des Gemäuers hob sich hell von dem Grün der Flieder- Jasmin- und Rosenbüsche ab, und zwischen den vollen Kronen der alten Kastanienbäume schimmerte hier und da wie ein metallglänzender Jettfetzen das schwarze Pfannendach des Wohnhauses. Abseits am Hinteren Rande des Gartens lagen die Stallungen, aus deren Jn-nerm ungeduldiges Pferdewiehern ertönte.

Die breite Doppeltür, deren Flügel weit offen stan­den, führte in einen mächtigen sliesenLolegten. Flur, der oben mit einer kun^voll geschnitzten Galerie um­gäben war. Zu den Seiten der nach der Galerie führenden Treppe hielten zwei hohe Holzfiguren, ange- tan mit vollständiger Panzerrüstung, jah,hundertlauge Wacht und vermochten mit ihren hochragenden Lanzen den ahnugslos eintretenden Fremden im ersten Augen­blick wirklich zu erschrecken. Rechts und links vom Flure lagen die SäleNd geräumigen Wohnziminer, während von der Galerie Türen zu den Schlafstuben, Fremdengemächern und den Kammern der Dienstboten führten.

Vor 1500 hatte der Besitz dem Funker Frühen ge- hört, und gegen einigeLausten". wie die Chronik die Landstellen nennt, war dem Hause vom Herzog Steuer­freiheit verliehen worden. Seit jener Zeit hieß es das adlige Freihaus bis in das neunzehnte Jahrhundert hinein.

Viel hatte der alte Bau erlebt im Laufe der Zeiten. Hier hielt sich Hersog Friedrich von Schleswig zu Be­such auf, als ihm der Landrichter Ritter Magnus Munk Anno 1523 die Kunde brachte, daß die jütischen Stande ihren, König abgesagt hätten und ihm, dem Herzog, die dänische Krone anböten. Hier knarrten die Treppen unter dem Fußtritt Wallensteinscher Reiterstiefol, und

im nordischen Eobfolgekrieg grübelte drüben im Saale der schwedische Feldherr.

Jetzt aber hatten die französischen Douaniers und nach ihnen die Kosaken das Küstenland verlassen, Friede und Ruhe herrschte im Herzogtum. Auf der fernen Felseninsel erwartete der Korse die Erlösung durch den Allbezwinger Tod, und noch zwang die heilige Allianz Europa zu allgeineinem Frieden.

Auf dem .weiten Rasen, zwischen Rosenbesten und kunstvoll beschnittenem Rotdorn, im Schatten hoher Walnußbäume tumnielte ein etwa sechsjähriges Mäd­chen. Sie hatte die breiten hellblauen Schleifen aus dem Haar gelöst und in goldiger Fülle ergossen sich die blonden Locken auf Schulter und Rücken.

Sie jagte, den langstieligen Kescher in der Rechten schwingend, den Schmetterlingen nach, doch jedesmal, wenn ein schillernder Falter im Netz flatterte, hob sie mit einem aufsauchzenden Lachen den Kescher und sah mit lustigen Blauaugen den Befreiten davouerlen. Und hell klang ihre glockenklare Stimme durch den Park.

Flieg. Falter, flieg.

Gott schuf auch dich.

Mag der goldne «Sonnenschein Flammen in den Flügeln dein,

Flieg. Falter, flieg."

Flieg, Falter, flieg,

Der Winter trifft auch dich.

Koste van den Blüten schnell.

Eh' versiegt der sütze Quell.

Flieg. Falter, füog."

Grethensraucke", rief eine Männerstimme vom: Hauptwoge des Parkes her. Das Mädchen wandte sich um und eilte zu dem Manne hinüber.

Großvater, wollen wir Greifen spielen?"

Der alte Herr lächelte ein wenig wehmütig.

Nein, Kind, in diesem Sommer werden wir aus dieses Vergnügen verzichten müssen. Du läufst gar zu schnell, und ich"

Er stützte sich wieder fester auf den Stock .mit der Goldkrücke, als hätte schon der Gedanke die Schmerzeils- geister gerufen.

Ja. das entsetzliche, verwünschte Rheuma, die Gicht.

Das waren nun die Folgen von den tollen Kllsten- fahrten bei Nacht und Nobel. Das rächt sich, wenn man eigentlich nur gelvohnt ist, hinterm Hauptbuch zu sitzen und Brutto. Net-tv, Tara und Prozente zu berechnen.

Im allgemeinen machte Herr Lorenz Woldsen Wilm» sen eher den Eindruck eines alten Offiziers oder Kapi­täns als eines Mannes, der aus alter Krämevfamilie stammte und selbst sein Leben damit zugebracht hatte, Waren günstig einzukaufen und günstiger zu verkaufen. Bis auf jene Zeit aber davon sprach der alte Herr nicht gern, dachte nicht gern daran. Slber wenn er ain späten Abend noch so unvorsichtig war, gar zu sehr seinem Lieblingsgericht, der Kalbsleber, zuzusprechen und ein Gläschen Rotwein zuviel zu trinken, fuhr er im Traume sicher in «diesiger Novembernacht »um eng- lischen Segler ab, lind wenn er dem Engländer dann