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r --—^ Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagblatts. i»-~==g i
Nr. 67. Samstag» 20. März. ****>
(Schlutz.)
vor«.
Roman von E. Krickrberg.
Nachdruck verboten.
Hein^ achtete nicht auf den Ausfall. „Das Ganze läuft also auf eine Gemütskvankheit hinaus", stieß er hervor. „Herr Rat, kann jener furchtbare Zufall, der ihr bas Auge raubte, vielleicht auch schuld an diesem neuen Leiden sein?"
Der Sanitätsrat zuckte bedächtig die Schultern. „Wer kann das mit Bestimmtheit sagen, — schon möglich."
Heinz sank auf seinem Stuhl zusammen. „Das ertrage ich nicht! Herr Rat. die Dore müssen Sie mir gesund machen . . . Sie müssen, sage ich Ihnen!"
„I. sehe einer den jungen Herrn! Ich habe das in nreiner Westentasche, natürlich! Nehme ein Pülver- chen heraus, der Patient schluckt es und ist ritsch-ratsch Msund! Vielleicht versuchen Sie lieber selber einmal Ihr Heil, — sind vielleicht kompetenter in diesenr Fall als ich, — haben ja immer sehr viel Einfluß auf die Kleine gehabt."
„Ach, Herr Doktor, mir ist wahrhaftig nicht zum Scherzen zumute. Sie kennen ja die ganze furchtbare Geschichte von damals, Sie werden sich denken können, daß es für mich unerträglich sein müßte, Dore durch meine Schuld zeitlebens leiden zu sehen. Selbst wenn ich ihr sonst ganz fern stände . . . und so—"
„Was denn, so?"
„Sie ist mein alles, Herr Rat. Ich liebe sie und will sie zu »«einer Frau machen."
„So, hm! Wie komnü denn da das Fräulein Cou- sinchen auf seine Rechnnng?"
Heiirz machte eine ungestüm ablehnende Bewegung: „Nur nichts von ihr in diesem Augenblick. Aber da einmal ihr Name genannt ist, will ich Sie noch bitten, des Fräuleins von Grening meinen Eltern gegenüber keine Evwäl«ming zu tun. Sie ist unter Umständen aus «lnsernr Hause gegangen, die es wiinschenswert machen, sie so schnell wie möglich zu vergessen."
„Was Sie sagen! So — so . . . u««d ich dachte indiner, da wäre so ein kleines Techtelmechtel zwischen . . ." er zeigte auf Heinz und hinter sich in die Lust. „Im. Vertrauen: die war gar nicht von Birkenhain, sondern vom Blocksberg. Also vorbei! Gratuliere . . . aber auch wirklich kein Katzenjammer?"
Heinz «nnßte unwillkürlich lächeln. „Nein, Herr Doktor, nicht den miridesten. Sie als Arzt kennen doch dos Alpdrücken? Nun, ich hatte eines Nachts solch Alpdrücken; es war abscheitlich, kann ich Ihnen sagen, aber am Morgen nach dem Erwachen war's vorüber, so vollkommen, daß ich karim eine Erinnernng davon zurückbebalten habe."
„Da kann «nan Minen ja zum rechtzeitigen Erwachen Glück wüirschen! Mancher klaubt zeit seines Kobens an solche i verumiedeiten Alpdrücken. Ick« kenne eine, die hat's gewaltig gepackt, die laboriert noch immer daran, — vielleicht helfen Sie ihr, daß sie es loS wird. Ist einfach christliche. Nächtstenliebe. Und nun Gott befahlen, junger Herr. Wenn ich Ihnen doch keine Mixtur verschreiben darf. .
„Aber die Dore, Herr Rat?"
Der Rat blieb stehen und sah ihn zwinkernd mit gut gespieltem Ärger an. „Würde ain Ende meine Pflicht nicht tun, wenn man niich nicht mit der Nase darauf stippte."
„So ist's nicht gemeiirt, — das wissen Sie ja. Und . . . heiraten wird Dore niemals dürfen?"
„Nientals!" entschied der Sanitätsrat kategorisch. Und dann ging er zur alten Herrschaft hinüber, Heiirz in dumpfer Verzweiflung zurücklassend. Ehe er aber «rach einer sehr ernsten Unterredung mit Herr» und Fron von Greiling das Haus verließ, schickte er Heinz durch den Diener einen Brief, der riß ihn hastig ans — ein Rezept lag darin: „Für Fräulein Werlich vom alten Doktor gegen Alpdrücken: 6,0 amor, 5,0 kicke« gut durcheinandergeschüttelt, dreimal täglich in einem halben Tassenkopf anima (officium ausgeschlossen) einen Eßlöffel voll. Als Nachkur baldige Verlobung und zur Besiegelung endgültiger Heilling die Hochzeit."
Einen Augenblick starrte Heinz fassungslos auf das Billett, daun ging ihm wie eine Erleuchtung dessenSinn auf. Mit einem Jnbelruf stürzte er ans Fenster» — da fuhr der alte Herr eben ab. Schelurisch zwinkernd grüßte er herailf. Heinz riß das Fenster ans und schwenkte mit ei««em Hurra den Brief in der Lust wie ein übermütiger Junge.
So schnell wie an diesem Tage ivar er nie zi« Dore gelangt. Sie hatte die Nacht schlaflos verbracht wie er. @ein Kuß brannte auf ihren Lippen weiter. n««d in ihrem Herzen regte sich leise, leise ein Glücksahnei«.
Sie saß in deinselben Lchnstuhl wie damals, als er sie das erste Alal nach den« schiveren Unglncksfall wie- dergesehen hatte; zum Fenster herein siel Helles Sonnenlicht, nnd wenn es auch nicht wie damals die goldene Frühlingssonne war, auch die blasse««, klaren Herbstsonnenstrahlen warfen eine«« verklärenden Schimmer auf das sanfte, bleiche Gesicht, das fick« mit einen« Ausdruck kampfmüder Ergebenheit in die Polster lehnte.
Als Heiirz unverhofft eintet, schrak sie heftig zusammen, nnd im Arrgenblick blühten tiefrote Rosen ans den blassen Wangen. Witzgeschwind stand die Erinnerung an seinen Kuß wieder vor ihrer Seele, nnd in verlegener Scham wagte sie nicht, ihn aiiznblicken.
Er liatte auf dem Weg« zu ihr Zeit gehabt, wenigstens seinem äußeren Menschen wioder die alte gelassene Form auszi «.zwingen. Aber als er das scheue, zitternde Geschöpf vor sich sah, dessen Antlitz ihm in diesem unbÄvachten Augenblick deutlich verriet, was der Mimd so beharrlich verschwieg, «mißte er sich Gewalt antun, .daß er nicht zu ihr stürzte und sie an sein Herz riß. Er hatte sich sein Glück schwer gering erringen müssen, jetzt wollte er die Seligkeit der Eroberung der Geliebten auskosten bis auf die Neige. Gelassen bot er ihr die Hand: „Guten Morgen, Dore, ich koninre, um d«r zu melden, daß dein Wunsch erfüllt ist. Liddy hat
