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Wiesbadener Tagblatt.

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Zreitag» 19. März 1913.

Morgen - Ausgabe.

Nr. 131. . 63. Jahrgang.

Der Krieg.

von den östlichen Kriegsschauplätzen.

ver österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Russische Augrisfe in den Karpathen verlustreich zurück- geschlagen. — In Südostgalizien 280 Gefangene.

W. T.-B. Wien, 18. März. (Nichtamtlich.) Amtlich wird Verlautbart vom 18. März: I« den Karpathen und auf den Höhen westlich Laberczrev wurde der Angriff stärkerer feindlicher Kräfte nach blutigem Kampfe unter großen B er lüsten für den Gegner zurückgeschlagen. Mehrere feindliche Kompagnien wurden hierher vernichtet.

Ebenso scheiterten in Südostgalizien wieder­holte Versuche der Russen, durch Überrascheudes Vorgehen numerisch überlegener Kräfte einzelne Stützpunkte in unseren Stellungen zu nehmen. Bei dem Zurückweisen dieser An griffe, die überall in den nächsten Distanzen im Feuer unserer Truppen zusammenbrachcn, wurden auch 280 Mann gefangen.

Auf allen übrigen Fronten hat sich nichts Wesent- iiches ereignet.

Der Stellvertreter des Chefs des GeneralstabcS: v. H ö f e r, Zeldmarfchallrutnant.

Oer Spiritusverkauf in Kutzland wieder gestattet!

Sr. Kopenhagen, 18. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) ..Rußkoje Slowo" teilt mit: Mit besonderer Genehmigung der Regierung begannen die Stadtverwaltungen in den russischen Ostseeprovinzen wieder mit dem Verkauf von Spirituosen. Man erblickt darin den Anfang zu einer Wiederaufhebung des Moholverbots, da sich herausgestellt hat, daß die russische Staatskasse die Einnahmen aus dem Woholmonopol nicht entbehren kann.

Vas Elend in Serbien.

Die verzweifelten Zustände, die der im ganzen Lande wütende Flecktyphus in Serbien herbeigeführt hat, werden Heiter in anschaulicher Weise durch eine Zuschrift des be­kannten Leiters des englischen Balkankomitees. Buxton, an die „Daily News" vom 18. d. M. beleuchtet, wonach schon lange vor Ausbruch der Seuche in den Lazaretten eine fürchterliche Not geherrscht haben muß. Er schreibt: „Ich habe Anblicke erlebt, die ich hoffentlich nie mehr zu erleben brauche. Und dies nicht etwa, weil das serbische Volk, und be­sonders die serbischen Frauen, nicht imstande wären, alle mög­liche Hilfe aufs äußerste auszmmhen; nein, weil es einfach un­möglich ist, allen Ansprüchen gerecht zu werden. Ich sah einen Barackenraum mit Verwundeten so überfüllt, daß man buch­stäblich über sie wegschreiten mutzte, um hindurch zu gelangen. Männer, die nichts hatten, um sich im Bett ztrzu- decken, als einen Überrock; Betten, paarweise so zu­sammengestellt, daß man drei Verwundete hineknstecken konnte; Bandagen und sogar antiseptische Gaze nach dem Ge­brauch gewaschen und wieder benutzt; Verwundete. d,e kaum humpeln konnten, in zugigen Gängen herumstehend und die Pflegerinnen um Socken und Hemden bittend, die nicht zu beschaffen waren; und endlich Hunderte von Leuten, die in Spitalpflege hätten bleiben sollen, aus den Betten ent­fernt um andern in noch schlimmerer Verfassung Platz zu machen, und ohne Pflege in den Straßen von Nisch herum- knändernd." — Seit der Zeit, wo diese Beobachtungen ange­stellt wurden, hat der Flecktyphus, der in ganz Serbien wütet, die Zustände wohl noch um vieles verzweifelter ge- staltet. _

Der Krieg im Orient.

(Eine russische Schiffswerft von den Türken in Vrand geschosien. - Das französisch« Panzer, schiff „Vouvet" in den Dardanellen in den Grund gebohrt.

W. T.-B. Konstantinopel, 18. März. (Nichtamtlich.) Das Hauptquartier meldet: Ein Teil unserer Flotte

beschost heute früh die Schiffswerft und den Übungs­platz für Torpedoboote westlich von Theodosta ttt der Krim und steckte sie in Brand. — Heute früh eröffnete die feindliche Flotte ein heftiges Feuer gegen die Forts der Dardanellen, welches mit Erfolg erwidert wurde. Um 2 Nhr nachmittags wurde das französische Panzer- schiff „Bonvet" in den Grund gebohrt.

Der „Sonne t" war ein älteres Linienschiff von 12 000 Tonnen Rauminhalt, das im Jahre 1896 vom Stapel lief. Es hatte mir 18,2 Kilometer Geschwindigkeit, hatte aber die an­sehnliche Bestückung von zwei 36ch-Zentimeter-, zwei 27.4- Zentimeter-, acht 14-Zentimeter-, acht 10-Zentimeter- und vierzehn 4,7-Zentimeter-Geschützen. Die Besatzung betrug 60* Mann.

Aufnahme von Verwundeten in Malta.

W. T-B. London, 18. März. (Nichtamtlich.) Der „Daily Telegraph" meldet aus Malta: Hier wurden Vor­bereitungen zur Aufnahme Verwundeter vom östlichen Kriegsschauplatz getroffen. Ein Teil der Verwundeten ist bereits arlgekomme».

Die englischen Minenaufräumungsversuche erneuert.

W. T.-B. London, 18. März. (Nichtamtlich.) Das Reuter-Bureau meldet aus Tenedos: Fischdampfer begannen wieder unter dem Schutze von Kriegsschiffen Minen fortzu­räumen. Dabei flog ein Fischdampfer in die Lust.

vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.

Einberufung der Iahresklasse 1916 in Frankreich.

W. T.-B. Paris, 18. März. (Nichtamtlich.) Der Kriegsminister ordnete die Einberufung der ^ahres- klasse 1916 an. Die Einberufung der Rekruten erfolgt, am 12. April, dir Einberufung der für die afrikanische leichte Infanterie bestimmten Mannschaften ist ans den 2. April festgesetzt.

Eine neue französisch-englische Offensive.

Sr. Christiania, 18. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der Berichterstatter der „Aftenposten" drahtet aus London: Die neue französisch-englische Offensive beginnt wahrschein­lich in einigen Wochen. Die britische Heeresleitung sei eines günstigen Erfolges ganz sicher. Es wist) jedoch von unterrichteter Seite eingeräumt, daß der Sieg große Opfer erfordern wird. Noch ist keine offizielle Angabe über die Verluste bei dem letzten Kampfe bei Neuve Chapelle veröffentlicht worden. Man glaubt deshalb, daß sie ernst­lich sind. In den englischen Lazaretten werden jetzt beson­dere Vorbereitungen getroffen, um Platz zu machen für eine größere Anzahl Verwundeter.

Die Bayern in Lille.

München, 16. März. (B. T.) Der hiesige Universitäts­professor Dr. v. Bissing, der Sohn des Generälgouvernours von Belgien, ist nach einer dreiwöchigen Reise durch Belgien und Frankreich nach München zurückgekehrt. Über seine Ein­drücke und Erfahrungen erzählte Baron v. Bissing einem Mit­arbeiter der „Münch. Ztg." u. a.: In Lille geht das Leben unverändert weiter. Die hauptsächlichste Sorge der Be­wohner ist eine etwaige Beschießung von französischer Seite. Bei der Liller Bevölkerung erfreue sich der Kron­prinz Rupprecht einer ständig wachsenden Popularität, weil man sehe, wie Bayerns künftiger König um das Wohl der ihm jetzt unterstellten Bevölkerung besorgt sei. Aitderer- seits habe seine hohe militärische Begabung und besonders seine glänzende, von allen oberen und niederen Militärstellen anerkannte Führung in der Schlacht bei D i e u z e einen wesentlichen Anteil an dem Lob, tftS von allen Seiten der Tüchtigkeit der bayerischen Truppen gezollt werde. Die Be­liebtheit des deutschen Kronprinzen stehe dem nicht nach. Sie ergebe sich außer aus dem auffechten Charakter des künftigen Erben der Kaiserkrone aus seiner unermüdlichen Sorge für das körperliche und geistige Wohl der deutschen Truppen. Professor v. Bissing schließt seinen Bericht mit den Worten: „Es steht in Belgien und Nordffankreich mit der deutschen Sache gut."

Die Beschlagnahme deutschen Eigentums in Frankreich.

Rach einer Erklärung des Ministers Briand in einer Kammersitzung soll die Anzahl der beschlagnahmten deutschen und österreichischen Firmen am 1t. März 8000 betragen haben. Nach den bis jetzt ausgegebenen Statistiken mehrerer Han- dclsblätter ist die Zahl jedoch noch zu niedrig gegriffen und dürfte in Wirklichkeit beinahe 9000 erreichen. Nicht mit­einbegriffen in diese Ziffer sind außerdem noch die gleichfalls beschlagnahmten Wohnungen und bewegliches Eigentum kleineren Wertes deutscher und österreichischer Bürger, die sich bis Kriegsausbruch in Franffeich aufhielten. Die Blätter drücken ihre Beffiedigung aus, daß auf diese Weise offenbar nach Millionen zählende deuffche Werte den ffanzösischen Behörden in die Hände gefallen sind.

Frankreichs Kriegskosten im Februar.

Nach einer Mitteilung des Finanzministers Ribot im französischen Kammerausschuß betragen Frankreichs Kriegs­kosten im Februar 1400 Millionen Franken, worin die den Verbündeten geliehenen Summen nicht einbegriffen sind. Die Einberufung der Jahrgänge 1915, 1916 und 1917 werde die Kosten natürlich noch weiter erhöhen. Das sind also f ü r d e n Tag 40 Millionen Mark Kriegskosten.

Zur Einfuhr zugelassene Schweizer Erzeugniste nach Frankreich.

IV. T.-B. Bern, 17. März. (Nichtamtlich) Laut einer Mitteilung der ffanzösischen Botschaft an die Presse werden bis aus weiteres solgeiwe Schweizer Waren ohne Ursprungs­zeugnis zugelasien, wenn keine Verdachisgründe vorliegen: Bijouterien, Taschenuhren mit Schweizer Kontrollstempel, Klndermehl, alkoholfreie Weine, gewisse Käse, Milch, konden­siert und sterilisiert, Schokolade, Bonbons. Die Verkehrser- leichierunaen treten sofort in Kraft. Die ffanzösischen Zoll­ämter haben bereits die notwendigen Anweisungen erhaltem „Neutrale" Amerikaner.

Vier amerikanische Flieger sind laut „Petit Parisien" ut französische Dienste getreten. Unter ihnen befinden sich Curtitz und Prince.

Das deutsche Beispiel in Belgien.

Die Weisungen Und Anregungen des Generalgouverneurs

Exzellenz v. Bissing, um dem Mansch an Lebensmitteln

in Belgien wirksam vorzubeugen, sind auf fruchtbaren Boden gefallen. Viche Kräfte werden wach, um die Maß­regeln der deutschen Verwaltung zu unterstützen und zu ergänzen. Im allgemeinen werden dafür die in Deutschland gegebenen Beispiele befolgt. So hat sich ein Zentral­komitee für den Anbau brachliegender Gelände ge­bildet, um auf diesen die Kartoffelkultur intensiv zu betreiben. Diese Ländereien sollen parzelliert und unrer notleidend« Familien verteilt werden. Bereits bestehende Vereine für ähnliche Zwecke, wie die „lligue du coin de terre", haben sich zur Mitarbeiterschaft bereit erklärt, und hervor­ragende Agronomen und Volkswirte sich für das gemein­nützige Werk zur Verfügung gestellt. Andersefts läßt das Nationalkomftee für Vollsernährung und Unterstützung Vorträge Es dem Lande halten, um die Bauern über die besten Methoden des Gemüseanbaues und die vorteil­hafteste Verwertung der Lebens- und Futtermittel auszu­klären Ferner werden die Hausfrauen und Kinder durch populäre und anregende Flugschriften in die Elemente des sparsamen Umgehens mit den Nahrungsmitteln etnge- weiht — Schließlich hat die bereits erwähnte „Ligue du coin de terre" bereits eine große Organisation geschaffen, um nicht nur Boden fiir Gemüsegärten, sondern auch Sämereien, Dungmittel, Werkzeuge usw. Unbemittelteu zur Verfügung zu stellen, die gleichzeitig an angegebenen Stellen alle nur wünschenswerten Aufklärungen erhalten. (Nordd. Allg. Ztg.)

Das englische Unterhaus.

Verfängliche Fragen eines Liberalen an Grey.

W. T-B. London, 18. März. (Nichtamtlich.) Der Liberal« Gothwaite fragte im Unterhaus Grey, ob ein Abkommen mit der japanischen Regierung über die Zukunft Tsingtaus beschlossen sei. — Grey verneinte. — Goth­waite fragte weiter, ob Grey sagen könne, zu welcher Stunde am 2. August die Entscheidung des Kabinefts, Frankreich zur See zu unterstützen, dem ffanzöfi- schen Botschafter in London überbracht worden sei und unk welche Stunde desselben Tages die deutsche Regie­rung in Brüssel die Gestattung des Durchmarsches durch Belgien verlangt habe. — Grey sagte, er könne nicht die genau» Stunde angeben. Es bestehe aber keine Ver­bindung zwischen den beiden Fragen, da, wie das Weiß­buch klar beweise, die deutsche Regierung von der britischen Regierung geffagt worden sei, ob sie die Neutralität Belgiens so lange respektieren walle, bis keine andere Macht sie ver­letze, und sie die Antwort geraume Zeit vor der Besprechung der Unterstützung Frankreichs zur See im britischen Kabinett ablehnte. — Gothwaite ffagte ferner: Ist es nicht ein Faktum, daß die Forderung der deutschen Regierung an Belgien ein deutliches Anzeichen dafür war, was Deutschland zu tun gedenke? — Grey erwiderte: Sicherlich nicht. Wir besaßen die ersten Anzeichen von Deutschlands Absicht, als wir eine Woche vorher ein gleichzeittges Ersuchen an die ffanzösische und an die deuffche Regierung richteten; die französische Regierung antwortete sofort zustimmend, daß sie die Neutralität Belgiens respektieren würde, während die deuffche Regierung sagte, sie könne keineAntwort er- teilen. — Gothwaite sagte: Wenn die Entscheidung des britischen Kabinetts am Morgen des 2. August gefällt und die deuffche Forderung nicht vor 7 Uhr erhoben wurde, ist es dann korrekt, zu sagen, daß wir unsere Neutralität nur wegen der Schändung Belgiens ausgegeben haben? — Der Sprecher entschied, daß diese Fragen schriftlich eingereicht werden sollen. — I o w e t t (Arbeiterpartei) fragte, ob die alliierten Regierungen sich über die Friedens, bedingungen, die Deutschland, Österreich und der Türkei aufzuerlegen seien, geeinigt Hüften. — Grey verneint«.

Eine englische Arbeiterkonferenz zur Sicherstellung der Kriegsliefernngen.

IV. T.-B- London, 18. März. (Nichtamftich. Reuter.) Unter den Auspizien der Regierung wurde gestern nachmittag eine große nationale Arbeiterkonfer.enz abge­halten, in der die Herstellung größerer Vorräte von Kriegs­material erörtert wurde. Es wurde ein Komitee von sieden Arbeiterführern gebildet, das alle Jndusftiezweige vertritt und als Beratungskomitee für die Regierung fungieren soll. Lloyd George hielt eine kurze Ansprache. Die Konferenz behandelte ferner das Verhältnis der Arbeiter und den neuen Plan der Regierung, die Jndusftie unter die Kontrolle des Staates zu bringen.

Der Handelskrieg gegen England.

Bon deutschen Unterseebooten verfolgt.

Br. Amsterdam, 18. März. (Eig. Drahtbericht. Kft. Bln.) Der holländische Dampfer „Batavier IV.", von Land»» nach Rotterdam unterwegs, wurde etwa eine Meile vom Maasfeuerschiff durch „17 28" angehalten, welches das Signal gab: „Stopv, oder ich schieße." Der erste Steuermann begab sich an Bord des „II 28", wo seine holländischen Papiere untersucht und in Ordnung beffnden wurden. Die Be­mannung erhielt die üblichen Zigarren u«l» „Batavier IV." fuhr weiter. Drei Meilen hinter der „Batavier IV." folgte der brittsche Dampfer „Leeuwar. den"; er wurde, wie gemeldet, von „17 28" versenkt.

ZV- T.-B- Amsterdam, 18. März. (Nichtamtlich.) Die Blätter melden aus Um-uiden: Der Dampfer „Waal- ftroom", der von London kam, wurde gestern südöstlich de« Maasleuchtschiffes von einem deutschen Unterseeboot a n - gehalten, durste aber wefterfahren.