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wfflS BerlinerSchriftleituu, des WieshadeurrTagblatts: »ersin-WilmerSdorf «üutzelstr. 66, Feruspr.: BmtUhland 450 u. 451. Tagen und Wttze» wird k-in- Bewahr übernommen.

Nr. 132. 63. Jahrgang.

Freitag, 19. Marz 1915.

Nbend-Kusgabe.

Der Krieg.

v«r Tagesbericht vom 19. März.

Französische Mißerfolge in der Thampagne und bei Verdun. Russische Angriffe in Nordpolen unter sehr schweren Verlusten abgeschlagen.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 19. Mar?. (Amtlich.)

westlicher Kriegsschauplatz.

In der Champagne scheiterten zwei französische Teil­angriffe nördlich Le Mesnil und nördlich Beau Sejour. Zwei Offiziere, 70 Franzosen wurden gefangen genom­men. Nach schweren Berlnsten zog sich der geschlagene Feind unter unserem erfolgreichen Feuer in seine Stellungen zurück.

Südöstlich von B e r d u « machten die Franzosen mehrere Borstöße. In der Woevreebene wurden sie abgewiesen» am Ostrand der Maashöhen wird noch gekämpft.

westlicher Kriegsschauplatz.

Die Lage bei Memel ist noch nicht geklärt. Anscheinend sind schwache russische Abteilungen in Memel ein ge­drungen. Gegenmatzrrgeln sind getroffen.

Sämtliche russische Angriffe zwischen Pisse! und Orzhc sowie nordöstlich und westlich von Praschniisch wurden abgeschlagen» zum Teil unter sehr schw eren Verlusten für den Feind.

Die Verhältnisse südlich der Weichsel sind unver­ändert. Oberste Heeresleitung.

Oie englisch- französische Schlappe in den Dardanellen.

Außer dem französischen Panzerkreuzer Vouvet" ein feindliches Torpedoboot ver­nichtet und ein weiteres englisches Panzer­schiff kampfunfähig gemacht.

W.T.-B. Konstantinopel, 19. März. (Nichtamtlich.) Das Hauptquartier meldet: Heute vormittag liy 2 Uhr eröffnet,:» 14 feindliche Panzerschiffe das Feuer gegen die Dardanellenbatterien. Um 3 Uhr nachmittags zog sich ein Teil der Panzerschiffe aus unserem Feuer zurück. 8 Panzerschlffe setzten das Bombardement bis 5 Uhr in sehr großen Zwi­schenräumen fort. Außer dem französischen Pan­zerkreuzerBouvet" wurde ein feindliches Tor­pedoboot zum Sinken gebracht. Ein englisches Panzerschiff vom Jrresisttble-Thp wurde kämpf- unfähig gemacht; ein anderes vom Cornwallv-Tvp beschädigt und gezwungen, sich aus der Kampflinie zurückzuziehen.

Türkische Freude über die Vernichtung deS französischen PanzersBouvet".

"W. T--B. Konstantinopel, 19. März. (Nichtamtlich.) Das Schicksal des PanzerkreuzersBouvet" rief hier ungc- heuere Freude hervor. Bald nach Bekanntwerden der Nachricht flatterten an zahlreichen Gebäuden Fahnen in osmanischen und den Farben der Verbündeten.

80000 Mann für einen feindlichen Landungs- verfuch bei den Dardanellen.

Vf. T.-B. Athen, 19. März. (Nichtamtlich.) Ans T e n e -

dos wird gemeldet: In Mudos sind 50 000 australische, eng­lische und französische Kolonialtruppen unter General Damade sür einen Landungsvcrsuch bei den Dardanellen ver­sammelt.

Frhr. v.d.Goltz über die Oardanellen-Verteidigung

w. T.-B. Berlin, 18. März. (Nichtamtlich.) Die Bossische Zeitung" meldet aus Konstantinopel: Marschall

v. d. Goltz äußerte sich auf dem gestrigen Kriegsabend bei der Gattin des deutschen Botschafters: Einen etwaigen er­

neuten Angriff auf die Dardanellen werden die Türken mit noch größeren Vorbereitungen abzuweisen wissen. Ich bin sicher, daß kommende Historiker die Darda- nellenverteidignng als große kriegerische Leistung der Türken verherrlichen werden. Die Erfahrung, die ich aus diesem Kampf zog, ist, daß auch kleinere und mitt­lere Artillerie mit großem Erfolg gegen Panzer­schiffe verwendbar ist.

Vie Eindrücke des amerikanischen Botschafters an den Dardanellen.

Konstantinoprl, 18. März. (Frist. Ztg.) Der amerika­nische Boffchaster Morgentau ist gestern von seiner Fahrt nach den Dardanellen zurückgekehrt. Der Botschafter äußerte sich in Ausdrücken uneingeschränkten Lobes über das dort Gesehene. Er vermochte einwandftei festzustellen, daß die dortige Verteidigung von den feindlichen Flotten bis­her in keiner Werse alteriert wurde. Der Botschafter dürste seine Eindrücke dem Staatsdepartement in Washing­ton übermittelt haben.

Der vluff von Smyrna.

Athen, 18. März. (Ktr. Dln.) Verschiedene Zeitungen bezeichnen das Bombardement Smyrnas als B l u f f, um Griechenland in den Krieg hineinzuziehen. Schaden haben weder die Forts noch die Batterien erlitten. Der Wal: von Smyrna ließ bei Beginn der Beschießung 2000 englische und französische Untertanen festnehmen und drohte, diese dem Feuer der feindlichen Flotte auszusetzen, wenn das Bombardement fertdauern würde. Der englische Admiral begann darauf durch Vermittlung des amerika­nischen Konsuls Verhandlungen mit dem Mali. Er ,orderte Schleifung des Forts und Übergabe des HasenS,, während die Stadt unter türkischer Verwaltung bleiben werde. Nach Ablehnung dieser Forderung verlangte er, daß im Falle des Einlaufens deutscher oder österreichischer Kriegsschiffe den Engländern die Verfolgung derselben in den Hafen gestattet sein solle, ohne daß die Forts eingrifsen. Auch dieses Ansinnen wurde von der Konstantinopeler Regierung verworfen.

Die Türken in Rorna eingezogen.

W. T.-B. Konstantrnopel, 18. März. (Nichtamtlich.) Nach Privatmeldungen aus Bagdad sind die türkischen Truppen nach der Verfolgung des Feindes in Korna eingezogen. Die Engländer, die sich in die Stadt) ge­flüchtet hatten, zogen sich sodann gegen Süden zurück. Im Laufe des Kampfes, der sich in der Stadt ent­spann, schossen die Engländer, von einer Panik er­griffen, gegeneinander^ Auf türkischer Seite ist kein Verlust zu verzeichnen.

Der Dschihad im Sudan.

Auch das umfassende Vertuschungssystem, welches die britische Regierung mit Hilfe des Reuterschen Lügen- ducsaus der ganzen Welt gegenüber inszeniert, kann die Tatsache nicht mehr verheimlichen, daß über den Pyramiden ein schweres Unwetter aufgezogen ist: Das Nilland, welches England im Jahre 1882 vorübergehend besetzte" und das es bald nach Beginn des Weltkrieges aller Voraussicht nach auch nur vorüber­gehendannektiert" hat, befindet sich nach zuverlässigen Nachrichten aus verschiedenen Quellen in dem Zu­stande einer Gärung, die zum Aufstand treibt. Der neue Khedive Hussein K a m e I, dem von vornherein nur die Rolle des Zaunkönigs zugsdacht war und der. durch Ein Fetwa des Scheich ül Islam des Verrates gegen Allah, den Propheten und die islamische Gemein­schaft beschuldigt worden ist, genießt in Ägypten nicht nur keine Autorität, sondern er wird teils versteckt, teils offen angefeindet. Vergeblich hat die englische Regierung versucht, die Kunde von der Erklärung des Dschihad' dem ägyptischen Volke vorzuenthalten. Die Mitglieder der mohammedanischen Orden, die, wie der Kadrija, Mandanija, Rachmanija, Maulanija. Rasaja, Saadija und Selamija, ihren Sitz in Kairo haben und die einen entscheidenden Einfluß auf die Scharen der Gläubigen in Nordafrika und Arabien bis nach Persien hin ausüben, verbreiteten die Kunde vom Heiligen Krieg gegen den Feind des Khalifen, gegen Großbritannien, und sie fanden im Pharaonen­lande einen werktätigen Helfer in dom Bunde Jung- Äqypten, Ms das wirksamste Organ des Dschihad aber hat sich die fanatische Sekte der S e n u s s i er­wiesen) deren Niederlassungen, d. h. eigentlich Klöster, den ganzen Norden Afrikas durchziehen.

. Diese Senussi, deren Großschcich die Engländer vergeblich die verlockendsten Angebote gemacht haben, um ihn zum Bündnis gegen den Sultan der Türkei zu verlocken, sollen nach Privatnachrichten, die auf Um­wegen nach Deutschland gelangt sind (siehe den gestri­gen und heutigen unten wiedergegöbenen Bericht aus derPossischen Zeitung"), bereits den ganzen S u d a n in ihrer Gewalt haben. Überall sind danach die verstreuten kleinen englischen Garnisonen von den bereits auf 80 000 Mann angewachsenen Wüstensöhnen n t eder ge macht worden. Bei Faschoda vernich­teten 40 000 Derwische die Armoe des Generals .tzawley, die, nachdem die viertausend eingeborenen Soldaten zu den Aufständischen übergegangen waren, noch 2000 Mann zahlte. Auch die Hauptstadt Karthum ist be­reits in den Händen der Derwische, nachdem offenbar die Garnison niedergemetzelt worden ist, und es sollen nunmehr alle Stämme, die bisher noch zu England hielten/ sich zu der Losung bekennen, die bei den Mpham- medanern als Gruß gelte: Allah vernichte die Engländer!

Eigentlich können diese Meldungen gar nicht über­raschen, denn es war kl a r, daß in dem Augenblick, wo die Verkündung des Dschihad ihren Weg nach dem Sudan fand, dieser für England und die dortigen Engländer verloren waren. Handelt es sich doch um ein Gebiet von mehr als 2 Millionen Qua­dratkilometer mit einer Bevölkerung von etoa, 3 Millionen Einwohnern, inmitten deren die ver­streuten kleinen britischen Garnisonen machtlos waren.

Auch haben die Engländer im Laufe der letzten Jahr­zehnte wiederholt erfahren, wie gefährlich für sie die Aufstände der M a h d i st e n sind, die, so oft sie auch geschlagen wurden, immer wieder mit verstärkten, Kräf­ten vordrangen. Nun hat die britische Regierung unterdessen ihre Truppen in Ägypten ans , etwa 150 000 Mann erhöht, und zwar sind es vorwiegend englische, kanadische und australische Kontingente, wäh­rend alle mohammedanischen Inder vorsorglich auf den europäischen Kriegsschauplatz gebracht wurden, wo sic jetzt fast durchweg auf Erholungsurlaub an der Riviera weilen. Wer England braucht diese Truppen, braucht noch mchr, wenn es dem türkischen Vor - chuf den Suezkanal ernsthaft begegnen will, nd so sah es sich außerstande, Sa§ bedrohte Sudangebiet zu retten, wird es auch auf die Dauer das Nilland und den Sue^kanal nicht halten können, obwohl es sogar den Vorstoß gegen die Dardanellen unternemommen hat, um die Türken dadurch in ihren Operationen gegen Ägypten zu beeinflussen.

Ein vergeblicher Versuch; so vergeblich wie die Berennung der Dardanellen, und so vergeblich wie die Bemühungen, die, Ausbreitung des Dschihad zu verhindern, von dem die Kunde, wie die Erhebung in Persien und die jüngsten Unruhen in Indien zssigen, überall hindringt, wo die Bekenner des Pro­pheten wohnen. Mit merkwürdigen Gefühlen aber wird der Bundesgenosse, werden die Franzosen, di« Kunde von dem Schicksal des Sudan vernommen haben. Warfen diese doch einst den Engländern vor, daß sie die Aufstände im Sudan nur als Vorwand zur Ver- längerung der Besetzung von Ägypten benutzten, und in dem vorhin genannten F a s ch o d a war es, wo im Jahre 1899 die Briten den Franzosen unter dem Obersten March and ein Halt zuriefen. Hat man in Frankreich dieSchmach von Faschoda" schon ganz vergessen? Aber freilich, zuweflen macht der Haß vergeßlich. Waren es doch Frankreich und Rußland, die einst gegen denbritischen Raub Agyp- tens" Einspruch erhoben, und England und Frank­reich tun heute so. als ob sie den Russen Konstantmopei erobern wollen, obwohl sie das doch beide einst alsBe­ginn der moskowitischen Weltherrschaft über Europa" bezeichnet haben. Man ersieht daraus, daH nicht nur die Not, wie es in ShakespearesSturm heißt, sondern auch der Haßzu seltsamen Schlas- gesellen" bringt, eben weil er blind macht!

Oie Rache der verwische.

Tcr neue Mahdi.

Berlin, 18. März. Die Veröffentlichungen eines Mit. arbeitcrs derVoss. Zeitung" über die Wahrheit in Ägypten und insbesondere über de» Ausstand im Sudan brö zur Eln» schließung Karthums durch die Derwische werden heute fort- gesetzt. Den Aufstand zustande gebracht zu haben, fct daS Verdienst eines Menschen, der bisher völlig im Dunkeln lebte, jetzt aber als derneue Mahdi" überall jubelnd begrüßt werde. Maburel Asl heißt dieser merkwürdige Partm- gänger der Türkei. Bevor ec in das Lager der Türken uber­ging, wußte kein Mensch etwas von ihm, nur einige Be­kannte sagen, daß er am See wohnte. Jetzt hat er am Bar cl Gebe! sein Lager aufgeschlagen und von hier aus de» Aus- stand durch den ganzen Sudan getragen. Er zog, wie es wei­ter heißt, mit seine» Streitkrüsten zunächst nach dem Weißen Nil abwärts nach Faschoda, schlug hier die geringen eng- lisch-ägyptischcn Truppen vernichtend anfs Haupt und ließ ohne Gnade jeden Gefangenen töte». Faschoda selbst wurde geplündert und verbrannt, überhaupt bil­deten Mord und Plünderung die hauptsächlichste»! Taten der Aufständischen, ganz wie in den Zeiten des erste». Mahdi. Der Fall von Faschoda geschah am 13. Dezember. Der Mahdi trennte hier seine Macht in zwei Teile. Etwa 10 000 Krieger ließ er in Faschoda zurück. Diese untcrstelltr er einem blutdürstigen Nagara-Scheich. Er sollte nilabwärt» ziehen, überall Leute anwcrbcn und die Engländer vertilge» bis hinauf nach Uganda. Der neue Mahdi dagegen zog mit 30000 Mann, zu dcnrn fortgesetzt neue stießen, flußab­wärts, zerstörte bei Elobeit die Eisenbahn »ach Karthum und brachte einen englischen Panzcrzug zur Ent­gleisung. Ungeheuere Mengen Holz und Brennmaterial wur­den um den entgleisten Panzerzug ausgcschichtet, einig» Fässer Petroleum darüber gegossen und das ganze angczün- drt. Alle Insassen des Panzerzugcs mußten jämmerlich! e r st i ck c n. Rach diesen grausen Taten zogen die Aufstän­dischen nach Elobeit. Die schwache englische Garnison ergab sich, ohne einen Schuß zu tun, ans Furcht vor der Rache der Derwische. Aber das nützte nichts. Die 500 Kamelrciter gingen zu den Derwischen über, während die Sudan-Rifles, ebenfalls 500 Mann, sämtlich ermordet wnrden. Am 7. Januar standen 20 000 Derwische vor Scnnar. Die 200 Polizcisoldatcn waren nach Karthum abgeführt, die wenige» Zivilpersonen geflüchtet. Scnnar kam glimpflich davon. Am Morgen deS 11. Januar war Karthum von einem gewaltige» HeercShaufen der Derwische, annähernd 7 0 0 00 Mann, völlig cingcschlosscn. Auch nach Cyndurma« kamen die wilden Reiter des neuen Mahdi. Jetzt wurde diu Sache kritisch. Durch Fürsprache eines Araber­sch eich s erhielten die Familien die Zusagen, daß sie das