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Montag, 22. März 191S.

Kbend-klusgabe.

Nr. 136. - 63. Jahrgang«

9 Milliarden, ein neuer bieg der deutschen ttraft!

Über all'es Erwarten, auch das der Hoff­nungsvollsten, grob steht das Ergebnis der zweiten Kriegsanleihe jetzt vor uns. Neun Milliarden sind, wie wir in der Montag-Sonderausgabe schon mitteil­ten, überschritten, nach dem man tags zuvor die im Reichstag bekannt gegebene, bis dahin erreichte Zahl von sieben Milliarden schon als einen überaus glänzenden Erfolg hatte feiern dürfen. Aber neun Milliarden! Damit hat das deutsche Volk d a- h e i m nun auch wieder einen ganz großen Sieg auf wirtschaftlichem Gebiete erreicht, mit besni es den tapferen Brüdern draußen im Felde und auf See mit freudigem Stolz unter die Augen tteten darf. Der neue Riesenerfolg auf finanziellem Gebiete beweist erneut, wie es der Kaiser auch an Staatssekretär Helfferich gedrahtet hat, „daß es dem deutschen Volke mit dem Kampfe _ um seine Existenz weder an kriegerischen noch an wirtschaftlichen Waffen fehlt, seinen unerschütterlichen Willen Zum Siege durchzuhalten und durch zu setzen". Dieser über alles großartige Erfolg deutschen vater­ländischen Opfersinns und glänzender Organisations­arbeit kann nicht ohne nachhaltigen Erfolg im A u s- lande sein, mögen unsereFeinde auch wieder den Kopf in denSand stecken und dieWahrheit zu fälschen suchen. Das Anleiheergebnis ist ebenso wie ein Sieg draußen eine neue Tatsache, die uns dem Frieden in unse­rem Sinne ein erhebliches Stück näher bringt.

Der englische Schatzsekretär Lloyd George hat unlängst das Wort geprägt, daß weder die Bleikugeln noch die schweren Granaten den Krieg entscheiden würden, sondern „die silbernen Kugeln", und er hat diese, den englischen Krämergeist kennzeich­nende Weltanschauung des weiteren dahin erläutert, daß seiner Ansicht nach die letzten zwei Milliar­den Mark diesen Krieg gewinnen würden. „Die ersten zwei Milliarden können unsere Feinde gerade so gut aufbringen wie wir, aber die letzten können sie Gott, sei Dank nicht." Nun, da Lloyd George unterdessen das Ergebnis der neuen deutschen Anleihe erfahren hat, dürfte er vielleicht in seiner SiegesgewiMeit, die kenn- zeichnenderweise rein finanzieller Natur ist, irre werden. Auch in Deutschland hat man außer den Bleikugeln und den schweren Granaten „die silbernen Kugeln" zur Verfügung.

Schon der Erfolg der ersten Kriegsanleihe im September v. I. war nicht mit Unrecht als eine ge­wonnene Schlackst bezeichnet worden. 4481 Millionen Mark, also fast vierundeinehalbe Milliarde, hat die erste Kriegsanleihe gebracht (zu den zuerst gezeichneten 4461 Millionen Mark waren noch 20 Millionen durch FeD- zeichnungen gekommen). Die zweite Kriegsanleihe, die aufgelegt worden war, fast unmittelbar nach der Zahlung des zweiten Drittels des Wehrbeitrags, die des weiteren zu 981/2 Prozent, also um 1 Prozent höher als die erste Anleihe aus,gegeben wurde, hat jenen ersten Erfolg noch weit, hat ihn um mehr als dos Doppelte übertroffen. Mehr als 13% Milliarden hat das deut­sche Volk in weniger als acht Kriegsmonaten aufge­bracht, das macht bei einer Bevölkerung von 70 Millio­nen nahezu 200 M. auf den Kopf. Dies Ergebnis bil­det einen untrüglichen Beweis dafür, daß das deutsche Wirtschaftsleben ganz im Gegensatz zu den Hoffnungen unserer Gegner ebenso u n e r s ch ü t t e r t ist wie Deutschlands Opferfreudigkeit und das Vertrauen auf den Sieg. Größer als die Milliarden ist, um mit dem Staatssekretär Dr. Helfferich zu sprechen, der Geist, aus dem heraus sie aufgebracht worden sind, der G e i st der unbedingten Siegesentschlossenheit, dem der Kaiser in seiner Drahtung an Helfferich den neuen Erfolg zuschreibt.

Der gewaltige Sieg, den die deutsche Volkswirtschaft mit diesen neuen neun Milliarden errungen hat, wird um so bedeutsamer, wenn man ihn mit den G e I d- schwierigkeiten unserer Gegner vergleicht. Wenn der Altreichskanzler Fürst Bismarck einmal ge­sagt hat, daß uns keine Nation unseren Leutnant nach­machen kann, so werden wir jetzt sagen dürfen, daß unsere Gegner uns weder unsere Soldaten noch unsere Anleihen nachmachen können. Das reiche Großbritan­nien. das auf seine silbernen Kugeln stolz war, dem die Goldschätze Indiens und Transvaals zur Verfügung sieben, hat unter den größten Schwierigkeiten 8000 Millionen Mark flüssig gemacht, und die dortige Kriegs- anleihe wird dauernd mit einem wesentlichen D i s- a g i o notiert, während unsere erste Kriegsanleihe be­kanntlich erheblich über dem Ausgabekurs steht, so daß eben die Aveite höher ausgegeben werden konnte. Frankreich, das man einst den Bankier Europas bezeichnet«, Hot, soviel man weiß, noch nicht einmal seine erste Kriegsanleihe in Höhe von 800 Millionen

Franken ganz unterbringen können, und man behilft sich dort damit, die P a p i e r p r e s s e der Bank von Frankreich arbeiten zu lassen, man lebt von den Vor­schüssen des Noteninstitutes in einer Weise, die an die Assignaten-Wirffchaft erinnert. Wie anders bei uns! Und wenn Sir Edward Grey recht hatte, als er prahle­risch verkündete, England werde den Krieg so lange führen, daß nicht die Soldaten, sondern die Geld­mittel den Ausschlag geben — glaubt er jetzt noch, daß dieser Ausschlag zugunsten unserer Gegner sein wird? Wenn es not tut wird das deutsche Volk auch eine dritte Kriegsanleihe zeichnen, wird es neue Milliarden Mark aufbringen wie neue Millionen Krieger stellen, um die Lücken zu füllen, die der Krieg' gerissen hat — bis zum Ende, bis zum siegreichen Ende! Wenn unsere Feinde überhaupt noch fähig sind, zu lernen, hier können sie lernen. Die gewaltige abermalige, freiwillige Kraftanspannung des deutschen Volkes zeigt, w a s w i r z u l e i st e n fähig und willens sind, wenn es um die heiligsten Güter unserer Nation gcht.

Das endgültige Schlußergebnis.

Br. Berlin, 22. März. (Big. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Wie die „58. Z." erfährt, ist die gestern bekanntgegebene Zeich­nungssumme von 9 Milliarden Kriegsanleihe als endgül­tiges Schlußergebnis anzusehen. Ebenso glaubt man in maßgebenden Kreisen nicht, daß noch einige Zeich­nungsresultate das Ergebnis in besonderer Weise ändern werden.

Der Betrag der Schuldbuchzeichnnngen und Schatzanweisungs- zeichnnngcn.

W. T.-B. Berlin, 22. März. (Nichtamtlich.) Von den rund 9 Milliarden der neuen Kriegsanleihe entfallen 1400 Millio­nen auf Schuldbucheintragungen und 750 Millionen auf Schatz- anweifungen. (Als Berichtigung wiederholt.)

Lin Glückwunschtelegramm des Reichskanzlers an Staatssekretär Dr. helfferich.

W- T.-B. Berlin, 21. März. (Nichtamtlich.) Der Reichs­kanzler sandte aus dem Großen Hauptquartier <rn den Reichsschahsekretär Dr. Helfferich folgendes Telegramm: „Meine herzlichsten Glückwünsche zu dem glänzenden Erfolg der Kriegsanleihe. Es ist ein großer Sieg des Volkes daheim, würdig des Heldenmutes unserer Truppen im Felde. Vethmann-Holleweg."

'Die Genugtuung in der deutschen Presse.

Berlin, 22. März. (Ktr. Bin.) Die Mitteilung des W. T.-B., daß die Zeichnung auf unsere Kriegsanleihe dü neunte Milliarde überstiegen hat. wird sicherlich, so schreibt die „Vossische Zeitung", selbst die Optimisten im Lande überraschen. Durch den überaus glänzen ven Erfolg unserer Anleihe sind auch den Zweiflern im eigenen Lande die Sorgen benommen. Gestehen wir es nur ehrlich em, wir haben selbst nicht gewußt, wie enorm unsere finanzielle Leistungsfähigkeit ist. Die Staats­männer in England aber, die so stolz verkündet haben, daß sie mit silbernen Kugeln nach Deutschland hinüber- schießen wollen, werden nun wohl merken, daß diese Kugeln von Silber uns nichts anhaben können, weil wir sie mit dem goldenen Schilde auffangen, den das gesamte deutsche Volk gemeinsam geschmiedet hat.

In der „Deutschen Tageszeitung" heißt es: Neun Mil­liarden/eine stolze Summe. Die besten Freunde haben sie kaum zu hoffen und die schlimmsten Feinde sie kaum je fürch­ten zu müssen geglaubt. Die Einmütigkeit des deut­schen Volkes hat sich auch auf dem wirtschaftlichen Kampffelde wieder glänzend bewährt.

Im „Berliner Lokalanzciger" wird gesagt: Das Voll

darf auf diesen finanziellen Befähigungsnachweis stolz sein. Es ist ein S i e g, so gut wie i r g e n d einer über die Feinde, denn die Gegner wollen uns nicht nur auf dem Schlachtfelde niederriugen. Die Erde, aus der sich die Stärke des deutschen Volkes immer von neuem verjüngt, ist das Feld des Geistes und der Arbeit, das die Saat einer mehr als 40jährigen intensiven Kultur empfing, die einen unerschöpflichen Ernte­segen spendete.

Die „Kreuzzeitung" schreibt: Das über alle Maßen

glänzende Ergebnis der zweiten Kriegsanleihe ist in seiner Wirkung einer modernen Schlacht gleichzuachten.

Im „Berliner Tageblatt" wird geschrieben: Mit dem

Gelde, das dem Reichsschatzamt jetzt zur Verfiigung gestellt wird, werden wir mindestens bis zum Oktober ohne weitere Anleiheankündigung auskommen. Sollte dann wiederum an den Kapitalmarkt appelliert werden, so wird von neuem dem Ruse, den das Vaterland ergehen läßt, Folge geleistet toerden.

Der Krieg im Grient.

Die Beschießung der Dardanellen.

Lin ausführlicher Bericht über den Kampf am 18. März.

W. T.-B. Konstantinopcl, 21. Marz. (Nichtamtlich) Ver­spätet eingetroffener ausführlicher Bericht des Sonderbericht­erstatters das Wolfs scheu Bureaus an den Dardanellen.

' Die Versuche der Alliierten, die Durchfahrt durch die Dardanellen zu erzwingen, erreichten ihren Höhepunkt in

der siebenstündigen Seeschlacht vom 18. März, in welcher dre Mannschaft der türkischen Forts Wunder von Helden­mut verrichteten, indem sie unentwegt in einsn Hag» von Geschossen aushielten. Die ganze Atmosphäre w ar vet * dunkelt durch die explodierenden Geschosse, die aufgeworfe­nen Erdsäulen und die Pulverwolken. Die Erde erbebte meilenweit. Die Alliierten fuhren um 11% Uhr vor­mittags in den Dardanelleneingang ein und warfen ihre Ge­schosse in die Stadt Tschanak Kale. Zunächst nahmen an dem Gefecht vier französische und fünf englische Schiffe teil. Die anwesenden Berichterstatter hatten anfangs ihren Beobachtungsort in dem Fort Tfchirrenlik bei dem alten Schlöffe Sultans je, dann, durch einen Geschoßhaget von dort vertrieben, auf einem Hügel außerhalb der Stadt. Als sie den Turm verließen, krepierten an zwei Stellen in ihrer unmittelbaren Nähe Granaten. Gleichzeitig fielen die Geschoffe über der Stadt immer dichter, wühlten die Stra­ßen auf und erfüllten die ganze Umgebung mit dichtem Rauch, während die zu kurz gefallenen Geschoffe mächtige Wasser­hosen aussteigen ließen. Um 1% Uhr erreichte da§ Feuer seinen Höhepunkt. Es war jetzt konzentriert auf die Forts Tschimmelik, Hamidieh und die umliegenden befestigten Plätze. Der gewaltige Kampf moderner Schiffs­artillerie gegen die starken Küstenforts bot ein ebenso in- tereffantes wie grausiges Schauspiel. Nach 1 Uhr flaute dev Kamps zeitweilig ab, wurde aber bald daraus wieder mit sol­cher Heftigkeit ausgenommen, daß die Forts in Rauch­wolken zeitweilig verschwanden. Um 2 Uhr änderten die Alliierten ihre Taktik, indem sie e i n z e l n e Batterien in un­regelmäßigen Abständen beschoffen. Das Einschietzen erwies sich dabei offenbar als schwierig. Die Granaten fielen dabei vielfach zu kurz und ins Waffer, oder zu weit, und dann in die Stadt Tschanak Kaie. Die Nachmittagsbeschießung hatte um 3 Uhr 15 Min. ihren Höhepunkt erreicht, als plötzlich das französische Linienschiff „B o u v e t" mit dem Heck zu sinken begann, während der 5öug hoch zum Himmel fich reckte. Die Mannschaften der türkischen Forts, deren Kampfesmut auf das höchste entfacht war, brachen in brausende Hurrarufe aus. Torpedoboote und andere Fahr­zeuge eilten dem sinkenden Schiff zu Hilfe, konnten ober nur, wenige Leute retten, da das Schiff durch die Explosion einer Mine unter.Waffer und durch einen Volltreffer übe, Wasfer (also keine Mine, wie die Franzosen ossauben machen ivvllen. Schrift!.) aus das schwerste beschädigt loar. und rasch sank. Wenige Minuten später sahen die Bericht­erstatter, wie ein britisches Schiss von einem türkischen Ge- schoß aus dem Vorderdeck getroffen wurde. Mit gekapptem Mast, der im Gewirr der Takelage über Bord hing, versuchte das Schiff den Ausgang der Dardanellen zu gewinnen, was offenbar infolge eines Maschinenschadens von Sekunde zu Sekunde schwerer wurde. Gleich darauf erhielt ein anderes britisches Schiff einen Volltreffer auf DeckmittschiffS und mußte sich gleichfalls vom Kampfplatz entfernen. Um 4 Uhr 45 Min. mußte ein drittes britisches Kriegsschiff schwer beschädigt unter rasendem Feuer der Türken fich auS dem Ge­fecht ziehen. Es war der sch w e r st e S ch l ag für die Alliier­ten, als das britische Schiff sich gezwungen sah. i n n e r halb des Feuerbereichs der türkischen Batterien auf Strand zu laufen. Eine volle Stunde lang, versuchten die Alliierten, mit ihren Geschützen das der Vernichtung ge­weihte Schlachtschiff zu decken, bis acht Volltreffer die Aus­sichtslosigkeit all dieser Bemühungen besiegelten. Darauf folg­ten weitere 10 Minuten qualvollen Rückzugs- kampfes. Endlich gewannen die Schiffe der Alliierten un­ter einein Hagel von Geschaffen den Ausgang der Dardanellen, während die Artillerieforts das Feuer nicht eher ern- stellten als. bis das letzte feindliche Schiss aus dem Feuer- bereich verschwunden war. Diese Schlacht brachte zum ersten- mal die Schiffe der Alliierten auf längere Zeit in den F e u e r b e r c i ch der türkischen Geschütze. Das Ergebnis war dank der T r c f f s i ch e r h e i t der türkffchen Artillerie für die Feinde entsetzlich, die ihrerseits, obwohl sie annähernd 2000 Granaten abfeuerten, keine Batterie zum Schwergen brachten. Wer die tatsächlichen Ergebnisse der Schlacht wurde bereits berichtet. Der Verlauf des Kampfes hat das S e 1 b st v e r - trauen der türkischen Mannschaften gewaltig gesteigert. Alles sieht den kommenden Entwicklungen zuversichtlich ent­gegen.

«ein neuer Knariffsverfuch am Sonntag.

W. T.-B. Konstantinopel, 21. März. (Nichtamtlich) Das Hauptquartier meDet: Die Flotte der Alliierten unternahm! heute keinen Arrgriffsverfuch gegen die Dardanellen.

Sieben englische und französische Kriegsschiffe in Reparatur.

Saloniki, 21. März. Nach der Aussage von Reisende« hegen vor Lem n o s sieben englische und ftanzösische Kriegs­schiffe, welche die Beschädigungen, die sie erlitten haben, ausbessern.

Die Freude m der Türke,.

W T.-B- K-nstantinopel, 22. März. (Nichtamtlich.) Die Zeitungen heben die Bedeutung des Sieges an den Darda- nellen hervor, der, den von dem Dreiverbände gemachten Be­mühungen zur Täuschung der öffentlichen Mei­nung zum Trotz, beträchtlich die Lage derjenigen vor dem Auge der Welt als schlechter erscheinen lasten werde, dio seit einem Monat unaufhörlich die Meerenge angreifen. 52io Zeitungen drücken den Verteidigern der Meerenge ihren Dank aus und danken der österreichisch-ungarischen rmd deut­schen Presse für ihre anerkennende Würdigung.