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Wiesbadener lapp.

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Donnerstag» 18. März 1915.

Kbend-klusgabe.

Nr. 130. . 63. Jahrgang.

Oie Nriegsereignisse seit dem 10. Zebruar 1915.

Von General d. Inf. z. D. v. Blume.

III.

Im Orient befindet sich der Landkrieg noch in der Entwicklung. Der K a u k as u s ist ver­schneit, so daß dort größere Unternehmungen zurzeit nicht inöglich sind. Aus dem angrenzenden Gebiet von Nordpersien, dem Generalgouvernement Aser­be i d s ch a n, sind die russischen Truppen durch _ törtl­ichen verdrängt. An das Küstengebiet von Mesopo­tamien, am Persischen Golf, ist ein e n g l i s ch- indisches Expeditionskorps eingedrungen, hat nach anfänglichen Mißerfolgen K o r n a (am Zusammen­fluß des Euphrat und Tigris) erreicht, wird aber dort durch türkische und arabische Truppen in Schach gehal­ten. In Ägypten sind anfangs Februar türkische Aufklärungstruppen bis zum Suezkanal vor- gedrungen, seitdem aber weitere Nachrichten über mili­tärische Operationen von dort nicht eingegangen. An der Küste von Kleinasien haben am 7. und 8. März feindliche Kriegsschiffe die Forts von Smyrna ohne Erfolg beschossen.

Eine für den weiteren Verlaus des Krieges w l ch- t i g e Wendung ist neuerdings dadurch eingetreten, daß England, Frankreich und Rußland den Entschluß gefaßt haben, die gegenwärtige Weltlage zur Lösung der seit io langer Zeit strittigen Dardanellen­frage zu benutzen. Man wird in der Annahme kaum fehlgehen, daß England und Frankreich sich hierzu ge- nötigt gesehen hoben, um Rußland, das sich infolge seiner Niederlagen und der Beschränktheit seiner male- riellen Kriegsmittel sowie durch seine gegenwärtige Abgeschlossenheit von der übrigen Welt in einer mili- tärischen und wirtschaftlichen Notlage befindet, durch Öffnung der Dardanellen den Absatz seiner Lan­desprodukte sowie den Bezug von Kriegs- material und dadurch die fernere Teilnahme am Kriege zu ermöglichen.

Nach Nachrichten, die als zuverlässig gelten können, befinden sich die Befestigungen der Dardanellen und die zu ihrer Verteidigung dienenden Einrichtun­gen in tadelloser Verfassung. Ist dies aber der Fall und der bisherige Verlaus des am 19. v. M. begonnenen maritimen Angriffs scheint jene Nachrichten zu bestätigen so besteht selbst für die stärkste Flotte der Welt geringe Aussicht, die lange doppelte Fortreihe der Dardanellen niederzukämpfen und den Durchgang durch die schmale Meerenge zu erkämpfen. Es kommt dann der Angriff der Forts von der L a n d s e i t e in Frage. Allein die Türkei hält in und um Konstantinopel st a r k e Massen ihrer b e st e n Truppen bereit, die Beförderung größe­rer Heerkörper über See und ihre Landung in der Nähe des Feindes ist überall schv'ierig und gefährlich, endlich sind die örtlichen Verhältnisse für ein größeres Lan­dungsunternehmen in der näheren und weiteren Um­gebung von Konstantinopel besonders ungünstig. Un­sere Feinde hatten wohl gehofft, für und durch den An­griff auf die türkische Hauptstadt die Balkan- staaten als Bundesgenossen und Hauptakteure zu gewinnen. Nach der von Griechenland erhaltenen Ab­lehnung zu urteilen, scheinen sie sich hierin getäuscht zu haben. . ^

Mit dem 18. Februar ist die Erklärung der briti­schen Gewässer zum Kriegsgebiet in Mrksamkeit getreten, und unsere braven Blaujacken haben mit ihren Unterseebooten diese neue Form der Krieg­führung mit unübertroffenem Heldenmut und gutem Erfolg begonnen. Diese Tätigkeit bil­det einen wesentlichen Teil des wirtschaftlichen Krieges, durch den England, sich über alle menschlichen und völ­kerrechtlichen Bedenken, auch über alle Rücksichten auf die neutralen Mächte hinwegsetzend, uns letzten Endes zu unterjochen hofft. Aber es findet uns auch auf die­sem Gebiete stark gerüstet und von unbeug- samer Willenskraft beseelt. Vorläufig leidet es samt seinen Verbündeten und, zu unserem Bedauern, samt den Neutralen unter seinem Beginnen mehr als wir. Gewiß, auch wir müssen Opfer bringen und Ent- sagung üben, haben uns vor jeder Unterschätzung der noch zu überwindenden Schwierigkeiten zu hüten. Aber wir halten, einig unter uns und mit unseren Bundes­genossen, die uns treu zur Seite stehen wie wir ihnen, durch bis zum siegreichen En de.

Die Lage im westen.

Lin französischer Bericht über die deutschen Erfolge bei St. Lloi.

B»li«, 18. März. (Ktr. Bln.) Über die Kämpfe bei St Eloi schreibt Marcel Hutin imEcho de Paris": Die Deut­schen griffen Scmntagnacht nach Heranziehung von Verstär­

kungen das von den Engländern besetzte St. Eloi cm. Der Angriff ttxrc furchtb-ar. Wie ras e nd stürzten sich bre Deutschen vor und zwangen die britischen Truppen, wenn sie nicht umzingelt werden wollten. St. Eloi aufzugeben.

Die englischenGffiziersverluste bei NeuveLhapelle

Sr. Rotterdam, 18. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die amtliche englische Verlustliste, die gestern ver­öffentlicht wurde, enthält die Namen von 45 Offizieren, die am 12. März bei Neuve Chapelle getötet oder verwundet wur­den. 8 von ihnen gehörten zum zweiten Bataillon des Lon­doner Regiments.

Die Wahrheit.

Ein holländisches Zeugnis.

Amsterdam, 15. März. (Ktr. Köln.) Unter dieser Auf­schrift schreibt dieNien-we Rotterdamsche Courant" in der Nummer vom 14. März: Im letzten Bericht des englischen Augenzeugen" kann man folgenden bemerkenswerten Abschnitt lesen:Die Wahrheit ist, daß, obwohl die Stärke des Feindes im Westen sehr vermindert ist, wenn man. sie mit der, die er vor einigen Monaten besaß, vergleicht, und, obwohl unsere Macht gewachsen ist, die Deutschen trotzdem eine ungeheure Frontlänge besetzt halten, während sie gleichzeitig im Osten große Operationen zur Ausfuhr,mg bringen. Trotz dieser riesenhaften Krcrftanstrengnngen spürt man noch gar keine Abschwächung der morali­schen Verfassung der deutschen Truppen. Es ist auch, wenn wir von ihrem Standpunkt aus die Sache be­trachten, deutlich, daß bis jetzt für die außerordentlich tapfere, festentschlossene und ausgezeichnet organisierte deutsche Armee gar keine Veranlassung vorliegt, sich entmutigt zu suhlen. Wir geben diese Worte nicht wieder, um sie zu bekämpfen. Wir sind der Meinung, daß der Augenzeuge tatsächlich die Wahrheit spricht. . . . Das merkwürdigste in dieser Äuße­rung des englischen Augenzeugen ist wohl, daß jetzt von offi­ziöser englischer Seite der Nachdruck auf einen Punkt, der auch immer von deutscher Seite ins Licht gerückt wird, gelegt worden ist. Man erinnert sich noch gut, daß in den verschie­densten Blättern des Dreiverbandes öfter von mehr oder weniger offiziöser Seite behauptet worden ist, daß die deutsche Armee demoralisiert sei. Es fing schon an bei der Be- setzung von Lüttich, und diese Berichte häuften sich dann gerade reichlich, wenn die Deutschen wieder einen Erfolg er­rungen hatten. Man wird sich auch erinnern, daß die Deut­schen in den verflossenen Monaten keinen einzigen Angriff unternommen haben, der nicht von englischer Seiteein letzter hoffnungsloser Versuch genannt worden ist der nur deshalb unternommen worden sei, um die er­littenen Niederlagen zu rächen. Jetzt hört man andere

Töne. '

Line Ansprache des Kaisers an ein rheinisches Referveregimenl.

. DieKöln. VolkZztg." berichtet: Eine hohe Ehre wurde

,em Regiment 68 durch den Besuch des Gaffers am 13. Marz mterl. Gegen 4 Uhr nachmittags fuhr der Kaiser mit Äetolae in sechs Automobilen in N., wo unser Regiment für :in paar Tage zur Ruhe liegt, ein. Die 68er hatten m der Hauptstraße P a r a d e a n s st e l l u n g genommen. Nach Be­grüßung des Regiments, d,e freudig erwidert wurde, schritt 2e Majestät die Front ab, worauf im Parademarsch der. Vorbeimarsch des Regiments folgte.

Nach demselben führte der K a i s e r aus. daß er gekom men setz um dem Regiment 68 feine Anerkennung für d,e Tapferkeit und das Ausharren 'n starkem Granatfeuer sowie seinen Dank auszusprechen. Nicht nur die Augen ganz Deutschlands, sondern auch die der gan­zen Welt seien auf die Kämpfe in der C h a m p a g n e gerich­tet wo das 8. Korps und das 8. Reservekorps kämpfen und der Feind immer wieder mit erneuten und starken Kräften die Entscheidung des Krieges herbeizuführen sucht. Deut­sche Unerschrockenheit, Tapferkeit und Aus d a u e r hätten bisher die Bemühungen des Feinde-, an dieser Stelle unter g r o ß e n V e r l u st e n für die Franzosen zu­schanden gemacht und würden es auch weiterhin tun, bis die Zeit für einen für Deutschland günstigen Frieden gekom- men sei.

Rach den Worten des Kaisers führte der Regiments­kommandeur Major B. etwa folgendes ans: Jeder - Au gehörige des Regiments hätte schon lange diesen Augenblick, wo Se Majestät das Regiment besuchen würde, heroeige- sehnt Stolz sei das Regiment auf die Anerkennung durch den Obersten Kriegsherrn, und ein Ansporn wurde sie sein für jeden einzelnen, weiter seine Pflicht gegen Kaiser und Reicb zu erfüllen. Mit den Worten:Für unseren Kager

leben, kämpfen und sterben wir!" schloß er seine Aus- führungen, denen ein donnerndes Hurra auf den Kaiser

folgte.

Unter einem nochmaligen dreifachen Hurra erfolgte so­dann die Abfahrt des Kaisers. Im Borbeifahren grüßte Se. Majestät dann noch die weiter unten ans der Landstraße stehenden 6 5er, die gerade aus den Schützengräben zurückkamen. Nach Abfahrt des Kaisers brachte Korpskom­mandeur, Generalleutnant S.. die Anerkennung Sr. Majestät für den gelungenen und strammen Parademarsch den Trup­pen zur Kenntnis. Unter Vorantritt der Kapelle ging es dann zurück zu den Quartieren. Bei einigen Konzertstücken auf dem Dorfplatz und einem Trunk Bier wurde noch die

Freude über den Kaiserbesuch besprochen. Die Stimmung unter den 68ern, die den Kaiser hier von Angesicht zu Ange­sicht sahen, dürfte wohl in dem aufrichtigen Wunsch und der Bitte zu dem Allmächtigen Ansdruck finden: Gott erhalte

uns noch lange unseren Kaiser!

Reise des Königs von Sachsen an die Front.

Der König von Sachsen reist von Dresden nach Leipzig und von dort zu den sächsischen Truppen nach dem westlichen Kriegsschauplatz. Die Rückkehr erfolgt voraussicht­lich am 27. März.

vie französischen Tagesberichte.

IV. T.-B. Paris, 17. März. (Nichtamtlich) Amtlicher Be­richt vom 17. März, nachmittags 3 Uhr: An der D s e r f r o n t erzielte die belgische Armee neue Fortschritte und warf einen deutschen Gegenangriff zurück. Aus der Front der engli­schen Armee herrschte ziemlich heftige Kanonade. Nördlich von A r r a s versuchte der Feind erfolglos am späten Nach­mittag einen neuen Gegenangriff ans die Schützengräben aus der Höhe von Notre Dame de Lorette. Soissons und Reims wurden beschossen. Zwei Goanaten trafen die Kathedrale von Reims, ff) In der Champagne, nörd­lich von Le Mrsnil und westlich der Kuppe 166, bemächtigten wir uns in einer Front von 560 Metern eines wichtigen vom Feinde gehaltenen Grates. In den Argonnen warfen wir mehrere Gegenangriffe Mischen Bolante und Four de Paris zurück. Im W o e v r e herrschte nur Artillertekamps. Ein französischer Flieger bombardierte die Kasernen von Kalmar.

W. T.-B- Paris, 18. März. (Nichtamtlich.) Das gestern abend 11 Uhr veröffentlichte amtliche Communique lautet: Nördlich von Arras behaupteten wir uns trotz eines dritten vom Feinde in der Nacht vom 16. zum 17. März unter­nommenen Gegenangriffes in den Schützengräben, welche ioir am Rande der Höhe von Notre Dame de Lorette eroberren. In der Champagne wurden unsere Erfolge glänzend be­stätigt, der Feind konnte trotz aller Bemühungen an keiner Stelle einen Teil des eroberten Geländes wiedererringen. Im Gebiete von P e r t h e s rücken wir fortgesetzt vor. In dem Gehölz, welches zwischen Perthes und Souain sich erstreckt und längs der Straße von Perthes nach Tahur eroberten wir Schützengräben. Nördlich von L e M e s n i l besitzen die gestern eroberten Stellungen noch mehr Bedsntnny, gls der letzte Be­richt angab. " Tatsächlich bemächtigten wir uns eines mili­tärisch wichtigen Grates Ivestlich der Kuppe 196 auf einer Länge von 800 Meter sowie des Geländes südlich davon in einer Tiefe von 400 Meter. Dieser Fortschritt gibt uns nicht nur das erhitzte Gelände, sondern auch Ausblicke aus der Nordseite der großen Kuppe, die sich von Perthes bis Ma-ison de Champagne hinzieht. Der Feind fühlte deren Bedeutung wohl, denn er versuchte morgens, das verlorene Gelände durch äußerst heftige Gegenangriffe wiederzugewinnen- ^ Die Operation war von einem Landstnrmregiment ausgefübrt, das von der Garde unterstützt wurde. Die Deutschen wurden durch unsere Maschinengewehre buchstäblich niedergemäht. Die wenigen überlebenden gingen in ihre Schützengräben zurück, von unserem Feuer verfolgt. Im ganzen bestand das Ergeb­nis dieser fruchtlosen Versuche für den Feind in beträchtlichen Verlusten. In den Argonnen und im Gebiet von Vau- qouis fand eine heftige Kanonade ohne Beteiligung der In­fanterie statt. Alle ffüher -erzielten Gewinne wurden befestigt. Im Walde von La Pretere wutt>en einige deutsche Mannschaften, die sich in der Nacht in unseren Schützen­gräben in einigen durch die Explosion vom 15. März ver­ursachten Erdtrichtern behaupteten, endgültig daraus ver­trieben.

Die Zurückhaltung der Australier. Senegalesen und Indier.

W. T.-B. Mailand, 17. März. (Nichtamtlich) DemSeccLo" zufolge sind die ftemden Truppen der Verbündeten von der Front nach der fr a n z ö s i sch e n S üd ku st e gebracht wor­den, weil sie stark unter der Kälte litten. So sei an der Rrvrera

ein Heer von 200000 A u strali er n, S en egal e i e n und

Indern versammelt, um den Frühling abzuwarten und dann in Aktion zu treten.

Grotzsprechereien Llemeneeaus gegen Italien.

Br. Genf, 18. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) llemenceau nimmt jetzt in höchst befremdender Werse ieaen Italien Stellung. Er gesteht zwar, daß die Italic- nsche Neutralität Frankreich viele Vorteile brachte, und daß mch er selbst ffüher die militärische Hilfe Italiens wünschte, »eute jedoch denke er anders. Frankreich habe dies nicht »ehr nötig und hoffe allein zu siegen, wenn es auch ä n g e r dauern werde. Es wäre eigentlich beschämend ür Frankreichs Heroismus, wenn es heute neue Freunde oürbe. Frankreichs Stolz sei deshalb so groß, weil seine lufaabc riesig, aber doch die nationale Kraft nicht über- tetgend sei. Das Schicksal möge sich also erfüllen, auch o h n e

Die Einstellung der nachträglich für tauglich Erklärten.

W. T.-B. Lyon, 18. März. (Nichtamtlich.) DerNou-> velliste de Lyon" meldet aus Paris: Die Einreihung der

zurückgestellten und militärfreien Mannschaften der Terrrto- rialarmee in das Heer, welche bei der neuen Untersuchung diensttauglich befunden worden sind, hat begonnen Sie soll am nächsten Samstag beendet sein.