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Mittwoch, 24. März 1915.
Kbend-Kusgabe.
Nr. 140. ♦ 63. Jahrgang.
(Ein schamloser Völkerrechtsbruch -er Franzosen.
Oer Urieg.
vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.
Der Zeppelinangriff auf Paris.
Die Spuren von 50 Zeppelinbomben festgestellt.
Nr. Genf, 24. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Die Arbeiter des städtischen Laboratoriums in Paris haben bis jetzt in Paris und Umgebung die Spuren von gegen 50 Zeppelinbomben gefunden. Zwei Drittel der Geschosse waren Explosiv-, ein Drittel Brandbomben. Der Zeppelinflug dürste noch ein Nachspiel im Parlament finden, weil die Abwehr matz regeln kläglich funktionierten. Eine Gruppe von Pariser Deputierten wird den Ministerpräsidenten fragen, wie es möglich gewesen sei, datz der Zeppelinflug über Parts hat bewerkstelligt werden können.
Eine Beruhigung der verängstigten Pariser durch den Kriegsminister.
Br. Genf, 24. März. (Eig. Drahtüericht. Ktr. Bln.) Um der durch den Zeppelinangriff verängstigten Pariser Bevölkerung zu zeigen, daß auch die französischen Flieger nicht uirtätig sind, veröffentlicht der Kriegsminister über ihre „Taten" einen langen Bericht, in dem u. a. aufgezählt wird: Ank Sonntag wurden in Belgien 20 Geschosse auf die Luftschiffhalle von E i t s, die Eisenbahngeleise und Stationen Lichtervelde und Eesen geworfen. Ein deutscher Flieger wurde bis Rousselaere mit Karabinern verfolgt. Bei La B a s s 6 e wurden zwei feindliche Flieger verfolgt und gezwungen, in ihre Linien zurückzukehren. Der Bahnhof Rohe wurde wirksam bombardiert. Im A i s n e t a l wurde ein deutscher Flieger durch zwei französische in die Flucht geschlagen. In der Champagne wurden 500 Pfeile auf einen deutschen Fesselballon geworfen. Ein deutscher Flieger, nördlich von Reims, wurde verjagt, ein Flieger hat auf die Eisenbahngeleise westlich Colmar und auf den Bahnhof S e n n h e i m sechs Bomben geworfen usw. usw.
Die Luftkämpse im Sundgau.
Über Gefechte in der Luft über dem Sundgau am Sonntag wird den „Basler Nachrichten" von einem Beobachter noch geschrieben: Am Sonntag um 6 Uhr 45 Min. abends beob
achtete ich, wie von der Richtung Altkirch her sich ein größerer Schwarm Flugzeuge, wahrscheinlich französische, in ziemlich beträchtlicher Höhe gegen den Rhein zu bewegte. Zu gleicher Zeit kam von Leopoldshöhe her ein deutsches Flug, zeuggeschwaüer und traf ungefähr bei Helfranzkirch mit dem feindlichen Geschwader zusammen. Es entspann sich ein längeres Gefecht, das bis zum vollständigen Einbruch dev Nacht dauerte. Mit bloßem Auge konnte an dem Aufblitzen von Feuer und an den kleinen Rauchwölkchen genau erkannt werden, daß die beiden Geschwader, die zusammen aus etwa 20 Flugzeugen bestanden, einander heftig beschossen.
Lin feindlicher Flieger am Vodensee.
W- T--B. RomanShorn, 24. März. (Nichtamtlich.) Gestern abend 8 Uhr überflog ein Flieger Romans- h chx n. Das Geräusch des Motors war deutlich hörbar. Das Flugzeug mutz mit einem Scheinwerfer ausgerüstet gewesen sein, denn man sah mehrfach Lichtbündeln die Wolken beleuchten. Das Geräusch des Motors entfernte sich ostwärts, quer über den See. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Friedrichshafen zugedachten feindlichen Besuch. Längs des ganzen deutschen Seeufers waren alle Lichter ausgelöscht. Vermutlich war der Flieger von Elsaß her angemeldet.
Ein neuer Artillcriekampf im Largtale.
Zürich, 23. März. (K. Z.) Im Largtale wurde am Montag neuerdings ein heftiger Artilleriekampf begonnen. Die Franzosen suchen sich der Stadt Altkirch zu bemächtigen.
Noch ein englisches Flugzeug herabgcholt.
W. T.-B. Amsterdam, 23. März. (Nichtamtlich) „Telegraaf" meldet aus Bergen op Zoom, die Deutschen haben ein englisches Flugzeug bei Westcapelle heruntergefchosien.
Eine weitere englische Offiziersverlustliste.
W. T.-B. London, 23. März. (Nichtamtlich) Die englische Verlustliste gibt für den 16., 17. und 20. März 72 Offiziere als gefallen, einen als gestorben, einen durch einen Unglücksfall umgekommen, ferner 119 als verwundet und 5 als vermißt an.
Der französische Tagesbericht.
W. T.-B- Paris, 23. März. (Nichtamtlich.) Amtlicher i Bericht von 3 Uhr nachmittags. Der Feind beschoß ! N e i m s. Ein deutsches Flugzeug warf eine Bombe ah 1 die drei Opfer unter der Zivilbevölkerung forderte. In dev 1 Champagne rückten wir östlich der Höhe 196 leicht vor ! In den Argonnen bei Bagatelle unternahm der Feind ! zweimal heftige Gegenangriffe, um. das von ihm am Sams- \ tag verlorene Gelände wieder zu nehmen, die Angriffe wurden aber vollkommen zurückgcworfen.
Das Schicksal eines der Offiziere der im Januar gefangenen deutschen Offizierspatrouille.
Br. Berlin, 24. März. (Eig. Drahtberrcht. Ktr. Bln.) Am 7. Januar machte der „L. A.", wie auch von uns gemeldet, Mitteilungen über einen schweren Völkerrechtsbruch der Franzosen. Die Leutnants von Schier statt vom Gardekürassierregiment und Graf S t r a ch w i tz vom Regiment Gardedukorps mit vier Unteroffizieren als Führer einer abgeschnittenen Patrouille, die sich dem Feinde hatte ergeben müssen, sind „wegen Plünderung und Zerstörung von Hindernissen" zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Jetzt liegen über das Schicksal eines der Verurteilten aus französischer Quelle Nachrichten vor. Nach dem „Matin" vom 18. März ist Leutnant v. Schierstätt nicht zu Gefängnis, sondern zu Zwangsarbeit (Bagno) verurteilt und nach der F i e b e r- hölle von Cayenne (Franz. Guayana) befördert worden. In der Mitteilung des „Temps" heißt es darüber: Verschiedene Sträflinge sind am Sonntag von La Rochelle eingetroffen, von wo sie nach Cayenne eingeschifft werden sollen. Unter ihnen befindet sich ein Leutnant von den Kürassieren der kaiserlich deutschen Garde v. Schievstätt, der vom Kriegsgericht der neun- ten Armee zu fünf Jahren Zwangsarbeit wegen ge- meinschaftlicher Plünderung unter Waffengebrauch auf unserem Gebiet verurteilt wurde. Dieser Deutsche, der in Brandenburg in Groß-Machnow geboren ist, hat nichts von seinem Stolz verloren. Er äußerte sein leb Haffes Zutrauen in den Triumph D c u t s cl>- lands, weil, sagte er, „sein alter Gott es will". Er rühmt die Überlegenheit der deutschen Kultur und erklärt bei jeder Gelegenheit seinen Mitgefangenen, daß Frankreich ein verfaultes Land ist. Trotz seines Ranges und seiner Titel ist er in Sträflingskleidung angetan und muß auf Stroh schlafen, angekettet an einen anderen Sträfling.
Lin Tagesbefehl -es bayerischen Kronprinzen.
Berlin, 24. März. (Ktr. Bln.) In einem Tagesbefehl des bayerischen Kronprinzen Ru pp recht an die Truppen im Bereiche des 7. Artneekorps heißt es: „Soldaten! Durch Ein- .setzen von 43 Bataillonen gegeit 3 deutsche ist cs dem Feinde geglückt, einen Bruchteil unserer Stellung nach heldenmütigem Widerstande der Besatzung wegzunehmen. Die Wiedereroberung ist mißlungen. Aber Euer Angriff hat die feindliche Unternehmungslust getroffen. Zwei feindliche Armeekorps haben nicht gewagt, über das genommene Dorf, dessen Besitz eine untergeordnete Bedeutung hat, hinaus vorzudringen. Ich spreche Euch für Euren Kampfesmut und für Eure Hingabe meinen Dank und meine wärmste Anerkennung aus. Ich .erwarte zuversichtlich, daß Ihr jedem weiteren feindlichen Forffchritt eine unüberwindliche Schranke so lange entgegensetzen werdet, bis der Tag der Abrechnung mit diesem Feinde gekommen sein wird. Erwirdkommen. Ich vertraue auf Euch."
Der Unterseebootskrieg.
Zur Internierung der holländischen Dampfer in Seebrügge.
Br. Hamburg, 24. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die „Hamb. Nachr." melden: Über das vorgestern gemeldete Anhalten holländischer Dampfer im Kanal und ihre Einbringung in Sedbrügge wird jetzt berichtet: Ter hauptsächlichste Grund znm Anhalten der Dampfer war, daß sie eine größere Anzahl belgischer Soldaten in Zivilkleidern an Bord hatten, die aus holländischen Internierungslagern entsprungen waren und sich über England zur Front begeben wollten. Von deutscher Seite war dieses Vorhaben entdeckt worden. Außerdem beförderten die Dampfer große, für England bestimmte Lebensmittelmengen.
Tine englische Blockade von Seebrügge.
Amsterdam» 23. März. (Ktr. Frkft.) Die „Tijd" meldet aus Sluis, daß seit gestern morgen englische Kriegsschiffe« vor dem Hafcu von Seebrügge kreuzen. Es handelt sich hierbei augenscheinlich um eine Art Blockade des Hafens von Seebrügge als Antwort auf das Aufbringen von niederländischen Schiffen mit Fracht für England.
Strenge englische Zensur für Schiffsverluste.
Kopenhagen, 22. März. „Politiken" meldet aus London: Der Presse wurde am 19. Marz eine Verfügung der Regierung zugestellt, wonach vom 20. März an britische Schiffsverluste in den Zeitungen nicht mehr veröffentlicht werden dürfen mit Ausnahme der amtlich enReuter-Mel düngen. Die Zuwiderhandlung ist mit dem sofortigen E r s ch e i- nu ligsverbot der schuldigen Zeitung für die ganze Kriegsdauer bedroht. Ebenso ist die briefliche Bekanntgabe von Schiffsverlusten nach dem Ausland ab 20. März verboten.
Der Englanddieust der Batavierlrnie.
W. T.-B. Amsterdam, 23. März. (Nichtamtlich) Der Dampfer „Batavier IV.", der heute von Rotterdam nach London führt, wird auf den Rat der Regierung keine Lebensmittel befördern. Käse und Butter wurden heute gelöscht. Die Batavier-Linie setzt den Dienst vorläufig in dieser Form fort.
Die niederländische Protestnote.
W- T.-B. Haag, 23. März. (Nichtanttlich.) Der Minist«: des Äußern teilt der Zweiten Kammer die holländische Note vom 19. März an England und Frankreich mit. Es heißt darin: Die niederländische Regierung will kein Urteil über , die Rechtmäßigkeit der von den Kriegführenden getroffenen Maßregeln fällen, aber cs liegt den Niederlanden als n>eu- traler Staat die Pflicht ob, gegen diese Maßregeln ihre Stimme zu erheben, sofern sie anerkannte Prinzipien über die Rechte der Neutralen verletzen. Schon bei Kriegsbeginn protestierte die niederländische Regierung. int Interesse ihrer Rechte als neutraler Staat gegen eine jede Beschränkung der Rechte Neutraler durch die Kriegführenden. Ihre Haltung kann mit Rücksicht auf die jetzt ergriffenen Maßregeln nicht geändert werden, da diese das große Prinzip der Pariser Erklärung von 1856 ignorieren, nach der neutrales und feindliches Eigentum, mit Ausnahme von Konterbande, unverletzlich sei, so lange es durch die neutrale Flagge gedeckt werde. Mit Beiseitesetzung dieses Prinzips bestimmte die britische Verordnung, daß die britische Flotte Zwangsmaßregeln nicht nur gegen Privateigentum des Feindes, auch wenn es keine Konterbande ist, sondern mich gegen neutrales Eigentum ergreifen soll, wenn vermutet wird, datz es feindlichen Ursprungs oder ffir den Feind bestimmt ist. Die Bestimmungen der britischen Verordnung gewähren die Aussicht auf eine mildere Anwendung der Maßregeln gegen neutrales Eigentum, aber ohne bestimmte Regeln aufzustelleu, die gelten sollen, um die Interessen der Schiffahrt und des Handels zu schonen. Der Artikel 8 läßt die Möglichkett einer Milderung der Bestimmungen der Verordnung offen für Schiffe aus jedem Land, das die Erklärung abgibt, daß unter seiner Flagge kein Transport von! Gütern aus oder nach Deutschland öder von Gütern deuffchen Eigentums stattfinden wird. Ich glaube aber Nachdruck darauf legen zu müssen, daß die niederländische Regierung vor- kommendenfalls eine derartige Erklärung nicht abgeben kann. Nach ihrer Auffassung widerspricht d,e genaue Erfüllnna der Pflichten der Neutralität der Übernahme einer derartigen Verbindlichkeit. Ew. Exzellenz gab mir bereits vor der Veröffentlichung der britischen Verordnuitg zu verstehen, daß den Jnterefleu der Niederlande und seiner 'überseeischen Besitzungen in weitem Maße Rechnung getragen werden solle, aber wie gemäßigt die Anwendung der Verordnung sein möge, die niederländische Regierung kann nicht stillschweigend einer ernsten Verletzung des Grundprinzips des Völkerrechts zusehen, das seit mehr als einem halben Jahrhundert von allen Mächten garantiert worden fft.
Eine weitere Stiftung für B-Boote und Zeppeline.
Frankfurt a. M., 22. März. Der Geheime Kommerzienrat Ludo Mayer hat dem Frankfurter Oberbürgermerster Voigt unterm !9. März mitgeteilt, daß er dem ersten deutschen Unterseeboot, das ein englisches Kriegs- oder Truppentransportschiff vom heutigen Tage an vernichtet, 2000 Mark und dem ersten Boote, das ein englisches Handelsschiff zerstöre, 1000 Mark zahle. Dasselbe gelte vom ersten Zeppelin-Luftschiff. Das Relchs- marineamt hat die Stiftung angenommen.
Der „vacia"-Fall.
IV-T.-B- Paris, 24. März. (Nichtamtlich.) Die Unter- '.„na über die Angelegenheit des Dampfers „Dacia" ist abgeschlossen. Die Kommissare erkannten auf zu Recht erfolgte Beschlagnahme. Der dem Marineminister zugestellte Bericht wird dem Prisengericht übermittelt, welches zwei Monate Zeit hat, um das Urteil zu fallen.
Frankreich will die Baumwolladung kaufen.
\V. T.-B. New York, 23. März. (Nichtamtlich.) Frankreich hat sich erboten, die Baumwolladung der „Dana" zu kaufen, da festgestellt wurde, daß sie Eigentum von Amerikanern sei.
Oesterreich - Ungarn.
O Berlin, 23. März.
Die schweren Aufgaben, die dem verbündeten Donaureiche durch den bisherigen Verlauf des Krieges gestellt werden, fallen zum Teil unmittelbar, zu einem anderen mittelbar auch uns zu. Der Kampf an den Karpathen wird von unseren Truppen ebenso wie von den österreichisch-ungarischen geführt, und der Ausgleich für den. Fall von P r z e m y s l muß von den zufammenarbeitenden Heeresmassen beider Reiche angestrebt werden. Die Aufgabe, mit Serbien fertig zu werden, ist freilich allein unseren Freunden gestellt, aber die Wirkungen der Lage dort unten müssen sich naturgemäß auch in der Gesamtlage der verbündeten Zentratmächte geltend machen, bei den
