Sette »«
Abend-Ausgabe. Erstes Blatt.
Nr. 15»
Land »erlaffen könnten. Nur rin Franzose wurde von drei
arabischen Lanzenreitern ans Pferd gebunden und in gestrecktem Galopp weggeführt.
Einführung einer Fremdenkontrolle in der Türkei.
T-B. Konstantinopel, 18. März, (Nichtamtlich.' AniLrch wird gemeldet: Es ist ein Gesetzentwurf veröffentlicht worden, der den Aufenthalt und die Reisen fremder Staatsangehöriger in der Türkei betrifft und am 1. April in Kvast tritt. Demnach müssen sich arrkommenide Fremde sofort und diejenigen, die sich gegenwärtig bereits in der Türkei aufhalten, binnen 2*4 Dionaten bei der Polizei melden, um die Erlaubnis zum Aufenthalt zu erlangen. Auf Befehl des Ministers des Innern ober auf Entscheidung des Ministeriums des Äußern können sie aus politischen oder administrativen Gründen oder aus Gründen der öffentlichen Ordnung in das Innere verbannt oder auf unbestimmte Zeit oder mit begrenzter Frist ausgewiefen werden. Ausländer, die in den Grenzgebieten oder an der Küste wohnen, können nach einem bestimmten Ort verwiesen oder ausgewiesen werden. Auch ein Paßgesetz, das den Paßzwang für Abreisent» und Ankommende einführt, ist derüffentlicht worden. Bag«, bunden oder verdächtige Persmn-n werden, selbst wenn sie einen Paß besitzen, nicht zugelaffcn
Ein neuer Bölkerrechtsbruch der Engländer.
Berhastung eines deutschen Konsuls in Persien.
Br. Kopenhagen, 19. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Der Petersburger „Rjetsch" meldet aus Teheran: In Bender wurde der deutsche Konsul Buscher von Engländern verhaftet und nach Indien verschickt.
vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.
Eine neue veschietzung von Arras.
Br. Genf, 19. März. (Eig. Drahibsvicht. Ktr. Bln.) Der Lyoner „Nouvellffte" -berichtet, baß Arras nach kurzer Ruhepause von neuem von den Deutschen beschossen wird. Bis jetzt sollen 300 Personen um- gekommen sein.
Die englischenDffiziersverluste bei Neuve Ehapello
Berlin, 19. März. Den neuen amtlichen englischen Verlustlisten zufolge wurden laut „Berliner Lokal- Anzeiger" bei Neuve Chapelle 59 Offiziere getötet und 132 verwundet, oder werden vermißt. Ferner erhielten die Familien die Meldung von dem Tode des Kommandanten des zweiten Bataillons der Gordon Highlanders, des Kommandanten des 6. Regiments derseDen Truppe und dreier weiterer Offiziere des nämlichen Regiments. Die englischen Flieger- und Flugzeugverluste.
Berlin, 19. März. (Ktr. Mn.) Stoch den „Daily News" seien seit Kriegsausbruch 72 englische Flieger getötet und 110 Flugzeuge vernichtet worden. Diese Ziffern bezögen sich auf die Operationen im Westen und ans der See.
Lin Angriff französischer Flieger auf Eolmar.
Br. Karlsruhe, 19. März. (Eig. Drohtbericht. Ktr. Mn.) Dienstagnachmittag warfen, wie auch der ärmliche französische Bericht erwähnt, feindliche Flieger Bomben auf Colmar, die in der höheren Mädchenschule und der Straßburger Straße explodierten. Mehrere Zivilpersonen wurden verletzt in das Spital gebracht.
Englische Soldaten auf dem elsäsfischen Kriegsschauplatz.
W. T.-B. Bafel, 19. März. (Nichtamtlich) Die Schweizerische Depeschenagentur meldet nach dem Blatt „Pays": Die Franzosen beschaffen gestern die Stellungen bei Moos und Meernach mit 75-Millimeter-Geschützen. Englische Offiziere wurden bei Reschesy-Pfetterhausen beobachtet. Ein Automobil mit vier englischen Offizieren hielt vor einem Gasthaus an der äußersten Grenze bei Rechesh. Man ersieht daraus, daß Engländer zur Unterstützung der Franzosen aus dem elsäsfischen Kriegsschauplatz einge- troffen sind.
Anklagen gegen den Stadtrat von Reims wegen mangelnden Schutzes der Kathedrale.
Br. Genf, 19. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Der „Cri de Paris" bringt scharfe Anklagen gegen den Stadtrat von Reims sowie gegen die dortige Museum-sleitung. Diese hätten es versäumt, die Portale der Kathedrale gegen die Beschießung zu schützen. Stücke von Statuen blieben wochenlang vor dem Dom liegen. Erst Ende Oktober ließ man den Dmnplcch mnzäunen. Das Watt zitiert einen Offizier,
Wiener Brief.
Von Dr. Hans Wantoch.
Vor diesem Krieg war es zwischen den ganz gescheiten Leuten eine ausgemachte Sache, daß in diesem Kriege, — an den ja keiner dachte und keiner glaubte — der Staat siegen müffe, der die pünktlicheren Eisenbahnen, die besseren Telephone und die zuverlässigeren Posten habe. Nun, ich bin niemals in Rußland gewesen und kenne daher die Friedensorganisation im heiligen Zarenreich nur vom bösen Hörensagen. Aber ich weiß, daß es mit diesen angenehmen und neuzeit» lichen Dingen, deren Wesen Pünktlichkeit und Schnelligkeit ist, in meinem Vaterland ehedem nicht zum besten stand >Jch weiß fteilich auch, daß sie ebenso in Frankreich, Belgien .und Italien zu wünschen ließen; ja, daß sie in dem alte« I Europa fast einzig und allein in dem jungen Deutschland auf der Höhe waren. Und so weit hatten die ganz gescheiten Leute mit ihrer Verknüpfung, Kriegsorganisation — Friedensorganisation ganz recht. Aber was nicht ist, kann werden. Wir rn Österreich drehten die Sache einmal um. Wir schlagen zuerst einmal unsere Feinde und werden dann ein moderner Berkehrsstaat. Meinetwegen, mag nun Lloyd .George sagen: der Militarismus hat gesiegt. Oder: die Ver- preußung Österreichs. Wir im Lande der Gemütlichkeit kön- kNOi pro Kopf und Woche mindestens 200 Gramm Stramm- kheit vertragen.. Niemals — auch deutsche Freunde bestätigten (mir das — reifte man in Österreich angenehmer, prompter, ^pünktlicher als jetzt. Die Feldpost funktioniert gut. Und - Wunder aller Wunder! — mein Telephon bringt mich nicht mehr zur Raserei. Erst dachte ich: natürlich, es liegt an mir' Der Weltkrieg stimmt sanfter. Man hat jetzt andere und größere Note, als daß inan diese kleinen und alltäglichen be- «Stete. Dann aber, als immer wieder und wieder die Num-
_Wiesbadener Tagblatt.
der Skulpturenstücke kaufte. Englische Offiziere hätten davon ganze Sammlungen angelegt. An der Zerstörung des Domes trage der Stadtrat ebenso Schuld als die Beschießung.
lvie den französischen Soldaten Mut gemacht werden mutz.
Ein Lügencrlaß des französischen Generalstabs.
W• T.-B. Großes Hauptquartier, 18. März. (Amtlich.) Bei einem im Walde von Bolante in den Argonnen gefallenen ftanzösischen Offizier des 5. Kolonial-Regiments wurde der nachstehende gedruckte Befehl gesunden. Zunächst wurde das Schriftstück hier nicht ernst genommen, da es nicht glaubhaft erschien, daß sich die feindliche Heeresleitung zu der Herausgabe eines solchen Machwerkes erniedrigen würde. Nachdem aber festgestelli ist, daß der Inhalt des Schriftstückes zahlreichen Gefangenen bekannt war, und nachdem westlich Lille ein weiterer gleicher Abdruck des Befehls durch Raketen an unsere Truppen herübergeworfen wurde, kann cm seiner Echtheit nicht mehr gezweifelt werden. Es steht also fest, daß die französische Heeresleitung mit folgendem Erlaß einen letzten Versuch unternahm, für den mißglückten Durchbruchsversuch rn der Champagne den entmutigten Truppen Dinge vorzutäuschen, die ihnen neue Hoffnung einflößen sollte.
Grand Quartier General, deuxieme bureau,
8. Mars 1915.
llrvser Sieg ist gewiß. Die ftanzösischen Armsen haben jetzt sieben Monate hindurch gefochten mit dem Willen zum Siege. Von nun an kämpfen sie mit der Gewißheit des Sieges.
1. Die deuffchen Verluste:
Das deutsche Heer kann sich nicht mehr verstärken, weder an Zahl noch an innerem Gefechtswert. Es ist dem Untergang verfallen. Die Verluste der Deuffchen einschließlich der Kranken übersteigen jetzt schon drei Millionen. Die Regimenter und Bataillone sind vollkommen verbraucht. Für die Regimenter sind durchschnittlich nur noch 12 Berufsoffiziere zum Dienst vorhanden^ und da das deutsche Offizierkorps sich nur aus den ersten Gesellschaftskreisen ergänzt, ist Deutschland nicht mehr in der Lage, den Truppen neue Offiziere zu- zuftrhren. Die deuffchen Geschütze sind abgenutzt. Diele ihrer Granaten krepieren nicht. Unsere Soldaten wissen es. Für die Rrkrutenausbildung steht nur jedem dritten Mann ein Gewehr zur Verfügung.
2. Deutschland verhungert:
Der Nachschub an Kriegsmaterial für die kämpfenden Truppen, schon bisher schwierig, fängt cm, unmöglich zu werden. Die Flotten Englands und Frankreichs beschlagnahmen alle Waren, die von dem Ausland für Deuffchland herange- führt werden. Die deutsche Zivilbevölkerung erhält Brot, Kartoffeln, Bier und Fleisch von der Regierung in nur unzureichender Menge. Beweise für die Unzulänglichkeit der Verpflegung finden sich in Briefen, die deutschen Gefangenen und Toten abgenommen worden sind. Die deutsche Regierung hat diesen Mangel selbst anerkannt, indem sie die amerikanische Regierung ersuchte, die Verpflegung der deutschen Zivilbevölkerung zu sichern und diese zu beauffichtigen. Ein solcher Vorschlag, der übrigens von Amerika abgelehnt wurde, steht bisher einzig da in der Geschichte einer Großmacht. Das deuffche Geld hat in den neutralen Ländern einen Kursverlust von 15 Prozent -erfahren. Die deutschen Soldaten, bisher von ihren Offizieren planmäßig über alle Krregsereig- nisse getäuscht, fangen langsam an, zu begreifen, daß Deutschland geschlagen ist und daß die Hungersnot das durch unsere Waffen begonnene Zerstörungswerk vollenden wird.
3. Die Verbündeten Deutschlands geschlagen:
Die Türkei, der Verbündete Deutschlands, wird in ihrer eigenen Haupfftadt durch die Flotte Englands und Frankreichs bedroht. Griechenland und Rumänien haben mobil gemacht, um sich uns anzuschlietzen. Die Russen haben soeben den 3-ersuch eines deutschen und österreichischen Angriffs im Keime erstickt und dabei noch nicht einmal den fünften Teil ihrer ungeheuren Kräftequellen im Rekrutennachersatz verbraucht. Die Serben haben die Österreicher für immer aus ihrem Lande vertrieben. Die deutschen Schlachtschiffe wagen nicht, den schützenden Hafen zu verlassen. Was die Unterseeboote anbetrifft, so haben wir und unsere Verbündeten schon mehr davon in den Grund gebohrt, als sie selbst Handelsschiffe vernichten konnten. Der Sieg ist uns sicher. Ohne Mitleid für den Feind muß er bis zum letzten Ende durchgeführt werden.
4. Die Verbrechen der Deuffchen:
Mitleid verdient Deutschland wahrhaftig nicht. Seine Regierung hat durch den Einfall in Belgien seine Vertragspflicht gegen dieses edle Land auf das gröblichste verletzt und
mer, die ich rief, sich meldete, wurde mir die Sache ganz unheimlich. Ich forschte nach, und — wirklich! — e§ war im Zentraldienst eine Verbesserung eingeführt worden. Mitten im Kriege!
Jawohl, es geht nicht nur auf den Schlachtfeldern von Galizien vorwärts mit uns! In diesen sieben Monaten wurde manches nachgeholt, was wir in siebenmal sieben Jahren, seit 1866, versäumt haben. Freilich, vieles bleibt uns noch zu lernen. Aber wir wissen nun, von wem. Von Deuffchland nämlich, unserem zwar jüngeren, aber gewaltigeren Bruder. Weiß er, wie sehr, wie unendlich wir ih» lieben? Es hat etwas Ergreifendes. Als der Krieg begann, Ende August oder zu Anfang September, sagte mir ein recht hoher Herr: „Wenn wir ein paar deuffche Regimenter nach Galizien bekämen, es würde an Elan und Ansporn eine neue Armee aufwiegen, wenn die Uusrigen sähen: Deutschland ist mit uns, Deutschland ist unsere Hilfe und läßt uns nicht allein? Nun haben wir sie dort. Viele Regimenter. Und manchen von ihnen, verwundet in der Karpathenschlacht, genesend in einem Wiener Spital im dritten Bezirk, haben wir gar hier. Die deutschen Jungens! Immer ist, wenn sie sich auf der Straße zeigen, gar nicht mehr schwach und humpelnd, sondern schon wieder stramm und hell und lachend: immer fft ein Schwarm um sie. Die Leute drängen sich um sie. Die Naschmarktweiber, auf hochdeutsch:Höckerinnen an Obstständen, füllen ihnen die Taschen mit Äpfeln und Orangen Autos halten an und elegante Herren schütten ihnen den In- halt ihrer Zigarettentasche in die Hand. Und dann die Wie. ner Buben! Jawohl, sic schnitten es in' alle Rinden ein. Es gibt in den 21 Wiener Gemeindebezrrken keine Planke und in sämtlichen Wiener Gärten kein Schneebeet, auf dem nicht geschrieben stünde: „Hoch Deutschland!"
„Ja, wir lieben dieses Land", ließe sich mit Björnstjernt BjörnsonS Naüonalhymne sagen. Und — fast glaube ich —
Freitag, 19. März 1915.
im Lande des Feindes jedes Völkerrecht außer acht gelaffen. Die deutschen Truppen haben offene Städte beschoffen, wehrlose Dörfer in Brand gesteckt, Greise und Kinder ermordet» Frauen und Mädchen geschändet. Die Unterseeboote haben sogar Neutrale Handelsschiffe versenkt. In den Gebieten Frankreichs und Belgiens, in denen die Deutschen zurzeit bausen, zwingen sie die Frauen, deren Männer im Felde stehen, sich ihrem brutalen Willen zu fügen. Viele der Unglücklichen gehen schwanger infolge der Vergewaltigung.
5. Die Leiden der ftanzösischen Gefangenen:
In zahlreichen Kümpfen haben wir gesehen, wie die Deuffchen in planmäßiger Bestialität unsere Verwundeten mit dem Bajonett töteten. Die wenigen, die als Gefangene ab- geführt worden sind, sind in Deuffchland fürchterlicher Willkür und Gemeinheit ausgeliefert. Sie sterben vor Hunger. Ihre Nahrung besteht des Morgens und des Abends aus einem Aufguß von Eicheln, des Mittags aus einer Suppe, dazu für je fünf Mann ein verschimmeltes Brot.
6. Der sichere Sieg:
Welche Schlußfolgerungen sind nun aus alledem zn ziehen? Zunächst die Mahnung, unsere Kräfte doppelt anzu- spannen, um das nahe Ziel zu erreichen, nämlich die Sicherstellung und dauernde Erhaltung des europäischen Friedens» andererseits aber die Überzeugung, daß eS besser ist, auf dem Schlachtfelds zu sterben als den Deuffchen in di« Hände zu fallen und an Entkräftung oder Schwindsucht in ihren Kerkern elend umzukommen. Also vorwärts! Vertrauensvoll mit aller Kraft dem sicheren Siege entgegen» dem Siege des Vaterlandes und der Republik, dem Siege von Recht, Freiheit und Sitte.
Eine Erläuterung zu diesem Befehle zu geben» erübrigt sich. Oberste Heeresleitung.
Die Wirkung unserer Fliegerbomben.
Der Amsterdamer „Telegraaf" berichtet dem „B. L.-A," zufolge aus belgischer Quelle, daß die deuffchen Tauben Dünkirchen feit einiger Zeit verschont hätten. Man hätte dort noch genug vom letzten Nachtangriff, der nach offiziellen Angaben 102 Tote gefordert habe. In der Stadt sei der Materialschaden auf Zehntcrufenlde und im Hafen auf Millionen zu schätzen. In den Häusern werden Tausende gesprungener Fensterscheiben nicht mehr erneuert, sondern meist durch Holzlatten ersetzt, weil sie doch wieder springen. Auf die unverletzten klebt man Kreuze von starkem Papier, was Schutz vor Zerspringen gewährt. Sobald die Kirchturmwachen feindliche Flieger sichten, werden die Glocken geläutet. In wenigen Augenblicken find sodann die Sftaßen menschenleer, jeder flüchtet in das nächste Haus, wo die Keller zum Unterschlupf bereit sind, bis die Gefahr vorüber ist.
Der jüngste französische General gefallen.
Der im Dienstalter jüngste General der französischen Armee, de Grandmaison, wurde dem „B. L.-A." zufolge bei einer Rekognoszierung getötet.
Kus der französischen Kammer.
Ribot über die Steigerung der Kriegsausgaben.
W. T-B. Paris, 19. März. (Nichtamtlich.) Die Kammer nahm die Erhöhung des Ausgabebetrages der Staatsschatzscheine auf 4% Milliarden an. Der Finanzminister Ribot erklärte, daß der Erfolg der Staatsschatzscheine die Wünsche der Regierung überlreffe und führte unter dem lebhaften Beifall des Hauses weiter aus, daß große Schwierigkeiten auftreten würden, der Staatsschatz aber sicher sei, sie zu überwinden. Ribot legt die Bedeutung der Kriegsausgaben dar, deren Steigerung infolge neuer Notwendigkeiten erwartet werden müffe, besonders infolge der Dardanellenexpedition und infolge der Unterstützung, welche den Bewohnern der besetzten Gebiete im Augenblick der Befteiung ihres Territoriums gewährt werden müsse.
Line englische Berechnung der gesamten Kriegs- kosten bis 31. Juli.
Br. Amsterdam, 19. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) über die Kosten des Weltkrieges hielt Edgar C r a m - mond am Dienstag in London vor den Mitgliedern der Königlich Statistischen Gesellschaft einen Vorftag, worin ex die gesamten Kriegslasten bis 31. Juli 1915 auf 9147 900 000 Pfund Sterling (183 Milliarden Mark) berechnete, vorausgesetzt, daß der Krieg solange dauern wird. Er berechnet für die Verbündeten 4890900000 und für Deutschland und Österreich - Ungarn 4 277 000 000 Pfund Sterling. Crammond berechnet diese Ziffern aus den direkten Ausgaben der Staaten, der Vernichtung a,i Eigentum und dem kapitalisierten Wert des Verlustes an Menschenleben und anderen Verlusten.
c,n ganz klein wenig hat es auch uns gern. Allerdings — wie man zu sagen pflegt — „unbekannterweise". Aber schon sind eine Menge Leute da, die das Gefühl haben: das muß aiiders werden. Gottfried Traub sprach das ans und vor ihm als erster der Berliner Kunstschriftsteller Fritz Stahl in einem schönen Artikel: „Erinnerung an Wien". Keiner las das ohne Ergriffenheit. Keiner aber auch ohne ein bißchen Melancholie. Wirklich, war es so weit, mußte man an Wien erst erinnern? Gott, wir waren ja nicht eingebildet, aber immerhin dachten wir, daß Wien zu den paar Begriffen ge- hörte, die jedem „guten Europäer" geläufig sind. Nun, ja, vom Hörensagen. Aber auch eine Dichtung kennt man nicht, wenn man nur vom Hörensagen von ihr weiß. Und ein La n d ist eine Dichtung Gottes.
Gott war ja nicht sparsam, als er diese Stadt und all daS liebe Grün darum erschuf, das immer höher in den Himmek ragt und am Ende jetzt ewig ist, wie die Schwingen eines Engleins. Welche Millionenstadt der Erde hat das noch? Ich glaube, daß es sich schon deswegen lohnte, sich das mal anzusehen. Und vieles, vieles andere auch, was wir haben und das in unserer Art und unserem Charakter ähnlich, sanft und still, ein wenig müde, ein bißchen lächelnd ist, wie der Kranz der molligen Hügel und Bühel rings um unsere Stadt. Ich glaube ganz gewiß, daß unsere deuffchen Freunde hie» finden werden, was man nach dem Giganteudrama dieses Krieges suchen wird: ein bißchen Lyrik.
Nun bin ich schon ganz drin im Ton eines Sommerhotel. Prospektes, und natürlich bin ich genau wie der Mann, der einem P. T. Publikum einen wahren Jungbrunnen verheißt, weniger um das P. T. Publikum besorgt als um den Wirt weniger um Deutschlands Vergnügen als — natürlich nicht unt Österreichs Hotelrechnungen, wohl aber — um Österreich» Wirtschaft. Sollen die nächsten zehn oder zwanzig Jahre erfüllen, was dieser Krieg und der Sieg in ihm uns verheißt»
