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Samstag, 20. März 1913.

ttbend-Kusgabe.

Nr. 134. » 63. Jahrgang.

Der Nrieg.

Der Tagesbericht vom 20. März.

Ein Erfolg gegen Vie Engländer bei Hpern. — Französische klnariffe verlustreich zurück­geschlagen. — Memel von den Russen besetzt.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 20. März, vor­mittags. (Amtlich.)

westlicher Kriegsschauplatz.

An der Straße WltSzhaete-Bvern bei St. El-i nahmen wir den Engländern eine Häusergruppe fort. Am Südhang der Lorettahöhe wurde ein Schlupfwinkel, in dem sich noch Franzosen hielten, gesäubert.

In der Champagne verlies der Tag im allgemeinen ruhig, nachdem beim Morgengrauen unsere Truppen einige französische Gräben nördlich Beauscjour genommen hatten.

Französische Teilangrisse nördlich von Verdun in der Woevre-Ebene und am Ostrande der Maashöhcn bei C o m b r e s wurden unter schweren V c r l u st e n für den Feind zurückgeschlagen.

Gegen unsere Stellungen am Reichsackerkopf und Hartmannsweilerkvpf machten die Franzosen mehrere Vorstöße, dir schon im Ansetzen unter unserem Feuer mit erheblichen Verlusten zusammenbrachen.

Westlicher Kriegsschauplatz.

Aus der Ostfront verlief der Tag verhältnismäßig ruhig. Die Russen haben Memel besetzt.

Oberste Heeresleitung.

Der Handelskrieg gegen England. Neue Erfolge der Unterseeboote.

wieder eine ganze Knzahl englischer Schiffe versenkt.

W. T.-B. London, 19. März. (Nichtamtlich.) Wie die Prcßassociation meldet, wurde der Dampfer „F i n- p a l", der ungefähr 2000 Tonnen groß ist und zwischen London und Leith verkehrt, am Montagvormittag in der Nähe der Mündung des Flusses Coguet an der Küste von North hu mberla nd torpediert. Von der 27 Mann starken Besatzung sind 6 ertrunken. Einer der überlebenden erzählte, der ganze Boden des „Fingal" müsse aufgerisscn worden sein, da das Schiff binnen 2 Minuten untcrgegangen sei. Die Zeit hätte kaum genügt, eines der Boote abzuschneiden, in das einige hineiusprangen. Die anderen seien in See gesprungen und von den Kameraden aufgefischt worden. Bald darauf habe sic ein vorbeifahrendes Fischerfahr­zeug gerettet und in Northshiclds gelandet.

Aus derselben Quelle wird gemeldet, daß der Dampfer „Atlanta" am Sonntag früh, mit Stück­gut beladen, die Galways Docks verlassen habe. Fünf Meilen von der Jnishturkinsel sah der Kapitän das Periskop eines Unterseebootes, das augenscheinlich das Schiff verfolgte. Der Kapitän gab Volldampf und be­gann, als das Unterseeboot schon ziemlich nahe war, einen Zickzackkurs zu steuern. Die Geschwindig­keit der „Atlanta" war aber nicht halb so groß wie die des Unterseebootes, so daß dieses fast bis aus Rufweite hcrankam und zu feuern begann. Als der Kapitän sah, daß keine Aussicht auf ein Entkommen war, ließ er die Besatzung in die Boote gehen. Bald darauf sahen sie die „Atlanta" in Flammen und das Unterseeboot eiligst gegen Südwest verschwinden. Die Besatzung erreichte nach mehreren Stunden Jrishboffin.

W. T.-B. London, 19. März. (Nichtamtlich. Mel­dung des „Reuterschen Bureaus".) Die Dampfer „Blues acket" und „Hyndford" sind auf der Höhe von Beacht, Head torpediert worden. „Hyndford" wurde leicht beschädigt und konnte Gravesend erreichen. „Bluejacket" hält sich noch über Wasser. Die Besatzun­gen sind gerettet worden, außer einem Mann vom Dampfer „Hyndford".

Ein weiteres (vpfer?

Nrrlin, 20. März. (Ktr. Bln.) Der „Köln. Ztg." zufolge erklärte der Koch eincZ vor San Sebastian liegenden eng­lischen Dmnvscrs, er habe zu der Besatzung eines Dampfers von 12 000 Tonmien Ra-nmgehalt gehört, der mit 8000 Tonnen Fleischknnserven im Ärmelkanal ans dem Wege nach England von einem deutschen Unterseeboot versenkt wurde.

weitere vermitzte englische Sch ffe.

w. T.-B. London, 19. März, lNichtamtlich.) Nach einer Veröffentlichung -der Admiralität werden folgende britische Schisse als vermiet bezeichnet: „B o r r o w d a l e". 1093 Tonnen groß, die am 21. Januar van Cardiff nach Granville fuhr : die Stahlbark „E n g e l h o r ft". 2439 Tonnen groß, die am 20. August mit einer Ladung Gerste von Val­paraiso nach Falmouth fuhr; „Membland", 3027 Tonnen groß, die am 15. Februar von Hüll nach dem Tyne fubr, und der Schleopdampfer „D i P l o m a t", der seit dem 15. Februar vermißt wird.

Die Angst vor den II-Booten.

XV. T.-B. Grimsb», 20. März. (Nichtamtlich) Hier wurde gestern ein Bootsmann des Dampfers „Truro" von . der Wilson-Linie zu 23 Tagen Gefängnis verurteilt, weil er ich geweigert hatte, mit dem Schiff a u s z u f a h r e n. Die übrigen Leute der Besatzung wurden aus demselben Grunde mit je 5 Pfund Sterling Geldstrafe belegt.

Der große Typ der neuen deutschen Boote.

W. T.-B. Rotterdam, 19. März. (Nichtamtlich.) Der „Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldet: Die englischen

Dampfer „Advoeat" und „Lestris", die in der Nordsee von deutschen Unterseebooten verfolgt wurden, sind gestern hier angekommen. Der Kapitän des „Advoeat" sagte aus. sein Schiff sei einem deutschen Unterseeboot 4 Meilen von der holländischen Küste entfernt begegnet. England besitze keinen so großen Typ, wix.dieser deutsche sei.

3um Untergang des Dampfers „Glenartney."

w. T.-B. London, 19. März. (Nichtamtlich.) Aus New- havrn wird über den Untergang des Dampfers „G l e n a r t - n e y" noch gemeldet: Der Dampscr, dessen Reisladung zum Teil für London, zum Teil sür Liverpool bestimmt war. wurde gestern abend 10,45 Uhr ohne Warnung ungefähr zehn Meilen von Bcachy Head torpediert. Die Bemannung bekam das Unterseeboot erst zu sehen, als sie sich in den Booten be­fand. Tie Besatzung sah den Dampfer eine halbe Stunde, nachdem er getroffen war, versinken.

3um Fliegerangriff auf den Rüstendampfer „vlonde".

W. T.-B. London, 19. März. (Nichtamtlich.) „Dailv Mail" meldet: Der Küstendampser „Blonde" war ein internierter deutscher Dampfer, der von der Regierung übernommen worden war. Er ist am Mittwoch im Tyne angekommen. Er war am Montag etwa 3 Niesten von Northforland von einem deutschen Flugzeug angegriffen worden. Wie der zweite Offizier erzählt, kam das Flugzeug ■ etwa eine halbe Meile vor dem Schiff aus einer Nebelbank und kreuzte in einer Höhe von ungefähr 500 Fuß über dem Dampfer. Das Schiff vollsührte unter Volldampf eine plötzliche Wendung, so daß zwei Bomben, die der Flieger fast gleichzeitig abwarf, 20 Fuß von dem Hinterteil des Schiffes ins Wasser sielen. Die „Blonde" setzte mit Volldampf die Wendungen fort, so daß zwei weitere Bomben, die der Flieger abwarf, ebenfalls fehlgingen. Nachdern er eine fünfte Bombe, die in der See explodierte, abgeworfen hatte, verschwand der Flieger in nord­östlicher Richtung im Nebel.

Englische Beklemmungen.

Berlin, 20. März. (Ktr. Bln.) Trübselige Betrachtungen werden laut „Köln. Ztg." in der „Morningpost" ausgestellt: Deutschland könne nicht ausgehungert werden, aber Eng­land müsse sparen, den Gürtel fester schnallen. Für Frankreich uiid Belgien werde jetzt die Lage grausam, fast unerträglich, daher dürfe England keine abwartende Politik treiben, sondern müsse alle Mittel an eine mög­lichst schnelle Durchführung des Krieges setzen.

Die angebliche Esfektivblockadc.

Sr. Kopenhagen, 20. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) In einem Telegramm an die Washingtoner Regie­rung über Englands Absicht, alle Zufuhr nach Deutschland abzuschneiden, erklärte Staatssekretär Grey nach der Mel­dung der „National Tidendc", daß die englische Flotte die Effektivblockade bergestellt habe. Mit Hilfe einer Kette von Kreuzern wird die ganze Ausfuhr von und dre Einfuhr nach Deutschland scharf kontrolliert werden.

Ein amerikanischer Einspruch in England bevorstehend.

XV. T.-B. London, 19. März. (Nichtamtlich.) Das „Rcutersche Bureau" meldet aus New Bork: Es ist u n z w c i f el h a f t, daß die amerikanische Regierung gegen die neue britische Verordnung, betreffend den deutschen Handel, Einspruch erheben wird.

W. T.-B. London, 19. März. (Nichtamtlich.) Die „Times" melden aus Washington vom 17. März: Die Anzeichen mehren sich, daß Präsident Wilson einen scharfen Protest gegen die britische Seepolitik einlegen wird. Die amtliche Erklärung der britischen Politik scheint seine Überzeugung nicht zu ändern, daß es seine Pflicht ist, gegen die mit den amerikanischen Rechten und Handclsinteressen unvereinbare Ver­letzung des Völkerrechts aufzutreten. In Regicrungs- kreisen scheint eine ehrliche Enttäuschung dar­über zu herrschen, daß England sich weigerte, die Einfuhr amerikanischer Lebensmittel nach Deutschland züznlasscn, wofür die deutschen Unterseeboote zurückberufen worden wären. Keine Zeitung unter st ü tz t beute die britische Politik, alle er­klären, entschlossen zu sein, den P r ä s i d c n t c n zu unterstützen. Der Korrespondent der „Times" erwähnt die Äußerung des Senators Walsh, eines Kupferintcr- essenren^ daß das britische Vorgehen in der Geschichte beispiellos sei und daß ungewöhnlich energi­sche Vorstellungen dagegen erhoben würden. Unter den Senatoren herrsche allgemeines Bedauern, daß der Kongreß nicht vor der Schließung den Präsi-

>entcn ermächtigte, Lieferungen an die Krieg- ührenden zu verbieten.

Holland hofft auf entaegenkommende Behandlung.

XV. T.-B. Amsterdam, 19. März. (Nichtamtlich) Das „Handelsblad" meldet aus dem Haag: Obwohil wöder die 'ranzösische noch die englische Verordnung über die Repressalien etwas über ein besonderes Entgegenkommen enthal­ten, das den niederländischen Eigentümern von Gütern deutscher Herkunft erwiesen werden solle, und obwohl beide Gesandte bisher keine bestimmten Instruktionen hierüber er­hielten. ist doch aller Grund vorhanden, anzunchmen, daß btc Repressivmaßregeln im Sinne eines besonderen Entgegenkom­mens gestaltet werden. Namentlich wird vermintlich der ^'Güterverkehr zwischen Holland und seinen Kolonien nicht belästigt werden.

Der Ansstand am Clvde.

XV. T.-B. Rotterdam, 19. März. (Nichtamtlich) Wie der „Rotterdamsche Courant" berichtet, beschloß das technische Per­sonal der Werke am Clyde mit 5616 gegen 1522 Stimmen, sich hinsichtlich der Arbeitsbedingungen den Beschlüssen der Schiedsgerichtskommission der Regierung zu fügen, die ihre Arbeiten sofort beginnen soll.

Der lUordanschlag gegen §ir Roger Tasement.

FindlayS Oiückbcrufung.

Kopenhagen, 19. März. (Ktr. Bln.) Die englische Regie­rung hat sich nun endlich bemüßigt gesehen m der Angelegen­heit des englischen Gesandten F i n d l a y irgend welche Maß­regel zu ergreifen, nach dein Bekanntwerden der Anklage Sir Roger Casements war Findlay von seinem Posten in Ebristiania auf kurze Zeit beurlaubt worden. Wer es scheint bereits damals sestgestanden zu haben, daß der Ge­sandte nicht dorthin zurückkehren wird. Nun mel-> fcct „Daily News", daß der englische Gesandte zum 30. April endgültig abbernfen wird. Um die Wirkungen die- ses Schrittes nach außen hin einigermaßen a b z u« schwächen, hat die Dubliner Staatsanwaltschaft gegen Sir Roger Casement einen Steckbrief wegen „Hochverrats" erlassen. Die Abberufung des englischen Gesandten bleibt nichtsdestoweniger das Eingeständnis dafür, daß die Anklage Sir Roger Casements berechtigt war, und daß man sie in London, was ja gar nicht versucht wurde, in keiner Weise zu entkräften imstande ist.

Mangel an englischen Krankenpflegern.

Berlin, 20. März. (Ktr. Bln.) Die „Times" fordern dringend auf, eiligst ein P f l e g e r k o r p s zu organisieren.

vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.

Eine bevorstehende grotze Offensive auf der Westfront?

Berlin, 20. März. (Ktr. Bln.) Über eine bevor­stehende Offensive der Alliierten ans dem westlichen Kriegs­schauplatz spricht laut „B. T." der Korrespondent der „T i j d" in Dünkirchen.

Flucht aus Calais.

Berlin, 20. März. (Ktr. Bln.) Wegen der wiederholte.n Zeppelinangriffe auf Calais sollen laut „Täglicher Rundschau" viele Bürger nach Le Havre und Paris ver­zogen sein.

Vie Rämpfe an der tzser.

Kopenhagen, 19. März. „Bcrlingske Tidende" meldet wur der englischen Front: Die Kämpfe in Belgien haben sich ron La Baffee und St. Cloi nach dem äußer st en Westen der Kampfffont verschoben. Die Verbündeten drücken mit äußerster Kraftanstrengung auf die Iserlinie. Englische Kriegsschiffe unterstützen die Operationen durch das Bom­bardement W e st e n d e s.'

vie französischen Lügennachrichten und die deutsche kieeresleitung.

W. T.-B. Berlin, 19. März. (Amtli eh.) Im Ausland wird von französischer Seite die Nachricht verbreitet, daß eS sich bei der Winterschlacht in der Champagne n i ch t um einen Dnrch bruchsversuch, sondern um die Wsicht handelte, die deuffchen Kräfte zur Entlastung der Russen zn fesseln. Man will hiermit einmal den eigenen Mißerfolg bemänteln, und andererseits dem Bundesgenossen Sand in die Augen streuen. Leider ivird die Behauptung dadurch widerlegt, daß die Kämpfe, die am 16. Februar in der Champagne begannen nicht wohl russische Truppen entlasten konnten, die an diesem Tage schon in den masurischen Wäldern umzingelt wäre n, und daß ferner den Deutschen Befehle in die Hände gefallen 'sind, die den Durchbruch ausdrücklich an­ordnen. —- Der englische Oberbefehlshaber soll, wie ans Christiania und Bukarest gemeldet wird, den Verlust der Deutschen bei Neuve Chapelle aus 18 000 Mann beziffert haben. Diese Zahl übertreibt die taffächlichen Gcsamtver- lustc um das Dreifache. Auch sonst sind in letzter Zeis im Ausland teils unerhört übertriebene, teils völlig frei erfun­dene Nachrichten über grotze Verluste der deutschen Truppen verbreitet worden. Die deutsche Heeresleitung bleibt dem- gegenüber bei ihrem Entschluß, im allgemeinen auf den Kampf gegen Lügen zu verzichten. Sie trägt im Bewußtsein des Vertrauens des eigenen Volkes kein B e d e n ke n, die feindlichen Berichte nach wie vor auch zur Veröffentlichung in der deutschen Presse zuzulaflen.